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  UE-Home → History → Underground Empire 3 → Interview-√úbersicht → DOOMSDAY (D, Kirchlinteln)-Interview last update: 04.07.2020, 00:03:53  

”UNDERGROUND EMPIRE 3”-Datasheet

Contents:  DOOMSDAY (D, Kirchlinteln)-Interview

Date:  1990 (created), 24.11.2009 (revisited), 06.04.2013 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 3

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue sold out! Several later issues still available; find details here!

Comment:

Es ist unschwer zu erkennen, da√ü DOOMSDAY damals noch in der Findungsphase steckten: Nicht nur das handgezeichnete Logo, das wir hier mittels Effekten ein wenig aufgefettet haben, machte nicht gerade einen professionellen Eindruck, sondern kurze Zeit sp√§ter sollte auch noch Drummer Michael Kruse gegen Justus Ettemeyer ausgetauscht werden, doch dieses Line-up hatte dann bis zum Ende der Karriere von DOOMSDAY Bestand. Dies erm√∂glichte dann, da√ü DOOMSDAY, die zweifelsohne schon in diesem fr√ľhen Stadium enormes musikalisches Potential offenbarten, mit ihrem '91er Demo ¬ĽVanitas¬ę erst recht Fahrt aufnehmen konnten.

Supervisor:  Stefan Glas

 
 

DOOMSDAY (D, Kirchlinteln)-Logo

In UNDERGROUND EMPIRE 2 gab es genau drei Vinylwerke, die eine Bewertung oberhalb der "Super-Grenze" verbuchen konnten. Das war zum einen das Advance Tape zur GYPSY KYSS-Debut-LP (Ich hoffe, daß jeder von Euch inzwischen das Teil in seinem Platten- bzw. CD-Schrank stehen hat!), dann erwartungsgemäß das Debut von TITAN FORCE (anhand des Demos zur neuen LP wird diese noch eine Etage genialer!) und schließlich eben jene DOOMSDAY, von denen ich zuvor noch nicht mal den Namen gehört hatte. Was wäre also logischer gewesen, als in UNDERGROUND EMPIRE 3 ein Interview nachzuschieben? Gitarrist und Sänger Björn Detjen half bei der konsequenten Schlußfolgerung.

DOOMSDAY [D, Kirchlinteln]-Bandphoto 1, noch mit dem kurze Zeit später ausgestiegenen Till Lienhoop

Warum habt Ihr eigentlich statt eines Demos mit mehreren St√ľcken die Single mit ‚ÄļSteve‚ÄĻ und ‚ÄļForgotten By The World‚ÄĻ aufgenommen? Au√üerdem habt Ihr mir mal geschrieben, da√ü vor der Single schon ein Demo existierte - also nenn' uns doch einfach mal einige Details √ľber die Band.

DOOMSDAY wurden 1986 gegr√ľndet, und nach mehreren Besetzungswechseln fand sich das Line-up zusammen, das auch die Single eingespielt hat - das w√§ren also Michael Kruse (Schlagzeug), Till Lienhoop (Ba√ü), Jacek Becker (Keyboards) und ich selbst eben. In dieser Besetzung spielten wir 1988 ein Demo ein, auf dem ‚ÄļSteve‚ÄĻ und ‚ÄļForgotten By The World‚ÄĻ allerdings nicht zu finden sind. Wir machten dann auch einige wenige Auftritte im Raum Verden. Irgendwie kam dann die Idee der Singleproduktion auf, die sich √ľber ein halbes Jahr hin entwickelte. Zur Verwirklichung dieser Idee kam es letztendlich, weil wir uns an etwas anderem als einem Demo versuchen wollten, und um neue Erfahrungen zu sammeln. Eigentlich wissen wir selber nicht, was der tiefere Grund dieses √úbels gewesen ist! Nach einem halben Jahr trennten wir uns im gegenseitigen Einverst√§ndnis von Michael, da das Unternehmen DOOMSDAY zu aufwendig f√ľr ihn geworden war. Kurz danach fanden wir in Wojtek Krugs einen neuen Drummer, der auch neue Einfl√ľsse in die Band brachte. (Kurz nach dem Interview schrieb mir Bj√∂rn, da√ü sich die Band in beiderseitigem Einverst√§ndnis von ihrem Basser Till getrennt hat. Ein Nachfolger ist bereits gefunden. Sein Name ist Olaf Konrad. - Red.)

