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  UE-Home → History → Online Empire 14 → Interview-├ťbersicht → TIME MACHINE (I)-Interview last update: 04.07.2020, 00:03:53  

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Hierzulande nahezu unbemerkt musiziert seit ├╝ber zehn Jahren in Italien eine Band, die zum Besten z├Ąhlt, was der Progressive Metal weltweit zu bieten hat: TIME MACHINE. Daher war der neue, exzellente Rundling ┬╗Evil┬ź das beste Argument, sich mit Bandkopf Lorenzo Deho' in Klausur zu begeben und eine Spazierfahrt mit der Zeitmaschine zu machen.

H├Ątte H. G. Wells diese Episode als Zwischenstop in seinem Romanklassiker "Die Zeitmaschine" eingeplant, h├Ątte das Display seines Gef├Ąhrts die Jahreszahl "1987" angezeigt und ihn direkt in das Herz Mailands gef├╝hrt.
In diesem Jahr beginnt die Geschichte eines Seitenastes des Stammbaumes, der zu TIME MACHINE f├╝hren wird: Guiseppe Ruggeri ist damals S├Ąnger und Giuseppe Taccone (der sich allerdings mit dem Pseudonym Vic De Lamare sch├╝ckt) Gitarrist der Band MOON OF STEEL. Deren wechselhafte Geschichte, die mit der LP ┬╗Passions┬ź eines der begehrtesten Werke des Italo-Metals gebiert, haben wir beim aktuellen Review des wiedergeborenen Stahlmondes schon nachgezeichnet. Nach dem (vorl├Ąufigen) Ende von MOON OF STEEL dauert es bis ins Jahr 1993, bis die beiden als Quereinsteiger wieder aktiv werden.

Lorenzo, hattest Du zu diesem Zeitpunkt Kontakt zu MOON OF STEEL?

Nein, denn ich lebte damals in England und kam erst 1991 nach Italien zur├╝ck. Damals wu├čte ich nicht viel ├╝ber die italienische Szene und hatte lediglich einige wenige Kontakte aus der Zeit bevor ich nach England gegangen war, als ich noch in verschiedenen, extrem unprofessionellen Bands gespielt hatte. Das war Mitte der Achtziger und eine hie├č beispielsweise ENTER, und wir haben melodischen Heavy Rock gespielt. Allerdings war Fabio Pagani, der einige Songs auf der ersten TIME MACHINE-EP ┬╗Project: Time Scanning┬ź die Songs ÔÇ║Holy ManÔÇ╣ und ÔÇ║Past And FutureÔÇ╣ eingesungen hat, in einer dieser Bands dabei gewesen. Als er uns allerdings verlie├č, nahm ich mit Klaus Byron vom italienischen FLASH-Magazin Kontakt auf, und er gab mir den Tip, da├č Andrea Ruggeri, der ehemalige MOON OF STEEL-S├Ąnger, frei sei. Andrea sagte zu und brachte sp├Ąter Giuseppe Taccone mit, da wir noch einen zweiten Gitarristen brauchten.

Warst Du wegen der Musik nach England gegangen?

Nein, es hing mit meinem damaligen Job zusammen. Ich habe aber in England auch Musik gemacht und habe beispielsweise einige Sessions mit Paul Di'Anno und Jannick Gers gespielt. Als ich dann von England zur├╝ckkam, rief ich Ivan Oggioni an und schlug ihm vor, zusammen eine Band zu starten. Unser erster Name war ├╝brigens ANTARES, den wir dann aber nicht mehr pr├Ągnant fanden, so da├č wir uns f├╝r TIME MACHINE entschieden.


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Seit 1991 betreibt Lorenzo also TIME MACHINE und "es steckte nie die Absicht dahinter, da├č daraus eine Band werden sollte," so der Initiator - und deshalb soll die Geschichte seines Projekts durch schier endlose Besetzungswechsel gepr├Ągt sein. Dennoch gibt er von Anfang an Vollgas: Er wartet erst gar nicht ab, bis sich ein stabiles Line-up herauskristallisiert hat, sondern bringt schnellstm├Âglich die Mini-LP ┬╗Project: Time Scanning┬ź auf den Weg. Lorenzo: "Nach und nach fand ich einige Musiker, die sich bereiterkl├Ąrten, Parts im Studio einzuspielen." Im einzelnen bedeutet dies, da├č Lorenzo Ivan Oggioni als Gitarristen und Andrea Ruggeri f├╝rs Mikro verpflichtet. Die Drums werden von Roberto Besana bedient, der seinen Job jedoch nicht vollenden kann, da er nach einem Autounfall einen langen Krankenhausaufenthalt ├╝ber sich ergehen lassen mu├č, so da├č sein Part mittels Drumcomputer komplettiert wird. Au├čerdem steuert Roberto Gramegna, Co-Producer der Scheibe und Besitzer des Aufnahmestudios, einige Keyboardparts bei und Tony Priolo sowie Fabio Pagani reihen sich in die Liste der Gastmusiker ein. Das klingt nach Stre├č pur, doch Lorenzo winkt ab: "Die Aufnahmen gingen [...] ganz relaxt vonstatten und zogen sich fast ein ganzes Jahr hin." Schneller fluppt hingegen der sonst meist m├╝hsame Proze├č bis eine Platte erscheint: Da Lorenzo der Bo├č des Indielabels LUCRETIA ist, steht der Erstling noch 1993, kurz nach Beendigung der Studioarbeiten, als CD und Picture Disc in Italiens L├Ąden und wird mittels Mailorder in ganz Europa verbreitet.

Wurde Deine Firma LUCRETIA gegr├╝ndet, um die erste TIME MACHINE-Platte auf dem Unterlabel LIMITED RECORDS zu ver├Âffentlichen?

