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”UNDERGROUND EMPIRE 3”-Datasheet

Contents:  ANNIHILATOR-Interview

Date:  14.09.1990 (created), 20.11.2009 (revisited), 09.10.2010 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 3

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue sold out! Several later issues still available; find details here!

Comment:

Nein, eine wirklich stabile ANNIHILATOR-Besetzung gab es eigentlich nie. Auch damals wurden fröhlich Musiker mehr oder minder am laufenden Band durchgereicht, aber die musikalische Leistung war noch zumeist vorzĂŒglich, wĂ€hrend Jeff mittlerweile leider seit Jahren der Form auf den ersten zweieinhalb Platten hinterherlĂ€uft.

Ansonsten haben wir auch hier die Story mit einem offiziellen Promophoto aufgefettet, wo ich sagen muß, daß meine Livephotos, die wir seinerzeit benutzt hatten, gar nicht so ĂŒbel waren - da muß ich mich doch glatt mal oben... :-)

Weniger ruhmreich ist indes die Einleitung der Story, die man mit "Schreiberling nimmt sich eindeutig zu wichtig" ĂŒberschreiben könnte. Einzig die Tatsache, daß meinereiner damals (immer) noch als blutiger AnfĂ€nger gelten durfte, kann als Entschuldigung herangezogen werden...

Supervisor:  Stefan Glas

 
 

ANNIHILATOR-Logo

ANNIHILATOR-Bandphoto 1

Das war vielleicht eine Überraschung! Als ich backstage zu Jeff Waters kam, waren seine ersten Worte, "Haven't I been talking to you last year?", was ich bejahen mußte, denn ich hatte auf der Tour von ANNIHILATOR mit ONSLAUGHT etwa zehn Minuten mit ihm gesprochen. Das VerblĂŒffende war, daß der Junge sich echt noch daran zu erinnern schien. Jeff scheint also zu den Musikern zu gehören, die mit offenen Augen durch die Welt gehen, ihre Umwelt bewußt aufnehmen und registrieren, denn gleiches zeigte sich auch in dem nun folgenden Interview, bei dem es keine Seltenheit war, daß Jeff lieber eine Minute ĂŒber die Frage nachdachte, anstatt mich mit einer Standardfloskel abzuspeisen. Auch meine etwas nörglerischen Fragen tat er nicht sofort ab, sondern machte sich auch zu meinen Gesichtspunkten Gedanken und wog sie sorgfĂ€ltig ab. Bemerkenswert!

ANNIHILATOR-Bandphoto 2

Nehmen wir mal an, es wĂ€re gelungen, eine Zeitmaschine zu bauen, mit der man in die Vergangenheit reisen könnte und Du hĂ€ttest die Möglichkeit, damit zum Tag der GrĂŒndung von ANNIHILATOR zurĂŒckzureisen und könntest von da an nochmal leben. Was wĂŒrdest Du in Deiner Karriere Ă€ndern?

Eigentlich nicht allzu viel! Ich hatte schon einen Plan als ich 17, 18 Jahre alt war, der besagte, wie ich die Bandmitglieder auswĂ€hlen wolle, wie ich an einen Plattendeal kommen wĂŒrde, etc. Weißt Du, es ist ein Traum zu glauben, daß eines Tages jemand kommt und Dir das grĂ¶ĂŸte Management und die grĂ¶ĂŸte Plattenfirma der Welt in den Schoß legt. Daher kann ich eigentlich mit der bisherigen Entwicklung sehr zufrieden sein. Selbst den Schritt, als ich Randy Rampage als SĂ€nger auswĂ€hlte, wĂŒrde ich nicht verĂ€ndern, denn er war ein guter Mann fĂŒr uns - zu diesem Zeitpunkt und fĂŒr die erste LP.

Als Du mit ANNIHILATOR anfingst, war es praktisch Dein Soloprojekt, wÀhrend es heute eine komplette Band ist. Entsprechen diese ANNIHILATOR heute exakt den Vorstellungen, die Du von der Band hattest und hast?

