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"Bang Your Head!!!"-Festival 2012

Balingen, Messegelände & Messehalle

12.-14.07.2012

Auch wenn es im Vorfeld zur diesjährigen Ausgabe des familiärsten aller Metalfestivals recht heftige Diskussionen innerhalb der Fanscharen über die Bandauswahl und die Headliner im Speziellen gegeben hatte, fanden weit mehr als 10.000 Metaller aller Altersschichten den Weg auf die schwäbische Alb, um sich ihrer Lieblingsmusik hinzugeben und dem Heavy Metal nach allen Regeln der Kunst zu frönen.

Für den Startschuß haben Veranstalter Horst Franz und sein Team einmal mehr am Donnerstagabend zur Warm-up-Show in die "Volksbank*Messe" geladen, wobei diese schon zum Auftakt gut gefüllt ist. Aufgrund der zur Schau gestellten Shirts ist eindeutig festzustellen war, daß sich das bangende Volk mehrheitlich auf den "Bergkönig" freut, auch wenn es die im Vorfeld avisierte große Show aus bis dato unerklärten Gründen doch nicht zu sehen gibt. Aber der Reihe nach:

Als Opener dürfen zunächst MAJESTY auf die Bretter, um den Fans mitzuteilen, daß sie das ›Metal Law‹ sind. Dem Empfang nach zu schließen scheint Balingen etwas wie "verlorene Söhne" zu begrüßen, denn bereits zu diesem Zeitpunkt ist die Stimmung in der überraschend stark frequentierten Halle ziemlich gut. Die Truppe rund um Frontmann Tarek Maghary weiß die Gunst der Stunde perfekt zu nutzen und präsentiert sich mit einem "Best Of"-Programm, das große Epen wie ›Into The Stadiums‹ ebenso enthält wie das knackige, programmatische ›Metal To The Metalheads‹. Während die einstigen Idole dieser Band mittlerweile endgültig zur Lachnummer geworden sind, unterhalten diese Burschen mit True Metal der edlen Art und ernten dafür auch den verdienten, lautstarken Beifall. All Hail To MAJESTY!

Gute Stimmung verbreiten auch die folgenden FREEDOM CALL, wobei ich zugeben muß, doch ein wenig überrascht zu sein, denn die Kompositionen kommen in der Live-Darbietung deutlich knackiger und nicht ganz so verwässert wie auf Tonträger rüber. Kamellen wie ›Babylon‹ oder ›United Alliance‹ halten das Stimmungs-Level jedenfalls nicht nur, hier scheint die ganze Halle am Mitsingen zu sein. Fraglos ein erfolgreicher Abend für die Burschen, die mit Chris Bay auch einen unterhaltsamen Frontmann in ihren Reihen haben.

BONFIRE [D, Ingolstadt]-Liveshot

Dem eigentlichen Motto des Abends "Milestones Of Rock History" werden durchaus auch die frühen BONFIRE-Alben gerecht, und von daher ist es fast schon logisch, daß Claus Lessmann und seine Mannen gebeten werden, sich bei ihrem Set darauf zu beschränken. Das tun sie auch und zwar auf gepflegte Manier und besorgen dem Auditorium wohl so manch' frohgemute Erinnerung an jene Ära, als heutzutage leider nicht mehr oft zu hörende, aber dennoch unsterbliche Hard Rock-Klassiker wie ›American Nights‹, ›Sweet Obsession‹ oder ›Hot To Rock‹ eben mal der "heißeste Sch..." gewesen sind. Ein kurzes, aber spektakuläres Drumsolo sowie ihr durchweg ambitioniertes Auftreten lassen den Bayern wohl weitere Sympathiepunkte zukommen und das nicht bloß innerhalb ihrer "Altersgruppe".

Jon Oliva's PAIN-Liveshot

Danach ist merklich Spannung in der Halle zu verspüren, kein Wunder, schließlich hat sich mit Jon Oliva einer der allergrößten Barden der Szene schlechthin angesagt, um zusammen mit seiner Formation PAIN den SAVATAGE-Klassiker »Hall Of The Mountain King« aufzuführen. Die im Vorfeld angekündigten Special-Guests (unter anderem war die Rede davon, daß Chris Caffery zur Band stoßen wird und man auch noch DOCTOR BUTCHER-Tracks darbieten würde) sind zwar dann doch nicht erschienen, doch Jon Oliva's PAIN liefern von Beginn eine Show, die man hinsichtlich der Setlist schlicht als "anbetungswürdig" betiteln kann. Die Performance selbst hinterläßt jedoch einen eher schalen Beigeschmack, so daß aus dem vermeintlich legendären Sensationsgig leider nur ein "netter Abend" wird. Dafür, daß Jon an diesem Abend stimmlich nicht wirklich auf der Höhe ist, gibt er zwar alles, dennoch hat man diverse Tracks in de Vergangenheit schon deutlich intensiver, weil stimmlich einfach überragend und nicht kratzig-heiser vernommen. Das eigentliche Manko aber bleibt aktuell dennoch die etwas identitätslose Darbietung seiner Sidekicks, die mitunter eher den Anschein einer mäßig motivierten "Coverband" hinterläßt. So obliegt es also Jon ganz allein, für Stimmung zu sorgen - denkbar schwierig am Piano sitzend und mit dem Handicap einer etwas angegriffenen Stimme leider nur bedingt möglich. Der Stimmung in der Halle selbst kann das alles aber kaum etwas anhaben, so daß von der Eröffnung ›Gutter Ballet‹ über ›Edge Of Thorns‹, ›Sirens‹, ›Power Of The Night‹ (Hellyezzzz!) und ›Tonight He Grins Again‹ sowie ›Ghost In The Ruins‹ bis hin zum eigentlichen "Thema", für welches sich Herr Franz persönlich zu Jon auf die Bretter gesellt, um dieses anzusagen, ordentlich die Kuh in der Halle fliegt. Es folgt ein eindrucksvolles ›24 Hours Ago‹, mit dem Jon einmal mehr unter Beweis stellt, daß SAVATAGE für eine gefühlte Tausendschaft an unsterblichen Klassiker gesorgt haben, die jedoch nur sehr selten zu hören sind. Weitere Exemplar davon gefällig? Kein Problem: ›Beyond The Doors Of The Dark‹ folgt auf dem Fuß, und auch die ›Legions‹ lassen nicht lange auf sich warten. Es folgen weitere Exzerpte dieses Klassikeralbums, wobei mir persönlich ›Strange Wings‹ und ›White Witch‹ die größte Freude bereiten. Der Titeltrack sowie ein einmal mehr meterdicke gänsehautverursachende Version von ›Believe‹ beenden das Spektakel, das danach zwar durchaus Diskussionen hinsichtlich der Klasse der Darbietung auslöst, von deren Setlist man aber auch noch lange nach diesem Festival Pipi in den Augen bekommt und ehrfurchtsvoll in die Knie gehen wird.

