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  UE-Home → History → Online Empire 66 → Interview-Übersicht → ELDRITCH (I)-Interview last update: 26.11.2021, 17:48:45  

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Seit zwanzig Jahren liefern diese Herren aus der Toskana in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen feine Prog-Metal-Elaborate. Das im nächsten Jahr sein fünfundzwanzigstes Bandjubiläum zelebrierende Quintett hat zwar im Laufe der Zeit jede Menge unterschiedlicher Zutaten in sein Soundkostüm integriert, auf die Essenz dessen, was einen guten Song ausmacht, haben die Italiener jedoch niemals vergessen.
Im Gegenteil, auf ihrem inzwischen bereits zehnten Dreher »Underlying Issues« stechen fesselnde Melodien und satte Hooks mehr denn je heraus. Grund genug also, um uns mit Sänger Terence Holler zu unterhalten.

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Ich persönlich empfinde Euer neues Album als eines der melodiösesten in Eurer bisherigen Geschichte überhaupt. Kann man das auf Eure Entwicklung seit den Anfängen zurückführen?

Auf jeden Fall! Melodien waren für uns jedoch immer schon wichtig, und selbst auf unseren ersten Alben bereits in durchaus beachtlicher Menge zu finden. Allerdings klang die Band in den ersten Jahren wesentlich abgefahrenen als heute. Wohl deshalb, weil wir uns erst "finden" und in einem gewissen Rahmen als Musiker unter Beweis stellen mußten. Vor allem die ersten drei Scheiben »Seeds Of Rage«, »Headquake« und »El Niño« empfinde ich heute sogar als eher schräg. Es galt damals in erster Linie den unterschiedlichen, teils regelrecht abgefahrenen Musikgeschmack von fünf nicht minder verrückten Typen unter einen Hut zu bringen. Das war gar nicht so einfach, denn wir mußten uns auf eine Gangart einigen, die von Hard Rock bis Thrash Metal alles beinhaltete. Wahrscheinlich sind wir genau deshalb bei einer abgefahrenen Ausgabe dessen, was man landläufig als Progressive Metal bezeichnet, gelandet. [lacht] Ein Glück, daß wir über diese Phase längst hinweg sind, uns als Band gefunden haben und wissen, was wir wollen und können. Inzwischen haben wir die Fähigkeit entwickelt, die Essenz eines Songs im Vorfeld so aufzubereiten, daß dieser, egal wie wir die Nummer auch anlegen, dem Hörer geradewegs ins Gesicht springt.

Gibt es beim Komponieren eine bestimmte Intention, die Ihr verfolgt, oder wie geht Ihr die Sache an?

Nein, festgelegt haben wir uns diesbezüglich noch nie. Zumeist ist es Eugene (Simone, Gitarrist der Band und gemeinsam mit Terrence eines der beiden verbliebenen Gründungsmitglieder von ELDRITCH, die sich 1991 zusammentaten - der Verf.), der mit Ideen für Riffs oder Songideen ankommt, ausgearbeitet wird alles aber gemeinsam. In welche Richtung es dabei geht, ist zunächst auch weniger wichtiger, maßgeblicher erscheint es uns, in solchen Fällen möglichst rasch an dieser Idee weiterzuarbeiten, damit die Spontaneität erhalten bleibt. Eugene ist generell der Hauptkomponist bei uns, gut 99 Prozent des Materials gehen auf seine Kappe. Er schickt zumeist mp3-Dateien in die Runde, die jeder für sich dann weiter bearbeitet. Auch ich arbeite auf diese Weise meine Gesangsmelodien aus und schreibe üblicherweise im nächsten Arbeitsschritt meine Texte dazu.

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Das bedeutet dann, daß auch die Griffigkeit des aktuellen Materials auf die erlangte Erfahrung zurückzuführen ist?

In gewisser Weise schon. Allerdings muß man noch hinzufügen, daß wir mittlerweile einfach auch eher melodiöseres Zeug bevorzugen. Ich persönlich bin immer beispielsweise seit jeher ein eingefleischter Fan der klassischen Hard Rock-Bands. Damit bin ich nun mal groß geworden und habe diese Formationen nicht zuletzt deshalb auch dermaßen fest ins Herz geschlossen, weil jede einzelne durch die Bank wunderbare Melodien in petto hatte. Das soll jetzt aber nicht bedeuten, daß mir Thrash nichts bedeutet, auch diese Art von Musik liebe ich innig, allerdings war ich immer schon Anhänger der melodischen Version davon.

Wie lange hat es denn gedauert, bis »Underlying Issues« komplett fertig war? Das Album erschien nicht nur für viele Fans überraschend schnell nach »Tasting The Tears«, das es nur 20 Monate davor zu beklatschen gab.

