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”UNDERGROUND EMPIRE 6”-Datasheet

Contents:  ESCAPE-''Once Upon ... A Zine''-Artikel

Date:  10.04.1992 (created), 06.02.2011 (revisited), 20.02.2017 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 6

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue still available, order here!

Comment:

Wie aus dem Artikel hervorgeht, war das ESCAPE das beste deutsche Fanzine und wird diesen Status auch immer behalten. Leider kann in der aktuellen, sehr ├╝berschaubaren Fanzineszene diesem Werk niemand auch nur ann├Ąhernd das Wasser reichen. Aber auch wenn man seinen Blick durch die mittlerweile schon etwa drei Jahrzehnte w├Ąhrenden Geschichte der Metalfanzines schweifen l├Ą├čt, gibt es nur wenige, die in ├Ąhnliche Dimensionen wie das ESCAPE vorgesto├čen sind. Einige davon haben wir schon in unserer "Once Upon... A Zine"-Reihe vorgestellt oder werden es noch tun.

 

P.S.: Mir fehlen immer noch die ersten drei ESCAPE-Ausgabe in meiner Sammlung. Falls also jemand diese besitzt und sich davon trennen m├Âchte, w├Ąre ich ein dankbarer Abnehmer. :-)

Supervisor:  Stefan Glas

 
 

Titel: Once Upon... A Zine
Dekolinie

ESCAPE

Ein heikles Thema, an das ich mich diesesmal f├╝rs "Once Upon... A Zine" rantraue! Heikel deshalb, weil das ESCAPE ohne jede Frage das Zine war, das am ehesten die Bezeichnung "Kult" verdient, und am Sockel von Unsterblichkeiten soll man bekanntlich nicht kratzen. Au├čerdem habe ich das eindeutige Problem, da├č ich in wenigen Zeilen etwas zusammenfassen will, wor├╝ber ich problemlos ein Buch verfassen k├Ânnte. Zum Selbstschutz m├Âchte ich vorausschicken, da├č ich selbst ein begeisterter ESCAPE-Leser war, aber dennoch einige Kritikpunkte, von banal bis hin zu einem wichtigen, anzubringen hatte, wobei ich in meinem Artikel nur diesen einen bedeutenden auff├╝hren werden, da ich ihn bei dem Versuch, einen m├Âglichst aussagekr├Ąftigen und objektiven Artikel zu verfassen, nicht verschweigen kann.

