UNDERGROUND EMPIRE the ONLINE EMPIRE-Titel
  UE-Home → History → Online Empire 11 → Interview-├ťbersicht → MELDRUM-Interview last update: 04.07.2020, 00:03:53  

MELDRUM-Logo

MELDRUM-Headline

Michelle Meldrum kann auf eine lange Karriere zur├╝ckblicken. Als Teenagerin zusammen mit Drumgott Gene Hoglan bei WARGOD, Ende der Achtziger bei der All-Girl-Band PHANTOM BLUE, an den Platten Ihres Gatten John Norum mitgebastelt und nun eine eigene Band namens MELDRUM. Wem das jetzt zu schnell ging, erh├Ąlt im folgenden Interview die Langversion einer Metalhistorie, die sich auf zwei Kontinenten abspielt. Doch zuerst mu├čte mal eine "triebgesteuerte" Frage verbraten werden.

Wie schafft es Euer Drummer Fredrik, immer wieder mit drei derart hei├čen Br├Ąuten zu proben, ohne st├Ąndig ├╝ber sein Drumset hinweg Euch anzuspringen?

Er kann er uns ohnehin nicht leiden, daher hat er kein Problem damit... Nein, ernsthaft, ich glaube, er kann das ganz gut aushalten, denn er hat eine sehr nette Freundin.

Aber dennoch kann man behaupten, da├č Ihr M├Ądels Euren Sexappeal bewu├čt ausspielt. Diesbez├╝glich braucht man sich nur die Promophotos anzuschauen.

Nein, wirklich nicht! Wir sehen eben so aus, wenn wir unsere B├╝hnenklamotten anziehen und Make-up auflegen. Unter diesem Gesichtspunkt wurde die Band nicht zusammengestellt, sondern es hat sich einfach so ergeben, und niemand mu├čte irgendwie ver├Ąndert werden.

Also keine Sch├Ânheits-OPs bei MELDRUM?

Nope - alles Natur.

MELDRUM-Bandphoto

Gut! Nachdem wir diese essentiellen Fragen gekl├Ąrt haben, sollten wir ganz an den Anfang Deiner Karriere gehen. Deine erste Band war WARGOD, bei der auch Gene Hoglan spielte, bevor er dann zu DARK ANGEL ging und dort die Drumheads zerfetzte. Wie bist Du als junges M├Ądel zu WARGOD gekommen, da es sich doch um eine ziemlich heftige Band handelte?

Ich stand von Anfang an auf diesen heftigen Stoff - etwa seit ich zw├Âlf Jahre alt war! Mir gefielen schon damals Bands wie SLAYER und EXODUS. Ich war mit Gene befreundet, und wir haben einfach angefangen, mit ein paar anderen Jungs zu jammen. Ich hatte das Gl├╝ck, da├č meine Eltern Jazz- und Bluesmusiker sind, und wir lebten in einem gro├čen Lagerhaus, in dem wir einen eigenen Proberaum hatten.

Hatten Deine Eltern keine Probleme damit, da├č ihre Tochter auf diese heftigen Sounds abfuhr?

Anfangs schon, aber sie haben sich ziemlich schnell dran gew├Âhnt. Daher stellten sie uns die R├Ąumlichkeiten zur Verf├╝gung, um mit WARGOD proben zu k├Ânnen, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt gerade mal 14 oder 15 war.

Warum haben es WARGOD nie zu einer Platte geschafft? Ich hatte irgendwann per Tapetrading ein tausendfach kopiertes WARGOD-Demo erhalten und kann mich noch dunkel erinnern, da├č es sich um ziemlich thrashige Mucke handelte.

Ich w├╝rde sagen, da├č es ziemlich progressiver Thrash war; die Musik von WARGOD kann man vielleicht mit dem Sound vergleichen, den Bands wie MESHUGGAH sp├Ąter gemacht haben. Ich war damals so jung, da├č meine Gedanken sich eigentlich nicht um einen Plattenvertrag drehten. Dennoch denke ich, da├č wir eine sehr gute Band waren, denn es gibt immer noch Leute, die uns nach dem WARGOD-Material fragen. Ich wurde neulich von einem Typen aus Schweden angesprochen, der gerne die WARGOD-Demos ver├Âffentlichen w├╝rde. Mal sehen - vielleicht wird es doch noch eine WARGOD-Platte geben...