Wie Ihr mir ebenfalls geschrieben habt, ist dies Euer erstes Interview. Warum ist das der Fall? Habt Ihr schon Fanzines bemustert, und wie waren die Reaktionen darauf?

Die Reaktionen auf unsere Musik waren √ľberwiegend positiv. Wir haben in vielen Zeitschriften positive Kritiken bekommen, aber Ihr wart die ersten, die ein Interview machen wollten. Viele Leute hatten Schwierigkeiten, unsere Musik einem bestimmten Stil zuzuordnen. Doch den meisten gefiel gerade diese Eigenartigkeit. Man schreibt uns Einfl√ľsse von den verschiedensten Bands zu, wie beispielsweise: RAINBOW, BLACK SABBATH, die alten GENESIS, THE DOORS, METALLICA und sogar von Dvorak, einem Klassikkomponisten. Viele denken wegen unserer Musik, da√ü wir Drogen nehmen, aber das Komische ist, da√ü wir gerade gegen Alkohol- und Drogenkonsum sind!

Ich kenne lediglich die St√ľcke der Single, daher w√ľrde mich interessieren, was Ihr zu Eurem neuen Material sagen k√∂nnt.

Wir haben viel neues Material, an dem wir st√§ndig arbeiten. Wir versuchen unseren Stil zu festigen und andere Komponenten zu verarbeiten, wie beispielsweise Blueseinfl√ľ√üe oder den Einsatz einer Blockfl√∂te. Wir haben nun ein Angebot, eine Mini-LP zu produzieren. Sollte daraus nichts werden, dann wollen wir auf eigene Kosten ein neues Demo machen.

Ihr werdet anhand meiner Kritik im zweiten UNDERGROUND EMPIRE gemerkt haben, da√ü ich leichte Probleme hatte, Eure Musik zu beschreiben. √Ąhnlich lief es auch beispielsweise beim ROCK HARD. Was w√ľrdet Ihr selbst als die wichtigsten Komponenten Eurer Musik bezeichnen?

Bei der Gr√ľndung der Band prallten zwei verschiedene Musikrichtungen aufeinander. Von meiner Seite kam der Heavy Metal und von Jaceks Seite GENESIS-artiger Progressive Rock der Siebziger. Sp√§ter kamen von beiden Seiten auch Klassik, normale Rockmusik und andere Einfl√ľsse hinzu. Wir selbst haben auch das Problem, da√ü wir unsere Musik nicht genau definieren k√∂nnen. Wir k√∂nnen daher auch keinen Namen daf√ľr nennen, sondern nur unsere Einfl√ľsse auff√ľhren.

DOOMSDAY [D, Kirchlinteln]-Einzelshot: Olaf Konrad, Nachfolger von Till Lienhoop

Ihr habt gerade best√§tigt, da√ü Ihr ziemlich ungew√∂hnliche Musik macht. Daher d√ľrfte es recht schwer sein, eine Plattenfirma davon zu √ľberzeugen, da√ü Ihr eine signenswerte Band seid. Inwiefern w√§ret Ihr zu Zugest√§ndnissen bereit?

Solange solche Zugest√§ndnisse unsere Musik nicht zu sehr beeinflussen, w√§ren sie m√∂glich. W√ľrde eine Plattenfirma allerdings versuchen, unseren Stil zu √§ndern, w√ľrden wir nicht darauf eingehen. Uns wurden einige Angebote gemacht, wie beispielsweise f√ľr einige Samplerbeitr√§ge, die wir alle ausschlugen, weil die Vertr√§ge unm√∂glich waren. Das interessanteste Angebot bislang ist diese Produktion der Mini-LP.

Das Keyboard spielt eine recht große Rolle bei Eurer Musik. Welchen Raum räumt Ihr ihm ein?

