UNDERGROUND EMPIRE the ONLINE EMPIRE-Titel
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”UNDERGROUND EMPIRE 6”-Datasheet

Contents:  Japan-Szene-Report-Special

Date:  01.03.1992 (created), 07.02.2011 (revisited), 29.12.2011 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 6

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue still available, order here!

Comment:

Ich kann mich noch sehr gut erinnern, daß sich Limb Schnoor, Chef von LMP RECORDS, seinerzeit vor Lachen schüttelte, als er das Heft in die Hand bekam: Bei meinen schon öfter erwähnten Deutschlandrundfahrten, im Zuge derer ich die druckfrischen Ausgaben an Plattenläden verteilte - ja, damals gab es wirklich nicht nur unabhängige Plattenläden, die auch wirklich Tonträger führten, sondern sogar etliche, die bereit waren, Fanzines zum Verkauf anzubieten... - legte ich auch immer einen Kurzstop bei Limb ein. Als dieser dann durch das Heft blätterte und auf diese Seite stieß, begann er plötzlich schallend zu lachen: "Herr Kai? Das ist aber ein Mädel!" Nun, Limb ist seit jeher ein großer Kenner der japanischen Szene und kannte auch Asako. Ich hatte aufgrund mangelnder Kenntnis japanischer Vornamen anhand der Endung eher getippt, daß es sich um ein männliches Wesen handeln würde, so daß ich eben ein flottes "Bitte schön, Herr Kai!" in die Story reingetippt hatte; persönlichen Kontakt hatten wir nie gehabt, und die Briefe von Asako waren stets mit der Schreibmaschine geschrieben, so daß ich auch nicht aufgrund des Schriftbildes hätte können auf das Geschlecht des Gegenübers schließen konnte. Wie auch immer - für die Online-Version habe ich diesen Fauxpas natürlich ausgebügelt...

Leider keine Verbesserung konnte ich in Sachen Photomaterial erzielen - ganz im Gegenteil. Die Originale hatte ich Asako damals wieder zurückgeschickt, so daß ich nun die Photo aus dem gedruckten Heft abscannen mußte, was natülich relativ bescheiden aussieht. Zugleich haben ich allerdings auch die Bandnamen in den Photos belassen, eben in jener Art wie sie auch in der Papierversion von UNDERGROUND EMPIRE 6 zu sehen waren.

Supervisor:  Stefan Glas

 
 

''Japan-Szene-Report''-Titel

Japan ist ein Land, das seit jeher irgendwie eine ganz besondere Fanzination ausübt. Und auch in der Heavy Metal-Szene hat Japan eine Sonderstellung. Livetourneen in Japan sind für Bands immer etwas Besonderes, und man schwärmt in den höchsten Tönen von den Fans dort, weshalb auch viele Livescheiben dort mitgeschnitten werden. Aber daß es in Japan auch eine aktive Metalszene gibt, ist eigentlich nur mal klecksweise zu spüren. Stichworte wie "Sprachbarriere" kommen da ins Spiel - siehe auch das DEADCLAW-Interview in UNDERGROUND EMPIRE 5. Es gab auf jeden Fall genügend Gründe, mal einen intensiven Blick zum Land der aufgehenden Sonne zu werfen.

Unsere Frau in Japan ist Asako Kai, die früher mal beim METAL GEAR, einer großen (=auflagestarken) japanischen Heavy-Zeitschrift, geschrieben hat, sich mittlerweile aber wieder als Freelancer bei etlichen Publikationen betätigt. Sie fragte vor einiger Zeit an, ob Interesse an einem Szenen-Report aus ihrer Heimat mit Schwerpunkt "Underground-Bands" bestehen würde, und so hat sie sich etwas vor der eigenen Haustür umgeschaut und die erwähnenswerten Fakten aufgelistet. Bitte schön, Frau Kai!

Woran erinnert Euch der Ausdruck "japanischer Heavy Metal"? Ich weiß zum Beispiel, daß Akira Takasaki von LOUDNESS bei Euch sehr populär ist. Einige stehen vielleicht auch auf ANTHEM oder OUTRAGE. Ja, sie sind natürlich ein wichtiger Teil der japanischen Heavy Metal-Szene, von der ich Euch nun erzählen will. Aber vielleicht sind einige von Euch daran interessiert, was hier im Underground abgeht. Es ist irgendwie ein geiles Gefühl, wenn man eine gute, unbekannte Band früher als andere kennenlernt, besonders für Maniacs, die ein solches Zine lesen. Bei uns wird noch einiges passieren - sicher!

