UNDERGROUND EMPIRE the ONLINE EMPIRE-Titel
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”UNDERGROUND EMPIRE 7”-Datasheet

Contents:  SAHARA (US)-Interview

Date:  21.07.1993 (created), 09.03.2015 (revisited), 22.01.2022 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 7

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue sold out! Several earlier issues still available; find details here!

Comment:

Wie man sieht, ist das Livephoto, mit dem wir die Story im gedruckten Heft bebilderten, an eben jenem zweiten Abend in Ludwigsburg entstanden - eben weil Sängerin Liz darauf zu sehen ist. Da ich diesen Shot, der nun auch die hier vorliegende Online-Version der Story eröffnet, für sehr stimmungsvoll hielt, entschied ich mich gegen die offiziellen Promophotos - die ich ohnehin nicht hatte, wie ich jetzt beim Durchforsten des Archivs bemerkt habe. In den Liveshot wurde dann zudem das Bandlogo einmontiert.

Bis zu »Going Crazy« hatte die Band eigentlich kein Logo gehabt, so daß der Ex-HEAVY-Herausgeber und -Layouter Horst Franz (damals noch Odermatt) ein solches für die Tourshirts entworfen hatte. Also kaufte ich mir bei der Tour ein solches Shirt, legte es flach auf den Boden, photographierte es, um es dann mittels Scanner in den Computer zu verfrachten. Mal sehen, wenn ich das SAHARA-Shirt irgendwann mal wieder in die Finger kriege, werde ich es auf den Scanner nageln, um das Logo nun farbig abzuscannen, denn beim momentanen Design sieht man, daß die Rohdaten nicht perfekt waren, so daß das Resultat mich noch nicht so ganz befriedigt. Die Band verwendete dieses Logo allerdings nicht weiter, sondern auf dem zweiten und letzten SAHARA-Album »The Seventh House« war ein neuer Schriftzug zu sehen.

Angesichts der Tatsache, daß ich wußte, daß SAHARA ohne Logo waren, hatte ich zuvor schon für Holgers Interview ein eigenes "sonniges" Design entworfen, das ich dann nicht komplett kicken wollte, so daß es auf der zweiten Seite als Hintergrund für den Text verwendet wurde. Für die Onlineversion habe ich es der alten CorelDraw-Datei entlockt und als Abschluß der Story verwendet.

Wie schon bei so mancher anderen Story zuvor, sollte auch das SAHARA-Interview in mehreren Etappen entstehen: Um es nämlich bis zur endgültigen Veröffentlichung von UNDERGROUND EMPIRE 7 zumindest halbwegs aktuell zu machen, verdingte ich mich auf der Tour nicht nur als Photosklave, sondern klinkte mich auch nochmal zur Textauffrischung ein. An dieser Stelle möchte ich allerdings betonen, daß die Meinung über das »Going Crazy«-Cover von Holger stammt. Für mich stellte dieses hundsmiserable Cover - ja ich bin versucht, daß es sich um eines der schlechtesten Cover aller Zeiten handelt - schon immer einen gigantischen Fehler dar, welcher der Band massiv geschadet hat.

Außerdem muß ich noch einen weiteren Credit verteilen: Denn der Hinweis auf die fehlende Rhythmusgitarre im ›Wasteland‹-Video stammte vom ehemaligen ROCK HARD-Chefredakteur Götz Kühnemund, der mich auf diesen Umstand aufmerksam gemacht hatte, als er mir das zugehörige ROCK HARD-Videomagazin zeigte, in dem der SAHARA-Clip verwendet wurde.

Daß SAHARA trotz einer ebenso guten zweiten Scheibe leider nie von der Startrampe abheben konnten, wissen wir heute. Es war damals einfach nicht die richtige Zeit für hochwertigen Melodic Metal gewesen, die beiden Platten sind trotzdem von zeitloser Schönheit, an der man sich bis heute erfreuen kann.

Die Musiker von SAHARA sollten von der Bildfläche verschwinden, doch immerhin ist uns Sängerin Liz Vandall erhalten geblieben: Sie lernte irgendwann Ex-SCORPIONS-Gitarrist Uli Jon Roth kennen, und die beiden heirateten. So ist Liz immer wieder bei dem ein oder anderen Projekt von Uli involviert gewesen, doch so ausgiebig wie bei SAHARA konnten wir ihre Stimme freilich nie wieder genießen.

