UNDERGROUND EMPIRE the ONLINE EMPIRE-Titel
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”Y-Files”-Datasheet

Contents:  OBSIDIAN GATE-Interview

Date:  15.03.2001 (created), 25.06.2022 (revisited), 25.06.2022 (updated)

Origin:  post-UNDERGROUND EMPIRE 7

Status:  unreleased

Reason:  medium missing

Task:  revitalize

Comment:

Mittlerweile ist UNDERGROUND EMPIRE 7 komplett online, so daß wir uns nun den Beiträgen zuwenden, die bereits für die Nachfolgeausgabe entstanden waren. Da diese nie erscheinen sollte, blieben diese Texte bislang unveröffentlicht; lediglich einige wurden für die frühen Online-Ausgaben verwendet. Daß aber wir auch nach UNDERGROUND EMPIRE 7 fleißig waren, zeigen diese Artikel, die nun auf diesem Weg veröffentlicht werden; darunter befinden sich allerdings auch einige Fragmente, die in ihrem unvollständigen Zustand wiederbelebt werden, um einen möglichst genauen Eindruck davon zu vermitteln, wie UNDERGROUND EMPIRE 8 hätte aussehen sollen.


Dieser Text von Ralf (und einige andere) sind entstanden, als die Online-Version von UNDERGROUND EMPIRE schon aktiv war. Somit stellt sich auch die Frage, ob obige Betrachtung zu UNDERGROUND EMPIRE 8 hier überhaupt paßt; aber völlig falsch ist sie auch nicht, denn es gab nie einen Punkt, an dem meinereiner offiziell beschloß, daß es eine weitere Printausgabe des UNDERGROUND EMPIRE nicht geben würde. Doch zurück zu Ralfs Text: Warum wurde es nicht veröffentlicht? Ich kann das heute nicht mehr sagen, aber ich vermute, daß es vor allem damit zu tun hatte, daß ich damals beruflich stark eingespannt war. Zudem war die Neuprogrammierung des Content Management-Systems sehr zeitaufwendig. Also vermutlich fehlte mir einfach die Zeit, um dieses Review einzubinden. Sorry, Ralf! Doch nun soll es zumindest in den "Y-Files" ein Plätzchen finden.

Bei diesen Texten war es auch schwer, den Zeitpunkt, an dem sie entstanden sind, festzulegen. Ich konnte lediglich auf das Datum zurückgreifen, an dem die entsprechende Textdatei zum letzten Mal abgespeichert worden war.

Supervisor:  i.V. Stefan Glas

 
 

OBSIDIAN GATE-Logo

Deutschland braucht sich mit einer Band wie OBSIDIAN GATE sicherlich nicht hinter dem Rest der Welt zu verstecken. Wer etwas mit komplexer, symphonisch arrangierter Raserei anfangen kann, der muß diese Ausnahmetruppe einfach anchecken! Wahre Meister ihrer Kunst eben und es wird Zeit, daß mehr Fans Notiz von OBSIDIAN GATE nehmen. Ralf war dermaßen vom neueste Werk »Collossal Christhunt«, beeindruckt daß er Markus Z., welcher für den Gesang, die Gitarren und Drums zuständig ist, mit seinen Fragen löcherte.

Wie geht es denn so?

Salve, hier Markus von OBSIDIAN GATE. Mir geht's bestens, bin gerade wieder vom "Wacken"-Festival zurückgekommen und habe jetzt trotz schlechten Wetters einen Sonnenbrand. War aber sehr lustig und vor allem sehr süffig.

Kannst Du mir etwas über die Anfänge von OBSIDIAN GATE mitteilen? Wann ging es los, und wie seid Ihr auf die Idee gekommen, eine symphonische Black Metal-Band zu gründen?

Wir haben 1994 angefangen, Black Metal zu spielen. Damals war die Mucke aber noch wesentlich rauher und gradliniger, mehr so MARDUK-mäßig. Die symphonische Seite kam erst mit unserem zweiten Demo »The Prime Uncreation« von 1998 mehr zum Tragen, da wir uns ab dieser Zeit mehr mit klassischer Musik und Soundtracks beschäftigt haben. Dieses Demo führte dann letztendlich zu unserem Deal mit SKALDIC ART.

