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Titel: Cult Complete
Dekolinie

ARC ANGEL [US, CT]-Logo

Cannata-Logo

Jeff Cannata-Signatur

Jeff Cannata ist der Mann, der hinter dem Namen ARC ANGEL steckt. Obgleich weitgehend unbekannt ist er einer der wenigen wahren Songwriting-Genies des AOR-Genres und darf bedenkenlos auf eine Stufe mit Jim Steinmann (der Mann im Hintergrund bei allen Meat Loaf-Klassikern, der aber auch Soundtracks und andere Projekte meisterlich inszeniert hat), dem JOURNEY-Duo Neal Schon und Steve Perry sowie Mister BOSTON Tom Scholz gestellt werden. Es ist rätselhaft, warum Erzengel Jeff nie den Durchbruch geschafft hat, obgleich die Weichen in die richtige Richtung gestellt waren. Nichtsdestotrotz sind die drei Platten, die aus seiner Feder stammen, zu den schönsten Melodic-Werken aller Zeiten zu zählen.

Da Jeff stets weitgehend unbeachtet von den Medien seine Musik machte und sich heute wahrscheinlich ins Privatleben zurückgezogen hat, ist es nahezu unmöglich, irgendwelche Informationen über ihn zu erhalten.

ARC ANGEL [US, CT]-Cover: »Arc Angel«

Seine ersten Versuche unternahm er als Drummer in verschiedenen Progressive-Bands. Bald darauf kreuzte sich sein Weg mit dem von James Christian, der später als Sänger bei Gregg Guiffrias HOUSE OF LORDS als Sänger anheuerte und heute noch als Produzent tätig ist. Jeff und James spielen einige Zeit bei der Formation JASPER WRATH. Anfang der Achtziger verbündete Jeff sich mit Michael Soldan, um ARC ANGEL ins Leben zu rufen. Arbeitsteilung war angesagt: Jeff war für die Musik und sein Kompanion für die Texte zuständig. Im Studio durfte letzterer die Keyboards betätigen, während Jeff den Gesang, die Gitarre, den Baß und das Schlagzeug übernahm. Dennoch luden die beiden eine ganze Legion von Musikern ein, von denen jeder ein Fitzelchen zum Gelingen der Platte beitragen durfte. Einige der Herren, die da im Studio ein- und ausgingen waren: Lennie Petze (Keyboarder auf der '85er »Twitch«-Scheibe von Aldo Nova), Jeff Bova [der mit seinem Oberheim-Keyboard (ein "analoges" Keyboard, das den Klang mit herkömmlichen elektronischen Bauteilen, statt mit Mikroprozessoren erzeugt) bereits auf Platten von Künstlern wie David Lee Roth, Ian Hunter, PLATINUM BLONDE oder Billy Squier mitgewirkt hatte], Frank Simms (ein Gast auf »Frehley's Comet«, der ersten Platte von Ace Frehley nach seinem Ausstieg bei KISS), Chuck Bürgi (hatte 1983 Aldo Novas zweites Wunderwerk »Subject« eingetrommelt, war der letzte RAINBOW-Drummer vor dem Split in den Achtzigern und spielte somit die '83er Konserve »Bent Out Of Shape« ein, und war anschließend Gast auf der ersten und einzigen wirklich brauchbaren BON JOVI-Scheibe), Doug Katsaros (hatte Paul Stanley bei seiner '78er Soloscheibe keyboardtechnisch unter die Arme gegriffen und gleichfalls Gastmusiker auf der ersten BON JOVI-Platte), Hugh McDonald (spielte 1984 »Dancing On The Edge« ein, die zweite Platte von Ex-RUNAWAY Lita Ford, und war später Basser bei Alice Cooper, für den er 1989 »Trash« und 1991 »Hey Stoopid« einwummerte) oder Lance Quinn (der das Glück hatte, auf der erst 1976 posthum veröffentlichten »Midnight Lightning«-Scheibe als Gast von Großmeister Jimi Hendrix aufzutauchen).

Die engelsgleichen Töne waren dem Major CBS einen Deal wert, zumal zu diesem Zeitpunkt dieser Stil extrem angesagt war und nahezu mit einer Topseller-Garantie ins Rennen geschickt wurde. 1983 erschien das erste, selbstbetitelte ARC ANGEL-Album, und die Hymne ›Tragedy‹ wurde ausgekoppelt, wie ein Sticker auf dem Frontcover dokumentierte: "As seen on MTV: ›Tragedy‹ and these hot tracks ›Stars‹, ›Confessions‹" Der Rundling überzeugte mit erstklassiger Musik, verfügte in Form des stimmungsvollen Coverphotos von einem Sonnenuntergang über den nötigen Blickfang und sollte dennoch das einzige ARC ANGEL-Album bleiben.