COLLAPSE [GB, London] [II]-Liveshot

Nach einer sehr kurzen Nachtruhe (die Warm-up-Show endete erst gegen 1.30 Uhr) will ich mir die Chance nicht entgehen lassen, die kurzfristig als "Begleitmusik" zum offiziellen Einlaß engagierten Briten COLLAPSE zu sehen, denen die Chance anberaumt wird, ihre Songs noch vor dem eigentlichen Opener zu präsentieren. Schade für die Jungs, die sich merklich abmühen, daß ihrem "Weckruf" nur ganz, ganz wenige Fans folgen wollen. Zwar dürften die Jungs, die als Opener von ARMORED SAINT auf deren aktuellem Europatrip mit dabei sind und deshalb auch beim "Bang Your Head!!!" kurzfristig loslegen dürfen, mit ihrem brachialen Gebräu aus Groove, Thrash und Melodic Death Metal nicht zwingend den Nerv des Publikums treffen, doch zumindest vom finalen Hammer ›Forsaken‹ haben sich dann doch bereits etliche Banger den Schlaf (beziehungsweise eventuelle Restpromille) aus dem Körper pumpen lassen.

Schon kurz danach wird es aber plötzlich deutlich voller vor der Bühne. Interessant zu beobachten ist dabei, daß ein Großteil der schon zur "Morgenandacht" anwesenden Zuseher in schmucke FORENSICK-Shirts gekleidet ist. Da scheint sich doch tatsächlich jene Band in diesem "Band-Voting-Dingens" (O-Ton) durchgesetzt zu haben, die bereits auf die stattlichste Fanbase blicken kann. Zudem dürfte es sich auch ein Teil der Verwandtschaft nicht nehmen haben lassen, die Jungs aus dem etwa 30 Kilometer entfernten Horb bei ihrem bis dato größten Auftritt anzufeuern, und so ist die Frontrow nahezu ausschließlich aus FORENSICK-Supportern zusammengesetzt. Den Burschen ist die Nervosität zwar vor allem zu Beginn deutlich anzumerken, den Auftritt können sie im Nachhinein aber dennoch als Erfolg verbuchen, da sie auch weit über ihre Klientel hinaus mit Applaus versehen werden. Insofern kaum verwunderlich, da man mit Traditionskost in gepflegter MAIDEN-Manier, reichlich authentischem NWoBHM-Flair und mit einem dermaßen sympathischen Auftreten verdientermaßen beim Großteil der Zuseher auf offen Ohren stößt. Bravo!

VANDERBUYST-Liveshot

Mit authentischen Sounds, jedoch an anderen, zum Großteil noch älteren Vorbildern orientiert, geht es danach auch gleich hurtig weiter. Die drei Niederländer von VANDERBUYST konnten sich für ihre Sounds in den letzten Jahren reichlich Ruhm und Fans erspielen, und so ist es kein Wunder, daß der Dreier rund um Chef Willem Verbuyst (mit eleganter, weißer Flying-V "bewaffnet") mittlerweile auch auf den ganz großen Festivals antreten darf um loszurocken. Und genau das tun die Burschen auch in Balingen, wobei auffällt, daß sie es - trotz ihrer vergleichsweise geringen "Mannschaftsstärke" - locker schaffen, für Stimmung zu sorgen. Auch wenn bewegungstechnisch natürlich nicht so viel abgeht wie bei anderen Truppen, durch ihren ungemein präsenten und agilen Auftritt weiß das charismatische Trio dennoch den Raum auf der Bühne auszufüllen. Zudem muß erwähnt werden, daß VANDERBUYST mittlerweile ein wahres Sammelsurium an knackigen Hard Rock-Hits am Start haben. Neben ›KGB‹ sind es heute vor allem ›Stealing Your Thunder‹ und das abschließende ›From Pillar To Post‹, die für Stimmung sorgen, und so kommt es, daß die Burschen frenetisch beklatscht werden - und zwar keineswegs nur von den ohnehin überraschend zahlreichen Zeitgenossen, die wahlweise in Bandshirts oder zumindest mit dem Bandlogo auf der Kutte den Bereich vor der Bühne frequentieren. Cooler Auftritt einer ebensolchen Band!

CRASHDÏET-Liveshot

Danach ist "Poser-Alarm" angesagt und das nicht nur auf den Brettern, sondern ebenso davor. Die Schweden CRASHDÏET scheinen, ähnlich wie ihre Landsleute HARDCORE SUPERSTAR, die im letzten Jahr ja aufgrund der Absage von CRASHDÏET die Sleaze-Fahne alleine hochhalten mußten, offenbar über eine sehr große Fanbase vor allem bei den "Jungweibchen" zu verfügen, und von daher ist auch die verhältnismäßig hohe Dichte an "interessant" gestylten Mädels im Raum vor der Bühne kein Wunder. Im direkten Vergleich zu ihren Landsleuten sind CRASHDÏET zwar noch nicht mit einer vergleichbaren Hitdichte am Start, zumindest aber haben sie mit ›Generation Wild‹ eine solchen, und der sorgt für eine furiosen Schlußakkord. Nebenbei erhält Sänger Simon Cruz für seinen gigantischen Iro mit Sicherheit den Titel der "Frisur der Festivals", und zudem dürfen sich die Stockholmer sicher sein, ihre Fanbase eben amtlich erweitert zu haben, denn die Meinungen zum Set der Burschen sind durchweg positiv.

Fast schon einem "Generationswechsel" gleicht die Ab- und Zuwanderung in den Raum vor der Bühne danach. Kein Wunder, stehen mit DIAMOND HEAD doch altehrwürdige Heroen auf den Brettern, die das Phänomen NWoBHM nachhaltig und entscheidend mitgeprägt haben. Bandoberhaupt Brian Tatler und seine Mitstreiter haben jedoch immer noch merklich Spaß daran, ihre Hits zum besten zu geben und ackern sich bei feinen äußeren Bedingungen und sattem Sound durch ein gut ausgewogenes Programm, an dem es wohl nichts auszusetzen gibt. Mit ›It's Electric‹ erweist sich eines der Highlights der Bandhistory auch als programmatisch, denn "elektrisierend" wirken die Songs immer noch, und selbst bis dato mit der Band noch nicht vertraute Zuseher wissen, etwas mit dem Material anzufangen, so daß die Stimmung im Verlauf des Sets permanent ansteigt, die Herrschaften zusätzlich motiviert wirken und dem Publikum mit ›Sucking My Love‹, ›Helpless‹ und dem logischerweise den Auftritt beschließenden ›Am I Evil?‹ eine mehr als nur unterhaltsame Mittagszeit bescheren. Großer Sport und obendrein auch musikhistorisch für jeden Nachwuchsbanger essentiell!