Puh, eine schwere Frage! [ĂŒberlegt] Weißt Du, als ich ANNIHILATOR grĂŒndete, lebte ich im Osten Kanadas, und dort waren einfach keine passenden Musiker zu finden. Also mußte ich die Sachen allesamt allein durchziehen. Als ich dann aber in den Westen Kanadas umzog, fand ich nach und nach die Leute, die in die Band paßten. Sicher hĂ€tte ich hier und da mal gerne etwas verĂ€ndert, in Sachen Produktion, Spielweise, etc. Aber im großen und ganzen bin ich absolut glĂŒcklich mit der Band. [ĂŒberlegt] Das ist eine sehr gute Frage, aber ich glaube ich habe keine allzu gute Antwort darauf. Kannst Du bitte die Frage nochmal wiederholen? [Ich wiederhole die Frage] Nein, da ist kein großer Unterschied dazwischen! Ich wollte einfach fĂŒnf Jungs, die auf die BĂŒhne gehen, gut aussehen, gut spielen, herumrennen, Spaß haben und die Songs spielen, die ich schreiben mag. Im Moment scheint es so, als wĂŒrden dies viele Leute mögen, und alles ist okay!

Dennoch bist Du immer noch der bestimmende Mann bei ANNIHILATOR, der den Großteil der Arbeit erledigt.

Ja, ich glaube schon. ANNIHILATOR war immer mein "Baby". In Zukunft werden die anderen Bandmitglieder mehr zum Songwriting beitragen, wobei besonders Coburn verstĂ€rkt Texte schreiben wird. Dennoch werde ich immer Songs schreiben, da ich fĂŒr die Band einen besonderen Sound haben will.

Als »Alice In Hell« erschien, wurdet Ihr als der legitime METALLICA-Nachfolger tituliert. Hat Euch das eigentlich gefallen?

Ich kann mich eigentlich nicht ĂŒber einen solchen Vergleich beklagen, denn METALLICA sind meine zweite Lieblingsband. Ich nahm das als Kompliment, aber begann nicht abzuheben und zu denken, daß wir so gut seien wie METALLICA.

ANNIHILATOR-Bandphoto 3

Ich finde, daß die melodischere Stimme von Coburn weitaus besser zur Eurer Musik paßt, als die von Randy...

Oh, ja, definitiv! Es war weitaus einfacher, mit Coburn zu arbeiten, denn wenn ich einen melodischen Part wollte, sang Coburn ihn einfach. Aus Randy konnte ich jedoch nicht viel Melodie herausbekommen. Coburn bringt außerdem die Aussagen der Texte viel besser rĂŒber.

Ging es nicht ziemlich hektisch zu, weil Ihr innerhalb kĂŒrzester Zeit einen Ersatz fĂŒr Randy finden mußtet?

Richtig, das neue Album stand an, und wir hatten keinen SĂ€nger; also mußte alles sehr schnell gehen. Genauer gesagt hatten wir knapp einen Monat Zeit, um einen neuen SĂ€nger zu finden.

Wenn das alles so schnell gehen mußte, wĂ€re es dann nicht denkbar gewesen, daß Ihr, wenn Ihr hĂ€ttet lĂ€nger suchen können, vielleicht noch einen besseren Mann als Coburn gefunden hĂ€ttet.

Ja, wenn ich etwas mehr Zeit gehabt hĂ€tte, wĂ€re wohl Rob Halford bei ANNIHILATOR eingestiegen. So mußte ich leider meinen zweiten Favoriten nehmen, und das ist Coburn. Aber ein Zweitplazierter nach Rob Halford ist eigentlich auch noch ganz ertrĂ€glich!

Okay, kommen wir doch mal zum neuen Album. Das Cover kommt echt tierisch. Bitte erlĂ€utere es besonders unter dem Gesichtspunkt, daß verschiedene Elemente des »Alice In Hell«-Covers ĂŒbernommen wurden.

Der Ausdruck "Never, Neverland" bedeutet soviel wie in einen Traum versinken. Das MĂ€dchen liegt schlafend auf dem Boden und das Wasser steigt hoch... Es sollte alles sehr nach einem Traum aussehen. Ich hatte das Grunddesign fĂŒr das neue Cover, und der KĂŒnstler, der es ausfĂŒhrte, war der gleiche, der auch schon das »Alice In Hell«-Cover gemalt hatte. Er wollte, daß jemand, der in einen Plattenladen kommt, schon am Cover erkennt, daß dies eine ANNIHILATOR-Platte sein muß. Daher ĂŒbernahm er das MĂ€dchen und die Puppe. Als wir das Endprodukt sahen, sagten wir, "Okay, tolles Cover, sieht super aus!". Es ist kein großartiges Konzeptcover, sondern es soll lediglich einen Bezug zum Song â€șNever, Neverlandâ€č und zum Cover von »Alice In Hell« herstellen.