Um Euch die Situation der Musikindustrie hier zu schildern, brauche ich mich kaum anzustrengen, denn es ist sehr ähnlich wie in Deutschland. Die Medien sind gegen Heavy Metal, die Charts auf Pop- und Disco-Teenieidole fixiert. Die Medien kümmern sich fast ausschließlich um amerikanische Bands. Nur einige wenige einheimische Heavy Metal-Bands kriegen einen Deal mit Majorfirmen.

OUTRAGE [J]-Bandphoto

Von einer dieser wenigen Bands, möchte ich Euch als erstes erzählen: OUTRAGE. 1982 gegründet, waren sie stark von NWoBHM-Bands wie TANK, RAVEN, TYGERS OF PANG TANG oder ANGELWITCH beeinflußt und coverten in ihrem ersten "Lebensjahr" ausschließlich diese Bands. 1983 dann begannen sie, eigenes Material zu schreiben und erste Livegigs zu spielen. Nach einem Bestzungswechsel nahmen Naoki Hashimoto (v), Yousuke Abe (g), Yoshihiro Yasui (b) und Shinya Tange (d) 1987 eine selbstbetitelte 4-Song-Mini-LP auf. Man preßte nur 3.000 Kopien, so daß die Scheibe heutzutage sehr, sehr schwer zu finden ist. Es war April 1988 als OUTRAGE bei dem Majorlabel POLYDOR ihr erstes Album »Black Clouds« veröffentlichten. Man kann bei OUTRAGE eine deutliche Weiterentwicklung spüren; von »Outrage« zu »Black Clouds« zu »Blind To Reality« (von 1989) zu »The Great Blue« (von 1990). Wie Ihr vielleicht wißt, waren OUTRAGE in Deutschland in den "Dierks"-Studios, um mit Stefan Kaufmann ihr neues Album aufzunehmen. Leider habe ich die Platte bislang nicht gehört, aber ich bin mir sicher, daß sie mega ist! Es besteht die Möglichkeit, daß Ihr OUTRAGE in nächster Zukunft auch mal live auf deutschen Bühnen sehen könnt. An Eurer Stelle würde ich auf keinen Fall die Shows verpassen! OUTRAGE sind eine Band, die besonders auf der Bühne immer noch das Charisma ihrer Anfangstage haben, Euch allein mit der Musik umblasen werden und jeden Kampf in jeder Situation gewinnen werden! Was ich noch hinzufügen möchte, ist daß OUTRAGE trotz ihres Status als Majorband immer noch zum Underground zu zählen sind, ein superber Schatz der japanischen Szene. Ich behaupte gewiß nicht zu viel, wenn ich sage, daß die Zukunft des japanischen Heavy Metal OUTRAGE heißt!

Vielleicht sollte ich auch DOOM erwähnen, die definitiv eine der originellsten Bands aus Japan sind. Als sie 1986 starteten, war ihr Name, wegen des seltsamen, verdrehten und faszinierenden Hard Rocks der Band, schon einige Monate später im ganzen Land ein Begriff. Ihr Debutalbum »No More Pain«, das bei einem Independent-Label veröffentlicht wurde, erreichte Platz 1 der Independent-Charts, womit noch nicht mal die Band gerechnet hätte. Mittlerweile hat man schon vier weitere Platten bei dem Major VICTOR veröffentlicht. Es scheint als sei Speed ein wichtiger Teil der Musik von DOOM, aber ihre Stärke liegt bei dem Groove und der Spannung, die vornehmlich von Bassist Koh Morita erzeugt werden. Im letzten Jahr stieß ein neuer Drummer namens Pazz (ex-GUSTANK) zu DOOM, was ihren scharfen, lebendigen Rhythmus verstärkt hat, wie man auch auf dem neuen »Human Noise«-Album beobachten kann. Pushead hat einmal gemeint, daß DOOM so viel Potential hätten, daß sie auch in Amerika erfolgreich werden könnten.

