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  UE-Home → History → Online Empire 42 → Interview-├ťbersicht → AUDREY HORNE-Interview last update: 02.07.2017, 09:33:50  

AUDREY HORNE-Logo

Kaum eine Band hat es in letzter Zeit geschafft, bei Fans aller m├Âglichen Genres eine derma├čen einheitliche Resonanz hervorzurufen, wie diese Norweger. Mit ihrem dritten, schlicht ┬╗Audrey Horne┬ź betitelten Album zeigen sich die vier Herren - genauer gesagt Schlagzeuger Kjetil Greve, die Gitarristen Thomas Tofthagen und Ice Dale, sowie S├Ąnger Toschie - weiter gereift und bereit, den ganz gro├čen Durchbruch zu schaffen.

AUDREY HORNE-Bandphoto 1

Die Erfolgsgeschichte dieser Truppe kommt aber keineswegs ├╝berraschend, sondern darf als geradezu logisch betrachtet werden: Schon mit ihrem letztem Album ┬╗Le Fol┬ź (2007) deutete sich der Durchmarsch an, auch wenn der Traditionalist/Hard Rocker zu jenem Zeitpunkt noch nicht ganz so ├╝berzeugt von der Darbietung der Nordweger gewesen sein mag. Zumindest in Ans├Ątzen merkte man die allumfassende Wirkung dieser Band bereits, deren Geschichte der Band im Jahr 2002 begann, als sich Kjetil, Thomas, Ice Dale (eigentlich Arve Isdal) und Torkjell Rod (Toschie) mit dem Bassisten Tom Canto Visnes (als "King Ov Hell" in der Szene bekannt) und Keyboarder Herbrand Larsen (der mit Arve auch bei ENSLAVED mit von der Partie ist) zusammentaten, um eine Band zu gr├╝nden. Den Namen f├╝r das Unternehmen entliehen sie der Fernseh-Serie "Twin Peaks", in der die Figur der Audrey Horne eine der Hauptcharaktere gewesen ist. Im Jahr 2005 deb├╝tierten die Norweger mit der EP ┬╗Confessions & Alcohol┬ź zwar noch recht unspektakul├Ąr und auch kaum wirklich international beachtet, doch schon das noch im selben Jahr nachgereichte erste Langeisen ┬╗No Hay Banda┬ź ebnete die Erfolgslaufbahn der Formation. Nach der bereits erw├Ąhnten zweiten Scheibe wurden AUDREY HORNE f├╝r den "Spellemann Prisen" (norwegischer "Grammy") in der Kategorie "Metal" nominiert und konnten sich danach auch auf internationalem Parkett (unter anderem auch bei namhaften Open Air-Festivals) in Szene setzen.
Speziell der Umstand, da├č man es hier mit einer sogenannten "Konsens-Band" zu tun hat, schraubte die Erwartungshaltung seitens Presse und Fans f├╝r den aktuellen Silberteller in geradezu gigantische H├Âhen, die AUDREY HORNE mit Sicherheit erf├╝llen werden k├Ânnen. Um das zu behaupten braucht man sich nicht als Nostradamus zu versuchen, denn die Band, in der Zwischenzeit um Keyboarder Herbrand und den "King Ov Hell" reduziert, erweist sich n├Ąmlich kompositorisch st├Ąrker denn je und hat sich noch ein wenig mehr in Richtung "Stadion Rock/Classic Rock" orientiert. AUDREY HORNE liefern auf ihrem aktuellen Dreher eine ganze Wagenladung an wunderbaren Melodien ab, die nirgendwo auf diesem Erdball ihre Wirkung verfehlen werden. Meine Wenigkeit traut den Jungs gar einen ├Ąhnlichen Durchmarsch nach ganz oben zu, wie es in letzter Zeit nur den D├Ąnen VOLBEAT gelungen ist.
Da├č die Band, die als Stellvertreter S├Ąnger Toschie auserkoren hat, um die Fragen der Presse zu beantworten, nicht minder zufrieden mit dem momentanen Status der Band ist, kann man sich wohl vorstellen. Was genau der ansonsten in kein anderes Projekt involvierte Frontmann der Norweger zu sagen hatte, erfahrt in den folgenden Zeilen.

AUDREY HORNE-Headline

Die Essenz von AUDREY HORNE definiert jeder Zuh├Ârer ein klein wenig anders, ganz im Gegenteil dazu sind sich alle einig, da├č ihr momentan mit zu den abgesagtesten Bands im gesamten Business zu z├Ąhlen seid. Wie erkl├Ąrst Du das Erfolgsgeheimnis der Band?