Wir waren selbst überrascht wie schnell uns das Fertigstellen diesmal von der Hand ging. Eugene hatte schon im Frühling die Instrumentalvorlagen für gut zehn Songs fertig und schickte wie üblich die Basis-Tracks raus. Da es sowohl mir dieses Mal besonders leicht gefallen ist Gesangsmelodien und Texte zu schreiben, aber auch die anderen Jungs in Windeseile mit den Arrangements fertig waren, hat der gesamte Entstehungsprozeß keine drei Monate beansprucht. Als unser Drummer Raffahell Dridge seine Parts eingespielt hatte, übergaben wir an unseren Kumpel Simone Mularoni (auch als Gitarrist von DGM bekannt - der Verf.), der in den "Domination Studios" den Mix und das Mastering übernommen hat.

Kann es sein, daß es momentan einfach deshalb dermaßen "rund" läuft, weil das Line-up stabil ist? Das war in der Vergangenheit ja nicht immer so...

Das ist möglich, obwohl ich der Meinung bin, daß Besetzungswechsel in nahezu jeder Band vorkommen, und das immer wieder. An sich sind bei ELDRITCH zwar in erster Linie Eugene und ich mit dem Songwriting beschäftigt, doch es mag durchaus etwas dazu beigetragen haben, daß wir uns eben nicht Gedanken um diverse andere Dinge machen brauchten, wie etwa einen neuen Bassisten. Das hat im letzten Jahr einige Zeit in Anspruch genommen und war erst erledigt, als Raffahell seinen ENSIGHT-Kumpel Alessio Consani ins Spiel gebracht hat. Seit diesem Zeitpunkt ist dieses Thema aber endlich vom Tisch. Mit Erfolg, denn die beiden sind ein imposantes Rhythmusgespann!

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Apropos: Gibt es abseits von ELDRITCH aktuell auch noch andere Betätigungsfelder, oder ist der Fokus ausschließlich auf Eure Stammband gerichtet?

Raffahell und Alessio sind wie schon erwähnt bei ENSIGHT aktiv und momentan dabei, das erste Album einzutüten. Auch Rudj Ginanneschi, unser zweiter Gitarrist, hat mit IN MEMORY ein Nebenprojekt am Start. Doch das stört nicht wirklich, solange es keine Überschneidungen mit ELDRITCH gibt. Eugene und ich halten den Ball diesbezüglich mittlerweile eher flach. Abgesehen von sporadischen Gastbeiträgen belassen wir es bei unserem Unternehmen, und abgesehen davon haben wir beide inzwischen Familien und Kinder, so daß für etwaige Nebenbeschäftigungen ohnehin keine Zeit mehr übrig ist.

Beeindruckend wirkt auch Euer Durchhaltevermögen. Trotz durchweg positiver Resonanz seitens der Presse müßt Ihr immer noch vergleichsweise kleine Brötchen backen. So etwas macht man wohl nur, wenn die Motivation entsprechend vorhanden ist, richtig?

Exakt! Wobei man uns, vor allem zu Beginn unserer Karriere, immer ein wenig abfällig als Liebhaberband für die Presse bezeichnet hat. Das hat wohl die Ursache darin, daß wir uns - auch wenn wir niemals wirklich eine Band für die sogenannte "Musiker-Polizei" gewesen sind - geschafft haben, uns mit vollem Einsatz und letzter Konsequenz zwischen alle Stühle gesetzt zu haben. Für einen Großteil der an traditionellen Metal-Sounds interessierten Fans waren wir von Beginn an zu abgedreht, für eingeschworene Prog-Metal-Fanatiker dagegen klangen viele unserer Nummern dennoch zu leicht und zu eingängig. Noch schlimmer war die Situation als wir später auch noch unsere Vorliebe für harsche Grooves und Thrash Metal in die Songs zu integrieren begannen. Na ja, jedem kann man es eben nicht recht machen. Anderseits kann ich mit Stolz behaupten, daß wir immer noch hinter jeder einzelnen unserer Veröffentlichung stehen und zudem auch noch keinen einzigen "Verriß" zu verbuchen hatten!

Nicht nur das, auch von Seiten der Fans gab es für Eure Scheiben wie auch für Eure Live-Vorstellungen bis dato nahezu ausschließlich lobende Worte. Schon klar, daß man sich dafür nicht viel kaufen kann, positiv gestimmt für die Zukunft seid Ihr aber dennoch, oder?

Auf jeden Fall! Ob sich an unserem Underground-Status mit dem neuen Album etwas ändern wird, kann man zwar nicht vorhersagen, allerdings scheinen wir es zumindest auf einem guten Weg zu befinden. Bislang waren die Reaktionen auf »Underlying Issues« nämlich ausschließlich positiv. Noch wichtiger erscheint es mir jedoch, daß man auch unsere Vorgehensweise und Entwicklung akzeptiert, denn uns wurde uns schon mehrfach attestiert, melodischer und vor allem eingängiger als je zuvor zu klingen. So etwas tut gut und bestätigt Eugene und mich obendrein darin, uns weiterhin ausschließlich um die Belange von ELDRITCH zu kümmern.

http://www.eldritchweb.com/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

Photos: Leda Paleari

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