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”UNDERGROUND EMPIRE 1”-Datasheet

Contents:  "Rechts ist richtig?"-''Speaker's Corner''-Artikel

Date:  1988/'89 (created), 17.03.2000 (revisited), 07.10.2017 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 1

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue sold out! Several later issues still available; find details here!

Comment:

Da sich UNDERGROUND EMPIRE von Anfang an nicht ausschließlich der Musik widmen wollte, war dies seinerzeit ein essentielles Thema: Die Wahlergebnisse der REPs schienen einen neuen Aufschwung in der braunen KlĂ€ranlage eingelĂ€utet zu haben.

Doch den BrĂŒckenschlag zur Musik wollten wir im SPEAKER'S CORNER nicht vergessen: M.O.D. und CARNIVORE propagierten damals eindeutig rechtsdrehendes Gedankengut in ihren Texten und wurden somit unter die Lupe genommen.

Supervisor:  Stefan Glas

 
 

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''Speaker's Corner''-Headline

Patriotismus und Nationalismus - das sind zwei Schlagworte die die Völker der Erde schon seit Menschengedenken beschĂ€ftigen. Gerade in jĂŒngster Zeit wird dieses Thema wieder durch das Wahlergebnis in Berlin und bei der Europawahl hochaktuell. Die Republikaner, die beide Male ĂŒber 7 Prozent der WĂ€hlerstimmen erringen konnten, haben in ihrem Programm auch Gedanken in diese Richtung. Ich will mir jetzt nicht anmaßen darĂŒber zu urteilen, wie extrem die Republikaner dies zu betreiben gedenken, aber Hohlfloskeln wie "ein demokratisch gelĂ€uterter Patriotismus", etc. können stutzig machen. Wobei wir aber wieder beim Thema wĂ€ren.