ESCAPE 9-Cover Wenn man versuchen will, treffende Attribute f├╝rs ESCAPE zu finden, so wird man wohl als erstes auf Begriffe wie "eigensinnig" oder "aufs├Ąssig" kommen. Dies m├Âchte ich versuchen, anhand meiner ESCAPE-Sammlung, die mit Heft Nummer 4 beginnt, aufzuzeigen. Als ersten Beleg sei mal gleich die Tatsache erw├Ąhnt, da├č der Inhalt des ESCAPE stets in jeder Hinsicht anders war als der von anderen Hefte, die zeitgleich erschienen. Also nicht wie heute, wo sogenannte "Schwerpunktthemen" der Plattenfirmen reihenweise in allen Publikationen gleichzeitig abgefeiert werden. Die ESCAPE-Ausgaben, die ich besitze, k├Ânnte man in drei Untereinheiten einteilen, wobei die Nummer 4 allein eine Untergruppe darstellt, die noch etwas das "Kraut und R├╝ben durcheinander"-Zine verk├Ârperte. Also etwas ungeordnet und wenig strukturiert, was nat├╝rlich noch lange nichts ├╝ber den Inhalt des Heftes aussagt, denn der war beim ESCAPE in allen mir bekannten Heften durchweg spitze. Weiterhin w├╝rde ich die Nummer 5 und 6 zusammen nennen, denn sie ├Ąhneln sich ├Ąu├čerlich durch die Machart, das gleiche Logo und innerlich durch vergleichbare Heftstruktur. Besonders hervorheben m├Âchte ich hier die Rubriken "Shooting Stars", "Hardcore Hopefuls" beziehungsweise "Upcoming Thrashacts", wo man ein gutes N├Ąschen bewies und mit halb- bis einseitigen Stories Bands vorstellte, von denen mindestens 70 Prozent h├Âchst erw├Ąhnenswert sind und es in der Folgezeit auch zu gewissen Erfolgen gebracht haben, wie beispielsweise WARLORD, FIFTH ANGEL, HADES, TENSION, WATCHTOWER, VENDETTA, DEATH, HITTMAN, DETENT├ë, BLIND ILLUSION, SLAUGHTER, DEATH ANGEL, MORDRED oder HAVE MERCY. Am bemerkenswertesten ist jedoch der dritte Block, der von Nummer 7 bis zur letzten Ausgabe, der neunten, geht. In jener Phase kristallisierte sich beim ESCAPE der Charakter heraus, der ihm jene von mir obengenannten Attribute einbrachte. In diese Zeit f├Ąllt auch der Zusammenschlu├č mit dem METAL PROPHECY, welcher ab der Nummer 8 wirksam war. Was aber ist typisch f├╝r diese drei Hefte, so da├č es mich dazu veranla├čt hat, sie zu einer Einheit zusammenzufassen? Man l├Âste sich vom Outfit, das bei Nummer 5 und 6 zu finden war, und die letzten drei Hefte waren von der Struktur her sehr unterschiedlich. Auch begann sich die Demoabteilung rapide zu vergr├Â├čern, und ich kann mich noch gut daran erinnern, da├č ich jedesmal vor diesen Seiten sa├č, um herauszufinden, wie ich meine letzten Dollars am besten anlegen k├Ânne. Neben Artikeln und Interviews ├╝ber/mit bekannteren und Underground-Bands jener Zeit, nahm der Anteil anderer Beitr├Ąge kr├Ąftig zu. Dies beziehe ich nun sowohl auf den au├čermusikalischen Bereich, wie beispielsweise in ESCAPE 8 den Artikel zur Apartheid oder den Artikel zum Thema Alkohol, der damals einige Wellen aufwarf, oder in ESCAPE 9 Stefan Tasches Pamphlet auf die Metalszene, als auch auf die vorgestellten Bands. Es war hierbei zu beoabachten, da├č nun verst├Ąrkt auch Hardcore/Punk-Bands Ber├╝cksichtigung fanden, wie beispielsweise SPERMBIRDS, INSTIGATORS, MORBID OUTBURST oder DEAD KENNEDYS, oder aber es gab auch K├╝nstler, die mit keiner dieser Stilrichtungen etwas am Hut hatten, wie beispielsweise der klassische Komponist Schostakowitsch, Frank Zappa oder Robin Trower. Auch kamen Hintergrundberichte auf, in denen man Plattenfirmen oder Radiosender beleuchtete. Es wurden also Schritte hin zu einem breiteren Spektrum unternommen, worin sich aber auch zeigte, da├č die Macher des ESCAPE immer mehr Probleme hatten, sich mit der Metalszene zu identifizieren, was dann letztlich auch der Grund war, weshalb man mit ESCAPE Nr. 9 den Schlu├čpunkt setzte. Man kann also auch diese Suche nach Alternativen als aktive Kritik an der Metalszene seitens der Redakteure sehen. Ein Abschiedsgeschenk gew├Ąhrte man sich selbst und zwar in Form des genialen neunseitigen FATES WARNING-Interviews in ESCAPE 9. ├ťberhaupt waren Bands dieser Richtung, heavy und progressiv also, immer stark im ESCAPE vertreten und konnten auch am ├╝berzeugendsten vorgestellt werden. Namen wie HADES, f├╝r die Thomas Becker, Herausgeber des ESCAPE, ein Zeitlang den europ├Ąischen Fanclub leitete, WATCHTOWER, HELSTAR, SIEGES EVEN, SACRED BLADE, OLIVER MAGNUM oder JAG PANZER waren mehr als nur einmal im ESCAPE zu lesen, und diese Artikel haben mich eigentlich erst so richtig auf den Geschmack gebracht.

Man kann also abschlie├čend sagen, da├č das ESCAPE ein Heft war, das ich mit Passion gelesen habe und das sicherlich einmalig in der Presseszene war und immer sein wird, weshalb es auch f├╝r einige nachfolgende Fanzinemacher Vorbildcharakter hatte. Ein Fanzine, das knallhart Kritik ├╝bte, wenngleich, und dies ist meine bereits angesprochene einzige negative Anmerkung, dies manchmal wirklich zu extrem betrieben wurde, so da├č man den Eindruck hatte, ESCAPE wolle sich auf Teufel komm' raus mit Gott und der Welt anlegen. Aber lieber ist dies der Fall, als da├č man vor jedem Promohype sofort den gro├čen theatralischen Kniefall probt. Das ESCAPE blieb bei jedem Wort, das es schrieb, durch und durch glaubw├╝rdig!


Stefan Glas

"Once Upon... A Zine" im ├ťberblick:
"Once Upon... A Zine" – UNDERGROUND EMPIRE 3-"Once Upon... A Zine"-Artikel
"Once Upon... A Zine" – UNDERGROUND EMPIRE 4-"Once Upon... A Zine"-Artikel
"Once Upon... A Zine" – UNDERGROUND EMPIRE 5-"Once Upon... A Zine"-Artikel
"Once Upon... A Zine" – UNDERGROUND EMPIRE 6-"Once Upon... A Zine"-Artikel
"Once Upon... A Zine" – UNDERGROUND EMPIRE 7-"Once Upon... A Zine"-Artikel
"Once Upon... A Zine" – ONLINE EMPIRE 3-"Once Upon... A Zine"-Artikel
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