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  UE-Home → History → Online Empire 51 → Interview-├ťbersicht → THE UNGUIDED (S)-Interview last update: 04.07.2020, 00:03:53  

THE UNGUIDED (S)-Logo

In den letzten Monaten sollte bei den Modern Metal-Shooting Stars SONIC SYNIDICATE immer mehr Sand im Getriebe knirschen: Cleans├Ąnger Roland Johansson verlie├č die Band 2009, und sein Gesangspartner Richard Sjunnesson machte sich im Fr├╝hjahr 2010 ebenfalls aus dem Staub. Ende 2010/Anfang 2011 sollten die beiden zusammen mit Roger Sjunnesson, ihrem einstigen SONIC SYNIDICATE-Partner und zugleich Richards Bruder, THE UNGUIDED ins Leben rufen. Nach einigen Liveauftritten steht mittlerweile auch fest, da├č Ex-DEAD BY APRIL-Bassist Henric Carlsson und SONIC SYNIDICATE-Drummer John Bengtsson die Rhythmusmannschaft von THE UNGUIDED abgeben werden, w├Ąhrend die erste Platte ┬╗Hellfrost┬ź noch unter der offiziellen F├╝hrung des Dreier-Flagschiffs entstand. Selbiges ist ein hervorragendes Werk, das lediglich eine Frage offenl├Ą├čt: Warum eigentlich nicht der Name SONIC SYNDICATE draufsteht...

THE UNGUIDED (S)-Headline

Um uns diesem Punkt Schritt f├╝r Schritt zu n├Ąhern, w├╝rde ich gerne mit der Frage beginnen, warum Du, Roland, die Band im M├Ąrz 2009 verlassen hast.

Roland: Ich war damals an einem Punkt in meinem Leben angekommen, wo ich einfach mehr Zeit mit meiner Familie verbringen wollte. Ich merkte einfach, da├č ich genug von einem Leben habe, das ich ├╝ber Stunden und Stunden in Tourbussen verbrachte. F├╝r mich war es immer schwierig gewesen, mich an diese Tourbus-Umgebung zu gew├Âhnen. Das schlimmste war immer der verzweifelte Versuch, ausreichend Schlaf zu bekommen. Ich konnte nie durchschlafen, w├Ąhrend der Bus sich bewegte - und das ist es, was Busse normalerweise tun. [lacht] Schlafen hat eigentlich nur geklappt, wenn ich betrunken war, was ich nicht als einen w├╝rdigen Lebensstil empfunden habe. Ich war schlichtweg fertig mit diesem Leben aus dem Rucksack. Ich hatte die Nase voll davon, jeden Morgen in einer anderen Stadt oder gar in einem anderen Land aufzuwachen und nicht zu wissen, ob es eine Dusche, funktionierende Toiletten oder halbwegs vern├╝nftiges Essen geben w├╝rde. Versteh' mich nicht falsch: Ich hatte einen H├Âllenspa├č, und ich bin zweifelsohne ein Riesengl├╝ckspilz, da├č ich diese Chance bekommen hatte, aber ich war v├Âllig abgenervt von jenen 23 Stunden des Tages, die nicht aus dem Auftritt bestanden. Ich liebe mein Zuhause zu sehr, um keine Zeit dort verbringen zu wollen. Mit THE UNGUIDED brauche ich mir keine Sorgen ├╝ber so etwas zu machen, denn jetzt entscheiden wir, wo und wie oft wir spielen wollen. Wir haben eine Plattenfirma, die uns tun l├Ą├čt, was auch immer wir wollen, und genauso wollen wir es haben.

THE UNGUIDED-Bandphoto [Gr├╝ndungstrio: Roland Johansson, Richard Sjunnesson & Roger Sjunnesson]

Richard, als Du dann im November 2010 SONIC SYNDICATE den R├╝cken gekehrt hast, rauschte es doch sehr viel mehr im Geb├Ąlk. Zum einen bist Du kurz vor dem Start der Tour ausgestiegen, und zum anderen hattest Du in Deinem Blog ein recht harsches Statement losgelassen. Ich hatte es seinerzeit zwar nur quergelesen und kann es jetzt online nicht mehr finden, aber ich meine, mich zu entsinnen, da├č Du sowohl Deinen Mitmusikern als auch Eurem Label einige deftige Vorw├╝rfe an den Kopf geworfen hast. Wie siehst Du die Dinge, die sich vor ├╝ber einem Jahr ereignet hatten, aus heutiger Sicht?

Richard: Welche Sinn soll es machen, ohne einen gro├čen Knall abzugehen? [lacht] Ich mu├č Dich allerdings korrigieren, denn mein Statement ist noch online: Man findet es als ersten Beitrag meines Blogs. Ich habe nie unserem Label NUCLEAR BLAST irgendwelche Vorw├╝rfe gemacht. Ich hatte lediglich gesagt, da├č interne und externe Einflu├čquellen die Ver├Ąnderungen der Band bewirkt haben. Und falls der Ausdruck "externe Einflu├čquellen" die Leute dazu bringt, an die Plattenfirma zu denken, dann ist das deren falsche Interpretation. Ich habe kaum mit dem Finger auf irgendjemand gezeigt und m├Âchte auch an dieser Vorgehensweise festhalten. Um die Wahrheit zu sagen, hatten NUCLEAR BLAST nahezu nichts mit den Ver├Ąnderungen bei SONIC SYNDICATE zu tun. Ich stehe immer noch zu meinem Statement und jeglicher Dreck, der darin verspritzt wird, ist wohlgezielt und wohlverdient. Wenn Leute, die mit der Band verbunden sind, es geschafft h├Ątten, ├╝ber ihren Gr├Â├čenwahn und ihre Sehnsucht nach Ruhm hinwegzukommen, dann w├Ąre es nie zu den Vorg├Ąngen des Jahres 2010 gekommen. Aber das diplomatische und menschliche Gedankenpotential innerhalb der Band war aufgebraucht und somit komplett verschwunden. Dies in Kombination mit den l├Ącherlichen Ver├Ąnderungen an der Musik, die offenkundig meilenweit von meinen eigenen musikalischen Vorlieben und Visionen entfernt lagen, ergab ein Klima, mit dem ich mich nicht mehr umgeben wollte und in dem ich mich schon gar nicht l├Ąnger aufhalten wollte. Ich bin stolz auf meine Entscheidung und w├╝rde auch im R├╝ckblick nichts daran ├Ąndern, wie ich die Dinge gehandhabt habe.

Roger, wie war das Bandfeeling bei SONIC SYNDICATE nach diesen markanten Wendepunkten: zuerst nach dem Ausstieg von Roland und dann nach dem von Richard? Wie sind diese letzten Shows mit Rolands Nachfolger Nathan James Biggs und dem auf die Schnelle angeheuerten Christoffer Andersson, der Richard ersetzte, verlaufen?

