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  UE-Home → History → Online Empire 47 → Interview-├ťbersicht → SERENITY (A)-Interview last update: 27.09.2020, 23:00:01  

SERENITY (A)-Logo

W├Ąhrend Bands wie KAMELOT oder EVERGREY, die sicherlich ihren Einflu├č bei SERENITY hinterlassen haben, verzweifelt und und oft nur m├Ą├čig erfolgreich darum k├Ąmpfen, mit ihren neuen Platten an ihre Glanzzeiten anzukn├╝pfen, legen die ├ľsterreicher mit ihrem dritten Album ┬╗Death & Legacy┬ź ein Werk vor, das locker die schon mehr als gelungenen Vorg├Ąnger in den Schatten stellt.

SERENITY (A)-Bandphoto 1

Richtig Fahrt hatte die ├Âsterreichische Band aufgenommen, als 2004 S├Ąnger Georg Neuhauser und Gitarrist Thomas Buchberger, die sich beide auch f├╝rs Interview zur Verf├╝gung stellten, hinzukamen. Mit der anschlie├čend aufgenommenen Demo-CD ┬╗Engraved Within┬ź konnte man einige Aufmerksamkeit erregen. Kurze Zeit sp├Ąter hatte die Band einen Deal mit NAPALM RECORDS unter Dach und Fach, und der Aufstieg von SERENITY konnte beginnen.

Warum habt Ihr zu einem so oft gebrauchten Name wie SERENITY gegriffen - voller allem nachdem Ihr zuvor schon die - teilweise recht ungew├Âhnlichen - Namensvarianten SHENANIGAN, NOT RESPONSIBLE, QUOTH I und McFARMERSSON abgeklappert hattet?

Georg: Als Tom und ich Ende 2004 in die Band eingestiegen sind, da gab es die Band unter dem Namen SERENITY ja bereits. Unser Keyboarder Mario und auch unser Drummer Andy hatten allerdings schon eine l├Ąngere Bandkarriere hinter sich, und vor allem Mario versuchte sich auch in verschiedenen Stilrichtungen - deshalb auch so viele verschiedene Bandnamen. Der Name SERENITY existiert seit 2001 und stammt von einem Album der Briten ARENA, dem die damaligen Musiker sehr viel abgewinnen konnten. Tja, und Ende 2004 hab' ich dann einfach bei Mario, der auf seinem Auto auf der R├╝ckseite einen Sticker mit "www.serenity-band.com" angebracht hatte, einfach an der Haust├╝r geklingelt und gesagt "Wir brauchen noch einen Keyboarder f├╝r unsere Band - bist du dabei?", und somit hatten wir dann nach einer kurzen Umbauphase das bis 2010 stabile Line-up unter dem Banner von SERENITY beisammen. Der Name gef├Ąllt uns nach wie vor sehr gut und pa├čt auch zu unseren Charakteren. Die ├ťbersetzungen "Klarheit", "Abgekl├Ąrtheit" und "Heiterkeit" sind doch drei Attribute, die sowohl zur Musik als auch zu uns als Menschen passen. Da├č es leider viele Filme, Bands und B├╝cher mit dem gleichen Namen gibt, ist etwas bl├Âd, aber da haben Bands wie BRAINSTORM, RAGE oder MERCENARY und noch viele mehr auch damit zu k├Ąmpfen!

Ihr konntet schon fr├╝hzeitig ausgiebig live spielen: Gleich nach Ver├Âffentlichung Eures Erstlings ┬╗Words Untold & Dreams Unlived┬ź wart Ihr mehrfach auf Tour. Auch nach der Ver├Âffentlichung von ┬╗Death & Legacy┬ź geht's mit DELAIN on the road. Wie ist das m├Âglich - und zwar sowohl unter dem Gesichtspunkt, da├č Ihr alle berufst├Ątig seid, als auch unter dem Gesichtspunkt, wie Ihr diese M├Âglichkeit ├╝berhaupt bekommen habt; immerhin tr├Ąumen nicht wenige Newcomerbands, die gerade ihr Debutwerk ver├Âffentlicht haben, genau von einer solchen Chance, doch sie bekommen sie nie.

