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Mit drei kontinuierlich starken Demover├Âffentlichungen vermochten LU­NAR PATH schwerstens zu begeistern, die darauf ihren melodisch-epischen und vollkommen unkitschigen Metal zu perfektionieren zu verstanden. Mittlerweile arbeitet die Band an ihrem ersten Album, so da├č wir uns mal wieder zu einem Besuch bei den Finnen ank├╝ndigten. S├Ąngerin Janica L├Ânn und Hauptkomponist Jonas Eriksson ├Âffneten die T├╝r.

LUNAR PATH-Bandphoto 1

Bis dato hat bei Euch ja alles wie am Schn├╝rchen geklappt: 2006 gegr├╝ndet, in den nachfolgenden Jahren habt Ihr jeweils eine Demo-CD oder eine EP aufgenommen, und momentan steckt Ihr mitten in der Vorproduktion f├╝r Euer erstes Album, das im Herbst diesen Jahres erscheinen soll. Wie lautet Euer Geheimrezept, und was sollten wir sonst noch ├╝ber Eure Bandgeschichte wissen?

Jonas: Im R├╝ckblick erscheint unserer bisheriger Weg keinesfalls einfach f├╝r uns - besonders w├Ąhrend der Anfangszeit! Wir mu├čten eine Menge interne und externe Probleme ausfechten, und zugleich versuchten etliche Zeitgenossen, uns mit leeren Versprechen und wertlosen Vertr├Ągen ├╝bers Ohr zu hauen. Es war eine sehr turbulente Zeit f├╝r die Band, und es erstaunt mich immer noch, da├č wir durchgehalten haben. Was dich nicht umbringt, macht dich st├Ąrker, was?
Aber ich verstehe durchaus, warum von au├čen betrachtet alles so einfach abgelaufen und uns alles f├Ârmlich in den Scho├č gefallen zu sein scheint. In Wirklichkeit hatte es nur sehr wenig mit Gl├╝ck zu tun, sondern es basiert alles auf harter Arbeit - Arbeit, Arbeit und nochmal Arbeit, um die Ziele zu erreichen, die man sich gesteckt hat.

Janica: Wir sind alle vielleicht in gewisser Weise ein wenig introvertiert, da alle unsere engen Freunde in der Band spielen oder in irgendeiner Form f├╝r die Band arbeiten, so da├č wir unser Privatleben oder unsere Arbeit kaum nach au├čen tragen. Das ist vermutlich ein weiterer Grund, warum alles von au├čen betrachtet so einfach aussieht, aber das ist nur die Oberfl├Ąche.

Jonas: Ich bin ziemlich hyperaktiv was musikalische Ideen und Bandangelegenheiten betrifft. Daher arbeite ich oft allein, so da├č es manchmal schwierig f├╝r die anderen Bandmitglieder ist, mit meinem Arbeitstempo mitzuhalten.

Was kann man zum jetzigen Zeitpunkt ├╝ber das kommende Album sagen?

Jonas: Als wir begannen, an unserer letzten EP ┬╗Broken World┬ź zu arbeiten, war unser neuer Drummer Pete gerade erst zu uns gesto├čen, und nach einigen Monaten befanden wir uns schon im Studio. Alles f├╝hlte sich noch ziemlich neu an, wir hatten noch keine Ahnung, ob wir unser komplettes Potential aussch├Âpfen. Au├čerdem waren die Songs schon fertig, als die Trennung von unserem vorhergehenden Drummer Klas stattfand und Pete zu uns kam. Daher waren die Songs eher vorsichtig konzipiert worden, da wir nicht wu├čten, wie fit unser zuk├╝nftiger Drummer sein w├╝rde. Zu komplizierte Songs h├Ątten den m├Âglichen Kandidatenkreis zu sehr eingeschr├Ąnkt, und unsere gr├Â├čte Angst war gewesen, da├č uns das gleiche Schicksal wie bei unseren ehemaligen Bands ereilt h├Ątte, wo wir nach dem Verlust eines Puzzleteilchens einfach keinen geeigneten Ersatz mehr finden konnten, so da├č die Band langsam aber sicher vor die Hunde ging. Doch wir hatten das n├Âtige Gl├╝ck, da├č wir Pete fanden.
Nachdem Pete nun ├╝ber ein Jahr bei uns ist, geht die Arbeit an neuem Material v├Âllig anders und deutlich fl├╝ssiger von der Hand. Pete ist ein gro├čartiger und sehr vielseitiger Drummer, der zudem sehr schnell lernt. Au├čerdem mag er die Herausforderung, mit komplizierten Parts konfrontiert zu werden, so da├č f├╝r mich als Songwriter eine ganze Welt neuer M├Âglichkeiten offensteht und ich mir nicht mehr Gedanken im Stile, "Ist das zu schwer?", "Wird er das spielen k├Ânnen?" oder "Wird es wegen dieses Beats eine halbe Ewigkeit dauern, bis wir den Song einstudiert haben?" machen mu├č. Die Band ist dadurch st├Ąrker geworden. Diese kreativen M├Âglichkeiten, die erlangte Zuversicht kombiniert mit der generellen Stimmung in der Band w├Ąhrend des letzten Jahres hat unsere Vorstellungskraft geradezu entfesselt und mitgeholfen, sehr interessante Songs zu schaffen.
Das Album wird einige sehr d├╝stere Songs, aber auch "traditionelle" LUNAR PATH-St├╝cke enthalten - und alles dazwischen. Unserer Meinung nach haben wir unser bislang bestes Songmaterial geschrieben, das pers├Ânlicher, tiefgr├╝ndiger, abwechslungsreicher, technisch anspruchsvoller, progressiver und origineller denn je ist.

Janica: Au├čerdem sollte man bedenken, da├č wir jetzt ein komplettes Album erschaffen und uns beim Auswahl der Songs nicht so sehr auf die "Hits" konzentrieren m├╝ssen, deren Auswahl in den Augen mancher gelungen ist, w├Ąhrend andere sich ganz andere Songs gew├╝nscht h├Ątten. Wir k├Ânnen uns jetzt mehr auf das generelle Feeling, den musikalischen Flow konzentrieren, so da├č die Platte ein ganzheitliches Erlebnis sein wird und nicht nur ein paar Schnappsch├╝sse pr├Ąsentiert. Wir sind auf jeden Fall sehr begeistert von dem Album, das sich vor uns abzeichnet, und wir k├Ânnen es kaum erwarten, selbiges fertiggestellt zu haben.

Werden auf dem Album Songs von den bisherigen Ver├Âffentlichungen zu finden sein?

Jonas: Als wir das Projekt in Angriff nahmen, war uns schnell klar, da├č wir einen kompletten Neustart hinlegen sollten. Wir hatten zwar mal dr├╝ber nachgedacht, ein paar alte Songs zu recyclen, aber diese Idee wurde ziemlich schnell verworfen. Der Hauptgrund ist dabei die Tatsache, da├č wir zu diesem Zeitpunkt schon 30 unver├Âffentlichte Songs hatten, aus denen wir ausw├Ąhlen konnten, die unserer Meinung nach besser, ausgereifter und origineller waren. Zudem kamen schnell neue Songs hinzu. Da wir sp├╝ren, da├č wir im letzten Jahr deutlich gewachsen sind, sollten einige der ├Ąlteren, unver├Âffentlichten Songs recht bald ├╝berholt klingen. Der Gro├čteil der Songs, die auf dem Album landen werden, wurden in der zweiten Jahresh├Ąlfte 2009 geschrieben, und sie repr├Ąsentieren den derzeitigen Stand der Band einfach am besten.

Janica: Da wir alle unsere Songs als wichtig ansehen, stellt jeder gewisserma├čen eine Zeitkapsel dar, in der man die Band auf einer bestimmten Entwicklungsstufe beobachten kann. Daher f├╝hlt sich der Gedanke an eine Neuaufnahme f├╝r uns so an, als w├╝rden wir alte Familienphotos photoshoppen oder versuchen, die Geschichte umzuschreiben.

