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"In Death We Trust"-Festival
mit

HOUWITSER
OBSCENITY
HARMONY DIES
FRAGMENTS OF UNBECOMING
STIGMATIZED

Ludwigshafen, Das Haus

02.03.2001

Das "In Death We Trust"-Festival - lobenswert und traurig zugleich. Lobenswert deswegen, weil das "Death Metal Kommando Rhein-Neckar", ein Ableger der "Warriors Of Steel" aus Ludwigshafen, geplant hatte, mittels der Veranstaltung Geld für Chuck zu sammeln, um seine Krebstherapie zu finanzieren. Wie ihr jedoch alle wißt, kommt die Hilfe traurigerweise für Chuck selbst zu spät, da er im Dezember letzten Jahres verstarb. Dennoch wird das Geld der hochverschuldeten Familie Schuldiner helfen, einige Rechnungen zu begleichen.

Bevor gegen 19 Uhr das Konzertprogramm startete gab es im Vorraum einen Metal Market. Nach Beendigung der Livesession war schließlich Metal-Party angesagt und anschließend hatte jeder die Möglichkeit, in der angrenzenden Turnhalle auf den mitgebrachten Isomatten und Schlafsäcken, einen exquisiten metallischen Abend zu beenden.

Fünf brachiale Bands, die alle ohne Gage spielten und lediglich ihre Benzinkosten erstattet bekamen, hatten sich angesagt, so daß es nicht verwunderlich war, daß auf dem ersten Parkplatz am ehemaligen Haus der Jugend in Ludwigshafen, das sich nur noch "Das Haus" nennt, ein ausrangierter Krankenwagen stand, der mittels schwarzer Lackierung und mit viel Liebe zum Detail zum definitiven Todesblei-Gefährt umgebaut worden war.

STIGMATIZED [D]-Liveshot

Als erste Band erklommen STIGMATIZED aus Cochem die Bühne, die kurzfristig als Ersatz für die ursprünglich geplanten VIOLATION eingesprungen waren. Nachdem das Intro, Carl Orffs ›Carmina Burana‹, verklungen war, hatte man anfangs zwar ein wenig mit Soundproblemen und vor allem kräftigen Rückkopplungen zu kämpfen, aber dennoch zeigten sich STIGMATIZED als versierte Musiker, die ihren technischer Death/Thrash gekonnt darboten. Zudem ließen sie immer wieder durchblicken, daß sie sicherlich von DEATH beeinflußt wurden und coverten daher zum Abschluß des Auftritts die beiden DEATH-Stücke ›Leprosy‹ und ›Genetic Reconstruction‹. Einziger Kritikpunkt war das bewegungsarme Stageacting von STIGMATIZED, durch das sich zwei Fans vor der Bühne anscheinend animiert sahen, ihre eigene Show abzuziehen, der sich einige anschlossen, so daß schon beim Opener Action im Publikum angesagt war.

FRAGMENTS OF UNBECOMING-Liveshot

Mit FRAGMENTS OF UNBECOMING folgte der Spin-off der Lokalmatadoren VENERAL DISEASE, die ebenfalls technisch sehr anspruchsvollen, melodischen Death Metal darboten. Allerdings gingen sie schneller zur Sache und gestatteten sich den ein oder anderen Tackerpart, jedoch ohne in Geprügel auszuarten. Das war ohnehin undenkbar, allein schon weil man mit einer starken, wohldurchdachten Gitarrenarbeit aufwarten konnte. Offenkundig fühlen sich FRAGMENTS OF UNBECOMING von Bands wie AT THE GATES und DISSECTION verpflichtet, von denen sie ›Blinded By Fear‹ bzw. ›Night's Blood‹ coverten. Trotz Heimvorteils war das Publikum erstaunlich passiv, so daß die Vermutung naheliegt, daß die Jungs das Briefing ihrer Fans nicht akkurat genug durchgeführt hatten. Vielleicht lag es auch daran, daß die Band auf der Bühne eher verhalten agierte: Sänger und Gitarrist Stefan Weimar war ohnehin ans Mikro gefesselt, was Bassist Wolle Schellenberg durch kräftiges Banging auszugleichen versuchte, aber der zweite Gitarrist Sascha Ehrich hatte sich fast schon verschämt in seine Ecke der Bühne verkrochen.

