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ARC ANGEL · Cannata-Logo

ARC ANGEL · Cannata-Headline

Endlich sind alle Glaubenszweifel aus der Welt: Es gibt einen Gott, und er lebt - der Melodic-Gott. Sein Name: Jeff Cannata. Und er gewährte uns sogar eine Audienz, so daß wir sein gesamtes Leben revuepassieren lassen konnten.
Ernsthaft: Jeff Cannata ist einer der begnadetesten Songwriter auf dem Melodic-Sektor, doch leider gelang es ihm nie, nennenswerten kommerziellen Erfolg einzufahren. Seinen Kompositionen tut das hingegen keinen Abbruch, die allesamt zeitlose Meisterwerke sind.

Es gibt sicherlich viele Gründe dafür, daß es nie zu einem echten Durchbruch kam. Wichtig ist dabei vor allem, daß keines meiner Projekte eine richtige Band war. Ich erhielt damals einen Vertrag mit CBS für ARC ANGEL und daher habe ich zusammen mit Michael Soldan, mit dem ich bei JASPER WRATH gespielt hatte, im Studio einige Songs komponiert und wir haben sie 1983 mit der Unterstützung von einigen Musikerfreunden aufgenommen. Wir waren jedoch zu diesem Zeitpunkt in verschiedenen Bands und ARC ANGEL sollte von vorneherein nur eine einmalige Angelegenheit werden. Ähnlich war es bei der ersten Cannata-Platte »Images Of Forever« von 1988, doch damals kam noch hinzu, daß wir bei CARRERE unter Vertrag standen. Dieses Label hat eine ganz besondere Geschichte: Es wurde von dem Filmemacher Yves Dessca aus Paris gegründet, der beschlossen hatte, mit einem Teil seiner Kohle eine Plattenfirma zu gründen. Er nahm verschiedene Bands unter Vertrag und veröffentlichte mit CARRERE verschiedene Platten, doch nach kurzer Zeit entschied er, sich wieder ausschließlich auf das Filmbusineß zu konzentrieren. Dennoch bin ich froh über diese Episode, denn damals bekam ich die Kohle, um mein eigenes Studio in meinem Haus zu bauen, so daß ich seither nicht mehr auf die Uhr schauen muß, wenn ich etwas aufnehmen möchte. Ich kann mich noch entsinnen, wie es bei der ARC ANGEL-Platte war, die wir innerhalb von 800 Stunden aufnahmen, was wegen der vielen Gastmusiker sehr schwierig zu koordinieren war. Nach der zweiten Cannata-Platte »Watching The World« von 1993 erhielt ich von Mark Ashton, dem Chef meiner damaligen Plattenfirma NOW & THEN, das Angebot, in Europa zu touren. Er wollte in Deutschland eine Band zusammenstellen und ich sollte den Musikern die Songs schicken, so daß sie sie einstudieren können. Dann hätte ich rüberfliegen sollen und mit dieser Band touren. Das habe ich natürlich abgelehnt, denn ich konnte unmöglich das Risiko eingehen, ins kalte Wasser zu springen und nicht zu wissen, ob diese Musiker, die ich nie zuvor gesehen hatte, das Material wirklich gut genug rüberbringen könnten. Ich machte stattdessen den Vorschlag, daß ich Musiker aussuche, mit ihnen das Programm einstudiere und anschließend rüberkomme. Doch dieser Plan sprengte das Budget, das zur Verfügung stand, so daß die Idee nie verwirklicht wurde. JASPER WRATH war die einzige richtige Band, mit der ich jahrelang getourt habe, aber seither war alles mehr eine Soloangelegenheit, die nur im Studio ablief.

Jeff Cannata-Shot 1

Für einige der Songs von »Arc Angel« hast Du mit Tony Bongiovi im POWERSTATION STUDIO in New York gearbeitet. Bekanntlich ist er der Onkel von John Bon Jovi und er hat in diesem, seinem Studio auch die ersten Aufnahmen von John geleitet. Wie war die Zusammenarbeit mit ihm?

John war zu dieser Zeit auch im POWERSTATION und mischte seinen Song ›Wanted: Dead Or Alive‹ ab. Interessanterweise hatte diese Nummer allerdings absolut nichts mit dem Stück zu tun, das er später mit dem gleichen Titel auf seiner Soloplatte veröffentlicht hat. Tony war sehr professionell und man konnte gut mit ihm arbeiten, aber wir hingen sehr unterschiedlichen Konzepten an, wie man eine Platte abmischen sollte.