Jonas: Zudem werden die alten Songs immer mittels unserer Webseite erh├Ąltlich sein: Wir haben also nicht vor, sie unter den Teppich zu kehren oder sie in den M├╝ll zu werfen. Sicherlich klingt es verlockend, einige Songs in ein besseres Soundgewand zu kleiden, aber letzten Endes klingen doch die meisten Neuaufnahmen - auch die von professionellen Bands - f├╝r den Gro├čteil der Fans einfach falsch. Diejenigen, die einen bestimmten Song besonders m├Âgen, wird eine neue Version kaum interessieren. Irgendein zischendes Ger├Ąusch in einer ruhigen Passage oder der etwas ├╝berholte Schlagzeug- oder Gitarrensound machen oft gerade diese besondere Magie aus, weshalb man an einem Song h├Ąngt und warum er diese besondere Stimmung vermittelt, die wir damit verbinden. Okay, wenn man den Song neu arrangiert oder um neue Elemente bereichert, dann w├╝rde die Sinnhaftigkeit einer solchen Neuaufnahme gewi├č auf einem ganz anderen Blatt stehen.

Janica: Genauer gesagt haben wir einige Songs vom ersten Demo sogar mal teilweise neu aufgenommen: Es handelte sich um ÔÇ║Tell MeÔÇ╣, ÔÇ║You Were HereÔÇ╣ und ÔÇ║WinterÔÇ╣, und sie waren urspr├╝nglich als Bonusmaterial f├╝r die ┬╗Broken World┬ź-EP gedacht. W├Ąhrend der Aufnahmesessions f├╝r die EP hatten wir ein wenig Zeit zur Verf├╝gung, um f├╝r diese drei Songs neue Rhythmusspuren einzuspielen, aber letzten Endes fehlte eben die Zeit, um die Gitarren und vor allem den Gesang nochmal aufzunehmen, so da├č die Idee wieder in der Schublade verschwand. Die ├ťberlegung war damals, die alten Songs mit den neuen, orchestralen Keyboardarragements zu pr├Ąsentieren, die mittlerweile live zum Zuge kommen. Vielleicht werden wir die angefangene Arbeit eines Tages vollenden und die Songs als Bonustracks verwenden. Oder vielleicht auch nicht? Wer wei├č das schon? Die Zeit wird es uns verraten!

Da kann ich Eurer zuvor gestellten These nur zustimmen, denn gerade bei einem durch und durch magischen Song wie ÔÇ║Tell MeÔÇ╣, bei dem wirklich jeder Ton stimmt und dessen Atmosph├Ąre einfach unbeschreiblich ist, k├Ânnte ich mich wohl kaum mit einer neuen Version anfreunden. Doch zur├╝ck zu dem Album: Zeichnet sich denn schon ein Deal f├╝r Euch ab?

Jonas: Sicherlich w├Ąre ein Plattenvertrag f├╝r uns von Interesse, aber im Moment konzentrieren wir uns darauf, einen Vertriebsdeal zu bekommen. Wegen der Wirtschaftskrise ist es momentan ohnehin nahezu unm├Âglich, jemand dazu zu bewegen, Geld und Vertrauen in deine Rock'n'Roll-Tr├Ąume zu investieren, so da├č es in Finnland sehr schwer ist, einen guten Plattenvertrag zu bekommen. Nachdem wir gesehen haben, da├č viele Freunde und Kollegen mehr oder minder ├╝bers Ohr gehauen und dann wie eine hei├če Kartoffel fallengelassen wurden, weil sie sich auf Deals eingelassen hatten, die - vorsichtig gesagt - v├Âllig schei├če waren, sind wir desillusioniert, was den Affenzirkus Plattenfirmenbusiness betrifft. Nachdem wir uns bis dato auf eigene Faust ganz amtlich durchgeschlagen und so einiges erreicht haben, warum sollten wir nicht auch in Zukunft auf einen Mittelsmann verzichten und nach unserem Schema weitermachen? Ja, wir m├╝ssen diesbez├╝glich noch dazulernen und uns verbessern, aber Dinge, die man sich selbst erarbeitet hat, vergi├čt man niemals und kann sie jederzeit wieder anwenden. Zu hoffen, alles auf einem Silbertablett serviert zu bekommen und zugleich noch einen goldenen L├Âffel in den Arsch geschoben zu bekommen, w├Ąre so, als w├╝rde man ein Haus auf Sand bauen und zu hoffen, da├č es stehenbleiben wird.
Was ich damit sagen m├Âchte ist folgendes: H├Ątten wir von Anfang an solche Dinge wie eine Plattenfirma, Produzenten, bezahlte Studios, professionelle Photographen und Webdesigner zur Verf├╝gung gehabt, dann w├Ąren wir sicherlich schneller und einfacher an den Punkt gekommen, an dem wir uns jetzt befinden, doch wir w├Ąren auch deutlich unsicherer und abh├Ąngiger von diesen M├Âglichkeiten. Macheiner wird vielleicht sagen, da├č wir doch immer noch unsere Musik h├Ątten, auf die wir unsere Zeit und Energie konzentrieren k├Ânnten, aber andererseits w├╝rden wir dann nicht mehr die F├Ąden in der Hand halten. Wenn dabei vielleicht sogar der schlimmste Fall eingetreten w├Ąre und wir uns f├╝r einen falschen oder armseligen Produzent, Manager oder Label entschieden h├Ątten, w├╝rde dies gar die Entwicklung der Band deutlich behindern.
Ich will hier nichts verallgemeinern oder wie ein Klugschei├čer klingen, denn ich wei├č sehr wohl, da├č so etwas nicht auf alle Labels zutrifft. Jeder hat seinen eigenen Stil, Prinzipien und Methoden; Wenn du also Pro und Contra abw├Ągen willst, dann wird die Waage wohl nie aufh├Âren, hin- und herzupendeln. F├╝r uns f├╝hlt es sich derzeit gut an, unseren eigenen Weg zu verfolgen, indem wir unsere Musik selbst zu produzieren, und uns stattdessen Vertriebe zu suchen, um unsere Aufnahmen auf den Markt zu bekommen.
Wenn man sich also erst mal die Grundlagen erarbeitet hat, mu├č man nur daf├╝r Sorge tragen, da├č man sich weiterentwickelt. Je mehr wir dazulernen und je mehr Erfahrung wir sammeln, um so mehr k├Ânnen wir uns verbessern, was Hand in Hand mit der Bandentwicklung geht. Es bedeutet eine Menge Arbeit, aber die Erfahrung und Zuversicht, die man dabei erh├Ąlt, ist der Lohn f├╝r diese Extraschritte, die man zur├╝cklegen mu├č.
Wir k├Ânnen dabei unsere k├╝nstlerische Freiheit behalten, so da├č wir die Richtung, in die wir gehen, aussuchen und kein sensationsl├╝sterner A&R-Mann, der beim Starren auf aktuelle Trends schon l├Ąngst blind geworden ist. Letzten Endes kann man nie genug lernen, vor allem wenn es sich um etwas dreht, das einem am Herzen liegt, was in unserem Fall unsere Musik ist.
Andererseits - um unserer Politik mal n├╝chtern zu betrachten - ist der Vertrieb, also die M├Âglichkeit ein Endprodukt auf den Markt zu bringen und permanent f├╝r die Fans verf├╝gbar zu machen, das schw├Ąchste Glied in unserer Kette, so da├č wir an dieser Stelle also einfach auf externe Hilfe angewiesen sind. Daher erstreben wir, da├č wir als Band das Master und das Artwork f├╝r die Platte erstellen k├Ânnen, w├Ąhrend ein Vertrieb sich um die Herstellung und den Verkauf des Albums k├╝mmert.
Ein guter Plattenvertrag w├Ąre also trotz allem w├╝nschenswert, und ich m├Âchte trotz meinen Ausf├╝hrungen in den letzten Minuten nicht ausschlie├čen, da├č wir einen solchen annehmen w├╝rden, doch im Moment gehen wir den Weg weiter, den wir in der Vergangenheit eingeschlagen haben. Wenn dann ein Millionen-Dollar-Vertrag auf unserem Tisch landet, werden wir ihn gewi├č sorgf├Ąltig pr├╝fen. Falls das passieren sollte, h├Ątten wir es uns dann auch gewi├č redlich verdient. [lacht]