HARMONY DIES-Liveshot

HARMONY DIES, die extra aus Berlin vorbeigejettet waren, präsentierten sich als die bis dato die härteste Band des Abends, die kräftig losknüppelten, aber dennoch viele Breaks einstreuten. Sänger Christoph Carl kam mit einer Monstermaske auf die Bühne und sang die ersten Zeilen in dieser Verkleidung. Während man sich ein Grinsen nicht verkneifen konnte, war es nicht zu verkennen, daß HARMONY DIES eine sehr professionellste Band sind: Alle Musiker traten sofort an den vorderen Bühnenrand und warfen den Ventilator an, will heißen, sie ließen die Matten kräftig kreisen. Folglich bildete sich schon beim ersten Song ein ansehnlicher Moshpit und es dauerte nicht lange, bis der erste Zuschauer die Bühne stürmte und bewies, daß man nicht mehr als drei ergebene Kumpels braucht, um einen ordentlichen Crowdsurf durchzuführen. HARMONY DIES boten eine überzeugende Show, die sie mit ihrem Tribute an Chuck, der Coverversion ›Defensive Personalities‹ von »Spirtual Healing«, abrundeten.

OBSCENITY-Liveshot

Dann wurde die Lautstärke hochgeschraubt und etwas mehr Licht aufgefahren. Allerdings muß betont werden, daß bei diesem Festival alle Bands fair behandelt wurden und sehr gute Bedingungen erhielten; lediglich bei den beiden Hauptacts wurde etwas mehr auf die Kacke gehauen. Das wußten OBSCENITY zu nutzen, denn sie spielten die Erfahrung ihrer sechs Studioalben und der dazugehörigen Gigs voll aus. Man ließ das Doppel-Flying V-Geschwader über die Bühne kreisen, agierte tight und erwies sich schnell als die groovigste Band des Abends. Leider jedoch schien es so, als wäre das Publikum schon etwas müde, denn nur in der ersten Reihe ließen sich einige Fans zu metallisch-körperlicher Aktivität hinreißen. Dennoch durften die Oldenburger nochmal für eine Zugabe ran.

HOUWITSER-Liveshot

Die Holländer HOUWITSER waren erst in Ludwigshafen aufgetaucht, als der Opener schon auf der Bühne stand, so daß sie keinen Soundcheck vor Beginn der Veranstaltung durchführen konnten. Deswegen zog sich die Umbaupause enorm in die Länge und während des Gigs hatten HOUWITSER massive technische Probleme, so daß zwischen den Songs oft minutenlange Pausen eintraten, die man gar nicht zu überbrücken oder kaschieren versuchte, was nicht gerade auf eine professionelle Band hindeutete. Anstatt daß man auf die "Jetzt erst recht"-Taktik umgeschaltet hätte und sich während den Songs den Technik-Frust von der Seele gebangt hätte, war wenig Action angesagt, so daß HOUWITSER langweilig rüberkamen und gegenüber den Vorgängerbands eindeutig den Kürzeren zogen. Dennoch hatten die Fans ihren Spaß und man betätigte sich kräftig beim Crowdsurfing - auf dem bißchen Crowd, das noch da war. Das Publikum hatte sich zu diesem Zeitpunkt nämlich schon deutlich gelichtet, weil offensichtlich nicht jeder die lange Wartezeit in Kauf nehmen und bis zum Anfang der HOUWITSER-Show kurz vor Mitternacht warten wollte. Ob angesichts der derzeitigen weltpolitischen Lage das Outfit der Band in Form von Springerstiefeln, Kampfhosen und Hemden mit Tarnbemalung (und Sänger Stan war sogar zusätzlich mit einer Gesichtsmaske verhüllt) eine gelungene Idee darstellt, darf man kräftig bezweifeln, so daß man den Auftritt von HOUWITSER rundum als Reinfall werten kann. Daher war es weniger tragisch, daß die Holländer aus Sperrstundengründen nach weniger als einer halben Stunde die Bühne räumen mußten.

Doch der unrühmliche letzte Akt kann das mehr als positive Resümee des "In Death We Trust"-Festivals nicht trüben, bei dem die Fans über fünf Stunden lang friedlich zum Andenken an Chuck gefeiert hatten und unterm Strich hoffentlich ein anständiges Sümmchen für Chucks Familie zusammenkam.


Stefan Glas

Photos: Stefan Glas


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