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LORDI-Bandphoto 1

Auch wenn die finnischen Rock-Monster inzwischen bei ihrem achten Studioalbum angelangt sind, ist von Abnutzungserscheinungen bei Mr. Lordi und seinen illustren Gesellen nichts zu bemerken. Eher ist das Gegenteil der Fall, denn »Monstereophonic (Theaterror vs. Demonarchy)« ist ein spannendes Teil geworden, das völlig neue Facetten zeigt. Doch keine Bange, das Monster-Image samt den Kostümierungen ist selbstredend unverändert geblieben wie auch nach wie vor mit entsprechenden Shows zu rechnen ist. Musikalisch jedoch erweist sich die Scheiblette als überraschend abwechslungsreich, wofür der Meister, der für einen Finnen nicht nur überaus fröhlich wirkt, sondern auch ungemein gesprächig ist, eine ebenso unerwartete wie grundehrliche Antwort parat hatte, als wir ihn zur "unrockigen" Mittagsstunde am Telefon erreichen.

LORDI-Headline

Gab es eine Intention, weshalb die neue Scheibe so anders klingt als Eure früheren Alben?

Ja. Im Gegensatz zu unseren anderen Alben hatten wir dieses Mal nämlich tatsächliche eine Intention, und eine ganz besondere noch dazu. Man kann sogar sagen, wir hatten einen ziemlich genauen Plan, denn uns war klar, wie sich die Scheibe anhören sollte. Während wir uns bislang beim Songschreiben eher treiben haben lassen und uns in erster Linie auf Geistesblitze im Proberaum verlassen haben, aus denen wir dann zunächst Riffs und dann einen fertigen Song erarbeitet haben, sind wir es für den zweiten Teil der neuen Scheibe, »Demonarchy«, komplett konträr angegangen.

Dieser Teil wird ja auch dezidiert als "B-Seite" bezeichnet. Klingt das nicht irgendwie abwertend?

Hmmm, [lacht] jetzt wo Du das erwähnst... Es stimmt, dieser Teil ist so bezeichnet worden und ist auf den Vinyl-Editionen auch tatsächlich die B-Seite, bislang habe ich mir aber noch keine Gedanken darüber gemacht. Als B-Seitenmaterial, im Sinne von Füllmaterial, wie das früher ja durchaus Usus war, ist »Demonarchy« jedoch keineswegs zu sehen. Ich hoffe, das kommt doch nicht allzu mißverständlich rüber.

LORDI-Singleshot: Mr. Lordi

Keine Sorge, Meister. Wenn man erst einmal das Material gehört hat, sollten sich derlei Gedanken verflüchtig haben. Allein die Tatsache, es mit einer in sich geschlossenen Geschichte zu tun zu haben, wird eher zum Hinhören animieren. Worum geht es darin konkret?

Es handelt sich um einen Gruselgeschichte, die von allen möglichen Horror-Movies inspiriert ist. Als Hauptcharaktere agieren "The Undead Son", "The Bloodsucking Count", "The She-Wolf" und "The Witch" - aber, und das dürfte viele Fans überraschen, kein Mitglied von LORDI. [lacht] Die Story selbst, die als Basis dient, stammt ursprünglich aus unserer Frühzeit. Allerdings habe ich es bislang noch nicht geschafft, diese Horrorgeschichte auch entsprechend zu vertonen.

Aha. Und wann war die Idee wieder da?

Ungefähr letzten April. Und zwar schon zu diesem Zeitpunkt, als wir uns erstmals damit beschäftigt haben, neue Songs zu schreiben. Warum weiß ich auch nicht mehr, aber plötzlich kam mir diese Idee wieder in den Sinn. Ebenso blitzartig war auch die Motivation dafür da, weshalb ich mich umgehend an die Sache herangewagt habe.

LORDI-Singleshot: Amen

Das klingt jetzt aber wohl viel einfach als es tatsächlich gewesen ist, oder?

Nein, überhaupt nicht. Ich denke, es fiel mir deshalb so leicht, weil ich offenbar die ganze Sache in meinem Langzeitgedächtnis gut gespeichert hatte und schon sehr bald fündig geworden bin. Das Beste daran war, daß mir auch ganz schnell wieder bewußt war, wie alles zu klingen hatte. Ich hatte ja schon damals die musikalische Umsetzung vor Augen, und so war es fast wie ein Déjà-vu.