Nein, LUCRETIA gab es schon zuvor; wir vertrieben damals haupts├Ąchlich Merchandise in Italien und f├╝hrten einen Mailorder-Service. Als dann jedoch die TIME MACHINE-Platte fertig war, lag es nahe, sie selbst zu ver├Âffentlichen. Gl├╝cklicherweise lief die Platte so hervorragend, da├č wir schon bald die M├Âglichkeit hatten, andere Bands wie ABIGOR oder ARCHANGEL zu signen beziehungsweise Bands wie ANGRA f├╝r Italien zu lizenzieren. Seither bin ich in der gl├╝cklichen Lage, mit LUCRETIA meinen Lebensunterhalt verdienen zu k├Ânnen. Es ist zwar nicht immer ganz einfach gewesen und es bereitet Schmerz und Freude zugleich; besonders in den letzten drei Jahren hatten wir einige Probleme zu bew├Ąltigen. Wir sind jetzt wieder zu unserer urspr├╝nglichen Vision f├╝r LUCRETIA zur├╝ckgekehrt: Wir schauen nicht mehr auf die Chancen, die eine Band auf dem Markt haben wird, sondern wir nehmen uns nun wieder Bands an, auf die wir hundertprozentig stehen. Daher war diese Ver├Ąnderung sehr gut!

War es eigentlich eine bewu├čte Entscheidung, der ersten TIME MACHINE-Platte ┬╗Project: Time Scanning┬ź einen Titel zu verpassen, der quasi identisch konstruiert war wie der von QUEENSRYCHEs Meisterwerk ┬╗Operation: Mindcrime┬ź?

Es steckte keine solche Absicht dahinter. Nat├╝rlich kann ich nicht leugnen, da├č QUEENSRYCHE eine wichtige Inspirationsquelle f├╝r uns darstellten - jede andere Aussage w├Ąre eine verdammte L├╝ge. Vielleicht war es eine unbewu├čte Entscheidung.

Warum hattet Ihr ein Bild von Stonehenge auf dem Cover von ┬╗Project: Time Scanning┬ź?

Diesbez├╝glich gibt es viele verschiedene Aspekte: Zun├Ąchst einmal ist Stonehenge ein Symbol f├╝r die Zeit. Man mu├č bedenken, da├č niemand wirklich wei├č, wie alt der Steinkreis ist und welchen verschiedenen Zwecken er diente. Man wei├č, da├č der Ort als Kultst├Ątte genutzt wurde. Zudem kann man mit Hilfe der Steine den Wechsel der Jahreszeiten vorhersagen. Andere wiederum behaupten, Stonehenge sei ein Landeplatz f├╝r Ufos gewesen. Es ranken sich viele Mysterien um diesen Ort, so da├č unser Cover die Phantasie anregen konnte.

Gerade weil ┬╗Project: Time Scanning┬ź ihre Existenz einem ├╝berst├╝rzten, unverbindlichen Flirt verdankt, f├Ąllt sie sehr reizvoll aus: Die St├╝cke werden frisch und unbeschwert dargeboten und da die Technik die menschlichen L├╝cken im Bandgef├╝ge ausb├╝geln mu├č, erh├Ąlt der Rundling einen sehr unterk├╝hlten Sound, den man schnell als elementaren Bestandteil der CD akzeptiert. Au├čerdem lebt die Platte von dem phantastischen Gesang Andrea Ruggeris.

"Langsam kristallisierte sich eine Band heraus, weil die beteiligten Musiker auch weiterhin mitarbeiten wollten," so Lorenzo weiter. Leider jedoch geh├Ârt Ruggeri nicht dazu, da er an der Uni ein Diplom ansteuert und seine Musikerkarriere beendet.

Das Studium hat er allerdings abgebrochen und sich nun als Versicherungsmakler selbst├Ąndig gemacht. Mit Musik hat er leider wirklich nichts mehr am Hut. Er hat lediglich 1999 zwei Shows mit uns gespielt. Wir hatten damals gerade keinen S├Ąnger und sollten einige Shows f├╝r ANGRA er├Âffnen. Also sprang er kurzfristig ein, da er den Gro├čteil des Materials noch kannte. Leider konnte er sich damals nicht dazu entschlie├čen, wieder fest bei uns einzusteigen, denn er steht beruflich sehr unter Stre├č und war zudem gerade Vater geworden.

Im Grunde hat jeder Musiker, der in Italien irgendwann mal bekannt war, ein paar Takte f├╝r TIME MACHINE eingespielt. Wie konnte es dazu kommen?

Keine Ahnung - das hat sich alles ziemlich problemlos ergeben: Meist wurden uns die Musiker von Bekannten empfohlen und die meisten sagten zu, bei TIME MACHINE mitzumischen.

Warum haben sich die meisten Musiker binnen k├╝rzester Zeit wieder verabschiedet? Bist Du solch ein unertr├Ąglicher Zeitgenosse?

Daf├╝r gab es unz├Ąhlige Gr├╝nde: Meist hatten sie andere Pl├Ąne f├╝r sich als wir f├╝r TIME MACHINE. Es gab auch einige, die mit mir nicht klar gekommen sind, aber mit den allermeisten habe ich auch heute noch ein gutes Verh├Ąltnis. Es gab nat├╝rlich auch Musiker, die von vornherein nur als Aushilfskraft angeheuert wurden. Ich mu├č sagen, da├č ich keine Probleme damit habe, da├č TIME MACHINE nie ein stabiles Line-up hatten, denn alle Musiker haben eine Menge f├╝r die Band eingebracht, so da├č jede Platte ein wenig anders klang. TIME MACHINE konnten seit jeher nur auf einem semiprofessionellen Level arbeiten; es war unm├Âglich, von der Musik allein zu leben. Daher brauchte jeder einen Job neben der Band, so da├č ich jedem die M├Âglichkeit zugestehen mu├čte zu gehen, wann er wollte. Wenn ich ehrlich bin, kann ich mir ohnehin nicht vorstellen, da├č eine Band ewig mit den selben Leuten weitermacht. Wie jeder wei├č, gibt es bekannte Bands gibt, die reine Zweckgemeinschaften geworden sind, bei denen sich die Musiker nicht mehr ausstehen k├Ânnen. Ich finde es besser, wenn man Freunde bleibt, aber nicht mehr in der gleichen Band zusammenspielt, als sich zu hassen und trotzdem immer wieder miteinander auf die B├╝hne zu gehen.
Ich w├╝rde nicht sagen, da├č ich ein besonders schwieriger Mensch bin, aber ich fordere zweifelsohne sehr viel Einsatz und die richtige Einstellung von meinen Mitmusikern. Am Anfang habe ich sehr unter den Besetzungswechseln gelitten, aber mittlerweile habe ich mich daran gew├Âhnt.