LUNAR PATH-Einzelshot: Janica L├Ânn

Im letzten Sommer habt Ihr einen weltweiten Digital-Vertriebsdeal f├╝r die ┬╗Broken World┬ź-EP mit PLAYGROUND MUSIC FINLAND abgeschlossen. F├╝r wie wichtig erachtet Ihr einen solchen Vertrag in der heutigen Szene? Wie gewichtet Ihr einen solchen Deal im Verh├Ąltnis zu einem "normalen" Plattenvertrag, der sich auf physikalische Tontr├Ąger bezieht?

Jonas: Auch wenn der digitale Vertrieb ein neues und st├Ąndig wachsendes Medium ist und anscheinend immer mehr Menschen Musik auf iTunes kaufen, um sie auf ihren mp3-Playern abzuspielen, glauben wir immer noch an die gute, alte physikalische CD. Der Digitalvertriebsmarkt ist noch nicht gro├č genug, um den physikalischen Markt zu ersetzen - allein schon weil meines Erachtens sehr schwer festzulegen ist, welchen Stellenwert digitale Waren f├╝r die breite ├ľffentlichkeit hat. F├╝r mich besteht auf jeden Fall ein eklatanter Unterschied dazwischen, ob ich mir ein Album kaufe, durch das Booklet bl├Ąttern, die Texte lesen und die Photos anschauen kann, oder ob ich Dateien herunterlade. F├╝r manche Leute ist eben eine mp3-Datei auf ihrem iPod oder was auch immer genug, f├╝r mich ist es einfach nur ein Datenpaket auf einem Speichermedium, ein Geist oder ein Hologramm eines Songs, der dem Erlebnis, durch ein CD-Booklet zu schauen, oder dem noch viel physikalischeren Erlebnis, eine Vinylplatte abzuspielen, nicht mal ansatzweise nahekommt. Vielleicht bin ich altmodisch, aber ich empf├Ąnde es als absurd, unser Album nicht auch physikalisch zu ver├Âffentlichen. Eine Net-Single als Appetizer - okay, aber komplette Alben nur als Download. Warum sollte man sich derart einschr├Ąnken?

Janica: Da heutzutage jedermann und seine Gro├čmutter eine MySpace-, Twitter- oder Was wei├č ich-Seite und einen iTunes-Account hat, w├Ąre es allerdings bl├Âd, diese - zumeist kostenlosen - M├Âglichkeiten nicht zu nutzen. Wichtig ist dabei f├╝r eine relativ unbekannte Band wie uns, da├č jeder Zugang zu deinem Material hat - und zwar von ├╝berall im Netz und unabh├Ąngig davon, welchen Service, MySpace, Facebook oder was auch immer, der einzelne bevorzugt. Wenn man eine kleine Band in einem See von kleinen Bands ist, wird niemand ├╝ber dich stolpern, wenn Du einen MySpace-Account hast, in dessen Top-Freudes-Liste sich Tom befindet (der MySpace-Erfinder Tom Anderson, den jeder beim Er├Âffnen eines neuen Accounts zwangsl├Ąufig als ersten MySpace-"Freund" auf Auge gedr├╝ckt bekommt - Red.) Genauso unwahrscheinlich ist es, da├č jemand ├╝ber dich stolpert, wenn deine CD ausschlie├člich beim Plattenladen neben deinem Proberaum zum Verkauf steht. Daher kann der digitale Vertrieb als modernes Medium eine gute M├Âglichkeit darstellen. Meines Erachtens ist es also am sinnvollsten zweigleisig zu fahren, so da├č jeder die M├Âglichkeit hat, sich die Form unserer Musik herauszupicken, die ihm am liebsten ist.

Wie ist Euer Stil, den ich f├╝r recht einzigartig halte, zustandegekommen? Man findet ein wenig Gothic Metal, Epic und Symphonic Metal in Eurer Musik, es gibt einen dezenten melancholischen Touch, und alles wurde auf einer Melodic Metal-Grundlage zusammengebracht.

Jonas: Wir umschreiben uns am liebsten als Epic Metal mit einer Rockschlagseite. Den epischen Teil stellen die gro├čen Streicher- und Orchesterarragements und die sehr melodischen Refrains dar, die fast schon ├╝berlebensgro├č klingen sollen. Es mag Leute geben, die Vorbehalte haben, wenn sie bei der Genre┬şbe┬şschreibung Begriffe wie "episch", "symphonisch" oder "weibliche Vocals" h├Âren, aber bei LUNAR PATH gibt es weder Falsettgesang, noch technischen Gitarrensolihexereien, Elfen, Panfl├Âtensoli, Drachen, Geschichten von Glanz und Gloria oder ├╝bernat├╝rlicher Zauberei oder ├Ąhnliche Dinge, die bei symphonischer oder epischen Musik oftmals ├╝berstrapaziert oder gar verkitscht werden. Wir haben keine Probleme damit, wenn andere Bands das tun, aber es ist einfach nicht unsere Welt.

Janica: Das ist der Grund, warum der Rockanteil sich sehr oft in den Texten wiederfindet: Sie stehen im Kontrast zu dem epischen Anteil der Musik, sind meist sehr realit├Ątsbezogen und emotionsgeladen. Wir sind, wer wir sind, und wir tun, was wir gerne tun wollen - ganz gleich, was andere dar├╝ber denken. Darum geht es doch in der Rockmusik, oder? In jedem Song geht es um Erfahrungen aus dem wahren Leben, um Dinge, die uns oder unseren Freunden passiert sind.

