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  UE-Home → History → Online Empire 60 → Interview-├ťbersicht → BLUES PILLS-Interview last update: 13.09.2019, 20:22:05  

BLUES PILLS-Logo

Von einer Sensation zu sprechen, wenn eine Band ohne einen Longplayer ver├Âffentlicht zu haben, kurz vor dem ganz gro├čen Durchbruch steht, mag ├╝bertrieben wirken, etwas Allt├Ągliches ist es aber auch nicht. Erst recht nicht, wenn zeitlose, klassische Rockmusik das Thema ist.
Die Durchstarter BLUES PILLS nehmen auch aus diesem Grund momentan einen Sonderstatus ein, den Bassist Zack Anderson zu erkl├Ąren versucht.

BLUES PILLS-Bandphoto 1

Ihr habt Euch in k├╝rzester Zeit einen verdammt guten Ruf erspielen k├Ânnen, den Ihr mit ┬╗Blues Pills┬ź mit Sicherheit sogar noch weiter ausbauen werdet. Respekt! Doch bevor wir uns zuk├╝nftigen Dingen widmen, sollten wir erst einmal die Vergangenheit aufrollen. Wie sind die BLUES PILLS denn ├╝berhaupt entstanden?

Als mein Halbbruder Cory Berry (Drummer der Band) und ich in Kalifornien gelebt haben, kreuzten sich zum ersten Mal unsere Wege mit denen der S├Ąngerin Elin Larsson. So kam es, da├č aus urspr├╝nglich losen Jamsessions konkretere Ambitionen, eine Band auf die Beine zu stellen, wurden, die jedoch aufgrund des abermaligen Umzuges unserer Eltern zur├╝ck nach Iowa abrupt zu Ende schienen. Doch Elin kam mehrmals zu Besuch und neben einer sehr intensiven freundschaftlichen Beziehung entstanden in jener Zeit auch unsere Kompositionen ÔÇ║Black SmokeÔÇ╣ und ÔÇ║BlissÔÇ╣.
Diese Nummern waren auch die ersten, die wir aufgenommen haben, wobei wir uns zun├Ąchst an der Gitarre abwechselten. Unerwartet kam, da├č uns CRUSHER RECORDS pl├Âtzlich anboten, die Tracks als EP herauszubringen, wie ├╝berhaupt alles verdammt schnell ging. Ehe wir uns bewu├čt waren, was abl├Ąuft, hatten wir Dorian Sorriaux in Frankreich als unseren idealen Gitarristen gefunden, und sp├Ątestens zu diesem Zeitpunkt war uns auch klar, da├č wir als Band versuchen mu├čten, fortan n├Ąher beisammen zu sein, deshalb siedelten wir uns auch allesamt in Schweden an.

BLUES PILLS-Headline

Von dort aus seid aber dennoch immer wieder auf Reisen gegangen, weshalb es wirklich Zeit wurde, auch mal ein Langeisen auf die Menschheit loszulassen. Seid Ihr denn mit einer speziellen Intention an die Arbeit gegangen?

Ganz und gar nicht. Einige der Songs sind zwar wirklich neu, doch wir haben auf Anraten unserer Plattenfirma auch unsere ├Ąlteren Nummern auf ┬╗Blues Pills┬ź verewigt. So gesehen erh├Ąlt man einen guten Eindruck ├╝ber unser bisheriges Schaffen. Au├čerdem l├Ą├čt sich gut nachvollziehen, da├č wir von unterschiedlichen Quellen beeinflu├čt wurden und wir zun├Ąchst erst einmal unseren Sound finden mu├čten.
Schon klar, im Vergleich zu anderen Vorg├Ąngen sind die insgesamt zwei Jahren, die wir ben├Âtigten, kaum der Rede Wert, f├╝r unsere pers├Ânliche und musikalische Entwicklung aber f├╝hlte sich vieles an wie ein echter Quantensprung. Vor allem in den letzten Monaten haben wir uns derma├čen gut auf einander eingestellt, da├č einige Songs im allerersten gemeinsamen Take schon perfekt funktioniert haben und in eben dieser Form auch auf dem Album gelandet sind.

BLUES PILLS-Singleshot: Elin Larsson 1

Diese Spontanit├Ąt ist dem Material auch anzumerken, ebenso die Inspiration, die man grob der Rockmusik der sp├Ąten 60er und fr├╝hen 70er Jahre zuordnen kann. K├Ânntest Du uns bitte einmal etwas ausf├╝hrlicher zu diesem Thema Auskunft geben?