Das Keyboard ist gleichberechtigt mit der Gitarre, denn beides sind Lead- und Rhythmusinstrumente. Es wäre erfreulich, wenn wir durch unsere Musik die Vorurteile gegen das Keyboard in der härteren Musik beseitigen könnten, denn Keyboard heißt nicht gleich PET SHOP BOYS oder BON CHAUVI! Man kann damit durchaus auch Musik machen.

In der Singlekritik habe ich einen dummen Witz bez√ľglich des Textes von ‚ÄļSteve‚ÄĻ fallen lassen. Stattdessen k√∂nntet Ihr jetzt mal erl√§utern, welche Themen Ihr bevorzugt behandelt!

Die Texte von ‚ÄļSteve‚ÄĻ und ‚ÄļForgotten By The World‚ÄĻ stammen aus einem Konzept, das wir inzwischen wieder fallengelassen haben. Allerdings haben die Texte auch einzeln betrachtet eine Aussage. Unsere Texte insgesamt setzen sich mit Sachen auseinander, mit denen wir uns t√§glich besch√§ftigen. Sie beinhalten eine Kritik am Menschen und seinem Verhalten in der Gemeinschaft und an der Gesellschaft. Manche Texte richten sich gegen Apartheid, Faschismus, Diktatur, etc. Auch besch√§ftigen sich einige Texte mit dem Sinn des Lebens oder der Gef√ľhlswelt.

Auf dem Photo, das Ihr mir geschickt habt, seht Ihr recht jung aus. Wie ist es möglich in einem solchen Alter schon einen so eigenständigen Stil entwickelt zu haben?

Da Jacek und ich schon seit √ľber vier Jahren zusammen Musik machen und wir beide von verschiedener Musik beeinflu√üt waren, war die Voraussetzung f√ľr die Entwicklung unseres Stils vorhanden, trotz des jungen Alters. Die Lieder schreiben Jacek und ich zusammen oder jeder einzelne allein. Dabei ber√ľcksichtigen wir den Geschmack der anderen Bandmitglieder. Durch die eigene Art, zu spielen, flie√üt von jedem Mitglied noch etwas hinzu.

Auf besagtem Photo (Achtung, es ist nicht das in dieser Story abgebildete Photo gemeint! - Red.) seht Ihr aus, als ob Ihr Baghwanis oder Alt-Hippies wäret. Ist das Absicht, sprich Konzept, oder einfach ein Gag?

Bei dem Photo haben wir uns nichts besonderes gedacht. Wir wollten lediglich keine coolen Poserphotos machen. Abgesehen davon laufen unsere Photosessions immer etwas chaotisch und planlos ab. Baghwanis sind wir auf jeden Fall nicht! Alt-Hippies sind wir auch nicht, obwohl wir von dieser Zeit beeinflußt sind. Aber wir sind genauso von anderen Zeitepochen beeinflußt.

DOOMSDAY [D, Kirchlinteln]-Bandphoto 2, noch mit dem kurze Zeit später ausgestiegenen Till Lienhoop

Welche T√§tigkeiten √ľbt Ihr neben der Musik aus?

Wir gehen alle noch zur Schule und besch√§ftigen uns intensiv mit Musik in jeder Form. Da bleibt eigentlich nicht viel Zeit f√ľr anderes.

Spooky von TRANSILIENCE, der neun Jahre in Deutschland lebte, hat im Interview in UNDERGROUND EMPIRE 1 erwähnt, daß er eine deutsche Band namens DOOMSDAY kennt. Wart Ihr damit gemeint?

Ja, da sind wir gemeint. Spooky hat in Verden gelebt. Ich habe auch von 1984 bis Anfang 1986 mit Spooky in einer Band gespielt. Ich habe auch heute noch Kontakt mit ihm.

Was ist Eure Meinung zur aktuellen Musikszene? Was m√ľ√üte sich √§ndern?