FIREWIND-Liveshot

Nach den für die Metal-Geschichte zwar einflußreichen, aber dennoch nie in gebührendem Rahmen bekanntgewordenen Herrschaften von DIAMOND HEAD steht als nächstes jene Band auf der Bühne, die mit Gus G. einen der aktuell wohl bekanntesten Saitendehner in ihren Reihen hat. Doch bei allem Streß durch sein Engagement bei Ozzy hat Gus sein "Baby" FIREWIND keineswegs vernachlässigt. Im Gegenteil, das Unternehmen scheint momentan intensiver denn je betrieben zu werden. Gus kann sich über mangelnde Auslastung zwar wohl ohnehin nicht beklagen, dennoch nutzen er und seine langjährigen Mitstreiter die diesjährige Festivalsaison, um ihr aktuelles Scheibchen »Few Against Many« amtlich vorzustellen und darüber hinaus den Fans ihre anstehende Europatournee schmackhaft zu machen. Doch selbstverständlich waren es nicht bloß die Songs des aktuellen Drehers wie ›Losing My Mind‹, die mitreissen, man hat selbstredend auch einige wunderbare Schoten aus der Band-Vergangenheit auf Lager und weiß damit, das Publikum auf seine Seite zu ziehen. Speziell mit ›World On Fire‹ und ›I Am The Anger‹ zünden die Hellenen wahre Melodie-Bomben und ernten auch die dementsprechenden Reaktionen. So gedeiht der Auftritt der Burschen, die angeführt von einem bestens gelaunten Sänger Apollo Papathanasio auch durch ihre energiegeladene, dynamische Performance überzeugen, zu einem der Highlights des gesamten Festivalfreitags, der mit ›Falling To Pieces‹, einem der bis dato mächtigsten Tracks der Band überhaupt beendet wird. Very well done, boys, and come back soon!

ARMORED SAINT-Liveshot

Immer wieder gerne nach Balingen kommen auch die Amis ARMORED SAINT, denen selbstredend eben dort auch immer wieder zahlreiche Fans huldigen. Logisch, schließlich handelt es sich um eine der besten, geilsten und sensationellsten Formationen überhaupt. Ich weiß, das ist sehr, sehr objektiv, doch genau diesen Eindruck können die Herrschaften erneut auf eindrucksvolle Weise bestätigen. Frontmann John Bush wuselt wie ein Irrwisch über die Bretter, weiß mit seiner kraftvollen Stimme zu brillieren und versteht es auch erneut, mit seinen Ansagen für Unterhaltung zu sorgen. Doch seine Mitstreiter stehen John, der im "gewagten" Outfit (rote Jogginghose) die Bretter entert, in nichts nach. Noch lange Zeit nach dem Konzert sind Sätze wie "was für eine Band, welch' ein Gig!" zu vernehmen, zudem wird speziell Baß-Legende Joey Vera besonders lobend erwähnt, was aber ebenso kein Wunder ist, denn nicht nur seine fett pumpenden Grooves imponieren, auch seine eigenwillige Art über die Bretter zu fegen. Da die US-Metal-Ikone obendrein auch noch mit einer Setlist zum Hinknien aufwartet, werden wir einmal mehr Augen- und Ohrenzeugen von auf ungemein spielfreudige wie technisch perfekt Weise dargebotenen Klassikern wie ›March Of The Saint‹, ›Delirious Nomad‹ und ›Last Train Home‹, sowie dem einmal mehr dem Auditorium den finalen Gnadenstoß verpassenden ›Reign Of Fire‹. Perfekt ins Geschehen paßt jedoch leider auch die Tatsache, daß ARMORED SAINT mit der Textzeile "After me, comes the flood" quasi das weitere Programm des Tages ausgeben... Und bei aller Klasse, die von den folgenden Bands noch an den Tag gelegt wird - für mich steht der "Tagessieger" schon jetzt fest, und meinetwegen kann John Bush auch nur in der Unterhose auf eine Bühne steigen - wer mit einer solchen Stimme gesegnet ist und eine solche Band anführt, hat alle Freiheiten.

POWERWOLF-Liveshot

Das mit dem "Tagessieg" sehen aber keineswegs alle Festival-Zuseher so, denn bewertet man die Publikumsreaktionen in Summe geht dieser Pokal definitiv nach ähem, Rumänien. POWERWOLF stehen momentan ohnehin nur noch ganz kurz vor dem ganz großen Durchbruch, und ihr heutiger Auftritt dürfte da nicht gerade als "Hindernis" in die Bandhistorie eingehen. Frontmann Attila erweist sich einmal mehr als überaus unterhaltsamer Zeremonienmeister, der die Massen anzustacheln versteht, aber auch schlicht zum Lachen bringt und erweist sich "nebenbei" auch noch als verdammt guter Sänger. Über die Qualität und Nachhaltigkeit von Kamellen wie ›Resurrection By Erection‹, ›Saturday Satan‹ oder ›Kiss Of The Cobra King‹, das respektvollerweise dem (ehemaligen) HEAVY-Redakteur und Festival-Arbeitsviech Jagger gewidmet wird, braucht man längst nicht mehr zu philosophieren, POWERWOLF überzeugen das Publikum vollends und werden dementsprechend abgefeiert! Man kann sicher sein, einen der letzten Festivalgigs dieser Band bei Tageslicht gesehen zu haben, denn diese "Wölfe" werden wohl in Bälde ganz, ganz groß! Vielen Dankeschön!

