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”Y-Files”-Datasheet

Contents:  "Pole Position"-Festival-''Living Underground''-Artikel

Date:  1997 (estimated, created), 21.01.2022 (revisited), 21.01.2022 (updated)

Origin:  post-UNDERGROUND EMPIRE 7

Status:  unreleased

Reason:  medium missing

Task:  revitalize

Comment:

Mittlerweile ist UNDERGROUND EMPIRE 7 komplett online, so daß wir uns nun den Beiträgen zuwenden, die bereits für die Nachfolgeausgabe entstanden waren. Da diese nie erscheinen sollte, blieben diese Texte bislang unveröffentlicht; lediglich einige wurden für die frühen Online-Ausgaben verwendet. Daß aber wir auch nach UNDERGROUND EMPIRE 7 fleißig waren, zeigen diese Artikel, die nun auf diesem Weg veröffentlicht werden; darunter befinden sich allerdings auch einige Fragmente, die in ihrem unvollständigen Zustand wiederbelebt werden, um einen möglichst genauen Eindruck davon zu vermitteln, wie UNDERGROUND EMPIRE 8 hätte aussehen sollen.

 


 

»Pole Position« war ein Sampler, der unsigned Bands aus der französischen Stadt Saint Dizier präsentierte. Zur Veröffentlichung der CD gab es ein Konzert mit allen beteiligten Bands. Dieser Konzertbericht wurde damals in der Annahme geschrieben, daß parallel dazu das Review erscheinen sollte. Das geschah jedoch erst viel später in einer Online-Ausgabe, und das Livereview erschien gar nie.

Die "Y-Files" stellen folglich die zweite Chance für den Artikel dar, und wer mehr Background zu der "Pole Position"-Initiative möchte, braucht sich nur zu unserer Besprechung der Sampler-CD zu klicken.

Ich kann mich noch sehr gut an die tolle Gastfreundschaft von Organisatorin Béata und der Crew sowie der Bands erinnern. Am deutlichsten ist mir aber in Erinnerung geblieben, daß einer der Mitarbeiter - hackedicht! - mich vehement darauf hinwies, daß die deutschen Fußballclubs im Vergleich zu den französischen komplett einpacken könnten, und mir dabei ziemlich auf die Pelle rückte. Am nächsten Tag entschuldigte er sich tausendfach dafür und erklärte mir, daß der Beaujolais Primeur Schuld an seinem Verhalten gehabt habe. Aber: Auf diese Weise hatte er mir wunderbare die Inspiration für die Einleitung zum Review gegeben.

Supervisor:  Stefan Glas

 
 

"Pole Position"-Festival

Saint Dizier (Frankreich)

22.11.1997

Erst war der Tag des Beaujolais Primeur (wie der Franzose den Neuen Wein bezeichnet) als der »Pole Position«-Sampler live präsentiert werden sollte. Daher gab es parallel zu den Aufbauarbeiten in der Stadthalle von Saint Dizier ein feuchtfröhliches Drumherum, so daß die Roadies und Stage Hands immer wieder zum Auftanken Richtung Catering marschierten. Daher begann der Soundcheck mit unbedeutenden vier Stunden Verspätung, aber nach der urtypischen lockeren französischen Lebensphilosophie schaffte man er dennoch, daß alle Bands bis Konzertbeginn ihren Sound kurz testen konnten.

Der erste Tag stand im Zeichen der Normalo-Rocker, die auf dem Sampler vertreten waren - mit Namen MYSTIC, LES SCREWS, FIREBIRDS und DIES IRAE - so daß wir ihn außen vor lassen wollen und uns stattdessen auf den zweiten Tag konzentrieren wollen, der ganz im Zeichen der Double Bass und der MARSHALL-Türme stand.

ABLAZE

Zur Eröffnung des Tages entdeckte der verwunderte Gast kein Mikro auf der Bühne. Doch die Erklärung ist einfach: ABLAZE hatten beim Studiotermin für den Sampler noch keinen Sänger, so daß sie auf »Pole Position« einen Instrumentaltrack präsentierten. Zwar hatte die Band mittlerweile seit knapp einem Monat einen Sänger gefunden, aber man konnte mit dem neuen Mann noch nicht genug proben, so daß man an diesem Abend erneut instrumental auftrat und der Sänger erst auf den ersten Demo-CD zu hören sein wird, deren Aufnahmen bereits geplant sind.
Daß die Band ein mehr als ausgeprägtes Selbstbewußtsein hat, dokumentierte sie dadurch, daß sie ihren Set mit ›Pull Me Under‹ von DREAM THEATER eröffneten. Da sich die Musiker jedoch technisch auf höchstem Niveau bewegen, meisterten sie diese Aufgabe ohne Probleme. Doch auch mit den eigenen Werken brauchen sie nicht hinter dem Berg zu halten: Sie klingen derart schlüssig, daß man spontan bei der instrumentalen Präsentation on stage Gesangslinien dazu kreieren konnte. Am meisten Eindruck konnte dabei ›Marching Out In A Blaze Of Glory‹ hinterlassen.
Eine sehr verheißungsvolle Band, die man im Auge behalten sollte, denn hier reift eine französische Prog-Hoffnung heran!