Roger: Als Roland uns mitteilte, da├č er die Band verlassen will, was im Januar 2009 war, bedeutete das einen totalen Schock f├╝r jeden von uns. Wir hatten damals gerade unser drittes Album ┬╗Love And Other Disasters┬ź ver├Âffentlicht, und es stand eine gro├če Headlinertour durch Europa plus ein Sommer voller Festivalauftritte an. Es f├╝hlte sich an, als sei alles, was wir mit SONIC SYNDICATE aufgebaut hatten, auf einen Schlag zerst├Ârt worden, denn Roland war nicht nur der Cleans├Ąnger der Band. Er war vor allem ein gro├čartiger Musiker, vielleicht der beste, der jemals bei der Band war, der ein wahnsinnig gutes Gesp├╝r f├╝r Melodien und Harmonien hat. Au├čerdem ist er ein Witzbold und eine charismatische Person, weshalb er von allen SONIC SYNDICATE-Fans aufrichtig geliebt wurde. Die Band steckte tief in der Schei├če, und es gab nur die M├Âglichkeit, die Band aufzul├Âsen oder einen neuen Cleans├Ąnger zu finden. Wir konnten uns allerdings mit Roland verst├Ąndigen, da├č er uns f├╝r die Shows zur Verf├╝gung stehen w├╝rde, bis wir einen neuen S├Ąnger haben w├╝rden.
Fast ein Jahr sp├Ąter, im Februar 2010, sagte mir Richard, da├č er mit der damaligen Situation bei SONIC SYNDICATE nicht gl├╝cklich sei und da├č er mit dem Gedanken spielen w├╝rde, die Band ebenfalls zu verlassen. Seine Entscheidung stellte ebenfalls einen Schock f├╝r mich dar, aber ich war nicht komplett ├╝berrascht. Wir steckten damals mitten in den Aufnahmen zum vierten SONIC SYNDICATE-Album ┬╗We Rule The Night┬ź, und zu diesem Zeitpunkt hatten gewisse Individuen in der Band zusammen mit dem Management und dem Produzenten beschlossen, da├č die Platte eine kommerziellere Ausrichtung bekommen solle. Das Label hatte diesem Beschlu├č zugestimmt. Als Konsequenz dessen wurden viele von meinen und Richards Songideen in die Tonne getreten, da sie zu sehr nach den "alten SONIC SYNDICATE" klingen w├╝rden und daher nichts im "neuen SONIC SYNDICATE-Sound" verloren h├Ątten. Es gab im Studio zahllose Dispute zwischen uns und dem Produzenten, ob die Songs heavy sein sollten oder nicht. Das lief beispielsweise so ab: "Wir m├╝ssen dieses Outro wegschneiden, weil es zu heavy ist, um im Radio gespielt zu werden." Oder: "Wir m├╝ssen Richs Schreie weglassen, weil sie nicht passen." Oder: "Das ist ein Rock'n'Roll-Song, so da├č da Keyboards nichts drin verloren haben." So ging es immer weiter. Als Kr├Ânung wurden Richards Schreie im Endmix v├Âllig idiotisch nach hinten gefahren, weil jemand beschlossen hatte, da├č die cleanen Vocals im Mittelpunkt stehen sollte. Rich und ich brachten unsere Entt├Ąuschung gegen├╝ber dem heutigen Management zum Ausdruck, aber wir erhielten lediglich die Antwort, da├č Richard und ich vielleicht eine andere Band gr├╝nden sollten. Der Rest ist Geschichte.
Nachdem Richard im August 2010 SONIC SYNDICATE verlassen hatte, beschlossen wir, da├č wir dennoch eine Person brauchen w├╝rden, die die Screamparts live r├╝berbringen kann. Daher fragten wir unseren guten Freund Christoffer Andersson, der der S├Ąnger der hiesigen Band WHAT TOMORROW BRINGS ist, ob er f├╝r Richard einspringen k├Ânne, und er stimmte zu. Diese Liveshows f├╝hlten sich f├╝r mich nat├╝rlich komisch an, da mein Bruder nicht dabei war. Mein Bruder und ich hingen auf Tour immer zusammen ab und erkundeten beispielsweise die St├Ądte, in denen wir waren. Jetzt mu├čte ich das allein tun oder einen der anderen finden, der Bock hatte. Auf alle F├Ąlle hatte ich auch w├Ąhrend dieser Tour tagt├Ąglich Kontakt mit Richard, und im Stillen begannen wir, das ┬╗Hellfrost┬ź-Album zu schreiben, das wir jetzt mit THE UNGUIDED ver├Âffentlicht haben.

THE UNGUIDED-Bandphoto [Gr├╝ndungstrio: Roland Johansson im Vordergrund]

Es gab nie ein offizielles Statement, so da├č es immer noch nur als Ger├╝chte zu gelten hat, da├č SONIC SYNDICATE eine Pause einlegen. Roger, inwiefern ist das zutreffend? Was kannst Du uns als letztes aktives SONIC SYNDICATE-Mitglied des THE UNGUIDED-Gr├╝ndertrios ├╝ber die Zukunft der Band sagen? Was treiben die Musiker derzeit?

Roger: Im letzten Herbst nach der Ver├Âffentlichung von ┬╗We Rule The Night┬ź waren wir fast drei Monate am St├╝ck auf Headlinertour quer durch ganz Europa, was f├╝r unsere Verh├Ąltnisse echt heftig war. Daher beschlossen wir schon damals, da├č wir uns nach dem Sommer 2011 eine Auszeit nehmen w├╝rden, so da├č jeder sich auf andere Sachen abseits der Band konzentrieren k├Ânne. Ich arbeite momentan als Elektriker und bin nat├╝rlich mit THE UNGUIDED besch├Ąftigt, Drummer John arbeitet als Zimmermann und hat sich neulich ein Haus gekauft, an dem er tagt├Ąglich arbeitet. Er ist au├čerdem seit einigen Wochen der offizielle Drummer von THE UNGUIDED. Bassistin Karin arbeitet und studiert au├čerdem. Gitarrist Robin ist mit seiner Freundin in Stockholm zusammengezogen und arbeitet momentan in einem Tattoostudio. S├Ąnger Nathan ist zu seiner Freundin nach Helsinki gezogen und hat dort einige Projekte am Laufen, soweit ich wei├č. Was mit SONIC SYNDICATE in Zukunft passieren wird, ist derzeit schwer abzusch├Ątzen. Hoffentlich werden wir wieder zusammenfinden und ein neues Album komponieren, aber falls das passiert, dann wird es wohl fr├╝hestens sp├Ąter in diesem Jahr oder noch ein Jahr sp├Ąter sein. Das wissen wir momentan noch nicht.

Ende 2010/Anfang 2011 habt Ihr THE UNGUIDED ins Leben gerufen. Ger├╝chte besagen, da├č Ihr von vorneherein jene Musik machen wollte, die Ihr f├╝r SONIC SYNDICATE ersonnen hattet, die aber von NUCLEAR BLAST verworfen wurde. Richard hatte ja schon zuvor ausgef├╝hrt, da├č es mitnichten das Label war, das diese Ver├Ąnderungen gew├╝nscht hatte. Aber: Sind die Ausf├╝hrungen ├╝ber das grundlegende Konzept von THE UNGUIDED korrekt?

Richard: Wie gesagt, viele der verbreiteten Meinungen um die Beziehung von SONIC SYNDICATE und NUCLEAR BLAST, sind schlicht falsch. Unser Label h├Ątte wahrscheinlich jede Platte ver├Âffentlicht, die wir ihnen gegeben h├Ątten, denn sie glaubten an uns und vertrauten auf unser Urteilsverm├Âgen. Sie fragten uns allenfalls mal nach einer Ballade, mit der sie die Band auch im kommerziellen Radio h├Ątten pushen k├Ânnen, was vom marketingtechnischen Standpunkt durchaus verst├Ąndlich war. Aber das war's auch schon! Sie haben nie darum gebeten, den kompletten Rahmen unserer Musik zu ├Ąndern. Das war eine Entscheidung aus Gier seitens der Band und ihrer Vertrauten. Um fair zu sein, glaube ich, da├č einige Mitglieder schon lange vor ┬╗We Rule The Night┬ź aus ihren IRON MAIDEN-Shirts rausgewachsen waren. Es waren interne Differenzen, die SONIC SYNDICATE ver├Ąndert haben, und irgendwie wurde der Metal, mit dem wir alle stolz herangewachsen sind, dabei tabuisiert. Wenn das einer Metalband passiert, so ist das h├Âchst paradox, allein schon weil die Fangemeinde der Band zu 90 Prozent aus Metalheads bestand. Man kombiniere dies mit der ├Ąu├čerst kitzligen Situation durch den S├Ąngerwechsel, und schon haben wir ein perfektes Rezept, mit dem man eine Band im Handumdrehen ├Ąu├čerst effektiv zerst├Âren kann. Die entsprechenden Leute wu├čten das, doch es wurde immer wieder damit angefangen, w├Ąhrend die Risiken ignoriert wurden.
Um auf Deine urspr├╝ngliche Frage zur├╝ckzukommen: Ja, THE UNGUIDED sind ganz bewu├čt zu jenem Punkt zur├╝ckgereist, wo sie die Musik in den Mittelpunkt stellen konnten - also dorthin, wo sie hingeh├Ârt - w├Ąhrend wir uns um diese ganzen anderen Variablen reichlich wenig k├╝mmern. Man k├Ânnte sagen, da├č wir zu unseren Urspr├╝ngen zur├╝ckgekehrt sind, aber wir und unsere musikalischen Herzen sind gewachsen, so da├č ┬╗Hellfrost┬ź letzten Endes ein reiferes Produkt ist als alles, was wir zuvor gemacht haben, und das seine ganz eigene Identit├Ąt hat.

