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”UNDERGROUND EMPIRE 6”-Datasheet

Contents:  FOR ABSENT FRIENDS-Interview

Date:  28.02.1992 (created), 16.08.2011 (revisited), 19.02.2017 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 6

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue still available, order here!

Comment:

Wie in der Story erwĂ€hnt, hatten wir das Covermotiv als Storyhintergrund verwendet, was heuer aus Internet-technischen GrĂŒnden nicht nachzuvollziehen war, so daß wir besagtes GemĂ€lde mit dem Logo verschmelzen ließen. Das Logo war ĂŒbrigens erneut unser Eigendesign, da FOR ABSENT FRIENDS nie ein echtes Logo hatten. Dazu passend war auch der Interviewtitel nett gestaltet gewesen, was wir in dieser Ausgabe begonnen hatten. Auch das ist heute nicht mehr der Fall; wer also das Original sehen möchte, kann die entsprechende Ausgabe ja nachbestellen... :-) Doch immerhin konnten wir heuer die Livephotos nutzen, die uns die Band mitgeschickt hatte, fĂŒr die damals allerdings kein Platz gewesen war.

Supervisor:  Stefan Glas

 
 

FOR ABSENT FRIENDS-Logo

Auch wenn in UNDERGROUND EMPIRE 6 sehr viel recht deftiges Material zu finden ist, haben wir keineswegs die gemĂ€ĂŸigte Rockmusik vergessen. Und wenn es sich dann noch um dermaßen talentierte Burschen wie das hollĂ€ndische Progressive Rock-Quintett FOR ABSENT FRIENDS handelt, dann macht man ein Interview doch gleich nochmal so gerne. FOR ABSENT FRIENDS dĂŒrften einigen von Euch noch ein Begriff von "Upcoming Internationals" im letzten Heft sein, aber mehr werdet Ihr wohl auch nicht wissen. Auch wenn ich da einen kleinen Vorsprung in Form eines Infos hatte, waren Gitarrist Edwin Roes und Drummer Ed Wernke so nett und erzĂ€hlten uns erst mal etwas zu FOR ABSENT FRIENDS direkt.

Edwin: FOR ABSENT FRIENDS legten 1987 los, als wir bei mehreren Jamsessions einer nach dem anderen zusammenkamen. Unsere Intention bei der BandgrĂŒndung war es, in der hollĂ€ndischen Rockszene so viele Gigs wie möglich zu spielen und bislang hat das auch recht gut geklappt. Unsere EinflĂŒsse liegen bei RUSH, QUEENSRĆžCHE oder GENESIS, aber wir denken, daß wir unseren eigenen Stil kreiert haben.

Ed: Unser erster Auftritt war beim hollĂ€ndischen Grand Prix, einem Liederwettbewerb fĂŒr hollĂ€ndische Bands, und im Anschluß daran spielten wir in einer Menge Clubs. Im letzten Jahr hatten wir dann einige wirklich großartige Gigs als Opener fĂŒr MARILLION, IQ und PENDRAGON.

FOR ABSENT FRIENDS-Headline

Wollen wir doch jetzt mal langsam die Reihe Eurer bisherigen Releases abschreiten. Eure erste Veröffentlichung war gleich eine Single mit den Songs â€șChanging Seasonâ€č und â€șLet Me Inâ€č aus dem Jahre 1988. Was denkt Ihr heute rĂŒckblickend ĂŒber dieses Teil, besonders angesichts der Tatsache, daß es doch ein rechter Schnellschuß kurz nach der BandgrĂŒndung war!

Ed: Wir waren damals der Meinung, daß wir Promomaterial brĂ€uchten, und so gingen wir in ein Studio, um ein Demo aufzunehmen. Als wir im Januar 1988 die Lieder aufnahmen, fragte uns der Engineer, warum wir nicht eine Single draus machen wĂŒrden. Nach dem Motto "Why not?" entstand so unsere erste Single, die wir primĂ€r dazu benutzten, um Gigs auszumachen und etwas Airplay zu erhalten.

Edwin: â€șChanging Seasonsâ€č ist bei unseren Fans immer noch sehr populĂ€r, und wir spielen das StĂŒck auch regelmĂ€ĂŸig live. â€șLet Me Inâ€č allerdings spielen wir nicht mehr, da es nicht mehr in unser Repertoire paßt.

Als nĂ€chstes folgten dann zwei offizielle Livetapes. Eigentlich eine recht ungewöhnliche Sache! Was waren Eure GrĂŒnde dafĂŒr?

Ed: Wir wurden damals nach mehr Material neben der Single gefragt, und weil wir denken, daß wir eine ausgesprochene Liveband sind und live auch am besten rĂŒberkommen, war das ein guter Grund, Konzerte mitzuschneiden.