Ich finde, daß auf »Never, Neverland« eine klare Trennung zwischen den Liedern gemacht werden kann. Ein Teil nĂ€mlich, wie â€șNever, Neverlandâ€č oder â€șFun Palaceâ€č, ist absolute Weltklasse, wĂ€hrend der andere Teil klar dagegen abfĂ€llt. Meine Meinung - was sagst Du dazu?

Alle Songs auf der A-Seite sind brandneues Material und die meisten Songs von der B-Seite sind schon Ă€lter. Auch ich denke, daß die A-Seite weitaus stĂ€rker ist als die B-Seite. Wir mußten allerdings einige dieser Songs auf die B-Seite packen, da wir etwas Zeitprobleme hatten. Weißt Du, die Lieder von Seite B machen live mehr Spaß zu spielen, aber in der Studioversion klingt die A-Seite besser.

Mir persönlich gefĂ€llt auch die Demoversion von â€șPhantasmagoriaâ€č viel besser als die Version auf der LP...

Ich denke, daß der Gitarrensound auf dem »Phantasmagoria«-Demo der absolute Killer ist, den ich bislang im Studio noch nicht erreichen konnte. Witzigerweise wurde die Gitarre fĂŒr das Demo auf einem Vier-Spur-GerĂ€t aufgenommen, die neue Platte aber in einem riesigen, sauteuren Weltklasse-Studio. Dennoch ist der Gitarrensound auf dem Vier-Spur-Recorder besser. Daher werde ich dieses GerĂ€t bei der nĂ€chsten LP mit ins Studio nehmen und versuchen, einen Mischsound aus beiden zu erzielen.

Sorry, aber ich muß noch etwas weiternörgeln, denn ich finde, daß einige Deiner Gitarrenbreaks auf der neuen LP sich Ă€hnlich anhören, oder auch Ă€hnlich wie bei einigen Songs von »Alice In Hell« klingen.

Das bin ich! Ich wĂŒrde allerdings nicht sagen, daß ich mich selbst kopiere. Ich muß allerdings zugeben, daß â€șFun Palaceâ€č fast genauso aufgebaut ist wie â€șAlison Hellâ€č.

ANNIHILATOR-Bandphoto 4

Mich hat schon immer interessiert, ob dieses abgewandelte "A" auf dem "Phantasmagoria" Demo, das dann wie Maske oder eine Fratze aussah (Solltet Ihr das Cover nicht kennen, so findet Ihr es bei den Demoklassikern in UNDERGROUND EMPIRE 2. - Red.), lediglich ein Coverdesign sein sollte, oder steckte da mehr dahinter?

Ich glaube, es war schlicht "A" fĂŒr ANNIHILATOR! Ich war damals vielleicht 17 Jahre alt, und das war eben meine Idee zu diesem Zeitpunkt.

Jeff, auch Du mußt die letzte Frage ĂŒber Dich ergehen lassen: Was bedeutet Dir die Musik, und warum hast Du angefangen, Musik zu...

Angus Young! Ich sah ein AC/DC-Konzert als ich 15 alt war, und seither hatte ich nichts anderes mehr im Kopf! Ich spielte damals schon klassische Gitarre, aber nachdem ich Angus gesehen hatte, wollte ich nichts mehr von der klassischen Gitarre wissen und stattdessen eine E-Gitarre haben. Meine Mutter wehrte sich dagegen, und von diesem Zeitpunkt an verwandelte ich mich in einen rebellischen Teenager, ließ mein Haar lang wachsen, etc. Es mag klischeehaft klingen, aber Musik ist mein Leben. Ich könnte mir nicht vorstellen, irgendetwas anderes zu machen. Vielleicht hĂ€tte ich Psychologie studiert. Es ist einfach ein unbeschreibliches GefĂŒhl, wenn Du nach dem Überwinden aller Businessprobleme und langer, harter Arbeit heimgehen, Deinen Kopfhörer aufsetzen und Dir die Platte anhören kannst, die Du gerade aufgenommen hast. Weißt Du, das sind Sachen, die ich irgendwann in meinem Keller geschrieben habe, und jetzt gibt es sie ĂŒberall auf der Welt auf Platte, CD, etc. Wenn man sehr hart an etwas arbeitet, vergißt man manchmal, warum man es eigentlich tut, nĂ€mlich um Spaß zu haben! Es gibt soviel Scheiß in diesem Business, aber wenn ich mir die Musik anhöre, kann mich das kaum mehr schocken, weil die Musik der Grund ist, weshalb ich das alles tue!