Um nicht einfach ins Blaue hinein zu philosophieren, wollen wir uns an Fakten halten und nehmen daher ein Lexikon (genauer gesagt das "Moderne Lexikon" von Bertelmann, um hier keine Urheberrechtsverletzungen zu begehen - Red.) und ein Geschichtsbuch zur Hand. "Patriotismus", liest man da, "vaterlĂ€ndische Gesinnung, die auf einem starken ZusammengehörigkeitsgefĂŒhl zur Heimat ruht..." Na, dagegen ist ja eigentlich nichts einzuwenden - wenn man es nicht ĂŒbertreibt. Denn dann wĂ€ren wir beim Nationalismus angelangt, zu dem geschrieben steht: "ĂŒbersteigerte, aggressive Form des Nationalbewußtseins... gekennzeichnet durch die irrige Meinung, daß die HochschĂ€tzung und Pflege des Eigenen zwangslĂ€ufig mit der GeringschĂ€tzung und BekĂ€mpfung des Fremden gleichbedeutend sein mĂŒĂŸte...." Ja, und das war dann eben die Geisteshaltung die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die ideologische Grundlage des Imperialismus bildete. Unter dem DeckmĂ€ntelchen, das auserwĂ€hlte Volk zu sein oder dadurch, daß man vorgab, berufen zu sein, die Kultur in die ach so unzivilisierte Welt zu tragen, teilten sich damals Europa etwa 80 Prozent der Welt auf. Um diese Kolonien, die in Wirklichkeit nur als billige Rohstoffquellen, etc. dienten, wurden mehr als ein blutiger Kampf sowohl mit den Eingeborenen als auch bei den EuropĂ€ern untereinander gefĂŒhrt. Dieser Wahnsinn gipfelte dann im Ersten Weltkrieg, denn die Spannung, die durch all die Auseinandersetzungen entstanden, mĂŒssen als einer der HauptgrĂŒnde fĂŒr das blutige Massaker von 1914 bis 1918 angesehen werden. Nachdem dieses Grauen beendet war, wurden die europĂ€ischen Königreiche per Diktat zu Demokratien umgewandelt. Das Wort eines Zeitgenossen (sein Name fĂ€llt mir leider nicht mehr ein - Red.) "Deutschland ist eine Demokratie ohne Demokraten" verdeutlicht, daß in der Weimarer Republik von Anfang an der Same des Untergang schon enthalten war. (Dies war mit Sicherheit nicht der einzige Grund fĂŒr den Untergang der Weimarer Republik. Aber dazu kommen wir noch spĂ€ter. - Red)
In der faschistischen Diktatur Mussolinis in Italien fanden dann zum ersten Mal in unserem Jahrhundert nationalistische Gedanken in einer Regierungsform Anwendung. Zu dem Stichwort "Faschismus" sagt uns das Lexikon folgendes: "politisches System, das gekennzeichnet ist durch antiparlamentarische, meist antisemitische totalitĂ€re FĂŒhrerstaatstendenzen..."
Doch diese kranken Gedanken fanden ihre traurige Perfektion in der Ideologie, die das Gehirn eines Österreichers zusammengeklaut hatte, der von 1933 bis 1945 Deutschland und mit ihm die ganze Welt ins Verderben stĂŒrzen sollte. Daß ich momentan von Adolf Hitler spreche dĂŒrfe wohl fĂŒr niemand ein Geheimnis sein, aber warum benutze ich das Wort "zusammenklauen"? Ja, Hitler Ideologie fehlte tatsĂ€chlich jeder originĂ€re Gedanke. Entweder hatte er aus vielen Schriften Teile herausgeholt und verĂ€nderte sie, so daß sie ihm "in den Kram paßten" oder aber er war einfach zu dumm, diese Schriften zu verstehen. So ĂŒbertrug er Darwins Theorien wie das "Überleben der StĂ€rksten" zum Beispiel einfach auf die Menschheit. Darwin jedoch macht in seinem Werk ganz deutlich, daß er diese Theorien ausschließlich auf die Natur, auf das Zusammenleben der Tiere bezieht. Daß Hitler keine große geistige "Leuchte" war, zeigt schon sein mit MĂŒhe bestandener Volksschulabschluß - dies jedoch nur am Rande. Doch nun zurĂŒck zu den Nationalsozialisten, und da nehmen wir zunĂ€chst wieder das Lexikon zur Hand und blĂ€ttern. "Nationalsozialismus" wird hier allgemein als die "Weltanschauung der entscheidend durch Adolf Hitler begrĂŒndeten und organisierten Bewegung..." definiert. Um das Wesen dieser Weltanschauung knapp zu umreißen, sollen Schlagwörter wie antiparlamentarisch, antiindividualistisch, antisemitisch oder