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Schon der Titel ihrer aktuellen Platte »Darkness With Tales To Tell« ist ein Wink mit dem Zaunpfahl: Die melodischen Power-Dänen MANTICORA haben eine Menge zu erzählen und schickten zu diesem Zwecke ihren Gitarristen Kristian Larsen vor. Also lassen wir ihm doch seinen Willen!

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Warum habt Ihr eigentlich Euren Namen geändert, indem Ihr das endständige "e" durch "a" ersetzt habt? Die Band MANTICORE aus Düsseldorf existiert doch schon seit Jahren nicht mehr.

Trotzdem hatte ein Typ von der Band zugleich eine Plattenfirma mit dem gleichen Namen angemeldet. Irgendwie muß er von uns erfahren haben und wies uns darauf hin, daß er die Rechte an dem Namen habe und uns verklagen würde, wenn wir uns nicht umbenennen würden. Dadurch, daß wir als MANTICORE eine Menge Aufmerksamkeit erregen konnten, wollten wir keinen kompletten Namenswechsel, sondern haben uns zu diesem kleinen Kunstgriff entschlossen.

Das sollte ja Eure leichteste Übung gewesen sein - schließlich seid Ihr echte Profis in Sachen Namenswechsel.

Richtig! MANTICORE wurden aus verschiedenen dänischen Bands zusammengestückelt: Unser Sänger Lars Larsen und ich spielten schon bei FEAR ITSELF zusammen - es war eine grauenhafte Band, weil wir uns nie einig waren und jeder Musiker einen anderen Stil spielen wollte. Es war dringend notwendig gewesen, die Band aufzulösen! Wir trafen damals unseren Bassisten René Nielsen von der Band SCARECROWS und unseren Drummer Mads Volf, der zuvor bei HUMAN FACTOR und RIP'N'TEAR (deren Demo wir in UNDERGROUND EMPIRE 7 besprochen hatten - wie klein die Welt doch ist... - Red.) gespielt hatte. Als wir unsere ersten Proben durchzogen, beschlossen wir zunächst, daß wir uns GEMINI nennen wollen, weil Lars und ich unter diesem Sternzeichen geboren sind (Gemini bedeutet Zwillinge auf Deutsch - Red.) Prompt tauchte eine Band mit diesem Namen auf, so daß wir uns in DREAMSCAPE umbenannten. Auch das entpuppte sich als miserable Idee, da kurz danach die gleichnamige Band aus München ihre erste Platte veröffentlichte...

Beim neuen Album habt Ihr Euer Logo geändert. Gab es einen besonderen Grund dafür?

Unser Manager Claus stand in Kontakt mit einem Künstler aus der Schweiz namens Chris. Er bedrängte uns förmlich, ein neues Logo für uns entwerfen zu dürfen. Eigentlich waren wir mit unserem alten Logo zufrieden, aber er ließ sich nicht abweisen. Eines Tages hatten wir sein Design im Briefkasten und es gefiel uns sehr gut, so daß wir es für die neue CD verwendeten.

Zu Zeiten der ersten Full-Length-CD wart Ihr Feuer und Flamme für Euer Label BLACK LOTUS. Dennoch ist die neue Platte bei SCARLET erschienen.

Anfangs sah bei BLACK LOTUS wirklich alles super aus: Sie sagten, wir seien ihre Hauptband und sie machten uns jede Menge Versprechungen. Diese Chance ergriffen wir natürlich und anfangs hielten sie auch alles ein. Doch je mehr Zeit ins Land zog, desto schlimmer wurde die Zusammenarbeit mit BLACK LOTUS: Wir haben kein Geld mehr von ihnen erhalten und sie gingen uns permanent aus dem Weg. Wenn wir sie doch mal an die Strippe bekamen, taten sie so, als ob sie uns nicht verstehen würden und sprachen in miserablem Englisch mit uns. Zum Glück hatten wir eine Klausel in unserem Vertrag, daß wir sofort aussteigen könnten, wenn wir mit der Arbeit von BLACK LOTUS nicht mehr zufrieden wären. SCARLET hatten schon viel früher Interesse an uns geäußert, doch zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits bei BLACK LOTUS unterschrieben. Für die neue Platte machten SCARLET das beste Angebot, so daß wir zu ihnen wechselten.

Ihr habt von Eurer Debut-EP »Dead End Solution« 1.000 Exemplare in Dänemark verkauft. Wie kam das zustande?

Wir haben viele Freunde... Nein, ich muß ehrlich zugeben, daß wir das unserem Manager Claus von INTROMENTAL zu verdanken haben. Er hat jeden einzelnen Plattenladen in Dänemark kontaktiert und ihnen unsere CD geschickt, so daß man sie in ganz Dänemark kaufen konnte. Anders hätten wir das nie geschafft, denn die Metalszene in Dänemark ist echt katastrophal. Wir hatten am letzten Wochenende mit SINPHONIA in Kopenhagen gespielt und es waren gerade mal 50 Leute da. Es ist immer das Gleiche in Dänemark. Deshalb wollen wir hier raus und überall spielen, wo immer es nur geht!

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Euer erstes Album »Roots Of Eternity« hat mich ob des sehr GAMMA RAY-lastigen Openers ›When Forever Ends‹ überrascht, obwohl »Dead End Solution« relativ eigenständig geklungen hatte.