Glücklos agierte leider auch das Label DREAM CIRCLE, das SAHARA unter Vertrag genommen hatte. Zwar hatte Chef Ole Bergfleth ein ausgezeichnetes Näschen für gute Bands, doch der Verkaufserfolg hielt sich meist in Grenzen, so daß das Label irgendwann den Betrieb einstellen mußte. Eigentlich dürften wohl SAHARA zusammen mit RIVERDOGS die verkaufstechnisch verheißungsvollste Band des Labels gewesen sein, doch wenn diese dann wie im Falle des völlig deplazierten und unfundierten Verrisses im METAL HAMMER demontiert wurden, dann sind diese Chancen eben auch ganz schnell auf ein Minimum zusammengeschrumpft. Und dazu könnte ich Euch immer noch eine Geschichte erzählen, aber lassen wir das...

Supervisor:  Stefan Glas

 
 

SAHARA (US)-Logo

Bekanntlich hat die Fertigstellung dieses Heftes eine gewisse Zeit gedauert. So gab es dann das Problem, daß einige Interviews schon recht veraltet waren, so daß sie leider gekickt werden mußten. Doch mit SAHARA durfte so etwas nicht geschehen - dazu ist diese Band einfach zu talentiert. Also packte ich bei der VIRGIN STEELE/SAHARA-Tour die Gelegenheit beim Schopfe und knöpfte mir, wie es schon Holger getan hatte, Keyboarderin Diane zum Zwecke der Interviewauffrischung vor. Es folgt nun der Cocktail (geschüttelt, nicht gerührt - Red.) aus Holgers "Altfragenkatalog" und den frischeren Fragen meinerseits.
Die bisherige Story ist an sich schnell erzählt: Anno 1988 erscheint ein Demo einer in L.A. ansässigen Band namens SAHARA, und der Underground steht Kopf! Was auf dem Demo dargeboten wird, sprengt den üblichen Rahmen bei weitem. Mit einem unglaublichen Sound bietet die Formation melodischen Metal der Sonderklasse. Keine keyboardschwülstigen Chartschleimer, sondern kraftvoller, extrem abwechslungsreicher Metal, der sofort hängenbleibt und trotzdem nie langweilig wird, zeigt die eindeutigen Qualitäten dieser hochtalentierten Truppe. Sie verstehen es, in den wuchtigen Rhythmusteppich legendäre Melodien einzuflechten, die mal aus den Tasten eines Keyboards gezaubert werden, mal aus den Saiten einer Klampfe. Über allem thront die Stimme von Liz Vandall, die magisch anzieht und fesselt. Es gibt kaum eine Sängerin mit einer derart flexiblen und gleichzeitig kraftvollen Stimme. Lobeshymnen in diversen Mags waren nur die logische Schlußfolge, und jeder rechnete mit einem sofortigem Deal. Aber, wie so oft, passierte erst einmal gar nichts. 1989 werden drei weitere Supersongs auf Tape gebannt, die den '88er Sachen in nichts nachstehen. Trotzdem schläft die Industrie weiterhin ihren Schlaf der (Un-)Gerechten. Im letzten Jahr endlich beschert uns DREAM CIRCLE RECORDS in »Going Crazy« das Debut dieses begnadeten Outfits.

SAHARA [US]-Liveshot 1

SAHARA wurden seit dem Tag des Demoreleases als der Geheimtip des Melodic Metals gehandelt. Dennoch dauerte es fast vier Jahre, bis die Band endlich mit einem Deal gesegnet wurde. Warum um alles in der Welt dauerte das nur so lang?

Den Deal mit DREAM CIRCLE unterschrieben wir 1991. Wir hatten schon vorher verschiedene Angebote aus Europa, aber wir hatten zu diesem Zeitpunkt immer noch die Hoffnung, in Amerika einen Deal zu kriegen. Aber ich denke, unser Stil ist eher europäisch, und so unterschrieben wir dann bei einem Label in Europa. Die Leute hier halten uns für kommerziell, aber in Amerika sagte uns jeder, wir müßten viel kommerzieller werden.
Außerdem hatten wir einige Besetzungswechsel. Wir hatten Butch Carlson von JAG PANZER (dann DRIVER, jetzt bei TERRIF - Red.) und John Spittle als Drummer, sowie Orion Lindemann als Bassisten. Da es bei uns aber trotz der sehr guten Resonanzen auf die Demos nicht vorwärtsging, verloren sie wohl den Glauben an SAHARA und verließen uns. Im Endeffekt hat uns die Suche nach neuen Leuten zwar zurückgeworfen, aber dafür stehen diese auch voll hinter der Band.