Mein Artikel über ANTHEM würde verdammt lang werden, wenn ich mich nicht am Riemen reißen würde. Sie sind die erste japanische Metal-Band, auf die ich abfuhr, und sie haben mir durch meine Teenagerjahre geholfen. Sie haben von Anfang an, welcher für ANTHEM im Jahr 1980 lag, powervollen, starken Heavy Metal gemacht und nicht anderes als Heavy Metal! Es gibt einfach keinen anderen NameN, der ihre Musik treffend beschreiben könnte. ANTHEM wollten ursprünglich bis spätestens August letzten Jahres nach London ins "Battery"-Studio gehen, um ihre neue Platte aufzunehmen, aber erst machte ihnen der Golfkrieg einen Strich durch die Rechnung, und dann stieg auch noch Gitarrist Hideaki Kakama aus. Sobald man einen neuen Axeman hat, werden die Aufnahmen beginnen. Wartet einfach ab und macht Euch auf einen neuen Kracher von ANTHEM gefaßt, denn sie haben uns noch nie enttäuscht, oder?

Die japanische Underground-Szene kennenzulernen, wird Euch bestimmt faszinieren, weil die Bands erstaunliche Fortschritte machen und sich so etliche Möglichkeiten erschließen. Ich erinnere mich noch genau an die Situation vor ein paar Jahren bei uns, als Independent-Bands "in Mode" und "heiß" waren; damals war es für sie kein solch' großer Kampf, ihre Arbeiten zu verkaufen. Aber eigentlich bezog sich das nur auf solche Bands, denen es wichtig war, gut auszusehen und deren Haare, etwa erst zehn Zentimeter oberhalb des Schädeldaches aufhörten. Für Heavy/Power/Thrash-Bands hatte dieser Trend kaum Vorteile. Sie wurden als altmodisch und ausgelutscht bezeichnet und hatten eine verdammt harte Zeit! Sicher, es gab immer noch Kids, die auf die härtere Schiene standen und METALLICA, MEGADETH oder SLAYER mochten, aber sie hörten meist aufgrund irgendwelcher Vorurteile kaum Musik von japanischen Bands. Dieser Boom von Independent-Rock-Bands ist mittlerweile vom Winde verweht, aber das hat die Situation für die Bands, die sich dem "wahren Stahlsound" verschrieben haben, nicht verbessert. Man muß sagen, daß man es als einen tollen Erfolg ansehen muß, wenn eine Underground-Band 1.000 Alben in Japan absetzen kann. Allerdings scheint es so, als ob die japanischen Kids so langsam aber sicher beginnen, auch auf die einheimischen Acts zu achten. Dennoch müssen sich japanische Bands damit zufriedengeben, in kleinen Clubs zu spielen, während METALLICA eine Arena mit 15.000 Fans zwei Abende hintereinander ausverkauft hatten. Aber immerhin bedeutet das, daß das Interesse an Metal nach wie vor sehr groß ist. Glaubt Ihr nicht auch, daß die Situation hier sehr ähnlich ist wie in Deutschland?

Die japanische Heavy Metal-Szene hat eine Menge Probleme: Die Medien sind voreingenommen gegenüber japanischen Bands, indem sie sie entweder ignorieren oder kritiklos in den siebten Himmel loben; außerdem gibt es die Sprachbarriere; desweiteren fehlt es an Kontakten zu den Firmen in Übersee. Außerdem hat es kein Newcomer mehr geschafft, hier so einzuschlagen wie damals OUTRAGE, als sie im Juli 1987 an einem Wettbewerb teilnahmen, den sie haushoch gewannen und im Handumdrehen einen sehr guten Ruf in ganz Japan hatten. Bands, die solch unvergeßliche Musik machen, sind auch leicht zu merken! Die nun folgenden Bands jedoch haben gewiß Chancen, eine ähnliche Beliebtheit wie OUTRAGE zu erhalten.

NIGAROBO-Bandphoto

Das Fivepiece NIGAROBO aus Hokkaido wurde 1989 gegründet. Ich war sehr begeistert, als ich ihren imponierenden Debutauftritt im Mai 1991 in Tokyo sah und hatte ein gutes Gefühl dabei. Man könnte ihre Musik als ziemlich orthodoxen Thrash Metal bezeichnen, aber als eine junge Band, haben NIGAROBO alle Möglichkeiten, ihr Talent auszuweiten.

