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  UE-Home → Online Empire 92 → Interview-Übersicht → REVIVER-Interview last update: 05.08.2022, 22:43:26  

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Die Karriere dieser Niederländer begann in den späten 90er Jahren durchaus vielversprechend. Sowohl die ersten beiden Demos als auch die beiden EPs »Gates Of Time« und »Osiris Eyes« kamen bei den Metalfans ganz gut an.
Doch nahezu unmittelbar nach der Veröffentlichung des selbstbetitelten ersten Langeisens, begann es, intern zu rumoren und das Line-up zu bröckeln. Das Ende der Band war damit vorprogrammiert, nicht jedoch die Rückkehr in die Szene. Die erfolgte, sehr zur Freude der immer noch überaus loyalen Fanbase, offiziell 2017. Es folgten fünf weitere Jahre, ehe die Formation nun endlich ihren heißersehnten, zweiten Longplayer »A Thousand Lives« vorlegen konnte.
Fred Mantel, der seit den Anfängen für die Leadgitarre bei REVIVER zuständig ist, gab bereitwillig Auskunft auf sämtliche Fragen. Ganz egal, ob es die Band, oder die Musik der Jungs das Thema waren.

REVIVER-Headline

Zunächst hätte ich gerne etwas über die Situation innerhalb der Band nach der Veröffentlichung Eures selbstbetitelten Albums im Jahr 2005 gewußt. Was war der Grund, die Band nur wenige Monate später aufzulösen?

Dazu muß ich ein wenig ausholen, denn es ist in der Tat eine Weile her. Ebenso, daß man von REVIVER etwas zu hören bekommen hat. 2005 sah noch alles sehr gut aus für die Band. Wir hatten unser ersten Langeisen veröffentlicht, und die Reaktionen darauf waren wirklich war großartig. Deshalb fingen wir recht bald damit an, Songs für ein zweites Album zu schreiben. Einige Monate später war die Lage nicht mehr ganz so entspannt, denn einige Bandkollegen waren inzwischen irgendwie unglücklich mit der Situation. Sie hätten sich wohl schnelleren, und mehr Erfolg erhofft. Das erste, was passierte, war, daß Patrick (Van Maurik, Vocals - ws) und Steef (Brederode, Baß - ws) ausgestiegen sind, um sich wieder MONTANY anzuschließen. Für REVIVER war das natürlich ein Riesenverlust, auch wenn wir den Wunsch der beiden damals verstehen konnten.
Diese Lücke konnten wir sogar füllen, da wir Pieter Bas Borger zurückholten, der bereits auf »Gates Of Time« gesungen hat. Allerdings machte das die Sache nicht unbedingt besser, sondern verzögerte das vorübergehende Ende von REVIVER nur. Zu diesem Zeitpunkt waren nämlich bereits fast alle Bandkollegen mit anderen Bands und Projekten beschäftigt, und daher mit dem Kopf längst nicht mehr bei REVIVER. Daher war es für uns alle die beste Lösung, die Band aufzulösen. Zumindest für eine Weile, dachten wir. Daß es im Endeffekt 17 Jahre dauern sollte, ehe wir mit einem neuen REVIVER-Album zurückkommen können, war allerdings nicht vorgesehen.

REVIVER-Bandphoto 1

Warst Du eigentlich auch ananderen Bands oder Projekten beteiligt, bevor REVIVER 2017 wieder den Betrieb aufgenommen haben?

Ja, so wie alle anderen auch. Patrick und Steef hatten sich, wie schon erwähnt MONTANY angeschlossen, Tom (Heemskerk, Gitarre - ws) und Tommie (Van Veenhuijzen, Schlagzeug - ws) eine Zeitlang bei PPTA gespielt. Tom hatte zudem auch den Baß bei CHAINSAW übernommen, und Patrick kurzzeitig auch noch bei der deutschen Band TRAGEDIAN gesungen. Ich selbst war zunächst bei PROFOUND und MAGNETUDE aktiv, und hatte mich NIGHTSNAKE angeschlossen. Ich hätte nie erwartet, solche Sachen zu machen, aber es hat wirklich Spaß gemacht in einer WHITESNAKE-Tribute-Band zu spielen.

