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"Z Rock"-Festival 2002

Ludwigshafen, Das Haus

05.09.2002

Für das diesjährige "Z Rock"-Festival hatte man eine kleinere Location gewählt, jedoch war "Das Haus" in Ludwigshafen ansprechend gefüllt: Etwa 400 Zuschauer hatten sich vom Eintrittspreis von 38 Euro nicht abgeschreckt lassen. Zwar konnte das Billing des letzten Jahres mit vermeintlich größeren Namen locken, so blieb man jedoch in diesem Jahr von einem Totaldurchfall à la TYGERS OF PAN TANG verschont.

SEDUCTION-Liveshot

Um zu vermeiden, daß sich die Veranstaltung wie 2001 bis mitten in die Nacht zog, mußte die erste Band schon kurz nach 13 Uhr auf die Bühne: der Wormser Newcomer SEDUCTION. Die Band existiert erst seit etwas mehr als einem Jahr und absolvierte vor den zu diesem Zeitpunkt anwesenden knapp 150 Zuschauern ihren zweiten Auftritt. Daher wirkte die Band etwas unsicher und lediglich der Tastenmann sorgte mit seinen gekonnt inszenierten Veitstänzen für ein wenig Spontaneität. Musikalisch hingegen präsentierte man sich mit seinem melodischen Epic Power Metal äußerst souverän, so daß es nur eine Frage der Zeit sein dürfte, bis dieser Shooting Star bei einer Plattenfirma unterkommt. SEDUCTION beschlossen ihre Spielzeit von knapp einer halben Stunde mit ›All We Are‹ von WARLOCK.

NORTHWIND [F]-Liveshot

Die nachfolgende Band konnte mit deutlich mehr Erfahrung aufwarten, schließlich sind einige der Musiker schon seit Jahren in der französischen Szene tätig; dennoch war das Stageacting der Power-Melodix NORTHWIND eher hüftsteif. Da man jedoch die stärksten Stücke der gerade erschienen CD »Season« spielte und Sänger Franck Midoux nicht müde wurde, das Wort "danke!" ins Mikrophon zu schleudern, sammelten die Franzosen einige Bonuspunkte beim Publikum.

CONTAGIOUS-Liveshot

In Form von CONTAGIOUS folgte die einzige Band, die auch beim ersten "Z Rock Germany" gespielt hatte, wo man allerdings nur mäßig gefallen konnte. Dennoch fungierten sie nicht als Quoten-Insulaner, denn schließlich sollten später noch ihre Landsmänner SHY folgen. CONTAGIOUS sorgten heuer zwar für mehr Bewegung auf den Brettern, blieben letztendlich dennoch blaß.

ARABIA-Liveshot

Das Intro von ARABIA, AC/DCs ›It's A Long Way To The Top‹, zeigte an, daß es jetzt musikalisch etwas dreckiger und rock'n'rolliger werden sollte. Die Truppe aus Amiland war die erste Band mit professionellem Stageacting, was nicht verwundert, da den Amis das Posing wohl kollektiv in die Wiege gelegt wird.

ARABIA-Liveshot

Neben dem achtsaitigen Baß (!) war besonders der ARABIsche Frontmann auffällig, der optisch wie Tony Marshall meets Joe Lynn Turner, von seinen Bewegungsabläufen hingegen wie der orthopädische Strumpf Guildo Horn anmutete. Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, bei einem Song durch die Menge zu cruisen. Leider nutzen ARABIA ihre Spielzeit nicht komplett aus, sondern verschwanden nach etwas mehr als 45 Minuten wieder von der Bühne.

BRIGHTON ROCK-Liveshot

Eigentlich absolvierten nahezu alle Bands des Festivals ihren ersten Auftritt in Deutschland, doch im Falle BRIGHTON ROCK wurde diese Tatsache ebenso wie bei SILENT RAGE groß auf den Plakaten proklamiert. Die Kanadier präsentierten sich dabei als die tighteste Band und rockten äußerst mitreißend los - erstaunlich, wenn man bedenkt, daß die Truppe in den Achtzigern zwei Platten gemacht hatte und erst vor wenigen Wochen mit einer Livescheibe ihr Comeback gefeiert hatte.

