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”UNDERGROUND EMPIRE 2”-Datasheet

Contents:  ADRAMELCH-Special

Date:  1989/'90 (created), 07.09.2009 (revisited), 10.08.2014 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 2

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue sold out! Several later issues still available; find details here!

Comment:

Klare Sache: Es war f√ľr mich ein St√ľck Trauerarbeit, nach dem Review in UNDERGROUND EMPIRE diese etwas ausufernde erneute Betrachtung von ¬ĽIrae Melanox¬ę zu verfassen. Gl√ľcklicherweise hat sich die Band mittlerweile reformiert und uns auf ihrer zweiten Platte ¬ĽBroken History¬ę alle damals entstandenen, aber nicht mehr aufgenommenen Songs geschenkt. Mittlerweile arbeitet die Truppe an einem ganz neuen Album, so da√ü ADRAMELCH eine jener wenigen Bands sind, die es nach ihrer Reunion wirklich geschafft haben, wieder fest im Sattel zu sitzen.

In der HTML-Umsetzung dieser Story haben wir versucht, das urspr√ľngliche Layout ein wenig nachzuempfinden, denn auch damals hatten wir mit einem Logo und dem invertierten Pendant gearbeitet, die allerdings links oben rechts unten schr√§g eingebaut waren. Der Albumtitel von ¬ĽIrae Melanox¬ę war ebenso in schwarzen Hintergrund eingebettet wie eine Banderole quer durch die Mitte der Seite verlaufen.

Supervisor:  Stefan Glas

 
 

ADRAMELCH-Logo

Wir hatten f√ľr diese Ausgabe eigentlich geplant, ADRAMELCH mit einem riesigen Interview als Titelstory zu bringen. Die Kontaktaufnahme mit der Band gestaltete sich dann als gr√∂√üere Aktion, und schien gar zu scheitern, als von einer der beiden Kontaktadressen der Brief zur√ľckkam, mit dem Verweis der italienischen Post, da√ü der Empf√§nger verzogen sei, und als ich von der anderen Kontaktadresse nach einem halben Jahr immer noch keine Antwort erhalten hatte. Ich wollte schon aufgeben, als ich zuf√§llig die Adresse und Telefonnummer des Ansprechpartners bei der Plattenfirma von ADRAMELCH, dem italienischen Label METAL MASTER, erhielt. Also schrieb ich zun√§chst einen Brief, der aber auch unerh√∂rt zu blieben schien. Ich hatte mich schon entschlossen, den letzten Schritt zu tun und bei METAL MASTER anzurufen, als pl√∂tzlich doch noch ein Brief eintrudelte, in dem mir in einigen kurzen S√§tzen mitgeteilt wurde, da√ü ADRAMELCH sich aufgel√∂st h√§tten.

Es ist traurig, aber leider in gleichem Ma√üe wahr, und wer die Band kannte, wird wissen, welchen Verlust dies f√ľr die Heavy Metal-Szene bedeutet. Mit ADRAMELCH hat der Metal eine seiner besten, originellsten und kreativsten Bands verloren. Der kritische Leser wird sich fragen, weshalb er hier einen ADRAMELCH-Artikel lesen kann, obwohl die Band √ľberhaupt nicht mehr existiert.

ADRAMELCH waren in jeder Beziehung eine einmalige Band, die es einfach wert ist, daß man ihre Qualitäten nochmals genau nennt und daran erinnert. Die Musik von ADRAMELCH ist eigentlich fast nicht mit Worten zu beschreiben, man MUSS sie hören, dennoch will ich den Versuch einer Analyse wagen.

