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  UE-Home → History → Online Empire 44 → Interview-Übersicht → DEMONICA-Interview last update: 05.12.2022, 18:29:05  

DEMONICA-Logo

Demonstrous« nennt sich ein, hübsch anzusehendes und noch viel amtlicher bret­tern­des Album, das wohl nicht nur mein Thrash Metal-Herz in Wallung ge­bracht hat. Jenes zu Beginn dieses Jahres veröffentlichte Album stammt von einer bis dato unbekannten Formation mit Namen DEMONICA und konnte mit reichlich Bay Area-­Anteilen für Entzücken sorgen.
Brillante Newcomer? Nicht die Bohne. Ein kurzer Blick auf das Line-up sollte aus­rei­chen, um zu wissen, daß die hochwertige Kost, die uns dieses Quintett zu bieten hat, keineswegs von ungefähr kommt. Die imposante Gitarrenarbeit stammt von den Herren Hank Shermann und Craig Lociero, wodurch sich weitere Kommentare als überflüssig herausstellen. Zusammen mit Schlagzeuger Mark Hernandez (in dessen Biographie sich unter anderem Namen wie VIO-LENCE, DEFIANCE oder FORBIDDEN finden), Bassist Marc Grabowski von den Colorado-Thrashern CORRUPTION, sowie Sänger Klaus "Hyr" Hansen, der zu Beginn seiner Laufbahn bei FURIOUS TRAUMA das Mikro schwang, hat das genannte Duo an den Sechssaitigen als ein überaus ge­wal­ti­ges Thrash Metal-Brett abgeliefert, das einige Fragen offengelassen hat.
Allen voran natürlich die nach der Intention hinter dem vermeintlichen Projekt. Sänger Klaus war so frei nach Antworten zu suchen, um uns diese mitzuteilen.

Zunächst laß' uns bitte etwas über die Entstehungsgeschichte von DEMONICA erfahren. Zwar seid Ihr uns allesamt als Musiker bekannt, etwas überraschend kam es für uns aber doch, als von einer neuen Formation mit Namen DEMONICA die Rede war, bei der ein dermaßen imposantes Line-up zu finden ist.

Es war im Dezember 2007 als Hank und ich die Sache ins Laufen gebracht haben. Zunächst allerdings war die Chose als Shermann-Soloprojekt angedacht. Hank hat mich darum gebeten, einen Teil des Gesangs zu übernehmen, wofür ich mich geehrt fühlte und selbstredend sofort einwilligte. Ursprünglich war geplant, möglichst viele Gastsänger mit ins Boot zu holen, doch irgendwann stellte Hank fest, daß es wohl mehr Sinn machen würde und auch wesentlich gehaltvoller wäre, es auf "konventionellem" Bandweg zu versuchen.
Mein Glück war wohl, daß ich mit ›Fast And Furious‹ versuchte, Hank von meinem Gesang zu überzeugen: Dabei handelt es sich um einen jener Songs, die ich schon knappe 20 Jahre mit mir herumschleppe, bislang aber noch nie wirklich verwerten konnte. Hank war relativ schnell davon überzeugt, und zusammen konnten wir aus meiner Basis einen mächtigen Song gestalten. Nach kurzer Zeit hatten wir eine mörderische Demoversion davon eingetrümmert und begannen daraufhin, uns nach weiteren Mitstreitern umzusehen.
Der Erste, der zu uns stieß, war Craig. Ich stehe schon seit langer Zeit mit ihm in Kontakt und wußte deshalb auch, daß er ein eingeschworener MERCYFUL FATE-Fan ist. Daher bedurfte es auch keiner besonderen Überredungskunst, ihn davon zu überzeugen, sich Hank und mir anzuschließen. Craig seinerseits brachte Mark Hernandez als Schlagzeuger ins Spiel, auch wenn mir vorschwebte, Paul Bostaph zu kontaktieren. Paul war jedoch ohnehin zu sehr mit TESTAMENT beschäftigt, so daß sich die Sache fast von selbst erledigte. Als letzter Mitstreiter kam Basser Marc zu uns, der ein alter Bekannter von Hank ist. Die beiden kennen sich schon lange Jahre und haben seit Hanks Zeit in Denver Kontakt zueinander gehalten.

DEMONICA-Bandphoto 1

Alles klar soweit. Wie wurde aus dem vermeintlichen "Shermann-Soloprojekt" DEMONICA?