Du bist der Musiker, um den herum TIME MACHINE immer aufgebaut war. Wie ist Deine Stellung in der Band - besonders unter dem Gesichtspunkt, da├č Du dank Deiner Firma wahrscheinlich am meisten Ahnung vom Business hast?

Da hat jeder andere mehr zu sagen als ich. Mir reicht es, da├č ich mich bei LUCRETIA mit solchen Sachen herum├Ąrgern mu├č. Bislang hatte sich haupts├Ąchlich unser Drummer Nick Rosetti um Managementangelegenheiten gek├╝mmert. Allerdings ist er nicht mehr in der Band, was einer der Gr├╝nde f├╝r die oben erw├Ąhnten Schwierigkeiten war. Ich bin froh, da├č das Management nun von INTROMENTAL ├╝bernommen wird.

Joe Taccone ist der einzige Musiker, der es fast seit den Anfangstagen mit Dir ausgehalten hat. Hat er eine besondere Strategie?

Nein und abgesehen davon ist Joe gerade ausgestiegen. Er ist gerade Vater geworden und hat einen neuen Job angenommen, so da├č er alles nicht mehr unter einen Hut bekommen hat. Daher hat er sich eine Auszeit erbeten, aber es ist sehr wahrscheinlich, da├č er demn├Ąchst zur├╝ckkehren wird. Joe und ich waren schon immer sehr gute Freunde.


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Andreas ehemaliger MOON OF STEEL-Kollege Giuseppe Taccone schlie├čt sich genauer gesagt im Dezember 1993 TIME MACHINE an. Als fester Keyboarder wird Mirko Criscioni vorgestellt und Fabio Brigliadoro ist ab sofort f├╝r die Schlagarbeit zust├Ąndig. Der Mikrost├Ąnder wird zun├Ąchst vom ehemaligen ROYAL AIR FORCE-Vokalisten Marco Signorini ├╝bernommen, der aber umgehend von Jonathan Lavino ersetzt wird. Dieser hat jedoch genauso wenig Gl├╝ck wie sein Vorg├Ąnger: Er wird zwar auf der n├Ąchsten CD ┬╗Dungeons Of The Vatican┬ź in der Besetzungsliste gef├╝hrt, singt f├╝r TIME MACHINE jedoch keinen einzigen Ton ein. Der Grund daf├╝r ist einfach, denn ┬╗Dungeons Of The Vatican┬ź erscheint 1994 als kleines Zwischenschmankerl f├╝r Japan: Die EP enth├Ąlt zwei Songs der Vorg├Ąnger-CD und lediglich in Form des instrumentalen Titelst├╝cks gibt es eine unver├Âffentlichte Nummer, die jedoch ebenso auf der n├Ąchsten Platte erscheinen wird. Ergo: Kein Job f├╝r einen S├Ąnger.

Warum gab es von der ┬╗Dungeons Of The Vatican┬ź-EP nur 500 Exemplare?

Die Japaner wollten eine streng limitierte Auflage haben und diesem Wunsch haben wir entsprochen. Von ihnen kamen des├Âfteren sehr spezifische W├╝nsche: So wollten sie auch f├╝r die Wiederver├Âffentlichung von ┬╗Project: Time Scanning┬ź, da├č wir die beiden Songs ÔÇ║Dungeons Of The VaticanÔÇ╣ und ÔÇ║FearÔÇ╣ von ┬╗Act II: Galileo┬ź zu einem einzigen kombinieren. Das Resultat ist ÔÇ║A NightmareÔÇ╣, das auf diesem Re-Release als Bonus zu finden ist.


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Besser erwischt es da der singende Nachfolger Folco Orlandini, der die erste Full Length-Scheibe von TIME MACHINE einsingt, mit der man sich dem Leben und Wirken von Galileo Galilei widmet. Auf ┬╗Act II: Galileo┬ź ist deutlich zu sp├╝ren, da├č nun eine "richtige" Band am Werk ist (die zwischenzeitlich in Antonio Rotta einen neuen Drummer gefunden hat): Die '95er Platte (die LUCRETIA an das italienische Label SPELL RECORDS lizensiert) wirkt in sich geschlossen, pr├Ąsentiert hervorragenden progressiven Power Metal und erlebt in ÔÇ║StargazerÔÇ╣ ein echtes Glanzlicht.

Warum habt Ihr ┬╗Act II: Galileo┬ź an SPELL RECORDS, ein Unterlabel der italienischen Firma DIG IT INTERNATIONAL, lizenziert?

Die Firma fungierte damals als Vertrieb f├╝r viele ausl├Ąndische Firmen und auch f├╝r LUCRETIA. Wir dachten, es sei eine gute Idee, die Platte an SPELL zu lizenzieren. Es stellte sich allerdings schnell heraus, da├č es keine gute Idee war, so da├č wir froh waren, als der Vertrag ausgelaufen war. Mittlerweile existiert DIG IT INTERNATIONAL nicht mehr.

Woher r├╝hrte die Faszination f├╝r historische Themen? Sie tauchten schon bei den ersten beiden EPs auf und werden auf ┬╗Act II: Galileo┬ź nat├╝rlich intensiviert.

Jeder spricht von den Dingen, die er mag. Und ich habe mich schon immer sehr f├╝r Geschichte und spirituelle Dinge interessiert. Ich kann einfach nicht ├╝ber Liebe und Drachen schreiben... Es war klar, da├č ich mich eher Themen der italienischen oder europ├Ąischen Geschichte gewidmet habe, da sie f├╝r mich n├Ąher liegen, als Themen aus der amerikanischen Geschichte.