Einige unter Euch werden sich an den Namen RAGING FURY erinnern, ein Trio aus Osaka, denn über ihr Demo wurde im letzten Jahr auch einiges in Deutschland geschrieben. Ich kann Euch nur empfehlen, daß Ihr Euch das Demo zulegt, sofern Ihr es noch nicht habt. Es wird Euch umhauen mit seiner extremen Spannung und dem "Kampf" zwischen den Instrumenten, so krachend, daß man nicht glauben will, daß es sich hierbei um ein Trio handelt!

Die GARLIC BOYS haben Energie gepaart mit einem total witzigen Feeling. Wenn SUICIDAL TENDENCIES weniger ernsthaft wären, dann wären sie genau wie diese Band. Auf der Bühne ist neben einer Menge Schweiß auch immer Gelächter en masse angesagt. Die GARLIC BOYS singen nebenbei komplett in Japanisch.

GESTALT [J]-Bandphoto

Den Namen GESTALT habt Ihr ja bereits in UNDERGROUND EMPIRE 5 gefunden, weshalb ich nicht mehr allzu viel von ihnen erzählen will. Obwohl ihr Durchschnittsalter nur bei 20 Jahren liegt, hatten sie auf ihrem Demo bereits eine sehr flexibele Technik entwickelt. Krachige, scharfkantige Riffs und düstere Melodien ergeben in Kombination ihren interessanten Sound. Jedoch kann man auch sagen, daß sie auf der Bühne erst noch etwas Erfahrung sammeln müssen.

Last but not least - Z.O.A.: Originalität, erhabene Technik - sie haben alles, obwohl man ihre Musik nie und nimmer als Heavy Metal bezeichnen kann. Ich habe nicht das richtige Wort, um ihre Musik zu erklären, denn ihre Technik ist zu einzigartig, kreativ, unnachahmlich und irgendwie ein ganz eigenes Ding.

Während meines Aufenthaltes in San Francisco habe ich viele junge amerikanische Bands gesehen, was mir bestätigt hat, daß viele junge japanische Bands mit ihnen auf eine Stufe gestellt werden können oder daß einige sich sogar zutrauen könnten, in Clubs als Headliner zu spielen. Da wir aber noch zu viele Hindernisse, Nachteile und Schwächen hier haben, um diesen Punkt zu erreichen, ist es mein Ziel und Traum, Euch deutsche Kids japanische Bands live sehen zu lassen.

Hiermit sind wir fast am Ende von Asakos Bericht angelangt. Sie kommt nun noch etwas auf das neue japanische Indielabel HOWLING BULL RECORDS zu sprechen, was sich sehr gut trifft, denn ich stehe seit einiger Zeit mit dem Label in Kontakt und besitze ihre ersten fünf Veröffentlichungen, über die ich Euch ohnehin etwas erzählen wollte. Daher werde ich meine Kommentare zu den entsprechenden Bands und ihren Scheiben in Kursivdruck zu Asakos Worten hinzusetzen.

Seit 1990 gibt es in Japan ein sehr aktives Label namens HOWLING BULL RECORDS. Es wurde von Shigeru Kosugi, dem ehemaligen Sänger von DEMENTIA, gegründet, der mittlerweile einige Bands gesignt hat, die auch die Qualitäten der japanischen Szene unter Beweis stellen können.

UNITED [J]-Bandphoto

Ich will mit UNITED beginnen, einem Quintett aus der Gegend von Tokyo, die 1981 gegründet wurden. Ihr erstes vollständiges Album wurde im Oktober 1990 veröffentlicht und enthält scharfen, speedigen, aufregenden Thrash Metal mit klasse zweistimmigen Gitarre. Zu schade, daß ich die warme, friedliche Atmosphäre, die die Band live erschafft, nicht beschreiben kann. UNITED live zu sehen, bringt mich immer hoch, fegt all meine Sorgen weg und bringt mich zum Lächeln. Man kann auch eine Menge Spaß mit der Band haben, wenn man sie und ihre Songs nicht kennt, so wie es mir ging, als ich sie zum ersten Mal vor etwa fünf Jahren live sah.
Das UNITED-Album »Bloody But Unbowed« war der erste Release von HOWLING BULL RECORDS, und Asako hat die Musik schon verdammt gut beschrieben, so daß ich gar nicht besonders viel hinzufügen will, zumal UNITED auch vor einigen Monaten im ROCK HARD sehr gut abschnitten und Platz elf von 54 Platten erreichten, was wohl auch für die Qualität der Band spricht. Ich würde nach UNDERGROUND EMPIRE-Bewertungssystem 14 Punkte für »Bloody But Unbowed« vergeben.