Georg: Na ja, erstens hatten wir das Gl├╝ck, mit NAPALM bei einer f├Ąhigen Plattenfirma unterschreiben zu k├Ânnen, die auch gleich mit dem ersten Album versucht hat, uns auf Tour zu schicken. Und anscheinend haben wir auf diesen Tourneen mit MORGANA LEFAY, THRESHOLD und dann noch KAMELOT einen sehr guten Eindruck hinterlassen, weil uns beispielsweise KAMELOT und auch THRESHOLD mit dem n├Ąchsten Album gleich wieder mit auf Tour haben wollten. Stilistisch hat es ja bei beiden Bands gut harmoniert, und wir waren und sind uns auch nach wie vor im Klaren, da├č wir noch keine Rockstars sind und haben uns auch dementsprechend diszipliniert auf Tour verhalten und einfach einen professionellen Job hingelegt - sowohl vor als auch hinter der B├╝hne.

Mit welchen Bands w├╝rdet Ihr noch gerne die B├╝hnenbretter teilen - gerne sowohl utopisch, als auch realistisch.

Georg: F├╝r mich w├Ąre es ein Traum mit QUEEN auf Tour zu gehen - so viel zu den utopischen W├╝nschen. Aber es w├Ąre auch ein Hammer, die B├╝hne mit Bands wie den SCORPIONS oder IRON MAIDEN zu teilen... Sind wir immer noch bei den Unrealistischen? [lacht]

W├Ąhrend ┬╗Words Untold & Dreams Unlived┬ź und der Nachfolger ┬╗Fallen Sanctuary┬ź in zwei aufeinanderfolgenden Jahren erschienen, sind nun etwa zweieinhalb Jahre ins Land gezogen, bis ┬╗Death & Legacy┬ź erscheint. Was sind die Gr├╝nde daf├╝r? Gab es Probleme, gen├╝gend hochwertiges Songmaterial an den Start zu bringen?

Tom: Die Gr├╝nde hierf├╝r sind vielf├Ąltig. Zum einen gingen zwischen der Fertigstellung von ┬╗Words Untold & Dreams Unlived┬ź und dessen Ver├Âffentlichung ├╝ber ein halbes Jahr vor├╝ber, w├Ąhrenddessen wir schon wieder Material sammeln konnten. Desweiteren waren unsere Touraktivit├Ąten nach unserem Debut noch nicht so umfangreich als dann sp├Ąter bei ┬╗Fallen Sanctuary┬ź. Dazukommt noch die Tatsache, da├č sowohl wir als auch das Label das zweite Album so schnell wie m├Âglich ver├Âffentlichen wollten. F├╝r ┬╗Death & Legacy┬ź haben wir uns dem Grundsatz "Make it or break it" verschrieben und wollten nichts dem Zufall ├╝berlassen. Somit haben wir wesentlich mehr Zeit in Songwriting, Produktion, Artwork und alles weitere, was eine professionelle Band ausmacht, investiert. Wir haben uns aber schon fest vorgenommen, mit dem n├Ąchsten Album wieder etwas fr├╝her zu starten, vorausgesetzt die Qualit├Ąt leidet nicht darunter!

SERENITY [A]-Singleshot: Georg Neuhauser als Giacomo Casanova

Seit Ihr 2004 die derzeitige Phase in der Bandgeschichte eingel├Ąutet habt, gab es bei SERENITY ein stabiles Line-up. Im letzten Jahr jedoch verlie├č Euch Euer Bassist Simon Holzknecht - und zwar paradoxerweise nachdem er sich zuvor EDENBRIDGE angeschlossen hatte, und man meinen konnte, er w├╝rde mehr musikalische Bet├Ątigung brauchen. Doch dann ist er bei beiden Bands ausgestiegen. Was waren seine Beweggr├╝nde f├╝r den Schritt hin zu EDENBRIDGE und dann weg von beiden Bands? Hat sich f├╝r Euch vom Bandgef├╝hl etwas ver├Ąndert, seit er nicht mehr mitmischt? Immerhin ist er ja noch mit Eurem Keyboarder Mario Hirzinger bei PROPHECY: ECHOES OF SILENCE t├Ątig, so da├č Ihr Euch wohl nicht im Streit getrennt habt; oder wurde dieses Projekt auch ad acta gelegt?