Zwar h├Âre ich auch eine Menge aktueller Musik und lasse mich durchaus auch davon beeinflussen, dennoch sind es vorwiegend die Sounds jener Zeit, die man als Essenz der BLUES PILLS betrachten kann. Zu den ersten K├╝nstlern, mit denen ich mich intensiv besch├Ąftigt habe, geh├Ârten FLEETWOOD MAC, FREE und Jimi Hendrix, die allesamt auch heute noch sehr inspirierend f├╝r uns sind, auch wenn wir in letzter Zeit eher den Soul jener Tage f├╝r uns entdeckt haben.

Vor allem FLEETWOOD MAC werden immer wieder gerne als Referenz erw├Ąhnt, aber auch Janis Joplin und mitunter auch CREAM. Empfindest Du solche Vergleiche als Ehre?

Auf jeden Fall, denn es ist ja nicht so, da├č man uns unterstellt, wir w├╝rden bei unserem Vorhaben, jene Sounds zu interpretieren, versagen. Und abgesehen davon ist es ja auch nicht zu ├╝berh├Âren, da├č die Gr├Â├čen dieser Zeit sehr wichtig f├╝r uns sind. In diesem Zusammenhang m├Âchte ich aber auch erw├Ąhnen, da├č wir diese Art von Musik einfach am liebsten h├Âren und uns darin regelrecht verlieren k├Ânnen. Es macht also keinen Sinn, wenn uns Kritiker unterstellen, wir w├╝rden keine gute Musik machen, weil wir erst gar nicht versuchen w├╝rden, innovativ zu sein. Neuerfindungen haben wir n├Ąmlich ├╝berhaupt nicht im Sinn. Da wir allesamt voll auf ┬╗Then Play On┬ź, das 1969er FLEETWOOD MAC-Album abfahren, f├╝hlen wir uns mit diesem Vergleich nat├╝rlich mehr als geschmeichelt, und auch Elin empfindet es als Lob, mit einer Legende wie Janis verglichen zu werden, auch wenn sie eigentlich noch mehr von Soul-Ladys wie Etta James, Aretha Franklin oder Big Mama Thornton beeinflu├čt wurde.

BLUES PILLS-Bandphoto 2

Alles nachvollziehbar, aber dennoch nur dann m├Âglich, wenn die Plattensammlungen, in denen Ihr in Eurer Kindheit gew├╝hlt habt, auch dementsprechendes Material hergaben. Schie├č' mal los, was sich so in den Archiven Eurer Eltern verborgen hatte.

Da gab es wirklich viel zu entdecken! Ich erinnere mich noch sehr genau daran, da├č sich mein Dad immer wieder THE DOORS, PINK FLOYD oder JETHRO TULL angeh├Ârt hat und ich somit indirekt schon sehr fr├╝h mit Werken wie ┬╗L.A. Woman┬ź oder ┬╗Aqualung┬ź in Ber├╝hrung gekommen bin. Damals war ich zwar noch mehr an Sport interessiert als an Musik, doch einiges ist unbemerkt h├Ąngenbleiben und wurde mir erst so richtig bewu├čt, als sich ungef├Ąhr im Alter von 17 Jahren pl├Âtzlich wahnsinniges Interesse an jenen Kl├Ąngen in mir zu regen begann. Vor allem der Umstand, wie locker man seinerzeit mit stilistischen Elementen umgehen konnte und durfte, beeindruckte mich schwer. Blues wurde mit Rock, Psychedelic und Soul locker und frei von der Leber zusammengemischt, ohne da├č sich irgendjemand dar├╝ber echauffiert h├Ątte. Im Gegenteil, es gab sogar sehr viele K├╝nstler, die eine ├Ąhnliche Herangehensweise hatten, es aber dennoch schafften, v├Âllig eigenst├Ąndig zu klingen. Auch was den Sound an sich betrifft, bin ich der Meinung, da├č die vergleichsweise fast primitive Aufnahmetechnik von damals die Musik wesentlich gehaltvoller klingt l├Ą├čt als alles, was man heutzutage unter einer Top-Produktion versteht. Die Essenz der Musik und auch die Seele einer Band konnten dadurch deutlich besser ans Tageslicht gef├Ârdert werden. Darum geht es uns auch bei BLUES PILLS. Musik mu├č Seele haben! Dennoch klingen wir keineswegs deshalb so, weil es momentan viele andere Bands auch tun, nur um mit dem Etikett "Vintage" ausgestattet zu werden. Ebensowenig z├Ąhlen wir zu jener Spezies, die sich liebend gerne mit einer Zeitmaschine in die 60er zur├╝ckversetzen lassen m├Âchte. Wir sind gl├╝cklich in unserer Situation und lassen uns von nichts und niemandem reinreden.

