UNDERGROUND EMPIRE the ONLINE EMPIRE-Titel
  UE-Home → History → Online Empire 6 → Interview-√úbersicht → KALMAH-Interview last update: 07.03.2020, 07:33:00  

KALMAH-Logo

KALMAH-Headline

KALMAH-Bandphoto 1

KALMAH √ľberraschten in dieser Ausgabe mit einem sensationellen Debut: Ihr exzellenter melodischer und zugleich rasend schneller Death/Black geh√∂rte zu den Highlights des letzten Jahres. Doch echte Newcomer sind KALMAH nicht, denn die History der Band begann bereits 1992 mit der Thrashband ANCESTOR, die sich jahrelang ohne nennenswerten Erfolg den Wolf spielten. Mehr Facts gibt's nun von Gitarrist Antti Kokko.

Warum haben es ANCESTOR trotz vier Demos nicht geschafft?

Ich selbst bin erst 1996 zu ANCESTOR gekommen, w√§hrend mein Bruder Pekka die Band schon vier Jahre zuvor gegr√ľndet hatte. Die Musik war purer Thrash im Stil von SEPULTURAs ¬ĽArise¬ę und ich glaube, da√ü wir damit nicht den Nerv der Plattenfirmen trafen, so da√ü wir nie ernsthafte Angebote erhielten.

Der große Umschwung kam 1998/'99: Ihr habt nur ein Demo als KALMAH gemacht, und schon hattet Ihr einen Deal.

Ich denke, unser wichtigster Schritt war, da√ü wir einen Keyboarder in die Band nahmen. Das hat eine neue Dimension in die Musik gebracht. Wir haben begonnen, anders √ľber unsere Musik zu denken: Wir wollten mehr Melodie in die Songs bringen!

Warum habt ihr den Namen KALMAH gewählt? Das Wort ist nicht geläufig und keineswegs einfach zu merken.

Abgesehen von unserem Neuzugang an den Keyboards waren es die selben Musiker, aber wir wollten mit einem neuen Namen unseren musikalischen Neuanfang verdeutlichen. Au√üerdem gab es eine Black Meta-Band namens ANTESTOR, so da√ü die Verwechslungen vorprogrammiert gewesen w√§ren. Das Wort "Kalmah" stammt aus einem kyrillischen Dialekt und bedeutet frei √ľbersetzt "ins Grab". Der Dialekt wird von Menschen benutzt, die einsam in Ru√üland direkt an der russisch-finnischen Grenze leben. Einige dieser Menschen wurden w√§hrend des 2. Weltkriegs nach Finnland vertrieben. Ein Teil meiner Verwandten spricht diesen Dialekt, der jedoch langsam ausstirbt. Wir haben diesen Namen gew√§hlt, da er aggressiv klingt und weil wir mitzuhelfen wollen, diese Sprache am Leben zu erhalten.

Durch den Stilwechsel könnte man Euch vorwerfen, daß Ihr trendy geworden seid. Bekanntlich gibt es in Skandinavien viele Bands, die einen ähnlichen Stil spielen. Was unterscheidet Euch von ihnen?

Ich denke nicht, da√ü wir einen gro√üen Stilwechsel vollzogen haben! Die Basics, die schnellen Gitarren und Pekkas Gesang, sind gleich geblieben. Es kamen lediglich die Keyboards hinzu, so da√ü wir unsere Musik melodischer gemacht haben. Ich wei√ü, da√ü andere Bands eine Melodie nehmen und den Song rundherum aufbauen. Wir gehen grunds√§tzlich den umgekehrten Weg: F√ľr uns stehen die Gitarren im Vordergrund. Wir schreiben erst die Riffs und basteln dann die Melodien dazu, so da√ü unsere Songs sehr kompliziert und technisch sind. Wir stellen stets den Anspruch an uns, da√ü wir nicht wie eine andere Band klingen.

Ihr habt eine enge Beziehung zu ETERNAL TEARS OF SORROW: Euer Bassist Altti Vetel√§inen spielte zwei Jahre lang bei ETERNAL TEARS OF SORROW bevor er wieder zu Euch zur√ľckkam und hat au√üerdem drei seiner ehemaligen Bandkollegen als Gastmusiker f√ľr Euer Deb√ľt angeheuert.

Wir leben in einem Ort namens Pudasjärvi, der etwa 800 Kilometer nördlich von Helsinki liegt und etwa 80 Kilometer von Oulu entfernt ist. Pudasjärvi hat gerade mal 10.000 Einwohner, die zudem in einem großen Umkreis verstreut leben und es gibt fast keine Musiker. ETERNAL TEARS OF SORROW sind die einzige andere Band, die es hier gibt und daher haben wir einen guten Kontakt zu ihnen. Ich selbst kenne einige Bands aus Oulu, wie AFTERWORLD oder CATAMENIA, weil ich in Oulu Informatik studiere.