Bis zur n├Ąchsten Platte vergehen mehr als drei Jahre, in der TIME MACHINE nicht gerade durch blinde Aktionswut auf sich aufmerksam machen, sondern ihre Fans mit kleinen H├Ąppchen bei Laune halten.

Ihr hattet Eure CDs zumeist mit einem sehr aufwendigen Artwork ausgestattet. Eher ungew├Âhnlich f├╝r eine kleinere Band, oder?

Ich mu├č sagen, da├č es mich immer entt├Ąuscht, wenn ich eine gute Platte h├Âre, aber das zugeh├Ârige Booklet f├Ąllt nur armselig aus. Auf mich wirkt das immer so, als h├Ątte die Band nur die H├Ąlfte ihrer Arbeit anst├Ąndig gemacht. Wir wollten immer die Wirkung unserer Musik mit Hilfe des Artworks unterst├╝tzen.

Au├čerdem gab es von Anfang an viele spezielle Pressungen oder Limited Editions Eurer Releases und oft habt Ihr nur EPs ver├Âffentlicht. Wollt Ihr Eure Fans ausnehmen wie die Weihnachtsg├Ąnse?

Meist haben wir diese Dinge ver├Âffentlicht, weil sie von uns verlangt wurden. So wollte beispielsweise unser Label in Japan die Urversion der ┬╗Dungeons Of The Vatican┬ź-EP. Also haben wir sie gemacht. Die beiden Singles ┬╗Secret Oceans Part 1 & 2┬ź waren f├╝r die italienischen Radiostationen bestimmt, die es damals wie Sand am Meer gab, heute aber leider nicht mehr existieren. Seit der neuen Platte arbeiten wir in Italien mit UNDERGROUND SYMPHONY zusammen und sie wollten vorab eine CD-EP, so da├č wir ┬╗Aliger Daemon┬ź zusammengestellt haben. Wir haben all' diesen W├╝nschen gerne entsprochen, da wir ohnehin eine Menge unver├Âffentlichtes Material hatten. Und warum sollten wir jemand einen Korb geben, wenn er unsere Songs ver├Âffentlichen wollten? Da die alten EPs meist nur in begrenzten St├╝ckzahlen ver├Âffentlicht wurden, haben wir diese irgendwann mit Bonusmaterial versehen re-releast.
Es ging uns nie darum, die Fans auszunehmen! Schlie├člich hat jeder die Wahl, ob er die Wiederver├Âffentlichungen kaufen m├Âchte oder nicht. Wir haben immer im Vorfeld schon genau erkl├Ąrt, was auf der CD zu h├Âren sein wird, so da├č jeder entscheiden kann, ob sich das Teil f├╝r ihn lohnt. F├╝r Sammler ist es eine feine Sache, diese unterschiedlichen Pressungen zu kaufen. Wer aber alle speziellen Songs auf einen Schlag haben wollte, kann die ┬╗Hidden Secrets┬ź-Doppel-CD kaufen, auf der sie geb├╝ndelt zum Preis einer Einzel-CD erh├Ąltlich sind.

Nach Ver├Âffentlichung von ┬╗Hidden Secrets┬ź sollte jetzt aber endg├╝ltig das gesamte TIME MACHINE-Extramaterial verheizt sein, oder ist es nur eine Frage der Zeit sein, bis ┬╗Hidden Secrets┬ź 2 bis 7 erscheinen?

Im Gegenteil: Wir haben immer noch eine Menge Liveaufnahmen, unver├Âffentlichte Studiotracks sowie Demos, die wir verwenden k├Ânnen.


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Da Lorenzo nachwievor die tonangebende Figur bei TIME MACHINE ist, sich aber dank seines Labels nicht ├╝ber Langeweile zu beschweren braucht, ├╝berbr├╝ckt er diese Phase geschickt: ┬╗Shades Of Time┬ź (im aufwendig gestalteten Pappschuber) bietet kaum etwas Neues, sondern Songs, die Galileo ├╝bersehen hatte sowie eine Coverversion von BLACK SABBATHs ÔÇ║Heaven And HellÔÇ╣. Neuerungen gibt es hingegen zuhauf auf der Soldliste: Ex-SABOTAGE-S├Ąnger Morby darf nun bei TIME MACHINE das Mikro bei Laune halten, Nicola Rossetti wird auf die Felle losgelassen und in Stefano Della Giustina verpflichtet man einen Tenorsaxophonisten.

Auf ┬╗Shades Of Time┬ź sang Morby bei TIME MACHINE, der heute bei DOMINE ist. Wie habt Ihr ihn ausgegraben?

Morby sang nach SABOTAGE bei einer Band namens LA ROX, die Street/Glam-Musik machten. Damals hatte er schon mehrfach mit DOMINE geprobt und wir waren auf der Suche nach einem S├Ąnger, der unseren Sound ein wenig heavier gestalten k├Ânnte. Ein Freund besorgte uns seine Telephonnummer und wir wurden uns mit Morby schnell einig.
Wir waren damals noch an SPELL RECORDS gebunden und mu├čten laut Vertrag eine weitere Platte machen. Daher nahmen wir ┬╗Shades Of Time┬ź im April 1997 auf und nutzten die Chance, mit einem neuen S├Ąnger und einem neuen Drummer eine leichte stilistische ├änderung vorzunehmen. SPELL lehnten jedoch den Gesang von Morby ab und so kamen wir relativ einfach aus dem Vertrag heraus. Folglich erschien ┬╗Shades Of Time┬ź erneut via LUCRETIA.

Warum war er nur bei ┬╗Shades Of Time┬ź f├╝r Euch aktiv?

Letztendlich war er etwa ein Jahr bei uns, aber in dieser Zeit stand nur dieser eine Studiotermin an. Wir spielten aber einige Liveshows mit ihm und Morby sang bei unserem Auftritt beim '97er "Gods Of Metal"-Festival mit MANOWAR.

