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”UNDERGROUND EMPIRE 5”-Datasheet

Contents:  RIGID DOMAIN-Interview

Date:  04.05.1991 (created), 27.05.2010 (revisited), 08.11.2017 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 5

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue still available, order here!

Comment:

Das RIGID DOMAIN-Interview war eigentlich schon für eine Ausgabe zuvor geplant gewesen, war jedoch nicht mehr rechtzeitig eingetroffen. Doch das sollte sich letzten Endes als Vorteil erweisen, denn layout-technisch sollte die Story von meinen Fortschritten als DTP-Bastler profitieren: Das Design, bei dem die Vorderseite mit einem 10-prozentigen, die Rückseite mit einem 90-prozentigen Grauraster (und folglich mit negativer Schrift versehen wurde) hinterlegt war, und bei dem die Anordnung von Logo und Photo auf beiden Seiten ebenfalls spiegelbildlich war, gefällt mir heute noch. Zudem hatte mir RIGID DOMAIN-Sängerin Julie im August nochmal eine ganze Wagenladung Photos zukommen lassen, die das alte Photomaterial deutlich übertrafen: So waren das erste und das letzte Photo, das Ihr hier seht, im Heft abgedruckt worden, während für die Livephotos kein Platz gewesen war. Doch hier sollen sie nun zusammen mit einem tollen Einzelshot von Julie, der noch aus dem »Death's Just Another Whore... Bitching With My Life«-Info stammt, zum Zuge kommen: Die Livephotos entstanden mit Ausnahme des Photos des neuen Drummers Peter Lundgreen allesamt beim Auftritt von RIGID DOMAIN beim "Roskilde"-Festival 1991.

Supervisor:  Stefan Glas

 
 

RIGID DOMAIN-Logo

RIGID DOMAIN-Bandphoto 1

Wenn sich etwas schon mal als gute Gewohnheit etabliert hat, dann hält man doch gerne dran fest. In UNDERGROUND EMPIRE 3 widmeten wir uns unter anderem be­son­ders Bands aus Düsseldorf, im Nachfolger ließen wir unseren Blick in Hamburg umherstreifen. Etwas ähnliches soll auch in UNDERGROUND EMPIRE 5 passieren. Wie Ihr sicher schon gemerkt habt, bin ich sehr beeindruckt von dem, was sich in den letzten Monaten in Skandinavien tut. Aus diesem Grund haben wir uns für dieses Heft mal einige fähige Bands aus dem hohen Norden vorgeknöpft und ihnen Wissenswertes entlockt.
Unser erstes Opfer waren die Dänen RIGID DOMAIN, die in letzter Zeit sehr aktiv waren. Das Debutalbum ist eingespielt und... Doch lassen wir einfach Sängerin Julie und Basser Niels der Reihe nach erzählen.

Als ich zum ersten Mal den Titel Eures letztjährigen Demos »Death's Just Another Whore... Bitching With My Life« hörte, warf er doch einige Fragen auf. Könntet Ihr daher den Titel etwas näher erläutern?

Julie: Du hast recht, der Titel wirkt etwas seltsam. Ich könnte Dir jetzt eine unendliche Geschichte erzählen, aber ich will es lieber kurz machen. Es geht darum, daß man keine anderen Regeln akzeptiert, außer denen, an die man hundertprozentig glaubt. Es steckt im Grunde einfach nur das Statement drin, daß man nur an sich selbst glauben soll.

RIGID DOMAIN-Liveshot: Julie Molin

Als ich besagtes Demo erhielt, war ich ziemlich beeindruckt von dem professionellen Begleitmaterial, das zudem recht ungewöhnlich gestaltet ist. Wie ist das zustandegekommen?

Niels: Ich jobbe manchmal in einer Booking-Agentur hier in Odense, und daher habe ich schon eine Menge Infos, Photos, etc. gesehen. Wir wollten einfach ein Info haben, das den Leuten ins Auge springt. Die Photos entstanden gemeinsam mit den Leuten, die auch unser Video gedreht haben. Wir nahmen diese ganze Session auf Video auf und schnitten dann verschiedene Einzelbilder heraus. Diese Vorgehensweise ist weitaus praktischer, da man so vielmehr Bilder zur Verfügung hat, als wenn man mit dem Photoapparat 24 Bilder schießt. Wir sind zwar nicht besonders glücklich mit allen Photos, aber ich denke, die Idee war gut.