Was denkt Ihr rückblickend über Euer Debut »The Nightspectral Voyage«? Musik und Songs waren geil, aber ich fand die Produktion zu steril und etwas drucklos!

Da hast Du nicht ganz unrecht, die Produktion von »The Nightspectral Voyage« könnte noch mehr knallen. Wir waren damals noch recht unerfahren im Studio, und bei einem solchen Mammutalbum saß uns auch die Zeit im Nacken, so daß beim Mix einige Details, wie die Leadgitarren, nicht übermäßig berücksichtigt werden konnten. Aber was soll's, ich finde nach wie vor, daß es ein sehr gutes Debutalbum geworden ist, auch wenn wir uns mittlerweile doch noch um einiges steigern konnten.

Habt Ihr auf »Colossal Christhunt« eigentlich richtige Drums, denn es klingt diesmal wesentlich druckvoller.

[lacht] Leider noch nicht. Wir haben diesmal aber ein besseres Soundmodul verwendet als noch bei »The Nightspectral Voyage«, was auch den druckvolleren Sound hergibt. Aber beim nächsten Album wird ein richtiges Schlagzeug zu hören sein, welches ich persönlich einspielen werde, denn endlich bin ich im Drumming soweit fortgeschritten, daß wir endlich auf progammierte Drums verzichten können.

Eure Musik ist sehr schnell, aber auch komplex und symphonisch. Dazu heben sich Eure Lyrics auch deutlich vom Schulenglisch vieler Genrebands ab. Wie wichtig sind Euch gute Texte, wenn man bedenkt, daß die meisten Fans sie gar nicht lesen beziehungsweise verstehen?

Gute Texte sind enorm wichtig! Die Lyrics müssen im Einklang zur Musik stehen. Es kommt einfach nicht gut, wenn komplexe und tiefgründige Musik mit flachen, nichtssagenden Texten versehen wird. Bei OBSIDIAN GATE ist es mir daher wichtig, die Lyrics so zu schreiben, daß sie möglichst vielschichtig interpretiert werden können. Um so häufiger liest man sie, um so mehr wird man durch die Fassade ins Innenleben geführt, wo der eigentliche Kern verborgen ist. So etwas erreicht man schließlich nicht mit Phrasen wie "Kill the Christians, Ave Satan, Fuck the pope's ass..." oder ähnlichem Zeug.

Bei dem Cover mußte ich unweigerlich an Filme wie "Gladiator" und besonders "Quo Vadis" denken. Haben Euch solche Schinken auch inspiriert?

Irgendwie schon, denn trotz martialischer Story sind diese Filme monumental ausgelegt und beherbergen eine Fülle unterschiedlicher Elemente. Und da wir ja mit »Colossal Christhunt« einen Song hatten, der sich auch inhaltlich mit dem alten Rom beschäftigt - wenn auch mit rein fiktiven Elementen versehen, wie der Besessenheit Neros durch Satan - lag es auf der Hand, ein Cover zu verwenden, welche die Lyrics passend untermalt.

Ein Konzept steckt aber nicht hinter »Colossal Christhunt«, aber womöglich ein roter Faden, welcher die Stücke verbindet, oder?

Bei »The Nightspectral Voyage« gab es ein übergreifendes Konzept, bei »Colossal Christhunt« hingegen nicht. Jeder Song steht für sich. Der rote Faden existiert nur in der Hinsicht, daß sämtliche Lyrics wesentlich traditionell-satanischer gehalten sind, wenn auch nicht so oberflächlich. Auch das nächste Album wird kein Konzeptalbum sein, auch wenn dafür ein Leitthema für alle Texte gegeben sein wird. Bei »Colossal Christhunt« hat jeder Song sein eigenes Themenfeld, was man meiner Meinung nach auch leicht herauslesen kann.

Für die sehr gelungenen Tenor- und Chorgesänge konntet ihr Martin Wiese von ENID gewinnen. Wie kam der Kontakt zustande?