Tom: Fragen ├╝ber Fragen... In diesem Falle auch bei uns. Ein Erkl├Ąrungsversuch: Simon ist eigentlich kein gro├čer Fan von Melodic Metal, somit waren auch wir ├╝berrascht, als er bei EDENBRIDGE eingestiegen ist. Nach unserer gemeinsamen Tour 2009 war uns aber schon recht klar, da├č Simon fr├╝her oder sp├Ąter dort wieder weggehen w├╝rde. Er wirkte nicht wirklich gl├╝cklich und zufrieden. Ich vermute mal, da├č er sich etwas mehr Erfolg erhofft hatte. Wie auch immer... In unserem Falle war uns auch klar, da├č der Zeitpunkt kommen k├Ânnte, an dem Simon nicht mehr mit uns mitziehen wird. Gerade da Georg als auch ich sehr enthusiastisch und voller Tatendrang an SERENITY arbeiten, was in manchen Situationen nicht immer auf Verst├Ąndnis trifft. Der Ausstieg - ├╝brigens ganz freundlich bei einem k├╝hlen Blonden - war f├╝r uns kein Problem und auch nicht wirklich ├╝berraschend. Gott sei Dank haben wir in Fabio D'Amore aus Italien sehr schnell sehr, sehr guten Ersatz gefunden, auch wenn der Bandalltag jetzt etwas schwieriger geworden ist. Aber in Zeiten von Internet & Co auch kein Problem. Was PROPHECY: ECHOES OF SILENCE angeht, so ist auch dieses Projekt meines Wissens ad acta gelegt.

Auf der neuen Platte hast Du, Tom, die Ba├čspuren eingespielt. Was waren die Gr├╝nde daf├╝r, und warum habt Ihr nicht einfach einen Studiomusiker angeheuert? Ergaben sich dadurch ├änderungen? Ein Gitarrist kann ja durchaus eine andere Herangehensweise an dieses Instrument haben, als jemand, der von Haus aus Bassist ist.

Tom: Die Gr├╝nde sind ganz einfach darzulegen. Erstens ist Simon genau zu dem Zeitpunkt ausgestiegen, an dem er das Album aufnehmen h├Ątte sollen. Allerdings hatte ich bereits f├╝r die Vorproduktion die meisten Ba├čparts aufgenommen. Zum anderen kostet ein Studiomusiker Geld... Meine Spielweise unterscheidet sich sicherlich stark von der eines Simon oder Fabio - aber ich konnte die Parts auch genau so einspielen wie ich es mir bereits beim Songwriting zurechtgelegt hatte.

Ihr hattet Fabio D'Amore zun├Ąchst mal als Aushilfe f├╝r einige Livegigs angek├╝ndigt, doch wenn ich Eure Homepage richtig interpretiert habe, dann ist er mittlerweile zum festen Bandmitglied geworden; immerhin gibt es sowohl Bandphotos mit der vierk├Âpfigen Studiobesetzung als auch mit allen f├╝nf Musikern. Was wird sich f├╝r die Band dadurch ver├Ąndern? Immerhin seid Ihr jetzt gewisserma├čen eine "Multikultiband". Au├čerdem wird Fabio aufgrund der Distanz wohl nicht so problemlos bei jeder Probe vorbeischauen k├Ânnen.

Georg: Ja, das stimmt, Fabio ist mittlerweile fixes Bandmitglied von SERENITY. Ich kannte ihn ja schon vor dem Ausstieg von Simon, da ich beim letzten Studioalbum von FAIRYLAND ein paar Gastvocals beigesteuert habe, und Fabio hat dabei die Aufnahmen geleitet. Er ist ein verdammt guter Bassist und hat eine super Stimme noch dazu. Au├čerdem ist er total fanatischer SERENITY-Fan, und somit war er f├╝r uns die erste Wahl. Tirol ist ja Gott sei Dank nicht allzu weit weg von Italien und deshalb ist es f├╝r Fabio machbar, in f├╝nf Stunden bei uns zu sein. Die eigentlichen Promophotos wurden in genau der Zwischenphase von Simons Ausstieg und Fabios Einstieg in die Band gemacht, weil es sich einfach zeitlich nicht anders ausgegangen w├Ąre. Deshalb sind einige Promoshots ohne ihn! Aber wer sich f├╝r die Band etwas interessiert, wei├č genau, da├č er ab jetzt fixer Bestandteil von uns ist. Ver├Ąnderungen wird es eigentlich fast keine geben - au├čer da├č wir jetzt wirklich in der Lage sind, vierstimmige Ch├Âre live auf der B├╝hne umzusetzen! Andere Bands, mit denen wir auf Tour waren, Crews und Kritiker waren immer ganz angetan, da├č wir bisher dreistimmige Passagen live hingebracht haben - mal schauen wie sie es jetzt mit vier Livestimmen sehen. Und durch seinen Namen Fabio D'Amore - er hei├čt wirklich so, und noch untypischer f├╝r einen Italiener geht's eh nicht mehr [lacht] - erhoffen wir uns nat├╝rlich noch einen Riesenzuwachs an weiblichen SERENITY-Fans! [lacht]