antipazifistisch genĂŒgen. Nachdem es Hitler und seine SA geschafft hatten, in der Bevölkerung Angst und Schrecken hervorzurufen, war der Schritt ins Parlament nur noch eine Frage der Zeit. Von dort aus waren die Nazis dann in der Lage, die Demokratie von innen heraus zu sprengen. Als dann Hitler von ReichsprĂ€sident Hindenburg 1933 auf Anraten des Generals Schleicher in das Kremium berufen wurde, das Deutschland regieren sollte, stand Hitler TĂŒr und Tor offen, sich seiner "Kollegen" zu entledigen und eine Schreckensherrschaft zu fĂŒhren, die bis heute seines gleichen sucht. Hitler und die Nazis errangen also niemals in einer Wahl eine absolute Mehrheit, die es ihnen erlaubt hĂ€tte zu regieren, auch wenn man oft das genaue Gegenteil hört. Hitler wurde nur in dieses Kremium berufen, weil der Plan General Schleichers vorsah, Hitler so abzunutzen und mit Hilfe von Pflichten in seine Schranken zu weisen. Schleichers Ausspruch: "Wir haben uns Hitler engagiert", bestĂ€tigt das ganz deutlich. Daß es sich hierbei um eine totale FehleinschĂ€tzung der Lage und seine absolute UnterschĂ€tzung der Skrupellosigkeit Hitlers handelte, sollte Deutschland zum VerhĂ€ngnis werden. Das Chaos und das Leid, das unsere Vorfahren und die damalige Bevölkerung der ganzen Welt Hitler "verdanken", wird wohl allen von Euch bekannt sein. Wenn nicht, dann kramt Ihr am besten nochmal ein Geschichtebuch hervor und lest das nach. Es lohnt sich.
Soweit also unsere kleine Geschichtestunde. Ich hoffe, daß Ihr meine Worte eher informativ als langweilig fandet. Warum aber diese ganze Geschichte so ausfĂŒhrlich, werden sich viele fragen. Einmal deswegen, weil ich es fĂŒr sehr wichtig erachte, dieses Thema wenigstens in groben ZĂŒgen zu kennen. Zum anderen wird das nun folgende auf dieser Basis aufbauen. Wenn ich mir so manche Leserbriefe aus dem METAL HAMMER anschaue, geht mir der Hut hoch bei soviel Unwissentheit und Dummgelaber. Als nĂ€chstes werdet Ihr fragen, was der ganze Artikel eigentlich im UNDERGROUND EMPIRE verloren hat. Berechtigte Frage - die ich folgendermaßen beantworten will: Erstens haben wir gleich zu Anfang gesagt, daß wir ungewohnte Wege gehen wollen, und... voila... hier wĂ€re zum Beispiel eine Möglichkeit fĂŒr einen solchen. Wir werden wohl auch in Zukunft die Rubrik "Speaker's Corner" beibehalten und aktuelle, heiße oder schwierige Themen aufgreifen. Außerdem wird im nun folgenden Teil der Bezug zum Heavy Metal hergestellt werden. Aber lest selbst.
Daß solche nationalistischen Gedanken seit einiger Zeit wieder "in" sind, wird derjenige, der etwas die Augen offenhĂ€lt, selbst feststellen. Das Wahlergebnis der Republikaner ist leider nur der Gipfel des Eisberges, man braucht sich nur die teilweise rapide gestiegenen Prozentzahlen der NPD wĂ€hrend der letzten ein bis zwei Jahren bei Landtagswahlen landauf landab anzusehen. Um so besorgter stimmt es mich zu sehen, daß dieses Gedankengut seit einiger Zeit auch in der Heavy Metal-Szene Einlaß findet. Einige werden schon ahnen, wovon ich spreche - ...richtig... - es geht um M.O.D. und CARNIVORE. Zwei heiße Kartoffeln also, die ich aber trotzdem anfassen möchte. "Nicht schon wieder!" werden jetzt einige stöhnen. Stimmt, die Themen wurden schon ausgiebig in mehreren Magazinen durchgekaut, aber leider muß ich sagen, daß diese Diskussionen sich hauptsĂ€chlich durch ihren emotionalen und absolut unsachlichen Charakter auszeichneten. Jetzt, nachdem schon einige Zeit vergangen ist, mit etwas Abstand zu dem Thema lĂ€ĂŸt sich vielleicht eher eine sachlich-nĂŒchterne Betrachtung erreichen. Um Euch keine MĂ€rchen zu erzĂ€hlen, habe ich mir die Texte der beiden Platten »M.O.D. For U.S.A.« und »Retaliation« besorgt und will nun meine Analyse auf dieser Grundlage betreiben und mit M.O.D. anfangen.