Was war denn die Initialzündung für Euer Comeback? Woher kam der Ehrgeiz und die Motivation?

Tom, unser zweiter Gitarrist und ich hatten eine ganze Weile keinen Kontakt mehr zueinander. Erst gegen Ende 2016 traf ich ihn zufällig auf einem Marktplatz in Beverwijk. Meine Frau sagte, "Hey, ist das nicht Tom, der da drüben geht?". Ich entdeckte ihn auch und rannte direkt auf ihn zu. Ich erklärte ihm, daß ich mit einem Projekt zusammen mit Pieter Bas Borger am Gesang beschäftigt sei, und bat ihn, dafür einige Gitarrenparts zu spielen. Ehrlich gesagt das auch mein erster Versuch, REVIVER wiederzubeleben.
Was ich zu diesem Zeitpunkt natürlich nicht wußte, war, daß Tom längst wieder mit Patrick, Steef und Tommie aus dem Line-up von 2005 in Kontakt war. Also mußten wir eine Entscheidung treffen, bevor es wieder so richtig zur Sache gehen konnte.
Wer sollte bei der Band singen? Sowohl Patrick als auch Pieter Bas waren REVIVER-Sänger. Wir haben uns dafür entschieden, mit dem Line-up von 2005 fortzufahren, also mit Patrick, Steef und Tommie. Zuerst betrachteten wir das Ganze als sehr kleines Projekt, nur für uns selbst. Als wir jedoch mit den Aufnahmen beschäftigt waren, lief es verdammt gut. Und als Patrick seine Gesangsaufnahmen beendete, und die ersten Mixe hörte, rief er mich an und erklärte, daß wir mit diesem Album einiges schaffen werden.
So kamen wir wieder in Kontakt mit REMEDY RECORDS, die schon unser erstes Album veröffentlicht haben. Wir erzählten ihnen einfach, daß wir nach 17 Jahren doch noch ein neues Album fertig hätten! [lacht]

Wie lange hat es gedauert, das aktuelle Line-up wieder zusammenzubringen?

Als Tom und ich wieder Kontakt aufnahmen, waren nur noch ein paar Anrufe bei den anderen Jungs nötig. Die wurden allesamt positiv aufgenommen, und alle Beteiligten haben sich sehr darauf gefreut, sich wiederzusehen. Natürlich waren wir alle auch in den frühen REVIVER-Jahren gute Freunde. Wir haben viele gute Erinnerungen aus dieser Zeit. Es war also definitiv eine gute Entscheidung, wieder zusammenzuspielen.

Wann hast Du angefangen, die Songs für »A Thousand Lives« zu komponieren?

Da viele Songideen schon lange fertig, und zum Teil seit 2006 bei mir archiviert waren, haben wir zunächst einmal alles durchgehört und nachbearbeitet. Es gab aber logischerweise einiges zu ändern, und auch alle Texte und Gesangslinien sind komplett neu geschrieben worden. Ende 2017 waren aber dann alle Instrumentalparts fertig, und wir begannen mit den Aufnahmen. Später arbeiteten wir an den Gesangsspuren und Texten. Der letzte Teil war die Feinabstimmung der Gitarrensoli. Summa summarum haben sich die Aufnahmen also ein gutes Jahr hingezogen.

Hattest Du mit einer besonderen Absicht angefangen zu komponieren?

Ehrlich gesagt nicht. Es gab weder keine Intention, wie das Material klingen sollte. Wir haben einfach geschaut, was gut funktionieren würde. Außerdem hatten wir überhaupt keine Erwartungen. Wir wollten einfach nur wieder zusammen an einem Album arbeiten, um etwas zu schaffen, auf das man sehr stolz sein kann. Deshalb sind die Songs auch sehr variabel ausgefallen, und behandeln sehr unterschiedliche Themen. Im Gegensatz zum ersten Album, das sich mit antiken Mysterien beschäftigt, und eher ein Konzeptalbum war, wollten wir, daß jeder Song seine eigene Geschichte erzählt.

REVIVER-Singleshot: Fred Mantel

Ist das auch der Grund dafür, daß einige der neuen Songs doch deutlich härter und gerader klingen als das Debut?