In musikalischer Hinsicht ist ┬╗Death & Legacy┬ź noch bombastischer als seine Vorg├Ąnger ausgefallen. Gerade der orchestrale Part wurde deutlich ausgeweitet. War das eine bewu├čte Entscheidung, diese Richtung einzuschlagen? Kann man sagen, da├č das symphonische Element in Eurer Musik gegen├╝ber dem progressiven Aspekt nun etwas st├Ąrker betont wurde? Wird es zuk├╝nftig in dieser Richtung weitergehen?

Tom: Die Entwicklung in Richtung Melodic und Symphonic Metal begann zum Zeitpunkt, an dem Georg und ich den Gro├čteil des Songwritings ├╝bernommen hatten. Also noch vor ┬╗Fallen Sanctuary┬ź. Aufwendige Orchestrierungen w├Ąren auch schon zu Zeiten unseres Debuts sch├Ân gewesen, waren aber eben noch unbezahlbar. Inzwischen sind wir durch Erfahrung, Heimstudio, Beziehungen und ein wenig Erfolg in der Lage, das Orchester bereits beim Songwriting direkt in die Vorproduktion einzubinden, wodurch sich das Songwriting generell etwas ver├Ąndert hat. Nat├╝rlich zum Positiven. Wie es in Zukunft weitergehen wird kann man nicht nach Plan festlegen, der derzeitige Stil wird aber mit ziemlicher Sicherheit so fortgef├╝hrt. Somit bewu├čt weniger Prog, mehr Melodie abwechselnd mit h├Ąrteren Parts und G├Ąnsehautmomente ├í la Hollywood-Blockbuster.

SERENITY [A]-Singleshot: Thomas Buchberger als Heinrich Kramer

Von meiner Seite aus mal zun├Ąchst Gratulation f├╝r die Platte, die f├╝r mich bislang Euer bestes Werk darstellt, aber wie sieht es mit der Umsetzbarkeit bei Konzerten aus, ohne da├č man im Stile RHAPSODY (mit oder ohne "Fire"...) das Gef├╝hl hat, einer Playbackshow beizuwohnen? Oder werdet Ihr live alles etwas abspecken und roher anbieten?

Georg: Danke f├╝r die Lorbeeren! Das freut uns sehr - schon alleine deshalb, weil du damals bereits unsere Demo-CD ┬╗Engraved Within┬ź sehr gut bewertet hast und somit eigentlich von Anfang unseren Werdegang verfolgst!
Live wird unser Sound sicher um einiges roher klingen als auf Platte. Wir versuchen, alles live zu singen und live zu spielen, was m├Âglich ist! Das war schon immer so! Da├č wir kein echtes Orchester auf die B├╝hne stellen k├Ânnen und deshalb auf Samples zur├╝ckgreifen m├╝ssen, st├Â├čt aber bei den wenigsten Leuten auf Unverst├Ąndnis. Unser Keyboarder Mario hat halt leider keine zehn H├Ąnde.

SERENITY haben nie versucht, Ihre Inspirationsquellen zu verheimlichen, ohne jedoch bei irgendeiner Band abzukupfern. Inwiefern habt Ihr Euch mittlerweile von Euren Vorbildern abgenabelt (oder wollt Ihr Euch abnabeln)?

