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Open Air-Festivals sind nicht Metal!

Und zeitgemäß sind sie ohnehin nicht mehr. Das haben uns die Absagen des "Rock am Ring"- und "Southside"-Festivals auf drastische Weise klargemacht. Die Verbrechen, die wir Menschen gegen die Natur begangen haben, bezahlen wir mit dem immer extremer werdenden Wetter und immer schlimmeren Naturkatastrophen. Das haben wir in den letzten Wochen auf dramatische Weise mehrfach vorgeführt bekommen, und nichts spricht dafür, daß sich dies in den kommenden Jahren entschärfen wird.

Vor meinem geistigen Auge sehe ich schon, daß nur noch solche Arenen wie einige der gigantischen Footballstadien in Amerika oder auch das neue Stadion von Schalke 04, die ein riesiges Kuppeldach besitzen, das bei Bedarf geschlossen oder geöffnet werden kann. Welche Zusatzkosten dann auf die Ticketpreise draufgeschlagen werden müßten, kann man sich problemlos ausmalen, so daß es vorprogrammiert wäre, daß solche Pseudo-Open Airs zu elitären Veranstaltungen verkommen würden.

Aber mal ganz abgesehen davon, wie die Zukunft des Formates "Open Air-Festival" aussehen mag, warum sollten solche Veranstaltungen überhaupt erstrebenswert sein? Selbst wenn wir nicht nach "Wacken" blicken, wohin sich schon seit Jahren viel zu viele Mitglieder der Party-und-Spaßgesellschaft ergießen, denen die Musik völlig am Arsch vorbeigeht, so muß man doch generell beobachten, daß auch bei längst nicht so mainstreamigen Festivals viel zu oft die Action eher auf dem Campingplatz als vor der Bühne abspielt. Da rocken sich talentierte Nachwuchskapellen in den Morgen- oder frühen Mittagsstunden förmlich den Arsch ab, und man hat das Gefühl, daß hauptsächlich die Vertreter der verschiedenen Print- und Online-Magazine anwesend sind, weil sie eben jene Band für den Festivalreport besprechen müssen, während sich Tausende immer noch im Zelt rumlümmeln und den Kater von der exzeßhaften Nacht bekämpfen. Anschließend wird dann erst mal der Grill angeworfen und weiter gebechert, während die nächsten Bands Gas geben und immer noch mit einer Handvoll Zuschauer vorliebnehmen muß. Dieses Desinteresse liegt aber keinesfalls an mangelnder musikalischer Qualität, sondern lediglich daran, daß sie keinen ausreichend bekannten Namen haben, um gegen den Campingstuhl anstinken zu können. Erst gegen Abend füllt sich dann allmählich das Festivalgelände - also dann, wenn jene Bands spielen, die ohnehin mehr oder minder regelmäßig touren, so daß jeder sie eigentlich auch vor der Haustür sehen könnte.

Auf allen Fälle sind jene deutlich in der Unterzahl, die wegen der Musik kommen und sich vielleicht sogar ärgern, daß ihnen aufgrund der Programmüberschneidungen der verschiedenen Bühnen vielleicht die ein oder andere reizvolle Band entgeht.

Wenn wir uns ganz ehrlich und knallhart die Situation beim "Keep It True"-Festival (das natürlich keine Open Air-Veranstaltung ist, wie die Pfenningfuchser unter Euch jetzt vielleicht anmerken werden...), dem Allerheiligsten aller Underground-Metaller, anschauen, dann müssen wir sogar hier feststellen, wo sich nun wirklich die passioniertesten aller Metaller treffen, daß bei so mancher exzellenter Nachwuchsband oder obskurer Oldtimer-Truppe der Betrieb vor der Halle viel zu groß ist und sich somit viel zu viele Besucher eine gute Gelegenheit entgehen lassen, eine interessante Band zu entdecken.

Daher: Open Air-Festivals sind für die allerwenigsten Besucher wirklich Metal. Wenn Ihr dennoch den Besuch einer solchen Veranstaltung geplant habt, dann legt Euer Hauptaugenmerk auf die Bands und nicht auf Steaks und Bölkstoff. Und vor allem:

Bitte nicht ertrinken!

Stefan Glas

P.S.: Auf alle Fälle ist unsere Sommerausgabe total Metal, so daß wir uns über eine passende Umhüllung freuen. Genauer gesagt sind wir superstolz, daß die Legende Rodney Matthews uns eines seiner Kunstwerke zur Verfügung gestellt hat. Seine unverkennbaren Arbeiten kennt Ihr natürlich von Bands wie YES, ASIA, PRAYING MANTIS oder eben jener Band, die das bei uns zu sehende Werk als Cover seinerzeit in Auftrag gegeben hatten. Mehr von Rodney findet Ihr auf seiner Homepage.
Danke auch an meinen Kollegen Matthias Mader, der im Rahmen seiner ROCK HARD-Story mit Rodney geholfen hat, den Kontakt herzustellen.

 
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