Vratyas von SKALDIC ART kennt Florian von ENID schon etwas länger, und als wir hörten, daß Martin, der Kopf von ENID, eine klassische Gesangsausbildung genossen hat und nebenbei noch in einem Chor singt, haben wir uns ein Tape von ENID schicken lassen. Da uns Martins Stimme darauf sehr gefiel, haben wir einfach mal nachfragen lassen, ob er Lust hätte, auf unserem Album die Choralvocals zu übernehmen, und er sagte zu. Martin ist wirklich ein As auf diesem Gebiet. Er war nur einen Tag im Studio und hat seine Parts alle selber geschrieben, nur durch Hören der jeweiligen Passage. Wir wollen ihn auch für das nächste Album wieder verpflichten, denn er hat absolut großartige Arbeit geleistet! (Fürwahr - Ralf)

Ich finde, daß Eure Musik mit jedem Hören wächst. Siehst Du das auch so?

Definitiv, sogar ich selbst entdecke je nach Stimmung neue Elemente in unserer Musik. Wir wollen nun mal keine Songs schreiben, die man nach ein- bis zweimal Hören in- und auswendig kennt und danach wegen Langeweile erstmal beiseitelegt. Zwar entsteht die Vielschichtigkeit in unseren Stücken quasi von selbst, aber dies zeigt, daß wir unterschwellig stets voller Ideen sind, die gut miteinander harmonieren und durch die die typische OBSIDIAN GATE-Atmosphäre erzeugt wird. Ich könnte mir nicht vorstellen, jemals einen simplen und auf Anhieb eingängigen Song zu schreiben, denn das würde uns schon beim Komponieren langweilen. Unsere Musik ist wie ein Wein, sie muß in den Ohren und Hirnen der Hörer reifen, um ihre wahre Gestalt offenbaren zu lassen. Erst dann sind wir wirklich zufrieden. Man muß sich halt damit beschäftigen, dann erkennt man auch die Elemente, die weit unter der Oberfläche verborgen sind.

Wie sieht es eigentlich mit Liveauftritten auf? Seid Ihr mit OBSIDIAN GATE bereits aufgetreten? Wie sieht oder sähe denn ein Gig von Euch aus?

Wir sind bis jetzt zweimal aufgetreten, und jedes Mal waren wir mit dem Sound unzufrieden. Außerdem ist unser Line-up nicht wirklich livekompatibel, wir müßten Sessionleute anheuern, aber wir haben keinen Bock darauf, unsere Zeit damit zu verbringen, diese anzulernen. Ach, und ich vergaß: Daniela ist nicht mehr dabei. (Oh Graus - Ralf) Es gab persönliche Differenzen, und sie mußte das Feld räumen. Aber keine Angst, Marco ist noch tausendmal besser als Dani und hat auf beiden Alben das meiste an Orchestrationen komponiert. Aber zurück zu Deiner Frage... Sollten wir noch einmal live auftreten, dann am besten mit einem richtigen Streichorchester und Sessionleuten. Aber das ist noch ferne Zukunft, also beschränken wir uns darauf, neue, immer bessere Stücke zu erschaffen...

Auf den Fotos tragt Ihr alle Corpsepaint! Was bedeutet es Euch?

Wir haben von Anfang an Corpsepaint benutzt, also haben wir es bislang beibehalten. Allerdings nicht um möglichst böse auszusehen, sondern um dem Gesamtkunstwerk eine weitere, diabolische Komponente hinzuzufügen, welche Musik und Lyrik weiter untermalt. Mittlerweile benutzt aber jeder Depp Corpsepaint, sogar als Faschingsgag tragen irgendwelche Leute es auf. Ich denke, für das nächste Album werden wir, da der Mythos Corpsepaint inzwischen zerstört ist, auf das Paint verzichten und mittels grafischer Bearbeitung versuchen, eine dunkle Aura um unser Antlitz zu weben. (Finde ich gut - Ralf)

Die einzige Band, die man in etwa mit Euch vergleichen könnte wären LIMBONIC ART aus Norwegen. Was hältst Du von diesem Vergleich?