Null News bietet hingegen der n├Ąchste Silberling: ┬╗Project: Time Scanning┬ź wird neu aufgelegt und vereint die urspr├╝nglichen Songs mit einer Instrumentalversion des "Time Scanning"-Tracks ÔÇ║753 A.C., Ab Urbe ConditaÔÇ╣ und einer sogenannten "Gothic Edit Version" des Songs ÔÇ║A NightmareÔÇ╣. Dabei handelt es sich lediglich um eine Verbindung der beiden Songs ÔÇ║Dungeons Of The VaticanÔÇ╣ und ÔÇ║FearÔÇ╣ von ┬╗Act II: Galileo┬ź. Doch stop: Optisch gibt es mit dem leicht variierten Cover eine kleine Ver├Ąnderung.


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In der Zwischenzeit haben TIME MACHINE mehr als 30 Minuten neukomponierten Materials ├╝ber Bord geworfen und die bereits fertiggestellten B├Ąnder gel├Âscht, da man sich zu einem Stilwechsel entschlossen hat. Daher wird die Wartezeit bis zur n├Ąchsten Full-Length noch l├Ąnger. Man kommt nur langsam wieder in die G├Ąnge und recycelt auf den nachfolgenden Maxis ┬╗Secret Oceans - Part 1┬ź und - welch' ├ťberraschung - ┬╗Secret Oceans - Part 2┬ź alte St├╝cke und k├╝ndigt zugleich mit je einem neuen Track das zweite komplette Album von TIME MACHINE an, das den Titel ┬╗Eternity Ends┬ź tragen wird. Besonderes Gimmick der beiden CDs: Den neuen Track ÔÇ║I Believe AgainÔÇ╣ (auf "Part 2" zu finden) singt Andre Matos von ANGRA ein.

Ein extremer Schritt, bereits aufgenommenes Material einfach mit der Delete-Taste zu liebkosen!

Nach dem "Gods Of Metal"-Festival f├╝hlte ich mich einfach nicht mehr wohl mit unserer Gangart; es nervte mich, da├č bei den Konzerten die meisten Leute nur darauf warteten, da├č wir Fehler spielen. Damals lag ein gro├čer Erwartungsdruck auf uns, denn es existierten zu diesem Zeitpunkt nur wenige Bands in Italien: Neben TIME MACHINE gab es noch ELDRITCH und LABYRINTH hatten gerade ihre erste EP fertiggestellt. Das Debut von RHAPSODY erschien beispielsweise erst Ende 1997, durch das der eigentliche Startschu├č f├╝r die italienische Szene gegeben wurde.
Um es genau zu sagen, wollte ich damals die Band aufl├Âsen, weil mir vieles im Business und mit der Band gegen den Strich ging. Au├čerdem hatte ich damals pers├Ânliche Probleme. Doch Joe und Nick bestanden darauf, da├č wir weitermachen, so da├č wir die Pre-Production f├╝r ┬╗Eternity Ends┬ź begannen.

Wen w├╝rde es wundern, da├č zu diesem Zeitpunkt bei der Rotation der Personalkarussels erneut einige Musiker das Gleichgewicht verlieren: Mit Ivan Oggioni macht sich ein weiteres Gr├╝ndungsmitglied aus dem Staub und dank der Neuverpflichtung von Nick Fortarezza bleiben TIME MACHINE ihrem Motto "neue Platte - neuer S├Ąnger" treu. Dies alles geht mit dem geplanten Stilwechsel einher, der TIME MACHINE n├Ąher an den normalen Metal r├╝ckt, aber zugleich bewirkt, da├č ┬╗Eternity Ends┬ź deutlich profilloser als seine Vorg├Ąnger klingt.

Lag die stilistische Ver├Ąnderung bei ┬╗Eternity Ends┬ź ausschlie├člich in den oben erw├Ąhnten Problemen begr├╝ndet? Die Platte war straighter und konnte nicht mehr diese geheimnisvolle Atmosph├Ąre aufweisen.

Es war eine Kombination von verschiedenen Dingen: Es hing mit diesen Problemen zusammen, aber wir hatten auch neue Musiker in der Band, die andere Einfl├╝sse mitbrachten. Da sie sehr kompetente Musiker waren, wollten wir ihre Ideen ebenso ber├╝cksichtigen. Das sollte eigentlich verdeutlichen, da├č ich kein Diktator bin, wie mir schon oft vorgeworfen wurde. Jeder TIME MACHINE-Musiker hat die M├Âglichkeit, sich einzubringen und hat beim Songwriting das gleiche Recht wie ich.
┬╗Eternity Ends┬ź bedeutete eine gute Ver├Ąnderung f├╝r uns als Musiker: Die Platte enthielt einige ziemlich verr├╝ckte Elemente und es gab Einfl├╝sse, die typisch f├╝r den Mittelmeerraum sind. Daher hatte ┬╗Eternity Ends┬ź einen gewissen Fusion-Charakter und ├Âffnete unseren Blick f├╝r neue Dinge. Ich bin stolz auf ┬╗Eternity Ends┬ź, denn wir sind nicht den sicheren Weg gegangen. Dennoch bin ich r├╝ckblickend nicht mehr zufrieden mit der Struktur der Songs auf ┬╗Eternity Ends┬ź, dem Gesang und mit der Produktion.

Ihr hattet von ┬╗Shades Of Time┬ź bis ┬╗Eternity Ends┬ź einen Saxophonspieler in der Band. Nicht gerade das typische Metalinstrument, oder?

Stefano Della Giustina ist ein begnadeter Musiker. Er liest Musikpartituren wie wir Comics. Wir wollten unseren Stil etwas mehr in die jazzige, funkige Richtung drehen und daf├╝r war er der perfekte Musiker. Er hat es immer verstanden, sein Instrument hervorragend in den Dienst der Songs zu stellen. Ich war besonders fasziniert von seinem Spiel bei ÔÇ║Silent RevolutionÔÇ╣ auf ┬╗Shades Of Time┬ź: Es erinnerte mich ein wenig an die Art wie PINK FLOYD ein Saxophon einsetzen

Dennoch signalisiertet Ihr keine Abwendung vom alten TIME MACHINE-Stil, denn die beiden Maxis, die Ihr vor beziehungsweise nach ┬╗Eternity Ends┬ź ver├Âffentlicht habt, enthielten sowohl alte als auch neue Songs.