Ganz besonders neugierig bin ich auf KAMELOT, zum einen weil der neue Sänger Tommy Karevik so etwas wie seine "Feuertaufe" zu absolvieren hat und zum ersten Mal auf einem Festival mit der Band zusammenspielt, und zum anderen, wie sich die multinationale Truppe im Anschluß an die Abräumer aus Rumänien schlagen wird. Keine einfache Aufgabe, von Nervosität ist dennoch nicht wirklich viel zu merken, sehr wohl dagegen davon, daß Tommy offenbar versucht, seinen Vorgänger Khan in der Tat zu "ersetzen". Will sagen, manche Passagen klingen bei verschlossenen Augen exakt so wie man sie mit dem Norweger in Erinnerung hat, wobei es Karvik durchaus zuzutrauen ist, sich in Bälde auch mit seiner eigenen "Duftmarke" bei KAMELOT zu verewigen. Seine Sache macht Tommy jedenfalls verdammt gut, aber nicht nur er allein sorgt mit seinen Stimmbändern für Gänsehaut. Ebenso erwähnt werden muß Elize Ryd (AMARANTHE), die Aufgabe als Background-Chanteuse mit Bravour erfüllt und sich darüber hinaus auch als "Akteuse" in diversen Kostümen in Szene setzen kann. Hinsichtlich der musikalischen Darbietung sei angemerkt, daß der Bombast natürlich das Geschehen sehr regiert, die Truppe es aber durch eine ungemein spielfreudige und engagierte Darbietung schafft, ihren Auftritt makellos und kitschfrei abzuspulen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf Nummern der späteren Bandhistory, wobei vor allem ›Ghost Opera‹ und ›The Great Pandaemonium‹ imponieren und schon jetzt Lust auf die Tournee im Herbst machen, wo es die Chose wohl noch ein Spur atmosphärischer in kleineren Clubs zu bestaunen geben wird. Auch die vom demnächst erscheinenden Werk »Silverthorn« stammende Nummer ›Sacrimony‹ weiß, live zu überzeugen, und paßt gut ins Geschehen. Man darf also durchaus gespannt sein, was bei KAMELOT weiterhin passieren wird. Eines kann man aber mit Sicherheit sagen: SEVENTH WONDER-Fronter Tommy Karevik paßt gut ins Gefüge und sollte den Erfolgslauf der Truppe fortsetzen lassen. Daumen hoch!

Da wir uns bei den daran anschließenden ARCH ENEMY erstmals zur "Futtersuche" begeben, kann ich diesbezüglich nicht viel sagen, mit Ausnahme, daß trotz der von mir zunächst befürchteten stilistischen "Unpäßlichkeit" keineswegs die Stimmung abebbt und vor allem die Klampfe von Michael Ammot auch in weiter Entfernung der Bühne noch perfekt abgestimmt, höchst melodisch und glasklar klingt. Man berichtet später jedenfalls von einem überaus imposanten Set, einer bis in die Zehenspitzen motivierten Angela Gossow, die sich gegen Ende fast schon übertrieben euphorisch vom Festivalpublikum verabschiedet und mit ihren Kollegen bis zum Schluß mächtig ins Zeug legt, aber auch davon daß sich zur Hälfte des Auftritts ein - noch lange anhaltender feiner, später immer heftiger werdender Regenguß über die Menge ergießt.

THIN LIZZY-Liveshot

Eben dieser prägt auch den Auftritt von THIN LIZZY, doch das ist nicht nur der Band offenbar völlig egal, sondern auch den Fans, die sich nun dicht gedrängt vor der Bühne plazieren, um den altehrwürdigen Herren die Ehre zu erweisen, geht der Dauerregen am Allerwertesten vorbei. Die seit geraumer Zeit wiedererstarkte Legende versteht es, wie auch schon im Vorprogramm von JUDAS PRIEST mit einer "Best Of"-Setlist die Laune aufrechtzuerhalten und bekommt dementsprechend auch jede Menge Gesangsunterstützung. Rampensau Ricky Warwick dirigiert Band wie Fans gekonnt durch das Programm und liefert am Mikro ebenso eine imposante Vorstellung wie an der zusätzlich eingesetzten Akustikgitarre. Phasenweise hätte sich der Kerl zwar durchaus auf ein Bierchen verdrücken können, denn den Gesangspart nimmt ihm das Auditorium in beeindruckender Lautstärke ab, doch Ricky ist eben ein echter Entertainer und läßt sich davon nur noch weiter animieren und legt sich bis zum Ende mit Vollgas ins Zeug. So endet nach einer Spielzeit von 80 Minuten nach einer mächtigen Version von ›The Boys Are Back In Town‹ ein Auftritt, der einmal mehr unter Beweis stellt, daß THIN LIZZY noch lange nicht zum "Alteisen" zu zählen, sondern es in ihrer aktuellen Formation und Spielstärke leicht und locker mit der "Jugend" aufnehmen können, auch wenn sie das "Glück" haben, Evergreens wie ›Jailbreak‹, ›Rosalie‹, ›Suicide‹ oder ›Emerald‹ aus dem Ärmel schütteln können. Maximum Rock, maximum LIZZY!

Einziger Wermutstropfen des imposanten LIZZY-Auftritts: Die True Metaller WIZARD spielen in der Halle ohne mich, da sie nahezu zeitgleich loslegen müssen. Aber alles kann man eben nicht immer haben, weshalb ich hiermit versprechen mir die Jungs bei der nächsten Gelegenheit anzusehen - man berichtet nämlich danach auch von deren Set nur in höchsten Tönen!

Danach dürfen MOONSORROW in der Halle ran, wobei sich diese erst im Verlauf der Spielzeit merklich füllt. Keine Ahnung, ob das an der Tatsache liegt, daß man - wie nur selten zuvor in Balingen - den eigentlichen Headliner mit verhältnismäßig geringem Interesse erwartet, oder aber der immer heftiger werdende Dauerregen als Grund dafür zu sehen ist, daß unzählige Zuseher eher auf der Suche nach einem Platz im Trockenen sind, Tatsache ist, daß die Pagan/Black Metaller in einer zwar gut gefüllten Halle antreten, aber dennoch auf eher geringes Interesse stoßen.

Uns treibt es zu diesem Zeitpunkt glücklich, aber völlig durchnäßt erst einmal in Richtung Schlafgemach, und so erfahren wir erst am nächsten Morgen, daß der Auftritt der Black Metal-Altväter VENOM sehr zwiespältige Meinungen hervorgerufen hat. Zwar galt für die Herrschaften rund um Cronos schon immer das klassische "Entweder man mag VENOM, oder eben nicht - dazwischen gibt es nix" - die Tatsache, daß sehr viele Zuseher es uns gleichtaten und auf den Headliner verzichten, spricht nicht unbedingt für die Bandauswahl an dieser Position...

Zwar habe ich beim Verlassen des Geländes mir gegenüber fast ein schlechtes Gewissen, die von mir hochgeschätzten THE DEVIL'S BLOOD zu versäumen, im Nachhinein betrachtet aber denke ich, daß wohl nicht nur meine Wenigkeit nun ein klein wenig anders über das "Gehabe" von Master-Mind (?) SL denken wird. Der feine Herr sieht sich nämlich im Verlauf des Auftritts dermaßen von einem gestreckten Mittelfinger "bedroht", daß er sein Instrument kurz zur Seite stellt, ins Publikum hopst und eben diesen "Bösewicht" dermaßen verdrischt, daß ein Krankenhausaufenthalt unabdingbar ist. Nein, mein Herr, so was darf nicht passieren, auch bei aller Provokation nicht. So etwas brauchen wir in unserer Szene definitiv nicht!

Nur noch die ganz hartgesottenen und notorisch "unmüden" Fans erfreuen sich danach auch noch an den Burschen von ORDEN OGAN, die ihre Sache - Augenzeugen zur Folge - gut machen und trotz später Stunde für ihre Vorstellung beklatscht werden. Schade drum, aber auch hier wird es für mich eine weitere Chance geben!