SAHARA ist nicht die erste Band für Diane, obwohl sie für die meisten unter Euch wohl ein unbeschriebenes Blatt sein dürfte. Und das obwohl sie in einer als legendär geltenden Band in die Tasten greifen durfte. Die Rede ist von WARLORD, jener sagenumwobenen Band, die Mitte der Achtziger mit einer gnadenlosen LP und diversen Maxis für Aufruhr sorgte und der übrigens auch Mark Zonder von FATES WARNING entstammt.

Zu der Zeit spielte ich Baß in einer anderen Band, aber WARLORD wollten keine Frau am Baß, da sie der Ansicht waren, dies würde ihrem Image schaden. Da ich aber auch Keyboards spielen konnte und dieser Posten ebenfalls vakant war, stieg ich trotzdem ein, da ich ihre Musik unheimlich mochte. Sie hatte irgendwie diesen mystischen Touch, den wir auch bei SAHARA zu schaffen versuchen. Damals war ich 16 Jahre und einfach glücklich, in einer derartigen Band zu spielen. Es hat mich nicht gestört, nicht auf den Alben erwähnt zu werden. Heute würde ich das nicht wieder tun. WARLORD sind nur ein einziges Mal live aufgetreten. Das war ein Showcase, selbst das Livealbum und das dazugehörige Video (»And The Cannons Of Destruction Have Begun« - Red.) sind nicht live eingespielt.
Als WARLORD sich 1984 auflösten, zog Bill Tsamis nach Florida um und zog sich komplett von der Musik zurück. Er ist verheiratet und hat Familie. Wie es sich mittlerweile herumgesprochen hat, liegt jedoch ein neues WARLORD-Album in der Luft. Wir haben schon darüber gesprochen, aber es ist noch nicht definitiv. Ray Alder würde dann singen, Joe DiBiase Baß spielen, Mark Zonder wieder die Drums übernehmen, ich würde die Keyboards einspielen und natürlich Bill an der Gitarre. Aber es würde sicherlich keine richtige WARLORD-Reunion geben, denn es ist logisch, daß SAHARA mein Schwerpunkt ist, denn hier habe ich kreativen Einfluß, während ich bei WARLORD praktisch kein Mitspracherecht hatte und auch keine Songs schrieb. Auch für die anderen geht FATES WARNING sicherlich vor.

SAHARA [US]-Liveshot 3

Werfen wir unser Augenmerk aber wieder auf das eigentliche Geschehen zurück. Wie erklärt sich Diane das Desinteresse der Labels? Ich denke, daß SAHARA eine sehr große Hörerschar ansprechen müßten. Sie sind sehr melodisch und doch heavy, dann wieder orchestral und progressiv, aber trotzdem niemals zu abgefahren. Mit ›Going Crazy‹ oder der genialen Ballade ›Time After Time‹ hat man beispielsweise potentielle Hits am Start. Hier mußte ich dann auch meine Verwunderung über das Fehlen von ›I Won't Be Lonely‹ auf dem Debut zum Ausdruck bringen!

Für die Majors sind wir wohl zu heavy als Frauenband. Sie wissen nicht, wie sie uns vermarkten sollen. Wir sind keine typische L.A.-Band á la WARRANT oder POISON! Wir versuchen, die Musik für uns selbst möglichst interessant zu gestalten, deshalb entstehen auch sehr unterschiedliche Songs. ›Time After Time‹ ist von Liz, die auch Keyboards spielt. Sie kam mit der Idee an, aber es klang recht seltsam nur auf dem Piano, ohne Gesang. Wir haben den Song gemeinsam arrangiert, und ich denke, es ist keine typische Hitballade geworden. ›I Won't Be Lonely‹ ist einer unserer ersten Tracks gewesen, und wir dachten, es wäre besser, mit neueren Songs aufzuwarten. Da sich das Demo extrem gut verkauft hat, ist es nur fair den Fans gegenüber, nicht alle Demosongs auf das Album zu übernehmen. Es kann sein, daß wir ›Money (Can't Buy Me)‹ nochmal aufnehmen, aber das ist eher ungewiß.

Bleiben wir bei den Demos. Beide waren supergut produziert, konnten mit tollen produktionstechnischen Effekten aufwarten. Ist bekanntlich nicht ganz billig...

