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"Roadtrip To Outta Space"
mit

PENTAGRAM (US)
GRAVEYARD (S)
IN SOLITUDE (S)
SOURVEIN

Wien, Arena

21.04.2011

Die mittlerweile zur Dauereinrichtung gewordene Veranstaltungsreihe "Roadtrip To Outta Space" läßt auch an diesem sonnigen Aprilabend die Liebhaber von erhabener, getragener Tonkunst in die "Arena" pilgern, gilt es doch heute, ein ganz besonderes Package zu bestaunen. Vor Beginn der Veranstaltung überrascht mich jedoch zunächst die Tatsache, daß man heute in der "großen Halle" zum "Buffet" gebeten wird, was sich in Anbetracht der Zuschauermenge im Endeffekt aber als gar nicht einmal so übertrieben erweist, wie von mir befürchtet. Offenbar hat das überaus abwechslungsreiche, wie interessante Package im Vorverkauf doch deutlich besser abgeschnitten als andere Gigs dieser Reihe.

Zwar ist die "große Halle" zum Zeitpunkt meines Eintreffen, als SOURVEIN eben den letzten Song ihres knapp halbstündigen Auftritts zocken, noch nicht wirklich dichtbesiedelt, doch die mit Abstand heftigste Band des heutigen Abends scheint die Rolle als Opener mit Bravour erledigt zu haben, und so werden die Amis mit reichlich Applaus von der Bühne verabschiedet.

IN SOLITUDE [S]-Liveshot

Binnen weniger Minuten ist die Halle dann zwar völlig leer, doch noch während die jungen Schweden von IN SOLITUDE damit beschäftigt sind, ihre Bühne stilvoll vorzubereiten, füllt sich selbige erneut in Windeseile. Es ist wirklich interessant und beeindruckend zu beobachten, mit welcher Hingabe die Jungs selbst für die Deko sorgen. Unzählige Kerzen werden auf den Verstärkern positioniert und angezündet, doch bevor die Band loslegt, werden dem Publikum vor diesem Bühnenbild noch einige Minuten zur Einstimmung zugestanden. Aber nicht nur diese Vorbereitung läßt mich an etwas Sakrales denken, auch das Auftreten der Band selbst. Angeführt von Frontmann Pelle Ahmann zelebriert das Quintett ihren herrlich antiken Heavy Metal nämlich regelrecht, wobei das Outfit ebenso an längst vergangen Tage erinnert wie die Songs. Als geradezu sensationell empfinde ich die Magie, die der Fünfer ausstrahlt, völlig egal, ob Exzerpte ihres in Bälde erscheinenden Albums »The World, The Flesh, The Devil« vorgestellt werden, oder aber Cuts des selbstbetitelten 2008er Debuts präsentiert werden, die Band versteht es einfach, mit ihrem herzhaften Mix aus der Essenz der NWoBHM, unzähligen Anleihen bei MERCYFUL FATE, sowie reichlich gepflegten Gitarrenharmonien im Stile der jungen IRON MAIDEN für Entzücken zu sorgen. Mehr noch, als alteingesessener Metaller fühlt man sich von den Burschen regelrecht in einen Jungbrunnen gestoßen, derart authentisch kommt der Fünfer rüber. Selbst der optische Lapsus von Pelle, seine Lederjacke mit einem toten Pelztierchen zu dekorieren, kann den überaus positiven Eindruck nicht im Ansatz schmälern, und so vergeht die Spielzeit leider viel zu schnell. Auch wenn die Stimmung im Saal nicht gerade berauschend ist, finden sich nach dem Set der Schweden einige Fans (vorwiegend gesetzteren Alters) zusammen, die ähnlich denken wie meine Wenigkeit und sich als Pausensnack klammheimlich eine Zigarette im Freigelände gönnen, gerade so wie früher, damit nur ja kein Erwachsener etwas davon mitbekommt...

