UNDERGROUND EMPIRE the ONLINE EMPIRE-Titel
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”UNDERGROUND EMPIRE 7”-Datasheet

Contents:  SAHARA (US)-Interview

Date:  21.07.1993 (created), 09.03.2015 (revisited), 04.10.2017 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 7

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue sold out! Several earlier issues still available; find details here!

Comment:

Wie man sieht, ist das Livephoto, mit dem wir die Story im gedruckten Heft bebilderten, an eben jenem zweiten Abend in Ludwigsburg entstanden - eben weil S├Ąngerin Liz darauf zu sehen ist. Da ich diesen Shot, der nun auch die hier vorliegende Online-Version der Story er├Âffnet, f├╝r sehr stimmungsvoll hielt, entschied ich mich gegen die offiziellen Promophotos - die ich ohnehin nicht hatte, wie ich jetzt beim Durchforsten des Archivs bemerkt habe. In den Liveshot wurde dann zudem das Bandlogo einmontiert.

Bis zu ┬╗Going Crazy┬ź hatte die Band eigentlich kein Logo gehabt, so da├č der Ex-HEAVY-Herausgeber und -Layouter Horst Franz (damals noch Odermatt) ein solches f├╝r die Tourshirts entworfen hatte. Also kaufte ich mir bei der Tour ein solches Shirt, legte es flach auf den Boden, photographierte es, um es dann mittels Scanner in den Computer zu verfrachten. Mal sehen, wenn ich das SAHARA-Shirt irgendwann mal wieder in die Finger kriege, werde ich es auf den Scanner nageln, um das Logo nun farbig abzuscannen, denn beim momentanen Design sieht man, da├č die Rohdaten nicht perfekt waren, so da├č das Resultat mich noch nicht so ganz befriedigt. Die Band verwendete dieses Logo allerdings nicht weiter, sondern auf dem zweiten und letzten SAHARA-Album ┬╗The Seventh House┬ź war ein neuer Schriftzug zu sehen.

Angesichts der Tatsache, da├č ich wu├čte, da├č SAHARA ohne Logo waren, hatte ich zuvor schon f├╝r Holgers Interview ein eigenes "sonniges" Design entworfen, das ich dann nicht komplett kicken wollte, so da├č es auf der zweiten Seite als Hintergrund f├╝r den Text verwendet wurde. F├╝r die Onlineversion habe ich es der alten CorelDraw-Datei entlockt und als Abschlu├č der Story verwendet.

Wie schon bei so mancher anderen Story zuvor, sollte auch das SAHARA-Interview in mehreren Etappen entstehen: Um es n├Ąmlich bis zur endg├╝ltigen Ver├Âffentlichung von UNDERGROUND EMPIRE 7 zumindest halbwegs aktuell zu machen, verdingte ich mich auf der Tour nicht nur als Photosklave, sondern klinkte mich auch nochmal zur Textauffrischung ein. An dieser Stelle m├Âchte ich allerdings betonen, da├č die Meinung ├╝ber das ┬╗Going Crazy┬ź-Cover von Holger stammt. F├╝r mich stellte dieses hundsmiserable Cover - ja ich bin versucht, da├č es sich um eines der schlechtesten Cover aller Zeiten handelt - schon immer einen gigantischen Fehler dar, welcher der Band massiv geschadet hat.

Au├čerdem mu├č ich noch einen weiteren Credit verteilen: Denn der Hinweis auf die fehlende Rhythmusgitarre im ÔÇ║WastelandÔÇ╣-Video stammte vom ehemaligen ROCK HARD-Chefredakteur G├Âtz K├╝hnemund, der mich auf diesen Umstand aufmerksam gemacht hatte, als er mir das zugeh├Ârige ROCK HARD-Videomagazin zeigte, in dem der SAHARA-Clip verwendet wurde.

Da├č SAHARA trotz einer ebenso guten zweiten Scheibe leider nie von der Startrampe abheben konnten, wissen wir heute. Es war damals einfach nicht die richtige Zeit f├╝r hochwertigen Melodic Metal gewesen, die beiden Platten sind trotzdem von zeitloser Sch├Ânheit, an der man sich bis heute erfreuen kann.