Georg: Wir hatten in unserer Bandgeschichte nie eine Band, der wir komplett nachgeeifert haben. Wir hatten immer nur Bands, deren Musik uns begeistert hat, und die uns automatisch inspirierten, eine bestimmte Stilrichtung einzuschlagen. Sowohl bei ┬╗Fallen Sanctuary┬ź als auch jetzt bei ┬╗Death & Legacy┬ź werden wir sehr h├Ąufig mit KAMELOT, SONATA ARCTICA, NIGHTWISH und auch SHADOW GALLERY verglichen - oftmals aber mit dem Satz: "Wo KAMELOT mit ┬╗Epica┬ź und ┬╗Black Halo┬ź aufgeh├Ârt haben und SONATA ARCTICA nach ┬╗Silence┬ź eigentlich h├Ątten hin sollen"... Ehrlich gesagt hab' ich mit diesen Vergleichen kein Problem, weil das alles Bands sind, die mir pers├Ânlich sehr gut gefallen. Ich bin aber davon ├╝berzeugt, da├č man ┬╗Death & Legacy┬ź schon durchaus als ganz und gar eigenst├Ąndig betrachten kann. Am ehesten l├Ą├čt sich unsere Musik noch mit Soundtracks von Filmen vergleichen - was ja in gewisser Art und Weise auch unsere Absicht war, denn ┬╗Death & Legacy┬ź erz├Ąhlt ja eine Vielzahl von Geschichten aus der Vergangenheit, und da braucht es eine dementsprechende Filmmusik dazu.

Wie kam es zu dem Konzept, da├č sich alle Songs von ┬╗Death & Legacy┬ź um historische Personen drehen? Warum habt Ihr ausgerechnet diese Personen gew├Ąhlt?

Georg: Sowohl Mario, Tom als auch ich sind sehr geschichtsinteressiert. Ich hab ja auch Geschichte und Arch├Ąologie studiert, und somit lag es nahe, das lyrische Konzept des Albums mit unseren Interessen zu verbinden. Die Personenwahl war nicht ganz zuf├Ąllig: bei ÔÇ║Serenade Of FlamesÔÇ╣ geht es beispielsweise um den p├Ąpstlich gesandten Inquisitor Heinrich Kramer, der im 15. Jahrhundert viele Frauen auf den Scheiterhaufen gebracht hat. Als er in Innsbruck in Tirol, unserer Heimat, dasselbe versucht hat, konnten ihn der Landesf├╝rst und der Bischof von Brixen ├╝berlisten, und er verlor den Proze├č und war somit nicht in der Lage die angeklagten Frauen verbrennen zu lassen. Daraufhin zog er ver├Ąrgert weiter - schrieb aufgrund seiner Niederlage jedoch das Grundlagenwerk f├╝r s├Ąmtliche Hexenverfolgungen in den darauffolgenden zwei Jahrhunderten: den Hexenhammer (Malleus Maleficarum). Albrecht D├╝rer, der in ÔÇ║When Canvas Starts To BurnÔÇ╣ behandelt wird, war ebenfalls in Innsbruck t├Ątig, als er Hofmaler von Kaiser Maximilian I. war. Die Themenauswahl wurde also auch von regionalem Interesse gepr├Ągt. Alle Personen haben uns jedoch ein Verm├Ąchtnis ("Legacy") hinterlassen, das auch unsere moderne Zeit nach wie vor pr├Ągt. Was w├Ąre gewesen wenn Columbus (ÔÇ║India's ShoresÔÇ╣) nicht Amerika entdeckt h├Ątte, wenn Spanien England erobert (ÔÇ║New HorizonsÔÇ╣) oder Cortez nicht die Atzteken besiegt h├Ątte (ÔÇ║State Of SiegeÔÇ╣)? Viele Bands haben sich schon mit historischen Themen befa├čt, aber einfach nur Schlachten zu besingen und Odin als gro├čen Gott zu preisen, war uns einfach ein bi├čchen zu wenig.

Interessanterweise habt Ihr sehr verschiedenartige Personen ausgew├Ąhlt - aus unterschiedlichen Zeitepochen, unterschiedlicher Herkunft, mit unterschiedlichen Bet├Ątigungsfeldern. Gibt es da einen roten Faden mit Ausnahme des historischen Aspekts?

Georg: Direkt roten Faden gibt es keinen - also jeder Song steht eigentlich f├╝r sich! Aber jeder der Personen hat etwas Au├čergew├Âhnliches vollbracht, das auch heute noch Auswirkungen hat. Au├čerdem ist es teilweise schon erschreckend, wie wenig viele Leute von ihrer eigenen Geschichte wissen, geschweige denn von anderen L├Ąndern und Kulturen. Aber wer aktuell in der Jury von "Deutschland sucht den Superstar" sitzt - das wei├č jeder! [lacht]

SERENITY [A]-Singleshot: Mario Hirzinger als Galileo Galilei

Dazu enthalte ich mich jetzt jeglichen Kommentars, denn der k├Ânnte wie immer sehr geh├Ąssig ausfallen... Anyway - inwiefern sind die verschiedenen Intros und ├ťberleitungen auf ┬╗Death & Legacy┬ź wichtig? Hattet Ihr keine Bedenken, da├č damit der Flu├č der Platte unterbrochen wird und stattdessen gewisserma├čen ein wenig ein H├Ârspielcharakter aufkommt?