Stimmt, aber das war uns egal. Deshalb hat es auch solange gedauert, bis wir bei einem Indie unterschrieben haben. Wir wollten sicherstellen, daß das Album einen mindestens gleichwertigen Sound aufweisen würde, was uns auch gelungen ist. Was die Effekte angeht, so macht es einfach Spaß, im Studio zu experimentieren. Wir hatten so viele Ideen, die wir nicht verwirklichen konnten, weil es unser Budget gesprengt hätte.
Von unseren sechs Demosongs kamen im Endergebnis nur drei auf unsere CD: ›Wasteland‹, ›Goin' Crazy‹ und ›Dreaming‹ in einer stark veränderten Version! Die restlichen Songs unserer Debut-CD wurden nach den Demos geschrieben. Die drei unveröffentlichten Songs werden wir sicherlich nicht mehr für die nächste CD verwenden. Wir haben lediglich die Demoversionen ›I Won't Be Lonely‹ und ›Will You Remember Me‹ als Bonussongs für die Japanversion von »Goin' Crazy« freigegeben. Außerdem war ›I Won't Be Lonely‹ schon auf der »Metal Queens II«-Compilation. Für die nächste CD werden wir bestimmt genug Material haben. Wir haben schon eine Menge Songs geschrieben und, wie Du siehst, haben wir auf dieser Tour vier neue Stücke gespielt. Vielleicht sind die neuen Songs etwas härter und experimenteller, aber es klingt definitiv nach SAHARA. Ich denke, daß wir im Songwriting gewachsen sind!

Gibt es eigentlich schon konkrete Pläne für die zweite Scheibe?

Wir wollen die Aufnahmen im Herbst durchziehen, so daß die CD etwa im Frühjahr 1994 veröffentlicht werden kann. Einige der neuen Songs heißen ›Circle Of Fire‹ oder ›Wicked World‹, aber es ist nicht sicher, ob wir sie auch für die CD aufnehmen werden. Wir werden bis zum Studiotermin neue Stücke schreiben und dann die besten auswählen.

SAHARA [US]-Liveshot 3

Nun wollte ich wissen, was es mit dem Bandnamen auf sich hat und ob es einen Zusammenhang zum entsprechenden Song ›Sahara‹ gibt!

Das Wort "Sahara" ist ein geläufiger Begriff, den jeder schon einmal gehört hat. Er hat einen gewissen mystischen Touch und paßt insofern sehr gut zu uns. Der Song ›Sahara‹ beschreibt auf der einen Seite unseren Frust, als es mit der Band nicht weiterging. Er richtet sich an die Fans, die uns quasi aufgebaut haben. Auf der anderen Seite beschreibt er die magische Kraft des Dreiecks in Form einer Pyramide. An diese Kraft glaubten vor allem die alten Ägypter. Solche Dinge versuchen wir auch visuell auf der Bühne umzusetzen. Wir wollen eben, daß die Leute Spaß bei unseren Shows haben.

Kommen wir auf die sehr guten Lyrics zu sprechen. Worum dreht es sich in ›I'm Not A Man‹?

Es geht um die Probleme, die man als Frauenband hat. Als Bruce Fairbain (der BON JOVI-Produzent - Red.) unsere Demos hörte, wollte er spontan mit uns arbeiten, weil er dachte, Liz wäre ein Mann (muß der Typ blind sein... - Red.). Als er dann mitbekam, wer da singt, verlor er sein Interesse. Das ist nur ein Beispiel von vielen. Liz und ich haben vorher ausschließlich mit Männern zusammengespielt. Ich habe es oft genug erlebt, daß Leute einfach aufgelegt haben, wenn ich mich irgendwo als Keyboarderin vorstellen wollte. Man denkt eben, daß es Frauen im Rockbiz nicht schaffen können. Einige wollten uns auch in eine softere Richtung drängen, wie HEART zum Beispiel, aber das ist nicht unser Ding. Übrigens mit ein Grund, warum wir ›I Won't Be Lonely‹ nicht auf das Album gepackt haben. Es klingt etwas HEART-ähnlich.

›Mind Control‹ handelt von der Gehirnwäsche, die von den Medien betrieben wird!

Eine schlimme Sache. Da haben wir die ganzen TV-Preacher á la Jimmy Swaggart, bei denen man sich mit Spenden einen erstklassigen Platz im Himmel kaufen kann. Diese Typen verdrehen die Bibel zu ihren Gunsten. Aber im Song geht es um jede Form der persönlichen Isolation, sei es durch Religionen, Okkultismus oder Sekten. Alles, was Menschen in ihrer Persönlichkeit einschränkt, kann nur falsch sein. Aber auch die Manipulation durch die Medien, die für viele die einzige Informationsquelle zur Außenwelt darstellen, wird in den Lyrics verarbeitet.