Während sich diejenigen, die sich ORDEN OGAN gegeben haben, wohl noch vorwiegend im Land der Träume befinden, geht es für die anderen Zuseher zur "Frühschicht", schließlich rufen die Schweden SISTER pünktlich wie die Maurer zum Morgenrapport. Und das mit reichlich Nachdruck, Spaß an der Sache und auch einigen (musikalischen, versteht sich..) kräftigen Arschtritten. Zwar nicht ganz so "elegant" wie ihre Landsleute CRASHDÏET, dafür um so rauher und punkiger im Anschlag rotzen sich die Jungs durch ihr Set. Frontmann Jamie ist nicht nur gut bei Stimme und schreit sich in deftigster Manier die Seele aus dem Lieb, der Bursche dürfte obendrein sein Morgen-Turnprogramm auf die Bühne verlegt haben, spult er doch auf überaus sportliche Weise einige Kilometer zur frühen Morgenstund' ab. Das kommt - ebenso wie die druckvollen, massiven Sleaze/Punk/Rock/Metal-Konglomerate der Jungs - selbstverständlich bestens an, so daß die Band, davon weiter angestachelt, um so heftiger auf das Tempopedal drückt. Leider reicht die Spielzeit dennoch nicht aus, um (die offenbar noch um einen weiteren, kurzfristig angereihten Track erweiterte) Setlist auch zu Ende zu bringen, so daß mittendrin der "Saft" abgedreht werden muß. Der Stimmung tut dies' aber keinen Abbruch, und SISTER dürften sich damit als einer der wohl intensivsten Opener überhaupt in die Annalen des Festivals eingetragen haben. Hellyeeezzz!

LANFEAR-Liveshot

Auf diesen Sleaze-Rock-Guten-Morgen-Arschritt folgt gepflegter Prog-Metal schwäbischer Provenienz. Als Referenz fallen mir im Verlauf des Sets spontan IVANHOE ein, die im letzten Jahr die Opener-Position innehatten, und das nicht zuletzt deshalb, weil auch bei LANFEAR die Musik fein detailliert und strukturiert intoniert daherkommt und mit edlen Melodien ausgestattet ist, sondern weil auch sie über einen Frontmann mit Entertainer-Qualitäten verfügen, der mit seinen Ansagen das Auditorium zum Lachen bringen kann. So nimmt man Nuno Miguel de Barros Fernandes selbstverständlich sofort ab, daß er froh ist "mit seiner Musik zumindest soviel Geld verdienen zu können, um nicht länger in einem schwäbischen Bergwerk Maultaschen abbauen zu müssen". Da soll mir noch einer erklären wollen, ProgRocker wären allzu ernste Zeitgenossen... Bei LANFEAR jedenfalls ist das Gegenteil der Fall, denn die Jungs stellen eindrucksvoll unter Beweis, daß auch diese Art von Musik perfekt für einen Festival-Frühschoppen eignet und man sich darüber hinaus dabei wahlweise prächtig unterhalten, oder aber in die trotz filigraner Elementen durchweg melodiösen und nachvollziehbaren Kompositionen der Band eintauchen kann, um in die richtige Stimmung für den Tag zu gelangen.

WARBRINGER [US]-Liveshot

Zum Scherzen, wie eben noch LANFEAR-Sänger Nuno, ist danach aber niemand mehr zumute, denn es macht eher den Eindruck, als ob WARBRINGER gekommen wären, um nicht nur das Festivalgelände, sondern offenbar gleich ganz Balingen in Schutt und Asche zu legen. Die Songs dieser Burschen scheinen geradezu dafür geschrieben worden zu sein, ein ähnliches Szenario in die Tat umsetzen zu können. Da es auch soundtechnisch nicht viel zu meckern gibt, verfehlen die schnittigen Brachial-Thrash-Kompositionen - allen voran das gnadenlos drückende ›Combat Shock‹ - ihre Wirkung zu keiner Sekunde. Dennoch fällt im direkten Vergleich zu einigen immer wieder gerne gesehenen Stammgästen aus der Bay-Area auf, daß es diesen Jungs doch noch etwas am Charisma und auch an Bewegungsfreudigkeit fehlt, um ganz an die Genrespitze vorzudringen. So bleibt es bei einem zwar musikalisch absolut überzeugenden, aber dennoch eher statischen Auftritt, den man zwar mit einem gelungenen MOTÖRHEAD-Cover (›We Are The Roadcrew‹) zu Ende bringt, der aber auch unter Beweis stellt, daß bei diesen Thrash-Nachwuchs-Helden immer noch Luft nach oben ist.

BREAKER [US, OH]-Liveshot

Personifizierte Spielfreude und Hingabe geht bekanntermaßen viel weiter, mitunter gar bis zur "Verstümmelung", wie uns BREAKER danach feststellen lassen. Aber keine Angst die Herrschaften aus Cleveland haben es selbstredend nicht nötig, zu ihrem 30. Bühnenjubiläum etwaige Showeinlagen zu bieten, offenbar aus Übermotivation durch die positive Resonanz auf ihre allesamt "klassischen" US-Metal-Tracks rupft die Saitenfraktion gegen Ende unter lauten Gejohle der Zuseher die Saiten von den Instrumenten. Das Set selbst gedeiht zu einer großangelegten "Geburtstagsparty", wobei sich vor allem Fronter Jim Hamar, der ja den BREAKER-Gig beim "Bang Your Head!!!"-Festival 2008 ausfallen lassen mußte und durch Greg Wagner ersetzt wurde, überaus erfreut zeigt ob der Tatsache, hier gastieren zu dürfen. Die Freude ist aber auch auf Seite des Publikums - kein Wunder, mit ihren traditionellen US-Metal-Klängen passen BREAKER ohnehin perfekt ins Programm und daß dabei auch noch vorwiegend Klassiker vom 1987er »Get Tough«-Album zu hören sind, noch viel mehr. Thumbs up, und auf die nächsten 30 Jahre!