OBLIVION

Die nächste Band OBLIVION schien die Linie von ABLAZE fortzusetzen: Man startete mit einem Instrumentalintro, doch dann durfte der Sänger ran, und man legte gleichfalls sehr progressiv los, aber es sollte doch schnell deutlich werden, daß man härter als ABLAZE agieren würde.
OBLIVION sorgten bereits beim zweiten Song für eine gelungene Überraschung: Man coverte ›Lying In Wait‹ von DEPRESSIVE AGE - Kult, wenngleich der Drummer gelegentlich ziemlich an seinen Kollegen vorbeispielte. Damit nicht genug der Coverversionen: Man hatte sich ebenfalls DREAM THEATERs ›The Mirror‹ und ›Pull Me Under‹ sowie ›Empire‹ von QUEENSRYCHE vorgenommen. Dabei konnte sich besonders der Keyboarder von OBLIVION hervortun, was um so erstaunlicher ist, wenn man bedenkt, daß es sich um einen Teenie von maximal 15 Lenzen handelte.
Letztlich gab es neben besagtem Instrumentalintro nur zwei eigene Lieder zu hören. Die hinterließen jedoch nicht zuletzt dank der gelungenen Breaks einen guten Eindruck - wäre da nicht ein Manko gewesen: Der Sänger plärrrrrte unheimlich gern, wodurch leider die Melodien flötengingen.

MORE BEER

Es folgte die härteste Band des Festivals: MORE BEER, die in Saint Dizier und Umgebung einen echten Kultstatus genießen. Dennoch sollte der Auftritt der Schlußpunkt in der Karriere der Band sein, da man bereits lange zuvor beschlossen hatte, die Band zu Grabe zu tragen.
Auffällig neben der Tatsache, daß der Bassist auch bei OBLIVION spielte, waren der total durchgeknallte Gitarrist und daß MORE BEER als erste Band für Action auf den Brettern sorgte. Dementsprechend gab es auch jede Menge Gehopse im Publikum, das den (definitiv nicht TANKARD-lastigen) Thrash der Band ausgelassen feierte. Ihr letztes Konzert begossen MORE BEER schließlich mit der SLAYER-Coverversion ›Antichrist‹.
Dem Anlaß angemessen wurden MORE BEER für eine Zugabe zurück auf die Bühne gejubelt. Folglich köpften MORE BEER ihre letzte Pulle und spielten erneut den Samplerbeitrag ›Morituri‹ und siehe da - jetzt flogen sogar die Stagediver durch die Luft!

BEWARE OF DOGS

Dann durfte die Chefin persönlich an die Front: "Pole Position"-Initiatorin Béata Pluciennik schnappte sich das Mikro, und ab sofort hieß es BEWARE OF DOGS! Die Kapelle fetzte traditionellen Metal aus den Speakern und legte dabei sehr viel Wert auf die Backgroundchöre. Béata bewegte sich mit schlafwandlerischer Sicherheit über die Bühne und verstand es von allen Frontern des Abends am besten, mit dem Publikum zu kommunizieren. Zwischen die eigenen Kläffer streuten BEWARE OF DOGS Coverversionen wie sie unterschiedlicher kaum sein konnten: ›Come Together‹ von den BEATLES, ›War Pigs‹ von BLACK SABBATH, ›Sharp Dressed Man‹ von ZZ TOP und ›Running Free‹ von IRON MAIDEN.
Das netteste Bild des Abends gaben ein Junge und ein Mädchen im Alter zwischen vier und sieben Jahren ab: Obwohl es schon superspät war, saßen sie nach wie vor gebannt hinter den Monitorboxen am Bühnenrand und schenkten dem dortigen Treiben ihre ungeteilte Aufmerksamkeit - so sehr, daß einer der beiden dem BEWARE OF DOGS-Gitarristen wieder sein Plektrum zurückgab, das er in die Menge hatte werfen wollen.

INPHEA

Es war bereits nach 1.00 Uhr als die letzte Band INPHEA sich an dem ein Beispiel nahm, was Michael Schenker in einem seiner besten Songs gesagt hatte: "Walk the stage tonight."
Die Band präsentierte normalen Metal, der sehr melodisch gehalten war und besonders durch gute Gitarren, die teils zweistimmig eingesetzt wurden, zu gefallen wußte. Soweit war also alles unbedenklich, was man von einem anderen Element von INPHEA nicht behaupten konnte: Der Sänger bot ein reichlich krankes Stageacting, der mit seiner Performance alle Aufnahmebedingungen für die geschlossene Abteilung erfüllt hätte...
Schließlich luden INPHEA uns gemeinsam mit DEEP PURPLE zum ›Space Truckin'‹ ein und ein tolles Festival fand sein Ende. Daher störte es niemand, daß zu diesem Zeitpunkt die Sonne fast schon wieder aufging...


Stefan Glas

Photos: Stefan Glas


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