Jonas: Wir haben sehr unterschiedliche musikalische Backgrounds und demzufolge auch sehr unterschiedliche Geschm├Ącker. Daher gab es f├╝r uns nie diesen einen gemeinsamen Einflu├č, zu dem wir emporblicken und dem wir folgen k├Ânnen. Ich glaube, da├č die Tatsache, da├č wir gewisserma├čen einen Flu├č hinuntertreiben - ohne Paddel, Kompa├č und Karte - uns zu unserem epischen und melodischen Metal mit einem bodenst├Ąndigen und rockigen Schlichtheit gebracht hat. Und diese Kombination grenzt uns musikalisch von anderen Bands ab. Verst├Ąndlicherweise sind die Unterschied eher subtiler Natur, so da├č ein neuer H├Ârer sich ein wenig in die Musik hineinfinden mu├č, bevor er eben jene Elemente entdeckt, die nicht schon von der Ferne ersichtlich sind. Manche Leute mit einer kurzen Aufmerksamkeitsspanne oder vorgefertigten Meinungen und werfen uns mit Bands wie NIGHTWISH oder EVANESCENCE in einen Topf. Aber diese Leute interessieren uns ohnehin nicht im geringsten.
Wir haben keine besonderen "Gimmicks" zu bieten, die sofort Aufmerksamkeit erregen, so da├č die Einzigartigkeit dieser Band nur von jenen entdeckt werden kann, die sich Musik aufmerksam anh├Âren. I denke, da├č unsere Art, uns mit der Musik auszudr├╝cken, einzigartig ist und f├╝r uns sehr gut funktioniert. Aber es wird wohl kaum f├╝r diejenigen reichen, die mal schnell auf ihrem iPod bis zum Refrain durchzappen w├Ąhrend sie einen Kaffee vom Drive-in auf ihren Knien balancieren und sich durch einen Verkehrsstau k├Ąmpfen m├╝ssen, w├Ąhrend sie ohnehin schon zu sp├Ąt dran sind, um p├╝nktlich im B├╝ro anzukommen. Aber diese Leute sind ohnehin verantwortlich f├╝r den Tod der Musik und k├Ânnen meinetwegen an ihrem Bagel ersticken...
Au├čerdem - man m├Âge mir verzeihen, da├č ich hier endlos rumn├Ârgele - werde ich das Gef├╝hl nicht los, da├č viele Bands nur darauf aus sind, durch irgendwelche Marketinggags aus der Masse herauszustechen. Besonders im Mainstream-Pop mit all seinen Lady CaCa-Acts und "Schau mich an, ich hab' mir einen Dildo auf die Stirn geklebt und aus meinem Arsch leuchtet Neonlicht"-Truppen werde ich das Gef├╝hl nicht los, da├č so mancher versucht, lediglich Kunst um der Kunst willen zu machen. Versteh' mich nicht falsch, wir wollen hier nicht einen auf heilig zu machen, sondern wir versuchen einfach, uns selbst treuzubleiben und unsere Gef├╝hle und Erfahrungen in unserer Musik zu kanalisieren, und wir freuen uns dar├╝ber, wenn wir zu Leuten vordringen, denen unsere Musik genausoviel Freude bereitet wie uns.
Ach ja, und die angesprochene Melancholie ist bei einem Haufen deprimierter Finnen in einem depressiven Land w├Ąhrend einer Rezessionsphase sozusagen serienm├Ą├čig eingebaut.

LUNAR PATH-Einzelshot: Jonas Eriksson

Wie alt seid Ihr eigentlich? Ihr seht nicht gerade alt aus, aber immerhin haben einige von Euch schon vor fast zehn Jahren mit NOCTURNAL begonnen, Musik zu machen.

Jonas: Wir sind alle in unseren Zwanzigern. Unser Gitarrist Tuukka Nurmi-Aro ist der J├╝ngste, w├Ąhrend unser Drummer Pete Romppanen der ├älteste in der Band ist. Janica und ich sind gleichaltrig. Ich war noch verdammt jung gewesen - n├Ąmlich 16 Jahre - als ich NOCTURNAL 2001 ins Leben rief. Tuuka schlo├č sich uns ein Jahr sp├Ąter an, und damals wirkte er in der Tat noch wie ein Kind auf uns.

Ich finde es ├╝berraschend, da├č Ihr diese Musik spielt, besonders wenn man bedenkt, da├č Du, Jonas, und Euer Bassist Ari J├Ąrvinen (der vor einigen Wochen ausgestiegen ist und nun von Jesse M├Ąl├Ąsk├Ą ersetzt wird) in einigen Extrembands gespielt habt. Eure Band ROTTEN wurde gar traurig ber├╝hmt, da Drummer Kalle Holm, der am Ende auch kurz bei NOCTURNAL gespielt hatte, in Eurer Heimatstadt Porvoo den Dom aus dem 15. Jahrhundert angez├╝ndet hatte und seither wegen Brandstiftung im Knast sitzt. Wie kam dieser musikalische Sinneswandel?

Jonas: In der Tat eine interessante Frage! Viele Leute fragen mich, warum ich mich nicht f├╝r einen Stil entscheiden k├Ânne, um diesem dann treuzubleiben. Dazu kann ich nur sagen, da├č ich Musik viel zu sehr liebe, als da├č ich mich mit nur einem Stil begn├╝gen k├Ânnte. Das w├Ąre langweilig und eindimensional, vor allem, da die meisten Subgenres des Metal unausgesprochene Regeln mit sich bringen, was okay ist und was nicht. Diese Engstirnigkeit ist meines Erachtens ein echter Widerspruch zu dem rebellischen Anspruch, den Metal immer noch hat. Ich m├Âchte einfach tun k├Ânnen, was ich will, ohne mich von irgendwelche Genregrenzen daran hindern zu lassen.
Au├čerdem sehe ich irgendwelche Ein-Mann-Projekte f├╝r jede Stimmungslage als gutes Ventil f├╝r bl├Âde Ideen, w├Ąhrend ich die guten Ideen f├╝r die "echten" Bands aufbewahren kann. Au├čerdem h├Ąlt es dich wach, wenn du st├Ąndig etwas anderes machst. Wei├čt Du, ich habe viele Sideproject, von Industrial Metal ├╝ber sleazigen Gothic Rock, Death Metal, Pseudo-Jazz oder irgendwelche v├Âllig schr├Ągen Sachen, die ich bei MySpace auslebe. Ich mache hin und wieder auch gerne Parodien auf meine eigenen Bands - und das ist eine "Kunstform", die wirklich nur wenige nachvollziehen k├Ânnen. [lacht]
Um auf Kalle zu sprechen zu kommen: Im Grunde spielte er nur bei ROTTEN. Zu der Zeit als er sich NOCTURNAL "anschlo├č", lag die Band schon in einem tiefen Koma, was uns zu diesem Zeitpunkt aber einfach noch nicht bewu├čt war. Es lief nach folgendem Schema ab: "Du trommelst gut? Ja? Haste B├Âcke zu spielen? Okay, Du bist dabei!" Doch wir sollten zusammen nicht mal einen einzigen NOCTURNAL-Song von Anfang bis Ende spielen, bevor die Band endg├╝ltig tot war. Also ging es f├╝r Kalle und mich mit ROTTEN weiter, einem Projekt, das zu diesem Zeitpunkt schon einige Zeit existiert hatte.
Wir hatten viel Spa├č mit ROTTEN, denn die Band war genau das, was wir wollten, als NOCTURNAL begann, fade zu werden. Das Niederbrennen des Doms hatte nichts mit der Band zu tun, aber es hat die Band nat├╝rlich auf eine sehr negative Weise belastet. Pl├Âtzlich gab es da eine Death Metal-Band mit Splatter- und Horror-Texten und einer "Bier & Spa├č"-Tagesordnung, die man mit Black Metal-Bands und Satanismus vergleichen konnte. Es war f├╝r uns schon schwierig genug, damit umgehen zu m├╝ssen, da├č ein Freund und Bandkumpel, der damals gerade erst 18 Jahre alt geworden war, im besoffenen Kopf etwas v├Âllig Hirnrissiges gemacht hatte, das ihn in den Knast bringen und f├╝rs Leben brandmarken w├╝rde - oder es zumindest nahezu unm├Âglich machen w├╝rde, da├č er jemals ein normales Leben f├╝hren w├╝rde.
Doch dann wollte pl├Âtzlich jeder jedes kleine Detail ├╝ber den Vorfall, die Band und alles drumherum wissen. Selbst Freunde und Bekannte schienen sich in bluthungrige Geier zu verwandeln. Alles, ganz gleich ob Texte, Ger├╝chte, alte Kommentare in G├Ąsteb├╝chern oder auch solche L├Ącherlichkeiten wie Lieblingsbands, die wir auf unseren Bandseiten genannt hatten, mu├čten herhalten und wurden so lange zurechtgebogen, bis sie zur vorgefertigten Meinung des entsprechenden Journalisten pa├čten. Damit war nat├╝rlich unsere "Bier trinken, Spa├č haben, Death Metal spielen"-Parole gestorben, denn nichts war mehr wie zuvor.
Mancheiner h├Ątte es vielleicht darauf angelegt, diesen Vorfall zu Publicityzwecken auszuschlachten. Aber ich kann dem alten Spruch, "Jede Art von Werbung ist gute Werbung", nicht zustimmen, besonders in diesem Zusammenhang. Ich denke, das w├Ąre eine sehr, sehr dumme Idee gewesen, denn es h├Ątte die Musik zur Nebensache werden lassen, und die Band w├Ąre nur noch eine Schocktruppe in einem Horrorkabinett gewesen, womit ich nie und nimmer etwas am Hut haben wollen.
Daher war es naheliegend, die Sache zu Grabe zu tragen. Stattdessen reformierten wir eine Rock'n'Roll-Truppe mit spa├čigem Gesang und ebensolchen Texten, die Jahre zuvor unter dem Namen TOIMINNANMIEHET als Seitenprojekt gedient hatte. Doch recht bald merkten wir, da├č wir etwas ernsthafteres wollen, und daher wurden LUNAR PATH gegr├╝ndet.
Bevor ich es vergesse: Kalle ist seit letzten Sommer auf Bew├Ąhrung auf freiem Fu├č.