Dadurch l├Ą├čt sich dann auch der Bandname erkl├Ąren: eine Band, die von niemand irgendwohin gef├╝hrt wird. Richtig?

Richard: Nein, das h├Ąngt damit zusammen, da├č man unser GPS-System geklaut wurde! [lacht] Ernsthaft, Du hast nat├╝rlich genau ins Schwarze getroffen. Wir haben einige Jahre harter Plackerei in der vorhergehenden Band hinter uns. Wir wurden von Anfang von au├čenstehenden Leuten und ihren Organisationen verarscht. Dadurch haben wir aber auch ein Jahrzehnt lang Erfahrung gesammelt, so da├č wir heute wissen, Fallen auszuweichen oder sie zu entsch├Ąrfen. Wir geben der Band die Macht zur├╝ck und nicht umgekehrt. Daher nennen wir uns THE UNGUIDED.

┬╗Hellfrost┬ź klingt f├╝r mich eher wie eine Fortsetzung von ┬╗Love and Other Disasters┬ź, als das ┬╗We Rule The Night┬ź tat - obgleich ich dieses letzte SONIC SYNDICATE-Album durchaus auch mag. Aber auch ohne Eure bisherigen Ausf├╝hrungen war es nicht schwer festzustellen, da├č es einen anderen Touch hat, was nicht nur daran liegt, da├č Rolands Gesang fehlt. Wie ordnet Ihr das Album ein?

Richard: Viele Leute sehen ┬╗Hellfrost┬ź als das fehlende Verbindungsglied zwischen ┬╗Eden Fire┬ź und ┬╗Only Inhuman┬ź an, aber Fortsetzung von ┬╗Love And Other Disasters┬ź k├Ânnte genauso zutreffend sein. Das war damals immerhin das letzte Mal, da├č wir drei, Roger, Roland und ich, zusammengearbeitet haben. Daher f├╝hlt es sich realistisch an, da├č wir einfach dort weitergemacht haben, wo wir aufgeh├Ârt hatten. Ich mag die wenigen Heavysongs auf ┬╗We Rule The Night┬ź, aber letzten Endes ertappe ich mich doch viel zu oft dabei, da├č ich einfach weiterskippe, wenn ich die Platte h├Âre. Ich glaube, ich kann mit Sicherheit sagen, da├č es das schlechteste Album ist, an dem ich beteiligt war. Wenn ich gewu├čt h├Ątte, was dabei herauskommt, w├Ąre ich schon vor dem Studiotermin ausgestiegen. Ich habe schon damals Rolands einzigartige Stimme vermi├čt, und ich bin mir sicher, wenn wir beide unbeeinflu├čt an den Vocals f├╝r das Album gearbeitet h├Ątten, dann k├Ânnte ich mit dem Resultat heute bestimmt besser leben.

Ein kurzer Einwurf an Euch beide, Roland and Richard: Wie kommt es, da├č Eure beiden Stimmen so perfekt zusammenpassen? Immerhin ist Roland erst 2006 nach dem ┬╗Eden Fire┬ź-Album zu SONIC SYNDICATE gesto├čen, w├Ąhrend Richard schon in Fr├╝htagen, als die Band noch TUNES OF SILENCE beziehungsweise FALLEN ANGELS gehei├čen hatte, an Bord gewesen war. Ergo: Ihr k├Ânnt nicht schon im Sandkasten um die Wette gepl├Ąrrt haben, so da├č Ihr Euch fr├╝hzeitig aufeinander eingeschossen habt.

Richard: Ich glaube, wir haben die von Dir erw├Ąhnte Tatsache noch nicht mal so sehr bemerkt, als wir tagt├Ąglich miteinander gearbeitet hatten. Da haben wir einfach unser Ding durchgezogen und den Augenblick genossen. Doch nachdem ich jetzt mit anderen S├Ąngern und Bands zusammengearbeitet habe, habe ich schnell bemerkt, wie einzigartig unsere Stimmen zusammenpassen und dem Gesamtsound gewisserma├čen eine angenehme Balance verleihen. Es scheint an ein paar kleinen Faktoren zu liegen, die aber sehr schwer zu greifen sind. Ich habe andere Duettkonstellationen geh├Ârt, die einfach nicht funktioniert haben. Ich kann nicht mit dem Finger auf etwas deuten, in dem die Magie unserer gemeinsamen Chemie begr├╝ndet liegt, aber ich denke, da├č es etwas damit zu tun hat, da├č unsere Stile und unsere Stimmen sehr weit voneinander entfernt sind. Das f├╝hrt dazu, da├č die Dynamik extrem hoch ist. Meine zerbrechlichen, kontrollierten und oft sehr nach oben geschraubten Schreie ergeben einen guten Kontrast zu Rolands kraftvollen, melodischen und mittenlastigen Gesang. Diese offensichtlichen Unterschiede nehmen wohl die Aufmerksamkeit des H├Ârers gefangen und nehmen ihn mit auf eine Art von Audio-Achterbahn. Das w├Ąre eine m├Âgliche Interpretation meinerseits f├╝r dieses Ph├Ąnomen.

Roland: Ich stimme Richard zu. Wir haben da wirklich nie dr├╝ber nachgedacht. Das Spa├čige daran war, da├č wir damals sofort anfangen konnten, das ┬╗Only Inhuman┬ź-Album zu komponieren, obwohl wir uns quasi noch nicht kannten und noch fast nicht zusammengearbeitet hatten. Es hat einfach vom ersten Tag an perfekt mit uns funktioniert! Wir haben ├╝ber diese Tatsache aber nicht viel nachgedacht, sondern wir zogen unser Ding durch und waren mit unserer gemeinsamen Arbeit zufrieden. Erst als die Leute uns immer wieder darauf ansprachen oder sogar in Magazinen oder in Internetreviews dar├╝ber geschrieben wurde, da├č unsere Stimme f├Ârmlich f├╝reinander geschaffen seien und da├č ihr Zusammenspiel sehr ausgewogen sei, begann ich, dr├╝ber nachzudenken. Ich sch├Ątze mal, da├č wir einfach Gl├╝ck haben. Oh, und nebenbei noch als Information f├╝r Dich: Ich habe auch schon auf ┬╗Eden Fire┬ź ein paar Vocals beigesteuert.

THE UNGUIDED-Bandphoto [Gr├╝ndungstrio: Richard Sjunnesson im Vordergrund]

Apropos: Gibt es irgendwelche netten Anekdoten aus TUNES OF SILENCE/FALLEN ANGELS-Tagen? Ihr m├╝├čt damals ja noch blutjung gewesen sein, denn auf einem alten Bandphoto sieht Karin fast noch wie ein kleines M├Ądchen aus, obgleich sie erst 2004 hinzukam, w├Ąhrend Ihr schon viel fr├╝her angefangen hattet.

