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"Rock Station Festival" 2003

Ankara (Türkei), Sakli Kent

14.-16.03.2003

Freudige Nachrichten konnten unsere türkischen Kollegen vom ROCK STATION-Magazin verkünden, denn sie hatten schon im Vorfeld für ihr diesjähriges Festival 1.000 Tickets an den Mann gebracht. Da sich noch etliche Kurzentschlossene einfanden, war das "Sakli Kent" gut gefüllt, faßt die Halle im ausverkauften Zustand doch etwa 2.000 Leute, was beispielsweise der Fall war, als die türkischen Szenedominatoren PENTAGRAM vor wenigen Wochen hier gespielt hatten.
Außerdem hat das Festival mittlerweile einen derart guten Ruf, daß das staatliche türkische Fernsehen TRT2 mit mehreren Kameras vor Ort war, um die komplette Veranstaltung aufzuzeichnen, die in diesem Jahr erstmals drei Tage lang dauerte.


Den Startschuß gaben DELI GÖMLEGI - sogar zwei Minuten vor der offiziellen Anfangszeit. Dafür tröpfelte ein Musiker gemächlich nach dem anderen auf die Bühne, nahm sich sein Instrument vor und stieg in den Reigen ein. Allerdings gab es bei der Klampfe leichte technische Probleme, da der Verstärker den Dienst versagte. Wenngleich der hübsche Bandname, der übersetzt "Zwangsjacke" bedeutet (klingt irgendwie auch so...), in eine andere Richtung deutete, bot die Band von einigen verrückten Schreien des Sänger abgesehen, nur unauffälligen Schrammel-Alternative-Rock. Zudem fehlte die Kommunikation mit dem Publikum, das seinerseits allerdings so heiß auf das Festival und eine Ladung Metal zu sein schien, daß es gleich erstklassig mitging.

DELI GÖMLEGI-Liveshot

Ein Mysterium wollen die nachfolgenden MBM offenkundig aus ihrem Namen nicht machen: So war nämlich auf dem Keyboard direkt oberhalb des "Peace"-Symbols die (mögliche) Übersetzung des Bandnamens zu lesen: "Mysterious Bliss of Music". Dieses Motto nahm die Band sehr ernst bot ein progressives Stilgemisch der Kategorie ANGRA/SYMPHONY X meets Yngwie, was nicht verwunderlich ist, da Gitarrist Bijen Rahimi sein Instrument erlernt hat, indem er sich permanent Malmsteen-Videos angeschaut hatte und die Fingerbewegungen von Onkel Y.M. dabei kopiert hat. Sein Lohn war der Szenenapplaus, den er stets für seine fingerakrobatischen Kunststückchen erntete. Derweil konnte sich Sänger Caner Isti nie über zu viel Arbeit beschweren, denn alle Songs verfügten über ausgedehnte Instrumentalparts, bei denen Bijen den Gitarrenhals weit nach oben riß, um keinem Gefecht mit seinem Keyboardkollegen aus dem Weg gehen zu müssen... Daher ließ er es sich nicht nehmen, am Ende der Show sein Portemonnaie zu zücken und statt Mammon unter den Armen, Plektren unter den Fans zu verteilen. Wenn MBM es schaffen, ihre Songs, die bis hin zu einer verrückten Jazz-Polka-Improvisation ausufern können, kompakter zu arrangieren, kann man sich auf eine CD von der Band freuen.

MBM-Liveshot

Nun betrat das erste Mitglied des Glückskleeblatts, das im letzten Jahr schon aufgetreten war, die Bühne: MAGICK, die mittlerweile ihre erste Demo-CD vorweisen können. Man agierte tighter und powervoller, was von der Crowd in Ankara honoriert wurde, so daß reihenweise Headbanging und Fistraising angesagt war. Bei der Schlußnummer, der MANOWAR-Coverversion ›Hail And Kill‹, wurde schließlich die Bude komplett abgefackelt.

MAGICK-Liveshot

Der Headliner des ersten Abends war Erkin Koray, der in der Türkei liebevoll als "Grandfather Of Rock'n'Roll" bezeichnet wird, weil er sein Bühnendebut bereits 1957 bestand. Sein Auftritt geriet gewissermaßen zu einer reinen Familienangelegenheit, denn Erkin stand allein auf der Bühne und seine zwanzigjährige Tochter fungierte als Roadie.