Andererseits steht diese professionelle Machart des Infos im krassen Gegensatz zum Democover. Ein Schädel auf dem Cover ist nicht gerade eine umwerfend neue Idee, und zudem ist Euer Exemplar mit Sicherheit nicht das beste, das je gezeichnet wurde. Außerdem sehe ich dabei noch das Problem, daß jemand, der RIGID DOMAIN nicht kennt, anhand des Covers in Verbindung mit dem Titel Euch als Death Metal-Band einstuft, was kaum ein gewollter Effekt sein kann, da Ihr mit dieser Musikrichtung rein gar nicht zu tun habt.

Julie: Die Idee mit dem Schädel kam irgendwann auf. Ich glaube sogar, daß sie von mir stammte. Wir stimmen Dir voll zu, daß es nicht der bestgemalte Schädel auf der Welt ist - es ist wohl eher der schlechteste.
Es ist sicher die Gefahr gegeben, daß man uns dadurch als Death Metal-Band betrachtet, was wir absolut nicht wollen. Andererseits kommt das Demo immer mit dem Info, was diese Gefahr natürlich stark einschränkt. Der Maler, der den Schädel gemalt hat, ist eigentlich ein sehr guter Künstler. Er fertigt gerade für uns das Artwork unserer neuen T-Shirts.

RIGID DOMAIN-Liveshot: Claus Pedersen

Ihr habt schon zwei Videos, ein Umstand, der für eine Demoband sehr ungewöhnlich ist. Was hat Euch dazu bewegt, dies zu tun?

Niels: Wir dachten, daß diese Videos eine gute Idee wären, weil es sehr professionell wirkt, wenn man zusammen mit dem Demo und dem Info ein Video verschicken kann. Die Leute von den Plattenfirmen können uns dadurch sehen und können beurteilen, wie wir live auftreten, usw. Okay, es gab Probleme mit den Videos. Zum einen haben sie uns natürlich Geld gekostet. Gravierender war die Tatsache, daß wir beim ersten Video mit Leuten gearbeitet haben, die wahrlich keine Profis waren. Obwohl das Ergebnis nicht besonders gut war, waren wir damals total begeistert von dem Video. Wir haben dabei jedoch eine Menge gelernt, wie man sich am besten bewegt, wenn eine Kamera läuft. Also entschlossen wir uns dann, zu ›White Alley‹ vom »Death's Just Another Whore... Bitching With My Life«-Demo auch ein Video zu drehen und hatten die Idee, ein altes Theater in einer kleinen Stadt in Dänemark als Drehort zu verwenden. Diesmal gaben wir viel Geld für Sound und Licht aus. Außerdem hatten wir eine Kamera, die in alle Richtungen drehbar war und auch auf den Kopf gestellt werden konnte, etc. Ich denke, die Band hat gute Arbeit geleistet. Wir haben drei Tage lang hart gearbeitet. Es schon anstrengend, wenn man sich vierzigmal am Tag zum gleichen Song so verhalten muß, als ob man live spielen würde. Wir haben mit den gleichen Leuten wie beim ersten Video zusammengearbeitet, deren Fähigkeiten sich allerdings nicht besonders weiterentwickelt zu haben scheinen. Wir haben nämlich bis heute, etwa ein Jahr nach den Aufnahmen, gerade mal eine Minute des Videos gesehen, das schon gemixt ist. Das Problem ist eben, daß wir mit Leuten zusammengearbeitet haben, die im Grunde keine Ahnung hatten, was Sache ist. Andererseits hat's aber auch Spaß gemacht, und wir haben eine Menge gelernt.

