UNDERGROUND EMPIRE the ONLINE EMPIRE-Titel
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”UNDERGROUND EMPIRE 1”-Datasheet

Contents:  SIEGES EVEN-Interview

Date:  1988/'89 (created), 26.03.2001 (revisited), 09.10.2010 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 1

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue sold out! Several later issues still available; find details here!

Comment:

Das Fanzine-Pflichtthema zu jener Zeit - wie im Vorwort erl├Ąutert. Doch SIEGES EVEN erhielten diesen Platz an der Sonne v├Âllig zurecht - schlie├člich versorgen sie uns schon seit Jahren mit exzellenter und au├čergew├Âhnlicher Musik und ihr neues Projekt LOOKING-GLASS SELF kommt langsam aber sicher auch in Schwung!

Bei kr├Ąftigem W├╝hlen spuckte unser Archiv tats├Ąchlich noch ein altes SIEGES EVEN-Photo aus, das etwa 1986, '87 w├Ąhrend der Demophase entstand und Kultpotential f├╝r sich beanspruchen kann - nicht nur weil die beiden Holzwarth-Br├╝der im Zeitraum zwischen den beiden Pics die Frisuren getauscht hatten.

Supervisor:  Stefan Glas

 
 

SIEGES EVEN-Logo

Wenn man beginnt ein Magazin zu schreiben, gibt es immer Bands, von denen man sagt, "Die m├╝ssen unbedingt in der ersten Ausgabe sein". Zu diesem Kreis geh├Ârte in meinem Fall ganz klar SIEGES EVEN. Zum einen halte ich sie momentan f├╝r die beste deutsche Band und zum andern ist Markus schon seit einiger Zeit mein Brieffreund. Au├čerdem kenne ich einen Teil der Band pers├Ânlich. Also fragte ich eines sch├Ânen Tages dezent wegen eines Interviews an und die Band entsprach meinem Ansinnen (klingt doch gut, oder? - Red.). Von Seiten der Band lag der Wunsch vor, das Interview schriftlich zu f├╝hren. Da man von einem Abiturienten eigentlich verlangen kann, seine Gedanken halbwegs in Schriftzeichen umzusetzen, stand dem Kreuzfeuer nichts mehr im Weg. Einige Tage sp├Ąter verschwand ein Fragenkatalog (im wahrsten Sinne des Wortes! - Red.) im Briefkasten in Richtung M├╝nchen. Da das gesamte Interview zu lang gewesen w├Ąre, hier der erste Teil des Interviews mit Deutschlands bestem Ba├čmann Oliver.

SIEGES EVEN-Bandphoto 1

Was ist die Bedeutung des Namens "SIEGES EVEN" und wie seid Ihr darauf gekommen?

Hinter dem Namen steckt keine tiefere Bedeutung. Als wir zu der ├ťberzeugung kamen, den Bandnamen "SODOM" nicht mehr zu verwenden, suchten wir einen originellen Namen, einen wirklich einzigartigen sozusagen, um f├╝r die Zukunft irgendeine Verwechslung auszuschlie├čen. "SIEGES EVEN" soll mit uns assoziiert werden und umgekehrt. Du siehst, auch hier legen wir einen gro├čen Wert auf Individualit├Ąt und Identit├Ąt. Wenn man "SIEGES EVEN" frei ├╝bersetzt, so kann man "Abend der Belagerung" (was nun klischeehaft klingt) sagen. Ein weiterer wichtiger Aspekt in der Namenswahl war auch eine gewisse Eleganz bez├╝glich der Aussprache.

Was kannst Du im R├╝ckblick zu der Platte sagen?

