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WATCHTOWER
MAGISTRAL
POWDERBURN
DEADPOOL
BEYOND BLACK

San Antonio (USA), Sam's Burger Joint

01.05.2004

Wer dachte, daß der triumphale WATCHTOWER-Auftritt beim "Bang Your Head!!!"-Festival 2000 die Arbeit am lang ersehnten dritten Album »Mathematics« beschleunigen würde, wurde bisher enttäuscht. Es folgten anschließend in den Staaten noch zwei Auftritte im Vorprogramm von DREAM THEATER, dann setzte jeder der vier Ausnahme-Musiker seine Schwerpunkte auf andere Bandprojekte, Beruf und/oder Familie. Um so überraschender war es, daß im Frühjahr 2004, nach langer Sendepause, gleich zwei Konzerte auf dem Programm standen.
Zunächst überzeugten WATCHTOWER als Headliner beim "Headway"-Festival im April in Amstelveen in den Niederlanden, wo übrigens auch SIEGES EVEN einen erstklassigen Auftritt hinlegten, und lud kurz darauf in der Heimat zum Tanz in den Mai.
Das Ganze fand im Rahmen eines kleinen Festivals in "Sam's Burger Joint" in der texanischen Metal-Hochburg San Antonio statt. Der Laden ist ein Schuppen, wie es ihn nur in den Staaten gibt. Die eine Gebäudehälfte ist - wie es der Name erahnen läßt - eine leckere Burgerstube und der andere Teil ein altes Lagerhaus mit ausreichender Bühne, einer großen Bar und mit Bestuhlung im hinteren Drittel. Dazwischen befindet sich ein kleiner Innenhof.
Veranstaltet wurde der Abend von Robb's Metal Works; Robb Chavez hat sich zur treibenden Kraft der texanischen Szene mit Live-Veranstaltungen und einer Heavy-Metal-Fernsehsendung, die weltweit ihresgleichen sucht, entwickelt. Besonderen Respekt verdient er sich dadurch, daß er mit der Arbeit 1997 unter schwersten Bedingungen begann und besonders Newcomer fördert. Mehr über seine Organisation erfährt man unter http://www.robbsmetalworks.com/.
Das Billing seines zweiten Festival lautete: BEYOND BLACK, DEADPOOL, POWDERBURN, MAGISTRAL und natürlich WATCHTOWER, während die Black Metal-Formation THORNSPAWN kurzfristig abgesagt hatte.
BEYOND BLACK fungierten als Opener und machten ihre Sache ordentlich. In der Schnittmenge zwischen melodischem Thrash- und Power Metal wurde wild gebangt. Ohne Frage, die Jungs machten ihre Sache ausgezeichnet, haben einen beeindruckenden Frontmann und konnten zahlreiche Fans hinzugewinnen. Ihr erstes Demo ist unter http://www.geocities.com/beyondblack/ erhältlich.
Danach folgten mit DEADPOOL und POWERBURN zwei Vertreter, die im weiteren Sinne zur Nu-Metal-Fraktion zählen und einfach belanglos waren.
Die anschließenden MAGISTRAL waren die großen Unbekannten. Bei dem Quartett handelt es sich um Chilenen, die der Musik wegen ihre Heimat verlassen haben und mittlerweile in Houston residieren. Schon als die Jungs die Bühne betraten, wußte man, daß sie überzeugen würden. Angefangen bei ihrem absolut metallischen Aussehen, über das sympathische Auftreten, klasse Songs bis hin zu ihrer Professionalität; man konnte auf der ganzen Linie überzeugen. Musikalisch sind die Jungs stark von IRON MAIDEN beeinflußt und nicht zuletzt, da die Texte teilweise noch in spanisch vorgetragen werden, kommen einem Assoziationen zu TIERRA SANTA in den Sinn, mit dem Unterschied, daß hier etwas eigenständiger und härter zur Sache gegangen wird. Sollte es für Mut zum Risiko, Engagement und Leidenschaft zur Musik den gerechten Erfolg in der Musikwelt geben - was leider nicht der Fall ist - die Chilenen hätten eine große Zukunft! So machten sie ihren ersten Auftritt in San Antonio nicht zuletzt, weil ihr Demo anschließend reißenden Absatz fand und die Jungs für Gesprächsstoff sorgten, zu einem mehr als gelungenen Event. Merkt euch die Band und bestellt mal rasch ihr Demo unter http://www.magistral.com/. Übel muß man dem Bassisten allerdings nehmen, daß er sich den anschließenden WATCHTOWER-Auftritt entgehen ließ und lieber auf billige Groupies reinfiel.