Julie: Ich glaube, daß Videos im allgemeinen sehr wichtig sind. Sie haben etwas mit Promotion zu tun, und damit, beachtet zu werden. Bei uns hat das leider nicht so ganz geklappt. Ich denke, die Musik sollte das wichtigste sein und nicht die Art und Weise wie sich jemand verkauft. Aber das Video ist in den heutigen Medien ein wichtiger Bestandteil geworden, und warum soll man es dann nicht nutzen, um voran zu kommen. Die Videos, die man in MTV sieht, sind im Grunde alle sehr ähnlich. Andererseits ist es aber schwer, etwas anderes zu machen, ohne zu weit abzudriften. Das war das Problem bei unserem ersten Video, das in den Augen des Mädchens, das damals das Konzept entwickelt hat, vielleicht ein echtes Kunstwerk war, aber als Thrashvideo war es einfach ungeeignet. Gewisse Kompromisse muß man machen, aber solange man einem Video seinen persönlichen Touch verleiht, ist das okay.

RIGID DOMAIN-Einzelshot: Julie Molin

In gewisser Weise ist Euer Bandname RIGID DOMAIN etwas seltsam, da die beiden Wörter nicht notwendigerweise zusammengehören, da sie beispielsweise kein feststehender Aus­druck/Rede­wendung sind. Wie seid Ihr zu dieser Kombination gekommen?

Niels: Unser alter Sänger Torben hat den Namen konstruiert und ihn vorgeschlagen, und wir fanden, daß er ganz gut klingt. Also nahmen wir den Namen ohne großartig weiter darüber nachzudenken, und mit der Zeit wurden wir damit bekannter, und daher haben wir ihn einfach beibehalten.

Eure Musik klingt in meinen Ohren eigentlich relativ amerikanisch.

Niels: Als wir vor drei Jahren die Band gründeten, hörten wir primär Bands wie METALLICA und EXODUS, so daß sie unseren Sound deutlich beeinflußten. Daher war es für uns ganz logisch, einen amerikanisch-klingenden Stil zu spielen, zumal man in Amerika die besten Bands findet.

RIGID DOMAIN-Liveshot: Niels Tholstrup & Peter Hansen

Auf einem Photo von Euch sieht man die Musiker im Hintergrund, während das Gesicht von Julie deutlich im Vordergrund steht. Man kann dieses Photo natürlich so interpretieren, daß man sagt, daß RIGID DOMAIN "auf Kosten" ihrer Frontlady erfolgreich werden wollen.

Julie: Dazu nehme ich wohl am besten selbst Stellung. Die Idee, auf dem Photo, mein Gesicht ganz nach vorne zu stellen, stammt ebenfalls von diesem Mädchen aus dem Videoteam. Das kam aber noch durch eine andere Besonderheit der Band zustande. Wir haben vermutlich den größeren Gitarristen der Welt. Er ist 2,08 Meter groß und wenn ich dann mit meinen 1,70 Meter danebenstehe... Folglich haben wir damit immer Probleme, und wir probieren seit jeher neue Möglichkeiten aus, um Bandphotos zu machen. Das Einzelfoto von mir haben wir ins Info gebracht, weil ich eben die Frontlady bin.

Inzwischen ist es eigentlich nichts mehr besonderes, wenn eine Heavy Metal-Band eine Sängerin hat. Im Thrashbereich ist dies allerdings weitaus seltener. Julie, hast Du irgendwelche speziellen Erfahrungen in diesem Zusammenhang gemacht?

Julie: Mich überrascht es eigentlich immer, solche Fragen zu hören, denn wir als Band machen uns darüber eigentlich gar keine Gedanken. Vielleicht denkt unser Publikum etwas mehr darüber nach. Auf jeden Fall ist es schon öfter passiert, daß man mir vor dem neugierig bis respektlos gegenüber gestanden hat, was sich im Laufe des Konzertes aber immer in Respekt gewandelt hat, was natürlich für mich eine wundervolle Erfahrung ist. Was ich besonders toll finde, daß oft nach den Gigs Mädchen zu mir kommen, die beeindruckt waren und die mir erzählen, daß sie sich auch gerne als Sängerin probieren würden, wozu ich sie dann immer ermutige. Natürlich ist es nicht besonders leicht als Mädchen in einer Thrashband, da man keine Sonderbehandlung erhält.