Es kam ein weiteres 2-Song-Demo »Nerd Illusions«, doch dann ging es erst richtig los: ZunÀchst habt Ihr im letzten Jahr auf eigene Faust die »Illusions«-CD aufgenommen, und neulich ist bei SI MUSIC Eure erste vollstÀndige CD »Both Worlds« erschienen. Ich möchte die beiden CDs gerne etwas vergleichen. Meiner Meinung nach ist »Illusions« reinrassiger Progressivrock wÀhrend »Both Worlds« eher in Richtung normaler Rock tendiert. Seht Ihr das Àhnlich?

Edwin: Wir waren nicht allzu glĂŒcklich mit dem Sound von »Illusions«, und wir beschlossen, einen powervolleren Sound fĂŒr »Both Worlds« zu entwickeln. Es war eine natĂŒrliche Entwicklung in der Band, kĂŒrzere Songs mit einem moderneren Sound zu schreiben, und daher denke ich, daß »Both Worlds« eingĂ€ngiger ist!

FOR ABSENT FRIENDS-Bandphoto 1

Mir ist irgendwie aufgefallen, daß der erste Vers, den A.T. singt, "Close Your Eyes" lautet, was in meinen Augen absolut programmatisch fĂŒr die ganze CD ist. Ich empfinde Eure Musik als Musik, die einem zum TrĂ€umen bringen kann. Ist das vielleicht sogar eine Intention Eurerseits, oder wie wĂŒrdet Ihr das selbst auf den Punkt bringen?

Ed: Wenn wir Songs schreiben, dann kommt es uns eigentlich nur darauf an, daß uns bei unserer Musik ein Schauer ĂŒber den RĂŒcken lĂ€uft. Wir machen die Musik nicht fĂŒr andere Leute, sondern fĂŒr uns, und wenn andere sie mögen, dann ist das großartig! Eigentlich behandeln unsere Texte doch sehr reale Dinge, die wir selbst erlebt haben, aber einige davon können den Hörer sicherlich in eine trĂ€umerische Stimmung versetzen. Wenn Du also bei unser Musik zu trĂ€umen anfĂ€ngst, dann ist das absolut okay fĂŒr uns!
Ich möchte aber noch etwas dazu sagen, wie wir unsere Songs schreiben. Unsere Songs entstehen immer bei unseren Proben. Irgendjemand hat eine Idee, jeder trĂ€gt etwas dazu bei, und so setzen wir aus vielen Teilen einen Song zusammen. Wir haben dabei keine bestimmte Intention, sondern der jeweilige Song spiegelt einfach wider, wie wir uns an diesem Tag gefĂŒhlt haben.

ErzĂ€hlt uns doch bitte etwas ĂŒber die "beiden Welten"!

Edwin: Die Platte handelt von den GegensĂ€tzen, die man im alltĂ€glichen Leben feststellen kann. Der Titelsong selbst erzĂ€hlt von zwei Menschen, die sich lieben, aber nicht zusammen leben können. â€șDreamerâ€č handelt vom Leben in einer Fantasiewelt und vom Nicht-Leben in einer Fantasiewelt.

Ed: Als wir die Lieder fĂŒr »Both Worlds« schrieben, wußten wir nicht, daß sich im Endergebnis alle Texte um diese GegensĂ€tze des Lebens drehen wĂŒrden. Das war ein totaler Zufall und hat sich einfach so ergeben. Als wir das feststellten, kam dann auch ganz schnell die Idee auf, die CD »Both Worlds« zu nennen. Es ist immer schwer, einen Titel fĂŒr ein Album zu finden, und bei »Both Worlds« bleibt dem Hörer die Möglichkeit zur freien Interpretation der Texte erhalten.

FOR ABSENT FRIENDS-Bandphoto 2

In Eurem Info macht Ihr keinen Hehl aus Eurer Begeisterung fĂŒr Bands wie GENESIS oder MARILLION. Habt Ihr keine Bedenken, daß man Euch dadurch recht vorschnell als Clone dieser Bands abstempelt, zumal Ihr musikalisch in die gleiche Kategorie paßt.

Edwin: Es ist nicht unsere Absicht, damit zu sagen, daß wir wie QUEENSRĆžCHE oder GENESIS klingen. Es war vielmehr so, daß die Leute in den Anfangstagen immer zu uns sagten, daß wir nach diesen Bands klingen wĂŒrden. Das stammt also nicht von uns. Es ist aber dennoch wahr, daß wir diese Bands, die Du erwĂ€hnt hast, sehr mögen, ebenso wie ihre Art, Musik zu schreiben. Es ist einfacher fĂŒr uns, den Leuten, die uns nicht kennen, zu sagen, daß wir wie GENESIS klingen, um ihnen begreiflich zu machen, welche Musik wir spielen. Es ist uns immer schwergefallen, unsere Musik zu beschreiben, und so bevorzugen wir es, sie mit der von anderen Bands zu vergleichen.

Was bedeutet Euch eigentlich den Name FOR ABSENT FRIENDS? Ich weiß, daß er von dem GENESIS-Album »Nursery Crime« stammt, aber gibt es da fĂŒr Euch nicht noch etwas mehr?