Es ist auffällig, daß Ihr extrem verschiedenartige Themen in Euren Songs verarbeitet. Wie kommt es dazu?

Wir schreiben unsere Texte über Themen, die uns interessieren und irgendwie betreffen. So beschäftigte sich Liz einige Zeit sehr intensiv mit religiösen Kulten und ihren Methoden, Menschen zu manipulieren, und sie schrieb den Text zu ›Mind Control‹ darüber. ›Wasteland‹ entstand, weil wir es in L.A. ziemlich schrecklich finden. Es sind einfach Themen, über die wir etwas sagen wollen. Zu ›Time After Time‹ wurden wir dagegen durch die Fernsehsendung "Dark Shadows", die von Vampiren und ähnlichem Viehzeug handelt, inspiriert.

Das gesamte Coverartwork ist sehr mystisch gehalten. Die Namen Eurer Publishing Companies passen ebenfalls in dieses Konzept. So bist Du eine "Desert Witch", Liz hat die "Twisted Tree Music" und Gitarrist Phil agiert mit dem "Circle Of Fire". Hinzukommt ein, in meinen Augen, geniales Cover. Genial, weil anders! Es paßt hervorragend ins Gesamtbild, sticht sofort ins Auge!

Als wir das Gemälde zum ersten Mal sahen, wußten wir, das oder gar keins. Es ist irgendwie düster und bedrückend, allein schon durch die schwarz-weiße Farbgebung. Auf der anderen Seite ist es künstlerisch anspruchsvoll und deckt somit auch beide Seiten von SAHARA glänzend ab. Hinzukommt natürlich, daß es hervorragend zum Albumtitel und unseren Texten paßt. Der kleine Knirps ist gerade geboren und findet sich sofort in einem ›Wasteland‹ wieder. Der Gesichtsausdruck ist unglaublich! Da muß man einfach hingucken! Die Namensgebung unserer Publishing Comps ist einfach Fun. Ich bin die "Desert Witch", 'cause I have got that witchy hair! Nein, wir planen alles bis ins kleinste Detail, also auch solche Dinge.

SAHARA [US]-Liveshot 4

Habt Ihr nicht die Befürchtung, daß Ihr mit dem Cover eventuell die falschen Hörer ansprecht? Immerhin liegt die Vermutung nahe, es handele sich um ein Thrash-Album!

Finde ich eigentlich nicht! Um ehrlich zu sein, war uns das bei der Wahl auch völlig egal. Businesswise mag das zwar nicht besonders klug gewesen sein, aber ich denke, das Cover ist einfach klasse. Ein Cover zum näheren Betrachten, das sich deutlich von anderen Motiven abhebt.

Wie seid Ihr mit Jay Baumgardner als Produzent klargekommen? Er hat immerhin schon renommierte Acts, wie LOVE/HATE oder die Megahyper UGLY KID JOE produziert. Ich könnte mir vorstellen, daß so jemand recht eigene Vorstellungen mitbringt!

Er wollte ›Time After Time‹ unbedingt mit Percussion unterlegen und hat das auch so aufgenommen. Es klang furchtbar! Der Song handelt nämlich von Vampiren und spielt in England, wo es eher dunkel und neblig ist. Jay hatte einen Vampirfilm gesehen, der irgendwo in Asien spielte und wollte nun diesen orientalischen Beat einbauen. Der Song klang völlig anders, die Atmosphäre war verlorengegangen, so daß wir ihn nicht auf der Scheibe haben wollten.

Ich war von Eurem Video zu »Wasteland« durchaus beeindruckt. Man muß ehrlicherweise zugeben, daß 98 Prozent aller Heavy-Videos schlicht überflüssig sind. Auch bei Eurem Video war das Konzept an sich bekannt: Szenen, die die Band auf der Bühne zeigen, vermischt mit anderen Einspielungen. Was Euer Video jedoch etwas unterschied, war die Tatsache, daß diese Zwischenfills ausnahmslos großartige, beeindruckende Landschaftsaufnahmen waren. Habt Ihr eine besondere Beziehung zur Natur?