Die Platte hatten wir in M├╝nster Ende M├Ąrz/Anfang April '88 aufgenommen. Hierf├╝r standen uns inklusive Mix 24 Tage zur Verf├╝gung, so da├č wir wir in Ruhe zu Werke gehen konnten. Ein bi├čchen Zeitdruck entstand hier und da hin und wieder, aber im Ganzen sind wir sehr gut zurecht gekommen. Die LP wird Ende August weltweit erscheinen (auch als CD) und verf├╝gt ├╝ber eine Spieldauer von ca. 42 Minuten. Aufgenommen haben wir folgende sieben Nummern: als Opener fungiert ÔÇ║Repression & ResistanceÔÇ╣, es folgt der Titeltrack ÔÇ║Life CycleÔÇ╣. Die letzten beiden Songs der A-Seite sind ÔÇ║Apocalyptic DispositionÔÇ╣ und ein Instrumental, die beide durch das selbe musikalische Thema, das zum Anfang der einen und zum Ende der anderen Nummer auftaucht, verbunden sind. Auf der B-Seite finden wir unseren alten Rehearsaltrack ÔÇ║Enigma/Traveling Through TimeÔÇ╣, den wir neu arrangiert und neu betitelt haben. Er hei├čt jetzt ÔÇ║DavidÔÇ╣ und ist auch mit einem neuen Text versehen. Den Abschlu├č der LP bildet ÔÇ║Straggler From AtlantisÔÇ╣ mit dem kurzen Outro ÔÇ║ArcaneÔÇ╣. S├Ąmtliche St├╝cke sind leicht umarrangiert, teilweise neu strukturiert und im Tempo ver├Ąndert. Was das Cover betrifft, so wird darauf ein Computerschaltplan zu sehen sein, in den ein Herz und ein Gehirn integriert sind. Die Bedeutung dieses Konzepts ist die, da├č wir mit dieser Quasi-Symbolik die Pervertierung der Entwicklung des Menschen und seiner Gesellschaft, der im technologischen Zeitalter mit all seinen materiellen absoluten Werten wie etwa Macht, Erfolg, Karriere, Geld, etc. in seiner "Entscheidungsfreiheit" nicht allein von den Entscheidungskomponenten Herz, Gef├╝hl und Gehirn, Verstand beeeinflu├čt wird, sondern sich in seinem Handeln und Denken dem Diktat der Perfektionierung, st├Ąndigen Verbesserung - wie es beispielsweise in den Wissenschaften sehr deutlich zu erkennen ist - seiner Leistungen unterwirft und Aspekte der Menschlichkeit allzu leicht vernachl├Ąssigt. (Dieser Satz ist von der L├Ąnge her eines Thomas Mann w├╝rdig! - Red.) Wo finden sich Tugenden wie Barmherzigkeit, N├Ąchstenliebe, R├╝cksicht, Toleranz, Achtung vor der Person und W├╝rde des anderen Menschen, etc. denn noch. Denken und Handeln wird vom reinen Egoismus bestimmt, der wiederum sich dem Diktat des reinen eiskalten Materialismus verschreibt, den ich oben beschrieben habe. Symbolisiert wird das durch den Schaltplan, in den Herz und Gehirn als urspr├╝ngliche Entscheidungstr├Ąger im Menschen, integriert und damit untergeordnet sind. Wie Du siehst, ist das Bild das wir uns von den Menschen unserer Zeit machen, kein allzu positives. In dieses Bild beziehen wir uns nat├╝rlich auch ein, denn Selbstkritik ist vielleicht ein Anfang auf dem Weg zum Besseren.

Hier setzt meine erste Zusatzfrage an: Prinzipiell stimme ich Dir hierbei ja zu, aber glaubst Du nicht, da├č Deine Position etwas zu extrem und pessimistisch ist? Hast Du au├čerdem alles nicht etwas zu sehr verallgemeinert?

Die Position ist ganz offensichtlich sehr extrem und pessimistisch und logischerweise ist sie verallgemeinernd. Ich spreche von den "Menschen" unserer Zeit und mu├č nat├╝rlich verallgemeinern. Nat├╝rlich gibt es Ausnahmen und die m├Âgen zahlreich - Ausnahmen best├Ątigen aber bekanntlich die Regel. Ich w├╝rde diesen Beurteilungsstempel, den ich formuliert habe ja auch nicht jedem Menschen auf die Stirn dr├╝cken, aber grundlegend habe ich diesen Eindruck vom Menschen unserer Zeit und zu jeder Zeile, die ich hier geschrieben habe stehe ich 100%ig. Ich bin mir ganz sicher, da├č sich jeder von uns zumindest mit einem Teil von dem, was ich zu dieser Frage gesagt habe, identifizieren kann. Ein Freund von mir hat mal gesagt: "Der beste Freund ist eine Kugel wert!" Mit der fatalen Konsequenz, die hier impliziert wird, bin ich gar nicht einverstanden - jedoch sollte sich jeder seine Meinung dazu tunlichst bilden.

SIEGES EVEN-Bandphoto 2

Vergleiche bitte die Studioarbeit mit den Liveauftritten!