Zwar ist die Story jetzt nicht wirklich als "modern" zu bezeichnen, für langjährige, zuhörende Begleiter von LORDI klingt die Musik dafür um so ungewöhnlicher und zeitgemäßer.

Ich weiß, was Du meinst und kann das auch durchaus nachvollziehen. Ich habe mit solchen, eher harschen und vergleichsweise experimentellen - im Sinne von alles andere als geradlinig und old schoolig - anmutenden Sounds schon in den frühen 90er Jahren gearbeitet. Ehrlich gesagt, habe ich mich mit derlei Sounds sogar schon vor meiner Idee für LORDI beschäftigt.

LORDI-Singleshot: Ox

Aber die Umsetzung dürfte doch verdammt schwierig gewesen sein, oder? Allein der Gitarrensound hat mit Euren früheren Scheiben so gut wie nichts am Hut.

Auch das war nicht neu für mich. Noch nicht einmal das Arrangieren von mehrstimmigen Gitarren, denn auch damit habe ich mich schon vor Jahren auseinandergesetzt. Allerdings bedurfte es bei LORDI solcher bislang noch nicht. Diese musikalisch wie stilistisch "andere" Seite der Band mag für viele Fans neu klingen, in Wahrheit ist davon aber überhaupt nichts neu! Allerdings kann ich es gut verstehen und auch nachvollziehen, warum viele Menschen auf diesen Gedanken kommen. Man wußte es einfach bisher noch nicht. [lacht] Bei uns funktioniert die Geheimhaltung noch! [lacht] Spaß beiseite, da es keinerlei Demos gab, die in der Weltgeschichte herumgeschickt wurden, und da auch das Internet damals noch nicht von Relevanz war, um Informationen zu verbreiten, blieb das Wissen über diese musikalische Seite von mir einfach lange Zeit verborgen. Jetzt aber war es an der Zeit, auch diese preiszugeben.

Während »Theaterror«, die A-Seite des neuen Drehers, mehr oder weniger aus typischen LORDI-Hymnen besteht, die allesamt verdammt gut in ein Liveset - an welcher Stelle auch immer diese plaziert wären - passen würden, bedarf es für die Bühnenumsetzung von »Demonarchy« wohl deutlich mehr an Vorbereitung, korrekt?

Das stimmt. Einen oder auch mehrere Songs von »Demonarchy« in die Setlist zu integrieren wäre durchaus möglich, ist jedoch zumindest für die nächste Tournee mehr als nur unwahrscheinlich, zumal wir dafür definitiv einen zweiten Gitarristen in die Band integrieren müßten, um die Klänge auch annähernd auf der Bühne reproduzieren zu können. Fix ist jedoch, daß wir schon auf der nächsten Tournee Comics mit der Geschichte zum Verkauf anbieten werden. Ich denke, dieses Gimmick sollte bei den Fans gut ankommen, da es wirklich ganz reizend umgesetzt werden konnte. Zudem dürfte das Hören der Songs noch ein wenig intensiver geraten, wenn man den jeweiligen Charakter auch anschauen kann, selbst wenn es sich nur ein Comic handelt.

LORDI-Singleshot: Hella

Man könnte ja für »Demonarchy« eine gesonderte Gastspielreise absolvieren.

Das wär' cool, das finde ich auch. [lacht] Eine vollständige Bühnenumsetzung ist momentan aber leider noch völlig illusorisch, wobei hierfür das Rekrutieren eines weiteren Musikers wohl noch der geringste Aufwand wäre. Wir müßten nämlich auch unser Bühnenbild völlig verändern, da es schlicht nichts mit der Story zu tun und daher auch nicht passen würde. Und obendrein ginge es auch nicht, ohne andere Outfits zu kreieren und entsprechende Masken anfertigen lassen. Dieser Aufwand wäre also riesig, und ob sich das dann auch wirklich lohnt, müßte man im Vorfeld wohl verdammt genau kalkulieren.

Okay. Können wir uns zumindest auf "jetzt noch nicht, aber irgendwann einmal" einigen?