WATCHTOWER-Liveshot 1

Dann war es Zeit für Texas' Finest. Es lag eine seltsame Spannung und Atmosphäre in der Luft, als WATCHTOWER gegen Mitternacht die Bühne enterten. Jeder wußte, daß es ein besonderer Auftritt werden würde und so war die Halle mit Musikern von Texas-Legenden wie MILITIA, JUGGERNAUT oder DESTIVATION und zahlreichen anderen Veteranen aus ganz Texas gut gefüllt.
WATCHTOWER spielten nahezu die gleiche Setlist wie kurz zuvor in Amstelveen mit einer passenden Mischung aus den beiden ersten Alben »Energetic Dissasembly« (›Asylum‹, ›Social Fears‹, ›Tyrants In Distress‹, ›Meltdown‹ sowie den Titelsong) und »Control And Resistance« (›Mayday in Kiev‹, ›The Eldtrich‹, ›The Fall Of Reason" sowie den Titelsong), verzichtete aber auf das Michael-Jackson-Cover ›Billie Jean‹. Erstaunlich, wie das Quartett so perfekt eingespielt und harmonierend wirkte, obwohl regelmäßige Proben und Auftritte fehlten. Beeindruckend auch die scheinbar leichtfüßige Bühnenaktivität mit Non-Stop-Bewegung von Basser Doug Keyer (diesmal wieder mit abartigem Gesichtsausdruck und diversen Verkleidungen) und Gitarren-Maniac Ron Jarzombek. Selbstredend, daß auch Frontmann Jason McMaster in einer eigenen Liga spielt. Auch wenn der Blondschopf in noch sechs (!) anderen Bands mitwirkt, ist WATCHTOWER seine Bestimmung: Souverän, wie er das Publikum beherrschte, mit ihm kommunizierte und natürlich seinen Sängerpflichten überzeugend nachkam. Daß Drummer Rick Calauvula seinen Job im Hintergrund (ohne E-Drums) unauffällig und solide verrichtete, ging dabei fast unter.

WATCHTOWER-Liveshot 2

Für Progressive-Metal-Götter war es im wahrsten Sinne des Wortes ein Heimspiel. San Antonio war schon immer ein gutes Pflaster für die Band aus Austin und so ließ es sich Jason auch nicht nehmen, zwischen den Songs den alten Zeiten mit Konzerten mit anderen Bands, wie S.A. SLAYER, SYRUS oder MILITIA, in leider längst geschlossenen Clubs wie dem Ritz (Austin), dem Cameo Theater oder der Villa Fontana (beide San Antonio) zu huldigen und sie wieder aufleben zu lassen. So war während der ganzen Show eine wehmütige und sentimentale Stimmung verbreitet, wie sie vielleicht nur in San Antonio möglich ist und weil vielleicht auch die unterschwellige Angst herrschte, daß es eventuell der letzte Auftritt der Gruppe gewesen sein könnte.
Nichtsdestotrotz, die Hoffnung lebt, daß die Jungs endlich ihren Arsch hochkriegen und die Arbeit an »Mathematics« fortsetzen. Daß man noch in der Lage ist, hochklassige neue Songs zu schreiben und spielen, bewies man zuletzt auf dem neuen Album von Ron Jarzombeks Projekt SPASTIC INK, bei dem gleich drei Viertel der WATCHTOWER-Besetzung (neben ihm noch Doug und Jason) mitwirken.

WATCHTOWER-Liveshot 3

Nach dem regulären Set folgte (wie schon in Amstelveen) der eigentliche Höhepunkt der Show. Die Jungs wagten sich, was sich wohl keine andere Band der Welt trauen würde: Man coverte die erste Seite des RUSH-Meisterwerks »2112«, dessen abgedrehten Text sich Jason auf der Fahrt zum Auftritt noch rasch ins Gedächtnis pauken mußte, mit einer Perfektion, die den Urhebern der Hymne alle Ehre machte. Unrühmliches Ende der Nummer war allerdings, als man in SCORPIONS-Manier eine menschliche Pyramide bauen wollte, was aber dadurch mißglückte, daß Jason Ron versehentlich die Kniescheibe dabei herausmanövrierte und man den Auftritt spontan abbrechen mußte. Sprichwörter bergen viel Wahrheit und ganz besonders in diesem Fall: Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören!


Wolfram Küper

Photos: Wolfram Küper


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