Der grundlegende Unterschied besteht darin, da├č der Sinn und Zweck des Studioaufenthaltes in dem Abliefern einer qualitativ m├Âglichst astreinen Aufnahme, also was Sound, fehlerfreies Darbieten der Songs, etc. betrifft, begr├╝ndet ist. Hier gilt es das Klangbild m├Âglichst vollkommen zu gestalten, hier handelt es sich um akustische Aspekte, wohingegen beim Liveauftritt der visuelle Aspekt hinzukommt: die Leute bezahlen Geld, um daf├╝r die Songs, die m├Âglichst mindestens ebensogut wie auf Platte/Demo dargeboten werden sollen, und eine Show zu erleben, die m├Âglichst spektakul├Ąr sein soll. Studioarbeit ist insofern anstrengender, als man die Musik wirklich hundertprozentig produzieren soll, wohingegen live Unstimmigkeiten (im Timing beispielsweise) doch toleriert werden oder gar nicht auffallen. Live kann man, was die Musik betrifft lockerer zur Sache gehen als im Studio, wo sehr pedantisch gearbeitet wird (in einem guten Studio), was schnell auf die Nerven gehen kann. Au├čerdem hat man in der Person von Kalle Trapp einen sehr kritischen Produzenten vor sich, der sich nur f├╝r eine fehlerfreie Darbietung des Tracks interessiert und nach jeder noch so kleinen Unstimmigkeit das jeweilige Take unterbricht und st├Ąndig volle Konzentration, Disziplin, Motivation und bessere Leistungen erwartet, und dies nat├╝rlich m├Âglichst sofort, was einen ziemlichen physischen Druck mit sich bringt, der auf dem Musiker lastet. So war es zumindest bei uns bei den Aufnahmen f├╝r die erste LP. Livespielen macht mehr Spa├č, denn da herrscht eine andere Atmosph├Ąre. Du sp├╝rst st├Ąndig in irgendeinerweise die Stimmung / Reaktion des Publikums. Liveauftritte stellen eine Art von Kommunikation dar und das macht sie interessant. Liveauftritte sind eine "lebendige" Sache, wohingegen Studioarbeit doch eher steril ausf├Ąllt. Vor allem l├Ą├čt sich ein objektiver Eindruck bei einem Konzert am besten von einer Band machen - denn hier kann man kaum irgendwelche Schw├Ąchen kaschieren, was im Studio immer m├Âglich ist. Das ist auch der Punkt, warum viele Bands live so oft einen schlechten Eindruck hinterlassen.

Seid Ihr live genauso wie privat, oder verhaltet Ihr Euch da anders. Nasty Ronnie von NASTY SAVAGE behauptet ja immer, da├č er sich live in sein Gegenteil verwandelt.

Bei uns gibt es da keinen Unterschied. Wir wollen Spa├č haben und den Leuten zeigen, wer wir sind und wie wir sind. Da gibt es keinen gravierenden Unterschied. Unsere Musik, das ganze Projekt SIEGES EVEN entspringt quasi unserem privaten Dasein. Wir geben uns so wie wir sind und deshalb wird besagtes Projekt auch live so dargeboten ohne bei den Auftritten irgendein Kasperletheater zu bieten. Uns geht es schlie├člich darum, mit der Musik die Leute zu erfassen, zu erfreuen. Das beste Beispiel ist RUSH, die live wie Flaschen auf der B├╝hne stehen und trotzdem das f├╝r uns beste Konzert abgaben, denn die Musiker offenbarten ihre Pers├Ânlichkeit, sch├╝ttelten ihr Trumpf, ihre Musik, voller Enthusiasmus und Liebe aus dem ├ärmel und begeisterten so die Zuschauerschaft. Die wunderbare Show tat ein ├╝briges - wohlgemerkt: ein ├╝briges. Sie war zweitrangig!

Habt Ihr Angst, da├č Ihr nicht allzu viele Platten verkauft bzw. mit welcher Verkaufszahl rechnet Ihr oder w├Ąret Ihr zufrieden?