GRAVEYARD [S]-Liveshot

Das Thema "Jungbrunnen" ist danach auch bei den ebenfalls aus Schweden stammenden GRAVEYARD ein Thema, allerdings weiß dieses Quartett mit seiner Melange aus frühen LED ZEPPELIN, CREAM und BLUE CHEER das Rad der Zeit noch ein wenig weiter zurückzudrehen. Offensichtlich kommt ihr Sound hierzulande auch verdammt gut an, denn sowohl die Tracks des brandneuen Album »Hisingen Blues« sorgen für beeindruckende Stimmung im Auditorium, aber auch ältere Kaliber vom Debut finden gehörig Anklang, und so ist es kaum verwunderlich, daß mitunter - eben ganz so wie "seinerzeit" - eher Stehblues angesagt ist und kaum Headbanger zu sehen sind. Auch für GRAVEYARD gilt, daß sie ihren Sound ungemein authentisch darbieten, wobei das psychedelische Element ihrer Musik live noch stärker zur Geltung kommt als auf Tonträger. Daumen hoch für diese Performance, zu der auch die lichttechnisch gute Umsetzung beiträgt, wie auch die diesbezügliche Unterstützung durch Projektionen auf einer Leinwand hinter der Band.

PENTAGRAM [US]-Liveshot

Ausschließlich zufriedene Gesichter also auch nach dem Auftritt von GRAVEYARD, interessant für mich ist jedoch die Tatsache, daß nicht gerade wenige der jüngeren Generation offenbar in erster Linie wegen diesen Schweden überhaupt in die "Arena" gepilgert sind. Dabei gilt es doch einen Headliner zu bestaunen, der schlichtweg eine Legende ist. Ich persönlich freue mich jedenfalls schon vor dem ersten Ton wie ein kleiner Junge auf den Set, wofür aber auch der Anblick einer, erst vor wenigen Tagen liebgewonnene Freundin, erheblich beiträgt. Ihr Name lautet "Paula", wobei es sich hier um einen Künstlernamen handelt, denn die herausgeputzte, erneut hochglänzende Lady hört mit bürgerlichen Namen auf "Les Paul" und wird heute erneut von ihrem "Meister" Victor Griffin mehr als nur elegant bedient. Während das Duo Victor/Paula exakt zwei Wochen zuvor unter dem Banner PLACE OF SKULLS mit herzerfrischenden Klängen die "kleine Halle" beschallen durfte, stehen die beiden heute neben Doom-Altmeister und Lebenskünstler Bobby Liebling in Diensten von PENTAGRAM. Den Ruf, eine Legende im Bereich der harten Rockmusik zu sein, wird der Vierer im Verlauf der Spielzeit mehr als nur gerecht, denn selbst Bobby wirkt fit wie ein Turnschuh und ist zudem auch stimmlich bestens in Form. Victor an seiner Seite stellt heute vorwiegend unter Beweis stellt, daß er zusammen mit "Paula" für wunderbare, feine "Urzeit-Doom-Hard Rock-Heavy Metal-Sounds" sorgen kann, läßt aber doch auch erkennen, daß er ein brillanter Saitenflitzer ist und solieren kann wie ein Weltmeister. Bobby erweist sich nicht nur gestikulierend, sondern auch was die Auswahl seiner Abendgarderobe angeht, einmal mehr als überaus schillernde Figur im Business, und über seine Mimik und die Ausstrahlung seiner Augen braucht ohnehin nicht diskutiert zu werden.
Die Setlist enthält logischerweise einige Exemplare des eben erschienen Hammers »Last Rites«, wobei ich persönlich die grandiose Version von ›Into The Ground‹ als Höhepunkt an Intensität empfinde und mich die Nummer wahrlich in Grund und Boden drückt. Da das Album aber erst wenige Tage zuvor offiziell in Umlauf gebracht wurde, ist es geradezu logisch, daß PENTAGRAM vorwiegend auf Klassiker ihres Schaffens zurückgreifen und davon gibt es bekanntlich nicht gerade wenige. Vor allem das selbstbetitelte Debut wird mehrfach gewürdigt, und so lassen die Amis heute mit ›All Your Sins‹, ›20 Buck Spin‹ und dem unnachahmlichen, seit ewigen Zeiten sträflich unterbewerteten ›Sign Of The Wolf (Pentagram)‹ das Herz jedes Metal-Historikers höherschlagen. Das Quartett agiert bis zum Zugabenblock mit einer Spielfreude, von der sich viele Jungspunde gut und gerne inspirieren lassen dürfen und was deutet mehr auf einen überaus gelungenen Auftritt hin, als eine, selbst nach dem Einschalten der Hallenbeleuchtung noch euphorisch "Pentagram" skandierende Menschenmenge? Noch Fragen?
Wohl nicht - aber eine Bitte und zwar, kommt bald wieder! Und meine Herren, bringt bloß "Paula" wieder mit, ich muß dieses Mädel einfach wiedersehen!


Walter Scheurer

Photos: Walter Scheurer


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