Der Name DEMONICA schwirrte mir irgendwann im Kopf herum, keine Ahnung warum, keine Ahnung woher das kam. Egal, ich fand den Begriff als Bandnamen schlichtweg genial, recherchierte kurz, ob er denn nicht etwa doch schon vergeben wäre und mailte Hank meine Idee. Nun ja, das war's dann auch schon. [lacht]

Inwiefern wird denn die Band "branchenüblich" betrieben. Besteht da kein Problem hinsichtlich etwaiger Terminkollisionen, ganz so unbeschäftigt scheint Ihr mir allesamt ja nicht zu sein?

Nein, im Moment genießt DEMONICA einen Sonderstatus bei uns allen, und ich denke, wir sind zum richtigen Zeitpunkt mit dem Album an den Start gegangenen. Wie sich die Chose in Zukunft wei­ter­ent­wickeln wird, vermag ich jedoch noch nicht vorauszusagen.

Da wird wohl einiges davon abhängen, wie sehr vor allem Craig und Mark mit FORBIDDEN ausgelastet sein werden. Warten wir also ab, was uns die Zukunft in Sachen DEMONICA beschweren wird. Zurück zu »Demonstrous«, einer mächtigen, ähem, Thrash-Demonstration.
Wie seid Ihr denn an MASSACRE RECORDS gelangt? Es ist ja nicht gerade üblich - und noch weniger einfach - in Zeiten wie diesen, in dermaßen kurzer Zeit einen Deal und ein Debut in trockene Tücher zu bringen.

Ich denke, das ist einzig und allein Hank zu verdanken. Er war es, der es versuchen wollte, und MASSACRE RECORDS waren in wirklich sensationell kurzer Zeit an uns dran. Hank hat bisher nur positive Erfahrung mit diesem Label gemacht. Von daher war es naheliegend, sofort zuzusagen. Es scheint, als ob sich da Businesspartner gefunden haben, die verdammt gut miteinander können.

Seid Ihr mit einer besonderen Erwartung an die Veröffentlichung herangegangen?

Natürlich, schließlich wollen wir stinkreich werden, und das klappt mit Metal immer noch am einfachsten. [lacht] Mal im Ernst: Wir sind glücklich mit dem Ergebnis, lieben unsere Musik und hoffen, einzig und alleine mit unserer Musik auch Fans gewinnen zu können.

Zumindest zweiteres ist geglückt, keine Frage. Die Resonanzen auf »Demonstrous« waren nämlich durchweg positiv. Wie kann man sich den Songwriting-Prozeß zu einem solchen Album vorstellen? Speziell durch den Umstand, daß ja ursprünglich ein Soloprojekt die Intention gewesen ist, dürfte es nicht gerade einfach machen, um mit "Teamwork" zu punkten.

Doch, es war wohl wesentlich einfacher als man es sich vorstellt. Wir hatten zum Glück keinerlei Streß und nahezu Zeit ohne Ende. Im Prinzip hat es dadurch zwar gute zwei Jahre gedauert, bis wir alle Songs fertig hatten, doch man kann sehr wohl sagen, daß wir dabei zu einem Kollektiv geworden sind.

So soll es auch sein. Die Aufteilung dafür kann ich mir gut vorstellen. Deshalb auch meine Frage an Dich als Sänger nach den Texten von »Demonstrous«.

Ich habe mich bemüht, die üblichen Themenkreise wie Tod und Untergang zu vermeiden, zumindest aber zu umschiffen. Es lag mir generell fern, genreübliche Lyrics zu verfassen. Ich habe mich darum bemüht, möglichst persönliche Aspekte unterzubringen, jedoch ohne dabei bloß mich selbst darstellen zu wollen. Von daher kann man durchaus sagen, daß die Texte des Albums vom Leben an sich handeln. Es ist mir tatsächlich gelungen, den Begriff "Tod" in keiner einzigen Nummer zu verwenden.

Kommt wahrlich nicht häufig vor. Sehr wohl dagegen, daß man sich seitens der Presse von Elaboraten wie den Euren erfreut zeigt. Wie sind denn die Reaktionen auf das Album bisher ausgefallen?

Generell gut. Allerdings muß ich schon erwähnen, daß uns nicht nur die Presse gut findet, sondern sich zum Glück auch zahlreiche Fans von DEMIONICA angezogen fühlen. Allerdings hätte es durchaus auch mehr an Presse für uns geben können, denn irgendwie habe ich doch den Eindruck gewonnen, daß wir nicht von allen gängigen Metalseiten und Magazinen vorgestellt wurden.

Das finde ich auch, und nicht zuletzt deshalb habe ich ja auch die Chance beim Schopf gepackt, ein Interview mit DEMONICA zu führen. Um Euren Namen bekannter zu machen wären wohl Konzerte das richtige Rezept. Besteht denn die Chance, Euch in absehbarer Zeit auf den Bühnen dieser Welt bestaunen zu dürfen?