Es folgten SACRIFICE, die seit September 1985 aktiv sind. Ich glaube, daß Ihr erstes Demo vom Mai 1986 auch in europäischen Zines vorgestellt wurde. Dunkle, schwermütige Gitarrenriffs vermischt mit heiserem, starken Gesang machte die Band mit ihrem ersten Album »Crest Of Black« bekannt, welches 1987 veröffentlicht wurde. Nach einigen Umbesetzungen hat die Band noch mehr überzeugende Power hinzugewonnen. »Total Steel«, ihr zweites Werk vom Dezember 1990, bietet Euch genau die stählerne Musik wie sie sein sollte.
Wie Asako schon gesagt hat, liefern auch SACRIFICE Thrash, allerdings in rauherer Form als UNITED. Ich möchte zu Asakos Beschreibung noch vermerken, daß SACRIFICE eine ziemliche Vorliebe für Mitbrüllchöre haben, was live sicher geil rüberkommt. Ansonsten auch eine talentierte Band, die sich vor der internationalen Konkurrenz nicht zu verstecken braucht. SACRIFICE sind kaum schwächer als UNITED, weshalb es auch zwölf Punkte gibt!

Die WARPIGS haben ihr erstes Album »Stay Cool« im letzten Jahr veröffentlicht, auf welchem Ihr Euch an aggressivem, dreckigen Rock'n'Roll erfreuen könnt.
Da sich ab sofort Asako recht kurz faßt, etwas mehr von meiner Seite. Am auffälligsten bei »Stay Cool« ist gewiß das Cover, das zum Bandnamen passend auch mal gleich schweinefarbig gefärbt ist - ätzend, brrr! Ansonsten muß ich hier Asako etwas widersprechen, denn die WARPIGS-Scheibe ist zweifelsohne der schwächste HOWLING BULL-Release bislang, und ihr Debut finde ich eigentlich nicht so besonders toll, weshalb ich auch maximal 6 Punkte locker machen kann. Die Musik von WARPIGS ist ein seltsamer Cocktail - manchmal Rock'n'Roll-artig wie Asako schon sagte, aber dann wieder mit Elementen versehen, die bis zum Thrash reichen. Das würde ja alles gar nicht so schlecht klingen, aber leider fehlt hier noch etwas der Kick, die mitreißende Kraft, die WARPIGS um einiges attraktiver machen würden. Außerdem klingt der Sänger wie jemand, der sich gerade mit der derbsten Rachenentzündung rumbalgt - total heiser und gequält eben.

LAWSHED-Bandphoto

Die Band LAWSHED fasziniert uns mit rauhen, crunchy Riffs. Diese junge Truppe veröffentlichte »Let Us Not Talk Falsely« letzten Mai. Ihr Auftritte haben hier in Japan einen ganz besonders guten Ruf.
Was eigentlich nicht verwunderlich ist, denn LAWSHED stehen UNITED und SACRIFICE in nichts nach. Thrash mit viel Power, höchst intelligent und anspruchsvoll gemacht, mit vielen Breaks. Ganz besonders erwähnen möchte ich bei LAWSHED die geile Cover/Backcover-Kombination, die auf den Albumtitel abzielt und das positive Bild von »Let Us Not Talk Falsely« abrundet und somit auch zur Bewertung von 13 Punkten beiträgt.