Die heutige Musikszene ist eigentlich eine v√∂llige Katastrophe! In der Metalszene beispielsweise spielen die Bands entweder langweilige Posermucke - also jede Band spielt das gleiche - oder sie versuchen, besonders hart zu sein. In beiden Richtungen wird zuviel Musik produziert, es gibt zu wenige Bands mit eigenem Stil. Die Musikszene allgemein ist eigentlich zu einer reinen Gesch√§ftswelt geworden. Es wird nicht um der Musik willen, sondern um des Geldes willen produziert. Au√üerdem wird viel zu viel computerisiert. Die meiste Musik, die sich heute gut verkauft, wird immer leerer, klischeehafter und gef√ľhlloser. Durch das Schubladendenken und die dadurch entstehenden Vorurteile wird die Musik einfallsloser. Die Leute schr√§nken sich selbst ein, indem sie nur einen Stil h√∂ren oder spielen, diesen als die gesamte Musik ansehen und dabei vergessen, da√ü es in fast jeder Musikrichtung etwas Gutes gibt. Es ist schade, da√ü Musiker und Bands mit ehrlicher Musik kaum eine Chance haben, hochzukommen.

Zum Schluß bekommt auch Ihr die goldene Frage gestellt, die da bekanntermaßen lautet: Warum macht Ihr Musik und welche Rolle spielt sie in Eurem Leben?

Wir machen Musik, weil sie uns hilft, Probleme zu verarbeiten und wir uns durch sie mit Dingen, die uns besch√§ftigen, auseinandersetzen k√∂nnen. Wir wollen, da√ü unsere Probleme die Leute erreichen und da√ü sie sich auch mit ihnen auseinandersetzen. Wenn sie √§hnliche Probleme haben, sollen sie sich mit diesen nicht alleine f√ľhlen. Au√üerdem macht es uns nat√ľrlich Spa√ü, Musik zu machen. Wir streben auch an, irgendwann von unserer Musik zu leben!

Nachdem ich mir nun die anderen Songs angehört habe, die mir die Jungs aufgenommen habe, muß ich sagen, dieses Warmanziehen, das ich in der Singlebesprechung erwähnte, sollte man besser schon mal vorbereiten. Außerdem könnt Ihr noch einen Zehner in einen Briefumschlag packen und die Single bestellen. Wenn Ihr all das getan habt, kann die nächste Eiszeit ruhig kommen!

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Stefan Glas

DOOMSDAY (D, Kirchlinteln) im √úberblick:
DOOMSDAY (D, Kirchlinteln) – Doomsday (Rundling)
DOOMSDAY (D, Kirchlinteln) – Steve/Forgotten (Do It Yourself)
DOOMSDAY (D, Kirchlinteln) – Steve/Forgotten (Rundling)
DOOMSDAY (D, Kirchlinteln) – Vanitas (Demo)
DOOMSDAY (D, Kirchlinteln) – Vanitas (Demo)
DOOMSDAY (D, Kirchlinteln) – UNDERGROUND EMPIRE 3-Interview
DOOMSDAY (D, Kirchlinteln) – News vom 19.11.1991
Playlist: DOOMSDAY (D, Kirchlinteln)-Album »Steve/Forgotten.....« in "Playlist Metal Hammer/Crash 9/90" auf Platz 4 von Stefan Glas
andere Projekte des beteiligten Musikers Björn Göran Detjen:
SWIMMING WITH GOD – Retoids, Gods And Mean Machines (Do It Yourself)
SWIMMING WITH GOD – ONLINE EMPIRE 32-"Known'n'new"-Artikel
SWIMMING WITH GOD – News vom 17.10.2009
THE PALEO PARANOIDS – Rumspringa (Do It Yourself)
THE PALEO PARANOIDS – ONLINE EMPIRE 77-"Known'n'new"-Artikel
andere Projekte des beteiligten Musikers Jacek Wohlers (geb. Becker):
SWIMMING WITH GOD – Retoids, Gods And Mean Machines (Do It Yourself)
SWIMMING WITH GOD – News vom 17.10.2009
siehe auch: Jacek Wohlers als Initiator von "Musik f√ľr Menschenrechte"
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