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  UE-Home → Online Empire 87 → Interview-Übersicht → ELECTRIC BOYS-Interview last update: 11.04.2021, 19:51:58  

ELECTRIC BOYS-Logo

Da die Schweden mit dem ĂŒberaus ambitionierten »The Ghost Ward Diaries« vor drei Jahren wieder gehörig Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnten, ĂŒberrascht es nur wenig, daß mit »Ups!de Down« dieser Tage ein nicht minder zwingender Nachfolger in den Startlöchern steht.
Ob die ELECTRIC BOYS damit an ihre - zumindest finanztechnische - Glanzzeit in der ersten HĂ€lfte der letzten Dekade des vorigen Jahrhunderts anknĂŒpfen können, weiß zwar niemand, SĂ€nger, Bandsprachrohr und Oberhaupt Conny Bloom blickt aber zumindest positiv in die Zukunft.

Mit dem nunmehr bereits vierten Dreher seit der Wiederaufnahme des Bandbetriebs habt Ihr bereits mehr Material veröffentlicht, als das in Eurer ersten Existenzphase der Fall war. Motivation scheint bei Euch wieder im Übermaß vorhanden zu sein, oder?

An Motivation hat es im Prinzip auch nie wirklich gemangelt. Also, an jener Motivation, die es braucht, um Musik zu machen, meine ich. Ich kann und will diesbezĂŒglich zwar jetzt nur fĂŒr mich sprechen, aber selbst in jenen dunkelsten Stunden der Band, als wir uns dazu entschlossen haben, die "BOYS" auf Eis zu legen und eine kreative Pause einzulegen, hatte das nichts mit der Musik selbst zu tun. Alles andere drumherum jedoch, konnte mir zu diesem Zeitpunkt gerne gestohlen bleiben. Vom Business hatte ich damals die Schnauze wirklich voll!

ELECTRIC BOYS-Headline

Zum GlĂŒck fĂŒr uns alle, hat sich Deine diesbezĂŒgliche Laune alsbald aber doch wieder gebessert. Gab es einen speziellen Moment dafĂŒr?

Nein, eigentlich nicht. Im Nachhinein denke ich, daß allein die Tatsache ausgereicht hat, ein wenig Abstand von all dem GeschĂ€ftskram bekommen zu haben. Auch wenn es sich danach fĂŒr unsere Fans ewig angefĂŒhlt haben muß, ehe wir uns als Band wieder zusammengefunden und ins GetĂŒmmel geschmissen haben.

UntÀtig warst Du ja ohnehin nicht, auch wenn Deine BetÀtigungsfelder in unseren Breiten nur zum Teil bekanntgeworden sind. Woran lag das?

Du meinst die Geschichte mit Ginger, oder? Das kann ich gut nachvollziehen. Er war damals in einer Ă€hnlichen Situation wie ich. Wir trafen uns zunĂ€chst lediglich zum Jammen, hatten aber recht bald einige Songs aufnahmebereit. Den Rest ĂŒbernahm mehr oder weniger das Label. Der Name des Projekts, SILVER GINGER 5, ging zwar auf ihn zurĂŒck, alles andere aber war vom Label angeordnet und gesteuert. Unter anderem die Dringlichkeit ein Album zu veröffentlichen. Warum die Geschichte an Mitteleuropa nahezu unbemerkt vorĂŒbergezogen ist, kann ich Dir schnell erklĂ€ren. Die Veröffentlichung des Albums war von Anfang an auf Japan und das UK beschrĂ€nkt. DafĂŒr aber mit viel Streß verbunden, weshalb die Geschichte fĂŒr mich auch bald wieder beendet war.

Bei HANOI ROCKS scheinst Du glĂŒcklicher gewesen zu sein, korrekt?

Auf jeden Fall! Und das nicht nur, weil es mir in jener Zeit wieder viel einfacher gefallen ist, mich in eine Band einzubringen. Mit Michael Monroe und Andy McCoy zu arbeiten war generell eine ganz andere Hausnummer, auch wenn ich mich lediglich bei »Street Poetry«, dem zweiten Album, das wir gemeinsam eingespielt haben, am Songwriting beteiligen konnte.

Darf ich daraus schließen, daß es eine Neuaufnahme des Bandbetriebs der ELECTRIC BOYS womöglich gar nicht gegeben hĂ€tte, wenn HANOI ROCKS nicht anno 2008 offiziell zu Grabe getragen worden wĂ€ren?

Schwer zu sagen. Ich glaube nicht, daß wir es bleiben hĂ€tten lassen, der Zeitpunkt wĂ€re aber wohl ein anderer gewesen. Irgendwann wĂ€re es aber bestimmt passiert. Und Andy Christell wĂ€re als Bassist auch auf jeden Fall dabeigewesen. Was mich damals aber doch etwas ĂŒberraschte, war, wie schnell sich alle anderen dazu entschieden hatten, mit dabei zu sein. Das Feuer war also wieder entfacht, und es war wirklich nicht allzu kompliziert mit dem Schreiben neuer Tracks loszulegen.

