UNDERGROUND EMPIRE the ONLINE EMPIRE-Titel
  UE-Home → History → Online Empire 12 → Interview-Übersicht → ON THORNS I LAY-Interview last update: 04.07.2020, 00:03:53  

ON THORNS I LAY-Logo

ON THORNS I LAY-Headline

Nach fast zehn Jahren und sechs Alben sind die Griechen ON THORNS I LAY immer noch als Insidertip anzusehen. Daher war die aktuelle Scheibe »Angeldust«, die wie die meisten ihrer VorgĂ€nger sehr gelungen ausgefallen ist, fĂŒr uns Anlaß genug, zusammen mit SĂ€nger und Basser Stefanos Ursachenforschung zu betreiben. Außerdem wollten wir herausfinden, ob die Band in Zukunft eher auf Rosen gebettet sein wird.

Wie seid Ihr damals auf den Namen ON THORNS I LAY gekommen?

Der Ausdruck stammt aus einem Werk von Shakespeare. Die Idee hatte damals Efthimis Karadimas, der SÀnger von NIGHTFALL, mit denen wir seit jeher gut befreundet sind. Der Name hat uns sofort gefallen, weil er sich im GedÀchtnis verankert.

ON THORNS I LAY-Bandphoto 1

Doch zuvor hieß die Band PHLEBOTOMY...

Um es genau zu sagen, hießen wir zuerst PARALYSIS und haben unter diesem Namen sogar ein Demo veröffentlicht. Doch dann fanden wir heraus, daß es eine hollĂ€ndische Band mit gleichem Namen gab. Daher nannten wir uns in PHLEBOTOMY um, veröffentlichten zwei Promos und eine EP bevor wir endlich bei ON THORNS I LAY landeten.

Und warum habt Ihr zu dem Namen PHLEBOTOMY gegriffen? Hat sich damals schon abgezeichnet, daß Chris, Dein Kollege an der Gitarre, und Du mal Medizin studieren wĂŒrden (Zur ErlĂ€uterung: Eine Phlebotomie ist ein chirurgischer Eingriff mit dem Ziel, Venen zu entfernen)?

Nein, wir spielten damals brutalen Death Metal und fanden, daß der Name paßt. Als sich unsere Musik immer mehr verĂ€nderte, war es an der Zeit, den Namen zu Ă€ndern.

Eure erste CD »Sounds Of Beautiful Experience« war noch eher standardmĂ€ĂŸiger Death Metal, wĂ€hrend die zweite CD »Orama« sehr viel atmosphĂ€rischer gehalten war und Ihr mit Frauengesang gearbeitet habt.

Es war fĂŒr uns schon immer wichtig, daß sich unsere Alben nicht identisch anhören. Damals wurden wir immer mehr von Bands wie MY DYING BRIDE oder ANATHEMA beeinflußt, was sich auch in der Musik widerspiegelte.

Ihr habt diese Alben zwar in Griechenland aufgenommen, doch Ihr habt zu diesem Zeitpunkt schon in RumÀnien gelebt, weil Chris und Du dort Medizin studierten. Warum Medizin und warum in RumÀnien?

Ich wollte schon als Kind Arzt werden. Als ich mich fĂŒr ein Studienfach entscheiden mußte, schwankte ich zwischen BWL und Medizin, aber ich glaube, daß ich mich richtig entschieden habe. Die Entscheidung fĂŒr RumĂ€nien lag darin begrĂŒndet, daß das Studiensystem in Griechenland nicht sehr gut ist und es extrem schwierig ist, die PrĂŒfungen zu schaffen. Daher studieren viele Griechen in Bukarest. Wir fanden schließlich in RumĂ€nien auch ein gutes Studio, so daß wir unser drittes Album »Crystal Tears« dort aufnahmen. Im gleichen Studio ist auch das neue Album »Angeldust« entstanden und wir werden dort wohl auch in Zukunft aufnehmen, weil wir dort unseren spezifischen Sound gefunden haben. Allerdings haben wir unser Studium mittlerweile beendet und leben wieder in Athen.

Wie war es, in RumÀnien zu leben im Vergleich zu Griechenland?

RumĂ€nien ist ein sehr armes Land, so daß das Leben dort hart sein kann. Zudem ist RumĂ€nien ein melancholisches Land; es gibt nur selten Sonne und der Himmel ist immer bewölkt. Vielleicht hat das auch unsere Musik beeinflußt. Andererseits waren in RumĂ€nien Dinge fĂŒr mich möglich, die ich in Griechenland nicht hĂ€tte machen können. Dennoch bin ich froh, wieder in Griechenland zu sein.

ON THORNS I LAY hatten wÀhrend dieser Jahre enorm viele Besetzungswechsel: Ihr beide habt nahezu jede Platte mit einem völlig neuen Line-up eingespielt.