Warum ist Eure CD mit 38 Minuten so kurz geraten?

Unser Studiotermin war eigentlich um die Weihnachtszeit angesetzt, doch urpl√∂tzlich ergab sich die M√∂glichkeit, da√ü wir fr√ľher ins Studio gehen konnten. Daher hatten wir zu diesem Zeitpunkt nur sechs oder sieben Songs fertiggestellt. Wir mu√üten uns sputen, da√ü wir zumindest diese acht Songs aufnehmen konnten.
Daher denke ich, da√ü wir f√ľr die n√§chste Platte unseren eigenen Sound viel besser herausarbeiten k√∂nnen. Wir hatten diesmal keine Zeit, beispielsweise f√ľr jeden Song einen speziellen Gitarrensound zu entwickeln.

KALMAH-Bandphoto 2

Steckt eine bestimmte Geschichte hinter dem Titel ¬ĽSwamplord¬ę?

Die gesamte Umgebung unseres Heimatortes Pudasjärvi besteht zu mehr als 60 Prozent aus Sumpf. Wir wollten einen Titel, der eine Verbindung dazu herstellt, weil wir die Natur sehr mögen. Im Herbst gehen wir oft Hasen und Vögel jagen.

Ist das nicht ein Widerspruch? Die Liebe zur Natur und gleichzeitig das Töten von Tieren.

Mehr als die H√§lfte der Bev√∂lkerung von Pudasj√§rvi geht auf die Jagd. Wir sind damit aufgewachsen und wurden irgendwann einfach mitgenommen. Daher haben wir nie weiter dar√ľber nachgedacht oder ethische Probleme damit. Jagen ist das popul√§rste Hobby hier.

Der ¬ĽSwamplord¬ę auf dem Cover h√§lt einen Dreizack in seiner Hand. Handelt es sich dabei um ein besonderes Symbol?

Eigentlich nicht. Wir hatten diese Idee, weil wir auch fischen gehen und die Fische mit einem solchen Dreizack harpunieren. Wir wollten ein Element haben, das wir auch auf dem n√§chsten Cover verwenden k√∂nnen, das quasi ein Symbol f√ľr KALMAH wird. Der Dreizack wird auch in unserem Video zu sehen sein, das wir demn√§chst drehen werden.

Ich habe allm√§hlich das Gef√ľhl, da√ü Du Deine aggressiven Riffs schreibst, w√§hrend Du Tiere killst...

Nein ‚Äď wirklich nicht. Es macht mir zum Beispiel nichts aus, wenn ich bei einer Jagd kein Tier erlegen kann. F√ľr mich ist es viel wichtiger, da√ü mein Geist in der Natur Ruhe findet. Mein Bruder und ich laufen oft durch die Natur, wodurch wir viele Inspirationen bekommen.

Ist KALMAH eigentlich ein reines Kokko-Projekt? Schlie√ülich haben Du und Sein Bruder Text- und Songwriting unter Euch und Ihr seid f√ľr die Gitarren und den Gesang verantwortlich. Sind die anderen Musiker nur Marionetten?

Jeder hat v√∂llige Freiheit bei uns und hinterl√§√üt seine Fingerabdr√ľcke: Unser Drummer Petri Sankala geht st√§ndig an die Grenzen seiner technischen F√§higkeiten und unser Basser Altti kann seinen Part eigenst√§ndig entwickeln. Nat√ľrlich kommt unserem Keyboarder Pasi Hiltula eine ganz besondere Rolle zu, da er den KALMAH-Sound stark pr√§gt. Es ist lediglich so, da√ü ich die fertigen Riffs und Gitarrenparts bringe und die anderen erst anschlie√üend aktiv werden.
Die Geschichte von ANCESTOR war durch ständige Besetzungswechsel geprägt, was das Arbeiten sehr schwer gemacht hat. Daher können wir unser stabiles Line-up gar nicht genug wertschätzen.

Du und Dein Bruder werden die "Bonfire Bros." genannt. Warum?

In Finnland feiern wir das Mittsommernachtsfest: Es findet an jenem Tag statt, an dem die Sonne nicht untergeht. Dann werden immer große Freudenfeuer abgebrannt und die Menschen versammeln sich rundherum und betrinken sich. Diese Feuer tragen auf finnisch den Namen "kokko" und daher hat man uns den Beinamen "Bonfire" gegeben.

In Skandinavien ist Alkohol allerdings sehr teuer!