Die Musiker von SAHARA sollten von der Bildfl├Ąche verschwinden, doch immerhin ist uns S├Ąngerin Liz Vandall erhalten geblieben: Sie lernte irgendwann Ex-SCORPIONS-Gitarrist Uli Jon Roth kennen, und die beiden heirateten. So ist Liz immer wieder bei dem ein oder anderen Projekt von Uli involviert gewesen, doch so ausgiebig wie bei SAHARA konnten wir ihre Stimme freilich nie wieder genie├čen.

Gl├╝cklos agierte leider auch das Label DREAM CIRCLE, das SAHARA unter Vertrag genommen hatte. Zwar hatte Chef Ole Bergfleth ein ausgezeichnetes N├Ąschen f├╝r gute Bands, doch der Verkaufserfolg hielt sich meist in Grenzen, so da├č das Label irgendwann den Betrieb einstellen mu├čte. Eigentlich d├╝rften wohl SAHARA zusammen mit RIVERDOGS die verkaufstechnisch verhei├čungsvollste Band des Labels gewesen sein, doch wenn diese dann wie im Falle des v├Âllig deplazierten und unfundierten Verrisses im METAL HAMMER demontiert wurden, dann sind diese Chancen eben auch ganz schnell auf ein Minimum zusammengeschrumpft. Und dazu k├Ânnte ich Euch immer noch eine Geschichte erz├Ąhlen, aber lassen wir das...

Supervisor:  Stefan Glas

 
 

SAHARA (US)-Logo

Bekanntlich hat die Fertigstellung dieses Heftes eine gewisse Zeit gedauert. So gab es dann das Problem, da├č einige Interviews schon recht veraltet waren, so da├č sie leider gekickt werden mu├čten. Doch mit SAHARA durfte so etwas nicht geschehen - dazu ist diese Band einfach zu talentiert. Also packte ich bei der VIRGIN STEELE/SAHARA-Tour die Gelegenheit beim Schopfe und kn├Âpfte mir, wie es schon Holger getan hatte, Keyboarderin Diane zum Zwecke der Interviewauffrischung vor. Es folgt nun der Cocktail (gesch├╝ttelt, nicht ger├╝hrt - Red.) aus Holgers "Altfragenkatalog" und den frischeren Fragen meinerseits.
Die bisherige Story ist an sich schnell erz├Ąhlt: Anno 1988 erscheint ein Demo einer in L.A. ans├Ąssigen Band namens SAHARA, und der Underground steht Kopf! Was auf dem Demo dargeboten wird, sprengt den ├╝blichen Rahmen bei weitem. Mit einem unglaublichen Sound bietet die Formation melodischen Metal der Sonderklasse. Keine keyboardschw├╝lstigen Chartschleimer, sondern kraftvoller, extrem abwechslungsreicher Metal, der sofort h├Ąngenbleibt und trotzdem nie langweilig wird, zeigt die eindeutigen Qualit├Ąten dieser hochtalentierten Truppe. Sie verstehen es, in den wuchtigen Rhythmusteppich legend├Ąre Melodien einzuflechten, die mal aus den Tasten eines Keyboards gezaubert werden, mal aus den Saiten einer Klampfe. ├ťber allem thront die Stimme von Liz Vandall, die magisch anzieht und fesselt. Es gibt kaum eine S├Ąngerin mit einer derart flexiblen und gleichzeitig kraftvollen Stimme. Lobeshymnen in diversen Mags waren nur die logische Schlu├čfolge, und jeder rechnete mit einem sofortigem Deal. Aber, wie so oft, passierte erst einmal gar nichts. 1989 werden drei weitere Supersongs auf Tape gebannt, die den '88er Sachen in nichts nachstehen. Trotzdem schl├Ąft die Industrie weiterhin ihren Schlaf der (Un-)Gerechten. Im letzten Jahr endlich beschert uns DREAM CIRCLE RECORDS in ┬╗Going Crazy┬ź das Debut dieses begnadeten Outfits.

SAHARA [US]-Liveshot 1

SAHARA wurden seit dem Tag des Demoreleases als der Geheimtip des Melodic Metals gehandelt. Dennoch dauerte es fast vier Jahre, bis die Band endlich mit einem Deal gesegnet wurde. Warum um alles in der Welt dauerte das nur so lang?