Noch mehr "Party" steht bei TANKARD auf dem Programm, wobei es bei der hessischen Thrash-Institution kaum eines besonderen Anlasses bedarf, um richtig die Sau rauszulassen. Angeführt von einem wie immer überaus agilen und bestens aufgelegten Gerre ackern sich die Frankfurter durch ein gepflegtes "Best Of"-Programm, das selbstverständlich um den Titeltrack ihres aktuellen Albums »A Girl Called Cerveza« erweitert wird. Jenes "Girl", das auch im zum Titeltrack gehörigen Video einen Auftritt hat, darf auch an diesem sonnigen Nachmittag den Meister auf der Bühne zu einem "Tänzchen" verführen und ist ganz offensichtlich ein klein wenig besser in Kondition als Gerre, der ordentlich mitgenommen wirkt. Die Stimmung steigt dabei selbstverständlich noch weiter an und gipfelt in einer von Gerre dirigierten "Massenveranstaltung" auf den Brettern. Der vorgehenden Aufforderung an alle "hübschen Mädels" die Bretter zu entern, um mitzumachen, kommt eine gehörige Anzahl an Damen nach. Kein Wunder, wer kann diesem Sympathikus auch widerstehen? Eben. Und alle zusammen - also Band, Bühnengäste (auch jene, die als Gewinner eines "Meet & Greet" mit der Band den Gig neben der Bühne beaugapfeln durften) und das Publikum - rufen danach zum amtlichen Party-Alarm und feiern in trauter Eintracht (Frankfurter eben...) DIE Bandhymne schlechthin: ›Empty Tankard‹. Was für ein Fest!

AXXIS [D]-Liveshot

Die Partystimmung am Gelände wird von AXXIS danach perfekt ausgenutzt und fortgesetzt, wobei es die Herren ihrerseits schaffen, ebenso einen nicht unerheblichen Beitrag zur guten Laune zu leisten. Angeführt von einem permanent labernden Bernhard Weiß erweisen sich die Herren immer noch als überaus spielfreudige und unterhaltsame Truppe, und durch den Umstand, vorwiegend altes, bekanntes Material vorzutragen, haben sie mehr oder weniger von Anfang an gewonnen. Mit ›Kingdom Of The Night‹ wird das Set gelungen eröffnet, die Fans bilden einen wahrlich imposanten Chor, und auch in weiterer Folge wird das Publikum immer wieder in den Vortrag eingebunden. Trotz Prachtwetters widmet Bernhard ›Heavy Rain‹ dem Festival, und in weiterer Folge erweist sich der Frontmann auch als "Pädagoge" und bittet einen kleinen Jungen namens Justin zu sich auf die Bühne, um mitzumachen. Mit einem Tamburin in der Hand darf der Knabe dann bei ›Stay Don't Leave‹, einem weiteren "Evergreen", an der Show teilhaben und macht seine Sache wahrlich gut. Keine Frage, AXXIS sind einfach die perfekte Band für den "Familienausflug" zum familiärsten aller Festivals, und so ist es auch kein Wunder, daß beim Finale ›Living In A World‹ und ›Little Look Back‹ ausschließlich zufriedene Gesichter aller Altersgruppen im Auditorium zu sehen sind. Feine, witzige Angelegenheit.

PRIMAL FEAR-Liveshot

Danach erhält die Echtmetall-Fraktion ihre Vollbedienung in Form eines Auftritts von PRIMAL FEAR. Durch den Umstand, hier ein Heimspiel austragen zu dürfen, wirken die Herrschaften noch zusätzlich motiviert und geben von Anfang an ihr Bestes. Allzu schwierig haben es Ralf Scheepers, Mat Sinner und Kollegen aber auch nicht, denn Nummern wie ›Nuclear Fire‹ oder ›Bad Guys Wear Black‹ treffen zielsicher den Nerv des Publikums und scheinen der Mehrheit nicht nur bekannt zu sein, sondern inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen zu sein. Daß Ralf doch immer wieder nach den "Händen" und um Hilfe des Publikums bittet, zeugt in diesem Fall keineswegs von Unsicherheit als vielmehr von der immensen Spielfreude, die vor allem Alex Beyrodt anzumerken ist, bei dem man mit Fortdauer des Auftritts den Eindruck erhält, er würde mit seinem Arbeitsgerät "fusionieren". Jede Faser seines Körpers bebt, zittert und lebt bei jedem Anschlag der Gitarre mit - welch ein Vollblut-Rocker! Mit ›Metal Nation‹ und dem finalen Genickschuß ›Metal is Forever‹ treffen PRIMAL FEAR nicht nur die Geschmacksnerven des Publikums, sie geben auch das Programm für dieses Festival vor. Spiel, Satz und Sieg für PRIMAL FEAR, keine Frage, diese Band hat ihren Status fraglos verdient.

PRIMORDIAL-Liveshot

Schluß mit lustig ist dann - zumindest einmal rein optisch - bei PRIMORDIAL, schließlich haben die Iren mit Frontmann Alan Nemtheanga einen wahrlich beängstigenden Blickfang an vorderster Front. Doch wer die Band schon einmal gesehen hat, weiß, daß hier keineswegs damit kokettiert wird, die Zuseher einzuschüchtern, als daß vielmehr tiefschürfende Klänge das Bild regieren. Diese werden von Sänger und Schausteller Alan auf perfekte Weise umgesetzt und wissen einfach mitzureißen. Verpackt in melancholische, aber dennoch packende Songs wissen die Iren für schaurig-romantische Momente zu sorgen, und so ist die Stimmung auf dem Festivalgelände bei ihrem Auftritt eine prickelnde. Hier geht es jedoch nicht um Party, hier wird Musik zelebriert, in die man sich erst einmal so richtig "einleben" muß, um sie auch in der nötigen Intensität verspüren zu können. Wer sich jedoch auf dieses emotionale Level begeben kann, der wird reichlich belohnt und zwar in Form von Gänsehaut-Kompositionen wie dem gnadenlosen ›Gods To The Godless‹ oder dem sensationell intonierten ›As Rome Burns‹, bei dem es Alan endgültig schafft, einen Großteil des Publikums mittels der hypnotischen Tribal-Passagen zu erobern und mitsingen zu lassen. Daß Alan zumeist vor der Menge kniet, erzeugt obendrein das Bild eines "Hexenmeisters" bei der Arbeit, wobei er seine Zeremonien ebenso perfekt darbietet wie den Gesang an sich und von daher mit Sicherheit nach diesem Set erneut einige Individuen mehr auf seiner Seite wissen darf. Zusatzpunkte auf der Sympathie-Skala dürfen PRIMORDIAL dann noch dafür verzeichnen, daß sie ›Bloodied Yet Unbowed‹ Phil Lynott widmen - einem weiteren ganz Großen ihrer Heimat, auf die Alan immer wieder stolz hinweist. Leider ist nach den Band-Highlights ›The Coffin Ships‹ und dem schlicht grandiosen ›Empires Fall‹ zwar schon wieder Schicht im Schacht, doch wir alle kommen wohl nur zu gerne erneut zu PRIMORDIAL, denn intensiver kann man Musik kaum intonieren! Ganz großes Kino also, das von Alan mit den Worten "We are PRIMORDIAL from the Republic Of Ireland and we will come back" sowie der Ansage "No surrender - No retreat - No regrets!" beendet wird und zu dem aus unerfindlichen Gründen plötzlich - und trotz strahlenden Sonnenscheins - ein gewisse Eiseskälte über das Gelände weht...