Tom: Um ehrlich zu sein, bin ich immer ein gro├čer Skeptiker in solchen Sachen, da ich nicht m├Âchte, da├č das Album zu sehr auseinandergerissen wird. Doch manchmal verlangen Musik oder Lyrics danach. Ich denke, wir haben es geschafft, mit unseren Interludes und Intros ma├čgeblich zur Atmosph├Ąre des Albums und des Konzepts als solches beizutragen ohne das Album k├╝nstlich in die L├Ąnge zu ziehen. Auch wenn es mit zw├Âlf vollwertigen Songs exklusive Interludes/Intros und knapp 70 Minuten Spielzeit doch wesentlich l├Ąnger geworden ist, als wir dachten. Aber das haben wir erst mit dem fertigen Master in der Hand festgestellt. That's value for money... [grinst]

Passend zur Thematik der neuen Platte tragt Ihr auf den neuen Bandphotos historische Kost├╝me, die meist eher an Uniformen erinnern, aber Ihr schreckt auch vor einem R├╝schenhemd, das nicht gerade das typische Metaloutfit ist, nicht zur├╝ck. Habt Ihr ein Faible f├╝r solche Kleidung, oder h├Ąngt es einfach damit zusammen, ein Outfit zu haben, das Euch von anderen Band abgrenzt? Wer hat die Kost├╝me geschneidert? Hat einer von Euch eine Freundin mit ausgepr├Ągtem Talent in Sachen Handarbeit, oder habt Ihr im Museum stibitzt?

Georg: Das sind nicht nur einfach Kost├╝me - jedes Bandmitglied verk├Ârpert eine historische Pers├Ânlichkeit. Wenn ich mit zwei maskierten M├Ądels auf einer barocken Couch sitze, hat das einfach damit zu tun - neben dem tollen Gef├╝hl - da├č ich Giacomo Casanova verk├Ârpere. Wenn man meinen Nachnamen Neuhauser ins Italienische ├╝bersetzen w├╝rde, dann kommt mit viel Fantasie Casa-Nova heraus. Tom ist Heinrich Kramer, der Inquisitor, und hat aus diesem Grund einen Totenkopf und den Hexenhammer in der Hand. Au├čerdem brennt hinter ihm lichterloh ein Feuer - als Symbol f├╝r den Scheiterhaufen. Andi sieht einem gewissen Herrn Albrecht D├╝rer, der sich mehrmals selbst portr├Ątiert hat, derma├čen ├Ąhnlich, da├č uns die Verbindung wirklich nicht schwergefallen ist. Und da Mario sich in seiner Freizeit gerne mit den Gestirnen auseinandersetzt, war f├╝r ihn Galileo Galilei naheliegend mit Zirkel und einer historischen Karte zu den Himmelsk├Ârpern.

Werdet Ihr solche Kost├╝me auch live tragen? Oder war das nur f├╝r die Platte gedacht, w├Ąhrend man on stage die vertrauten SERENITY erblicken wird?

Georg: Live werden wir versuchen, so viel als m├Âglich von dem historischen Konzept auf die B├╝hne zu bringen. Das wird die B├╝hnenaufbauten bei den Headliner-Gigs betreffen und auch die Kleidung, wobei ich als S├Ąnger nat├╝rlich weniger Probleme habe, einen Mantel zu tragen - ohne Instrument, in dem sich der Mantel immer verfangen w├╝rde, ist das nun mal viel einfacher. Vom Hitzefaktor abgesehen.... Aber soll ja gesund sein, die Schwitzerei.

