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MOONSORROW-Bandphoto 1

Der aktuelle MOONSORROW-Output hat einigen Aufruhr in der Szene verursacht. Wird auch höchste Zeit, daß bombastischer, finnischer Epic-Pagan-Folk Metal etwas mehr Aufmerksamkeit jenseits der heimischen Grenzen erhĂ€lt...
1995 von den Cousins Ville (v, b) und Henri Sorvali (g) gegrĂŒndet, blieb MOON­SORROW bis 1999 ein Duo und veröffentlichte wĂ€hrend dieser Zeit die Demos »Thorns of Ice« und »MetsÀ«. Dann stieß Baron Tarwonen (Marko Tarvonen, d) zur Band; dieses Line-up ist bereits auf dem »TĂ€mĂ€ Ikuinen Talvi«-Demo zu hören, ebenso wie auf der 2000 via PLASMATICA RECORDS erschienenen ersten CD »Suden Uni« (="Wolfstraum"). SPIKEFARM krallte sich die Band, die sich mittlerweile mit Mitja Harvilahti (g) and Lord Euren (k) verstĂ€rkt hatte, und veröffentlichte die CDs »Voimasta ja Kunniasta« (2001) und »Kivenkantaja« (2002). Heuer prĂ€sentiert SPIKEFARM eine Neuauflage der »Suden Uni«-CD, veredelt durch ein FINNVOX-Remastering, neues Coverdesign, den Bonustrack â€șTulkaapa ÄijĂ€tâ€č und eine Bo­nus-DVD mit zwei Videoclips und einem 40-minĂŒtigen Livemitschnitt vom "Tuska"-Open Air 2003.
MOONSORROW-Frontmann Ville stand uns Rede und Antwort.

Warum wurde Eures erstes Album wiederveröffentlicht?

Wegen der Nachfrage. Von »Suden Uni« wurden ursprĂŒnglich nur 2000 Exemplare gepreßt, deswegen war das Album auch sehr schnell ausverkauft. PLASMATICA hatten nicht die Möglichkeit einer Neuauflage, so besorgte sich SPINEFARM die Rechte. Es gibt auch eine Menge Bonusmaterial, so daß das ganze Package sein Geld wert ist - denn wir wollten die Fans nicht ĂŒbers Ohr hauen, die es ohnehin gekauft hĂ€tten. Wir wollten nicht das selbe Album zweimal rausbringen. Im September werden wir wieder im Studio sein und das neue Album wird nicht vor 2005 erscheinen; deswegen war es förmlich notwendig, »Suden Uni« zu veröffentlichen, um die große LĂŒcke zu schließen. Jetzt haben wir mehr Zeit, um neues Material zu schreiben. Keine Ahnung, wie es klingen wird, wir haben alle möglichen Ideen - vielleicht kann ich zwei Wochen vor unserem Studiotermin sagen, welche Art von Musik es diesmal sein wird. Und sogar dann ist noch mit Überraschungen zu rechnen...

Mit dieser Mischung aus Epic Metal und Folk-Elementen habt Ihr Euren eigenen Stil entwickelt, allerdings hatten auch andere finnische Bands wie FINNTROLL oder AJATTARA Àhnliche Ideen...

Wir haben alle ungefĂ€hr zur selben Zeit begonnen und kannten einander gar nicht. Außerdem finde ich, daß die Bands völlig unterschiedlich sind und kann daher nicht verstehen, warum man uns in einen Topf wirft. Warum Ă€hnliche Ideen entwickelt wurden, hat wohl mit der finnischen NationalitĂ€t zu tun, die jetzt auch in der Musik mehr Raum einnimmt. Wir leben unsere finnische IdentitĂ€t viel intensiver aus als Bands vor zehn Jahren. Und ich kann auch nicht erklĂ€ren, woher unsere Musik kommt, sie ist einfach da. Wir verarbeiten die EinflĂŒsse unserer finnischen IdentitĂ€t, der Natur und allem Finnischen - das kommt in unserer Musik sehr stark zum Ausdruck.

MOONSORROW-Einzelshot: Ville Sorvali

Wie entstehen Eure Songs?

Marko und mein Cousin Henri sind hauptsĂ€chlich fĂŒr die Musik verantwortlich. Die Songs werden auf Henris Computer vorproduziert, wir kriegen Kopien der Demos zum Anhören, machen VorschlĂ€ge, und bei den Proben arrangieren wir gemeinsam das Material zu einem MOONSORROW-Song.

Und Du schreibst die Texte?

Yeah, meist erst dann, wenn die Musik fertig ist. Wenn ich das Demo höre und meine Baßlinie arrangiere, schreibe ich auch schon parallel die Lyrics. Manchmal hab ich vorher schon einige Ideen, aber es ist praktischer, zur fertigen Musik zu schreiben. Denn man kann sich besser auf den Song einstellen und etwas schreiben, das von der AtmosphĂ€re der Musik beeinflußt wird.

Einige Bands nutzen ja den finnischen Nationalmythos "Kalevala" als Inspirationsquelle.

NatĂŒrlich gibt es auch in meinen Texten viele EinflĂŒsse, mythologische Aspekte, aber ich hab null Bock, alte Stories nochmal aufzuwĂ€rmen. Die "Kalevala" ist schon geschrieben worden, und ich will nicht nur neue Versionen dieses alten Materials kreieren. Ein einziges Mal hab ich alte mythologische Quellen zitiert, als ich zwei Verse aus der "Edda" ĂŒbersetzt habe. Der Hintergrund meiner Texte ist stets finnisch und nordisch, ich lasse mich von Geschichten und Aberglauben oder alten Gedichten inspirieren, aber ich versuche dabei immer, meine eigenen Texte zu schreiben.