Um ganz ehrlich mit Dir zu sein - das Konzept stammt komplett von meinem Bruder John. ›Wasteland‹ war seinerzeit sein Lieblingsstück von SAHARA, und er fragte, ob er ein Video dazu produzieren könne. Wir sprachen zwar viele Details durch, aber im Endergebnis ließen wir ihm freie Hand. Er packte diese Naturaufnahmen als Kontrapunkt zum Text in das Video, denn ›Wasteland‹ handelt von einer verschmutzten, kaputten Stadt, in der man nicht mehr leben möchte. Es war das erste Video, das er drehte. Er hat anschließend ein Video für ARMORED SAINT gemacht, und gerade hat er das neue MERCYFUL FATE-Video gedreht. Er ist sehr talentiert, und ich bin sehr stolz auf ihn!

Der Clip von ›Wasteland‹ war auch auf dem fünften ROCK HARD-Video zu sehen. Sonst habe ich das Video bislang noch nicht gesehen. Mir fiel dabei auf, daß der Song deutlich anders klingt als auf der CD. Es schien so, als würde die Rhythmusgitarre fehlen!

Oh, ganz einfach! Das Video entstand schon 1989 zur Demoversion von ›Wasteland‹. Mein Bruder wollte das Video unbedingt drehen, und wir konnten es natürlich zur Promotion benutzen, da wir zu dem Zeitpunkt noch keinen Deal hatten. Nein, das Video lief nie auf MTV oder anderen Fernsehstationen. Jedoch sahen die Leute von ROCK HARD das Video und wollten es verwenden, weil sie es mochten. Sie waren echt nett zu uns!

Abschließend noch einige Worte zur Tour. Da gab es ja ein kleines Problem mit Liz!

Liz hat eine Mandelentzündung und konnte deshalb die letzten drei Gigs inklusive dem heutigen nicht singen, und wir spielten einen Instrumentalset. Beim Arzt stellte man dann fest, daß Liz schon vor zwei oder drei Monaten eine übergangene Mandelentzündung hatte, und er verdonnerte sie zu totaler Funkstille. Es tut uns natürlich leid für die Leute, die bei diesen Gigs waren und uns nur instrumental hören konnten, aber es gab leider keine andere Wahl.

SAHARA [US]-Liveshot 5

Dennoch gelang es SAHARA an jenem Abend im Liveclub "Rough" in Wiesbaden scheinbar mühelos, das Publikum zu überzeugen. Zu Beginn des Sets standen die meisten Zuschauer mit verschränkten Armen in der altbekannten "mal abwarten"-Stellung da, aber das Publikum taute dermaßen auf, daß die Band wirklich vier Zugaben spielen mußte. Bedenkt man, daß SAHARA an diesem Abend als unfreiwillige Instrumentalband auftraten, so spricht diese Tatsache Bände. Ich jumpte jedoch am nächsten Abend kurzentschlossen in meine Kiste und fuhr in die Ludwigsburger "Rockfabrik", um mich davon zu überzeugen, daß die Band mit Stimme noch mehr Reiz ausübt. Allem voran ist dabei das positive Feeling zu unterstreichen, das die Band verbreitet. Anyway - SAHARA haben dreifach unter Beweis gestellt, daß sie Potential bis zum Abwinken haben. Oh ja, diese Wüstlinge werden in den nächsten Jahren noch einige Überraschungen lockermachen - das gebe ich Euch hiermit mit Brief und Siegel!

Vorbereitung & Interviews:
Holger Andrae + Stefan Glas

Bearbeitung:
Stefan Glas

Photos: Stefan Glas

SAHARA [US]-Design

 

SAHARA (US) im Überblick:
SAHARA (US) – Underground Empire 7-Interview (aus dem Jahr 1994)
SAHARA (US) – Underground Empire 7-Special (aus dem Jahr 1994)
SAHARA (US) – Metal Hammer 09/93-"Living Underground"-Artikel (aus dem Jahr 1993)
SAHARA (US) – Online Empire 3-"Shirt Story"-Artikel (aus dem Jahr 2000)
SAHARA (US) – News vom 20.01.1992
Playlist: SAHARA (US)-Album »Going Crazy« in "Cavelist Metal Hammer 10/92" auf Platz 3 von Stefan Glas
Playlist: SAHARA (US)-Album »Going Crazy« in "Jahrescharts METAL HAMMER 1992" auf Platz 6 von Stefan Glas
Playlist: SAHARA (US)-Album »The Seventh Sign« in "Jahrescharts METAL HAMMER 1994" auf Platz 8 von Stefan Glas
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