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Contents:  MUCUPURULENT/IMPENDING DREAD/MINDFLAIR-''Living Underground''-Artikel

Date:  02.10.1997 (created), 05.07.2022 (revisited), 05.07.2022 (updated)

Origin:  FEEDBACK

Status:  published

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Comment:

Dieser Abend war Underground pur, so daß ich froh war, daß ich Miriam an meiner Seite hatte - nicht nur, weil ich hemmungslos für sie schwärmte, sondern auch, weil sie sich in dieser Krachmaten-Szene besser auskannte als ich.

Supervisor:  Stefan Glas

 
 

MUCUPURULENT
IMPENDING DREAD
MINDFLAIR

Kaiserslautern, Fillmore

...und das Gemetzel geht weiter... - heuer allerdings nur in Form von Songtiteln und Musik. Das Festival mit MUCUPURULENT, IMPENDING DREAD und den Lokalmatadoren MINDFLAIR sollte nach längerer Zeit wieder ein Forum für die Anhänger des ganz harten Stoffes sein.

MINDFLAIR-Liveshot

MINDFLAIR aus K-Town (laut eigener Aussage jedoch aus Yokohama...) eröffneten das Gipfeltreffen mit einer Stunde Verspätung. Sogleich mußten die etwa 100 anwesenden Konferenzteilnehmer Ausschau nach dem zweiten Gitarristen von MINDFLAIR halten. Dieser gehörte jedoch seit zwei Wochen nicht mehr zur Besetzung, so daß man um so gespannter auf eine Grindcoreband mit einem Sechssaiter, Drummer und Vokalisten sein durfte. Doch der Abgänger wurde nicht vermißt, denn man konnte MINDFLAIR von Beginn an einen fetten Sound bescheinigen, obwohl notgedrungen etliche Soli fehlten beziehungsweise verschiedene Songs gekürzt werden mußten. Bei den lyrischen Bemühungen blieben MINDFLAIR ihren Grindcore-Roots (beziehungsweise -klischees?) treu. Sie warteten mit Songs wie ›I Fucked Lassie‹ oder ›Flipper Had A Tripper‹ auf, boten (ebenso wie später MUCUPURULENT) Zwei-Sekunden-Songs feil wie beispielsweise ›Enzephaloopthalmodysplasie‹ (es handelt sich hierbei um den medizinischen Fachausdruck für eine angeborene retrolentale Fibroplasie - Anm. d. Verf.) und erzählten die Story von der "ewigen Ruhe". Bei jenem Song mit dem Titel ›Endlich ist Ruhe‹ dreht es sich um eine Geschichte aus der BILD-Zeitung, derzufolge ein Typ seine Nachbarin, eine Klavierlehrerin, zerstückelte, um endlich Ruhe zu haben. Die imposanteste Erscheinung des Abends war MINDFLAIR-"Sänger" Moshfred alias Manfred Lahmers: Zwei Meter lang, mit unzähligen Piercings bestückt, fiel er auf der Bühne herum wie ein angeschossenes Stück Wild im Todeskampf und sorgte für eine echt psychomäßige Performance (siehe Foto). MINDFLAIR verließen schließlich nach mehreren "Flughafen", im Volksmund auch Zugaben genannt, die "Fillmore"-Bühne und ließen IMPENDING DREAD ans Werk.

IMPENDING DREAD-Liveshot

Diese hatten mit ihrem melodischen Deathrash zwischen zwei Grindcore-Acts einen schweren Stand. Zudem waren IMPENDING DREAD den Anwesenden durchweg unbekannt, weshalb keine richtige Stimmung aufkommen wollte. Dennoch bot der Vierer gute, auf hohem musikalischen Niveau angesiedelte Songs, unter denen sich sogar eine Halbballade befand. Zwar hatten IMPENDING DREAD die Originalität nicht mit Löffeln gefressen und manche Parts erinnerten stark an SLAYER zu »Seasons In The Abyss«-Zeiten, die geschickt ins Songmuster eingewoben wurden. Dennoch konnte die Formation Vielseitigkeit beweisen, indem man geschickt mit Melodiepassagen arbeitete und gelegentlich instrumentale Brücken zum Power Metal schlug. Vor einem anderen, weniger grindigen Publikum hätten IMPENDING DREAD sicherlich mehr reißen können.

MUCUPURULENT-Liveshot

Die Headliner MUCUPURULENT aus Ludwigsburg hatten da schon mehr Glück: Ihr Silberling »Sicko-Baby« war den meisten Anwesenden hinlänglich bekannt, und so hatte die Band das "Fillmore" schnell auf ihrer Seite. Die Combo besteht aus zwei Gitarreros, von denen einer für die Grunzparts zuständig ist (wobei seine Bemühungen wie das Blubbern von kochendem Teer anmuteten) und einem Schlagzeuger, der trotz seines schnellen Drummings noch genug Puste für die schrillen Kreischvocals hat. In Sachen Sound (äußerst düster und kompakt) und Struktur sind MUCUPURULENT nicht weit von MINDFLAIR entfernt, wobei die Schwaben speziell auf Groove-Parts Wert legen und auch mal den Fuß vom Gas nehmen können. Mit lautstarken Rufen verlangten einige Fans nach ›Fotzenkrebs‹ (womit sie den Song ›Vaginal Cancer‹ von der MUCUPURULENT-CD meinten) und zeigten zugleich, daß sie das Album des Trios fleißig gehört hatten. Dieser Song bewies einmal mehr, daß es auch im Grindcore-Bereich klassische Mitgrölsongs gibt. Schließlich widmeten MUCUPURULENT ihren Song ›Pierced By A Driller‹ MINDFLAIR-Fronter Moshfred, und alle waren glücklich. Den Ludwigsburgern war also ein passender Abschluß der Lautrer Grindtagung gelungen, und sie verdeutlichten erneut, warum sie als potentieller Nachfolger der Genre-Kultband GUT gehandelt werden. Jedoch besteht bei MUCUPURULENT kein Bedarf wie GUT in Strapsen und ähnlichen Utensilien auf der Bühne aufzutauchen. Derartige sexistische Gimmicks hat man im Schwabenländle nicht nötig, sondern beschränkt sich auf die Musik. Äh, es handelt sich doch um Musik, oder?!?


Miriam Nabinger + Stefan Glas

Photos: Stefan Glas

IMPENDING DREAD im Überblick:
IMPENDING DREAD – Feedback 36-"Living Underground"-Artikel (aus dem Jahr 1997)
© 1989-2023 Underground Empire


MINDFLAIR im Überblick:
MINDFLAIR – Feedback 36-"Living Underground"-Artikel (aus dem Jahr 1997)
© 1989-2023 Underground Empire


MUCUPURULENT im Überblick:
MUCUPURULENT – Feedback 36-"Living Underground"-Artikel (aus dem Jahr 1997)
© 1989-2023 Underground Empire


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