Einigen wir uns also erst einmal auf ein Remis, gut? [lacht] Interessant wäre so etwas auf jeden Fall, wobei ich jedoch eher einzelne, ganz spezielle Shows im Sinn habe, denn für eine umfassende Tournee wäre wohl auch noch mit erhöhten Kosten für die Logistik zu rechen. Noch nicht berücksichtigt hätten wir dabei allerdings noch die Tatsache, daß wir wohl auch unseren Proberaum weiter vergrößern müßten, oder gegebenenfalls sogar für die Proben und Tour-Vorbereitungen übersiedeln müßten.

LORDI-Singleshot: Mana

Nachvollziehbar, wobei ich mir gut vorstellen kann, daß Ihr schon jetzt einen verhältnismäßig großen "Raum" für diverse Show-Gimmicks benötigt.

Genau. Unsere momentane Bleibe sieht zwar inzwischen ohnehin eher wie eine Lagerhalle aus und ist auch tatsächlich in einem aufgelassenen Industrieareal untergebracht, wäre aber wohl trotz seiner gewaltigen Ausmaße von gut 200 Quadratmetern Grundfläche einfach zu vollgestopft, um darin auch noch vernünftig arbeiten zu können.

Respekt. Für solch' gewaltige Vorhaben bedarf es wohl nicht nur der entsprechenden Einstellung, sondern auch des entsprechenden Personals.

So ist es. Proben bevor man ins Studio oder auf Tournee geht, ist uns zwar seit jeher verdammt wichtig, bei LORDI aber eben noch lange nicht alles. Daher bevorzugen wir es auch, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die wir kennen und mit denen wir auch persönlich klarkommen. Ein Teil unserer Crew ist deshalb auch schon lange Jahre bei uns. Sieht aus, als ob es auch für die gut mit uns läuft.

LORDI-Bandphoto 2

Dann war auch die Auswahl des Produzenten Eure Entscheidung.

Absolut! Nicht zuletzt dieser Anspruch hat uns erneut dazu veranlaßt, uns mit Nino Laurenne in den "Sonic Pump Studios" an die Arbeit zu machen. Da das Zusammenarbeiten mit ihm schon bei »Deadache« verdammt gut funktionierte, bedurfte es keiner großartigen Gedanken, ob wir wieder mit Nino aufnehmen wollten. Durch seine langjährige Produzententätigkeit kennt er nahezu sämtliche Gangarten der Rockmusik, und deshalb gab es auch keinerlei Schwierigkeiten, beide Seiten der Scheiben optimal klingen zu lassen.

http://www.lordi.fi/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

LORDI im Überblick:
LORDI – Babez For Breakfast (Rundling-Review von 2010)
LORDI – Monstereophonic (Theaterror vs. Demonarchy) (Rundling-Review von 2016)
LORDI – Scare Force One (Rundling-Review von 2014)
LORDI – Sexorcism (Rundling-Review von 2018)
LORDI – To Beast Or Not To Beast (Rundling-Review von 2013)
LORDI – Zombilation - The Greatest Cuts (Rundling-Review von 2009)
LORDI – ONLINE EMPIRE 15-Interview
LORDI – ONLINE EMPIRE 20-Special
LORDI – ONLINE EMPIRE 29-"Living Underground"-Artikel
LORDI – ONLINE EMPIRE 48-"Living Underground"-Artikel
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LORDI – ONLINE EMPIRE 69-Interview
LORDI – ONLINE EMPIRE 89-Special
LORDI – News vom 01.01.2006
LORDI – News vom 07.04.2006
LORDI – News vom 20.05.2006
LORDI – News vom 04.10.2010
LORDI – News vom 26.10.2010
LORDI – News vom 26.04.2012
LORDI – News vom 25.07.2012
LORDI – News vom 17.12.2012
LORDI – News vom 14.03.2019
LORDI – News vom 07.05.2022
siehe auch: Die LORDI-Musiker als Darsteller im Film "Dark Floors", zu dem die Band auch einen Song beisteuert
andere Projekte des beteiligten Musikers Jussi "Amen" Sydänmaa:
Amen-Ra's DYNASTY – News vom 10.11.2019
andere Projekte des beteiligten Musikers Antto Nikolai "Mana" Tuomainen:
MOON MADNESS – All In Between (Do It Yourself-Review von 2008)
MOON MADNESS – ONLINE EMPIRE 40-"Rising United"-Artikel
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