BRIGHTON ROCK-Liveshot

Aufgrund der Riffigkeit und der Power der Songs könnte man BRIGHTON ROCK als die ACCEPT des Melodic Rock bezeichnen, so daß man auch das unpassende Outfit ihres Sängers gerne übersah, der dank beiger Bermudashorts und weißem T-Shirt eher so aussah als sei er auf dem Weg zum Strand - ein ähnliches Bild hatte im Jahr zuvor ja auch DEMON Hill abgegeben. Doch auch seine Stimme ist gewiß ungewöhnlich für diesen Musikstil, da sie ein wenig an Bon Scott erinnert. Aus diesem Grund coverte man als unplanmäßige Zugabe ›Highway To Hell‹ von AC/DC, bei dem der Bassist, der sich ohnehin schon als der absolute BRIGHTON ROCKstar-Poser empfohlen hatte, endgültig die Groove-Goldmedaille errang.

SILENT RAGE-Liveshot

Wieviele Melodicfans hätten sich in den Achtzigern über eine Deutschland-Show von SILENT RAGE schimmlig gefreut! Als die alemannische Premiere des Stillen Zorns mit einigen Jährchen Verspätung beim "Z 2002" endlich stattfinden sollte, war allenfalls ein verschwindend geringer Prozentsatz von ihnen anwesend. Das hielt die RAGEr jedoch nicht davon ab, eine sehr professionelle Show abzuliefern. Interessant war der optische Kontrast zwischen den Musikern zu beobachten: Die beiden Gitarristen wirkten wie gesetzte Herren mittleren Alters, während der Basser absolute Adonisqualitäten an den Tag legte. Er soll angeblich jahrelang ein Mitglied der "California Dream Men"-Show gewesen sein, was man absolut glauben konnte, wenn man seinen Modellathletenkörper begutachtete. Natürlich begann er sofort, die Girls im Publikum anzumachen - vorrangig jene Blondine, die rechts am Bühnenrand stand und ihn mit den schönsten Augen, die man je auf diesem Erdball erblickt hat, anschmachtete. Die unpassende bloody Lackierung des Basses war für sie gewiß nicht von Interesse... Zwar sind die Songs von SILENT RAGE eher Massenware, jedoch kann die Truppe eine Menge Eindruck dadurch schinden, daß alle drei Stehgeiger sich mit dem Leadgesang abwechseln. Logischerweise schaffte man es mit drei gutgeschulten Stimmen auch ohne technische Hilfsmittel, fette Backings zu präsentieren. Etwas ungewöhnlich war allerdings der Ausklang der Show: SILENT RAGE endeten mit ›Blackout‹ von den SCORPIONS und ›Heaven And Hell‹ von BLACK SABBATH.

SHY [GB]-Liveshot

Waren SHY bereits im letzten Jahr angekündigt gewesen und dann doch abgesprungen, wollten sie 2002 im Original-Line-up das "Z Rock" nicht missen. Für ein wenig Rätselraten sorgte jedoch Sänger Tony Mills, der sich den ganzen Nachmittag gut gelaunt im Foyer aufgehalten hatte, sich mit Fans unterhalten hatte, sich bereitwillig zusammen mit ihnen photographieren ließ und Autogramme verteilte. Auf der Bühne wirkte er hingegen ein wenig genervt bis lustlos, so daß SHY live nicht überzeugen konnten.

SHY [GB]-Liveshot

Auf jeden Fall kürzten SHY letztendlich sogar ihr Programm, denn die Setlist hatte eigentlich im abschließenden Akustikset ›Emergency‹ angekündigt. Diese Nummer wurde jedoch gestrichen, so daß man sich mit dem definitiven SHY-Bandhit in der Stromgitarrenversion zufriedengeben mußte.

BONFIRE [D, Ingolstadt]-Liveshot

Den Schlußpunkt des "Z Rock 2002" markierten BONFIRE, die seit dem Auftritt beim "Bang Your Head!!!"-Festival ihren zweiten Gitarristen eingebüßt haben. Die Truppe agierte gewohnt souverän und Frontmann Claus Lessmann ließ es sich nicht nehmen, in seiner kumpelhaften Art alle, die in der ersten Reihe standen, per Handschlag zu begrüßen - was zugleich einen Abschied darstellte, denn drei Tage nach dem Festival ließ der Veranstalter, das britische Melodic-Label Z RECORDS, verlautbaren, daß das "Z Rock"-Festival nicht mehr stattfinden werde, weil man auch in diesem Jahr hatte rote Zahlen schreiben müssen.


Stefan Glas

Photos: Stefan Glas


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