Richard: Bei TUNES OF SILENCE, also jener Band, mit der zwischen 2000 bis 2002 alles angefangen hatte, sang ich die Cleanvocals ... oder zumindest so irgendwie. [kichert] Wir waren damals extrem gr├╝n, und alles klang entsprechend. Aber wir hatten eine Bombenzeit, denn sowohl die Familien als auch unsere Freunde hingen st├Ąndig im Proberaum ab, um an unserem Spa├č teilzuhaben. Anfangs spielten wir einfach Metalcover. Ich kann mich noch entsinnen, da├č wir Songs wie ÔÇ║The Wicker ManÔÇ╣ von IRON MAIDEN, ÔÇ║Hunting High And LowÔÇ╣ von STRATOVARIOUS, ÔÇ║American JesusÔÇ╣ von BAD RELIGION oder ÔÇ║Future WorldÔÇ╣ von HELLOWEEN nachgespielt hatten. Sp├Ąter hatten wir dann eigene Songs, die Titel wie ÔÇ║Science Into MadnessÔÇ╣, ÔÇ║Artificial AllianceÔÇ╣, ÔÇ║Lone WolfÔÇ╣, ÔÇ║The ExpeditionÔÇ╣ und ÔÇ║At The Gates Of ValhallaÔÇ╣ trugen. [grinst] Letzten Endes kam der ├ťbergang von TUNES OF SILENCE zu FALLEN ANGELS ├Ąhnlich wie von SONIC SYNDICATE zu THE UNGUIDED, nur eben auf einem kleineren Level: Einige Leute in der Band wollten pl├Âtzlich Popmusik machen, um bei Hochzeiten und ├Ąhnlichem Schei├č spielen und Kohle verdienen zu k├Ânnen, w├Ąhrend Roger und ich die unz├Ąhmbaren Metalheads waren. Deshalb haben wir TUNES OF SILENCE verlassen und stattdessen im Jahr 2002 FALLEN ANGELS in die G├Ąnge gebracht, wo ich dann mit extremeren Vocals angefangen habe. Ich war damals 16 Jahre alt gewesen, als ich TUNES OF SILENCE ins Leben rief.

Wenn wir uns nun wieder der Gegenwart zuwenden, so scheint es doch sehr wohl, da├č Ihr mit THE UNGUIDED einen Trip in diese guten, alten Zeiten unternehmen wolltet, denn Ihr habt FALLEN ANGEL-Demosongs wie ÔÇ║Inherit The EarthÔÇ╣ oder ÔÇ║Betrayer Of The CodeÔÇ╣ ├╝berarbeitet und auf ┬╗Hellfrost┬ź gepackt. Wie gro├č ist der Unterschied zwischen den alten und den neuen Versionen?

Richard: Die Neuaufnahmen unterscheiden sich massiv von den urspr├╝nglichen FALLEN ANGELS-Songs. Alles wurde komplett ├╝berarbeitet, sowohl die Texte als auch die Musik. Es gibt aber einige Riffs und Melodien, die unver├Ąndert vom Original ├╝bernommen wurden, und ich habe auch aus nostalgischen Gr├╝nden die ein oder andere Textzeile komplett ├╝bernommen. Bei der ├ťberarbeitung der Texte habe ich mich an den thematischen Hintergrund des Originals gehalten, aber sie wurden dank unseres heutigen Erfahrungsschatzes und unserer musikalischen Vorlieben schwerstens verbessert und sind streckenweise nicht mehr wiederzuerkennen.

Aber das war's noch nicht. Sofern ich Richards Blog richtig verstanden habe, habt Ihr absichtlich gewisse Hinweise gen ┬╗Eden Fire┬ź in die Songtitel als auch das Cover von ┬╗Hellfrost┬ź eingebaut. Au├čerdem sind der erste und letzte Buchstabe im neuen Logo sehr ├Ąhnlich wie beim urspr├╝nglichen SONIC SYNDICATE-Logo gestylt - nur da├č die unteren Ausl├Ąufer in die andere Richtung deuten.

Richard: Das ist korrekt. F├╝r mich gibt es nie einen neuen Anfang, sondern ┬╗Hellfrost┬ź basiert auf der gleichen Vision, die ich schon mit ┬╗Eden Fire┬ź verfolgt habe. Es ist genau der gleiche Organismus, und mit ┬╗Hellfrost┬ź m├Âchte ich auch das alte Erstlingswerk von 2005 ehren. Der Albumname ist quasi der in Gegenteil gekehrte Titel des SONIC SYNDICATE-Debuts, und es gibt einige Songtitel, die in gleicher Weise als Kontrast angelegt sind. Selbst das Textkonzept und einige Illustrationselemente folgen einigen Themen von ┬╗Eden Fire┬ź. Die Platte stellt einen nostalgischen Trip dar und hat f├╝r mich etwas von einer Zeitreise.

Warum habt Ihr Euch abgesehen davon f├╝r ein Cover entschieden, bei dem man meint, man h├Ątte es mit einer etwas frostigeren Version eines MANOWAR-Albums zu tun?

Richard: Wenn Du das so siehst, dann f├╝hle ich mich dadurch riesig geehrt. MANOWAR spielten n├Ąmlich eine wichtige Rolle f├╝r mich als heranwachsender Metal Warrior. [lacht schallend] In den Achtzigern und Neunzigern hatten die Bands noch Wert auf ihr Artwork gelegt, anstatt irgendeinen Typen in ein paar Sekunden etwas mittels Photoshop zusammenklicken zu lassen; und dann: Schick' es an die Band, und bezeichne es als Kunst. Wir haben den Besten der Besten f├╝r die Illustrationen auf ┬╗Hellfrost┬ź und ┬╗Nightmareland┬ź verpflichtet: einen K├╝nstler namens Kuang Hong aus China. Ich war ein gro├čer Fan seiner Arbeit und hatte seine Weiterentwicklung schon vor ┬╗Eden Fire┬ź mit interessierten Augen beobachtet. Ich hatte sogar beabsichtigt, da├č er das Artwork f├╝r ┬╗Only Inhuman┬ź ├╝bernimmt. Wir diskutierten dar├╝ber, aber das Management wollte ein kommerzielleres Design (H├╝stel, was bitte soll an diesem ultragrottigen Gekrakel "kommerziell" sein... - Stefan). Daher war es gro├čartig, zur├╝ckgehen zu k├Ânnen und diesen Faden neu aufzunehmen.

Vor ┬╗Hellfrost┬ź habt Ihr zwei Singles und eine EP ver├Âffentlicht, deren Songs nun auch alle auf dem Album gelandet sind. Haben sich Fans beschwert, da├č sie die Songs doppelt kaufen? Wurden diese St├╝cke nochmal aufgenommen, oder wurde die Platte aus mehreren Aufnahmesessions zusammengest├╝ckelt.

Richard: Ich glaube nicht, da├č unsere Fans die gleiche Einstellung haben wie der Rest der Fanscharen dieser Welt. Sie wissen, da├č sie beim Kauf von Musik oder Merchandise uns direkt unterst├╝tzen, um unsere Studiokosten oder sonstige Kosten zu finanzieren. Dieses Geld dient nie unserer pers├Ânlichen Bereicherung, sondern flie├čt in einen gemeinsamen Pool, der ausschlie├člich im Namen der Band und f├╝r deren Belange genutzt wird. Ich glaube nicht, da├č unsere Fans so etwas als eine Verschwendung von Geld ansehen, sondern da├č sie in die Zukunft der Band investieren, so da├č sie neue Musik schneller bekommen werden. Au├čerdem wurden die Songs von den Singles nie digital ver├Âffentlicht, und seit der ┬╗Nightmareland┬ź-EP haben wir viele Optimierungen oder Unterschiede zu den urspr├╝nglichen Versionen vorgenommen, so da├č es ohnehin nicht mehr haargenau die gleichen Songs sind. Ich habe mit der Zeit gelernt, da├č Fans Sammler sind, und wir versuchen, sie bestm├Âglich zu befriedigen, aber ohne dabei von unseren Herzensangelegenheiten und musikalischen Ambitionen abzuweichen. Wir sitzen im selben Boot, und gl├╝cklicherweise sind wir uns v├Âllig einig, in welche Richtung wir steuern wollen.

