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AORTA (D)

Stille Omen

(10-Song-CD-R: € 10,- plus Porto & Verpackung)

Wie der Titel »Stille Omen« bereits vermuten lĂ€ĂŸt, setzen die Schweriner AORTA vorwiegend auf ihre Muttersprache, um ihre Texte an den Zuhörer zu ĂŒbermitteln. Dadurch fĂ€llt es ein wenig schwer, vorurteilsfrei an die Chose heranzugehen - man lernt schließlich aus Erfahrung. Auch wenn die Band bereits zwei Demos und ein Debut mit dem Titel »Schwarze Narben« in Umlauf bringen konnte, war mir das Quartett bisher unbekannt, und von daher lauschte ich in gespannter Erwartungshaltung den KlĂ€ngen, die auf mich zukommen wĂŒrden. Ein kurzer Blick ins Booklet machte zumindest einmal klar, daß es sich, was die Texte betrifft, bei AORTA um alles andere als eine "Spaßkapelle" handelt. Das GebrĂ€u, mit dem die Jungs auffahren. ist ein mĂ€chtiges, wird von Druck und Wucht dominiert und hat seine Basis zu nahezu gleichen Teilen im Death Metal wie auch im Hardcore. Vor allem der Core-Anteil kommt im, von der Truppe offenbar bevorzugten, untertourigen Bereich verdammt gut zur Geltung. Mitunter geht es auch in Richtung Doomcore, doch zahlreiche Tempowechsel lassen auf »Stille Omen« zu keiner Sekunde Vorhersehbarkeit aufkommen. Es ist zwar mitunter alles andere als einfach, dem Vortrag zu lauschen, da AORTA ebenso fĂŒr sehr abgefahrene Passagen sorgen, doch der immens hohe Ideenreichtum dieser Formation lĂ€ĂŸt das Unterfangen, sich mit diesem Album auseinanderzusetzen, zu spannender Unterhaltung werden.

Die IntensitĂ€t der Kompositionen kommt vor allem im unteren Tempo-Bereich zu Wirkung, allerdings wird durch vertrackte Rhythmen auch dort fĂŒr reichlich Abwechslung gesorgt. So kommt â€șEndorphinâ€č - einer meiner persönlichen Favoriten dieses Albums - beispielsweise zunĂ€chst verdammt heftig aus den Boxen, wird jedoch durch eine etwas verquere Rhythmik im Endeffekt zu einem sehr abgefahrenen Brecher, der bei Gigs mit Sicherheit allerorts fĂŒr brennende HĂŒtten sorgen wird.

Das Thema Rhythmus scheint den Jungs generell ein sehr wichtiges beim Komponieren gewesen zu sein, denn auf »Stille Omen« lassen sich fĂŒr mein DafĂŒrhalten mehr davon dominierte Tracks erkennen, als daß sich AORTA dem, vom Riffing in traditioneller AusfĂŒhrung geprĂ€gten Songwriting hingegeben hĂ€tten. Auch vor frickeligen Deathcore-Passagen schrecken diese Burschen nicht zurĂŒck, wodurch man bei intensiver Hingabe zu â€șInfarktâ€č durchaus Gefahr lĂ€uft, einen solchen zu erleiden. Sehr kĂŒhn und gewöhnungsbedĂŒrftig strukturiert, aber im Endeffekt ungemein wirkungsvoll. AORTA ackern durch nahezu sĂ€mtliche Subgenres des heftigen Metal, so gibt es zum Beispiel in â€șBlutknechtâ€č nach einem gen Black Metal tendierenden Blast-Beginn einen sehr schleppenden Part zu erleben, der den Druck anschwellen lĂ€ĂŸt, doch noch bevor man es schaffen kann, sich an diesen zu gewöhnen, steigert die Band erneut mĂ€chtig das Tempo, um alles in Grund und Boden zu knĂŒppeln, was ihr auch gelingt. Auch was den Sound betrifft, ist auf »Stille Omen« alles im "grĂŒnen" Bereich - sicher kein leichtes Unterfangen diesbezĂŒglich die exakte Dosierung zu finden, zumal auf diesem Album von akustischen Sequenzen, bis hin zum fiesen, ultrahurtigen Black Metal so ziemlich alles verwurstet worden ist, was der Brachial-Metaller zu schĂ€tzen weiß. Die eingangs erwĂ€hnten Texte in deutscher Sprache gehen zwar mitunter durch den ĂŒberaus aggressiven Vortrag von Frontmann Manni ein wenig unter, verpassen dieser sehr originellen Mixtur im Endeffekt aber noch ein weiteres Quentchen EigenstĂ€ndigkeit und spielen AORTA definitiv von sĂ€mtlichen, von Vorurteilen geprĂ€gten Vergleichen frei.

http://www.aorta-online.de/

derverzerrer@arcor.de

spaßfrei


Walter Scheurer

 
AORTA (D) im Überblick:
AORTA (D) – Stille Omen (Do It Yourself)
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