SERENITY [A]-Singleshot: Andreas Schipflinger als Albrecht D├╝rer

Weibliche Gesangsunterst├╝tzung ist bei SERENITY nicht ungew├Âhnlich; so hat beispielsweise Sandra Schleret auf ┬╗Fallen Sanctuary┬ź mitgewirkt. Doch diesmal habt Ihr deutlich tiefer in die "sch├Âne Trickkiste" gegriffen: Ailyn von SIRENIA hat bei ÔÇ║The ChevalierÔÇ╣ und ÔÇ║PrayerÔÇ╣ mitgesungen, Amanda Somerville bei ÔÇ║Changing FateÔÇ╣ und Charlotte Wessels von DELAIN bei ÔÇ║Serenade Of FlamesÔÇ╣. Man k├Ânnte also fast sagen, da├č bei der H├Ąlfte Eurer neuen Songs Damen zum Zug kommen. Was waren die Gr├╝nde f├╝r diesen Schritt?

Tom: Im Prinzip ganz einfach... Wir m├Âgen Frauen [grinst] Nein, im Ernst - wir finden gute klare Frauenstimmen einfach sch├Ân, und sie harmonieren einfach sehr gut mit unserer Musik und nat├╝rlich mit Georgs klarer Stimme. Bereits nach Fertigstellung der entsprechenden Songs war uns klar, da├č (wenn nur irgendwie m├Âglich) wir female vocals integrieren w├╝rden. Die Auswahl der S├Ąngerinnen war auch nicht sooo schwierig. Als erstes fixierten wir die Sache mit Charlotte von DELAIN. Da wir zusammen auf Tour waren und wir den selben Produzenten teilen, waren alle Voraussetzungen vorhanden, und Charlotte war auch gleich vom Song begeistert. Dann haben wir die Entscheidung zu Ailyn von SIRENIA getroffen. Mehr dazu etwas sp├Ąter. Zu guter Letzt entschieden wir uns f├╝r Amanda Somerville, die durch ihre perfekte Performance auf den AVANTASIA-Alben ├╝berzeugte. Nachdem sie den Song geh├Ârt hatte, war auch sie ├╝berzeugt, auf unserem Longplayer mitzuwirken. Hier erfolgte die Arbeit auf modernem Wege ├╝ber das World Wide Web. Wir haben sie dann aber auch noch beim AVANTASIA-Konzert in Kaufbeuren getroffen und bereits 2009 auf der KAMELOT-Tour kurz kennengelernt. Somit haben am Ende unsere drei Wunschkandidatinnen den Weg auf ┬╗Death & Legacy┬ź gefunden.

Wie werdet Ihr das Ganze live umsetzen? Ist im Stile KAMELOT jetzt auch bei Euch f├╝r Konzerte eine Gasts├Ąngerin angesagt? Bei der Tour mit DELAIN k├Ânnt Ihr das Problem ja zumindest bei einem Song sehr galant l├Âsen...

Tom: Wir werden, soweit m├Âglich, alle zuk├╝nftigen Konzerte mit einer Gasts├Ąngerin abwickeln. News dazu wird es in K├╝rze geben - soll hei├čen, wir werden 2011 vermutlich mit einem bekannten Gesicht auftreten. Au├čerdem kennen wir mehrere unbekannte S├Ąngerinnen in unserem Umfeld, und wenn alle Stricke rei├čen, kann Georg ein bi├čchen improvisieren, oder wir spielen eben andere Songs. Davon haben wir inzwischen ja reichlich. Auf der Tour mit DELAIN liegt die L├Âsung ja auf der Hand. Zumindest f├╝r ÔÇ║Serenade Of FlamesÔÇ╣.

Im Vordergrund in Sachen Gasts├Ąngerinnen steht eindeutig die Kooperation mit Ailyn, die auch im Video zu ÔÇ║The ChevalierÔÇ╣ auftritt und jene Dame spielt, die sich immun gegen die Bet├Ârungen von Giacomo Casanova erweist, worum sich ja auch der Text dreht. Wie kam es dazu?