Der Sound von ADRAMELCH ist keineswegs das Ergebnis irgendwelcher Egotrips eines oder einiger Musiker. Dieser absolut unverwechselbare Sound entsteht durch die perfekte Synthese der verschiedenen total unterschiedlichen, und doch sich so gut gegenseitig erg√§nzenden Stile und Klangfarben der einzelnen Musiker. Keiner der f√ľnf Musiker versucht, sich in den Vordergrund zu mogeln, sondern sie arbeiten zusammen, wie das Uhrwerk einer Schweizer Uhr. Jedes Instrument ist gleichberechtigt und hat volle Entwicklungsm√∂glichkeiten ohne dabei allerdings auszuufern. Ich glaube dieses perfekte Arrangement erst erm√∂glich es jedem der F√ľnf seinen individuellen Stil voll auszuleben und doch absolut banddienlich zu spielen, so da√ü sich das Talent jedes einzelnen frei entfalten kann. Vittorio Ballerio hat eine unwahrscheinlich wandlungsf√§hige Stimme, die gr√∂√ütenteils einen melancholischen und weinerlichen Klang hat. Er versteht es jedoch blitzschnell von langgezogenen emotionalen, fast traurig klingenden Parts sofort auf einen aggressiven, spr√∂den Tonfall umzuschwenken, um dann zu einem bombastischen Chorgesang √ľberzuleiten, dem sich sogleich ein √úbergang in einen beruhigenden, bes√§nftigenden Klangmodus anschlie√üt. Sein Gesang beh√§lt dabei aber immer einen gewissen Grundklangcharakter von hypnotischer Macht bei. Genauso verh√§lt es sich um die Gitarren, die sich ein ebensolches Klanggef√ľhl zu Eigen gemacht haben. Trotz der vielen verschiedenen Sounds zwischen denen Gianluca Corona und Sandro Fremiot variieren und diese jeweils den Songbed√ľrfnissen anpassen, um das Gesamtgef√ľhl des jeweiligen Parts zu transportieren, bleibt ein Flair erhalten, der einem in Trance versetzen kann. Sie rochieren scheinbar wahllos zwischen sehr rhythmusbetonten St√ľcken, Akustikparts, stark verzerrten Momenten, Leadeins√§tzen und zweistimmigen Soli. Wenn man sich jedoch etwas in die Songstrukturen eingelebt hat, wird man bald erkennen, da√ü diese Variationen sehr wohl klar durchdacht und makellos arrangiert sind. Das stabile Ger√ľst auf dem sie klettern k√∂nnen, errichten Bassist Franco Avalli und Drummer Luca Moretti, die Hand in Hand arbeiten. Ihr feingewobener und abwechslungsreich verzierter Rhythmusteppich, erm√∂glicht erst, da√ü das volle Spektrum von ADRAMELCHs Musik zur Geltung kommt. Obwohl beide st√§ndig Ausfl√ľge ins Reich der Improvisationen unternehmen, verlieren sie nie den Draht zueinander, sondern bleiben stets tight und doch so abwechslungsreich.

ADRAMELCH - ¬ĽIrae Melanox¬ę-Design

All dies ergibt eine herrliche Kombination, die f√§hig ist, Songs zu kreieren, die ihresgleichen in der Rockgeschichte suchen. √úberragende Songteile mit impressivem Gesang gen√§hrt von ausgedehnten Instrumentalexpeditionen zeichnen ADRAMELCHs Material aus. Da√ü trotz der teils immensen L√§nge nie ein Moment der Unachtsamkeit entsteht, ist der unwahrscheinlichen Abwechslung zuzuschreiben, die einem stets gebannt auf die Weiterentwicklung des Geschehens blicken l√§√üt. Jeder einzelne Song hat einen anderen Grundrhythmus und andere Strukturen, die oft abenteuerlich ver√§ndert und variiert werden, aber nie die Erinnerung an ihren Ursprung missen lassen und immer wieder dorthin zur√ľckkehren. Ebenso ergeht es dem Spieltempo, das in allen Schattierungen stets miteinander verkn√ľpft wird. Kein Sprung ist zu gro√ü und keine Geschwindigkeits√§nderung zu gewagt, als da√ü sie nichtunternommen w√ľrde. Allerdings spielen ADRAMELCH nicht wahllos mit Bremse und Gaspedal herum, sondern verstehen es sehr wohl, alle √úberg√§nge flie√üend erscheinen zu lassen. Dadurch entsteht gleichzeitig ein Gef√ľhl der Konstanz und der Dynamik, der Einheit und der Differenziertheit, der Kraft und der Filigranit√§t.

Alle diese Eigenschaften kombiniert ergeben eine Musik, die f√ľr mich zum besten geh√∂rt, das je kreiert wurde. √úberzeugend ist genauso das Drumherum, die Aufmachung. Die komplette Platte ist in schwarz-wei√ü gehalten, was dem Werk einen geheimnisvollen Touch gibt. Unterst√ľtzt wird dieser Eindruck von Gianlucas Cover, das sehr mysteri√∂s aussieht, unz√§hlige Interpretationen zul√§√üt und daher immer wieder die Blicke anzieht.