Angst haben wir nicht, da├č wir zuwenig Platten verkaufen. Es w├Ąre h├Âchstens ├Ąrgerlich, denn von der vielfach entscheidungsinkompetenten Zuh├Ârerschaft (Markt) w├╝rden wir bei schlechten Verkaufszahlen als schlechte Band eingestuft, was kompletter Unsinn ist. So wird aber nunmal entschieden. Das eherne Gesetz hierbei ist, da├č eine Band, die marktgerecht feilgeboten wird, in der Regel gut verkauft. Mit der musikalischen F├Ąhigkeit der Band hat das ├╝berhaupt nichts zu tun. (Beispiel: POISON) Wir sind gl├╝cklich Erfahrung gesammelt zu haben, ohne uns finanziell ins Ungl├╝ck zu st├╝rzen. Wir haben einen super Produzenten getroffen und SPV sind ebenfalls super. Mit der LP sind wir sehr zufrieden und die Reaktionen sind ebenfalls hervorragend! Was wollen wir also mehr? Die Verkaufszahlen sind uns schei├čegal! Wir haben unser Bestes gegeben. Das haben wir f├╝r uns getan, f├╝r SPV, die uns ihr Vertrauen geschenkt haben, und f├╝r die Techno-Thrash-Freaks. Wir hoffen auf einen guten Verkauf, wenn dem nicht so ist: Pech gehabt. Wir sind Idealisten. Unseren Glauben werden wir nicht verlieren.

Wie ist Euere Beziehung zu STEAMHAMMER und seid Ihr mit dem Label zufrieden?

Unsere Beziehung zu SPV/STEAMHAMMER ist sehr gut. Wir haben mit C.D. Hartdegen den idealen kompetenten Kontaktmann zur Plattenfirma, die uns einen sehr guten Vertrag gemacht hat und bei der wir unsere Vorstellungen wirklich voll verwirklichen k├Ânnen. C.D. steht voll hinter uns und hilft uns wo er kann. Wir sind bis dato voll befriedigt.

Jetzt eine etwas gemeine Frage: wie w├╝rdet Ihr selbst Eueren Stil beschreiben?

Wie machen eine sehr technische, anspruchsvolle Musik, die allen Musikrichtungen gegen├╝ber aufgeschlossen ist. Wenn wir z.B. einen Funky-Part interpretieren wollen, so tun wir das, wenn es sich als Ganzes super anh├Ârt. So einfach ist das. Insofern ist die ist die blo├če Erw├Ąhnung "Metal" in der Stilbezeichnung v├Âllig fehl am Platze, weil nur einen Teilbereich unseres musikalischen Spektrums abdeckend!
Mit einer Stilbezeichnung engt man sich im Grunde viel zu sehr ein. Deshalb will ich mich zu dieser Frage nicht allzusehr ├Ąu├čern.

Euch sind die Texte ja ziemlich wichtig. K├Ânntest Du daher bitte ihren Inhalt anhand einiger Songbeispiele erl├Ąutern!

Du hast recht, die Texte sind uns sehr wichtig. Dementsprechend wichtig sind auch die Themen, die wir in unseren Tracks verarbeiten - alle in unserer heutigen Zeit mehr als relevant. In unserem LP-Opener ÔÇ║Repression & ResistanceÔÇ╣ greifen wir die Diktatur des Herren Pinochet in Chile thematisch auf. In ÔÇ║Apocalyptic DispositionÔÇ╣ geht es um Militarismus und seine Disposition in jeder Gesellschaft (auch in unserer). Ich bin ├╝berhaupt der Meinung, da├č wir Menschen, die in der Grundausbildung zum T├Âten geschult werden viel zu viel Einflu├č in unserer Gesellschaft zugestehen. Ich hoffe auf eine Zeit, in der es keine Uniformen, Diensthierarchie, Soldaten (-ehre), Dienstabzeichen, etc. geben wird. Die ganzen diversen Milit├Ąrdoktrinen, egal ob schwarz, gelb oder rot kotzen mich n├Ąmlich total an und meine Abneigung gegen den Mann in Uniform und dessen Einstellung habe ich in ÔÇ║Apocalyptic DispositionÔÇ╣ verarbeitet. in ÔÇ║DavidÔÇ╣ geht es um das Volk der Juden und dessen Verfolgung seit Menschengedenken. Leider gibt es heute wie eh und je noch sehr viele Menschen, die irgendeinem rassistischem, nationalistischem oder auch faschistischem Gefasel Glauben schenken und somit haben wir auch hier brennendste Thematik aufgegriffen. Wir denken, da├č unsere Themen so brandhei├č sind, wie unsere Finger nach dem Spielen unserer Songs!