Wir werden niemals etwas leugnen, was wir getan haben. Wir haben unseren eigenen Stil. Wenn wir Songs komponieren, haben sie immer ein gewisses TIME MACHINE-Feeling. Aber es war immer unser Anliegen, diesen Stil mit m├Âglichst vielen unterschiedlichen Elementen zu bereichern, weil wir uns nicht wiederholen wollen. Ich glaube, da├č die Latin-Einfl├╝sse bei ┬╗Eternity Ends┬ź durch Andre Matos von ANGRA beg├╝nstigt wurden: Er sang ÔÇ║I Believe AgainÔÇ╣ und hat uns sehr beeindruckt. Wir spielten damals eine Akustikshow zusammen mit ihm, genauer gesagt waren es einige der TIME MACHINE-Musiker und zwei Jungs von ANGRA, die zusammenspielten. Auf ┬╗Hidden Secrets┬ź sind einige Songs von diesem Live-Experiment zu h├Âren.

Warum fiel Eure Wahl damals auf Andre?

Ich hatte schon immer eine sehr gute Beziehung zu Andre. Er ist einer meiner besten Freunde und er war mein Trauzeuge bei meiner Hochzeit. Abgesehen davon ist er nat├╝rlich ein gro├čartiger S├Ąnger und ein noch viel besserer Komponist.


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Bei TIME MACHINE ist mal wieder eine Pause angesagt - genauer gesagt eine "Babypause": Mehrere der Musiker erleben Vaterfreuden, so da├č die Band zugunsten des Babysittings zun├Ąchst mal zur General├╝berholung in den Hangar geschoben wird. Gute Gelegenheit mit der Doppel-CD ┬╗Hidden Secrets┬ź einen R├╝ckblick auf ein paar TIME MACHINE-Schmankerl zu wagen: Von unver├Âffentlichten Songs und Studioversionen ├╝ber Liveaufnahmen bis zu remasterten St├╝cken gibt's einen Schnelldurchlauf der Bandgeschichte. Doch damit nicht genug, denn schon zuvor hat man ┬╗Project: Time Scanning┬ź zum zweiten und ┬╗Shades Of Time┬ź zum ersten Mal wiederver├Âffentlicht - beide nat├╝rlich remastered und mit neuem Artwork versehen.

In dieser Zeit waren bei TIME MACHINE eine Menge Leerlauf zu verzeichnen.

Exakt. Nach ┬╗Shades Of Time┬ź hatte ich einige Monate lang eine Auszeit genommen, bevor wir ┬╗Eternity Ends┬ź in Angriff nahmen. Nun war es Zeit f├╝r eine weitere Pause, weil Nachwuchs ins Haus stand: Ich hatte den Anfang gemacht und mein Sohn ist jetzt zweieinhalb Jahre alt. Dann zog Joe nach... Es war eine unglaubliche Zeit: Alle paar Wochen fand eine Hochzeit statt...

Doch Lorenzo will die TIME MASCHINE'sche Auszeit nicht ungenutzt verstreichen lassen und widmet sich einem neuen Projekt: Mit KHALI ver├Âffentlicht er im Fr├╝hjahr 2000 eine exzellente Scheibe, die mit einer gelungenen Mischung aus Progressive, Epic und True Metal gl├Ąnzt. Dabei unterst├╝tzen ihn seine TIME MACHINE-Kollegen Rossetti und Taccone (der sich schon seit einigen Jahren lieber "Joe" als "Giuseppe" rufen l├Ą├čt). In Folco Orlandini wird ein ehemaliger Passagier der TIME MACHINE wiederbelebt, der bekanntlich ┬╗Act II: Galileo┬ź eingesungen hatte und in der Zwischenzeit deutliche Fortschritte mit seiner Band MESMERIZE gemacht hat und bei Truppen wie SKYLARK oder WHITE SKULL mitgewirkt hatte.

Was waren die Gr├╝nde, statt TIME MACHINE in Form von KHALI ein Seitenprojekt zu starten?

Wir wollten eine Platte machen und frei von dem Erwartungsdruck sein, der auf TIME MACHINE lastet. Folglich hatten wir auch musikalisch freie Hand und mu├čten nicht unbedingt Progressive Metal machen. Es war alles sehr relaxt, als wir das KHALI-Album gemacht haben und man h├Ârt dem Album an, da├č wir uns dabei keine Gedanken um eine Zielgruppe oder m├Âgliche Verkaufszahlen machten. Die Musik ist sehr viel leichter und mehr US-orientiert.

Warum kam Folco, der schon ┬╗Act II: Galileo┬ź eingesungen hatte, f├╝r KHALI zur├╝ck?

Er mu├čte TIME MACHINE damals verlassen, da seine eigene Band MESMERIZE an ihrem Debutalbum arbeitete. Doch wir haben uns im Guten getrennt und sind auch heute noch sehr gute Freunde. Ich hatte ihm schon damals angeboten, da├č er jederzeit zur├╝ckkommen k├Ânne und KHALI war folglich die perfekte M├Âglichkeit, wieder zusammenzuarbeiten. Er ist immer noch mein Lieblings-TIME MACHINE-S├Ąnger und sein Gesang ber├╝hrt mich sehr tief. Unsere Zusammenarbeit war immer sehr intuitiv. Er wu├čte immer ohne gro├čartige Erkl├Ąrungen, wie er singen mu├č.

Im Info zum KHALI-Album war zu lesen, da├č der Nachfolger schon in Arbeit sei. Dieser ist jedoch noch nicht erschienen.