Abgesehen davon, daß die Platte musikalisch nicht anderes als ein mieser Abklatsch von S.O.D. ist, kann man allgemein feststellen, daß die verwendete Sprache Ă€ußerst primitiv ist, was sich leicht anhand einiger TextauszĂŒge belegen lĂ€ĂŸt: "When you see it coming the shit runs down your leg..." (â€șHate Tankâ€č) oder anhand eines Zitats aus â€șSpandex Enormityâ€č: "...you fat fucking bitch...", etc. Ebenso sind die Texte malerisch mit kleinen Perversionen geschmĂŒckt: "...before I'd fuck I'd rather masturbate..." (â€șSpandex Enormityâ€č), "...that's what you get for having a penis up your ass...", "...how do you find love in another man's hairy ass..." (â€șAIDSâ€č) oder "I bust my balls, I break my back, to come home to a slut, you broke your vows, you dirty bitch, I'll kick you in the cunt..." (â€șRuptured Nuptualsâ€č). Harmloser dagegen ist die Tatsache, daß mehrere schlicht unsinnige Texte zu finden sind, wie â€șDon't Feed The Bearsâ€č oder â€șShort But Sweetâ€č. Dagegen aber stĂ¶ĂŸt man stĂ€ndig auf gewaltverherrlichende Passagen. "...he'll rip out your chest ... and use your blood to paint the walls...", (â€șMan Of Your Dreamsâ€č), "...he took his mother's life, he used the hammer first so she wouldn't feel the knife..." (â€șJim Gordenâ€č). Doch kommen wir zum eigentlichen Thema, den rechtsradikalen Äußerungen, und nehmen uns zunĂ€chst â€șImported Societyâ€č vor: Was behauptet Billy da von AuslĂ€ndern? "They came... to raise the rates of crime...", "...most of them got shit...", "...I don't want their shit ... I just want to live my life without you fucking assholes ... and I want to never see your ass again...". Sein MeisterstĂŒck liefert Billy jedoch mit â€șAren't You Hungryâ€č: "...America ... that's what should come first...", "...so fuck those nigger's charity and let them die of thirst..." und zum krönenden Abschluß "...I think of people starving, but do you think I care, let them all die hungry, so I can breath their air...". Da erĂŒbrigt sich wohl jeder Kommentar! Noch deutlicher kann man es eigentlich kaum ausdrĂŒcken! Wenn dies nicht offensichtlich rechtsextremes, faschistisches Gedankengut ist, dann sind die Mitglieder der Republikaner, NPD, DVU und FAP allesamt verkappte DKP-Genossen. Genug der Ironie - schauen wir uns doch jetzt zu CARNIVORE: Ich will eigentlich gar nicht großartig auf sie eingehen, da wir hier prinzipiell genau ein Spiegelbild von M.O.D. haben. Auch hier finden sich am laufenden Band Geschmacklosigkeiten und BrutalitĂ€ten in den Texten (â€șSuck My Dickâ€č, â€șSex And Violenceâ€č, etc.) Ihre radikal-nationalistischen und rechtsextremen Ideen bringen CARNIVORE unverblĂŒmt in â€șRace Warâ€č, â€șUSA for USAâ€č und â€șJesus Hitlerâ€č zum Ausdruck. Hier ist wirklich jede Interpretation ĂŒberflĂŒssig, denn durchschnittliche Englischkenntnisse und einfaches Lesen genĂŒgen, um die Sache hundertprozentig klar werden zu lassen.
Soweit also zu diesen beiden Bands und ihren Texten. Zum Abschluß will ich nochmals kurz erklĂ€ren, daß alle Zitate aus dem Lexikon vorschriftsmĂ€ĂŸig in AnfĂŒhrungszeichen stehen. Die geschilderten geschichtlichen Sachverhalte entstammen alle meinem persönlichen Geschichtswissen, und es ist somit möglich, daß ich den ein oder anderen Sachverhalt etwas anders interpretiert habe, als dies in einem Geschichtsbuch der Fall wĂ€re. Wer also ganz sicher gehen will, möge selbst ein Buch zur Hand nehmen und sich anschließend seine eigenen Gedanken zu diesem Thema machen. Zu diesem Thema ist mit Sicherheit genĂŒgend LektĂŒre vorhanden. Dennoch habe ich alles nach besten Wissen und Gewissen, wie man so schön sagt, geschrieben.

Ich will diesen Artikel mit einer großen Bitte an Euch beenden: Schreibt uns, was Ihr von der Idee "Speaker's Corner" allgemein und diesem Artikel insbesondere haltet. Danke.


Stefan Glas

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