Den Deal mit DREAM CIRCLE unterschrieben wir 1991. Wir hatten schon vorher verschiedene Angebote aus Europa, aber wir hatten zu diesem Zeitpunkt immer noch die Hoffnung, in Amerika einen Deal zu kriegen. Aber ich denke, unser Stil ist eher europ├Ąisch, und so unterschrieben wir dann bei einem Label in Europa. Die Leute hier halten uns f├╝r kommerziell, aber in Amerika sagte uns jeder, wir m├╝├čten viel kommerzieller werden.
Au├čerdem hatten wir einige Besetzungswechsel. Wir hatten Butch Carlson von JAG PANZER (dann DRIVER, jetzt bei TERRIF - Red.) und John Spittle als Drummer, sowie Orion Lindemann als Bassisten. Da es bei uns aber trotz der sehr guten Resonanzen auf die Demos nicht vorw├Ąrtsging, verloren sie wohl den Glauben an SAHARA und verlie├čen uns. Im Endeffekt hat uns die Suche nach neuen Leuten zwar zur├╝ckgeworfen, aber daf├╝r stehen diese auch voll hinter der Band.

SAHARA ist nicht die erste Band f├╝r Diane, obwohl sie f├╝r die meisten unter Euch wohl ein unbeschriebenes Blatt sein d├╝rfte. Und das obwohl sie in einer als legend├Ąr geltenden Band in die Tasten greifen durfte. Die Rede ist von WARLORD, jener sagenumwobenen Band, die Mitte der Achtziger mit einer gnadenlosen LP und diversen Maxis f├╝r Aufruhr sorgte und der ├╝brigens auch Mark Zonder von FATES WARNING entstammt.

Zu der Zeit spielte ich Ba├č in einer anderen Band, aber WARLORD wollten keine Frau am Ba├č, da sie der Ansicht waren, dies w├╝rde ihrem Image schaden. Da ich aber auch Keyboards spielen konnte und dieser Posten ebenfalls vakant war, stieg ich trotzdem ein, da ich ihre Musik unheimlich mochte. Sie hatte irgendwie diesen mystischen Touch, den wir auch bei SAHARA zu schaffen versuchen. Damals war ich 16 Jahre und einfach gl├╝cklich, in einer derartigen Band zu spielen. Es hat mich nicht gest├Ârt, nicht auf den Alben erw├Ąhnt zu werden. Heute w├╝rde ich das nicht wieder tun. WARLORD sind nur ein einziges Mal live aufgetreten. Das war ein Showcase, selbst das Livealbum und das dazugeh├Ârige Video (┬╗And The Cannons Of Destruction Have Begun┬ź - Red.) sind nicht live eingespielt.
Als WARLORD sich 1984 aufl├Âsten, zog Bill Tsamis nach Florida um und zog sich komplett von der Musik zur├╝ck. Er ist verheiratet und hat Familie. Wie es sich mittlerweile herumgesprochen hat, liegt jedoch ein neues WARLORD-Album in der Luft. Wir haben schon dar├╝ber gesprochen, aber es ist noch nicht definitiv. Ray Alder w├╝rde dann singen, Joe DiBiase Ba├č spielen, Mark Zonder wieder die Drums ├╝bernehmen, ich w├╝rde die Keyboards einspielen und nat├╝rlich Bill an der Gitarre. Aber es w├╝rde sicherlich keine richtige WARLORD-Reunion geben, denn es ist logisch, da├č SAHARA mein Schwerpunkt ist, denn hier habe ich kreativen Einflu├č, w├Ąhrend ich bei WARLORD praktisch kein Mitspracherecht hatte und auch keine Songs schrieb. Auch f├╝r die anderen geht FATES WARNING sicherlich vor.

SAHARA [US]-Liveshot 3

Werfen wir unser Augenmerk aber wieder auf das eigentliche Geschehen zur├╝ck. Wie erkl├Ąrt sich Diane das Desinteresse der Labels? Ich denke, da├č SAHARA eine sehr gro├če H├Ârerschar ansprechen m├╝├čten. Sie sind sehr melodisch und doch heavy, dann wieder orchestral und progressiv, aber trotzdem niemals zu abgefahren. Mit ÔÇ║Going CrazyÔÇ╣ oder der genialen Ballade ÔÇ║Time After TimeÔÇ╣ hat man beispielsweise potentielle Hits am Start. Hier mu├čte ich dann auch meine Verwunderung ├╝ber das Fehlen von ÔÇ║I Won't Be LonelyÔÇ╣ auf dem Debut zum Ausdruck bringen!