Kannst Du uns verraten, ob Gene damals schon genauso zerst├Ârerisch Drums spielte, wie das heute der Fall ist.

Er war schon immer so. Gene ist ein klein wenig ├Ąlter als ich, und er war 15, als wir zum ersten Mal zusammenspielten. Und hat uns schon damals umgeblasen!

Hast Du denn bei WARGOD wie ein echtes Thrashgirl ausgesehen? Die ersten Photos, die man von Dir sah, zeigten die gestylte PHANTOM BLUE-Lady.

Es dauerte eine halbe Ewigkeit, bis man mich bei PHANTOM BLUE ├╝berzeugen konnte, da├č ich Make-up auflegen solle. Und bei Liveauftritten war ich stets diejenige, die am wenigsten geschminkt war. Ich hatte einfach einen v├Âllig anderen Background als die anderen M├Ądels bei PHANTOM BLUE, die teilweise auch sehr auf Popmusik standen. Ich konnte mich nie f├╝r Glamrock oder den Rock der Achtziger begeistern. Ich stand schon immer auf h├Ąrtere Musik. Selbst als ich bei PHANTOM BLUE war, galt meine Begeisterung haupts├Ąchlich gitarrenorientierten Bands; ich mochte damals beispielsweise RACER X sehr und hatte Unterricht bei Paul Gilbert.

MELDRUM-Einzelshot: Michelle Meldrum

War Dein Wechsel zu PHANTOM BLUE also eher eine karrieretechnischer Schachzug?

Nein, denn ich war schon immer f├╝r alle Musikrichtungen offen und wollte andere Dinge auszuprobieren. WARGOD waren zu diesem Zeitpunkt gerade auseinandergebrochen. Ich traf damals Nicole Couch, und sie war ebenfalls ein Gitarrenfreak. Daher blieben wir zusammen, um eine Band zu gr├╝nden, die sehr gitarrenbetont ist und haben uns nie Gedanken darum gemacht, Popstars zu werden. Es mag auch einfach sein, da├č in Europa ein falscher Eindruck aufgrund der Photos entstand: Sie wurden extra f├╝r unsere dortige Plattenfirma ROADRUNNER geschossen, und es war unsere erste Photosession mit einem richtigen Photographen und Make-up-Stylisten. Wir waren zu diesem Zeitpunkt 18 oder 19 Jahre alt.

Folglich lag in Amerika die Betonung eher auf dem gitarrentechnischen Aspekt von PHANTOM BLUE. Schlie├člich hattet Ihr einen Vertrag mit SHRAPNEL RECORDS.

Exakt, Mike Varney hatte uns unter Vertrag genommen, so da├č in Amerika unser Aussehen nicht so sehr in den Vordergrund gespielt wurde.

Nicole und Du waren die Keimzelle von PHANTOM BLUE. Wie habt Ihr die anderen M├Ądels ausgesucht?

Nicole und ich hatte eine gemeinsame Vision: Wir wollten eine All-Girl-Band, in der sehr gute Musikerinnen zusammenspielen. Dennoch ist die Auswahl der Musiker fast wie von selbst gegangen: Ich hatte Linda McDonald, die Drummerin, schon Jahre zuvor getroffen und wu├čte, da├č sie sehr gut ist. Der gleiche Mann, der Nicole und mich zusammengebracht hatte, stellte uns auch unsere S├Ąngerin Gigi Hangach vor, und die Bassistin Kim Nielson lernten wir durch eine Freundin kennen.

Welche Erinnerungen hast Du an PHANTOM BLUE?

Oh je, das ist schon eine Ewigkeit her, und ich denke eigentlich gar nicht so viel an PHANTOM BLUE. Ich war damals sehr jung und es hat sehr viel Spa├č gemacht. Aber seither hat sich f├╝r mich so viel ge├Ąndert. Und ich w├╝rde l├╝gen, wenn ich sagen w├╝rde, da├č ich PHANTOM BLUE und diese Tage vermisse. Ich glaube, die Band hatte eigentlich keine echte Chance, denn wir hatten nie einen guten Manager und hatten viel Pech mit unseren Deals. Dennoch war die Musik gut f├╝r jene Zeit, und die Band hatte eine besondere Chemie und eigene Magie.