LUNAR PATH-Einzelshot: Tuukka Nurmi-Aro

Drei von Euch hatten zuvor schon bei NOCTURNAL gespielt. Seht Ihr LUNAR PATH als den Nachfolger zu NOCTURNAL an?

Jonas: Den Startschu├č f├╝r NOCTURNAL gab ich zusammen mit Drummer Michael Paassilta im Jahr 2001; genauer gesagt fand die Gr├╝ndung an jenem traurig-ber├╝hmten 11. September 2001 statt. Tuukka schlo├č sich uns 2002, Janica etwas sp├Ąter im Sommer des gleichen Jahres an. Im R├╝ckblick war die Band eine gute Schule f├╝r uns. Wir waren Kinder, die versuchten, ohne Geld und Erfahrung einen professionellen Standard zu erreichen. Demzufolge ging alles langsam und ohne klare Zielrichtung vonstatten. In den drei Jahren, in denen wir aktiv waren, schrieben wir vielleicht sechs oder acht Songs, von denen nur vier aufgenommen wurden. Vieles hing damit zusammen, da├č wir der Ansicht waren, da├č die Songs gemeinsam im Proberaum komponiert und arrangiert werden m├╝├čten, eine Arbeitsweise, die nicht f├╝r alle Bands und Musiker zwangsweise funktionieren mu├č. Doch wir haben viel aus den Fehlern gelernt, die wir mit NOCTURNAL gemacht haben.
Ich glaube, da├č wir letztendlich gelangweilt und entt├Ąuscht waren, weil sich alles so langsam entwickelte. Ende 2003 stiegen dann Michael und Bassist Rasmus Karlsson aus. Wir versuchten damals sogar, mit einer Drummachine zu arbeiten, als wir keinen passenden Schlagzeuger fanden, doch die ganze Angelegenheit schlief mit der Zeit einfach ein. Alles was bei ROTTEN, die zu diesem Zeitpunkt ein Seitenprojekt waren, lief, sprach mich daher deutlich besser an.

Janica: Es mag den Anschein haben, da├č NOCTURNAL der Vorl├Ąufer von LUNAR PATH waren. In gewisser Weise ist das auch zutreffend, denn es gibt Parallelen im Line-up und beide Namen haben etwas mit Nacht zu tun, aber in den drei Jahren dazwischen sind wir erwachsener geworden, so da├č wir andere Menschen sind. Ich pers├Ânlich sehe beide Band nicht als direkte Nachfolger. NOCTURNAL entsprach zwei Kindergartenkindern, die in ihrem Puppenhaus Mama und Papa gespielt haben, LUNAR PATH entspricht dem Leben in einer richtigen Ehe - inklusive einer Hypothek, die du stemmen mu├čt...

Ihr habt schon recht fr├╝h in Eurer Karriere zwei sehr professionelle Videoclips gedreht. Wer hat Euch denn dazu die n├Âtigen Finanzmittel zugeschossen?

Jonas: Die Videos waren ein purer Gl├╝ckfall f├╝r uns: Ich arbeitete damals in einer B├╝cherei, als in meiner Mittagspause ein gro├čer, b├Ąrtiger Typ mit einer roten M├╝tze auf mich zu kam. Er erkannte mich von meinem vorhergehenden Job als ich noch in einem Musikladen gearbeitet hatte. Es stellte sich heraus, da├č der Typ Nadi Hammouda, der S├Ąnger von DEAD REVOLUTION und MACON DEAD, war. Er tauchte recht h├Ąufig auf, und wir sprachen dann ausgiebig ├╝ber Musik. Eines Tages erw├Ąhnte ich, da├č ich eine neue Band namens LUNAR PATH h├Ątte. Er schaute sich unsere Webseite an und verk├╝ndete umgehend, da├č er mit uns ein Musikvideo machen wolle. Ich antwortete: "Das w├Ąre echt cool, und wir wollen Dich nicht zur├╝ckhalten, aber wir k├Ânnen Dir nichts zahlen, denn wir haben die Band gerade erst gegr├╝ndet und haben keinen Roten Heller." Doch gl├╝cklicherweise ging es ihm darum, Erfahrung zu sammeln, so da├č die ganze Sache ins Rollen kam.
Die Aufnahmen fanden im Fr├╝hjahr 2007 statt. LUNAR PATH waren damals vielleicht vier oder f├╝nf Monate alt, und unser erstes Demo war noch nicht mal fertig. Daher wurde der Song anhand der Rough Mixe ausgesucht. Tuukka wollte zun├Ąchst ÔÇ║Destination UnknownÔÇ╣ ausw├Ąhlen, was dann etwas sp├Ąter im Sommer umgesetzt wurde, doch Nadi setzte sich vehement f├╝r ÔÇ║Tell MeÔÇ╣ ein und ├╝berzeugte uns, da├č dies die richtige Wahl sei - womit er v├Âllig recht hatte.

Janica: Das erste Video war sehr gut geplant gewesen und alles verlief glatt. Es gab null Budget, so da├č wir alles, was wir viele freiwillige Helfer hatten. Die Kameras, Lichter und das ganze sonstige Material liehen wir uns von einer Schule f├╝r Photographie, w├Ąhrend wir selbst sowie einige Freunde alle anfallenden Arbeiten erledigten.
Bei zweiten Clip, ein halbes Jahr sp├Ąter, lief es ├Ąhnlich ab: Wir hatten keine Kohle, aber Nadi versp├╝rte wieder den absoluten Zwang, ein Video drehen zu m├╝ssen - und wie h├Ątten wir da so herzlos sein k├Ânnen, nein zu sagen?

Im Video zu ÔÇ║Tell MeÔÇ╣ nimmt Janica einen Kerl in die Mangel. Wie kam es denn zu diesem Konzept? Hat sie zu Hause vielleicht einen Extraschrank, der bis oben hin mit High Heels und Peitschen voll ist, und ihr Freund ist am ganzen K├Ârper mit Narben ├╝bers├Ąht..?

Jonas: Das Konzept ist quasi eine ├╝bertriebene Umsetzung des Textes, der von der Frustration erz├Ąhlt, in einer einseitigen Liebesbeziehung festzusitzen. Janica kann keine Reaktion aus ihrem Gegen├╝ber herausholen, obgleich sie ihn auf einen Stuhl gefesselt hat und im Guantanamo-Stil versucht, eine Antwort auf die Frage "Why are we still standing here? Tell me?" aus ihm rauszuquetschen.
Der Darsteller im Video ist ├╝brigens Janicas richtiger Freund, so da├č ich vielleicht so frei sein sollte zu verraten, da├č die Situation nicht so sehr an den Haaren herbeigezogen ist. [lacht] Ich mache nur einen Scherz! Oder doch nicht..?

Janica: Oh, komm' schon! Ich bin wirklich nicht so b├Âse! Okay, ich liebe Schuhe - wie jedes M├Ądchen - aber Peitschen sind noch nicht n├Âtig. Aber vielleicht sollte ich eine zur Drohung kaufen - falls sich einer meiner Bandkollegen - wie gerade eben - mal wieder danebenbenimmt...