Auf dem Vinyl von »Arc Angel« klebt ein riesiger Sticker: "As seen on MTV: ›Tragedy‹" War das nur ein Promogag oder ist das Video wirklich auf MTV gelaufen. Man kann es sich durchaus vorstellen, denn schließlich waren es damals noch die Goldenen Achtziger...

Das Video zu ›Tragedy‹ existiert tatsächlich und es wurde mehrfach auf MTV gezeigt. Allerdings sollte man dazusagen, daß es damals die Anfangstage von MTV waren und sie händeringend nach Videos gesucht haben und folglich alles gezeigt haben. Allerdings war unser Video ziemlich peinlich und es sah fast wie ein Homevideo aus. Der Refrain zu ›Tragedy‹ lautete: "I'm a victim of a young girl's love, it's such a tragedy." In dem Video spielte ich die Rolle eines Lehrers, der sich in seine sechszehnjährige Schülerin verliebt. Wie schon gesagt - superpeinlich!
Es gab noch ein zweites Video zu dem Cannata-Song ›Fortune Teller‹, das sehr viel besser ausgefallen war. Wir drehten den Streifen in New York mit Scott Calvert, der einige der frühen PINK FLOYD-Sachen gemacht hat.

Wer hatte eigentlich die Idee gehabt, Dich auf dem Bild auf der Rückseite des ersten Cannata-Albums »Images Of Forever« von 1988 so aussehen zu lassen wie Scott bei seiner Antarktis-Durchquerung?

Die Idee stammte vom Photographen. Er arbeitete für den ROLLING STONE und ich verließ mich auf ihn. Tja, das Resultat sah einfach lächerlich aus. Seit diesem Tag habe ich mich nicht mehr ausschließlich um die Musik gekümmert, sondern seither liegt auch die Verantwortung für das komplette Artwork in meinen Händen.

Aber Du wolltest Dich damals nicht als Keyboarder bei DEPECHE MODE bewerben?

[Lacht] Nein, auf keinen Fall!

Hast Du eine Vorstellung, welche unerhörten Preise man mittlerweile für die CD oder das Vinyl von »Images Of Forever« bezahlt?

Keine Ahnung, ich habe lediglich gehört, daß die JASPER WRATH-Platte teilweise für bis zu 200 Dollar gehandelt wird. Bei »Images Of Forever« gibt es eben das beschriebene Problem, daß es die Firma CARRERE nicht mehr gibt und folglich das Album nie nachgepreßt wurde.

Das wäre doch ein sinnvolles Projekt für Dich, die Platte neu zu veröffentlichen.

Prinzipiell ja, aber ich mußte gerade herausfinden, daß es nicht so leicht ist, die Rechte an seinen eigenen Songs zu bekommen: Auf meiner neue Platte ›Tamorok‹ habe ich bekanntlich auch einige alte Songs gepackt und ich versuchte, das Original-Master für ›Stars‹ und ›Wanted: Dead Or Alive‹ zu bekommen. Nachdem mein Rechtsanwalt monatelang mit SONY MUSIC in Kontakt stand, erhielt ich ein 18 Seiten umfassendes Vertragswerk, das einfach lächerlich war. Daher habe ich letztendlich ›Stars‹ neu eingespielt.

Jeff Cannata-Shot 2

Auf »Tamorok« kommen unüberhörbar orientalische Einflüsse zum Zug. Woher rührt das?

Vor etwa fünf oder sechs Jahren bin ich mit meinem Vater nach Ägypten, Israel und in die Türkei gereist. Das hat mich so sehr beeinflußt, daß es sich sowohl in der Musik als auch im Artwork der CD niedergeschlagen hat.

Woher stammt das Wort "Tamorok"?

Es ist ein Phantasiewort, das ich erfunden habe. Ich habe meine eigene Legende kreiert über ein Feld nahe Kairo, das den Namen Tamorok tragen soll, an dem besondere Energien zu spüren sind.

Warum ist »Tamorok« zur Hälfte mit alten Songs bestückt? Immerhin sind seit »Watching The World« fast zehn Jahre vergangen, so daß man annehmen konnte, Du hättest zumindest zehn neue Songs geschrieben...

[Lacht] Richtig, das wäre ein Song pro Jahr gewesen. Es lag daran, daß ich per E-Mail oft darauf angesprochen wurde, ob die alten Platten wiederveröffentlicht würden oder nicht. Daher habe ich mich für »Tamorok« entschlossen, diesen Weg zu gehen. Aber ich habe zur Zeit drei oder vier weitere Songs fertig.

Das heißt also, daß wir die nächste Platte schon in fünf Jahren erwarten können.