Cannata-Cover: »Images Of Forever«

Von diesem Zeitpunkt an wandelte Jeff "noch mehr auf Solopfaden", denn seine Scheiben erschienen nun unter dem Namen Cannata, und Michael Soldan steuerte nur noch gelegentlich Lyrics bei beziehungsweise spielte im Studio vereinzelt Keyboard. Vielmehr stammten nun die meisten Texte ebenfalls von Jeff, der darüber hinaus im Studio einige Lieder komplett im Alleingang einspielte. Dennoch halfen Jeff Batter, Jimi Christian und Jay Johnson, die auch schon auf dem ARC ANGEL-Rundling mit von der Partie waren, erneut hier und da aus. So wurde das Album 1988 geboren und »Images Of Forever« getauft. CBS hatten Jeff ein weiteres Mal das Vertrauen ausgesprochen, doch es spricht vieles dafür, daß beide Alben nicht den Verkaufserwartungen entsprochen hatten, denn kurze Zeit später stand Jeff ohne Deal da (Dennoch warfen CBS später eine optisch leicht veränderte Zweitauflage von »Arc Angel« auf den Markt). Die Musik trifft gewiß keine Schuld, denn »Images Of Forever« bietet wahrlich Klänge für die Ewigkeit, die mehr als ein Jahrzehnt später keinen Hauch ihrer Faszination verloren haben. Die Scheibe war lediglich ein wenig härter als ihr Vorgänger, präsentierte quasi eine Kreuzung aus AOR und melodischem Metal.

Es folgte erneut eine fünfjährige Stille, die 1993 mit der Veröffentlichung von »Watching The World« gebrochen wurde. Erschienen bei dem feinen englischen Melodic-Label NOW & THEN war die Scheibe deutlich glätter produziert, was sich allerdings leicht daher erklären läßt, daß »Watching The World« in Jeffs eigenem Studio entstand. Man braucht kein Prophet zu sein, um sagen zu können, daß Jeff die Platte über Jahre hinweg zurechtgefeilt hatte (fast wieder im Alleingang, ohne Beteiligung von Michael Soldan, während kleine Sidejobs zum Großteil von den altbewährten Jeff Batter und Jay Johnson getätigt wurden), so daß der Griff zu Poliermitteln sich geradezu aufdrängte. Dennoch bietet auch »Watching The World« Songs der Spitzenklasse, die einem nie wieder loslassen.

Cannata-Cover: »Watching The World«

Die drei ARC ANGEL- bzw. Cannata-Werke sind heuer superschwer zu besorgen. Mit etwas Glück kann man »Arc Angel« ab und an entdecken, während sich die Suche nach »Images Of Forever« deutlich schwieriger gestalten dürfte, zumal oft freche Preise für das gute Stück verlangt werden. »Watching The World« hingegen konnte man bis vor kurzem noch in Wühlkisten für einen Zehner entdecken. Die beiden ersten Scheiben sind auch als Vinyl erschienen, doch es würde an ein Wunder grenzen, wenn man noch irgendwelche lebenden Exemplare dieser Spezies finden würde.

Leider stellt »Watching The World« immer noch den letzten Output von Jeff dar (und die standardmäßige fünfjährige Kreativpause ist längst verstrichen). Daher gleicht der Schlußsong von »Watching The World« einer Offenbarung: Unter dem Titel ›Ian's Song‹ sagt ein kleiner Junge tapfer ein Sprüchlein auf. Es ist nicht schwer zu erraten, daß es sich dabei um den Cannata'schen Sprößling handelt, den der stolze Papi auf seinem Silberling verewigen wollte. Dies läßt die Befürchtung aufkeimen, daß sich die Schwerpunkte im Leben des Meisters Cannata verlagert haben und die derzeitige Schweigeminute bis in alle Ewigkeit dauern wird. Ich jedoch werde nie aufhören zu hoffen, daß es doch nochmal ein Cannata-Werk geben wird!

ARC ANGEL (US, CT)/Cannata

Discographie

ARC ANGEL – Arc Angel (LP)1983

Cannata – Images Of Forever (LP)1988

Cannata – Watching The World (CD)1993

Stand: April 2001


Stefan Glas


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