Die Entscheidung weiterzumachen, dĂŒrfte einen gehörigen Motivationsschub ausgelöst haben, schließlich veröffentlicht Ihr nun schon das vierte Album seit der Reunion. War das geplant?

Nein, ĂŒberhaupt nicht! Da wir zunĂ€chst zwar wußten, was uns vorschwebte, aber keinerlei Idee davon hatten, wie die Sache ankommen wĂŒrde, sind wir es zunĂ€chst eher entspannt angegangen. Da sich im Laufe der Zeit aber jede Menge Songideen und Riffs ansammelten, ergab sich alles weitere fast von selbst. Ich selbst hatte zudem noch dermaßen viele weitere Riffs und Songfragmente geschrieben, daß ich sicher war, nach »The Ghost Ward Diaries« ein Soloalbum in Angriff zu nehmen.

ELECTRIC BOYS-Bandphoto 1

Damit hast Du Deine Fans sicher etwas ĂŒberrascht. Wie bist Du auf die Idee gekommen, auf »Game! Set! Bloom!« die Texte in schwedischer Sprache vorzutragen? War lediglich eine Veröffentlichung in Deiner Heimat geplant?

Da sich die Musik des Materials von Beginn an so gar nicht mit den ELECTRIC BOYS kombinieren ließ, war recht schnell der Entschluß gefaßt, ein Soloalbum daraus zu machen. Nicht zuletzt, die doch deutlich persönlicheren Texte haben mich dann dazu verleitet, es erst einmal ohne Übersetzung zu probieren. Da die Tracks fĂŒr mich dadurch wesentlich emotionsreicher klangen, habe ich es dabei belassen.

Auf »Ups!de Down« gibt es zwar ausnahmslos englischsprachige Lyrics, an Aussagekraft mangelt es aber dennoch nicht. Wenn man etwa behauptet, ein â€șSupergodâ€č, wie Ihr in besingt, hĂ€tte diese Pandemie schon lĂ€ngst erledigen können, hĂ€tte man wohl bald zahlreiche AnhĂ€nger, oder?

[Lacht] Das finde ich super! Wir sollten uns als Verschwörungstheoretiker versuchen, unbedingt! Genau, der schwedische â€șSupergodâ€č wird die Welt retten. Ich hoffe nicht, daß irgendjemand ernsthaft an so etwas glaubt. Schon gar nicht, weil wir uns ja mit dem animierten Video ĂŒber all das lustig machen. Genau deshalb haben wir den Protagonisten im Video auch als Mischung aus Superman, Jesus und, Ă€hem, unserem Drummer dargestellt. So zumindest stellen wir uns einen â€șSupergodâ€č vor. Cool, was?

Absolut! Das klingt ja fast als ob Ihr Euch auf ganz besondere Art bei Niclas bedanken wollt. Warum ist er denn nicht mehr dabei?

Oje. Da scheint etwas nicht korrekt kommuniziert worden zu sein. Niclas Sigevall ist nicht bei uns ausgestiegen! Er hatte bloß nicht die Möglichkeit, mit uns an diesem Album zu arbeiten und im Studio dabei zu sein, da er nicht aus den Staaten ausreisen durfte. Deshalb haben wir unseren Kumpel Jolle Atlagic von THE QUILL fĂŒr das Album engagiert. Da er schon einige Male auf Tour ausgeholfen hat, und das wohl auch in Zukunft so sein wird, wenn Niclas nicht aus L.A. raus darf, haben wir ihn offiziell zum Zweitdrummer der Band ernannt!

Da Tourneen wohl in absehbarer Zeit weiterhin Fiktion sind, besteht die Möglichkeit schon bald wieder neues Material von Euch hören zu dĂŒrfen, oder?

Sicher! Auch wenn ich das immer noch eher als "Plan B" sehe, oder besser, eher sehen möchte. Es wird wohl tatsĂ€chlich keine drei Jahre in Anspruch nehmen, ehe ein weiteres ELECTRIC BOYS-Album erscheinen wird. Einiges an Material haben wir sogar schon in der Pipeline. Davor werde ich aber noch mein nĂ€chstes Soloalbum herausbringen. Seit ich mein eigenes Studio eingerichtet habe, lĂ€uft aufnahmetechnisch und auch von der Zeiteinteilung her, einfach alles wie am SchnĂŒrchen. Und an Songideen mangelt es ja ohnehin nicht, die kommen einfach daher - und das, ganz ohne den â€șSupergodâ€č anzubeten ĂŒbrigens! [lacht]

http://www.electricboys.com/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

Photo: Sven Isaksson

ELECTRIC BOYS im Überblick:
ELECTRIC BOYS – The Ghost Ward Diaries (Rundling)
ELECTRIC BOYS – ONLINE EMPIRE 87-Interview
ELECTRIC BOYS – News vom 25.09.2007
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THE QUILL – News vom 29.08.2005
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THE QUILL – News vom 31.08.2010
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HANOI ROCKS – News vom 26.05.2008
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