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"Metal Assault II"-Festival

Würzburg, Posthalle

14.01.2012

Oliver Weinsheimer, Veranstalter des "Keep It True", begnügt sich bekanntlich schon längst nicht mehr mit dem Kultfestival schlechthin, sondern hat diverse Ableger wie "Thrash Assault", "Hammer Of Doom" oder eben auch das "Metal Assault"-Festival ins Leben gerufen. Da das Billing des zweiten "Metal Assault" eine Menge echter Perlen versprach, war es Pflicht, Mitte Januar durch den rauhen Wind gen Würzburg zu tingeln.

ASGARD [I, Ferrara]-Liveshot

Als meinereiner dann endlich bereit für den Angriff ist, haben die Italiener ASGARD allerdings schon einen Großteil ihres Sets hinter sich gebracht und kündigen gerade eine - Zitat - "Old School-Coverversion" an. Als dann der Name ANTHRAX fällt, denkt sicherlich nicht jeder sofort an old schoolige Mucke, doch mit ihrer Wahl, ›Deathrider‹ vom ANTHRAX-Erstling, den noch Neil Turbin eingesungen hatte, zum besten zu geben, ziehen sich ASGARD geschickt aus der Affäre und treffen sicherlich jedermanns Geschmacksnerven. Auch ansonsten können die Italiener, die immer als die AGENT STEEL aus Italien bezeichnet werden, mehr als nur Anstandsapplaus verbuchen. Zudem erhalten sie noch einen zusätzlichen Kultpunkt für die Pommesgabel der Marke selfmade auf den Turnschuhen von Sänger Federico "Mace" Mazza, was allerdings nicht von dem Gedanken ablenken kann, daß gestreifte Spandexklamotten schon in den Achtzigern sch... aussahen und daß sich daran seither nix geändert hat. *hüstel* SAXON hatten eben doch gute Gründe, als sie damals einen Lobpreis auf "denim and leather" anstimmten und dabei nix von Spandex erwähnten...

DARK FOREST [GB]-Liveshot

Weiter geht es am anderen Ende von Europa, denn die Briten DARK FOREST haben sich mit zwei sehr guten Platten ihre Eintrittskarte für das "Metal Assault"-Festival erspielt. Vor allem Sänger Will Lowry-Scott zeigt sich charismatisch, so daß sich die Entscheidung von Bandleader Christian Horton, den wir ja auch schon 2009 beim "Keep It True", dem großen Bruder des "Metal Assault", als zweiter Gitarrist von CLOVEN HOOF bestaunen konnten, den Gesang an Will abzugeben, auch live als Gewinn erweist. Ansonsten glänzt die Band auch live mit ihrer ausgefeilten, meist zweistimmigen Gitarrenarbeit, die immer wieder die keltischen Wurzeln der Band verspüren läßt. Um so größer soll daher der Kontrast zur nächsten Band sein, die einfach rohen, ungezügelten Thrash anzubieten haben.

TYRANEX-Liveshot

Nun entert nämlich das Trio TYRANEX die Bühne, die kurzfristig als Ersatz für die Schweden ANTICHRIST eingesprungen sind. Denn gerade in jenen Momenten, in denen Sängerin und Gitarristin Linnea Landstedt ihre Soli aus der Klampfe drischt, ist außer Baß und Schlagzeug eben nichts mehr zu hören. Andererseits kann man sich nicht vorstellen, daß eine Band authentischer und sympathischer rüberkommen kann, ja, man kann TYRANEX gar einen jugendlich-naiven Charme zuschreiben. Dazu paßt auch, daß Linnea bei ihren Ansagen noch reichlich unbeholfen und unsicher daherkommt, aber bekanntlich sind solche Shows das beste Mittel, um solche Dinge zu erlernen. Abgesehen davon kann Linnea, bei der es sich übrigens um die kleine Schwester von Sebastian Ramstedt, ehemals bei NECROPHOBIC und heute bei NIFELHEIM, handelt, den Gegenbeweis antreten, daß Spandex sehr wohl doch appetitlich aussehen kann - wenn es eben von der richtigen Person getragen wird und nicht mit einem Streifenhörnchen gekreuzt wird... Kein Wunder, daß Bassist Stefan Thylander stets nur abseits steht und gedankenverloren seine Matte schwingt: Immerhin dürfte ihm auch klar sein, daß die Frontlady, die übrigens in reduzierter Schmier-Manier zwischen zwei Mikros wechselt, ohnehin alle Blicke abbekommt.