Erkin Koray-Liveshot

Schon bevor Erkin die Bühne betrat, konnte man Sprechchöre vernehmen, die nach ihm verlangten. Doch zunächst führte er ein langes Gespräch mit dem Publikum, in dem er unter anderem erläuterte, warum er allein auftrat: Die Mitmusiker, die Erkin sonst begleiten, spielen in einer Popband und verlangen stets ein fürstliches Salär, um bei ihm mitzuzocken. Daher hat er sich mittlerweile so arrangiert, daß er sie notfalls mittels einiger technischer Hilfsmittel ersetzen kann. Doch auch in der Sparversion läßt sich Erkin nicht auf den Status eines Alleinunterhalters bei der Spießerhochzeit degradieren: Trotz seiner naturgemäß eingeschränkte Bewegungsfreiheit, weil er stets in seinem Häuschen bestehend aus Mischpult, Keyboard und Effektpult bleiben mußte, war der Auftritt ein Erlebnis, das ansteckte. Dennoch waren die Reaktionen des Publikums vielfältig: Teilweise starrten sie Erkin nur andächtig an oder aber sie sangen begeistert mit und tanzten sich den Wolf. Ein Freak im DISMEMBER-Shirt konnte sich überhaupt nicht bremsen und bangte wild mit! Musikalisch war das Programm so unterschiedlich wie man es sich nur vorstellen konnte: Anflüge von DOORS oder LED ZEPPELIN waren ebenso zu vernehmen wie Sixties-Beat oder eine Nummer im Stile von Harry Bellafonte. Gelegentliche tekknoartige Rhythmen im Kontrast zu einem Lied, zu dem man willenlos die Melodie von "Morgen kommt der Weihnachtsmann" hätte mitträllern können, setzten dem Ganzen die Krone auf. Erkin war zwar nicht wirklich True Metal, aber doch sehr unterhaltsam. Und das schien er auch selbst so zu empfinden, denn er wollte scheinbar nicht mehr aufhören und überzog seine Spielzeit kräftig. Nun ja - wenn man seit knapp 50 Jahren Songs schreibt, ist es nicht schwer, eine abendfüllende Setlist zusammenzustellen.

Nach dem relativ kurzen Vorspiel des Freitags konnte man sich heute auf eine achtstündige metallische Verköstigung freuen.

Metamorphose 2003! Der Sänger von CROSSFIRE, der uns im letzten Jahr noch kahlköpfig entgegengeblickt hatte, demonstrierte wie sehr Haare in einem Jahr wachsen können und trat dem Publikum mähneschwingend entgegen. Wie schon ihre Kollegen von MAGICK haben CROSSFIRE die letzten Monate genutzt, um ihren TESTAMENT meets NEVERMORE-Stil deutlich weiterzuentwickeln. Verdientermaßen hat die Band in Ankara mittlerweile einen beachtlichen Status, so daß das Publikum gepflegt ausklinkte und gar einige Stagediver gesichtet wurden. Bei der thrashigen Schlußnummer, bei der Basser und Sänger ihre Positionen tauschten, wurde der Moshpit endgültig entfesselt, und die ganze Halle brüllte die eingeflochtene Parole "No War" mit!

CROSSFIRE [TR]-Liveshot

Zeit für old-schooligen Death Metal mit Grunzgesang: CORE hämmerten dem Publikum eine gepflegte Kelle Todesblei um die Ohren, die leicht an SUICIDE, den Sonntagsheadliner des letzten Jahres erinnerten - natürlich ohne ein solches Tier am Schlagzeug. Vor der Bühne gab es nun mehr Platz als bei CROSSFIRE, der auch dringend benötigt wurde, weil im Publikum kräftig der Haarpropeller angeworfen wurde - der übrigens auch während des MOTÖRHEAD-Covers ›Ace Of Spades‹ nicht abgeschaltet wurde.

CORE-Liveshot

Bei NORTHERN LIGHTS aus Istanbul mußte man erst mal verdutzt die Augen reiben: Ihr Gitarrist Serhat Güven sah wie ein Kompromiß zwischen Ritchie Blackmore und Yngwie Malmsteen aus - ergo Ritchie meets Ritchie 2 - und legte auch das entsprechende Posing an den Tag. Warum er jedoch ein Handtuch am Gitarrenbody festgeknotet hatte, war nicht zu eruieren. Doch gemeinsam mit seinem Kollegen Alen Dursun, der wie ein Pirat anmutete, dominierte er den straighten Metal von NORTHERN LIGHTS und inszenierte so manches Kunststückchen: So probierte man tausend Methoden aus, wie Gitarrist a auf der Gitarre von Gitarrist b spielen kann. Und umgekehrt. Und gleichzeitig. Und ohne dabei einen großen Knoten zu produzieren. Der Aushilfsbasser von LASTHOUR, die im letzten Jahr hier aufgetreten waren, hielt sich da natürlich auch vornehm zurück und auch Sänger Cihan Sekercioglu blieb eher im Schatten und zog erst bei VAN HALENs ›Ain't Talking 'Bout Love‹ die Blicke auf sich, weil er relativ schmerzhaft seine Kopfstimme benutzte.