Deswegen trinken die meisten Menschen selbstgebrannten Stoff, der sehr stark ist. Daher gibt es in Finnland viele Menschen, die mit fortschreitendem Alter ein Alkoholproblem haben. Wir freuen uns auf jeden Fall, zu euch auf Tour zu kommen, um endlich Alkohol zu zivilen Preisen bekommen zu können.

Das hei√üt, wir k√∂nnen damit rechnen, da√ü Ihr abgef√ľllt auf der B√ľhne herumfallen werdet?

Nein, wir sind professionell genug, daß es sich im vertretbaren Rahmen halten wird. Selbstverständlich wollen wir den Fans eine gute Show bieten!

Auf dem Bandphoto seht Ihr nicht sonderlich alt aus. Wie kommt es, daß Ihr dennoch sehr fit auf euren Instrumenten seid?

Unser Drummer ist mit 29 Jahren der älteste und unser Keyboarder mit 18 das Nesthäkchen. Ich bin jetzt 22 Jahre alt und habe vor 12 Jahren begonnen, Gitarre zu spielen. Ich hatte damals einige Jahre klassischen Gitarrenunterricht und ich denke, daß dadurch die wichtigen Grundlagen gelegt wurden. Zudem habe ich immer sehr viel Gitarre gespielt.

ANCESTOR lagen eine ganze Zeitlang auf Eis, als Dein Bruder bei der Armee war. Was denkst Du √ľber die Armee?

Alle Mitglieder von KALMAH - au√üer unserem Keyboarder - haben bereits ihren Wehrdienst abgeleistet. F√ľr mich war die Armee eine zwiesp√§ltige Sache: Ich habe es geha√üt, st√§ndig von jemand herumkommandiert zu werden. Aber andererseits habe ich einen anderen Blick f√ľr mein Leben bekommen, weil man bei den √úbungen an seine Limits getrieben wird. Ich habe damals gelernt, meine innere Stimme wahrzunehmen. Es kam f√ľr mich nie in Frage, den Wehrdienst zu verweigern: F√ľr meine Familie ist es eine Ehrensache, in der Armee gedient zu haben, da meine beiden Gro√üv√§ter im 2. Weltkrieg waren.

http://www.kalmah.com/

swamplord@kalmah.com

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Stefan Glas

KALMAH im √úberblick:
KALMAH – Swamplord (Rundling)
KALMAH – The Black Waltz (Rundling)
KALMAH – ONLINE EMPIRE 6-Interview
KALMAH – ONLINE EMPIRE 12-"Living Underground"-Artikel
KALMAH – News vom 23.10.2003
KALMAH – News vom 17.05.2004
KALMAH – News vom 14.09.2011
KALMAH – News vom 16.02.2012
Playlist: KALMAH-Album »Swamplord« in "Jahrescharts 2000" auf Platz 6 von Stefan Glas
andere Projekte des beteiligten Musikers Pasi Hiltula:
ETERNAL TEARS OF SORROW – A Virgin And A Whore (Rundling)
ETERNAL TEARS OF SORROW – News vom 08.01.2003
andere Projekte des beteiligten Musikers Antti Kokko:
ETERNAL TEARS OF SORROW – A Virgin And A Whore (Rundling)
ETERNAL TEARS OF SORROW – News vom 08.01.2003
andere Projekte des beteiligten Musikers Petri Sankala:
ETERNAL TEARS OF SORROW – A Virgin And A Whore (Rundling)
ETERNAL TEARS OF SORROW – News vom 08.01.2003
ETERNAL TEARS OF SORROW – News vom 03.02.2005
ETERNAL TEARS OF SORROW – News vom 09.12.2008
FOR MY PAIN... – Fallen (Rundling)
andere Projekte des beteiligten Musikers Altti Veteläinen:
ETERNAL TEARS OF SORROW – A Virgin And A Whore (Rundling)
ETERNAL TEARS OF SORROW – Children Of The Dark Waters (Rundling)
ETERNAL TEARS OF SORROW – News vom 08.01.2003
ETERNAL TEARS OF SORROW – News vom 03.02.2005
ETERNAL TEARS OF SORROW – News vom 09.12.2008
ETERNAL TEARS OF SORROW – News vom 09.12.2008
ETERNAL TEARS OF SORROW – News vom 02.04.2009
ETERNAL TEARS OF SORROW – News vom 09.05.2009
FOR MY PAIN... – Fallen (Rundling)
NATIONAL NAPALM SYNDICATE – News vom 12.06.2003
© 1989-2020 Underground Empire


RUSH-Drummer Neal Peart verstorben Mehr dazu in den News.
Button: News