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  UE-Home → History → Online Empire 19 → Editorial last update: 12.10.2019, 22:48:46  

Metaller sind bescheuert!

Da sitzen sie: die Strategen aller Abteilungen der Entertainmentbranche. Und zerbrechen sich die K├Âpfe dar├╝ber, wie sie den n├Ąchsten Star konstruieren k├Ânnten.

In der Chefetage eines Plattenkonzerns: Hier einen Extratupfen Schminke, dort weniger Textilien, hier ein bi├čchen mehr Zuckergu├č ├╝ber die gehaltlose Single, dort noch eine ordentliche Ladung Effekte auf die nicht vorhandene Stimme. Ja - sieht doch schon gut aus. Wen interessiert's, wie es klingt? Das wird schon klappen!
Derweil im Nachbargeb├Ąude, das eine TV-Station beheimatet: Der taktische Planungsausschu├č f├╝r "Doofland sucht das Suppenhuhn" ackert Bewerbungen f├╝r die n├Ąchste Runde durch. "Routiniertes Blendamed-L├Ącheln. Nehmen!" - "Huch, der hat ja richtig Bi├č in der Stimme. Sofort aussondern!" - "Guter Kleiderst├Ąnder. Gebongt!"
Eine T├╝r weiter: F├╝r die Staffel "├ťberfl├╝ssiger geht's nimmer" des TV-Zoos "Big Brother" sinniert man ├╝ber die richtige Kandidatenzusammenstellung. Und obgleich man bei den Plattenfirmen die m├Âglichen Kandidaten schon wie sauer Bier angeboten hat und nur Abfuhren erhalten hat, bezieht man m├Âgliche Singsang-Qualit├Ąten mit in Betracht: "Monstertitten oder Knackarsch? Was ergibt den gr├Â├čeren Resonanzk├Ârper?" - "Eine Prostata zum Knuddeln! Der singt garantiert wie 'ne Eins. Mindestens 30 Zentimeter lang!" - "Verlogene Schlampe oder geldgeile Tussi? Wer kriegt den besten Zeter-Rap zustande?"

Und besonders unheilvoll wird es, wenn beide Abteilungen eine Elefantenhochzeit eingehen, um noch mehr Profite zu "ergieren". Wenn alles kreative Potential der Realit├Ątsverzerrer und Retortenmeister zusammengeworfen wird. TV poppt CD - kopiergesch├╝tzt, versteht sich. Safer Sex der neuen Generation. Und dennoch - trotz dieser scheinbar unbezwingbaren Titanenpartnerschaft will das ungute Gef├╝hl einfach nicht verschwinden, da├č irgendetwas nicht stimmt.

Denn: W├Ąhrend man langsam aber sicher Deutschland unterjocht und die Verbl├Âdung in nie gekannte Dimensionen vorantreibt, scheint der Gro├čteil der Metaller davon v├Âllig unbeeindruckt. Alle Anstrengungen verpuffen, die geschickt plazierten Sternchen prallen an ihnen ab.
Und zu allem ├ťberflu├č touren derweil Bands durch deutsche Lande, die alle Instrumente selbst bedienen und bei einer Voll-Playback-Show garantiert gnadenlos versagen w├╝rden. Dar├╝ber hinaus haben sie keinen pers├Ânlichen Styleberater und k├Ânnen einen Lippenstift nicht von einem Korkenzieher unterscheiden (au├čer sie w├╝rden der Sekte der "Reborn Posers" angeh├Âren...) Verschwitzt, rebellisch, laut. F├╝rchterlich!

All' die Anstrengungen solcher, eingangs einw├Ąhnter, schlipstragender Kapazit├Ąten verpuffen. Die herrlich durchgeplanten Eintagsfliegen surren dahin, bleiben von den Metallern unerh├Ârt, und sterben schon bald den unumg├Ąnglichen, einsamen Karrieretod. Alles f├╝r die Katz.

Also ehrlich: Metaller sind bescheuert...

...und das ist gut so!

Stefan Glas

P.S.: Das "umseitige" Gem├Ąlde, also genauer gesagt das Cover der aktuellen Ausgabe, stammt von dem K├╝nstler Timo W├╝rz. Wenn Ihr Euch davon ├╝berzeugen wollt, wie vielseitig Timo ist, findet Ihr auf seiner Website viele Kostproben seines Schaffens.

 
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