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  UE-Home → History → Online Empire 66 → Interview-├ťbersicht → ELDRITCH (I)-Interview last update: 01.07.2020, 22:57:16  

ELDRITCH (I)-Logo

Seit zwanzig Jahren liefern diese Herren aus der Toskana in mehr oder weniger regelm├Ą├čigen Abst├Ąnden feine Prog-Metal-Elaborate. Das im n├Ąchsten Jahr sein f├╝nfundzwanzigstes Bandjubil├Ąum zelebrierende Quintett hat zwar im Laufe der Zeit jede Menge unterschiedlicher Zutaten in sein Soundkost├╝m integriert, auf die Essenz dessen, was einen guten Song ausmacht, haben die Italiener jedoch niemals vergessen.
Im Gegenteil, auf ihrem inzwischen bereits zehnten Dreher ┬╗Underlying Issues┬ź stechen fesselnde Melodien und satte Hooks mehr denn je heraus. Grund genug also, um uns mit S├Ąnger Terence Holler zu unterhalten.

ELDRITCH (I)-Bandphoto 1

Ich pers├Ânlich empfinde Euer neues Album als eines der melodi├Âsesten in Eurer bisherigen Geschichte ├╝berhaupt. Kann man das auf Eure Entwicklung seit den Anf├Ąngen zur├╝ckf├╝hren?

Auf jeden Fall! Melodien waren f├╝r uns jedoch immer schon wichtig, und selbst auf unseren ersten Alben bereits in durchaus beachtlicher Menge zu finden. Allerdings klang die Band in den ersten Jahren wesentlich abgefahrenen als heute. Wohl deshalb, weil wir uns erst "finden" und in einem gewissen Rahmen als Musiker unter Beweis stellen mu├čten. Vor allem die ersten drei Scheiben ┬╗Seeds Of Rage┬ź, ┬╗Headquake┬ź und ┬╗El Ni├▒o┬ź empfinde ich heute sogar als eher schr├Ąg. Es galt damals in erster Linie den unterschiedlichen, teils regelrecht abgefahrenen Musikgeschmack von f├╝nf nicht minder verr├╝ckten Typen unter einen Hut zu bringen. Das war gar nicht so einfach, denn wir mu├čten uns auf eine Gangart einigen, die von Hard Rock bis Thrash Metal alles beinhaltete. Wahrscheinlich sind wir genau deshalb bei einer abgefahrenen Ausgabe dessen, was man landl├Ąufig als Progressive Metal bezeichnet, gelandet. [lacht] Ein Gl├╝ck, da├č wir ├╝ber diese Phase l├Ąngst hinweg sind, uns als Band gefunden haben und wissen, was wir wollen und k├Ânnen. Inzwischen haben wir die F├Ąhigkeit entwickelt, die Essenz eines Songs im Vorfeld so aufzubereiten, da├č dieser, egal wie wir die Nummer auch anlegen, dem H├Ârer geradewegs ins Gesicht springt.

Gibt es beim Komponieren eine bestimmte Intention, die Ihr verfolgt, oder wie geht Ihr die Sache an?

Nein, festgelegt haben wir uns diesbez├╝glich noch nie. Zumeist ist es Eugene (Simone, Gitarrist der Band und gemeinsam mit Terrence eines der beiden verbliebenen Gr├╝ndungsmitglieder von ELDRITCH, die sich 1991 zusammentaten - der Verf.), der mit Ideen f├╝r Riffs oder Songideen ankommt, ausgearbeitet wird alles aber gemeinsam. In welche Richtung es dabei geht, ist zun├Ąchst auch weniger wichtiger, ma├čgeblicher erscheint es uns, in solchen F├Ąllen m├Âglichst rasch an dieser Idee weiterzuarbeiten, damit die Spontaneit├Ąt erhalten bleibt. Eugene ist generell der Hauptkomponist bei uns, gut 99 Prozent des Materials gehen auf seine Kappe. Er schickt zumeist mp3-Dateien in die Runde, die jeder f├╝r sich dann weiter bearbeitet. Auch ich arbeite auf diese Weise meine Gesangsmelodien aus und schreibe ├╝blicherweise im n├Ąchsten Arbeitsschritt meine Texte dazu.

ELDRITCH (I)-Headline

Das bedeutet dann, da├č auch die Griffigkeit des aktuellen Materials auf die erlangte Erfahrung zur├╝ckzuf├╝hren ist?

In gewisser Weise schon. Allerdings mu├č man noch hinzuf├╝gen, da├č wir mittlerweile einfach auch eher melodi├Âseres Zeug bevorzugen. Ich pers├Ânlich bin immer beispielsweise seit jeher ein eingefleischter Fan der klassischen Hard Rock-Bands. Damit bin ich nun mal gro├č geworden und habe diese Formationen nicht zuletzt deshalb auch derma├čen fest ins Herz geschlossen, weil jede einzelne durch die Bank wunderbare Melodien in petto hatte. Das soll jetzt aber nicht bedeuten, da├č mir Thrash nichts bedeutet, auch diese Art von Musik liebe ich innig, allerdings war ich immer schon Anh├Ąnger der melodischen Version davon.

Wie lange hat es denn gedauert, bis ┬╗Underlying Issues┬ź komplett fertig war? Das Album erschien nicht nur f├╝r viele Fans ├╝berraschend schnell nach ┬╗Tasting The Tears┬ź, das es nur 20 Monate davor zu beklatschen gab.