ROADRUNNER hatten PHANTOM BLUE nach der ersten Platte mit MAD MAX in Europa on tour geschickt. Ein ungew├Âhnlicher Schachzug, eine Band als Headliner loszuschicken, die im Grunde v├Âllig unbekannt war.

Ja, ROADRUNNER waren gro├čartig und hatten eine Menge f├╝r uns gemacht!

Erz├Ąhl' uns doch mal ein paar Anekdoten von dieser Tour, die es eigentlich zuhauf geben m├╝├čte. Zumindest war die "Beziehung" der beiden Bands zueinander sehr gut. Ich kann mich noch erinnern, da├č beispielsweise Gigi und einer der MAD MAX-Musiker unzertrennlich waren...

Ich glaube, es war J├╝rgen, oder? Die beiden waren auf jeden Fall w├Ąhrend der Tour liiert. Mehr m├Âchte ich ├╝ber die Tour nicht sagen. Es hat auf jeden Fall viel Spa├č gemacht...

Nach der zweiten Platte ┬╗Built To Perform┬ź bist Du bei den PHANTOMen abgeflattert. Was waren Deine Beweggr├╝nde?

Es gab damals einige Probleme: Wir hatten damals unseren Deal mit GEFFEN verloren und versuchten, einen neuen an Land ziehen. In der Band flachte die Begeisterung mehr und mehr ab, und es kam immer h├Ąufiger vor, da├č die ein oder andere nicht zu den Proben erschien. Da ich diejenige war, die die meisten Songs schrieb, war ich es irgendwann leid, auch noch die anderen motivieren zu m├╝ssen mitzumachen und warf das Handtuch. Ich wollte ohnehin stilistisch eine andere Richtung einschlagen, ohne wirklich konkrete Vorstellungen zu haben. Ich wu├čte nur, da├č es Zeit f├╝r eine Ver├Ąnderung war. Daher habe ich eine Zeitlang einfach mal Songs geschrieben, um herauszufinden, wo es mich hinf├╝hren w├╝rde.

PHANTOM BLUE haben danach noch lange weitergemacht und waren bis vor etwa ein, zwei Jahren auch Internet-technisch sehr aktiv, bis pl├Âtzlich - und vermutlich endg├╝ltig - Stille einkehrte. Sie hatten beispielsweise die CD ┬╗Prime Cuts And Glazed Donuts┬ź ver├Âffentlicht...

Das waren Aufnahmen, die ich nie ver├Âffentlicht h├Ątte. Es handelt sich dabei um Demos, die wir f├╝r das PHANTOM BLUE-Debutalbum aufgenommen hatten, und es sind letztendlich jene Songs zu h├Âren, die es nicht auf die erste Platte geschafft hatten.

Anschlie├čend erschien auch eine Live-CD mit der neuen Besetzung. Was denkst Du ├╝ber die Aktivit├Ąten von PHANTOM BLUE nach deinem Ausstieg?

Ich habe nicht allzuviel davon geh├Ârt und lediglich mal ein paar Songs von der Live-CD aufgeschnappt, aber ich fand die Qualit├Ąt nicht sonderlich gut. Ich denke, da├č PHANTOM BLUE eine sehr gute Band waren, aber ich sehe keinen Sinn darin, etwas k├╝nstlich am Leben zu erhalten, das damals einfach schon l├Ąngst tot war. Es war einfach ein Originalmitglied, n├Ąmlich Linda, das versucht hat, den Namen weiterhin zu nutzen. Aber es konnte nie die gleiche Band sein oder die gleiche Chemie haben; au├čerdem sollte man bedenken, da├č Linda nie einer der Songwriter war. PHANTOM BLUE war gut wie es damals war, und dabei h├Ątte man es belassen sollen. Und wenn es jemals eine Reunion geben sollte, dann sollte es eine echte Reunion sein!

