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Birgit und Michael Rauhut
Amiga
( SCHWARZKOPF & SCHWARZKOPF, ISBN: 3-89602-189-3 )

Sie ist als Nahkampfwaffe hervorragend geeignet, die AMIGA-"Diskographie aller Rock- und Pop-Produktionen 1964-1990". Kiloschwer listet das Buch alle schwarzen Scheiben, die der VEB Deutsche Schallplatten zu DDR-Zeiten auf seinem Label AMIGA, zustĂ€ndig fĂŒr die leichte Muse, veröffentlicht hat.

Nach einem sehr informativen Vorwort, das die HintergrĂŒnde des PhĂ€nomens "AMIGA" beleuchtet, kann man feststellen, daß in der DDR neben Bands wie den PUHDYS, KARAT oder SILLY auch hartmetallisches Material prĂ€sent war - wenngleich nur als Spurenelemente.

BABYLON und FORMEL I (letztere vor einigen Jahren mit Erfolg via HIGH VAULTAGE als Silberling wiederveröffentlicht) sind die einzigen Bands, die das Etikett "Metal" verdienen und es zu einer Schallplatte gebracht hatten. Auch in Sachen kleine Rundlichkeit war man eher bescheiden, denn beide oben genannten Formationen waren ebenfalls die einzigen, die eine Single vorweisen konnten. Geradezu revolutionÀr hingegen die Veröffentlichung von BIEST, (die wir in UNDERGROUND EMPIRE 3 umfassend beleuchtet hatten): Ihre »Crash Trash«-EP blieb die einzige Metal-"Quartett-Single" und BIEST die einzige, ein wenig moderner ausgerichtete Combo, die sich mit einigen Songs in Thrashrichtung orientierten.

Ihnen stehen mit den LizenzĂŒbernahmen von AC/DC, DEEP PURPLE, SCORPIONS, URIAH HEEP, VAN HALEN und WHITESNAKE gerade mal ein halbes, hardrockendes Langrillendutzend gegenĂŒber, so daß DEEP PURPLE noch eine 4-Track-Single beisteuern durften. Der nĂ€chste HĂ€rtegrad umfaßte schon Bands wie SAGA, STYX oder ZZ TOP.

Sehr interessant sind hingegen zwei Sampler ausgefallen: Veröffentlichung 22 in der »Kleeblatt«-Reihe aus dem Jahr 1988 war der einzige Metalsampler und erhielt folgerichtig den Beinamen »Hard & Heavy«. Mit PLATTFORM (dem Namen zum Trotz astreiner Riffmetal mit schniekem FrĂ€uleingesang), MCB und COBRA waren dort drei junge DDR-Metallcombos vertreten, die jedoch nach der Wende nicht weiter von sich reden machen konnten. Ein weiteres Beispiel ist die Formation CHARLIE, die nach der Wiedervereinigung aus kommerziellen GrĂŒnden ihren Hard Rock einem Beatprogramm opferten. So blieb ihr Beitrag â€șTurn Awayâ€č auf dem »Rock Bilanz '89«-Sampler die einzige Veröffentlichung von CHARLIE - schade, denn es handelte sich bei dem Song um einen melodischen Hard Rocker von internationalem Format. Doch die »Rock Bilanz '89«-Compilation widmete die gesamte dritte Seite dem Metal: Dort tauchten neben CHARLIE Bands wie DOCTOR ROCK, METALL, ROCHUS oder die schon erwĂ€hnten BIEST und MCB auf, denen auch nicht mehr (kommerzielles) GlĂŒck als ihren Kollegen beschert war. Einzig einige Musiker von MERLIN sollten besser in Tritt kommen: ZunĂ€chst waren sie auf dem »Speed Up«-Sampler vertreten, bevor man den allzu deutlichen HELLOWEEN-Parallelen Tribut zollen mußte und MERLIN ausgezaubert hatte. Doch SĂ€nger Mario Schneider und Gitarrist Frank Lebe machten unter dem Namen GRACIOUS VIOLENCE weiter (deren Demo wir in UNDERGROUND EMPIRE 6 vorgestellt hatten), bevor Mario sich schließlich MIND ODYSSEY anschloß und sich ab diesem Zeitpunkt "Mario le Mole" nannte.

Wer sich zu dem Thema weiter belesen möchte, kann mit den beim gleichen Verlag erschienenen BĂŒchern "Rocklexikon der DDR" oder "Du hast den Farbfilm vergessen" weitermachen. Oder aber er kann den »Geil auf Heavy Metal«-Sampler zu Rate ziehen. Bekanntlich wurde der AMIGA-Backkatalog von der BMG aufgekauft, denen wir diesen Sampler verdanken, der zugleich verdeutlicht, daß vieles, was zu DDR-Zeiten aufgenommen wurde, nicht veröffentlicht, sondern nur im Radio gespielt wurde.

Das »Amiga«-Lexikon ist das Standardwerk fĂŒr alle, die sich dafĂŒr interessieren, was man unter Hammer und Sichel in Sachen Rock und Pop hatte durchgehen lassen.


Stefan Glas

Ein geniales, superwitziges Buch, das jeder Metaller kennen muß!
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