F├╝r die Majors sind wir wohl zu heavy als Frauenband. Sie wissen nicht, wie sie uns vermarkten sollen. Wir sind keine typische L.A.-Band ├í la WARRANT oder POISON! Wir versuchen, die Musik f├╝r uns selbst m├Âglichst interessant zu gestalten, deshalb entstehen auch sehr unterschiedliche Songs. ÔÇ║Time After TimeÔÇ╣ ist von Liz, die auch Keyboards spielt. Sie kam mit der Idee an, aber es klang recht seltsam nur auf dem Piano, ohne Gesang. Wir haben den Song gemeinsam arrangiert, und ich denke, es ist keine typische Hitballade geworden. ÔÇ║I Won't Be LonelyÔÇ╣ ist einer unserer ersten Tracks gewesen, und wir dachten, es w├Ąre besser, mit neueren Songs aufzuwarten. Da sich das Demo extrem gut verkauft hat, ist es nur fair den Fans gegen├╝ber, nicht alle Demosongs auf das Album zu ├╝bernehmen. Es kann sein, da├č wir ÔÇ║Money (Can't Buy Me)ÔÇ╣ nochmal aufnehmen, aber das ist eher ungewi├č.

Bleiben wir bei den Demos. Beide waren supergut produziert, konnten mit tollen produktionstechnischen Effekten aufwarten. Ist bekanntlich nicht ganz billig...

Stimmt, aber das war uns egal. Deshalb hat es auch solange gedauert, bis wir bei einem Indie unterschrieben haben. Wir wollten sicherstellen, da├č das Album einen mindestens gleichwertigen Sound aufweisen w├╝rde, was uns auch gelungen ist. Was die Effekte angeht, so macht es einfach Spa├č, im Studio zu experimentieren. Wir hatten so viele Ideen, die wir nicht verwirklichen konnten, weil es unser Budget gesprengt h├Ątte.
Von unseren sechs Demosongs kamen im Endergebnis nur drei auf unsere CD: ÔÇ║WastelandÔÇ╣, ÔÇ║Goin' CrazyÔÇ╣ und ÔÇ║DreamingÔÇ╣ in einer stark ver├Ąnderten Version! Die restlichen Songs unserer Debut-CD wurden nach den Demos geschrieben. Die drei unver├Âffentlichten Songs werden wir sicherlich nicht mehr f├╝r die n├Ąchste CD verwenden. Wir haben lediglich die Demoversionen ÔÇ║I Won't Be LonelyÔÇ╣ und ÔÇ║Will You Remember MeÔÇ╣ als Bonussongs f├╝r die Japanversion von ┬╗Goin' Crazy┬ź freigegeben. Au├čerdem war ÔÇ║I Won't Be LonelyÔÇ╣ schon auf der ┬╗Metal Queens II┬ź-Compilation. F├╝r die n├Ąchste CD werden wir bestimmt genug Material haben. Wir haben schon eine Menge Songs geschrieben und, wie Du siehst, haben wir auf dieser Tour vier neue St├╝cke gespielt. Vielleicht sind die neuen Songs etwas h├Ąrter und experimenteller, aber es klingt definitiv nach SAHARA. Ich denke, da├č wir im Songwriting gewachsen sind!

Gibt es eigentlich schon konkrete Pl├Ąne f├╝r die zweite Scheibe?

Wir wollen die Aufnahmen im Herbst durchziehen, so da├č die CD etwa im Fr├╝hjahr 1994 ver├Âffentlicht werden kann. Einige der neuen Songs hei├čen ÔÇ║Circle Of FireÔÇ╣ oder ÔÇ║Wicked WorldÔÇ╣, aber es ist nicht sicher, ob wir sie auch f├╝r die CD aufnehmen werden. Wir werden bis zum Studiotermin neue St├╝cke schreiben und dann die besten ausw├Ąhlen.

SAHARA [US]-Liveshot 3

Nun wollte ich wissen, was es mit dem Bandnamen auf sich hat und ob es einen Zusammenhang zum entsprechenden Song ÔÇ║SaharaÔÇ╣ gibt!