SINISTER REALM-Liveshot

"Das ist spieltechnisch mit Abstand die beste Band bislang. Da kommt ein ganz anderes Brett angeflogen!" So Soundmeister Markus Teske, Besitzer des Tontempels "Bazement Studios", der hier für "streetclip.tv" die Audioaufzeichnung vornimmt. Recht hat er! SINISTER REALM lassen hier nichts anbrennen, sondern überzeugen auf ganzer Länge. Auch Sänger Alex Kristof hat unverkennbar Charisma - und ein neues Lieblingswort: "Deutschland"; selbiges benutzt er nämlich in der Tat in nahezu jeder Ansage. Reisen bildet eben! Kurz: Nach einer sehr guten und einer nur leicht schwächeren zweiten Platte präsentieren sich SINISTER REALM also erwartungsgemäß stark in, ähm..., Deutschland.

RAM-Liveshot

Apropos Ersatz: Um einen solchen handelt es sich eigentlich auch bei RAM, denn auf frühen "Metal Assault II"-Plakaten waren noch HIRAX angekündigt worden. Doch nach der Absage von Katon und Co. sollten die Schweden ins Billing rutschen. Doch zunächst muß die Stagecrew mal das überdimensionale, aus Metall gefertigte RAM-Logokämpfen, das man nur mit Mühe an einer Lichttraverse hochziehen kann. Da die Buchstaben des RAM-Logos bekanntlich schrägstehen und dieses Ungetüm zudem anscheinend extrem schwer ist, hat es deutliche Schlagseite, so daß es einiger handfester Nachjustierungen bedarf, bis das Logo richtig hängt. Doch auch als die Band die Bühne betritt sind noch einige Auffälligkeiten zu verzeichnen: Dies beginnt bei dem Schädel, den man als "Setlist-Notizzettelhalter" einsetzt, geht mit den beiden Flaggenschwenkern weiter, die später die Bühne stürmen, und endet mit Sänger Oscar Carlquist, der einen Helm der Marke Ritter meets Widder hervorzaubert und dann beim Sprechen das Mikro von unten unter den Helm einführen muß. Abgesehen davon agieren RAM wie immer sehr tight und actiongeladen. Einzige Krux bei den Jungs aus Göteborg ist die Tatsache, daß ›Sudden Impact‹ von ihrer mittlerweile fast zehn Jahre alten Debut-EP einfach immer noch das beste Stück der Band ist - aber das ist Meckern auf hohem Niveau...

PAGAN ALTAR-Liveshot

PAGAN ALTAR sind immer sehr speziell, und es scheiden sich stets die Geister, wenn der britische Gentleman Terry Jones im feinen Zwirn der Welt entrückt seine Zeilen ins Mikro ozzy-liert. Doch heuer scheint die mit Ausnahme von Terry und seinem Cousin Alan Jones (g) neu zusammengestellte Band, in der sich unter anderem Manny Cooke (ex-EXTREME NOISE TERROR) befindet, über mehrere Planeten verstreut zu sein, denn was da von der Bühne rüberkommt, ist selbst für PAGAN ALTAR-Verhältnisse deutlich zu schräg. Zwar dürften technische Probleme dies begünstigt haben, aber dennoch bewerben sich PAGAN ALTAR leider um die Position als schwächste Band des Festivals, den sie auch locker bekommen hätten, sofern da nicht noch ein eklatanter Schlag ins Wasser gefolgt wäre.