Deswegen habt Ihr wohl auch immer spezielle Versionen im Angebot f├╝r jene Fans, die bereits im Vorfeld bestellen.

Richard: Ja, das ist sehr wichtig f├╝r uns. Ich mag die Idee von limitierten Dingen seit den Tagen, als ich als Kid Picture-Vinyl gesammelt habe. Im heutigen Musikgesch├Ąft und angesichts des Verkaufsr├╝ckganges der physikalischen CDs mu├č man das Problem etwas anders anpacken. Genau das tun wir mit unseren limitierten Version und unserem Merchandise. Ein einfaches Beispiel: Die Special Edition der ┬╗Nightmareland┬ź-EP hat die Kosten f├╝r die ┬╗Hellfrost┬ź-Produktion aufgebracht. Die limitierte ┬╗Hellfrost┬ź-Version wird unser zweites Album bezahlen, und so weiter. Es ist eine simple Idee, die aber super funktioniert und jedermann gl├╝cklich macht. Es handelt sich um eine sogenannte win/win-Situation, von der auch die Fans ihren Nutzen ziehen: Sie kriegen ihr Sammlerst├╝ck, w├Ąhrend wir direkt ins Studio gehen k├Ânnen, um ihnen mehr Musik liefern zu k├Ânnen. Ohne die Hilfe der Fans w├Ąren wir nichts, und ich denke, da├č viele Bands diesen Aspekt vergessen und die Fans nicht in jenem Ma├če respektieren, wie sie es tun sollten. Wir interagieren mit unseren Fans durch verschiedene Medien, und der Blog ist eine einzigartige Methode f├╝r die Fans, der Band ganz detailliert zu folgen. Sie k├Ânnen in der Tat ihre Investitionen tagt├Ąglich verfolgen und begutachten, ob alles nach ihren Vorstellungen l├Ąuft. [kichert] Falls es eine Frage gibt, k├Ânnen sie mich direkt anmailen, und ich werde im Blog darauf antworten, um jegliche Verwirrung aus dem Weg zu r├Ąumen. Wir haben eine sehr offene Beziehung und einen angeregten Dialog mit unseren Fans, so da├č sie bei wichtigen Fragen mitentscheiden k├Ânnen. Das ist etwas, das ich nie zuvor gesehen habe! Wir bitten die Fans um Feedback zu vielen Dingen, bevor sie hergestellt werden oder bevor sie es als fertiges Produkt vorgesetzt bekommen.

Da mir nur eine nackte CD-R vorliegt, m├╝├čten wir noch ein paar Basics abklappern: Wer hat auf ┬╗Hellfrost┬ź gespielt? Auch jene Jungs, die live mit Euch aufgetreten sind - also Henric Carlsson, ehemaliger Bassist von DEAD BY APRIL, und Euer SONIC SYNDICATE-Kumpel John Bengtsson?

Richard: Neben John ist Henric mittlerweile auch als festes Mitglied bei THE UNGUIDED gesetzt. John hat auch auf der Platte getrommelt, Jonas Kjellgren hat den Ba├č eingespielt, und Pontus Hjelm von DEAD BY APRIL hat mit Roger zusammengearbeitet, um die Keyboardproduktion noch etwas voranzutreiben. Einige Gastschreie hat der legend├Ąre Peter T├Ągtgren f├╝r den Song ÔÇ║PathfinderÔÇ╣ beigesteuert. Aufgenommen wurde alles von mir, Roger und Roland.

THE UNGUIDED-Bandphoto [Gr├╝ndungstrio: Roger Sjunnesson im Vordergrund]

Bei den wenigen Liveshows, die THE UNGUIDED bislang gespielt haben, tauchten keine SONIC SYNDICATE-Songs in der Setlist auf. Warum?

Richard: Es ist in der Tat so, da├č wir nicht berechtigt sind, SONIC SYNDICATE-Songs zu spielen, was auf einen Vertrag zur├╝ckgeht, den Roland unterzeichnen mu├čte, als er die Band verlie├č, der ihm verbietet, in irgendeiner Form nochmal mit dem alten Material involviert zu sein. Bei unserer ersten Liveshow wollten wir nat├╝rlich ein paar SONIC SYNDICATE-Nummern spielen, so da├č wir einen Gegenvertrag oder eine Einverst├Ąndniserkl├Ąrung aufsetzten, die Roland dies nun doch wieder erm├Âglichen sollte. Alle haben diesen Vertrag unterzeichnet, mit Ausnahme meines Cousins Robin Sjunnesson. Daher d├╝rfen wir utopischerweise nicht jene Songs spielen, die wir vor langer Zeit eigenh├Ąndig geschrieben haben. Es ist schade f├╝r die alten Fans, da├č sie diese Songs nie wieder mit dem klassischen Gesangsduo werden h├Âren k├Ânnen, aber dieser Zug ist jetzt leider abgefahren, und wir haben nicht vor, uns diesem Problem nochmal zu widmen.

Zun├Ąchst sah es ja mal so aus, als w├╝rden THE UNGUIDED ein Trio bleiben, die im Studio und bei Konzerten Gastmusiker hinzuzieht. Doch mittlerweile seid Ihr zur kompletten Band geworden, die allerdings leider keine derart hei├če Bassistin hat, seufz...

Richard: Ja, wir sind seit einiger Zeit ein Quintett, aber wir haben in Henric Carlsson einen hei├čen Bassisten, welcher zudem sehr f├Ąhig auf seinem Instrument ist. Bei dieser Band geht es einzig um die Musik und nicht darum, da├č die Kids bei den Liveshows einen St├Ąnder kriegen.

La├čt uns trotzdem noch etwas ├╝ber SONIC SYNDICATE und besagte hei├če Tieft├Ânerin sprechen: War es problematisch, da├č Karin als echte Sch├Ânheit sehr im Mittelpunkt des Interesses bei SONIC SYNDICATE stand? Ich denke nur daran, da├č es etliche Photosessions speziell f├╝r sie gab, bei denen sie wie ein Supermodel gestylt wurde. Hat das die Bandatmosph├Ąre gest├Ârt?

Richard: Steck' ein M├Ądchen in eine Band, und schon dreht das Publikum durch, oder? Nun, als wir Karin rekrutierten, war es nicht unsere Absicht, Herzinsuffizienzen zu provozieren, denn unser Fokus war die Musik - w├Ąhrend die Aufmerksamkeit der Menge, m├Âglicherweise 15 Zentimeter von ihrem Kinn entfernt oder sonstwo lag, aber damit mu├č man wohl rechnen. Aber: Ja, es gab externe Bandmitarbeiter, die nicht gar nicht faul waren, diese Tatsache auszubeuten. Aber ich kann nicht sagen, da├č es das Bandklima ernsthaft gest├Ârt hat, denn jeder kannte seinen Platz und seine Funktion in der Maschinerie. Wir waren ein Haufen vern├╝nftiger, bodenst├Ąndiger Leute, die an diesem Punkt ihrer Karriere eine Menge Spa├č zusammen hatten. Aber nichts dauert ewig, und Menschen ├Ąndern sich.

Wie steht Ihr heute zu den konstruierten Skandalen rund um SONIC SYNDICATE? Ich denke dabei nur an das Video zu ÔÇ║Turn It UpÔÇ╣, welches einzig dem Zweck dienen sollte, die Band vor allem in die "gro├če" Presse zu bringen. Ich k├Ânnte mir vorstellen, da├č dies zu jener Form der Lenkung zu z├Ąhlen ist, auf die THE UNGUIDED heuer verzichten m├Âchten, oder?