Das Wort "Sahara" ist ein gel├Ąufiger Begriff, den jeder schon einmal geh├Ârt hat. Er hat einen gewissen mystischen Touch und pa├čt insofern sehr gut zu uns. Der Song ÔÇ║SaharaÔÇ╣ beschreibt auf der einen Seite unseren Frust, als es mit der Band nicht weiterging. Er richtet sich an die Fans, die uns quasi aufgebaut haben. Auf der anderen Seite beschreibt er die magische Kraft des Dreiecks in Form einer Pyramide. An diese Kraft glaubten vor allem die alten ├ägypter. Solche Dinge versuchen wir auch visuell auf der B├╝hne umzusetzen. Wir wollen eben, da├č die Leute Spa├č bei unseren Shows haben.

Kommen wir auf die sehr guten Lyrics zu sprechen. Worum dreht es sich in ÔÇ║I'm Not A ManÔÇ╣?

Es geht um die Probleme, die man als Frauenband hat. Als Bruce Fairbain (der BON JOVI-Produzent - Red.) unsere Demos h├Ârte, wollte er spontan mit uns arbeiten, weil er dachte, Liz w├Ąre ein Mann (mu├č der Typ blind sein... - Red.). Als er dann mitbekam, wer da singt, verlor er sein Interesse. Das ist nur ein Beispiel von vielen. Liz und ich haben vorher ausschlie├člich mit M├Ąnnern zusammengespielt. Ich habe es oft genug erlebt, da├č Leute einfach aufgelegt haben, wenn ich mich irgendwo als Keyboarderin vorstellen wollte. Man denkt eben, da├č es Frauen im Rockbiz nicht schaffen k├Ânnen. Einige wollten uns auch in eine softere Richtung dr├Ąngen, wie HEART zum Beispiel, aber das ist nicht unser Ding. ├ťbrigens mit ein Grund, warum wir ÔÇ║I Won't Be LonelyÔÇ╣ nicht auf das Album gepackt haben. Es klingt etwas HEART-├Ąhnlich.

ÔÇ║Mind ControlÔÇ╣ handelt von der Gehirnw├Ąsche, die von den Medien betrieben wird!

Eine schlimme Sache. Da haben wir die ganzen TV-Preacher ├í la Jimmy Swaggart, bei denen man sich mit Spenden einen erstklassigen Platz im Himmel kaufen kann. Diese Typen verdrehen die Bibel zu ihren Gunsten. Aber im Song geht es um jede Form der pers├Ânlichen Isolation, sei es durch Religionen, Okkultismus oder Sekten. Alles, was Menschen in ihrer Pers├Ânlichkeit einschr├Ąnkt, kann nur falsch sein. Aber auch die Manipulation durch die Medien, die f├╝r viele die einzige Informationsquelle zur Au├čenwelt darstellen, wird in den Lyrics verarbeitet.

Es ist auff├Ąllig, da├č Ihr extrem verschiedenartige Themen in Euren Songs verarbeitet. Wie kommt es dazu?

Wir schreiben unsere Texte ├╝ber Themen, die uns interessieren und irgendwie betreffen. So besch├Ąftigte sich Liz einige Zeit sehr intensiv mit religi├Âsen Kulten und ihren Methoden, Menschen zu manipulieren, und sie schrieb den Text zu ÔÇ║Mind ControlÔÇ╣ dar├╝ber. ÔÇ║WastelandÔÇ╣ entstand, weil wir es in L.A. ziemlich schrecklich finden. Es sind einfach Themen, ├╝ber die wir etwas sagen wollen. Zu ÔÇ║Time After TimeÔÇ╣ wurden wir dagegen durch die Fernsehsendung "Dark Shadows", die von Vampiren und ├Ąhnlichem Viehzeug handelt, inspiriert.

Das gesamte Coverartwork ist sehr mystisch gehalten. Die Namen Eurer Publishing Companies passen ebenfalls in dieses Konzept. So bist Du eine "Desert Witch", Liz hat die "Twisted Tree Music" und Gitarrist Phil agiert mit dem "Circle Of Fire". Hinzukommt ein, in meinen Augen, geniales Cover. Genial, weil anders! Es pa├čt hervorragend ins Gesamtbild, sticht sofort ins Auge!