Aha, und wann spielt Ihr in Wacken..?

[lacht] Ich wei├č nicht, ob irgendeiner der ehemaligen Musikerinnen mal ein entsprechendes Angebot unterbreitet wurde - aber wer wei├č? Allerdings mu├č ich sagen, da├č ich sehr viel lieber mit MELDRUM dort spielen w├╝rde, denn unsere S├Ąngerin ist besser, unsere Songs sind heavier, und ich spiele die Songs sehr viel lieber.

MELDRUM-Einzelshot: Frida St├ąhl

Seit den PHANTOM BLUE-Tagen hat man von Dir nicht mehr viel geh├Ârt. Du hast lediglich auf den Soloalben Deines Mannes John Norum mitgespielt, aber bis zur Gr├╝ndung von MELDRUM kein eigenes Projekt an den Start gebracht. Was hast Du in den Jahren gemacht?

Ich habe mich bei jedem von Johns Alben am Songwriting beteiligt und habe unz├Ąhlige Projekte mit vielen verschiedenen Musikern gehabt. Aber haupts├Ąchlich habe ich massenhaft Songs geschrieben und mich darum gek├╝mmert, die richtigen Musiker f├╝r MELDRUM zu finden. Ich wollte mich n├Ąmlich auf keinen Fall mit einer halbherzigen Geschichte zufriedengeben. Leider hat diese Suche sehr viel l├Ąnger als erwartet gedauert, aber nun wird das n├Ąchste Album schon sehr bald folgen, da das Material im Grunde schon komplett steht.

Wenn Du wirklich so viel Material geschrieben hast, warum hast Du es dann nicht anderen Bands zur Verf├╝gung gestellt, oder zumindest Deinem Mann ein paar Songs gestiftet.

Wie schon gesagt, ich habe zusammen mit John ein paar seiner Songs geschrieben, aber die guten Sachen habe ich f├╝r mich behalten. [lacht]

Ich verstehe - er mag zwar Dein Mann sein, und Du liebst ihn, aber so weit geht die Liebe dann doch nicht: "Du kannst meinen K├Ârper und meine Seele haben, aber von meinen Songs l├Ą├čt Du gef├Ąlligst die Finger weg!" Richtig?

[lacht] Gewisse Dinge sind einfach unantastbar... Nein, es ist einfach so, da├č er sein Projekt hat und ich habe mein eigenes.

MELDRUM-Einzelshot: Moa Holmsten

Dann erz├Ąhl uns doch mal, wie diese anderen beiden Traumfrauen und den gl├╝cklichen Mann mit der perfekten Aussicht in der letzten Reihe gefunden hast.

Ich bin mit John nach Schweden umgezogen und habe in Stockholm begonnen, nach Musikern zu suchen. Ich traf zun├Ąchst unsere Bassistin Frida St├ąhl, und wir beide haben uns sehr gut verstanden. Au├čerdem hat sich sehr schnell herausgestellt, da├č wir sehr gut beim Songwriting harmonieren und sehr ├Ąhnliche Vorstellungen davon hatten, wie die Band aussehen sollte, so da├č wir gemeinsam MELDRUM gegr├╝ndet haben. Am schwierigsten war es, die richtige Stimme zu finden.

Hast Du jemals dar├╝ber nachgedacht, selbst zu singen? Schlie├člich ist es nicht ungew├Âhnlich, da├č bekanntere Musiker bei ihren eigenen Projekten auch selbst den Gesang ├╝bernehmen.

Ich hatte nie das Gef├╝hl, da├č meine Stimme heavy genug ist. Ich singe eher soft, so da├č es f├╝r die Background-Vocals vollkommen in Ordnung ist.

Hattest Du jemals die Idee, MELDRUM mit bekannten Gastmusikern zu best├╝cken? Warum hast Du Dich letztendlich dazu entschlossen, mit unbekannten Musikern zu arbeiten?

Nein, ├╝ber Gastmusiker habe ich nie nachgedacht. Es war mir wichtig, eine echte Band zu haben, die sowohl musikalisch als auch menschlich sehr miteinander harmoniert und auch als Band zusammenbleibt.