Richard: Das war die urspr├╝ngliche Absicht bei diesem Videoclip, was jedoch gewaltig nach hinten losging, bis hin zu der Tatsache, da├č unsere Facebook-Seite mit 50.000 Likes kurzerhand gel├Âscht wurde wegen der in diesem Video gezeigten Nacktheit und Gewalt. Die Marketingidee zu ÔÇ║Turn It UpÔÇ╣ war vermutlich die schlechteste Marketingidee aller Zeiten, wenn man es sich kritisch betrachtet, aber es hat ziemlich Spa├č gemacht, das Video zu drehen. Ich kann mich noch gut dran erinnern, da├č ich ziemlich betrunken war. [kichert] Leider war es ein wirklich mieser Song, genauer gesagt, jener Song, den ich auf ┬╗We Rule The Night┬ź am wenigsten mag. So etwas wie ÔÇ║Turn It UpÔÇ╣ und das skandalprovozierende Video werden bei THE UNGUIDED sicherlich nicht passieren. Dennoch mag ich es, kontrovers zu sein, Menschen zu beunruhigen, so da├č sie sich etwas unwohl f├╝hlen. Aber man mu├č nat├╝rlich ehrlich sagen, da├č es weitaus intelligentere Mittel gibt, Aufmerksamkeit zu erregen, als der ÔÇ║Turn It UpÔÇ╣-Vorfall.

Was erhofft Ihr Euch von THE UNGUIDED? Mit SONIC SYNDICATE hattet Ihr einen Deal mit einem gro├čen Label und konntet mehr oder minder permanent auf Tour gehen. Euer jetziges Label DESPOTZ RECORDS ist viel kleiner, und bislang habt Ihr deutlich weniger live gespielt. Werdet Ihr jemals den Status erreichen k├Ânnen, den SONIC SYNDICATE innehatten, oder wollt Ihr es ohnehin etwas langsamer angehen lassen, weil Ihr ├Ąlter werdet..?

Richard: Yeah, wir sind so alt wie die B├Ąume! Ich bin fast schon 30 und lauter so ÔÇ║n Kram. [lacht] Wir freuen uns ├╝ber den Status, den wir mit THE UNGUIDED erreicht haben und beabsichtigen nicht, uns durch exzessives Touring selbst zu t├Âten oder unser Privatleben beziehungsweise unsere finanzielle Situation v├Âllig zu zerschie├čen, weil wir naiverweise meinen, wir k├Ânnten zu den Sternen durchstarten. Wir sind bei einem kleinen Label mit einer bodenst├Ąndigen Philosophie und einer famili├Ąren Atmosph├Ąre. Das pa├čt sehr gut f├╝r uns! Sie behandeln uns mit Respekt und stellen uns jene Werkzeuge zur Verf├╝gung, die f├╝r uns au├čer Reichweite sind, oder die f├╝r uns zu zeitaufwendig w├Ąren, wenn wir uns selbst drum k├╝mmern m├╝├čten. Wenn man bei einem gro├čen Label ist, dann kann man im riesigen Bandkatalog verlorengehen. Das ist bei kleinen Labels anders, denn da bekommst Du jeden Tag das Gef├╝hl, da├č Du Priorit├Ąt genie├čt. Es gibt nicht viele Leute, die ich am Samstagabend oder am Sonntagmorgen anrufen kann, um Businessangelegenheiten zu besprechen. Aber auf diese Weise funktioniert die Beziehung zu unserem Label - und zwar in beide Richtungen. Offen gesagt gibt es f├╝r THE UNGUIDED zwei Regeln: Musik zu machen, die wir lieben, Spa├č zu haben, wenn wir sie spielen, und das alles mit Menschen zu tun, die wir m├Âgen. Davon werden wir nie wieder abgehen!

Gab es eigentlich keine Angebote von anderen Labels?

Richard: Der Hauptgrund, warum wir uns DESPOTZ RECORDS anvertraut haben, lautet, da├č wir einen der Mitbesitzer sehr gut aus vergangenen Tagen kannten. Er war SONIC SYNDICATE gegen├╝ber immer sehr zuvorkommend gewesen, so da├č wir das Gef├╝hl hatten, da├č es eine gute Labelheimat f├╝r uns sei. Im Laufe der letzten Monate durfte ich die anderen Mitbesitzer kennenlernen, und wir arbeiten mit allen sehr gerne zusammen.

Roland, nachdem Du SONIC SYNDICATE verlassen hattest, hast Du Dich mit Jesper Str├Âmblad in einem neuen Projekt zusammengeschlossen. Jesper war damals offiziell noch ein Mitglied von IN FLAMES, war aber schon auf "Standby" und ging wegen seiner Alkoholismusprobleme nicht mehr mit auf Tour. Gab es irgendwelche Aufnahmen von diesem Projekt? Existiert es noch? Wei├čt Du etwas ├╝ber Jespers derzeitigen Gesundheitszustand?

Roland: Leider passierte das zu einer sehr ung├╝nstigen Zeit f├╝r mich. Es lag einfach zu nahe an meinem Abschied von SONIC SYNDICATE. Ich dachte, da├č ich schon bereit sei, etwas Neues zu beginnen - wenn auch ganz offenkundig auf einem weitaus weniger stre├čigen Level als bei SONIC SYNDICATE. Aber ehrlich gesagt: Ich war es nicht. Zudem passierte zu diesem Zeitpunkt das beste, was mir bislang im Leben passiert ist: Meine Freundin wurde schwanger mit unserem Sohn! Ich traf mich mit Jesper einmal in den "IF Studios", und er zeigte mir einige seiner Ideen, aber das war mehr oder minder alles. Ich hatte einfach nicht die Zeit und die Konzentration, die dieses Projekt ben├Âtigt h├Ątte, so da├č es schon vorbei war, bevor es begonnen hatte. Jesper ist ein sehr kreativer Mensch, und er hatte schon drei Songs geschrieben, bevor wir uns zum ersten Mal trafen. Ich kann mich noch erinnern, da├č ich ein L├Ącheln auf dem Gesicht hatte, als er sie mir vorspielte, und ich wei├č, da├č es ein tolles Album ergeben h├Ątte, wenn wir weitergemacht h├Ątten. Ich habe allerdings aus oben erw├Ąhnten Gr├╝nden seither nicht mehr mit Jesper gesprochen. Ich wei├č auch nicht, wie es ihm heute geht. Ich habe ihn nie deswegen gefragt, und er hat kaum dar├╝ber gesprochen. Und die wenigen Dinge, die er gesagt hat, werde ich nicht weitergeben. Ob wir mal wieder zusammenarbeiten werden? Das kann nur die Zeit beantworten, aber ich f├╝r meinen Teil w├╝rde liebend gern meinen Gesang zu diesen Songs beisteuern.

THE UNGUIDED-Bandphoto [Gr├╝ndungstrio: Richard Sjunnesson, Roland Johansson & Roger Sjunnesson]

Nebenbei - waren eigentlich einige der SONIC SYNDICATE-Musiker neidisch auf Deine Zusammenarbeit mit Jesper? Wenn man sich den SONIC SYNDICATE-Erstling ┬╗Eden Fire┬ź anh├Ârt, dann ist es unschwer festzustellen, da├č IN FLAMES damals ein gro├čer Einflu├č war - vielleicht sogar ein wenig zu gro├č.