Mit SABATON steht danach eine der Bands der Stunde auf den Brettern, und auch wenn meine Wenigkeit immer noch nicht so recht verstehen kann, was genau die Faszination dieser Truppe ausmacht, muß man den Schweden attestieren, live für Granatenstimmung zu sorgen. Ob als Hinweis auf die "Heimat" oder "nur" um die Stimmung zusätzlich anzuheizen, weiß ich nicht, seine Wirkung verfehlt bereits das geborgte Intro ›The Final Countdown‹ nicht. Doch damit haben sich die Burschen, denen man es nicht wirklich anmerkt, daß die Formation nahezu zeitgleich mit dem Erscheinen ihres aktuellen Album mehrfach umbesetzt werden mußte, auch schon wieder ausreichend an fremdem Material bedient. Von diesem Zeitpunkt an regiert selbstredend das eigene, überaus melodische Zeug der Truppe das Geschehen, wobei man einen guten Querschnitt des bisherigen Schaffens darbietet. Vom brandneuen Dreher »Carolous Rex« kommt vor allem ›Gott mit uns‹ bestens an, aber auch älteres Material wie ›Cliffs Of Gallipoli‹ (okay, diesbezüglich revidiere ich den Kommentar zum Thema "Fremdkompositionen" und verweise auf ›Gutter Ballet‹...) oder ›Primo Victoria‹ werden nach allen Regeln der Kunst vom Publikum abgefeiert. Mit Joakim Broden haben SABATON einen ungemein bemühten Frontmann in ihren Reihen, der sich im Laufe der Zeit wahrlich beeindruckende Deutschkenntnisse angeeignet hat und dadurch locker die Stimmung weiter zu erhöhen imstande ist. Aber auch für das Auge wird bei den Schweden etwas geboten - Pyros ohne Ende nämlich, aber auch eine Band, die gut in Bewegung ist und die große Bühne gut zu nutzen weiß. Man kann von den Songs, der "Kriegsthematik" und den Outfits dieser Truppe halten, was man will, hält man sich die Stimmung während des Gigs wie auch die Anzahl der Fanshirts im Publikum vor Augen, so ist ihr Platz an der Sonne, beziehungsweise in diesem Festival-Line-up mehr als nur berechtigt. Respekt!

GOTTHARD-Liveshot

Nicht zuletzt aufgrund der relativ nahegelegenen Grenze zur Eidgenossenschaft sind auf dem "Bang Your Head!!"-Festival immer schon jede Menge Headbanger aus der Schweiz anzutreffen gewesen. In diesem Jahr haben die Rocker aus der Eidgenossenschaft aber einen ganz besonderen Grund, schließlich dürfen "ihre" GOTTHARD als Co-Headliner des zweiten Festivaltages auf die Bretter. Doch nicht nur die Landsleute versammeln sich in Scharen vor der Bühne, nahezu alle der mehr als 10.000 Zuseher warten gespannt auf die Herrschaften und ganz besonders auf Nic Maeder, der die Aufgabe hat, den auf tragische Weise ums Leben gekommenen Steve Lee am Mikro zu ersetzen. Und der junge Mann kann sich mehr als nur respektabel aus der Affäre ziehen und liefert eine mehr als nur solide Show. Da er es erst gar nicht versucht, sich als "neuer Steve" zu etablieren, sondern eher bestrebt ist, mit seiner eigenen Note zu überzeugen, schafft er es mühelos, das Publikum auf seine Seite zu ziehen. Wie man generell sagen kann, daß die Eidgenossen mit ihrer gut durchdachten Setlist, die logischerweise vorwiegend knackige Hard Rock-Knaller enthält, einen überzeugen Auftritt hinlegen, der jeglichen Zweifel in Sachen "Kompatibilität" bei einem Rockfestival im Ansatz erstickt. Vor allem das Duo Leo Leoni und Freddy Scherer erweist sich als begnadetes Gespann und pfeffert exquisite Riffs und Licks ins Auditorium, das vom Einstieg ›Dream On‹ bis hin zur Zugabe ›The Mighty Quinn‹ wie der berühmte "zwölfte Mann" hinter der Band steht, durchweg mitmacht und vor allem bei ›Hush‹ und ›Anytime, Anywhere‹ völlig steil geht. Kurzum: Gelungene Show und ein ebensolcher Einstand von Nic - auf die Headliner-Tour im Herbst darf man sich jetzt schon freuen!

Durch die wirklich überraschend starken GOTTHARD schaffe ich es leider nicht, den gesamten Gig der SUICIDAL ANGELS in der Halle mitzuverfolgen, doch allein das Gesehene bestärkt mich einmal mehr in meiner Meinung, daß die Griechen zur absoluten Speerspitze des Thrash-Nachwuchses zu zählen sind. Angeführt von einem einmal mehr bis in die Haarspitzen motivierten Frontmannes Nick Melissourgos sorgt das Quartett schon mit dem Einstiegdoppel ›Bloodbath‹/›Bleeding Holocaust‹ für Moshpit-Alarm in der Halle, und als der gute Nick dann in ›Reborn In Violence‹ gar noch sprichwörtlich auf die "Barrikaden" (sprich die Absperrung) steigt, um abzurocken, ist die "Volksbank*Messe" zu einem Tollhaus geworden. Und auch wenn es im Freigelände trocken und sonnig ist, lassen die Hellenen durch ihre schweißtreibende Show den Feuchtigkeitsgehalt dermaßen steigen, daß man sich in einem Tropenhaus wähnt. Die Stimmung scheint den gesamten Verlauf über auf höchstem Level geblieben zu sein, denn als ich kurz vor Ende des Sets zu ›Moshing Crew‹ nochmals auf einen "Sprung" (etwas anderes ist in der Frontrow kaum möglich) vorbeischaue, lassen SUICIDAL ANGELS nochmals die Kuh fliegen und zwar gehörig. Beim nächsten Mal dann bitte auf der großen Bühne. Danke, Herr Franz!

Kurz nach dem Ende von GOTTHARD folgen wir dem "Lockruf" der offenbar immens aufwendigen Lightshow der Schweden PAIN in die Halle, doch leider geht zu diesem Zeitpunkt besuchertechnisch nichts mehr, sprich man läßt uns (sowie eine Unzahl weiterer Fans) nicht mehr in die - in der Tat bis ganz nach hinten prallvolle - Halle. Für mich nicht wirklich ein Drama, da mich das Tägtgren-Sideprojekt ohnehin nur bedingt interessiert, dennoch besteht seitens des Veranstalters dringend Handlungsbedarf, zumal eine solche Situation schon im letzten Jahr bei LORDI entstanden war. Zugegebenermaßen klingt die Chose vor dem Eingang deutlich besser als erwartet, dennoch geht es auf in Richtung Hauptbühne, wo in Kürze der Headliner loslegt.