Im August werden wohl einige Gigs in Dänemark und den Niederlanden absolvieren, und zudem spielen wir beim "Alcatraz"-Festival in Belgien.

Das klingt ja schon einmal ganz gut für den Anfang. Ich bin mir aber sicher, daß da in Zukunft einiges mehr machen lassen wird. Nochmal zurück zum Album. Das Cover sieht verdammt gelungen aus. Wer hat es denn entworfen?

Das Motiv stammt von einem brasilianischen Künstler namens Abstrata. Hank ist mit seiner Arbeit vertraut und mag diese schon seit geraumer Zeit, weshalb wir uns mit dem Kerl in Verbindung setzten. Er bekam die völlige künstlerische Freiheit, und das Ergebnis kann sich wohl sehen lassen. Seine Darstellung eines "Sukkubus" ist wahrlich imposant. Anfügen möchte ich noch, daß wir unser Bandlogo als Gemeinschaftsarbeit kreiert haben. Zunächst hat Marc einen seiner Kumpels damit beauftragt, ein Logo zu gestalten, und als wir sein Ergebnis erhielten waren wir hocherfreut. Zwar legten wir sehr wohl nochmals Hand an, um allesamt zufrieden zu sein, doch viel Arbeit war es nicht mehr, da die Basis bereits erledigt war.

Artwork und Logo zusammen kommen als Cover ungemein stimmig daher und würden zudem auch als Hülle für Vinyl-Editionen, sowie auf T-Shirts viel hergeben. Wär' cool, wenn man da was machen könnte. Wo denkst Du denn werden sich »Demonstrous« sowie etwaige weitere Produkte von DEMONICA ab besten verkaufen lassen?

Keine Ahnung. Interessant ist für uns aber die Tatsache, daß wir jede Menge an positive Rückmeldungen, wie auch Anfragen aus den US of A erhalten haben. Damit war wahrlich nicht zu rechnen! Aber auch in Osteuropa scheint reges Interesse an DEMONICA zu bestehen. Auf der anderen Seite scheint es so, als ob der Markt in Deutschland momentan ein wenig übersättigt zu sein scheint, denn gerade dort hätten wir uns ehrlich gesagt doch wesentlich mehr erwartet.

Keine Angst, das kommt schon noch. Ich denke, daß es wohl in erster Linie daran liegt, nicht gerade wenige Bands mit aktuellen Scheibletten am Markt vertreten sind und zudem auch nahezu wöchentlich eine weitere Tournee bekanntgegeben wird, die durch den europäischen Raum zieht. Erschwerend kommt wohl dazu, daß die momentane Wirtschaftslage es nicht gerade einfacher macht, sich als Fan alle interessanten Veröffentlichungen zuzulegen, und wohl auch die mitt­ler­wei­le Mai bis September andauernde Festival-Saison macht es Metalfans nicht gerade einfacher, seine ersparten (T)euros für unbekannte Bands zu opfern. Von daher ist es im Moment für Bands wie DEMONICA wohl nicht unbedingt einfach durchzustarten, auch wenn es nicht an der Qualität von »Demonstrous« liegen kann.
Sollte es mit dem Debut nicht zu einer Gastspielreise klappen, gäbe es ja auch noch die Option, mit einem zweiten Silberling nachzusetzen. Wie sieht es denn diesbezüglich mit Eurer Planung aus?

Zunächst möchte festhalten, daß jedes kommende Album von DEMONICA noch deutlicher vom Kollektiv geprägt sein wird. Erste Ideen für Songs existieren bereits, und wir werden uns allesamt als Songwriter versuchen. Einen Terminplan haben wir an sich nicht, zumindest aber ist davon auszugehen, daß wir uns im nächsten Jahr sehr intensiv der Arbeit mit DEMONICA hingeben werden und spätestens dann, wenn Craig und Mark ihre momentane Auslastung bei FORBIDDEN wieder ein wenig geringer gestalten können, bleibt mit Sicherheit ausreichend Zeit für DEMONICA!

Das wollen wir aber auch hoffen, denn ein Thrash-Hämmerchen wie »Demonstrous« nehmen wir immer wieder gerne!

http://www.demonica.net/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

DEMONICA (vorhergehende Besetzung) im Überblick:
DEMONICA – Demonstrous (Rundling-Review von 2010)
DEMONICA – ONLINE EMPIRE 44-Interview
DEMONICA – News vom 24.09.2008
DEMONICA – News vom 12.02.2009
DEMONICA – News vom 16.08.2011
DEMONICA – News vom 29.11.2012
unter dem ehemaligen Bandnamen Hank Shermann's DEMONICA:
Hank Shermann's DEMONICA – News vom 04.03.2008
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