Roland: Keine Ahnung. Sie haben nicht dazu gesagt und mir w├Ąre nichts in diese Richtung aufgefallen. Wenn Du mich fragst, dann glaube ich nicht, da├č sie so empfunden haben. Selbst wenn eine Band mal sehr wichtig gewesen war und man sie bewundert hat, dann ├Ąndert sich doch einiges, wenn man erst mal gemeinsam mit ihnen auf Tour war. Es ist dann so ├Ąhnlich, als w├╝rde man sich auf einem vergleichbaren Level mit ihnen einpendeln, wenn Du verstehst, was ich meine. Das kann eine gute Sache sein, aber auch eine schlechte, wenn Deine fr├╝heren Spekulationen nicht erf├╝llt werden.

Kannst Du dem eigentlich zustimmen, da├č IN FLAMES und auch DARK TRANQUILLITY bei ┬╗Eden Fire┬ź ein ma├čgeblicher Einflu├č f├╝r Euch war? Wie habt Ihr es geschafft, danach einen eigenen Sound zu entwickeln? Dabei war meines Erachtens die Hinzunahme von Roland und die besondere Harmonie zwischen den beiden S├Ąngern von SONIC SYNDICATE sehr wichtig gewesen. Wie seht Ihr diesen Vorgang?

Richard: Es ist kein gro├čes Geheimnis, da├č DARK TRANQUILLITY und IN FLAMES gro├če Einfl├╝sse f├╝r uns in unseren fr├╝hen Tagen darstellten und es bis heute sind. Mikael Stanne war der Grund, warum ich angefangen hatte, Scream-Vocals einzusetzen. Seine Arbeit wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben und wird sicherlich niemals aufh├Âren, mich zu beeindrucken. Allerdings m├Âchte ich sagen, da├č das zweite und das dritte SONIC SYNDICATE-Album mit Sicherheit nichts reflektiert hatte, was zu diesem Zeitpunkt in der Szene existierte. Wir hatten mit Sicherheit unser eigene Identit├Ąt und Dynamik, wobei eine m├Âgliche Komponente in diesem Zusammenhang das Gesangsduo war. Rogers Songwriting ist f├╝r mich aber ebenso magisch. Daher denke ich, da├č die Symbiose zwischen uns drei mitgeholfen hat, da├č die Alben so erfolgreich wurden. Es ist schwierig, dies in Kombination mit anderen Leuten zu schaffen. Wir haben es probiert, und es ging schief. Daher kamen wir zu dem Schlu├č, da├č wir drei einfach zusammengeh├Âren. Das ist die Gewinnerformel, und daher haben wir THE UNGUIDED ins Leben gerufen.

Richard, Du bestreibst einen ziemlich exzessiven Blog, wo Du nicht nur viel ├╝ber die Band und Dein Privatleben erz├Ąhlst, sondern wo die Fans Dir auch Fragen stellen k├Ânnen. Woher nimmst Du nur die Zeit dazu? Ich sch├Ątze mal, da├č ich in Deinem Blog Antworten auf alle meine Fragen h├Ątte finden k├Ânnen, aber mir hat schlicht die Zeit gefehlt, alles zu lesen; aber auch so habe ich mich bestimmt zwei oder drei Stunden in Deinem Blog rumgetrieben.

Richard: Das stimmt, Du h├Ąttest wohl alle Antworten gefunden. Der Blog ist riesig geworden, und zwar im Hinblick auf seinen Umfang als auch aufgrund der Tatsache, da├č Tausende Fans ihn jede Woche lesen, auch wenn ich ziemlich langsam bin, was neue Eintr├Ąge angeht. Die Zeit f├╝r den Blog kriege ich dadurch, da├č ich meinen Schlaf reduziere. Ich schaffe es einfach nicht, meinen Zeitplan in einen 24-Stunden-Tag reinzuquetschen; daher habe ich meine Tage verl├Ąngert, um rundzukommen. [grinst] Eigentlich gibt es mittlerweile wohl kaum noch Fragen, die nicht schon in der "Questions & Answers"-Abteilung beantwortet wurden, aber ich mache damit weiter, da mit jedem neuen Eintrag wieder neue Fans an Bord kommen.

In Deinem Blog teilst Du auch sehr intime Dinge. H├Ąltst Du das in unseren Web 2.0-Zeiten f├╝r normal? Wo ziehst Du die Grenze zwischen Deiner Privatsph├Ąre und der Person, die in der ├ľffentlichkeit steht und die Du im Blog zeigst?

Richard: Im Grunde ist die Person, die ich im Blog darstelle, eine Art Charakter. Diese Person hat mit Sicherheit ihre ├ähnlichkeiten zu meinem wahren Ich, hat aber ebenso deutliche Unterschiede. Das gleiche passiert, wenn man auf die B├╝hne geht: Man ├╝bernimmt eine Rolle und versucht, sie bestm├Âglich auszuf├╝llen. Ich glaube, der B├╝hnen-Rich hat mehr Gemeinsamkeiten mit dem Blog-Rich im Hinblick auf die Pers├Ânlichkeit als mein wahres Ich. Der Blog ist nach diesem Strickmuster aufgebaut und spielt mit Ironie, Humor, Kontroversen und derben Elementen, so da├č er letztendlich spa├čig und interessant zu lesen ist. Diesen Jargon habe ich im Blog von Anfang an bem├╝ht, so da├č es die Fans nun auch entsprechend erwarten, wenn sie ihn lesen. Wenn also jemand eine bl├Âde Frage stellt, dann kriegt er n├Ąmlich eine ├Ąhnlich bl├Âde Antwort oder wird angepflaumt. Es mag unethisch sein oder auch nicht, aber solche Blogs haben einen ├Ąhnlichen Reiz wie das Vergn├╝gen, das man beim Zuschauen bei Gladiatorenk├Ąmpfen empfindet, und setzen auf gewisse tierische Instinkte oder das h├Ąmische Vergn├╝gen, das manche aufgrund der Mi├čgeschicke anderer haben. Selbst wenn ich auch im echten Leben ein wenig von einem Sauhund an mir haben mag, stellt sich der Charakter im Blog hundertfach ├╝berzeichnet im Vergleich zum meinem wahren Ich dar. Ich gehe im Blog harsch zur Sache, bin aber meist gerecht. Oft genug imponieren mir die Fans mit ihren intellektuellen Gedanken und smarten Fragen. Oder ich kriege Angst im Dunkeln, nachdem ich ihre Gedanken gelesen habe. [grinst]
Wo man die Trennlinie zwischen privater und ├Âffentlicher Person ziehen sollte? Nun, wenn mein Leben so sensationell und schrecklich interessant ist, da├č Leute sich entschlie├čen, etwas dar├╝ber zu lesen, obwohl sie eigentlich Millionen wichtigere Dinge in ihrem eigenen Leben tun k├Ânnten, dann habe ich nicht die Absicht, sie von der Wirklichkeit abzuschirmen, sondern will ihnen die komplette Wahrheit geben. Ich begr├╝├če sie in meinem Leben, meinem Wohnzimmer und zu den verschiedenen Abenteuern, die ich in meinem Alltag erlebe, und bin zufrieden damit, wenn sie Spa├č beim Lesen haben und mir etwas Beachtung schenken. Die Fans konnten mich durch die Phase meines Ausstiegs bei SONIC SYNDICATE und des Starts des neuen Projektes, bei den Ver├Ąnderungen in meinem Beziehungsleben und nun sogar bei meiner Verlobung verfolgen. Da die Anzahl der Leser steigt, scheint es so, da├č der Blog angenommen und gemocht wird. Das treibt nat├╝rlich wiederum meinen Bereitschaft an, da├č ich weitermache, obgleich es sehr zeitaufwendig ist. Meine Fans wissen sch├Ątzungsweise mehr ├╝ber mich als meine eigene Familie. Sie nehmen meine Stimme als Teil unserer Musik tagt├Ąglich mit in ihr Wohnzimmer. Diesen Gefallen gebe ich gerne zur├╝ck, und gestatte ihnen mittels meines Blogs eine gef├╝hrte Tour durch das meinige.