Wir mu├čten die Arbeiten f├╝r das zweite KHALI-Album wegen der neuen TIME MACHINE-Platte unterbrechen. Ein Teil des neuen KHALI-Materials ist fertiggestellt und sogar schon aufgenommen. Allerdings hat Folco nun mit MESMERIZE ein neues Album gemacht und au├čerdem renoviert er gerade sein Haus, so da├č er momentan keine Zeit hat. Ich hoffe, da├č wir bald mit KHALI weitermachen k├Ânnen.


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Lorenzo und Joe konzentrieren sich zun├Ąchst wieder auf TIME MACHINE, deren Line-up sie mit den Musikern Pino Tozzi (v), Gianluca Ferro (g), Claudio Riotti (d) runderneuern m├╝ssen. W├Ąhrend man das dritte Full Length-Studioalbum fertigstellt, wird die EP ┬╗Aliger Daemon┬ź als Appetizer serviert.

Letztendlich h├Ąttet Ihr die TIME MACHINE-Pause nicht unbedingt einlegen m├╝ssen, denn au├čer Joe und Dir sind auf ┬╗Evil┬ź ausschlie├člich neue Musiker zu h├Âren.

Ja, aber das konnten wir zu diesem Zeitpunkt nat├╝rlich nicht ahnen. Au├čerdem bekam unser Drummer Nick 1999 Probleme mit seinem Arm und mu├čte operiert werden. Nachdem er das alles ├╝berstanden hatte, begann er wieder zu spielen, doch urpl├Âtzlich entschlo├č er sich im Lauf des Jahre 2000, sich komplett von der Musik zur├╝ckzuziehen. Das war der Zeitpunkt als wir ohne Manager dastanden und die ganzen Probleme begannen, die ich zuvor ausgef├╝hrt habe. Unterm Strich haben wir auch daf├╝r eine L├Âsung gefunden: Unser neuer Gitarrist Gianluca Ferro ├╝bernimmt jetzt sehr viele organisatorische Aufgaben und k├╝mmert sich auch ums Booking. Somit hat TIME MACHINE einen Vorteil von KHALI gehabt, denn Gianluca hat bei KHALI mitgespielt.

Wieso seid Ihr f├╝r die neue Platte ┬╗Evil┬ź zu Eurem alten, sehr mystisch angehauchten Stil zur├╝ckgekehrt?

Haupts├Ąchlich wegen des Konzepts der Platte, zu dem ein solcher Klangcharakter sehr gut pa├čt. Ich hatte das Buch "Cherudek" von Valerio Evangelisti gelesen, das mich v├Âllig in seinen Bann gezogen hat, so da├č ich beschlo├č, ein Konzeptalbum zu machen, das der Geschichte des Buches folgt und die gleiche Atmosph├Ąre verbreitet. Die Entstehungsgeschichte von ┬╗Evil┬ź ist ohnehin ein Novum in der History von TIME MACHINE: Ich habe die Songs nahezu allein geschrieben und habe die Demos f├╝r das Album selbst fertiggestellt. Daher war ich frei, die Songs so zu schreiben, wie sie mir vorschwebten. Wir haben die Songs nie zusammen als Band geprobt, sondern alles wurde in verschiedenen Studios oder bei den entsprechenden Musikern zu Hause eingespielt und die ganzen Tapes wurden erst am Ende zusammengebaut.

Erz├Ąhl' doch ein wenig mehr ├╝ber das Konzept von ┬╗Evil┬ź.

Auf den ersten Blick erscheint es wie eine Geschichte ├╝ber den Kampf zwischen Gut und B├Âse. Die eigentliche Aussage ist jedoch, da├č man sich nie sicher sein kann, ob etwas gut oder b├Âse ist. Wir m├╝ssen lernen, da├č sich das B├Âse im Guten verstecken kann und umgekehrt. Es gibt daf├╝r in der Geschichte unz├Ąhlige Beispiele - ich m├Âchte an dieser Stelle nur das Stichwort "Inquisition" anf├╝hren oder an die Zwiesp├Ąltigkeit der modernen Marktwirtschaft erinnern. So geht es auch der Hauptfigur des Buches, die uns durch das Konzept der drei TIME MACHINE-CDs f├╝hren wird, die mit ┬╗Evil┬ź begonnen hat: Sie strebt nach dem Guten, aber auf dem Weg dorthin macht sie auch schlechte Dinge. Das Buch ist sehr verwirrend und ich mu├čte es dreimal lesen, bis ich es wirklich verstanden habe.

Hast Du den Autor des Buches pers├Ânlich kennengelernt?

Valerio Evangelisti ist in Italien sehr ber├╝hmt und seine B├╝cher wurden in elf Sprachen ├╝bersetzt. Ich hatte lediglich die M├Âglichkeit, einige Male am Telephon mit ihm zu sprechen. Aber es war gro├čartig, da├č er ein kurzes Geleitwort geschrieben hat, das wir in der CD abdrucken konnten. Das war eine Ehre f├╝r uns!

Die Geschichte hat mich ein wenig an eine umgekehrte Version der Folge "Computerd├Ąmon" aus der Serie "Buffy - Im Bann der D├Ąmonen" erinnert. Dort wird ein uralter D├Ąmon entfesselt, der ins Internet gelangt, und in der Folge wird versucht, den D├Ąmon wieder unsch├Ądlich zu machen. Bei Euch wird hingegen ein Inquisitor wiederbelebt, um das B├Âse zu bek├Ąmpfen.

Es mag sein, da├č es Parallelen gibt, aber es gab mit Sicherheit keine direkte Beeinflussung, denn ich habe von "Buffy - Im Bann der D├Ąmonen" nur sehr wenig gesehen. Ich war immer eher ein Fan der fr├╝hen "Akte X"-Folgen.

Du sprichst viel ├╝ber Gut und B├Âse und besch├Ąftigst Dich h├Ąufig mit diesem Thema. Bist Du ein gl├Ąubiger Mensch?