LUNAR PATH-Einzelshot: Ari J├Ąrvinen

Zus├Ątzlich zu diesen beiden Videos habt Ihr zu allen anderen Eurer Songs sogenannte Slideshow-Videos zusammengestellt, so da├č man in Eurem YouTube-Kanal alle LUNAR PATH-Songs "ansehen" kann. Es ist ohnehin offensichtlich, da├č Ihr weitere k├╝nstlerische Talent habt: Janica hat einen Teil der Bandphotos geschossen, w├Ąhrend Jonas das Logo entworfen hat und das Artwork ├╝bernimmt - mal ganz abgesehen davon, da├č er bei allen LUNAR PATH-Songs als Engineer und Produzent fungiert hat. Seid Ihr in dieser Hinsicht Autodidakten oder habt Ihr irgendwelche Ausbildungen in dieser Hinsicht genossen?

Jonas: Wir haben uns alles selbst beigebracht, was haupts├Ąchlich damit zusammenh├Ąngt, da├č wir nicht die n├Âtige Kohle beziehungsweise die entsprechenden Kontakte haben. Daher waren wir gezwungen, diese Probleme selbst in die Hand zu nehmen und zu l├Âsen.
Wenn wir also ein Demo aufnehmen wollten, dann mu├čten wir uns die Frage stellen, was dazu notwendig ist, um dies zu verwirklichen. So war das schon bei unserer ersten Band NOCTURNAL, so da├č sich ein kleines, unabh├Ąngiges Produktionsteam innerhalb der Band herauskristallisiert hat. Es geht einfach darum, Dinge, die zusammengeh├Âren, mit einer klaren Strategie, einem gewissen Arbeitsaufwand und sorgf├Ąltiger Planung zueinander zu bringen, und dann kann man auch mit einem kleinen Budget gute Resultate erzielen. Ich brauche wohl nicht zu erw├Ąhnen, da├č bei einer kleinen, unabh├Ąngigen Band wie uns das Budget meist extrem mickrig ist, oder..?
Daher sind wir gewisserma├čen in einer gl├╝cklichen Situation, da├č wir nicht k├Ârbeweise Geld zur Verf├╝gung haben, denn dadurch behalten wir die Kontrolle ├╝ber unsere Aufnahmesessions und somit auch das Endprodukt, aber auf der anderen Seite bedeutet dies mehr Arbeit, doch letzten Endes ist es das wert!
Ich glaube, da├č wir eine starke Vision von der Band haben, so da├č wir sie trotz unseren geringen Budgets umsetzen k├Ânnen. Wir sind uns der technischen Beschr├Ąnkungen sehr wohl bewu├čt, aber wir wissen auch um unsere F├Ąhigkeiten, so da├č wir mit der momentanen Situation umgehen k├Ânnen.
Ich war mal auf einem College f├╝r Medientechnologie mit Hauptausrichtung auf Audio, doch ich habe mich nach einem Jahr wieder verdr├╝ckt, da ich gelangweilt und genervt vom unsteten Lehrplan war. Die Ausbildung an diesem College brachte mir absolut nichts, und ich lernte mehr ├╝ber Audioaufnahmen in meiner Freizeit mit meinen Bands.
Aber eine Sache habe ich auf dieser Schule gelernt, was aber nicht auf dem Lehrplan stand, sondern sich aus der gesamten Collegeerfahrung ergab: Es ist wichtiger, etwas auszuprobieren und etwas durch eigene ├ťbung zu lernen, als B├╝cher zu lesen und schweineteures High End-Equipment zu kaufen, um eins zu eins das nachzumachen, was andere dir vorgebetet haben. Anders formuliert: Man sollte sich mehr die Frage nach dem Warum als nach dem Wie stellen. Ein Beispiel: Es geht nicht darum, wie ich einen Effekt einsetze, sondern warum er an dieser Stelle Sinn macht. Wenn ich also wei├č, warum ich diesen Effekt einsetzen m├Âchte, kann ich mir immer noch Gedanken machen, wie ich ihn zustandekriege. In dieser Schule ging es jedoch einzig und allein um das Wie.

Janica: Ich bin eher zuf├Ąllig an die Photographie geraten: Mein Freund ist ein Graphiker und Photograph, so da├č ich ihm einige Jahre bei seiner Arbeit zugesehen und ihn dann gebeten habe, mir ein paar grundlegende Dinge beizubringen. Irgendwann war ich dann Feuer und Flamme f├╝r das Metier. Mir war klar, da├č es f├╝r Jonas zeitlich unm├Âglich ist, alles zu machen, was LUNAR PATH betrifft, so da├č ich in dieser Hinsicht meine F├Ąhigkeiten angeboten habe. Aber die endg├╝ltige Idee f├╝r unsere letzte Photosession kam uns wortw├Ârtlich gleichzeitig als wir an diesem alten Haus vorbeifuhren.

Janica, darf ich Dir als Photograph die Frage stellen, wie Du es geschafft hast, Dich selbst zu photographieren? Nicht da├č ich jemals planen w├╝rde, mich selbst zu photographieren - ich bin einfach nur neugierig...

Janica: [lacht] Probier's mit einem Timer oder Selbstausl├Âser und 'ner Menge Geduld, und stell' Dich auf etwa 150 unbrauchbare Bilder ein... Ich fand das durchaus hilfreich. [lacht] Bei dem Shooting f├╝r unsere Promophotos half uns allerdings meine Schwester Jessica als "Ausl├Âserin".

Janica, Du erw├Ąhnst, da├č WITHIN TEMPTATION oder EVANESCENCE zu Deinen Lieblingsbands geh├Âren. Hast Du jemals versucht, wie die typischen Gothic-S├Ąngerinnen zu singen?

Janica: Probiert schon, aber das ist einfach nicht mein Ding. Ich habe meine eigene Stimme und meinen eigenen Stil, was meines Erachtens am besten zu LUNAR PATH pa├čt. Es gab ohnehin nie irgendwelche Planungen, wie ich singen soll, sondern ich habe mich immer vom Gef├╝hl und dem Geist unserer Musik leiten lassen. Letzten Endes kann man sagen, da├č wir ohnehin nicht sonderlich viele Gothic-Elemente in unserer Musik haben.

Allerdings Dein Styling beziehungsweise Outfit hat manchmal einen gewissen Gothic-Touch, wie beispielsweise das Kost├╝m, das Du auf den aktuellen Promophotos tr├Ągst. Wirst Du dieses Outfit beibehalten oder wird man Dich auch wieder mal in Jeans antreffen?

Janica: Eigentlich habe ich nie sonderlich viel ├╝ber mein Styling nachgedacht. Ich kaufe Klamotten, die mir gefallen, und zu Hause versuche ich dann verzweifelt, etwas in meinem Schrank zu finden, was dazu pa├čt. Mein Outfit hat meist damit zu tun, wie ich mich am Tag des Gigs f├╝hle. Ich habe also keine speziellen B├╝hnenklamotten, was aber nicht bedeutet, da├č ich nicht mit Bedacht ausw├Ąhlen w├╝rde, was ich bei Auftritten trage; so viel M├Ądchen bin ich dann eben doch...
Ich verwende normalerweise nicht so viel Farbe, weil ich dann das Gef├╝hl habe, da├č ich zu sehr aus der Menge raussteche - ist das nicht seltsam in diesem Metier..? [lacht] Aber vielleicht werde ich mich eines Tages auch danach f├╝hlen.
F├╝r die Photosessions m├Âchte ich nat├╝rlich etwas besonderes tragen, manchmal vielleicht auch etwas experimentelles, was von der Location abh├Ąngt. Ich liebe dieses Kleid, das ich auf den aktuellen Promophotos getragen habe, w├╝rde es aber bestimmt nicht auf der B├╝hne tragen.

