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Die sĂŒĂŸeste Versuchung...

2003 war ein Jahr, in dem sich niederschmetternde Nachrichten förmlich hĂ€uften. Doch wir wollen an dieser Stelle nicht politisch werden, sondern einfach nur der Hoffnung Ausdruck verleihen, daß im Jahr 2004 solche Dinge wie RĂŒcksicht, Intelligenz oder gar Frieden einen höheren Stellwert bekommen werden, und stattdessen den Blick auf die Metalszene wenden, indem wir ein Ereignis herausgreifen, das nachdenklich stimmen sollte.

Unser Hauptdarsteller hört auf den Namen WITHIN TEMPTATION, ist eine erstklassige Band aus Holland und war metallischerdings wohl der Shoting Star 2003. Doch warum sollte das ein Grund sein, die Stirn in Falten zu legen?

WITHIN TEMPTATION gelang dieser Erfolg mit einem Album, das bereits Mitte 2001 veröffentlicht worden war. Damals erschien »Mother Earth« allerdings "nur" bei dem kleinen hollĂ€ndischen Label DSFA; diese hatten das Talent der Band frĂŒh erkannt und bereits 1997 das Debut »Enter« veröffentlicht. Was ihnen allerdings fehlte, waren die finanziellen Mittel, um die Band ganz nach oben zu bringen. Das tat in Holland dann der Major BMG, die WITHIN TEMPTATION nach der Veröffentlichung von »Mother Earth« zu sich lotsten und dafĂŒr sorgten, daß die Goldenen Schallplatten auf die Kapelle förmlich niederregneten. Da brauchte sich die deutsche Firma G.U.N, die zum BMG-Konzern gehört, nur noch auf das einladend ausgeklappte Trittbrett zu stellen, Kontakte und Geld spielen zu lassen, um aus der anderenorts geleisteten Vorarbeit Kapital zu schlagen. Seither waren WITHIN TEMPTATION-Clips aus den Programmen der Musiksender nicht mehr wegzudenken, und der entsprechende Charterfolg sollte nicht lange auf sich warten lassen.

WITHIN TEMPTATION sei dieser Erfolg selbstverstĂ€ndlich von Herzen gegönnt, denn immerhin "trifft" es im Zeitalter der Casting-Seifenblasen endlich mal eine Band, die wirklich mit musikalischer Substanz gesegnet ist. Traurig ist allerdings, daß die Band erst durch das Kommerz-Nadelöhr MTVIVA gequetscht werden mußte, um so weit zu kommen. Bei mir stieß die Wiederveröffentlichung von »Mother Earth« auf eine Menge UnverstĂ€ndnis, wie man dem zugehörigen Review entnehmen konnte. Daß diese veröffentlichungspolitische "Finte" jedoch funktioniert hat, offenbart die hĂ€ĂŸlichen Mechanismen, nach denen die aktuelle Musikszene funtioniert - oder sind es vielleicht sogar ganze Teile unserer Gesellschaft, die willenlos nach dieser Pfeife tanzen?

Die Ironie dabei ist, daß die TrendjĂŒnger letztendlich weniger wertige Produkte bekommen haben als jene Musikfans, die der Band schon lĂ€nger treu sind: Die DSFA-Version von »Mother Earth« enthielt eine Bonus-CD mit einem unveröffentlichten Song und einem aufwendigen Multimediapart. Das gleiche Spiel ereignete sich wenig spĂ€ter bei der »Mother Earth Tour«-DVD: Enthielt die hollĂ€ndische Version eine Extra-CD mußte man sich in Deutschland mit einem abgespeckten Package ohne Bonus zufriedengeben. Vielleicht gibt es durch die HintertĂŒr ja doch ein wenig Gerechtigkeit auf dieser Welt...

...seit es Kohle gibt!

Stefan Glas

P.S.: FĂŒr das Cover der aktuellen Ausgabe bedanken wir uns bei Evi Ivan. Sie ist seit vielen Jahren eingefleischter DEEP PURPLE-Fan und portrĂ€tiert voller Hingabe die DP-Musiker. Wir haben uns hingegen ein weniger "spezifisches" GemĂ€lde ausgesucht. Wer mit Evi Kontakt aufnehmen möchte, schreibe ihr einfach eine E-Mail.

 
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