Ich wei├č es nicht. Ich m├Âchte nicht ausschlie├čen, da├č es einen Gott oder eine g├Âttliche Macht gibt. Ich glaube daran, da├č Jesus Christus wirklich gelebt hat und da├č er ein besonderer Mensch war - genauso wie es Buddha war. Aber ich glaube mit Sicherheit nicht an die r├Âmisch-katholische Kirche. Ich wei├č, da├č Zeichen existieren, die auf die Existenz Gottes hindeuten, aber es gibt keine Beweise. Aber brauchen wir wirklich Beweise? Vielleicht gibt es ja Beweise und wir sind nur zu blind, sie zu erkennen. Es kann ja sein wie mit einer Fremdsprache, die Du nicht kennst: Du kannst die Buchstaben lesen, aber den Sinn nicht erfassen. Was meinen Glauben betrifft, bin ich immer noch auf der Suche. Ich bin jedoch davon ├╝berzeugt, da├č man als normaldenkender Mensch Zweifel haben mu├č; schlie├člich hat sogar Jesus gezweifelt.

Macht es eigentlich Sinn, ein Konzept ├╝ber drei Alben zu ersinnen, wenn es doch vorprogrammiert ist, da├č sich das TIME MACHINE-Line-up in dieser Zeit mehrmals ├Ąndern wird. Daher kann die Konstanz, die f├╝r ein Konzept n├Âtig ist, eigentlich nicht gew├Ąhrleistet werden.

Glaubst Du, da├č Mozart oder Korsakow, als sie ihre wundersch├Ânen Symphonien geschrieben haben, an die Musiker gedacht haben, die ihre Musik sp├Ąter spielen werden? Ich m├Âchte mich nicht mit diesen Genies vergleichen, aber ich werde die komplette Musik f├╝r diese drei CDs schreiben. Dennoch werden die anderen Musiker ihren Teil beisteuern, aber die generelle Richtung werde ich bestimmen. Abgesehen davon war es nie beabsichtigt, da├č alle drei Alben gleich klingen. Ich kann jetzt schon sagen, da├č der zweite Teil wahrscheinlich etwas progressiver und nicht mehr so symphonisch ausfallen wird. Zudem besteht die M├Âglichkeit, da├č wir schon bei der zweiten oder sp├Ątestens bei der dritten Episode mit mehreren Gasts├Ąngern arbeiten werden, wie das beispielsweise der Fall war bei Tobias Sammets AVANTASIA-Projekt oder bei dem ┬╗Leonardo - The Absolute Man"-Projekt, welches mich ehrlich gesagt ein wenig an ┬╗Act II: Galileo┬ź erinnert. Sicher ist jedoch, da├č wir einen neuen S├Ąnger haben werden, denn Pino Tozzi, der ┬╗Evil┬ź eingesungen hat, ist nicht mehr bei uns. Sein Nachfolger hei├čt Omar Zoncada.

Deine Firma LUCRETIA hat mittlerweile eine Co-Operation mit dem italienischen Indielabel UNDERGROUND SYMPHONY und der d├Ąnischen Management-Company INTROMENTAL. Wie kam das zustande?

Es begann mit einem Telephonat mit UNDERGROUND SYMPHONY: Ich schrieb zu diesem Zeitpunkt gerade das Material f├╝r ┬╗Evil┬ź und die Jungs von UNDERGROUND SYMPHONY bekundeten Interesse, das Album zu ver├Âffentlichen. Wir kamen ├╝berein, da├č sie ab sofort alle LUCRETIA-Produkte auch ├╝ber ihre Schiene anbieten werden. INTROMENTAL kamen schlie├člich als unser Management ins Spiel und sie werden in Zukunft weitere Aufgaben ├╝bernehmen. Wir kannten die Jungs von INTROMENTAL bereits durch Bands wie SINPHONIA oder TWILIGHT, die sie ebenfalls managen, und die bei LUCRETIA erschienen. Ich bin mit der derzeitigen Konstellation sehr zufrieden.

Was sind die n├Ąchsten Releases, die wir von TIME MACHINE erwarten k├Ânnen?

Zun├Ąchst einmal wird die Vinylversion von ┬╗Evil┬ź erscheinen. Dann sieht es so aus, da├č ┬╗Act II: Galileo┬ź neu ver├Âffentlicht wird und zwar in der Version als Doppel-CD, die wir fr├╝her schon einmal geplant hatten: Es wird neben der eigentlichen CD eine zus├Ątzliche Scheibe namens ┬╗Live Heresy┬ź geben, die Livematerial und Mitschnitte von einer Akustikshow aus jenen Tagen erh├Ąlt. Die Doppel-CD wird erneut zum Preis einer Einzel-CD angeboten werden. Eigentlich sollte ┬╗Act II: Galileo┬ź urspr├╝nglich schon so erscheinen, aber wie ich schon sagte, hatten wir gewisse Probleme mit SPELL RECORDS und wir mu├čten lange darum k├Ąmpfen, alle Rechte zur├╝ckzubekommen.

Wie stehen eigentlich die Chancen, TIME MACHINE endlich mal live diesseits der Alpen zu sehen?

Ich mu├č Dir ehrlich sagen, da├č die Chancen f├╝r Konzerte gering sind, da wir in Deutschland derzeit keine Plattenfirma haben. Vielleicht werden wir es mal schaffen, in M├╝nchen zu spielen, aber es sieht wohl eher danach aus, da├č Ihr ├╝ber die Alpen kommen m├╝├čt, um TIME MACHINE live zu sehen.

Also sattelt die Elefanten und zieht gen Italien. Das beste Reisegep├Ąck ist die komplette TIME MACHINE-Discographie, die Ihr ├╝ber die LUCRETIA-Homepage beziehen k├Ânnt:

Den Neuling ┬╗Evil┬ź erhalten Ihr ebenfalls f├╝r 15,50 Euro bei

HELLION RECORDS
Sandberg 13
25524 Itzehoe

Wer sich in Sachen TIME MACHINE immer noch nicht rundum informiert f├╝hlt, kann auf der Homepage der Band nach versteckten Informationen graben:

http://www.metalhunter.com/timemachine

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Stefan Glas

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┬ę 1989-2020 Underground Empire


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