Jonas: Auch wenn wir nicht unbedingt eine progressive oder experimentelle Band sind, wollen wir doch immer verschiedene Sachen ausprobieren. Manchmal werfen wir einfach etwas an die Wand, und lassen uns davon ├╝berraschen, was h├Ąngenbleibt, manchmal haben wir eine klare Vorstellung von dem, was wir tun wollen. Das gilt auch f├╝r Promobilder: Bislang hatten wir, die Jungs in der Band, kein gro├čes Augenmerk auf unsere Klamotten gehabt. Unsere normale Kleidung war nach einem wenig "Aufpimpen f├╝r die Kamera" gut genug, so da├č wir uns gl├╝cklich sch├Ątzen k├Ânnen.
F├╝r mich ist es wichtig, so auszusehen, wie ich mich f├╝hle. Eben wie der Elefant zum geilen Hamster sagte: Wenn's nicht pa├čt, dann pa├čt es eben nicht... Wir wollen wie eine Band aussehen, aber dennoch wir selbst bleiben. Wir sollen so aussehen, wie wir klingen, so da├č unser Look oft Hand in Hand mit dem geht, was sich zu dem betreffenden Zeitpunkt einfach gut anf├╝hlt.

Janica hat nicht nur eine tolle Stimme, sondern ist auch ein ausgesprochen sch├Âne Frau. Es steht au├čer Frage, da├č der Erfolg einer Band wie SONIC SYNDICATE zu einem gewissen Teil darauf fu├čt, da├č sie ein sehr attraktive Bassistin haben, und es war sicherlich f├╝r keine Band mit einem weiblichen Mitglied hinderlich, wenn ihre Grazie f├╝r die "Hottest Chicks in Metal"-Aktionen des REVOLVER-Magazins abgelichtet wurde. Manche Damen sind sogar so weit gegangen, da├č sie ganz die H├╝llen haben fallen lassen. Wie stehst Du zu solchen Aktionen, Janica? W├╝rdest Du mitmachen, und wie weit w├╝rdest Du gehen? Oder h├Ąttest Du dann Bedenken, auf einen h├╝bschen K├Ârper reduziert zu werden, aber als Musikerin nicht mehr wahrgenommen zu werden?

Janica: Ich habe keine Probleme mit Nacktheit, es ist nur eine Frage des Wie und des Kontexts, in der sie pr├Ąsentiert wird. Es gibt nun mal einen fundamentalen Unterschied zwischen einem hochklassigen Akt und billigem Schlampenkram.
Ich kann mir nicht vorstellen, da├č ich meine Kleider f├╝r ein Magazin ablegen w├╝rde, um Publicity f├╝r die Band zu ergattern. Zum einen w├Ąre ich dazu wohl zu sch├╝chtern, und zum anderen w├Ąre es wie ein Schlag ins Gesicht meinen Mitmusikern gegen├╝ber nach all der harten Arbeit, die wir in die Musik investiert haben, bei der wir immer ehrlich zu uns selbst bleiben wollten. Das w├╝rde ein Image ergeben, das nicht zu uns und zu dem, f├╝r das wir gearbeitet haben, pa├čt. Grunds├Ątzlich geht es nicht um Ruhm, sondern um Kunst, aber andererseits w├╝rde ich auch niemals nie sagen.

Jonas: Wir bauen unser Image nicht darauf auf, da├č wir eine S├Ąngerin haben, das mag bestenfalls eine leicht Kuriosit├Ąt f├╝r diejenigen sein, die eine solche darin sehen wollen. Nat├╝rlich kann man uns als "female-fronted" Band kategorisieren, aber das war's auch schon. Was ich damit sagen will, ist folgendes: Janica ist f├╝r uns als S├Ąngerin genauso wichtig wie es der S├Ąnger f├╝r jede andere Band ist. Daraus folgt, da├č sie meist bei den Photos weiter nach vorne gestellt wird und da├č sie generell mehr Aufmerksamkeit erh├Ąlt. Aber das hat nichts damit zu tun, da├č sie eine gutaussehende Frau ist, sondern weil sie die Frontfigur der Band ist. Ihr Geschlecht ist f├╝r uns nicht ausschlaggebend, sondern ihre Stimme und ihr Gesangsstil z├Ąhlen f├╝r uns!

LUNAR PATH-Einzelshot: Pete Romppanen

Warum hattet Ihr Euch f├╝r ÔÇ║Man In The RainÔÇ╣ von Mike Oldfield, der sicherlich kein typischer Metalk├╝nstler ist, entschieden?

Janica: Jeder von uns mochte ÔÇ║Man In The RainÔÇ╣, und wir brauchten noch dringend einen Song, um unser Set zu f├╝llen, so da├č die Entscheidung nicht schwer war. Also habe ich das Arrangement schnell ein wenig aufgefettet, und wir haben den Song einstudiert. Wir haben viel positives Feedback f├╝r unsere Version bekommen, so da├č der Song f├╝r eine Fremdkomposition verdammt lange in unserem Set blieb.

Jonas: Wir haben mit voller Absicht einen genrefremden Song genommen: Ein Cover sollte sich immer von Original unterscheiden, denn ansonsten w├Ąre es so, als w├╝rdest Du Essensreste von letzter Woche aufw├Ąrmen, was meiner Meinung nach sinnlos ist. Daher stellt es eine gr├Â├čere Herausforderung dar, einen solchen Song so umzugestalten, da├č er zu deiner Band pa├čt. Auf diese Weise pr├Ąsentiert man den H├Ârer gewisserma├čen einen neuen Song, da einige vermutlich noch nichts von dem urspr├╝nglichen K├╝nstler geh├Ârt haben.

Warum habt Ihr die Band BLOODWORKS gebeten, einen Remix Eures Songs ÔÇ║They Would Never UnderstandÔÇ╣ anzufertigen?

Jonas: Bei BLOODWORKS handelt es sich schlicht um mein Industrial Metal-Sideproject, und der Remix entsprang einem faulen Sonntagnachmittag, an dem ich ein bi├čchen mit dem Song rumgespielt habe. Da wir das Resultat ganz witzig fanden, haben wir es einigen unserer etwas "clubbigeren" Freunde vorgespielt. Da wir auch von ihnen positives Feedback erhielten, haben wir diese Version spa├česhalber als versteckten mp3-Bonus in die Datensektion der ┬╗Calling┬ź-Promoversion geschmuggelt.

Ihr habt bislang in Eurer Karriere gerade mal 25 Liveshows gespielt. Ist es so schwer in Finnland, Livegigs zu organisieren? Ich wei├č, da├č es zumindest in Helsinki einige erstklassige Liveclubs und auch einige Metalkneipen gibt, die regelm├Ą├čig Konzerte veranstalten.