Das ist richtig, aber da wir jetzt wieder in Griechenland leben, haben wir ein festes Line-up gefunden: Fotis ist wieder zurĂŒckgekehrt, der schon bis »Orama« unser Drummer war. Außerdem haben wir in Minas einen neuen Gitarristen. In dieser Besetzung werden wir sicherlich die nĂ€chsten Jahre weitermachen. Die Umbesetzungen in der Vergangenheit waren oft nicht zu vermeiden. Bei »Crystal Tears« hatten wir in den Schwestern Elena (v) und Ioanna Doroftei (k) sowie Andrew Olaru (d) drei rumĂ€nische Mitglieder, die kurze Zeit spĂ€ter nach Amerika ĂŒbersiedelten. In Evans fanden wir einen neuen Drummer, und Claudia J. ĂŒbernahm die weiblichen Vocals, mit denen wir sowohl »Future Narcotic« als auch »Angeldust« einspielten. Doch als Chris und ich nach Griechenland zurĂŒckgingen, wollten sie lieber in ihrer Heimat bleiben, so daß man im Booklet von »Angeldust« ihre Namen erwĂ€hnt sind, auf den Bildern jedoch schon unser neues Line-up zu sehen ist.

Kann man daraus schließen, daß es unerheblich ist, wer ON THORNS I LAY spielt, da letztendlich Du und Chris den Weg fĂŒr die Band vorgeben?

NatĂŒrlich sind wir beide sehr wichtig und beeinflussen maßgeblich die Richtung von ON THORNS I LAY, weil Christ die Musik und ich die Texte schreibe. Dennoch hat jeder Musiker, der mit uns gespielt hat, seinen persönlichen Fingerabdruck in unserem Sound hinterlassen, so daß jede neue Platte anders geklungen hat.

Warum wurde »Future Narcotic« zweimal veröffentlicht? Es macht den Eindruck, als ginge es damals bei Euch drunter und drĂŒber.

Als wir »Future Narcotic« veröffentlichten, hatten wir sieben weitere Songs, die wir gerne als Mini-CD veröffentlicht hĂ€tten. Doch unsere damalige Plattenfirma HOLY RECORDS wollte unbedingt eine zweite Version von »Future Narcotic« veröffentlichen. Wir waren nicht sonderlich glĂŒcklich darĂŒber, daß die Fans einen Teil der Songs zweimal kaufen mußten.

Es ist auffĂ€llig, daß auf der neuen Platte die Streicher sowie die weiblichen Vocals nur noch eine Nebenrolle spielen.

Unser grĂ¶ĂŸter Einfluß bei »Angeldust« war die Band KATATONIA. Daher haben wir diese Elemente deutlich zurĂŒckgefahren. Das wird sich in Zukunft noch deutlicher abzeichnen, denn wir werden ab sofort ohne Keyboards, Streicher und Frauengesang arbeiten und uns auf puren, melancholischen Metal spezialisieren. Wir sind dieser Dinge mittlerweile ĂŒberdrĂŒssig und da wir Musik ausschließlich als unser Hobby ansehen, spielen wir genau das, auf das wir Bock haben.

Bleibt Euch genug Zeit fĂŒr dieses Hobby?

Absolut, denn Chris und ich haben gerade zusammen mit dem Drummer von SEPTIC FLESH ein Sideproject namens PHLEBOTOMY ins Leben gerufen. Wir werden brutalen Death mit EinflĂŒssen von SUFFOCATION, AUTOPSY oder GRAVE spielen und unsere erste Platte wird in drei bis vier Monaten erscheinen. Außerdem werden wir mit ON THORNS I LAY demnĂ€chst ein Video zu â€șSick Screamsâ€č drehen. FĂŒr September und Oktober haben wir den nĂ€chsten Studiotermin in RumĂ€nien gebucht.

Wenn Ihr Euer Studium abgeschlossen habt, arbeitet Ihr mittlerweile bestimmt als Weißkittel.

Ja, wir machen beide unser Praktikum an einem großen Athener Krankenhaus. Ich persönlich möchte einige Jahre in einem Krankenhaus arbeiten und mich anschließend selbstĂ€ndig machen. Im Moment arbeite ich etwa acht Stunden pro Tag und muß natĂŒrlich nebenher noch lernen.

Nur acht Stunden??? Griechenland wÀre wohl das Paradies eines jeden deutschen Arztes!

Vielleicht, aber man sollte nicht vergessen, daß ein Arzt hierzulande nur ein Drittel dessen verdient, was ein Arzt in Deutschland bekommt.

Was sagen eigentlich Deine Patienten dazu, daß ihr Doc abends im Proberaum den harten Mucker raushĂ€ngen lĂ€ĂŸt?

Ich nehme meine Arbeit im Krankenhaus sehr ernst, so daß die Patienten nicht ahnen werden, was ich in meiner Freizeit tue. Ich verwandele mich quasi in einen anderen Menschen sobald ich aus dem Krankenhaus hinausgehe.

http://www.onthornsilay.com/

onthornsilay92@hotmail.com

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Stefan Glas

ON THORNS I LAY im Überblick:
ON THORNS I LAY – Angeldust (Rundling)
ON THORNS I LAY – Future Narcotic (Rundling)
ON THORNS I LAY – ONLINE EMPIRE 3-Special
ON THORNS I LAY – ONLINE EMPIRE 12-Interview
ON THORNS I LAY – News vom 06.02.2004
ON THORNS I LAY – News vom 21.09.2010
ON THORNS I LAY – News vom 02.02.2015
ON THORNS I LAY – News vom 15.06.2017
© 1989-2020 Underground Empire


Where am I? What is this place? A few details about the history of the magazine you just stranded in:
Button: here