Ich kenne ein paar finnische MĂ€rchen, die aber in der Übersetzung ziemlich trocken wirken, die Geschichten sind eher auf harte Fakten reduziert...

Yeah, kann sein. Die finnische MentalitĂ€t sieht so aus: Man spricht nur sehr wenig, und wenn, dann nur ĂŒber wirklich wichtige Dinge. Smalltalk ist nicht gerade eine finnische SpezialitĂ€t, und das betrifft wohl auch die MĂ€rchen...

Und wie steht's mit EinflĂŒssen aus der Fantasy-Welt, "Herr der Ringe" oder so?

Ich bin tatsĂ€chlich ein großer "Herr der Ringe"-Fan, und Tolkiens Welt hat sicherlich ein wenig meine Vorstellungskraft beeinflußt. Aber ich baue nichts davon direkt in meine Texte ein. Es gibt schon viel zu viele Tolkien-Metalbands...

Kannst Du vielleicht Deinen Pagan-Hintergrund etwas nÀher erlÀutern?

Das ist meine Lebenseinstellung, und ich möchte sie nicht weiter erklĂ€ren. Das ist etwas Persönliches. Wenn sich jemand wirklich dafĂŒr interessiert, bin ich jederzeit fĂŒr GesprĂ€che zu haben, aber leider weiß kaum jemand was darĂŒber. Die Leute haben falsche Vorstellungen vom Heidentum, oder gar keine.

MOONSORROW-Bandphoto 2

Glaubst Du, daß es fĂŒr finnische Bands wegen der finnischen Lyrics schwieriger ist, die Grenzen zu ĂŒberschreiten?

Das fragt man mich jedes Mal! Nein, ich glaube nicht, daß finnische Lyrics ein Problem sind. Unsere vorherigen Alben haben sich im Ausland nicht so gut verkauft, aber wir hatten damals keine Lizenzdeals. Als »Suden Uni« in Europa veröffentlicht wurde, haben wir jede Menge Aufmerksamkeit erregt, besonders in Deutschland. Deswegen glaube ich nicht, daß die finnische Sprache wirklich stört. Außerdem versteht man meine Growls sowieso nicht, und außerdem gibt's die Übersetzungen auf unserer Homepage.

Laut Eurer Homepage wart Ihr vom Erfolg förmlich schockiert?

Es ĂŒberrascht immer wieder, wenn unsere Alben tatsĂ€chlich gekauft werden... Wir haben darĂŒber auch nicht allzuviel nachgedacht. Wir machen diese Musik, weil sie uns gefĂ€llt. Und wenn die Leute drauf stehen - toll. Aber einige Reviews und die Verkaufszahlen haben uns echt aus den Socken gehauen, das haben wir nicht erwartet und können es auch nicht so recht verstehen...

Ich habe Euch kĂŒrzlich beim "Spinefeast" oder bei den finnischen "Metal Awards" live erlebt - steht Ihr oft auf finnischen BĂŒhnen?

Eigentlich nicht, wir haben bisher vielleicht 20 Gigs gespielt. Wir dĂŒrften in Zukunft aber öfter live zu sehen sein, und wir wĂŒrden auch gerne mal im Ausland spielen - es wĂ€re das erste Mal! Aber das ist das Problem unserer Agentur, ich kĂŒmmere mich nicht um Organisatorisches, ich will nur spielen. Keiner von uns ist Profimusiker, wir haben unsere Jobs oder Studien. Henri ist vielleicht am nĂ€chsten dran, denn alles was er macht, hat irgendwie mit Musik zu tun. Aber es macht sich nicht wirklich bezahlt.

Naja, noch nicht. In der Tat ist Henri ebenfalls bei FINNTROLL aktiv...

Henri hat immer viel am Laufen, und im Studio ist er hauptsĂ€chlich fĂŒr die Keyboards verantwortlich. Lord Euren ist unser Live-Keyboarder und eigentlich seit »Voimasta ja Kunniasta« festes Bandmitglied. Aber als wir unsere Alben aufnahmen, hatte er einfach keine Chance, im Studio dabeizusein. Doch jetzt steht sein Name mit Unterschrift unter dem Plattenvertrag - jetzt haben wir ihn... Trotzdem wird Henri wohl das meiste einspielen, weil er ein absoluter Virtuose ist. Er hat 20 Keytracks fĂŒr die CD an einem einzigen Tag geschafft - es ist Wahnsinn, ihn bei der Arbeit zu sehen.

Soviel ich weiß beherrscht er sogar das Akkordeon?

Keiner von uns konnte dieses Instrument spielen, aber bei den Aufnahmen zu »Suden Uni« entdeckten wir ein altes russisches Akkordeon im Studio. Henri schnappte sich das Teil, verschwand in einem Raum, probierte zirka eine halbe Stunde rum und meinte dann: "Okay, ich bin bereit", und so kamen die Akkordeon-Tracks auf unsere ersten beiden CDs.

Wieviele Instrumente beherrscht Dein Cousin eigentlich?

Er spielt hauptsĂ€chlich Keyboards und Gitarre als zweites Instument. Aber wenn man ihn selbst fragt, wĂŒrde er behaupten, daß er nur ein bißchen rumklimpern kann... Ich glaube, es gibt kein Instrument, daß er nicht beherrschen könnte, wenn er ein paar Stunden Zeit zum Üben hat. Na ja, abgesehen vielleicht von Harfe oder Tuba - die wĂ€ren vielleicht doch zu schwierig...

http://www.moonsorrow.com/

ville@moonsorrow.com

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Klaudia Weber

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