NORTHERN LIGHTS-Liveshot

Die nächste Band, die vor zwei Jahren als Just-for-fun-Projekt gegründet wurde, mittlerweile aber zur Hauptband für alle Musiker geworden ist, hatte die Chance, zur schlechtgekleidetsten Band des Festivals gekürt zu werden. Aber aufgrund der Hardcore-Elemente im Deathrash von SELF TORTURE, ging die aufgeführte Bermudashorts-Parade dennoch in Ordnung. Das Auge erfreuen wollte sie indes nicht... Zusätzlich produzierte die Band, deren Basser vor fünf Jahren noch bei den zuvor erwähnten SUICIDE gespielt hatte, auf der Bühne einen herrlichen Kabelsalat, weil die Band wie eine Herde aufgescheuchte Hühner durcheinanderrannte. Allerdings hätte man auch ein wenig Energie darauf verwenden sollen, um zwischen den Songs mit dem Publikum zu kommunizieren.

SELF TORTURE-Liveshot

Für LOST INFINITY wurde auf der Bühne ein Thron aufgebaut, auf dem Sänger Onur Demirbas während des Intros Platz nahm: Anschließend stand die prächtige Sitzgelegenheit jedoch einsam und verlassen herum; schade, daß man dieses Accessoire nicht noch ein wenig mehr in die Show einband. Die Gruppe spielte lupenreinen Black Metal mit Keyboards, die im Livesound allerdings völlig untergingen. Erst die gegen Ende der Show zum Zuge kommende Sängerin konnte mit ihren sopranesken Vocals den Gesamtsound sehr viel besser durchdringen. LOST INFINITY präsentierten sich als eine sehr solide Band, die allerdings beim Publikum - sieht man von den wenigen anwesenden Black Metallern - nur verhaltene Reaktionen erntete.

LOST INFINITY-Liveshot

IN SPITE mag zwar vielleicht nicht der beste Bandnamen sein, den man sich vorstellen kann, aber die Band aus Izmir begeisterte mit aggressivem Power Metal, der leichte Thrashnuancen enthielt. Wie schon zuvor die Kollegen von CROSSFIRE warfen IN SPITE einige Kostproben ihres Könnens ins Publikum: Tapes ihres in den Tagen via HAMMER MÜZIK erscheinenden Debutalbums. Deswegen war man sicherlich gewillt, die Optik des Bassers zu übersehen. Was im letzten Jahr der Bassist von BATTLORN übernahm, tat in diesem Jahr der Viersaiter von IN SPITE: Er erschreckte mit einem völlig durchgeknallten Outfit mit Wollmütze und Co.

IN SPITE-Liveshot

COMMA aus Istanbul waren eine der Bands beim "Rock Station Festival", die schon seit längerem mit einem Deal ausgestattet sind. Obgleich die Musiker sehr jung wirkten (oder wurde der Eindruck nur erweckt, weil der Sänger im Trikot von Real Madrid auftrat?), brachten sie ihren Progressive Metal doch sehr routiniert rüber. Grundsätzlich haben COMMA eine recht moderne Ausrichtung, will heißen, man schreckte auch vor ranzigen Gitarreneinlagen nicht zurück, zückte aber zugleich auch extrem frickelig-jazzige Baßeinlagen. Angesichts des dargebotenen musikalischen Könnens war beim Publikum allerdings nur "stand and deliver, äh staun'" angesagt.

COMMA-Liveshot

Aber immerhin war man deswegen bei TANKARD gut ausgeruht, um amtlich hell zu raisen... Doch zunächst nahm der Headliner aus Allemania mal den Preis als schlechtgekleidetste Band entgegen, den sie souverän SELF TORTURE abjagten. Aber immerhin verschonten sie uns mit dem adretten Schlafzimmeranblick, den sie beim "Bang Your Head!!!" an den Tag gelegt hatten...