Die gl√ľcklicherweise abgedruckten hochintelligenten und sprachlich sehr interessanten Texte handeln von h√∂chst ungew√∂hnlichen Themen, wie beispielsweise von den Erlebnissen eines Minnes√§ngers auf der Wanderschaft, von der Knechtung der Bauern durch die absolutistischen Herrscher oder von der Inquisition und passen somit genau in das Bild, das die Musik erzeugt.

Da√ü die ADRAMELCH-Musiker sind auch privat sehr f√ľr die Kultur interessieren, zeigen Namen, die sie im Innencover anpreisen: Vivaldi, Bach, Wagner, Mozart, Walther von der Vogelweide, Leonardo da Vinci, Rembrandt, Shakespeare oder Dante, um nur einige zu nennen.

Es gibt mir den Anschein, da√ü ADRAMELCH und ihre Musik ein Projektion der Pers√∂nlichkeit und Lebenseinstellung der f√ľnf Musiker ist und gerade deshalb wirkt die Musik so √ľberzeugend und lebendig. ADRAMELCH haben ganz zweifelsohne ihren unbestreitbaren Platz in der Musikgeschichte, auch wenn sie nie wirklich bekannt werden konnten. ADRAMELCH haben mit einer Platte etwas erreicht, wonach sich andere jahrelang strecken und es doch nie erreichen werden - die Unverg√§nglichkeit!


Stefan Glas

ADRAMELCH-Logo

ADRAMELCH im √úberblick:
ADRAMELCH – Broken History (Rundling)
ADRAMELCH – Irae Melanox (Rundling)
ADRAMELCH – Irae Melanox (Deluxe Edition) (Re-Release)
ADRAMELCH – UNDERGROUND EMPIRE 2-Special
ADRAMELCH – UNDERGROUND EMPIRE 3-Special
ADRAMELCH – ONLINE EMPIRE 4-"Cult Complete"-Artikel
ADRAMELCH – ONLINE EMPIRE 19-Interview
ADRAMELCH – ONLINE EMPIRE 20-"Living Underground"-Artikel
ADRAMELCH – ONLINE EMPIRE 23-"Living Underground"-Artikel
ADRAMELCH – ONLINE EMPIRE 26-"Living Underground"-Artikel
ADRAMELCH – ONLINE EMPIRE 32-"Living Underground"-Artikel
ADRAMELCH – News vom 21.01.2004
ADRAMELCH – News vom 12.10.2004
ADRAMELCH – News vom 01.10.2011
ADRAMELCH – News vom 31.12.2011
ADRAMELCH – News vom 30.06.2014
Playlist: ADRAMELCH-Album »Adramelch« in "Cavelist Metal Hammer 02/92" auf Platz C von Stefan Glas
Playlist: ADRAMELCH-Album »Broken History« in "Jahrescharts 2005" auf Platz 4 von Stefan Glas
Playlist: ADRAMELCH-Album »Demo 2007« in der Kategorie "aktuelle Faves" auf Platz 2 von Holger Andrae
Playlist: ADRAMELCH-Album »Irae Melanox« in "Playlist Metal Hammer/Crash 9/90" auf Platz 1 von Stefan Glas
Playlist: ADRAMELCH-Album »Lights From Oblivion« in "Jahrescharts 2012" auf Platz 2 von Stefan Glas
Playlist: ADRAMELCH-Album »Opus« in "Jahrescharts 2015" auf Platz 1 von Stefan Glas
Playlist: ADRAMELCH-Album »Opus« in "Jahrescharts 2015" auf Platz 10 von Walter Scheurer
Playlist: ADRAMELCH-Liveshow Brande-Hörnerkirchen, "Headbangers Open Air" 10.07.2004 in "Jahrescharts 2004" auf Platz 3 von Stefan Glas
Playlist: ADRAMELCH-Liveshow Lauda-Königshofen, "Keep It True"-Festival 27.04.2012 in "Jahrescharts 2012" auf Platz 3 von Stefan Glas
andere Projekte des beteiligten Musikers Vittorio Ballerio:
CARAVAGGIO (I) – News vom 24.06.2018
andere Projekte des ADRAMELCH-Musikers Gianluca A. Corona:
siehe auch: Gianluca A. Corona als Coverk√ľnstler f√ľr ONLINE EMPIRE 64
andere Projekte des ADRAMELCH-Musikers Luca Moretti:
siehe auch: Luca Moretti verstirbt am 28. November 2016
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