Tom: Mit Ailyn von SIRENIA war es eine recht lustige Geschichte. Wir haben Ailyn eigentlich durch das Video zu ÔÇ║The Path to DecayÔÇ╣ entdeckt (wurde 2008 vorab als Single ausgekoppelt und stellte den ersten Auftritt der Spanierin mit SIRENIA dar - Red.), welches uns sogleich ├╝berzeugt hatte. Gesanglich wie optisch... Als wir den Kontakt ├╝ber ihr MySpace-Profil suchten, entdeckten wir ein Photo von Ailyn inmitten der SERENITY-Jungs. Wo war denn das??? Eine berechtigte Frage war unseren verdutzten Gesichtern abzulesen. Die Aufl├Âsung war, da├č sie SERENITY-Fan der ersten Stunde ist und uns auf einem Konzert in Spanien w├Ąhrend unserer ersten Tour mit KAMELOT im Jahr 2007 gesehen hat. Damals war sie noch nicht S├Ąngerin von SIRENIA, so da├č sie auch keiner von uns h├Ątte erkennen k├Ânnen. Lange Rede kurzer Sinn: zweimal Aufenthalt in good old Austria f├╝r die Aufnahmen und die Videoshoot. Und mal ganz ehrlich: Sie macht sich doch gut im Video? [grinst]

Ihr hattet schon bei ┬╗Fallen Sanctuary┬ź ein professionelles Video zu ÔÇ║VelatumÔÇ╣ gedreht, doch ÔÇ║The ChevalierÔÇ╣ ist nochmal aufwendiger geworden. Woher habt Ihr die Connections und Finanzen, um dies zu verwirklichen?

Tom: Der Aufwand war auch dieses Mal etwa derselbe, wenn wir auch etwas mehr Zeit in die Vorbereitung gesteckt haben. Da stecken schon viele Stunden in Drehbuch, Kost├╝me zusammentragen, Requisiten, Settings checken und so weiter drin. Da wir auf "Band mit Instrumenten"-Szenen von Anfang an verzichten wollten, haben wir uns in etwa den einen Drehtag gespart, der vermutlich mehr gewesen w├Ąre gegen├╝ber ÔÇ║VelatumÔÇ╣. Mit den Connections ist es so, da├č wir uns laufend im Internet bewegen. Beruflich, musiktechnisch, als auch sonst. Und so haben wir eben den Italiener Salvatore Perrone entdeckt, der in der Lage war, das Video unseren W├╝nschen und unserem Konzept entsprechend umzusetzen. Wobei ich nochmals betonen m├Âchte, da├č Drehbuch, Konzept, Organisation und so weiter allesamt auf unseren - in diesem Falle vor allem Georgs - Schultern lastet! Generell arbeiten Georg als auch ich st├Ąndig an SERENITY in allen Aspekten, und wir sind - Gott sei Dank! - in der Lage, extrem viele Aufgaben selbst zu erledigen. Das beginnt bei Aufnahmen, geht ├╝ber Artworks und Sketches bis hin zu Promotion, Internet, Management, Booking, etc. ├ťber Finanzen spricht man nicht, oder? Ist glaube ich auch besser so... Es bewegt sich auf alle F├Ąlle im vierstelligen Euro-Bereich, den wir neben einer Finanzspritze seitens der Plattenfirma gro├čteils selbst finanzieren.

Sieht man mal von den oben schon erw├Ąhnten PROPHECY: ECHOES OF SILENCE und der Coverband SCENE ONE, bei der einige von Euch aktiv sind, konzentriert Ihr Eure Aktivit├Ąten auf SERENITY. Gibt es demzufolge keine musikalischen Neigungen, denen Ihr gerne nachgehen w├╝rdet, die aber bei SERENITY keinen Platz haben?

Tom: Es w├Ąre immer toll, ein weiteres Projekt zu starten. Aber SERENITY erfordert aktuell einfach zu viel Zeit und Aufmerksamkeit, um in eine erfolgreiche Zukunft zu blicken. Aber ich h├Ątte einige nicht ganz fertige Songs am PC, die ihren Weg nicht auf eines unserer n├Ąchsten Alben schaffen werden. Um kurz f├╝r Georg zu sprechen. Neben genannten Coverbands ist auch er voll und ganz SERENITY zugetan, tritt aber beispielsweise auch beim letzten FAIRYLAND-Album auf. Diese Gastauftritte wird es auch in Zukunft geben. Vielleicht auch mal mehr - aber dazu kann und darf ich hier nichts sagen...

SERENITY (A)-Bandphoto 2

Habe ich vergessen, was zu fragen? Dann beantwortet es doch einfach - und verratet mir die Frage...

Frage: Was werden wir morgen machen?
Antwort: Das was wir jeden Tag machen... Die Weltherrschaft an uns rei├čen!

http://www.serenity-band.com/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Stefan Glas

SERENITY (A) im ├ťberblick:
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PHANTASMA – News vom 10.09.2015
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