Ed: Du wirst es nicht glauben, aber wir lasen damals einfach die drei Worte, der Ausdruck gefiel uns und schon hatten wir einen Bandnamen. Mit der Zeit hat sich allerdings so eine kleine Philosophie dahinter entwickelt: Wenn man als unbekannte Band ganz am Anfang steht und die ersten Gigs spielt, so kommen da meist nur wenige Zuschauer. So ist der Name so etwas wie eine Entschuldigung, in Sinne "wir spielen fĂŒr die abwesenden Freunde".

Das Cover von »Both Worlds« hat mich einfach total gefesselt (weshalb Ihr es auch als Hintergrund dieses Artikels seht - Red.). Daher wollte ich Euch bitten, zu diesem Cover ebenso wie dem von »Illusions« etwas zu erzÀhlen.

Edwin: Das Cover von »Illusions« soll den Titel verdeutlichen. Eine Illusion - man sieht etwas, was gar nicht da ist, und deswegen sieht man diese Maske vor dem Gesicht der Figur. Wir sehen also diese Maske und halten sie fĂŒr die wahre Persönlichkeit, aber auf der RĂŒckseite sieht man dann, daß die Maske eigentlich einen Spiegel darstellt, so daß man eigentlich sehen kann, wie die Figur sich selbst sieht.
Den Mann, den man auf dem »Both Worlds«-Cover sieht, soll eigentlich unser SĂ€nger A.T. sein, und wie man sieht steht er sowohl im Wasser als auch auf Land, was wieder auf besagten Hintergrund der Platte abzielt. Dieser Mann soll einen Mönch darstellen, der in dieser Welt, in der er steht, ein guter Mensch sein muß, aber er schaut auf eine andere Welt, wo er ein richtig mieser Typ sein könnte. Er wĂŒnscht sich einfach, fĂŒr ein paar Tage Dinge machen zu dĂŒrfen, die er auf dieser Welt nicht darf.

FOR ABSENT FRIENDS-Bandphoto 3

Mir ist eben aufgefallen, daß ich bei dem Versuch, Euch meine Fragen in meinem stĂŒmperhaften Englisch zu verdeutlichen, sehr hĂ€ufig das Wort "GefĂŒhle" verwendet habe. HĂ€ngt das vielleicht einfach damit zusammen, daß Eure Musik besonders auf die GefĂŒhle gerichtet ist oder einfach sehr gefĂŒhlvoll ist?

Edwin: Ich denke, daß Musik sich immer primĂ€r um GefĂŒhle dreht. Es geht darum, Emotionen in Texte und Musik umzusetzen, und es ist schön, wenn Leute, die dir zuhören, genauso empfinden.

ErzĂ€hlt uns doch bitte mal etwas ĂŒber die ganze Progressive Rock-Szene, ĂŒber die wir nicht so schrecklich viel wissen.

Ed: Ich denke, daß die Heavy Metal-Szene viel besser organisiert ist als die Progressive Rock-Szene. Es gibt viel mehr Magazine, Veranstalter oder Auftrittsmöglichkeiten. SI MUSIC ist die einzige Organisation, die sich um diese Musik kĂŒmmert. Sie ist aus dem SI MAGAZINE hervorgegangen, welches ein hollĂ€ndisches Magazin ist, das sich nahezu ausschließlich Progressive Rock widmet. Da unsere »Illusions«-CD sehr erfolgreich war und beim SI MAGAZINE-Jahrespoll auf den ersten Platz kam, wurde man auf uns aufmerksam, und sie schauten uns bei einem Gig an. In Anschluß fragten sie uns, ob wir Interesse hĂ€tten, einen Song fĂŒr ihre »SI MUSIC Compilation Disc« bezusteuern. SI MUSIC zeigten dann auch Interesse, die neue CD herauszubringen, an der wir damals gerade arbeiteten. Nach einigen Verhandlungen unterschrieben wir bei SI MUSIC, und so erschien dann »Both Worlds« bei ihnen.

FOR ABSENT FRIENDS-Bandphoto 4

Wer nun vielleicht neugierig geworden ist und etwas von der Band hören möchte, der erhĂ€lt »Illusions« fĂŒr 22,- DM und »Both Worlds« (Preis nicht bekannt, dĂŒrfte aber Ă€hnlich sein) bei:

http://www.forabsentfriends.com/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Stefan Glas

Photos: Ronald Tilleman

FOR ABSENT FRIENDS im Überblick:
FOR ABSENT FRIENDS – Illusions (Do It Yourself)
FOR ABSENT FRIENDS – Square One (Rundling)
FOR ABSENT FRIENDS – The Big Room (Rundling)
FOR ABSENT FRIENDS – Tintinnabulation (Rundling)
FOR ABSENT FRIENDS – UNDERGROUND EMPIRE 5-"Upcoming Internationals"-Artikel
FOR ABSENT FRIENDS – UNDERGROUND EMPIRE 6-Interview
FOR ABSENT FRIENDS – News vom 24.09.1991
andere Projekte des beteiligten Musikers Ron Mozer:
ULYSSES (NL) – News vom 15.04.2009
ULYSSES (NL) – News vom 07.09.2013
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