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  UE-Home → History → Underground Empire 2 → Interview-Übersicht → AMBROSIA (D)-Interview last update: 08.11.2017, 20:42:13  

”UNDERGROUND EMPIRE 2”-Datasheet

Contents:  AMBROSIA (D)-Interview

Date:  1989/'90 (created), 23.03.2009 (revisited), 11.10.2013 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 2

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue sold out! Several later issues still available; find details here!

Comment:

Öhm - 'n bißchen arg strenges Schlußwort, Herr Glas. Nicht gut drauf gewesen damals, wa?

Anyway - kommen wir zur Musik und zur Band AMBROSIA zurĂŒck: FĂŒr diese könnte dieses Interview das letzte Lebenszeichen gewesen sein, denn meines Wissen wurde uns keine weitere Götterspeise serviert, und zudem sollte keiner der Musiker spĂ€ter in einer anderen Band auftauchen. Doch zu befĂŒrchten war diese Entwicklung gewiß gewesen, denn die tolle Stimme von Katja war das große Plus von AMBROSIA gewesen. Sie war auch der Grund, weshalb wir das Interview angekurbelt hatten, und meinereiner war enttĂ€uscht, als ein "Interview ohne Katja" zurĂŒckkam. So dĂŒrfte das Demo also das einzige VermĂ€chtnis von AMBROSIA geblieben sein.

Supervisor:  Stefan Glas

 
 

AMBROSIA (D)-Logo

AMBROSIA waren schon im ersten UNDERGROUND EMPIRE bei den Demoreviews zu finden. Aufgrund unĂŒbersehbarer VorzĂŒge - nein, so ist es nicht gemeint, die VorzĂŒge waren auch klar hörbar! - stellte ich bei der Band einen formlosen Antrag auf Interviewgenehmigung. Nach dem Durchlaufen der MĂŒhle der BĂŒrokratie kam ein ebenso formloses "Ja" als Antwort zurĂŒck, so daß wir uns nun den Smalltalk zu GemĂŒte fĂŒhren können.

AMBROSIA (D)-Bandphoto 1

ErzĂ€hlt doch bitte etwas ĂŒber die Band und ĂŒber das, was in letzter Zeit alles passiert ist!

Ingo: Begonnen hat die Sache Mitte 1987 mit Volker und Ingo, die eine Band auf die Beine stellen wollten. Auf einem Konzert lernten wir unseren ersten Bassisten, Alex Gatting, kennen. Ende 1987 kam dann Schlagzeuger Thomas Grabisch und Katja GrÀve als SÀngerin zu uns. Somit waren wir komplett, und wir begannen, einige Gigs zu spielen. Mit Thomas gab es dann Probleme, und wir trennten uns von ihm. Wir fanden dann nach einiger Zeit in Rolf Teubert einen neuen Drummer. Nach einem Jahr harter Arbeit, haben wir dann unser erstes Demo aufgenommen.

Volker: Kurz nach der Demoveröffentlichung ist Katja sehr plötzlich ausgestiegen und hat sich nach Griechenland abgesetzt. Das war zwar ein ziemlicher Schock fĂŒr uns, aber es ging weiter. Ein paar Monate spĂ€ter stieg dann auch noch Alex aus, um sich einer anderen Musikrichtung zuzuwenden, und wir standen dann auch noch ohne Bassist da.

Fred: Ich kam vor etwa einem halben Jahr als Bassist zur Band. Ich hatte vorher schon bei einigen anderen Bands gespielt, aber AMBROSIA sind bislang die ersten, an denen man etwas knabbern kann (tolle Metapher - Red.), weil die Leute echt was auf'm Kasten haben. Wir kommen gut miteinander aus, und es macht echt Spaß, mit den Leuten zusammenzuarbeiten.

Welche Bedeutung hat Euer Name fĂŒr Euch, und gibt es einen Bezug zum Cover des Demos?