TANKARD-Liveshot

Und dann brach der Ausnahmezustand in Ankara aus: Der Saal klinkte komplett aus - und die anderen deutschen Gäste machten fröhlich mit: MOURNING CARESS-Sänger Gerrit stürmte auf die Bühne, hakte sich bangend bei seinem Fastnamenskollegen von TANKARD unter und divte anschließend in die Menge. Das war der letzte Tropfen, der die hysterische Besorgnis der Sicherheitschefs des "Sakli Kent" - in Anzug und Krawatte - zum überkochen brachte. Abgesehen davon daß sie Gerrit am liebsten des Feldes verwiesen hätten, wenn sie ihn in die Finger bekommen hätten, standen nun beide nun links und rechts am Bühnenrand, um mögliche Stagediveaktionen im Keime zu ersticken. Das rief natürlich wieder Gerre auf den Plan, der die beiden Spaßbremsen in ihre Schranken wies, und danach prompt mit Tanzschritten grazil über die Bühne glitt und seinen Bauch entblößte, um mit dem Mikro darauf eine Polka zu trommeln. Zum Höhepunkt der GerreManie holte er sich ein Mädel aus dem Publikum, das seinen Bauch küssen durfte und/oder mußte. Als Entschädigung und/oder Belohnung dafür erhielt sie ein Freibier. Auf jeden Fall war sie von ihrem Auftritt so begeistert, daß sie die Bühne nicht mehr verlassen wollte und erst in die große Masse zurücktauchte als sie in die Fänge der Security-Häscher geriet. Keine Frage: TANKARD haben vielleicht nicht die ganze Türkei, aber doch zumindest entscheidende Teile erobert!

Der dritte Tag begann mit dicker Luft, denn ROCK STATION-Chef Hicri zoffte sich kurz mit dem Hallenbesitzer. Diverse Probleme hatten nämlich den Soundcheck verzögert, so daß man mit 30 Minuten Verspätung durchstarten mußte.

Doch das störte CIDESPHERE, die gerade ihr Debut via HAMMER MÜZIK veröffentlicht haben, wenig und man feuerte Death Metal ab, der relativ atmosphärisch ausgerichtet ist, was live leider nicht richtig rüberkam. Dank vieler Breaks und melodischer Parts war aber dennoch für Abwechslung gesorgt. Zusätzlich exerzierte die Formation aus Ankara die typische Todesblei-Körperhaltung bis zum Exzeß: Schädel und Mähne Richtung Boden hängend und dann den Propeller anwerfen - was der Sänger selbst bei seinen Ansagen beibehielt - sieht man mal von der rotierenden Birne ab.

CIDESPHERE-Liveshot

ATHOR zählten zu den Weitgereisten des "Rock Station Festival": Sie waren aus Kocaeli nahe Istanbul nach Ankara getingelt, um ihre Gothic/Dark Wave-Mischung mit deutlichem Keyboard-Einfluß zu präsentieren. Dank des männlichen Brüllgesanges kamen auch gewisse Black Metal-Andeutungen zum Zuge, doch auf CD wirkte die Mucke einfach besser als live. Zur Mitte des Sets gesellte sich eine Sängerin hinzu, die entsprechend ihrer Körperfülle kräftige Vocals beisteuerte; anscheinend ist sie erst kürzlich zu der Band gestoßen, da sie einen Teil der Texte vom Blatt ablesen mußte.

ATHOR-Liveshot

Ein instrumentales Feuerwerk erster Güte fackelten SOUL SACRIFICE aus Istanbul ab: Mit deutlichen SLAYER-Einflüssen hantierend stand die messerscharfe Gitarrenarbeit im Vordergrund und das Schlagzeug der Marke "Lombardo pur" unterstützte sie nach Kräften. Der extrem frickelige Basser hatte folglich alle Hände voll zu tun, dieses Bollwerk zu durchfieseln. Die Mucke erhielt jedoch aufgrund des Grunzröhrgesanges eine deutliche Death Metal-Schlagseite, obgleich Sänger Baris Cagirankaya optisch und von seiner Körperhaltung her an Marco Aro von THE HAUNTED erinnerte. Doch trotz all' seiner Bemühungen prägte die souveräne Leistung der Instrumentalisten das Bild entscheidend.

SOUL SACRIFICE-Liveshot

Die nächste Band hätte eigentlich von Rechtswegen KNIGHTMARE 3 heißen müssen, da es bekanntlich schon Bands mit Namen KNIGHTMARE und KNIGHTMARE II gab, doch die Türken beließen es dabei, ein 'k' vor den Alptraum zu stellen. Doch die Show sollte mitnichten ein Alptraum werden! Zwar sah Sänger Burcak Erbil wie ein Hänfling aus, doch seine Stimme donnerte passend zum Sound von KNIGHTMARE in bester Tradition der US-Power Metal-Sänger der Achtziger daher. Da er sich zudem als überzeugender Frontmann bewies, der sich in seinen "Job" derart hineinsteigerte, daß die Adern auf seiner Stirn fast zu bersten schienen, waren KNIGHTMARE schon auf der Gewinnerstraße. Einzig das HELLOWEEN-Cover ›I Want Out‹ wirkte im Zusammenspiel mit dem eigenen Material eher unpassend wimpy. KNIGHTMARE waren die Überraschung des diesjährigen Festivals!