Als wir das Gem├Ąlde zum ersten Mal sahen, wu├čten wir, das oder gar keins. Es ist irgendwie d├╝ster und bedr├╝ckend, allein schon durch die schwarz-wei├če Farbgebung. Auf der anderen Seite ist es k├╝nstlerisch anspruchsvoll und deckt somit auch beide Seiten von SAHARA gl├Ąnzend ab. Hinzukommt nat├╝rlich, da├č es hervorragend zum Albumtitel und unseren Texten pa├čt. Der kleine Knirps ist gerade geboren und findet sich sofort in einem ÔÇ║WastelandÔÇ╣ wieder. Der Gesichtsausdruck ist unglaublich! Da mu├č man einfach hingucken! Die Namensgebung unserer Publishing Comps ist einfach Fun. Ich bin die "Desert Witch", 'cause I have got that witchy hair! Nein, wir planen alles bis ins kleinste Detail, also auch solche Dinge.

SAHARA [US]-Liveshot 4

Habt Ihr nicht die Bef├╝rchtung, da├č Ihr mit dem Cover eventuell die falschen H├Ârer ansprecht? Immerhin liegt die Vermutung nahe, es handele sich um ein Thrash-Album!

Finde ich eigentlich nicht! Um ehrlich zu sein, war uns das bei der Wahl auch v├Âllig egal. Businesswise mag das zwar nicht besonders klug gewesen sein, aber ich denke, das Cover ist einfach klasse. Ein Cover zum n├Ąheren Betrachten, das sich deutlich von anderen Motiven abhebt.

Wie seid Ihr mit Jay Baumgardner als Produzent klargekommen? Er hat immerhin schon renommierte Acts, wie LOVE/HATE oder die Megahyper UGLY KID JOE produziert. Ich k├Ânnte mir vorstellen, da├č so jemand recht eigene Vorstellungen mitbringt!

Er wollte ÔÇ║Time After TimeÔÇ╣ unbedingt mit Percussion unterlegen und hat das auch so aufgenommen. Es klang furchtbar! Der Song handelt n├Ąmlich von Vampiren und spielt in England, wo es eher dunkel und neblig ist. Jay hatte einen Vampirfilm gesehen, der irgendwo in Asien spielte und wollte nun diesen orientalischen Beat einbauen. Der Song klang v├Âllig anders, die Atmosph├Ąre war verlorengegangen, so da├č wir ihn nicht auf der Scheibe haben wollten.

Ich war von Eurem Video zu ┬╗Wasteland┬ź durchaus beeindruckt. Man mu├č ehrlicherweise zugeben, da├č 98 Prozent aller Heavy-Videos schlicht ├╝berfl├╝ssig sind. Auch bei Eurem Video war das Konzept an sich bekannt: Szenen, die die Band auf der B├╝hne zeigen, vermischt mit anderen Einspielungen. Was Euer Video jedoch etwas unterschied, war die Tatsache, da├č diese Zwischenfills ausnahmslos gro├čartige, beeindruckende Landschaftsaufnahmen waren. Habt Ihr eine besondere Beziehung zur Natur?

Um ganz ehrlich mit Dir zu sein - das Konzept stammt komplett von meinem Bruder John. ÔÇ║WastelandÔÇ╣ war seinerzeit sein Lieblingsst├╝ck von SAHARA, und er fragte, ob er ein Video dazu produzieren k├Ânne. Wir sprachen zwar viele Details durch, aber im Endergebnis lie├čen wir ihm freie Hand. Er packte diese Naturaufnahmen als Kontrapunkt zum Text in das Video, denn ÔÇ║WastelandÔÇ╣ handelt von einer verschmutzten, kaputten Stadt, in der man nicht mehr leben m├Âchte. Es war das erste Video, das er drehte. Er hat anschlie├čend ein Video f├╝r ARMORED SAINT gemacht, und gerade hat er das neue MERCYFUL FATE-Video gedreht. Er ist sehr talentiert, und ich bin sehr stolz auf ihn!