THE SANITY DAYS-Liveshot

Der nächste Punkt auf der Tagesordnung ist der ONSLAUGHT-Spin Off THE SANITY DAYS - will heißen: der Zusammenschluß von Ur-Drummer Steve Grice (2011 bei ONSLAUGHT ausgestiegen), dem erneut ausgegrabenen Bassisten Jason Stallard (von 1984 bis '87 bei ONSLAUGHT aktiv gewesen), dem Reuniongitarristen Allan Jordan (schon 2008 bei ONSLAUGHT ausgestiegen) sowie Sänger Steve Grimmett (lediglich bei der '89er Platte »In Search Of Sanity« für ONSLAUGHT tätig). Eben jene Platte fungiert für diese Band als Namensgeber und bestimmt den Abend - was durchaus nett ist, da sie aufgrund ihrer doch deutlich rockigeren Ausrichtung bei den heutigen ONSLAUGHT kaum berücksichtigt wird: Mit Ausnahme des eröffnenden Instrumentals ›Asylum‹ und der Schlußnummer ›Power Play‹ kommt die komplette Platte inklusive der AC/DC-Coverversion ›Let There Be Rock‹, die heuer als Schlußnummer fungiert, zum Zug. In ›Atomic Punk‹ von VAN HALEN erschallt eine weitere Coverversion, warum allerdings Steve Grimmett auch noch die beiden - sicherlich immer gern gehörten, in diesem Kontext allerdings völlig unpassenden - größten Hits seiner Band GRIM REAPER, ›Rock You To Hell‹ und ›See You In Hell‹, in die Setlist drückt, ist nicht so klar nachzuvollziehen. Wie auch immer - sicherlich kann man Steve auch keine Vorwürfe machen, daß er seine überdimensionalen Spickzettel mit den Texten doch sehr intensiv nutzen muß, denn schließlich wurde diese Truppe erst vor etwa einem halben Jahr zusammengetrommelt und hat noch nicht viele Shows absolviert. Allerdings können die beiden Saitenhelden auch mit vollem Military-Tarnlook-Einsatz nicht verbergen, daß die zweite Klampfe einfach fehlt. An dieser Stelle muß die Band für zukünftige Shows eindeutig ansetzen, um einen voluminöseren Sound zu kreieren.

SATAN [GB]-Liveshot

Nach zwei vergeblichen Versuchen beim "Keep It True" soll der SATAN-Auftritt nun endlich beim "Metal Assault" stattfinden - und zu den großen Pluspunkten des Festivals werden: Daß Brian Ross' Stimme immer noch tadellos ist, wissen wir ja von seinen BLITZKRIEG-Auftritten, doch wie würde es um die restlichen Musiker und deren Motivation bestellt sein? Da Brian verkünden kann, daß die Band nicht nur für die ein oder andere Show zur Verfügung steht, sondern wirklich wieder zusammen ist und sogar schon einige neue Songs geschrieben hat, von denen man in ›Time To Die‹ ein gelungenes Exemplar zum besten gibt, kann man solche Befürchtungen umgehend ad acta legen. Da SKYCLAD nach dem Ausstieg von Martin Walkyier leider einen kometengleichen Absturz einer visionären Band in die Bedeutungslosigkeit erdulden mußten, ist es sicherlich auch nicht unsinnig, daß sich die Herren Ramsey, Taylor und English wieder eher der alten Tage erinnern. Auf alle Fälle spielen die Saitenmannen tadellos, allenfalls Drummer Sean Taylor hoppelt gelegentlich mal neben dem Takt her, doch man spürt, daß alle Mann einen Heidenspaß bei diesem Auftritt haben - öh..., können "SATANisten" eigentlich einen Heidenspaß haben..? Anyway - in dieser Form dürfen uns SATAN gerne erhaltenbleiben. Und wenn jemand behauptet, daß SATAN der Gewinner des "Metal Assault II" sind, dann darf man ihn für diese Aussage gewiß nicht auslachen.