Wir waren selbst ├╝berrascht wie schnell uns das Fertigstellen diesmal von der Hand ging. Eugene hatte schon im Fr├╝hling die Instrumentalvorlagen f├╝r gut zehn Songs fertig und schickte wie ├╝blich die Basis-Tracks raus. Da es sowohl mir dieses Mal besonders leicht gefallen ist Gesangsmelodien und Texte zu schreiben, aber auch die anderen Jungs in Windeseile mit den Arrangements fertig waren, hat der gesamte Entstehungsproze├č keine drei Monate beansprucht. Als unser Drummer Raffahell Dridge seine Parts eingespielt hatte, ├╝bergaben wir an unseren Kumpel Simone Mularoni (auch als Gitarrist von DGM bekannt - der Verf.), der in den "Domination Studios" den Mix und das Mastering ├╝bernommen hat.

Kann es sein, da├č es momentan einfach deshalb derma├čen "rund" l├Ąuft, weil das Line-up stabil ist? Das war in der Vergangenheit ja nicht immer so...

Das ist m├Âglich, obwohl ich der Meinung bin, da├č Besetzungswechsel in nahezu jeder Band vorkommen, und das immer wieder. An sich sind bei ELDRITCH zwar in erster Linie Eugene und ich mit dem Songwriting besch├Ąftigt, doch es mag durchaus etwas dazu beigetragen haben, da├č wir uns eben nicht Gedanken um diverse andere Dinge machen brauchten, wie etwa einen neuen Bassisten. Das hat im letzten Jahr einige Zeit in Anspruch genommen und war erst erledigt, als Raffahell seinen ENSIGHT-Kumpel Alessio Consani ins Spiel gebracht hat. Seit diesem Zeitpunkt ist dieses Thema aber endlich vom Tisch. Mit Erfolg, denn die beiden sind ein imposantes Rhythmusgespann!

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Apropos: Gibt es abseits von ELDRITCH aktuell auch noch andere Bet├Ątigungsfelder, oder ist der Fokus ausschlie├člich auf Eure Stammband gerichtet?

Raffahell und Alessio sind wie schon erw├Ąhnt bei ENSIGHT aktiv und momentan dabei, das erste Album einzut├╝ten. Auch Rudj Ginanneschi, unser zweiter Gitarrist, hat mit IN MEMORY ein Nebenprojekt am Start. Doch das st├Ârt nicht wirklich, solange es keine ├ťberschneidungen mit ELDRITCH gibt. Eugene und ich halten den Ball diesbez├╝glich mittlerweile eher flach. Abgesehen von sporadischen Gastbeitr├Ągen belassen wir es bei unserem Unternehmen, und abgesehen davon haben wir beide inzwischen Familien und Kinder, so da├č f├╝r etwaige Nebenbesch├Ąftigungen ohnehin keine Zeit mehr ├╝brig ist.

Beeindruckend wirkt auch Euer Durchhalteverm├Âgen. Trotz durchweg positiver Resonanz seitens der Presse m├╝├čt Ihr immer noch vergleichsweise kleine Br├Âtchen backen. So etwas macht man wohl nur, wenn die Motivation entsprechend vorhanden ist, richtig?

Exakt! Wobei man uns, vor allem zu Beginn unserer Karriere, immer ein wenig abf├Ąllig als Liebhaberband f├╝r die Presse bezeichnet hat. Das hat wohl die Ursache darin, da├č wir uns - auch wenn wir niemals wirklich eine Band f├╝r die sogenannte "Musiker-Polizei" gewesen sind - geschafft haben, uns mit vollem Einsatz und letzter Konsequenz zwischen alle St├╝hle gesetzt zu haben. F├╝r einen Gro├čteil der an traditionellen Metal-Sounds interessierten Fans waren wir von Beginn an zu abgedreht, f├╝r eingeschworene Prog-Metal-Fanatiker dagegen klangen viele unserer Nummern dennoch zu leicht und zu eing├Ąngig. Noch schlimmer war die Situation als wir sp├Ąter auch noch unsere Vorliebe f├╝r harsche Grooves und Thrash Metal in die Songs zu integrieren begannen. Na ja, jedem kann man es eben nicht recht machen. Anderseits kann ich mit Stolz behaupten, da├č wir immer noch hinter jeder einzelnen unserer Ver├Âffentlichung stehen und zudem auch noch keinen einzigen "Verri├č" zu verbuchen hatten!

Nicht nur das, auch von Seiten der Fans gab es f├╝r Eure Scheiben wie auch f├╝r Eure Live-Vorstellungen bis dato nahezu ausschlie├člich lobende Worte. Schon klar, da├č man sich daf├╝r nicht viel kaufen kann, positiv gestimmt f├╝r die Zukunft seid Ihr aber dennoch, oder?

Auf jeden Fall! Ob sich an unserem Underground-Status mit dem neuen Album etwas ├Ąndern wird, kann man zwar nicht vorhersagen, allerdings scheinen wir es zumindest auf einem guten Weg zu befinden. Bislang waren die Reaktionen auf ┬╗Underlying Issues┬ź n├Ąmlich ausschlie├člich positiv. Noch wichtiger erscheint es mir jedoch, da├č man auch unsere Vorgehensweise und Entwicklung akzeptiert, denn uns wurde uns schon mehrfach attestiert, melodischer und vor allem eing├Ąngiger als je zuvor zu klingen. So etwas tut gut und best├Ątigt Eugene und mich obendrein darin, uns weiterhin ausschlie├člich um die Belange von ELDRITCH zu k├╝mmern.

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Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

Photos: Leda Paleari

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