Zwar nicht ganz so heiß diskutiert wie VENOM, aber dennoch in dieser Position nicht unumstritten, legen sich EDGUY von Beginn an genau so ins Zeug wie es sich für einen Headliner gehört. Und ganz ehrlich, einen dermaßen euphorischen Empfang, wie ihn Balingen den Fuldaern bereitet, hätte ich nicht erwartet. Doch schon mit dem Eröffnungsdoppel ›Nobody's Hero‹ und ›Tears Of A Mandrake‹ haben die Burschen rund um Tobias Sammet das Geschehen fest im Griff, wobei der ansonsten nicht immer wirklich "unterhaltsame" Tobi an vorderster Front heute sogar mich mit Ansagen wie "Ihr könnt' mir auch gerne den Stinkefinger zeigen, ich geh' nicht runter und knall' Euch eine" zu unterhalten weiß. Auch gesangstechnisch kann man dem Wirbelwind nichts vorhalten, seine Leistung ist tadellos, ebenso die seiner Mitstreiter, wobei das Saitentrio Dirk Sauer, Jens Ludwig und Tobias Exxel mehr als nur einmal daran denken läßt, daß sie eine sehr, sehr gute "Rock-Posing"-Schule absolviert haben und dabei offenbar Kurse wie "Im Stadion muß es noch ein wenig überzeugender rüberkommen als sonst wo" oder "Große Posen geben immer etwas her" belegt haben. Da Tobi ohnehin immerzu in Bewegung ist, fällt es mir gar nicht auf, daß der Kerl bei ›9-2-9‹ plötzlich und unerwartet von der Bühne "verschwindet", um nach einigen Minuten (und einer von mir als eigenartig und unnötig lange hinausgezögerten Instrumentalpassage) blutüberströmt wiederzukehren und weiterzumachen. Dafür gebührt dem Burschen mehr als nur Respekt, denn während andere sogenannte Metal-Heroes nach dem zweiten Bierbecher, der ihnen zugeschmissen wird, ihren Auftritt beenden, läßt sich Tobias Sammet nicht lumpen und macht trotz zugezogenem Nasenbeinbruch und diversen Prellungen im Schulter- und Hüftbereich bis zum bitteren Ende weiter. Spätestens jetzt ist für mich klar, daß dieser Kerl mehr Metal und ein echter Rocker ist als viel andere vermeintliche "Poser"! Dennoch verlassen wir den deutlich dichter als am Vortag besiedelten Raum vor der Bühne, um uns zeitgerecht in die Halle zu begeben. Die Stimmung ist auf dem gesamten Gelände kurz vor dem Ende immer noch verdammt gut, mit Sicherheit auch ein nicht unwesentlicher Beitrag der EDGUYs, die sich wirklich mächtig ins Zeug legen und eine gut ausgewogene Setlist präsentieren, aus der ›Robin Hood‹ und ›Superheroes‹ besonders bejubelt werden. Daumen hoch also für die Jungs, ganz besonders für ihren Frontmann, der heute jede Menge "Zusatz-Bonus-Punkte" sammeln kann!

EXODUS [US, CA]-Liveshot

Für mich steht der eigentliche Headliner aber dennoch erst bevor, schließlich obliegt es der Bay Area-Legende in der Halle zum Festival-Kehraus für den finalen, kollektiven Genickschuß zu sorgen. Und genau diesen Plan wissen die Herrschaften auch, auf einmal mehr gnadenlose Weise umzusetzen und sorgen bereits mit dem Eröffnungssäger ›The Last Act Of Defiance‹ für ein wildes Bangen und Moshen in einer überaus gut gefüllten Halle. Da Gary Holt durch seine "Aushilfstätigkeit" bei SLAYER Tournee-mäßig verhindert ist, kommt es, daß neben Lee Altus Ur-Klampfer Rick Hunolt mit von der Thrash Metal-Part(y)ie ist, und besagter Herr hinterläßt einen überaus guten Eindruck. Von Nachwirkungen seiner Drogensucht ist ebenso nichts zu bemerken wie auch von seiner langjährigen Bühnenabstinenz. Im Falle der Rückkehr von Gary Holt in den Schoß der Band empfiehlt es sich (wie schon auf einem Sommerfestival, auf dem SLAYER und EXODUS gastierten) fortan auf die Triple-Axe-Attack zusetzen - mehr Geschredder geht wohl kaum! Doch auch mit "nur" zwei Klampfen (erneut ein absoluter Hingucker: die Mimik des Kollegen Altus, der vor der Show wahrscheinlich auch den einen oder anderen Wodka zu sich genommen hat) wissen unkaputtbare Thrash-Kamelle wie ›Piranha‹ oder ›A Lesson In Violence‹ ebenso perfekt zur Geltung zu kommen wie gnadenlose "Bretter" neueren Datums, die von ›Blacklist‹ bis hin zu ›Iconoclasm‹ reichen und die Historie der Band gut abdecken. Besonderes Augenmerk legen die Fans ja schon seit langer Zeit immer wieder auf "Neuzugang" Rob Dukes am Mikro und - auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen - der Kerl wird immer besser und zwar in jeglicher Hinsicht. Wahrlich imposant, welch' ein Spektakel EXODUS zu später Stunde noch vollbringen, noch beeindruckender aber die "Leistung" der Zuseher, die nach zwei Festivaltagen (und womöglich noch vorheriger "Warm-up-Show") immer noch dermaßen viel Kraftreserven mobilisieren können, daß zum Finale Grande nochmal der ›Toxic Waltz‹ auf wildeste Weise getanzt wird und EXODUS mit einer gewaltigen Version von ›Strike Of The Beast‹ das "Bang Your Head!!!"-Festival würdig beenden.

Trotz mehr als nur negativer Vorzeichen (Diskussionen rund um die Headliner, das kurzfristig und unerwartet gesetzte Ende des zum Veranstalter gehörenden HEAVY-Magazines) läßt sich festhalten, daß Balingen dennoch die Reise wert gewesen ist und wohl auch im nächsten Jahr wieder zahlreiche Fans in Richtung schwäbische Alb tingeln werden.
Die Voraussetzungen sehen zumindest bisher gut aus, denn es wird auch im nächsten Jahr ein "Bang Your Head!!!"-Festival geben. Mehr noch, mit Bands wie den bisher bestätigten SANCTUARY, ICED EARTH, ACCEPT, SAXON, HELL, RAGE, LORDI und THUNDER dürfte man schon jetzt die Zuseher hungrig auf 2013 machen.


Walter Scheurer

Photos: Walter Scheurer


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