Die Gruppe SHELLSHOCK gibt es mittlerweile bereits seit sieben Jahren, aber ihr scharfgeschliffener Heavy Metal mit Melodie und Thrill hat nie so etwas Rostansatz gezeigt!
SHELLSHOCKs »Protest And Resistance« wird der nächste Release des heulenden Bullen sein. Die Plattenfirma hat mir vor einiger Zeit ein Advance Tape mit 14 Songs zugeschickt, die alle in eine Kategorie zwischen normalen Metal und Thrash passen, also etwas softer als SACRIFICE, LAWSHED und UNITED, aber keineswegs lascher oder weniger mitreißend. Das hängt daran, daß SHELLSHOCK wie fast alle japanischen Bands ihre Instrumente aus dem eff-eff beherrschen und so einen dichten, druckvollen Sound erzeugen. »Protest And Resistance« wird ein neues Highlight, der nahezu lückenlosen HOWLING BULL Geschichte darstellen, was wir mit einer dezenten Zwölf-Punktewertung verdeutlichen wollen!

Damit wäre dieses neue, sehr engagierte Label mit seinen bisherigen Signings ausführlich vorgestellt, und ich möchte nur noch anmerken, daß alle HOWLING BULL-Veröffentlichungen von

in Deutschland vertrieben werden.

Wo wir jetzt schon mal beim Thema sind, möchte ich hier gleich noch zwei Veröffentlichungen von anderen japanischen Bands anfügen, die mir seit der Veröffentlichung von UNDERGROUND EMPIRE 5 zugegangen sind. Beide Bands kennt Ihr nebenbei aus dieser Ausgabe, denn sowohl JESUS SAVE als auch SPELLBOUND waren sehr aktiv und haben etwas Neues anzubieten.

JESUS SAVE-Bandphoto

Bei JESUS SAVE rätselte ich im letzten Heft noch etwas über die stilistischen Tendenzen der Band herum. Das Vorabtape zum neuen Demo macht die Sache nun unzweideutig klar! Derben Thrash mit extremen Vocals gibt's da im Sonderangebot. Meist sind die Songs rifforientiert und klar strukturiert, aber manchmal packt man auch die Axt aus und macht jegliche Gliederung zu Kleinholz, woraufhin dann ein paar Takte ein "Intermezzo für zehn Panzerfaust-Metronome" angesagt ist. Tja, nichts was andere Kollegen nicht auch schon mal gemacht hätten, aber auch nichts, mit dem man sich vor ihnen zu fürchten bräuchte. Die sieben Songs des zweiten JESUS SAVE-Demos können sich also absolut hören lassen, ohne in irgendeiner Form als sensationell bezeichnet werden zu müssen. Die Adresse ist gleichgeblieben; also freut Euch auf dieses Teil:

SPELLBOUND [J]-Bandphoto

Die Mannen von SPELLBOUND dagegen gehen die Sache sehr viel lockerer an. Mir hatte Ihr Demo schon gut gefallen, doch die 4-Song-CD »Escape«, welche man kürzlich bei dem Indie WASTED RECORDS veröffentlichte, ist um einiges besser geworden. Das liegt zum einen daran, daß man einen Schwachpunkt verbessert hat, den Axel in seiner Besprechung kritisiert hatte: Man hat einen neuen Sänger, der zwar auch relativ rauh und mit diesem "Japan-Feeling", an das viele sich nicht gewöhnen können, behaftet ist, aber doch seinen Vorgänger locker in den Schatten stellt. Er klingt auf jeden Fall so, daß sich Leute, die erwähnte Abneigung gegen japanisch klingendes Englisch haben, kaum gestört fühlen werden oder wenn man diesen eigentümlichen Sound mag, so wie ich zum Bleistift, ebenfalls keinen Grund zur Klage hat. So kommen die beiden Demosongs ›Wishing For Death‹ und ›Crawling Worms‹ auf »Escape« nicht nur in CD-Qualität rüber, sondern werden auch gesanglich weitaus besser vermittelt, was dem straighten Power Metal von SPELLBOUND sehr dienlich ist. Da mir darüberhinaus die beiden neuen Stücke von »Escape« auch noch besser gefallen als die alten, muß ich einfach mit mindestens 14 Pünktchen rüberkommen!

Hiermit möchten wir nun diesen, meiner Meinung nach höchst interessanten, Japan-Report von Asako inklusive meiner Additionen abschließen, in der Hoffnung, daß Ihr Euch nun über die Szene im Land der aufgehenden Sonne informiert fühlt.

Artikel:
Asako Kai

Bearbeitung & Zusätze:
Stefan Glas


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