Hier gibt es eine ├Ąhnliche Zusatzfrage wie am Anfang: dr├╝ckst Du Deine Meinung zu dem "Mann in Uniform" nicht auch etwas zu allgemein aus, denn es gibt da sicher solche und solche. Ich glaube, da├č es den meisten Wehrpflichtigen eigentlich haupts├Ąchlich darum geht ihre 15 Monate hinter sich zu bringen.

Tut mir leid, aber sobald ich eine grundlegende Thematik er├Ârtere (dies mu├č ich in zwei, drei S├Ątzen tun!!), l├Ą├čt sich eine Pauschalisierung nicht vermeiden.
Stichwort 15-Monate-Dienst-Herunterrei├čen: Diesen Menschen gilt der Vorwurf, da├č sie sich allzu oberfl├Ąchlich an eine so gravierende Thematik wie "Bundeswehr" herangehen und sich im Grunde nicht viel oder gar nicht um eine intensive geistige Auseinandersetzung bem├╝hen. Ich finde diese Art von Bequemlichkeit nicht gut und gef├Ąhrlich. Der Mensch hat die moralische Verpflichtung, sich mit einer Sache auseinanderzusetzen, um seinen Entschlu├č zu fassen, sich eine Meinung zu bilden und dann seinen Weg zu gehen und daf├╝r auch die Verantwortung zu tragen. Wenn ich aber sehe mit welchem Desinteresse viele (nicht alle!!) bez├╝glich der Brisanz der Thematik "Wehrdienst" gegen├╝berstehen, dann mu├č ich schaudern. Der Zivi macht sich zumindest seine Gedanken (mu├č er ja bei der Formulierung seiner Begr├╝ndung) - der Bundeswehrsoldat mu├č das nicht tun. Ich f├Ąnde es k├Âstlich, wenn man auch angehende Soldaten solch einem Test unterziehen w├╝rde.

Wer schreibt bei Euch die Songs und wie entstehen sie?

Die meisten Riffs bringt Markus, wir f├╝gen dann hinzu, arbeiten aus, bis schlie├člich ein Song steht, zu dem Markus dann einen Text schreibt.

Wie sch├Ątzt Ihr selbst die Live-/B├╝hnenwirksamkeit Euerer St├╝cke ein? Sind Euere Lieder vielleicht zu kompliziert, als da├č es live "abgehen" kann?

Unsere St├╝cke sind genauso wirksam auf der B├╝hne wie andere. Wenn wir sie sauber spielen und die Zuh├Ârerschaft sich mit den St├╝cken besch├Ąftigt hat, dann gibt es nicht die geringsten Probleme. Die Leute sind einfach zu sehr an Standard-Rhythmen gew├Âhnt, mit denen sie aufgewachsen sind - Anspruchsvolles ist nunmal nicht die Norm. Bei unseren St├╝cken ist Grundvoraussetzung f├╝r den Konzertbesucher sie zu kennen. So hat er dann am meisten Spa├č - den hat er insofern auch, als Besucher zu unseren Konzerten kommen, um etwas Au├čergew├Âhnliches und nicht abgelutschten Standard zu h├Âren. Und daf├╝r garantieren wir bekanntlich (siehe LP). F├╝r die Leute, die jeder Form von Innovation gegen├╝ber aufgeschlossen sind, wird es live voll abgehen. Die Mehrheit der 90-Minuten-Vierviertel-Takt Monoton-Banger werden bei uns nicht zum Orgasmus kommen, denn bei uns z├Ąhlt neben Gef├╝hl auch Gehirn und Vielseitigkeit.

Wie lange spielt Ihr Euere Instrumente und wie habt Ihr sie erlernt - mit Hilfe eines Lehrers oder autodidaktisch?

Wir spielen jeder schon einige Jahre unsere Instrumente und haben uns im Grunde alles selbst beigebracht. Jetzt erst nehmen wir - bis auf Alex - alle wieder Unterricht, um uns weiter zu verbessern, und weil es Spa├č macht, sich mit der Musik in ihrer vielf├Ąltigen Form zu besch├Ąftigen.

Jeder von Euch hat einen ziemlich eigent├╝mlichen Stil! Wie habt Ihr diesen jeweils entwickelt?