Ich muß ehrlich zugeben, daß »Roots Of Eternity« völlig anders entstanden ist als unser Debut »Dead End Solution«. Wir hatten damals unseren Drummer Mats gefunden und er war völlig heiß darauf, harten Power Metal zu spielen. Er hat uns richtig mitgerissen, so daß das Material für »Dead End Solution« innerhalb kürzester Zeit entstand. Ich kann mich noch erinnern, daß der Titeltrack nach knapp zwei Stunden fix und fertig war. Daher war alles sehr spontan, zumal die Scheibe in nur drei Tagen aufgenommen wurde. Bei »Roots Of Eternity« dachten wir sehr viel darüber nach, wie die Platte klingen soll. Daher haben wir bewußt sehr unterschiedliche Songs geschrieben - auch weil wir uns beweisen wollten, daß wir das können. Es kam noch hinzu, daß unser Keyboarder Jeppe Eg erst kurz vor dem Studiotermin zu uns stieß und die Parts, die wir erdacht hatten, im Studio kommentarlos einspielte. Bei ›When Forever Ends‹ gab es damals wirklich ein Problem: Die Ideen für die Songs brachten entweder Lars und ich. Lars kam damals mit einer völlig verrückten Idee, die er uns auf der Gitarre vorspielte. Leider ist Lars ein ziemlich lausiger Gitarrist, so daß weder ich noch unser zweiter Gitarrist Flemming Schultz verstanden, was er meinte. Was wir aus seiner Idee machten, klang eben mal etwas GAMMA RAY-mäßig.

Auf der neuen Scheibe »Darkness With Tales To Tell« seid Ihr origineller und orchestraler geworden.

Wir haben uns seit »Roots Of Eternity« perfekt aufeinander abgestimmt, so daß nun jeder am Songwriting beteiligt ist. Vor allem Jeppe, unser Musikprofessor, hat seinen Anteil an dem symphonischeren Sound. Er steht sehr auf Klassik und diesen Einfluß kann man deutlich spüren.

»Darkness With Tales To Tell« hat ein sehr düster-depressives Cover. Seid Ihr auch so drauf?

Es war uns wichtig, ein solches Cover zu haben, da wir sehr von H. P. Lovecraft beeinflußt sind. Wir wollten ein Cover, das quasi aus der Welt von Lovecraft stammen könnte. Lovecraft war ein brillanter Schreiber, der etwas geschaffen hat, was sonst niemandem gelungen ist: Er spielt mit dem menschlichen Bewußtsein auf unnachahmliche Weise. Er ist der einzige Schreiber auf der Welt, der mich beim Lesen zu Tode erschrecken kann. Als Menschen sind wir völlig anders darauf: Wir sind fröhliche Menschen und oft völlig kindisch drauf. Ich glaube, man nennt das Schizophrenie...

Dennoch habt Ihr einen Song auf dem neuen Album, der den sinistren Titel ›The Chance Of Dying In A Dream‹ trägt.

Lars erzählte mir eines Tages, daß er sich darüber wundere, daß er noch nie in einem Traum gestorben sei, sondern zuvor immer schweißgebadet aufwachen würde. Wir haben darüber nachgedacht und einen Text geschrieben, wie es wohl wäre, wenn man im Traum seinen eigenen Tod beobachten müßte. Zweifelsohne eine sehr erschreckende Vorstellung! Es ist vermutlich die Geschichte, die H.P. Lovecraft immer schreiben wollte, zuvor aber gestorben ist. Wir setzen gewissermaßen sein Werk fort. Wir würden eines Tages gerne ein Konzeptalbum über Lovecraft und seine Phantasmagorien machen.

Lars wurde mehr oder minder gezwungenermaßen euer Sänger, da Euer eigentlicher Vokalist kurz vor dem Studiotermin für »Dead End Solution« absprang. Warum hat Lars den Job beibehalten?

Das ist nicht ganz richtig: Lars hatte schon bei FEAR ITSELF gesungen und ganz zu Beginn von MANTICORE. Irgendwann haben wir dann einen neuen Sänger angetestet, der sich sehr gut eignete. Als es dann ins Studio ging, stieg er urplötzlich wieder aus, so daß Lars sich kurzentschlossen die Gesangslinien aneignete. Seither hat er sich als Sänger sehr verbessert und - wie ich schon gesagt habe - seine Gitarrenkünste waren eher mäßig.

Es war zu lesen, daß Lars neulich Schläge bezogen hat. Was hat sich genau ereignet?

Ich lebe in einer Art Wohnheim, in dem viele kleine Wohnungen auf einer Etage liegen, die sich gemeinsam eine Küche teilen müssen. Im Keller unseres Wohnheims befindet sich eine Bar, in der wir damals eine Party feierten. Lars hatte damals eine spanische Freundin und beide machten sich auf den Heimweg, als sie von ein paar Typen angepöbelt wurden, die sie noch nie zuvor gesehen hatten. Sie beschimpften Lars' Freundin als Hure und er bat sie, damit aufzuhören. Irgendwann fingen sie an, auf ihn einzuschlagen und traten ihn zusammen, als er schon längst am Boden lag. Niemand konnte sich erklären, warum diese Typen auf Lars und seine Freundin losgegangen sind. Aber sie haben ihm bei der Attacke den Kiefer gebrochen, weshalb wir nicht auf Tour gehen konnten.

Eure Debut-EP liegt noch keine vier Jahre zurück und Ihr habt gerade Eure dritte Scheibe veröffentlicht. Das ist relativ fix für eine Newcomerband.

Es war für uns von Anfang an klar, daß wir möglichst schnell CDs abliefern müssen, wenn wir in diesem Business überleben wollen. Folglich hatten Plattenaufnahmen immer Priorität für uns, weil wir sonst einfach in Vergessenheit geraten würden. Daher soll auch bis zur nächsten Platte nicht viel Zeit ins Land ziehen.

http://www.manticora.dk/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Stefan Glas

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MANTICORA (DK) – Roots Of Eternity (Rundling-Review von 2001)
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unter dem ehemaligen Bandnamen MANTICORE (DK):
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