HEIR APPARENT-Liveshot

Mein Gott - wie durfte man sich freuen, als vor einigen Monaten zu hören war, daß HEIR APPARENT wieder in Originalbesetzung zusammengefunden hatten und daß die Odyssey von Terry Gorle bei seinen heldenhaften Bemühungen, die Band mit jedem Tropfen seines Herzblutes am Leben zu erhalten, doch ein glückliches Ende gefunden hatte. Doch dann mußte Terry Gorle vor einigen Wochen verkünden, daß Sänger Paul Davidson nicht aus Amerika ausreisen dürfe, so daß man stattdessen Bryan Hagan, der schon mal Mitglied bei HEIR APPARENT zwischen 2002 und '03 gewesen war, mit nach Europa bringen werde. Doch der Ersatzsänger soll dann letzten Endes Jeff Carrell (ex-DR. UNKNOWN) sein, der innerhalb von fünf Tagen die HEIR APPARENT-Nummern lernen muß. Doch sein permanentes Schauen gen Spickzettel auf dem Boden soll nicht das Problem des Auftritts werden. Zwar hatte die Band bereits 2006 beim "Keep It True" mit Sänger Peter Orullian gezeigt, daß es nicht unbedingt die Originalstimme sein muß, um ein gigantisches Liveerlebnis mit HEIR APPARENT zu ermöglichen, doch dies soll am heutigen Abend nicht geschehen. Instrumental bewegt sich die Band zwar erwartungsgemäß auf Weltklasseniveau, doch der Gesang ruiniert alles, so daß es wirklich weniger schmerzlich gewesen wäre, wenn HEIR APPARENT die drei Europaauftritte hätte ausfallen lassen. Man hätte Jeff gewiß sein prollig-hardcoriges Stageacting verzeihen können, aber sein Gesang läßt jene für HEIR APPARENT lebensnotwendigen feinen Nuancen und runden Harmonien völlig vermissen und zerstört völlig diese Poesie, die den HEIR APPARENT-Stücken innewohnt. Kurz: HEIR APPARENT und jeder, der sich auf diesen Auftritt gefreut hatte, kassieren einen K.O.-Schlag in der ersten Runde, so daß es jetzt schon feststeht, daß die Liveenttäuschung 2012 schlechthin mit Sicherheit beim "Metal Assault" stattgefunden hat. Hoffen wir, daß Paul Davidson der Band nun zumindest für die Studioarbeiten zur Verfügung steht, denn dieses ernüchternde Erlebnis kann nur durch ein würdiges neues Album geheilt werden.

SANCTUARY [US, WA]-Liveshot

Weiter geht's von einer Band aus Seattle zur nächsten - und natürlich hat keine auch nur ansatzweise etwas mit Grunge zu tun! Schon vor dem Split von NEVERMORE hatten Sänger Warrel Dane und Bassist Jim Sheppard bekanntlich ihre Vorgängerband SANCTUARY in Urbesetzung (abgesehen davon, daß Ex-FORCED ENTRY-Gitarrist Brad Hull als Ersatz für Sean Blosl angeheuert werden mußte) wiederbelebt und somit quasi indirekt auf die jahrelangen flehentlichen Bitten der Fans, man möge doch den ein oder anderen SANCTUARY-Song ins NEVERMORE-Programm einbauen, reagiert. Seit der von häßlichen Kommentaren zwischen den Musikern vollzogenen Trennung von NEVERMORE stellt SANCTUARY das einzige Standbein der beiden dar. Doch es sollte lange dauern, bis die Band auch wieder den Weg nach Europa fand: Knapp zwei Jahre nach der Reunion soll beim "Metal Assault" der erste SANCTUARY-Auftritt in Deutschland seit 1990 stattfinden. Stellt man keine unrealistischen Forderungen an die Band, so kann man SANCTUARY durchweg eine gute Show bescheinigen. Zwar sieht Warrel alles andere als gesund aus und wirkt aufgedunsen, aber seine Stimme ist über weite Strecken stabil und die gelegentlichen Wackler sind problemlos zu ertragen. Er muß lediglich vor Extrembelastungen kneifen: Logo - ein "Diiiiiiiiiiiiiiie for my sins" kommt anno 2012 natürlich nicht mehr wie vor 25 Jahren auf Platte rüber, aber wer das verlangen würde, bewegt sich eben in der Kategorie "unrealistischen Forderungen". Einzig bei seiner Frontmanntätigkeit kann man Warrel ankreiden, daß er zu lange Leerlaufzeiten zwischen den Songs aufkommen läßt. Die Setlist indes bietet alles, was man sich wünscht - einzig die schon damals auf Platte überflüssige Coverversion der JEFFERSON AIRPLANE-Nummer ›White Rabbit‹ hätte man können gegen ›Ascension To Destiny‹, ›Communion‹, ›The Third War‹ oder auch das ruhigere ›Epitaph‹ austauschen können. Dafür gibt es als Rahmenprogramm einen Feueralarm, der sich als Ulk herausstellen soll, doch es klingt ganz nett, wie die Band einen Song lang gegen die bimmelnde Alarmglocke anspielen muß. Wie auch immer - der Stimmung, die sich bis zur Schlußnummer ›Taste Revenge‹ langsam aber sicher dem Siedepunkt nähert, tut dies keinen Abbruch, so daß SANCTUARY einen würdigen Schlußpunkt unter ein gelungenes Festival setzen, dem leider ein bitterer Reinfall und ein arg schiefer Akt nicht erspart geblieben war.


Stefan Glas

Photos: Stefan Glas


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