BLUES PILLS-Singleshot: Elin Larsson 2

Viel zu Eurer aktuell mehr als nur zufriedenstellenden Situation d├╝rften auch die zahlreichen Liveshows beigetragen haben, mit denen ihr bisher - v├Âllig unabh├Ąngig von der Gr├Â├čenordnung - immer ├╝berzeugen konntet. Welche Shows bevorzugt Ihr selbst? Ganz gro├če Festivals, oder doch eher die intimen Clubs?

Beide haben ihren ganz speziellen Reiz, und es w├Ąre gelogen, wenn ich behaupten w├╝rde, da├č es mich nicht anturnt, vor Tausenden von Fans ├╝ber eine B├╝hne von Ausma├čen eines Kleingartens zu toben. Konzerte in einem ├╝berschaubaren Rahmen haben allerdings ein heimeligeres Flair und lassen den direkten Kontakt mit Fans zu, was f├╝r eine Band mit unserem Status nat├╝rlich verdammt wichtig ist. Von daher macht es einfach mehr Sinn f├╝r uns, immer wieder in kleinen Locations zu spielen. Auch wenn das Tourleben an sich nicht immer ein Honigschlecken ist, lohnt sich eine solche Unternehmung jedes Mal, und deshalb werden wir auch in Zukunft nahezu permanent auf Achse sein.
Was uns wirklich entgegenkommt, ist, da├č wir alle vier schon ├╝ber einige Erfahrung auf diesem Gebiet verf├╝gen und trotz der Tatsache, da├č wir eigentlich noch verh├Ąltnism├Ą├čig jung sind, schon seit mehreren Jahren in regelm├Ą├čigen Abst├Ąnden B├╝hnenluft schnuppern durften. Zudem tut es immer wieder gut, mit inspirierenden Bands wie zum Beispiel mit KADAVAR, die wir sehr sch├Ątzen, zu spielen, denn auch dabei kann man immer etwas dazulernen.

BLUES PILLS-Bandphoto 3

Da├č Ihr schon in ganz fr├╝hen Jahren musiziert habt, hatte ich nicht anders erwartet, denn von irgendwo mu├č Eure B├╝hneroutine ja kommen. Sehr gespannt bin ich aber, wie Ihr Euer Zeitmanagement zuk├╝nftig organisieren werdet, schlie├člich hat eine junge Band nahezu alle Zeit dieser Welt f├╝r ihr Debut, steht allerdings beim Zweitling meistens unter Stre├č.

Da habe ich ehrlich gesagt keinerlei Bedenken, denn wir sind nahezu st├Ąndig am Schreiben von neuem Material und haben deshalb auch schon einiges f├╝r unser n├Ąchstes Studioalbum fertig. Zum anderen bin ich der Meinung, da├č es in den meisten F├Ąllen nicht das Komponieren selbst ist, das zu Zeitverz├Âgerungen f├╝hrt. Als viel problematischer entpuppt sich doch zumeist die Studiosituation. Man sollte sich nur wirklich gut vorbereitet ins Studio wagen, sonst dauert es einfach viel zu lange, und au├čerdem wird eine Produktion auch unn├Âtig teuer!

http://www.bluespills.com/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

Photos: Stefan Heilemann

BLUES PILLS im ├ťberblick:
BLUES PILLS – Blues Pills (Rundling)
BLUES PILLS – Devil Man (Rundling)
BLUES PILLS – Lady In Gold (Rundling)
BLUES PILLS – ONLINE EMPIRE 55-Special
BLUES PILLS – ONLINE EMPIRE 60-Interview
BLUES PILLS – News vom 24.08.2014
BLUES PILLS – News vom 06.11.2014
BLUES PILLS – News vom 22.11.2018
andere Projekte des beteiligten Musikers Dorian Sorriaux:
Dorian Sorriaux – News vom 12.03.2018
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