Ingo: Der Name stammt von einem Bekannten. "Ambrosia" heißt zu deutsch "Götterspeise", und das fanden wir ziemlich lustig und originell. Außerdem war der Schriftzug ziemlich gut ausgearbeitet. Es steht aber kein Konzept dahinter. Wir beabsichtigen aber, unseren Namen zu Ă€ndern, da unsere neuen Lieder kaum mehr mit den alten vergleichbar sind. Unter dem Namen AMBROSIA stellen sich jetzt viele die Band mit der SĂ€ngerin vor, und wir wissen momentan noch gar nicht, ob wir einen SĂ€nger oder eine SĂ€ngerin bekommen werden. Es sind neue Leute dabei, und die Musik hat sich verĂ€ndert, so daß es wohl sinnvoll ist, ein neues Demo unter einem anderen Namen herauszubringen.

Rolf: Mit AMBROSIA ist keineswegs irgendein Wackelpudding gemeint, sondern eher die Speise der Götter, die unsterblich macht. Das soll auch das Cover darstellen, nÀmlich einen Gott, der sich seine Götterspeise reinzieht.

Wie aus der Demobesprechung im ersten UNDERGROUND EMPIRE schon hervorgeht, gefÀllt mir Euer Demo sehr gut, mich stört lediglich das Intro, das meiner Meinung nach zu altbacken ist und das man schon tausendfach Àhnlich gehört hat.

Ingo: Das Intro sollte zum darauffolgenden StĂŒck passen. Wir haben uns mit einem Freund von Volker, der ziemlich viel Ahnung von Computern hat, zusammengesetzt, und er kam eines Tages mit diesem Ergebnis zu uns. Das Intro klingt ziemlich mystisch, besonders der Chor im Hintergrund, und da kann man eben auch einen Vergleich zu den Göttern ziehen.

Leider kenne ich Euere Texte nicht, aber wenn ich mir den Titel von â€șMiddleage Viewsâ€č anschaue, dann drĂ€ngen sich mir zwei Interpretationen auf: erstens, daß mit diesen â€șMiddleage Viewsâ€č irgendwelche Ansichten/Theorien aus dem Mittelalter gemeint sind, oder zweitens, daß damit auf Ansichten von Leuten mittleren Alters angespielt wird, also daß der Text in Richtung "Generationskonflikt" zielt. Trifft eine, wenn ja welche, der Interpretationen zu?

Volker: â€șMiddleage Viewsâ€č handelt von mittelalterlichen Ansichten und ist eigentlich ein Lied gegen die Todesstrafe. Alle unsere Texte haben irgendwie einen sozialkritischen Charakter, wie beispielsweise auch â€șNo Wayâ€č, das von einem Verstoßenen handelt, der absolut keine Chance bekommt, sich in die Gesellschaft einzugliedern. Wie die Texte in Zukunft aussehen werden, wissen wir noch nicht, da wir noch keinen neuen SĂ€nger haben und er die Texte schreiben wird, wobei der Rest der Band aber schon ein gewisses Mitspracherecht hat.

AMBROSIA (D)-Bandphoto 2

Euere Musik hat ziemlich viele Breaks und verschiedene Parts. WĂŒrdet Ihr Euch selbst als Progressiv- oder Technoband bezeichnen?

Volker: Als Technoband bezeichnen wir uns absolut nicht, unsere Musik ist lediglich etwas progressiv angehaucht, wobei wir sehr auf Melodien achten.

Fred: Bei den neueren Liedern muß man sagen, daß der rote Faden immer klar erkennbar ist.

Manny von SECRECY hat Euer Demo abgemischt, und Ihr erwÀhnt in der Thanx-Liste mehrere andere Bremer Bands. Wie sieht eigentlich die Szene bei Euch aus?

Rolf: Die Szene ist sehr gut belebt. Überregional bekannt sind RUMBLE MILITIA und DIMPLE MINDS, und von SECRECY wird man demnĂ€chst wohl auch noch einiges lesen. Dann gibt es noch Namen wie FINAL PROPHECY oder EXPLODER. Es gibt viele Bands aus allen Stilrichtungen, und die Musiker kennen sich alle untereinander und kommen auch ganz gut miteinander aus.