Seinen eigenen Stil entwickelt man, indem man sich nat├╝rlicherweise an irgendwelchen Vorbildern - Leute, die ├╝ber bessere F├Ąhigkeiten als Du verf├╝gen - orientiert, ihnen nacheifert aber dabei nie vergi├čt, seine pers├Ânliche Note seinem Spiel zu geben, indem man versucht seine Gef├╝hle beim Spielen umzusetzen und zu einem Part beispielsweise das zu spielen, was am besten dazu pa├čt, was man instinktiv als optimal empfindet. Wir versuchen jeder, das zu spielen, was gut klingt. Wir orientieren uns somit nur an unserem ganz individuellen Geschmack. Und da jeder Mensch im Grunde einen von seinen Mitmenschen verschiedenen Geschmack hat, ergibt sich somit ein eigent├╝mlicher Stil. Fertig. Aus.

Du sagst, da├č Ihr nach Euerem Geschmack und Gef├╝hl die Lieder schreibt. Daher w├╝rde mich interessieren, wie weit Ihr in der Musiktheorie (also Harmonielehre, etc.) bewandert seid und ob Ihr Euere Lieder diesen Gesetzen unterordnet, oder ist Euch Euer Gef├╝hl wichtiger als die theoretische Richtigkeit der Lieder?

In Musiktheorie sind wir einigerma├čen bewandert, was aber nicht unbedingt hei├čen mag, da├č wir uns beim Songwriting irgendwelchen musiktheoretischen Konventionen unterwerfen. Das Gef├╝hl kann also durchaus der Theorie widersprechen - somit geben wir dem Gef├╝hl mehr Gewicht. Das macht aber nichts, denn: am Anfang war das Gef├╝hl, dann kam das Analysieren und das Erkennen von Gesetzm├Ą├čigkeiten, die man dann in Konventionen gepackt hat. Im reinen Gef├╝hl steckt also auch Logik. Insofern kann uns niemand Vorw├╝rfe machen ob dem "Wert" unserer Musik.

Hiermit d├╝rfte Oliver wohl ├╝berdeutlich bewiesen haben, da├č die einzelnen Mitglieder von SIEGES EVEN nicht nur "einen auf intellektuell macht", sondern, da├č er f├Ąhig ist, seine Gedanken klar zu artikulieren. Ein wirklich hochinteressantes Interview wie man wohl behaupten kann. Der zweite Teil des Interviews wird in unserer n├Ąchsten Ausgabe erscheinen (sofern wir die jemals zustande bringen, grins!! - Red.). Das Interview ist nun schon etwas ├Ąlter, aber dennoch wollten wir keine Fragen streichen, weil das Interview eigentlich nur als Ganzes seinen Reiz beh├Ąlt. Um die Aktualit├Ąt aber nicht mit F├╝├čen zu treten, hat uns Oliver News ├╝ber SIEGES EVEN zukommen lassen.

Die neue LP wird im August unter Leitung von Kalle Trapp eingespielt werden und im Oktober erscheinen. Die Spieldauer wird voraussichtlich circa 60 min betragen. F├╝r die CD wollen wir zus├Ątzlich einen Bonustrack aufnehmen. Bei den Tracks handelt es sich nur um neue St├╝cke. Wir sind gerade eifrig dabei das Songmaterial fertigzustellen und zu verfeinern. Eine LP-Seite wird ├╝brigens nur eine Nummer mit der Spieldauer von ca. 28 min und dem Titel ÔÇ║Tangerine Dream Of SolaceÔÇ╣ haben (Ich kann es schon kaum erwarten, dieses Opus zu h├Âren! - Red.). Weitere Tracks sind ÔÇ║Open SeasonÔÇ╣ (handelt von Rushdie und den "Satanischen Versen") oder ÔÇ║The Second Call To LaneÔÇ╣ (hier setzen wir uns erneut mit Chile auseinander, dessen Volk ja jetzt leichtfertig nach dem Plebiszit gegen Pinochet an die Einf├╝hrung der Demokratie glaubt). Die LP, deren Titel bis dato noch nicht feststeht, wird auch noch eine Akustikgitarrennummer enthalten, auf der ich vielleicht mit Akustikbass spielen werde. Wir versuchen jetzt so bald wie nur irgend m├Âglich eine Art Vorproduktion unserer Songs zu starten, damit die LP bei den Aufnahmen im August nahezu perfekt wird und alle begeistert, und zwar auch Nichtmetaller. Wir sind stil- und soundm├Ą├čig n├Ąmlich wesentlich flexibeler und eigenst├Ąndiger geworden. La├čt Euch also ├╝berraschen!

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Stefan Glas

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