Nicht besonders viel, da wir uns mittlerweile doch recht stark von LIMBONIC ART unterscheiden. Bei »The Nightspectral Voyage« war der Vergleich vor allem wegen des kosmischen Konzepts nicht so weit von der Hand zu weisen, aber inzwischen ist unsere Musik individueller geworden. Die einzige Gemeinsamkeit liegt meiner Meinung nach in der Verwendung opulenter Orchester-Elemente. Aber LIMBONIC ART klingen weitaus elektronischer, was die Keyboardsounds und vor allem deren Einbindung von Dark Wave- und Ambient-Elementen anbetrifft. Desweiteren sind unsere Gitarrenparts opulenter und technischer, was beim nächsten Album noch offensichtlicher werden wird. Auch werden unsere Orchestrationen immer authentischer sowohl im Sound als auch in der Komposition, während LIMBONIC ART diese mit dem letzten Album sehr weit in den Hintergrund gestellt hatten. Was mich wundert, ist die Tatsache, dass wir noch nie mit beispielsweise OBTAINED ENSLAVEMENT verglichen wurden, da diese auf den Alben »Witchcraft« und »Soulblight« ebenfalls massive Klassik-Elemente verwendet haben. Es ist ohnehin ein Phänomen, daß eine neuere Band stets mit größeren Bands verglichen wird, selbst wenn der Vergleich erheblich hinkt und die Band etwas Eigenes auf die Beine stellen will. Uns hat man schon mit fast allem verglichen, was bekannt ist und Keyboards verwendet, besipielsweise DIMMU BORGIR, EMPEROR und ARCTURUS. Wir wurden sogar schon mit CRADLE OF FILTH verglichen, was wir absolut nicht nachvollziehen können, denn bei uns gibt es keine Vampire, kein Weiber-Gezirpe und keine Pseudo-Gothic-Schunkelriffs. Tja, versteh' einer die Ohren vieler Schreiberlinge. [lacht] (Zu meiner Verteidigung muß ich anmerken, daß man von einem Schreiber teilweise irgendwelche Vergleiche einfach erwartet! Ich hasse das ebenso, aber so ist das eben - Ralf)

Was sind Deiner Meinung nach die fünf wichtigsten Black Metal-Alben?

1. DARKTHRONE - A Blaze In The Northern Sky
2. EMPEROR - In The Nightside Eclipse
3. MARDUK - Those Of The Unlight
4. EMPEROR - Anthems To The Welkin At Dusk
5. DARK FUNERAL - The Secrets Of The Black Arts

Die BATHORY- und VENOM-Scheiben habe ich hier mal außen vor gelassen, da ich erst 1992 mit Black Metal angefangen habe. Daß diese Scheiben überaus wichtig für den Black Metal waren, dürfte aber unbestreitbar sein.

Welche Frage würdet Ihr gerne einmal gestellt bekommen?

Hm, mal überlegen. Also, die Frage nach der Größe unserer Lümmel ist bislang noch nie gestellt worden. Kommt vielleicht noch... [kichert] Oder wie viele Groupies wir schon hatten, oder welches Bier wir gerne saufen, oder, oder, oder... Würde die Leser doch sicherlich interessieren. Mal im Ernst, mir fällt keine Frage ein...

Zukunftspläne und letzte Worte?

Also, momentan arbeiten wir an unserer dritten Scheibe, Konzept steht, ebenso drei Songs, die alles schlagen, was wir jemals verbrochen haben. Variabler, intensiver, opulenter, düsterer und von der Orchesterseite wesentlich authentischer. Vor Herbst nächsten Jahres wird die Scheibe aber wohl nicht herauskommen. Desweiteren besten Dank, lieber Ralf, für dieses geile Interview und Dir und dem Metal Observer alles Gute! Und jeder, der orchestralen Black Metal mit viel Speed, düsterer Atmosphäre und Komplexität mag sollte sich unsere Scheiben mal anhören. Es lohnt sich! Schaut mal auf die Homepage.

http://www.obsidiangate.de/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Ralf Henn

OBSIDIAN GATE im Überblick:
OBSIDIAN GATE – Y-Files-Interview (aus dem Jahr 2001)
OBSIDIAN GATE – News vom 04.10.2010
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