Ehrlich gesagt sehe ich keine "Geheimnisse" bei uns. Wir sind zwar sehr gl├╝cklich, momentan erfolgreich zu sein, doch ohne intensive Arbeit w├Ąre all das unm├Âglich gewesen. Im Unterschied zu fr├╝her kann man jedoch durchaus festhalten, da├č die Herangehensweise ein etwas andere war. Wir arbeiteten dieses Mal noch zielorientierter und hatten immer den Gedanken verfolgt, m├Âglichst effiziente Songs - v├Âllig unabh├Ąngig von der stilistischen Ausrichtung - abzuliefern. Genau das scheint es zu sein, was Musikfans heutzutage brauchen.

F├╝r welche Zielgruppe machen AUDREY HORNE denn ├╝berhaupt Musik? Oder anders gefragt, gibt es "den" Fan von Euch?

Das ist fast unm├Âglich zu beantworten, denn offenbar lassen sich heutzutage auch Musik-Konsumenten und Fans auf uns ein, die vor einiger Zeit noch nicht so weit ├╝ber ihren Tellerrand hinausgeblickt hatten. Auf der anderen Seite scheint unsere bisherige Vorgangsweise die richtige gewesen zu sein, denn offenbar sprechen wir mittlerweile traditionell orientierte "Classic Rock"-Fans gesetzteren Alters genau so an, wie auch junge Rockmusikliebhaber, die sich eher an sogenannten "Alternative"-Sounds erfreuen. Einen "typischen" AUDREY HORNE-Fan kann ich daher nicht beschreiben. Ich bin zwar selbstbewu├čt genug, um zu behaupten, da├č wir als Band Fangruppen vereinen k├Ânnen, wei├č aber sehr wohl auch zu sch├Ątzen, da├č offenbar in der Szene ein h├Âheres Ma├č an Toleranz vorhanden ist als noch vor einigen Jahren.

AUDREY HORNE-Bandphoto 2

F├╝r solch' einen vielerorts akzeptierten Sound werden wohl auch die Inspirationen dementsprechend breitgef├Ąchert sein, oder?

Damit liegst Du vollkommen richtig. Es gibt doch nichts Langweiligeres, als den ganzen Tag dieselbe Art von Musik zu h├Âren. So etwas will sich wohl nicht einmal jemand geben, der so wie meine Kollegen, aus der Black Metal-Ecke stammt. Von daher sind Inspirationen und Vorlieben bei uns ebenso breitgef├Ąchert wie unsere Musik selbst. Dunkler, d├╝sterer Metal z├Ąhlt zwar genauso dazu, doch dem gegen├╝ber stehen zun├Ąchst einmal die ganz gro├čen Namen der 70er Jahre, sowie sp├Ątere Ikonen der Rockmusik. Weiters m├╝ssen aber nat├╝rlich auch jede Menge an zeitgem├Ą├čen Formationen wie ISIS oder TOOL, aber auch einige Bands aus der Grunge-Phase erw├Ąhnt werden. Mit anderen Worten: Uns inspiriert alles, was man auf den gemeinsamen Nenner "gute Musik" bringen kann.

Spezielle deine Bandkumpanen aus der Schwarzwurzel-Abteilung scheinen aufgrund ihrer unz├Ąhligen Beteiligungen an Bands/Projekten teilweise gef├Ąhrdet zu sein, den ├ťberblick behalten zu k├Ânnen, was denn an der Tagesordnung stehen w├╝rde. Gibt es denn keinerlei ├ťberschneidungen, Abstimmungsprobleme oder Terminkollisionen bei Euch?

Nein, bis jetzt noch nicht. Alle Mitglieder arbeiten sehr konzentriert und wissen ihre Bet├Ątigungsfelder zu koordinieren. Ich selbst bin zwar das einzige Bandmitglied, das ausschlie├člich bei AUDREY HORNE aktiv ist, habe aber kein Problem mit "Nebenbaustellen". Vor allem Ice Dale ist diesbez├╝glich ein echtes Ph├Ąnomen. Der Kerl ist nahezu rund um die Uhr aktiv und hat gleich mehrere Eisen im Feuer. Allen voran steht er neben uns momentan mit OV HELL und ENSLAVED voll im Saft, schafft es aber dennoch problemlos, sich nicht selbst im Weg zu sein. [lacht]

AUDREY HORNE-Bandphoto 3

Perfektes Time-Management also, das der Herr an den Tag legt. Mit Superlativen wie "perfekt" wirft auch die Presse um sich, um ┬╗Audrey Horne┬ź geb├╝hrend zu lobpreisen. Mit welcher Erwartungshaltung seid Ihr selbst denn an die Scheibe herangegangen?

