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Peter Rüchel (Hg.)
Rockpalast
( EDEL ROCKBUCH, ISBN: 978-3-941376-06-9 )

Eins vorweg - daß der "Rockpalast" 1986 abgesetzt wurde, war eine der größten Sauereien, die sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen jemals geleistet hat! Denn beim "Rockpalast" wurde mit unserer - oder damals noch Papis - GEZ-Kohle endlich mal was anständiges gemacht! Immerhin war der "Rockpalast" eine der wenigen Möglichkeiten im damaligen 3-Sender-Deutschland, in der Glotze Musik jenseits von Dieter Thomas Hecks "Shitparade" zu erleben - also so ungefähr wie heute, da die einstigen Musikkanäle zu kruden Soap-Comedy-und-sonstiger-Dünnschiß-Sendern mutiert sind.

Auch wenn es seinerzeit nicht ganz einfach war, die Eltern zu überzeugen, daß der Sprößling teilweise bis in die frühen Morgenstunden vor der Glotze sitzen mußte, war der "Rockpalast" für Teeny-Stefan eine Pflichtveranstaltung, die mit einem Kassettenrekorder vor den Fernsehlautsprecher stehend zur späteren Dauerrotation auch gleich mitgeschnitten wurde. Meine bis heute anhaltende Liebe zu Acts wie U2, Little Steven, BIG COUNTRY, Elvis Costello, CHEAP TRICK oder Bryan Adams wurde in diesen Nächten begründet. Mein Gott, wurde jemals ein Gitarrist entfesselter und inspirierter eingefangen als Rory Gallagher vom "Rockpalast" bei seinem ›Moonchild‹ auf der Loreley? So oder so ähnlich wird es wohl nicht nur mir gegangen sein, denn hier konnte man als musikbegeisterter Jugendlicher erleben, wie Musik wirklich funktioniert: nämlich live! Mit Musikern, die mit ihren Instrumenten und Stimmen brillieren, mit ihren selbstkomponierten Songs, die sie voller Spielfreude vortragen, Emotionen wecken und uns ein Erlebnis schenken, für das sie monate-, ja jahrelang im Proberaum mit Herzblut gefeilt und dabei literweise Tränen und Schweiß vergossen haben! Das ist die Keimzelle, aus der das wahre Leben, die wahre Musik erwächst! That Rock'n'Roll, verdammt! Und nicht diese heutigen Plastik-Castingshows, wo irgendwelche mehr oder weniger mit Talent gesegneten Zeitgenossen versuchen, irgendwelche Hits nachzukrähen, um dann selbst im Falle eines Sieges nach wenigen Monaten wieder abgemeldet zu sein.

Zwar wurde der "Rockpalast" 1990 mit veränderten Konzept wiederbelebt, doch er konnte nie wieder nur ansatzweise den Flair der ursprünglichen Formats erreichen - und das obwohl dann vielleicht die Ansagen nicht mehr in bestem Denglisch gemacht wurden...

In diesem Buch, das schwerpunktmäßig mit zumeist überragendem Photomaterial vollgestopft ist, erinnert sich "Rockpalast"-Vater Peter Rüchel dieser, leider mit einer Unterbrechung gesegneten Ära von 1976 bis 2003. Für weitere Anekdoten und Blicke hinter die Kulissen sorgen sowohl Künstler als auch diverse "Rockpalast"-Mitarbeiter und machen diesen 200-seitigen Band zu einem Meisterwerk, das einer Sendung huldigt, wie sie - zumindest in ihrem ersten Abschnitt - wohl für immer einzigartig bleiben wird.


Stefan Glas

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