Volker: Die Bands helfen sich gegenseitig aus, und die ganze Szene hÀlt sehr gut zusammen.

Was ist Euer Meinung nach das Besondere an AMBROSIA, das sie von anderen Bands unterscheidet?

Ingo: Wir spielen nur das, wozu wir Lust haben. Wir versuchen nicht irgendwelchen Vorbildern nachzueifern, und machen auch keine Modemusik.

Volker: Wir lassen die fahrenden ZĂŒge an uns vorbeigleiten und springen nicht auf, sondern machen das, was uns gefĂ€llt. Wir richten uns auch nicht danach, ob es etwas Ă€hnliches vielleicht schon mal gab. Wenn es uns gefĂ€llt, dann behalten wir das auch.

Rolf: Wir schreiben unsere Lieder gemeinsam. Bei uns kommt keiner mit einem fertigen StĂŒck, sondern er bringt eine Riffidee, die dann gemeinsam ausgearbeitet wird.

Welche Ziele habt Ihr Euch mit AMBROSIA gesetzt?

Ingo: Jede Band hat irgendwo den Wunsch, groß rauszukommen, sonst wĂŒrde mit ihr irgendwas nicht stimmen. Wir werden deswegen aber keine Kompromisse eingehen. Wir ziehen unser Ding durch, und wenn es klappt, dann ist das geil, wenn nicht - Pech gehabt.

Volker: Bis jetzt betrachten wir die Band noch mehr als Hobby. Wir haben aber keine Feier­abend­musiker­ein­stellung, denn spĂ€testens, wenn man schon mehrere tausend Mark in sein Equipment gesteckt hat, dann erhofft man sich doch schon etwas.

Fred: Wenn wir gesangsmĂ€ĂŸig etwas gefunden, dann werden wir ein gutes Demo aufzunehmen. Wir werden uns aber Zeit lassen und die besten StĂŒcke auswĂ€hlen.

Jetzt wird's auch fĂŒr Euch etwas politisch: Ihr wohnt nicht allzu weit von der DDR-Grenze weg. Was denkt Ihr ĂŒber die UmwĂ€lzungen in Osteuropa?

Rolf: Nimm uns das nicht krumm, aber wir wollen hier nicht antworten, weil wir niemandem unsere Meinung aufdrĂ€ngen wollen. Ich finde das gehört hier nicht rein. Wir interessieren uns schon fĂŒr das Thema und sind auf dem Laufenden, aber ich finde, daß die Frage völlig am Thema vorbeigeht.

...womit Du sicher recht hast, aber ich finde das, ehrlich gesagt, etwas engstirnig. Warum soll man nicht auch mal etwas fragen, das etwas weitlĂ€ufigere The­men­ge­bie­te, wie in diesem Fall die Politik, anschneidet? Ich finde, daß es nichts langweiligeres gibt, als Interviews, die nach dem Schema X, "History, Musik, Texte, Musiker, Lieblingsbands, EinflĂŒsse und Schlußwort", ablaufen. Sicher sind solche Fragen manchmal nötig und unumgĂ€nglich, aber dennoch wird ein Interview doch erst interessant, durch diese ungewöhnlichen Fragen - meine Meinung!!! Auf jeden Fall wird das UNDERGROUND EMPIRE auch weiter die Praxis beibehalten, nicht nur den Standard zu bearbeiten, sondern auch eben solche "abgedrehten" Fragen stellen. Ich hoffe, Ihr nehmt es mir auch nicht krumm, daß ich meine Ansichten hier erlĂ€utert habe.
Diese kleine Meinungsverschiedenheit wird keinesfalls meine Meinung ĂŒber AMBROSIA verĂ€ndern, denn die Band ist und bleibt sehr gut, und ich glaube auch nachwievor, daß man von der Band noch einiges erwarten kann.

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Stefan Glas

AMBROSIA (D) im Überblick:
AMBROSIA (D) – Demo '89 (Demo)
AMBROSIA (D) – UNDERGROUND EMPIRE 2-Interview
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