Ich weiß nicht, denn ich habe gerade ein neues Programm bekommen, das Pro Tools sehr ähnlich ist, so daß ich in Zukunft noch mehr herumbasteln kann. Daher wird es vielleicht noch länger dauern. [lacht] Nein, ich kann versprechen, daß die nächste Platte spätestens in zwei Jahren erscheinen wird. Jetzt, da »Tamorok« erschienen ist und ich so viel positives Feedback erhalte, werde ich diszipliniert jeden Tag an den nächsten Album arbeiten. Zuvor arbeitete ich nicht so konsequent an neuen Songs.

Hast Du es deswegen in 20 Jahren nur zu drei Platten gebracht?

Ich bin ein sehr kritischer Komponist. Ich kann an einem Tag problemlos zwei Songs schreiben, aber für mich ist wichtig, daß jeder neue Song sich von allen anderen unterscheidet, die ich zuvor geschrieben habe. Teilweise bastele ich tagelang herum, bis ich die richtigen Sounds für einen Songpart gefunden habe. Manchmal kommt es vor, daß ich einen Song über Bord werfe, wenn ich ihn einen Monat lang kritisch beäugt habe und er mich dann nicht mehr genug fesselt.

Hast Du nie darüber nachgedacht, solche Stücke Plattenfirmen oder anderen Bands angeboten?

Nein, denn ich glaube, daß die meisten Bands aus diesem Genre sind gute Songwriter und basteln ihr Material selbst.

Aber es gibt allerdings auch Komponisten wie Desmond Child, die auch für Popbands schreiben.

Gutes Thema: Mein alter Kumpel James Christian war bis letzte Woche in meinem Studio, um zusammen mit seiner Frau ein Album aufzunehmen und vier der neun Stücke stammten von Desmond Child. Desmond ist eben ein Auftragsschreiber, der für alle Stile schreiben kann, und der seine Babies weggibt. Ich glaube, ich könnte das nicht; wenn ich einen Song aus tiefstem Herzen komponiere, könnte ich ihn anschließend nicht hergeben.

Warum bist Du in all den Jahren Deinem Stil treugeblieben, obgleich diese Musikrichtung lange Jahre fast nicht gefragt war?

Es ist eben mal mein eigener Stil. Ein Maler geht ja auch nicht ins Museum und schaut sich die Werke von anderen Künstlern an, um sie anschließend mal selbst auszuprobieren, oder?

Jeff Cannata-Shot 3

Wie fühlt man sich als Musiker, wenn man weiß, daß man zeitlose Kunst kreiert hat?

Es ist schwer für mich, das zu beurteilen, zumal ich meine alten Songs quasi nie anhöre. Folglich vergißt man das alles irgendwann. Aber ich höre oft in Interviews solche Aussagen und das finde ich sehr aufregend.

Wie sieht der normale Tag eines Jeff Cannata aus?

Ich habe das Glück, daß ich seit 1967 von der Musik leben kann und keinem anderen Job nachgehen muß. Ich arbeite lediglich ab und zu mit anderen Bands in meinem Studio.
Ich stehe meistens gegen 8 Uhr auf und nach dem Frühstück gehe ich ins Studio und bin dort meistens bis zum späten Nachmittag. Mein sechzehnjähriger Sohn spielt mehrmals in der Woche Baseball, so daß ich anschließend meistens mit ihm zum Spiel gehe. Nach dem Abendessen gehe ich meistens nochmal für einige Stunden ins Studio oder aber ich schaue mir ein Baseball-Spiel der New York Yankees an. Zwischen September und November gehe ich manchmal auf die Jagd, wobei ich in dieser Hinsicht aber bei weitem nicht so verrückt bin wie Ted Nugent. Außerdem gehe ich sehr gerne Fallschirmspringen.

Und Dein Sohn ist vermutlich jener Ian, der auf ›Ian's Song‹ auf »Watching The World« seinen großen Auftritt hatte.

Ganz genau - er war damals drei Jahre alt.

Wie leicht war es eigentlich, Deine Frau zu überzeugen, daß sie ihr Leben mit einem Musiker verbringen soll?

Ich hatte zum Glück nur wenig Probleme mit dem Yoko Ono-Syndrom... Ich hatte sie schon getroffen, bevor ich bei JASPER WRATH einstieg, und ich hatte ihr schon frühzeitig erklärt, was ich in meinem Leben machen möchte. Ich sagte ihr, daß ich mich sehr freuen würde, wenn sie diesen Weg mit mir gehen wolle, aber daß ich mich auf keine Kompromisse einlassen würde. Ich habe Glück gehabt, denn wir sind mittlerweile seit über 35 Jahren zusammen.

http://www.arcangel-cannata.com/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
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