RIGID DOMAIN-Liveshot: Peter Lundgreen

Im Info geht Ihr ziemlich präzise auf Eure Texte ein. Folglich scheinen sie Euch sehr wichtig zu sein. Glaubt Ihr, daß Ihr mit Euren Texten etwas bewirken könnt?

Julie: Ich schreibe die Texte, und sie sind mir sehr wichtig. Meine Texte handeln von den Dingen, die ich auf der Straße erfahren habe. Das bedeutet allerdings nicht, daß ich mal ein Junkie, eine Prostituierte oder ein Verbrecher war, sondern meine Erfahrungen sind mehr "second hand". Also Dinge, die mir Leute erzählt haben, über die ich gelesen habe oder Filme gesehen habe. Dadurch war ich nah an den härtesten Seiten des Lebens, und davon handeln meine Texte. Ich weiß nicht, ob ich etwas verändern kann, wenn ich beispielsweise einen Anti-Drogen-Song schreibe. Auf jeden Fall hoffe ich, daß dies der Fall ist! Es hilft auf jeden Fall mir, meinem Haß gegen Drogen Ausdruck zu verleihen, denn ich habe so viele sympathische Leute kennengelernt, die sich selbst zerstört haben, weil sie zu viel Shit genommen haben, und so weiter. Live kommen die Texte natürlich kaum rüber, da alles so schnell gespielt und man daher die Texte praktisch nicht verstehen kann. Ich hoffe aber, daß die Leute meine Texte verstehen, wenn sie zu Hause sitzen und sich das Demo anhören.

RIGID DOMAIN-Liveshot

Zum Abschluß wollen wir zu einem aktuellen Thema kommen - Eurer Platte. Ihr hattet mir vor einigen Monaten geschrieben, daß Ihr Euer Debut aufnehmen werdet und diesem Päckchen liegt nun ein Advance Tape bei. Erzählt uns doch mal ein bisken wat über dat Teil.

Niels: Wir waren zu der Überzeugung gekommen, daß wir am besten selbst die Platte aufnehmen würden , um dann zu versuchen, das Masterband an eine Plattenfirma weiterzuverkaufen. Also gingen wir vor etwa einem halben Jahr in ein Studio und nahmen zehn Songs auf. Als wir die Masterbänder hatten, klopften wir bei verschiedenen Plattenfirmen an. Es waren verschiedene kleine Firmen interessiert, die Platte herauszubringen, aber nur auf der Basis, daß wir kein Geld dabei verdienen würden. Etwa gleichzeitig erhielten wir ein Angebot vom größten dänischen Management, die schon verschiedene andere Bands weiterverdealt haben. Sie nahmen uns unter Vertrag und probieren nun, uns an ein Majorlabel zu verkaufen. Das wäre für uns natürlich optimal, denn dann könnten wir nochmals ins Studio gehen, um mit einem professionellen Produzenten einige Songs von diesem Tape, sowie einige ganz neue Stücke aufzunehmen, so daß wir ein noch besseres Album auf den Markt bringen könnten.

RIGID DOMAIN-Bandphoto 2

Zu wünschen wäre es der Band auf jeden Fall, daß diese Aktion klappt, denn mit ihren drei Demos haben sie schon ihre Kompetenzen deutlich unter Beweis gestellt. Das besagte 10-Song-Studio-Tape stellt im Vergleich dazu eine weitere eindeutige Steigerung dar, so daß ich der Band durchaus einige Überraschungen zutraue. Wer sich mit RIGID DOMAIN in Verbindung setzen will, um die aktuelle Sachlage zu erkunden, wende sich bitte an folgende Adresse:

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Stefan Glas

Photo: Gurli Nielsen, Tegn Foto. [Photo 4], Søren Schjott [Livephotos]

RIGID DOMAIN im Überblick:
RIGID DOMAIN – Death's Just Another Whore... Bitchin' With My Life! (Demo-Review von 1990)
RIGID DOMAIN – UNDERGROUND EMPIRE 2-Special
RIGID DOMAIN – UNDERGROUND EMPIRE 5-Interview
RIGID DOMAIN – UNDERGROUND EMPIRE 6-"Known'n'new"-Artikel
RIGID DOMAIN – News vom 19.03.1992
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