ANNIHILATOR-Bandphoto 5

Eine idealistische, höchst erfreuliche Einstellung zur Musik, die man viel zu selten findet! Ich will hiermit nochmal kundtun, daß Jeff zu den wirklich positiven Erscheinungen in der Metalszene gehört, was mir beim Interview erneut bewußt wurde - soviel kurz und bĂŒndig!

http://www.annihilatormetal.com/

Vorbereitung:
Heiko Simonis + Stefan Glas

Interview & Bearbeitung:
Stefan Glas

Photos: Stefan Glas [Photo 2-4]

ANNIHILATOR im Überblick:
ANNIHILATOR – Alice In Hell (Rundling)
ANNIHILATOR – All For You (Rundling)
ANNIHILATOR – Double Live Annihilation (Rundling)
ANNIHILATOR – Metal (Rundling)
ANNIHILATOR – Schizo Deluxe (Rundling)
ANNIHILATOR – Triple Threat (Rundling)
ANNIHILATOR – Waking The Fury (Rundling)
ANNIHILATOR – UNDERGROUND EMPIRE 2-"Demoklassiker"-Artikel
ANNIHILATOR – UNDERGROUND EMPIRE 3-Interview
ANNIHILATOR – ONLINE EMPIRE 4-"Shirt Story"-Artikel
ANNIHILATOR – ONLINE EMPIRE 16-"Living Underground"-Artikel
ANNIHILATOR – ONLINE EMPIRE 20-Interview
ANNIHILATOR – ONLINE EMPIRE 26-Interview
ANNIHILATOR – ONLINE EMPIRE 68-"Living Underground"-Artikel
ANNIHILATOR – News vom 06.04.1990
ANNIHILATOR – News vom 03.01.2001
ANNIHILATOR – News vom 02.06.2001
ANNIHILATOR – News vom 13.06.2002
ANNIHILATOR – News vom 22.05.2003
ANNIHILATOR – News vom 10.10.2003
ANNIHILATOR – News vom 19.01.2004
ANNIHILATOR – News vom 12.03.2004
ANNIHILATOR – News vom 23.08.2006
ANNIHILATOR – News vom 01.03.2007
ANNIHILATOR – News vom 22.10.2007
ANNIHILATOR – News vom 26.01.2010
ANNIHILATOR – News vom 26.04.2010
ANNIHILATOR – News vom 14.05.2010
ANNIHILATOR – News vom 19.11.2010
ANNIHILATOR – News vom 07.06.2011
ANNIHILATOR – News vom 17.03.2012
ANNIHILATOR – News vom 04.07.2014
ANNIHILATOR – News vom 25.12.2014
ANNIHILATOR – News vom 02.06.2015
ANNIHILATOR – News vom 21.06.2015
ANNIHILATOR – News vom 07.10.2015
ANNIHILATOR – News vom 14.06.2016
Soundcheck: ANNIHILATOR-Album »Never, Neverland« im "Soundcheck Metal Hammer 15-16/90" auf Platz 1
Playlist: ANNIHILATOR-Liveshow Wien, Planet Music 21.11.2007 in "Jahrescharts 2007" auf Platz 4 von Walter Scheurer
andere Projekte des beteiligten Musikers Ray Hartmann:
Boland – In My Corner (Rundling)
Boland – In My Corner (Rundling)
Boland – News vom 04.04.2008
RANDOM DAMAGE – Human Flytrap (Re-Release)
RANDOM DAMAGE – Human Flytrap (Re-Release)
RANDOM DAMAGE – Random Damage (Rundling)
SPEEED – Powertrip Pigs (Rundling)
STRESS FACTOR 9 – ONLINE EMPIRE 27-"Known'n'new"-Artikel
STRESS FACTOR 9 – News vom 30.03.2005
andere Projekte des beteiligten Musikers Jeff Waters:
Cans – Beyond The Gates (Rundling)
Cans – Beyond The Gates (Rundling)
John Perinbam – ONLINE EMPIRE 43-"Known'n'new"-Artikel
SAVATAGE – ONLINE EMPIRE 12-"Living Underground"-Artikel
SAVATAGE – News vom 24.06.2002
Verni – News vom 21.12.2017
siehe auch: Jeff Waters remastert mit Dan Beehler und Allan Johnson die ersten EXCITER-Alben
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