Gute Frage. Die einzige Erklärung, die ich habe, ist, daß Patrick nun mehr am Songwriting beteiligt war. Unser neues Album ist von ein- und derselben Besetzung geschrieben worden, auf dem ersten dagegen waren auch einige Songs aus der ersten Bandphase, wie ›Revive And Survive‹ oder ›Gates Of Time‹, die stilistisch ein wenig aus dem Rahmen gefallen waren.

Wie würdest Du den Unterschied zwischen »A Thousand Lives« und Euren früheren Veröffentlichungen beschreiben?

Ich selbst betrachte das erste Album eher als ein US-Power Metal-Album. Das zweite Album tendiert für mich eher in Richtung eines traditionellen Heavy Metal-Albums. In einigen Reviews stand jedoch zu lesen, daß auch »A Thousand Lives« als US-Power-Metal-Album gesehen wird. Egal! [lacht] Auf jeden Fall liegen 17 Jahre zwischen beiden Alben, die die Songs in eine etwas andere Richtung geführt haben. Und auch die Art und Weise, wie wir das Album aufgenommen haben, unterscheidet sich stark. Dennoch macht es für uns den Eindruck, wir sind einer Zeitmaschine entstiegen, und die letzten 17 Jahren hätte es nicht gegeben.

Habt ihr eine Idee, was wir in naher Zukunft von Euch erwarten können?

Was die Pläne für die nahe Zukunft betrifft, so gehen wir davon aus, daß wir 2023 das dritte REVIVER-Album vorlegen können. Da wir schon viel Material dafür parat haben, klingt das keineswegs übertrieben. Aber natürlich kann auch noch viel passieren. Wir arbeiten tatsächlich schon an der Vorproduktion. Deshalb denke ich, daß 2023 wirklich realistisch ist.

Gibt es bereits Pläne für Gigs, oder gar eine Tour, um das Album zu promoten?

Im Moment planen wir noch keine Shows. Wir arbeiten allerdings an einigen Musikvideos, wie wir es bereits für ›Kill The King‹ getan haben. Aber nicht mit Hochdruck, denn wir sind wirklich schon sehr intensiv mit den Arbeiten am dritten Album beschäftigt. »A Thousand Lives« ist unser Comebackalbum, und uns geht es darum, die Band damit auf das nächste Level zu bringen.
Außerdem beschäftigt uns immer noch die Frage, was passiert wäre, wenn wir uns 2006 nicht aufgelöst hätten. Um das herauszufinden, gibt es einen Weg: Wir müssen einfach genau dort weitermachen, und regelmäßig neue Alben herausbringen. Für 2023 haben wir dann aber doch eine kurze Tour geplant, und zwar direkt nach der Veröffentlichung des dritten Albums.

Wird es denn auch möglich sein, REVIVER im deutschsprachigen Raum auf der Bühne zu sehen?

Wir sind sicher, 2023 in Deutschland Konzerte geben zu können. Dafür laufen auch schon Gespräche. Es wird wohl eine kurze Tour mit einigen Gigs in den Niederlanden und Deutschland werden, vielleicht schaffen wir es auch noch weitere Länder. Es ist zwar noch ein bißchen zu früh, um Details zu klären, aber wir sind auch damit bereits beschäftigt.

Welche Erfahrungen auf der Bühne konntet Ihr in den frühen Bandjahren machen?

Die ersten Jahre waren zwar von unzähligen Line-up-Änderungen geprägt, um herauszufinden, wie REVIVER am besten funktionieren würden. Doch schon in dieser Zeit haben wir viele Liveauftritte absolvieren können, vor allem im ersten Line-up in den späten 90er Jahren. Wir hatten damals ein lustiges Outfit mit Hemden mit farbigen Streifen. Wenn ich auf diese Bilder zurückblicke, sah es wirklich albern aus. [lacht] Aber wir hatten Spaß, und es war cool. Später sahen Liveshows von uns zwar weniger bunt, dafür aber viel professioneller aus. Ich hoffe, wir können auch im nächsten Jahr einen bleibenden Eindruck bei den Fans hinterlassen, die zu unseren Gigs kommen werden. Ich hoffe, wir sehen uns!

https://www.reviverofficial.com/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

Photos: Pauline Fernandes

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