In Deinem Blog machst Du auch keinen Hehl aus Deiner Begeisterung f├╝r Bands wie BLIND GUARDIAN oder MANOWAR. Viele Traditionsmetaller werden sich wohl fragen, wie das zur der Tatsache passen soll, da├č Du einem modernen Metalstil fr├Ânst. In diesen Kreisen wird man wohl kaum glauben, da├č Du "wirklich Metal" bist, sondern Dich nur als Trendreiter ansehen. Andererseits entdecke ich in Deinem Blog aber auch, da├č Du Dir das Demo von DRAGONFORCE gekauft hattest, als sie noch DRAGONHEART hie├čen, und da├č Du damals schon auf die Band gestanden hattest. Ergo: Du hast Dich also auch f├╝r das interessiert, was damals im Underground abging. Erz├Ąhl' uns doch bitte etwas ├╝ber Deine Einstellung zum Metal!

Richard: Meine Seele und mein Verstand wird immer den klassischen Heavy Metal-Bands geh├Âren! IRON MAIDEN, MANOWAR, BLIND GUARDIAN, HELLOWEEN, GAMMA RAY, GRAVE DIGGER, RUNNING WILD, ICED EARTH und viele, viele andere haben meine Kindheit gepr├Ągt und sind immer noch sehr wichtig in meinem Leben. Meine musikalische Lernkurve hat sich indes ver├Ąndert und ├╝ber die Jahre weiterentwickelt. Aber ich werde immer in Ehren halten, wo ich herkomme - mehr noch: Ich werde es nie vergessen! Bei all diesen Bands, denen ich jemals zugeh├Ârt habe, stehe ich auf ewig in tiefer Schuld. Jede einzelne von ihnen gab mir - mal mehr, mal weniger - Inspirationen, die ich in meinem Herzen trage und immer einsetze, wenn ich meine Texte oder Gesangsarrangements schreibe. Ich packe jeden Tag mit einem offenem Geist an, denn so kannst Du Dein Leben zur G├Ąnze erf├╝llt leben. Ich wei├č, da├č es in der Metalszene eine selbsternannte geistige Elite und viele engstirnige Leute gibt, aber das bereitet mir kein Kopfzerbrechen, denn ich werde es nie schaffen, diese Leute zu verstehen. Aber ich akzeptiere die Tatsache, da├č es ganz unterschiedliche musikalische Geschm├Ącker gibt. So hasse ich beispielsweise ┬╗We Rule The Night┬ź, aber ich kann damit leben, da├č es Leute gibt, die denken, da├č es qualitativ hochwertige Musik sei, die in ihre bevorzugte musikalische Bandbreite pa├čt. Die Platte bereitet ihnen also in irgendeiner Weise Freude. Wer bin ich, da├č ich das in Frage stellen sollte? Ich liebe es, da├č jeder Mensch anders ist, und ich halte es f├╝r wichtig, da├č man f├╝r das einsteht, an das man glaubt, und da├č man seine eigene Integrit├Ąt verteidigt. F├╝r mich pers├Ânlich sind Genres nicht wichtig. Was wirklich wichtig ist, sind die Songs an sich. Jedes Genre kann hochwertige Songs hervorbringen. Es ist niemals so, da├č ein Genre dar├╝ber entscheidet, ob etwas gut oder schlecht ist. Das ist lediglich etwas, das Du in Deinem eigenen Kopf festlegst. Nat├╝rlich beschlie├čt man, sich auf ein Genre zu konzentrieren, wenn man denkt, da├č es viele gute Songs hervorgebracht hat. Aber es ist nicht das Genre, das sich selbst gut macht, sondern es sind die guten Songs, die damit verkn├╝pft sind. Und das Basteln eines guten Songs bedeutet im Gro├čen und Ganzen einen Gl├╝ckstreffer. So sehe ich diese ganze Angelegenheit.

THE UNGUIDED-Bandphoto [aktuelle F├╝nferbesetzung]

Ich z├Ąhle zwar keineswegs zu den Fachm├Ąnnern bei "World Of Warcraft", sondern habe fr├╝her nur die alten "Warcraft"-Spiele allein auf dem Computer gespielt, aber wenn ich das richtig verstanden habe, bist Du ein leidenschaftlicher Online-Spieler, der unter dem Namen "Harbinger" aktiv ist und sogar die "┬╗Army Of The Unguided" erschaffen hat. Bedeutet das, da├č THE UNGUIDED-Fans sich dieser Gruppe anschlie├čen und in einem Team mit Dir spielen k├Ânnen - oder da├č sie auch gegen Dich antreten und Dir virtuell den Sch├Ądel spalten k├Ânnen?

Richard: Ja, das ist richtig. Ich spiele mit meinen Fans in dieser riesigen virtuellen Welt nahezu jeden Tag. Doch selbst wenn unsere Gilde sich die "Army Of The Unguided" nennt und ausschlie├člich aus Fans der Band besteht, sprechen wir innerhalb der Gilde oder die Spieler untereinander nur ganz wenig ├╝ber THE UNGUIDED. Sie respektieren, da├č Spielen eine Art Realit├Ątsflucht und Therapie f├╝r mich darstellt, und wir haben nur die Absicht, Spa├č beim Spielen zu haben. Falls Du also Groll gegen mich hegst und eine ordentliche Axt schwingst, dann k├Ânntest Du eine Chance haben, mich zu k├Âpfen, wenn Du Dich auf Seiten der Allianz auf den "World Of Warcraft"-EU-Server Outland begibst. Aber pa├č' auf, was hinter Deinem R├╝cken passiert, denn ich habe eine Armee, die mir zur Seite steht. [lacht] Jesper Str├Âmblad, der zu der Gilde "The Resistance" geh├Ârt, war sogar eine Zeitlang ein Mitglied unserer Gilde, und wir sprechen immer noch regelm├Ą├čig im Spielverlauf miteinander. (Mehr Infos ├╝ber Richards "Army Of The Unguided"-Gilde findet Ihr hier - Red.)

Du hattest 2011 einen kurzen Abstecher zu der Band FAITHFUL DARKNESS gemacht, wo Du unter dem Pseudonym "Jesus" agiert hattest. Ich vermute mal, das h├Ąngt mit dem Konzept der Band zusammen, denn der andere FAITHFUL DARKNESS-S├Ąnger Jimmy Persson nennt sich "Judas". Oder leidest Du unter einem Gottkomplex..?

Richard: Kein Spur von einem Gottkomplex. Es ging lediglich um ein Spiel mit Kontrasten. Aber die Fans gingen einen Schritt weiter und er├Âffneten eine "Richard Sjunnesson is a God"-Gruppe auf Facebook, wo sie tagt├Ąglich nach Beweisen suchten und posteten, warum ich gottgleich sein k├Ânnte. Hat mir nichts ausgemacht, hat mir gar nichts ausgemacht. [lacht]

Habe ich noch vergessen, etwas zu fragen? Dann darf einer von Euch die Frage stellen...

Richard: Ich bin mir nicht sicher, welche Frage Du zu stellen vergessen hast, aber sie w├╝rde mit Sicherheit durch die Lekt├╝re meines Blogs http://richardsjunnesson.blogg.se/ von selbst erledigen. [grinst] H├Ârt Euch ┬╗Hellfrost┬ź an - Ihr werdet es nicht bedauern! Es sorgt f├╝r den "D├Ąmon" in "Pand├Ąmonium". [lacht]

Na, dann danke f├╝r Deine Ausk├╝nfte!

Richard: Das Vergn├╝gen war ganz auf meiner Seite. Hat Spa├č gemacht!

http://www.the-unguided.com/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Stefan Glas

Photos: Torbj├Ârn Sjunnesson [Photos 1-5], Patric Ullaeus [Photo 6]

THE UNGUIDED-Symbol

 

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