Der Clip von ÔÇ║WastelandÔÇ╣ war auch auf dem f├╝nften ROCK HARD-Video zu sehen. Sonst habe ich das Video bislang noch nicht gesehen. Mir fiel dabei auf, da├č der Song deutlich anders klingt als auf der CD. Es schien so, als w├╝rde die Rhythmusgitarre fehlen!

Oh, ganz einfach! Das Video entstand schon 1989 zur Demoversion von ÔÇ║WastelandÔÇ╣. Mein Bruder wollte das Video unbedingt drehen, und wir konnten es nat├╝rlich zur Promotion benutzen, da wir zu dem Zeitpunkt noch keinen Deal hatten. Nein, das Video lief nie auf MTV oder anderen Fernsehstationen. Jedoch sahen die Leute von ROCK HARD das Video und wollten es verwenden, weil sie es mochten. Sie waren echt nett zu uns!

Abschlie├čend noch einige Worte zur Tour. Da gab es ja ein kleines Problem mit Liz!

Liz hat eine Mandelentz├╝ndung und konnte deshalb die letzten drei Gigs inklusive dem heutigen nicht singen, und wir spielten einen Instrumentalset. Beim Arzt stellte man dann fest, da├č Liz schon vor zwei oder drei Monaten eine ├╝bergangene Mandelentz├╝ndung hatte, und er verdonnerte sie zu totaler Funkstille. Es tut uns nat├╝rlich leid f├╝r die Leute, die bei diesen Gigs waren und uns nur instrumental h├Âren konnten, aber es gab leider keine andere Wahl.

SAHARA [US]-Liveshot 5

Dennoch gelang es SAHARA an jenem Abend im Liveclub "Rough" in Wiesbaden scheinbar m├╝helos, das Publikum zu ├╝berzeugen. Zu Beginn des Sets standen die meisten Zuschauer mit verschr├Ąnkten Armen in der altbekannten "mal abwarten"-Stellung da, aber das Publikum taute derma├čen auf, da├č die Band wirklich vier Zugaben spielen mu├čte. Bedenkt man, da├č SAHARA an diesem Abend als unfreiwillige Instrumentalband auftraten, so spricht diese Tatsache B├Ąnde. Ich jumpte jedoch am n├Ąchsten Abend kurzentschlossen in meine Kiste und fuhr in die Ludwigsburger "Rockfabrik", um mich davon zu ├╝berzeugen, da├č die Band mit Stimme noch mehr Reiz aus├╝bt. Allem voran ist dabei das positive Feeling zu unterstreichen, das die Band verbreitet. Anyway - SAHARA haben dreifach unter Beweis gestellt, da├č sie Potential bis zum Abwinken haben. Oh ja, diese W├╝stlinge werden in den n├Ąchsten Jahren noch einige ├ťberraschungen lockermachen - das gebe ich Euch hiermit mit Brief und Siegel!

Vorbereitung & Interviews:
Holger Andrae + Stefan Glas

Bearbeitung:
Stefan Glas

Photos: Stefan Glas

SAHARA [US]-Design

 

SAHARA (US) im ├ťberblick:
SAHARA (US) – UNDERGROUND EMPIRE 7-Interview
SAHARA (US) – METAL HAMMER 09/93-"Living Underground"-Artikel
SAHARA (US) – ONLINE EMPIRE 3-"Shirt Story"-Artikel
SAHARA (US) – News vom 20.01.1992
Playlist: SAHARA (US)-Album »Going Crazy« in "Cavelist Metal Hammer 10/92" auf Platz 3 von Stefan Glas
Playlist: SAHARA (US)-Album »Going Crazy« in "Jahrescharts Metal Hammer 1992" auf Platz 6 von Stefan Glas
andere Projekte des beteiligten Musikers Diane "Sentinel" Kornarens:
WARLORD (US) – ONLINE EMPIRE 17-"Eye 2 I"-Artikel: ┬╗Deliver Us┬ź
WARLORD (US) – News vom 07.06.2001
andere Projekte des beteiligten Musikers Liz Vandall:
GIUNTINI PROJECT – IV (Rundling)
LYRAKA – News vom 03.10.2011
Uli Jon Roth – Scorpions Revisited (Rundling)
Uli Jon Roth – ONLINE EMPIRE 36-"Living Underground"-Artikel
Uli Jon Roth – News vom 14.08.1998
Uli Jon Roth – News vom 19.09.2008
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