F├╝r uns selbst war von Anfang an lediglich wichtig, uns selbst damit vollends zufriedenstellen zu k├Ânnen. Das mag ├╝berheblich klingen, ist es aber nicht. Wir wollten nichts anderes fabrizieren als Songs, die wir selbst auch h├Âren m├Âchten und zwar nicht blo├č ein paar Mal. An die 40 Songs hatten wir im Endeffekt zur Auswahl, mu├čten jedoch ordentlich reduzieren, um nicht ├╝ber dieses Ziel hinauszuschie├čen. Schlu├čendlich haben wir uns f├╝r elf Tracks entschieden, die auf das Album gekommen sind. Dabei war es uns v├Âllig egal, ob wir selbst der Meinung waren, da├č es sich dabei um die "besten" Songs handeln w├╝rde. Viel wichtiger war es, den "Flu├č" beizubehalten, damit wir unseren Fans ein St├╝ck ehrliche und verdammt gute Musik abliefern k├Ânnen.

Operation gelungen. Was aber soll denn mit den "├ťberresten" geschehen?

Eine nicht gerade kleine Anzahl an vollendenden Songs, die ebenso das Zeug dazu haben, Ohrw├╝rmer zu werden, werden zum Teil als "B-Seiten", f├╝r Compilations, aber auch als Bonustracks Verwendung finden. Ansonsten haben wir die Tracks archiviert, jedoch noch keine Idee, was damit geschehen wird.

Weshalb habt Ihr Euch dafür entschieden, diesmal nicht in der Heimat, sondern im fernen Amerika unter der Ägide von Joe Barresi aufzunehmen?

Zum einen haben wir bereits zu Zeiten des Debutalbums mit ihm positive Erfahrung gemacht, zum anderen hat der Kerl in den letzten Jahren ausschlie├člich imposante Produktionen abgeliefert. Wir lieben einfach seine Herangehensweise! Joe macht sich nicht ins Hemd, wenn eine Band eventuell kleinere Spielfehler begeht, sondern l├Ą├čt Musiker arbeiten, solange die Dynamik und Energie des jeweiligen Songs erhalten bleibt. Exakt das brauchen wir, und von daher sind wir mit dem Ergebnis auch hochzufrieden.

Zu kl├Ąren w├Ąre f├╝r mich noch der Umstand, da├č Herbrand zwar kein Bandmitglied mehr ist, Keyboards jedoch einen nicht gerade unerheblichen Anteil des Gesamtklangbildes ausmachen.

Dazu mu├č man wissen, da├č er uns im Guten verlassen hat und nur deshalb kein festes Mitglied bei AUDREY HORNE mehr ist, weil es sein Zeitplan nicht mehr zugelassen hat. An unserer Freundschaft hat sich jedoch nichts ver├Ąndert, weshalb er auch selbstredend f├╝r das aktuelle Album zur Verf├╝gung gestanden ist und darauf, die meiner Meinung nach beste Leistung seiner gesamten Karriere geboten hat. Er wird auf ┬╗Audrey Horne┬ź genauso als Gastmusiker angef├╝hrt, wie Espen Lien, der uns am Ba├č unterst├╝tzt hat. Espen stammt ebenso wie wir alle, aus der gro├čen Metal-Familie hier in Bergen, ist zusammen mit Ice Dale und anderen ENSLAVED-Musikern auch noch bei TRINACRIA am Start und wird uns wohl auch bei anstehenden Tournee-Aktivit├Ąten begleiten.

Gutes Stichwort, wann und wo wird man denn AUDREY HORNE zu sehen bekommen?

An sich soll es ab April mit einer durchgehenden Tournee losgehen, doch leider kann ich zu diesem Thema noch nicht allzu viel verraten, da au├čer einigen Gigs hier in Norwegen noch nicht wirklich viel festgelegt ist. Aber wir werden nat├╝rlich live spielen und mit Sicherheit auch bei Euch erneut aufgeigen, keine Frage!

http://www.audreyhornemusic.com/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

Photos: Bent Rene Synnev├ąg [Photo 1 & 2], Boris Draschoff [Photo 3]

AUDREY HORNE-Design

 

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