KNIGHTMARE [TR]-Liveshot

Doch SOLITUDE standen ihnen nicht nach und lieferten wie schon im Vorjahr eine perfekte Thrashshow, so daß sie verdientermaßen relativ weit oben im Billing plaziert worden waren. Die Band, die mittlerweile ihr Können auch mittels ihrer ersten CD untermauert hat, sollte Chancen haben, auch außerhalb der Türkei von sich reden zu machen! Auch Sänger und Gitarrist Erkan Döner verwendete das "No War"-Statement mehrfach in seinen Ansagen und Drummer Özgür Derin trug dar ein selbstgemachtes T-Shirt mit Aufdruck "Kein Blut für Öl". Leider wissen wir mittlerweile, daß nur wenige Stunden später sich einige wenige Machthaber dieser Erde über den Willen des größten Teils der Weltbevölkerung hinwegsetzten.

SOLITUDE [TR]-Liveshot

Nun wurde das Quartett der "Routiniers" komplettiert: Schon in der Umbaupause erschallten "ALMORA"-Sprechchöre, was belegt wie sehr der Status der Band seit dem letzten Jahr zugenommen hat. Ergo könnten die beiden Ex-KNIGHT ERRANT-Gitarristen Soner und Burak Canözer mit ihrer neuen Truppe ihren ehemaligen Kollegen eventuell den Rang ablaufen, da diese immer noch nicht hundertprozentig Aufstellung genommen haben. Desweiteren präsentierte man sich zugleich als die Band der ungleichen Brüder, denn einer der Herren Canözer agierte sehr introvertiert, während der andere enorm aus sich herausging. Da ließ sich Flötistin Bilge Kocaarslan nicht lange bitten und machten in ihren Spielpausen wild bangend mit. Kurz: Eine Show so solide wie das geschnitzte ALMORA-Logo, das über der Bühne baumelte.

ALMORA-Liveshot

Dann war es wieder so weit: deutscher Gast meets ausrastende Türken. Zwar hatten diese gewisse Probleme mit der Aussprache des Bandnamens MOURNING CARESS und dennoch freakten sie genauso aus wie es am Abend zuvor bei TANKARD der Fall gewesen war - und störten sich garantiert nicht daran, daß der Sänger nur ein Drittel von Gerre war. Wen hätte es gewundert, daß MOURNING CARESS durch diese Publikumsreaktion zu Höchstleistungen angestachelt wurden und man ihnen schließlich sogar noch eine ungeplante Zugabe zugestand. Der alterwürdige ›Crazy Train‹ von Onkel Ozzy durfte eine Runde über die Bühne drehen, was Sänger Gerrit schließlich zum Anlaß nahm - diesmal ganz "legal" - in die Menge zu diven. Der Trip in die Türkei hatte sich für die Jungs wahrlich gelohnt!

MOURNING CARESS-Liveshot

Den Schlußpunkt unter das Schriftstück mit dem Titel "RSF 6" setzten DARKPHASE, die zu den Dinos der türkischen Metalszene zählen: Die Band wurde 1989 gegründet, konnte 1994 ein Kassettenalbum veröffentlichen und löste sich 1996 allerdings auf.

DARKPHASE-Liveshot

2000 wagten DARKPHASE einen Neuanfang und wollten hier mit einer großen Show antreten, die leider jedoch gecancelt wurde. Das einzige verbliebene Element war eine Dame in weiß, die wie ein Gespenst über Bühne schwebte und prompt wieder verschwand. Stattdessen führten die Musiker coole Brillen vor und unterteilten den Gig mittels einer Trommeleinlage: Am Anfang der Show stand das alte Material, das zwischen rauhem Metal und Thrash lag und begeistern konnte. Nach der Zäsur folgte hingegen aktuelles Material, das mal soft mal nu-metallisch ausfiel und anhand dessen man eindeutig diagnostizieren konnte, daß sich die Band auf dem Holzweg befindet. Die Songs klangen lahm und dementsprechend leerte sich die Halle zusehends.

Trotz des mageren Schlußakkords war auch das "Rock Station Festival" 2003 eine gelungene Veranstaltung, die unsere Kollegen reibungsfrei über die Bühne brachten. Gratulation hierzu und wir freuen uns darauf, auch im nächsten Jahr wieder vor Ort zu sein, um der türkischen Metalszene den Puls zu fühlen.


Stefan Glas

Photos: Stefan Glas


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