Jonas: Es ist ├╝berhaupt nicht schwer, wenn Du Kohle hast. Mit den entsprechenden Finanzen kann man problemlos eine kleine Tour durch die wichtigsten St├Ądte in Finnland organisieren. Aber solange PA-Verleihfirmen noch nicht mit einem warmen H├Ąndedruck bezahlt werden k├Ânnen, die ganze Logistik nicht ausschlie├člich mit guten Absichten abgewickelt werden kann, w├╝rde uns eine solche Tour mit Sicherheit ganz in den Bankrott treiben. Zu Anfang unserer Karriere haben wir daher immer und immer wieder die B├╝hnen in unserer Heimatstadt abgegrast, was aber auf Dauer sinnlos wurde, da es die Leute ├╝bers├Ąttigte, so da├č wir mittlerweile davon Abstand genommen haben.
Leider ist es wahr, da├č die meisten Clubs mittlerweile Newcomern oder kleinen, unbekannten Bands kaum noch eine Chance geben. Am einfachsten schleicht man sich mit einem namhafteren Act in dessen Vorprogramm in solche L├Ąden rein, die zudem noch an jenen Tagen spielen, wenn der Zuschauerstrom ohnehin schon mal gr├Â├čer ist, wie beispielsweise am Wochenende. Wenn kleine Bands es indes auf eigene Faust probieren, bekommen sie meist nur einen Slot unter der Woche, wo die L├Ąden zumeist ohnehin fast leergefegt sind. Dann kann man ganz schnell auf der Nase landen, indem man daf├╝r bezahlt, in einer leeren Bar spielen zu d├╝rfen...
Uns sind Liveshows sehr wichtig, aber es kommt uns nicht auf die reine Quantit├Ąt an: Lieber spielen wir ein paar Shows weniger im Jahr, f├╝r die wir dann aber kr├Ąftig die Werbetrommel r├╝hren und wo wir im Vorprogramm einer bekannteren Band zeigen, was wir draufhaben. Das ist der banale Grund, warum wir nicht durch jede Kneipe, jedes Restaurant und jeden "Pizza Hut" in Finnland touren.

Janica: Im Moment verhandeln wir allerdings gerade mit einem Booker, so da├č sich dies in Zukunft vielleicht ├Ąndern wird. Auf alle F├Ąlle w├Ąre es einfacher f├╝r uns, wenn sich jemand darum k├╝mmern,. f├╝r uns Gigs und Touren an den Start zu bekommen, w├Ąhrend wir uns mehr auf die Musik konzentrieren k├Ânnten.

Wenn ich es recht verstanden habe, bediente Euer Gitarrist Tuuka bei Konzerten die Keyboards, was er jetzt nicht mehr tut. Greift Ihr mittlerweile auf Samples zur├╝ck? Ich kann mir zumindest nicht vorstellen, da├č Ihr die Keyboards live komplett wegla├čt, da sie eine wichtige Komponente in Eurem Sound darstellen.

Jonas: Tuukka und ich haben die Keyboards auf dem ersten Demo eingespielt. Zudem spielte Tuukka damals einige Keyboardparts bei Liveshows. Nach einigen ├ťberarbeitungen der Arrangements waren das damals zusammen etwa 30 Sekunden Keyboards pro Show: Lediglich der Anfang von ÔÇ║WinterÔÇ╣ und der erste Pianopart von ÔÇ║Tell MeÔÇ╣ mu├čten dabei von einem Keyboard gespielt werden. Unter diesem Gesichtspunkt war der Extraaufwand, ein Keyboard aufzubauen und es extra in den Soundcheck einbeziehen zu m├╝ssen, eigentlich bl├Âdsinnig, so da├č Tuukka verst├Ąndlicherweise schnell genervt war und keinen Bock mehr hatte, die Keyboards bei Konzerten zu bedienen.
Wir haben uns lange den Kopf ├╝ber das Keyboardproblem zerbrochen. S├Ąmtliche Musiker, die Keyboard beherrschten und die wir kannten, waren schon Mitglieder bei LUNAR PATH oder bei einer anderen Band eingespannt. Wir wollten kein neues Bandmitglied anwerben, denn im Studio k├Ânnen wir die Keyboards problemlos selbst einspielen, so da├č es also keine Notwendigkeit f├╝r einen Keyboarder gab - au├čer eben bei den Gigs. Ein Sessionmusiker kam nicht in Frage, so da├č wir also ein kleines Problemchen hatten.
Zudem sollte sich ein weiteres praktisches Problem entwickeln: Beim ersten Demo probierte ich einige unterst├╝tzende Synthieparts bei ÔÇ║Tell MeÔÇ╣ aus. Das Resultat klang gut und auch die Reaktionen der H├Ârer waren positiv, so da├č ich vorschlug, da├č wir es auch bei anderen Songs ausprobieren sollten. Als nahm ich mir ÔÇ║CallingÔÇ╣ vor und brachte das gesamte Arrangement dadurch auf ein neues, sehr viel epischeres Level. Daher wurde die L├Âsung des Livekeyboardproblems immer vordringlicher. Aber diese aufwendigeren Arrangements f├╝hrten dazu, da├č wir irgendwann an einem Punkt waren, da├č ein Keyboarder mit zehn Fingern die ganzen Parts live ├╝berhaupt nicht mehr spielen k├Ânnte. Also h├Ątten wir alles wieder neu arrangieren m├╝ssen, denn es w├Ąre einfach l├Ącherlich gewesen, zwei Keyboarder zu verpflichten.
W├Ąhrend unserer Livepause nach dem Ausstieg von Klas dachten wir sehr ernsthaft ├╝ber das Problem nach. Es war nicht zu ├╝bersehen, da├č Keyboards immer wichtiger wurden, und da├č ein Song wie ÔÇ║They Would Never UnderstandÔÇ╣ ohne sie nicht funktionierte. Ich f├╝hlte jedesmal einen Stich in meinem Herz, wenn wir den Song ohne Keyboards spielten. Also war die einzige logische Konsequenz, die Keyboards mittels Minidisc einzusynchronisieren. Wir fanden raus, da├č dies unter technischen Aspekten einfach ist und probierten es aus. Als Pete dann zu uns stie├č, begannen wir, mit dem "Geisterkeyboarder" zu proben.
Um einen einheitliches Klangbild w├Ąhrend des Konzertes zu gew├Ąhrleisten, f├╝gte ich auch den alten Songs neue Keyboardarrangements hinzu, um sie an unseren derzeitigen Sound anzugleichen.
Ich mu├č zugeben, da├č wir ein wenig Bedenken hatten, wie das Publikum darauf reagieren w├╝rde. W├╝rde es sie st├Âren, Keyboards zu h├Âren, obwohl niemand da ist, der sie spielt? Wir sie uns ausbuhen und uns als Playbackband abstempeln? Gl├╝cklicherweise hat bislang jeder positiv darauf reagiert, w├Ąhrend fr├╝her oft kritisiert wurde, da├č die Keyboards fehlen. Ich glaube, da├č dabei wichtig ist, da├č nur die Keyboards von der Minidisc kommen und nicht auch Backing Vocals oder sonst was. Es ist also fast so, als ob wir eine Tastenfachkraft h├Ątten, nur ist "sie" bei uns eben elektronisch und wiederholt, was ich zuvor gespielt habe. Ich habe ├╝brigens mit Absicht "sie" gesagt, denn wir nennen unser Maschinchen "Carmen Electron".
Auf alle F├Ąlle sind die Shows jetzt besser, und alles klingt wie es soll. Pete bedient die Maschine einwandfrei, und wir haben die Arbeitsabl├Ąufe mit Carmen mittlerweile so fein abgestimmt, so da├č niemand etwas zu bemerken scheint und wir uns auf der B├╝hne problemlos dem Headbanging widmen k├Ânnen.

Einige der LUNAR PATH-Musiker z├Ąhlen zur schwedischsprechenden Minderheit in Finnland. Hattet Ihr deswegen mal Probleme gehabt?

Janica: Genau: Jonas und ich haben Schwedisch als erste Sprache, aber deswegen gab es nie Probleme, da wir beide fl├╝ssig Finnisch sprechen und die Kulturen ohnehin quasi identisch sind.

Jonas: In fr├╝heren Tagen gab es deswegen in manchen St├Ądten Streitereien oder Beschimpfungen, aber diese Zeiten sind zumindest im Gro├čteil des finnischen S├╝dens schon l├Ąngst vorbei.

LUNAR PATH-Bandphoto 2

Zum Abschlu├č noch eine pers├Ânliche Frage an Janica: Wo hast Du nur diese unglaublichen Augen her?

Janica: [lacht] Ich hab' sie aus Marmelade gemacht... [lacht]

http://www.lunarpath.com/

janica@lunarpath.com

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Stefan Glas

LUNAR PATH-Design

 

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