War es von Anfang an beabsichtigt, da├č MELDRUM nach dem Vorbild von PHANTOM BLUE eine (Fast-)All-Girl-Band wird?

Nein - alles war m├Âglich. Wir haben auch verschiedene S├Ąnger getestet, aber sie haben nie gepa├čt. Ich hatte eine Idee davon, wie unser S├Ąnger klingen sollte, ganz gleich ob es nun ein Mann oder ein M├Ądel sein w├╝rde. Als Moa Holmsten bei uns vorsang, hatte ich endlich die Stimme gefunden, die meiner Vorstellung entsprach.

Vergleiche doch bitte mal die Arbeitsweise bei MELDRUM mit der, die bei PHANTOM BLUE ├╝blich war.

Es kommt uns bei MELDRUM sehr zugute, da├č alle Musiker schon sehr viele Erfahrungen gesammelt haben. Selbst Moa, die erst 22 alt ist, hat ├╝ber zehn Jahre Geige gespielt. Daher ist die Zusammenarbeit sehr einfach, zumal wir uns alle 150-prozentig der Band widmen und uns sehr auf das konzentrieren, was wir tun. Das war bei PHANTOM BLUE nicht bei allen Musikern der Fall, ohne da├č ich an dieser Stelle Namen nennen m├Âchte. Diese Musiker mu├čten dann von den anderen immer mitgeschleppt werden.

Und wie kommt eine Violinistin zu einer Band wie MELDRUM, die teilweise sehr ruppig zu Werke geht?

[lacht] Sie sang zuvor in Punkbands! Aber als Kind hat sie Geige gespielt.

Wie alt sind die anderen Musiker von MELDRUM?

Frida ist 26 und unser Drummer Fredrik Haake 27.

Folglich bist Du die ├älteste in der Band? Da Du allerdings ├╝ber 30 Jahre alt sein m├╝├čtest, darf ich Dich nicht fragen, wie alt Du bist.

Doch das darfst Du, denn ich bin erst 30 geworden... [lacht]

Aha, und zum wievielten Mal? Entschuldigung, ist mir so rausgerutscht... Du bist also 30.

[lacht] La├č' es mich so formulieren: Es ist eine denkbare M├Âglichkeit...

Okay, Themenwechsel. Bist Du als bekanntester Musiker und Namensgeber von MELDRUM zugleich der Kopf der Band?

Nein, wir handhaben alles demokratisch. Ich schreibe zwar den Gro├čteil der Songs und k├╝mmere mich um den Businesskram, aber die wichtigen Entscheidungen treffen wir alle gemeinsam. Schlie├člich ist MELDRUM kein Soloprojekt, sondern eine Band!

Die Musik von MELDRUM ist teilweise sehr modern ausgefallen. Wollt Ihr damit den kommerziellen Erfolg erzwingen?

Man sollte doch nicht vergessen, da├č sich auf der Platte sehr unterschiedliche Sachen befinden. Wenn wir wirklich trendy w├Ąren, w├╝rden wir komplett LIMP BIZKIT-Kram machen, aber das wollen wir nicht. Wir haben nicht bei allen Songs die Gitarren runtergestimmt. Ich bin davon ├╝berzeugt, da├č wir einen eigenen Sound haben.

Die gro├če stilistische Bandbreite auf ┬╗Loaded Mental Cannon┬ź hat mich ebenso ├╝berrascht. Wie kann es sein, da├č das alles von der gleichen Band stammt?

Die Songs spiegeln unterschiedliche Seiten unserer Pers├Ânlichkeit wider. Wir haben den Vorteil, da├č Moa eine sehr flexible Stimme hat. Sie kann sowohl sehr heavy als auch soft singen, und es klingt stets ├╝berzeugend und nat├╝rlich. Ich halte es f├╝r wichtig, da├č wir so unterschiedliche Songs haben, denn die H├Ârgewohnheiten des Publikums haben sich in den letzten zehn Jahren gewandelt, und viele h├Âren sehr unterschiedliche Stile.

Ganz abgesehen davon, habt Ihr bei dem Song ÔÇ║ChaosÔÇ╣ eine Sitar benutzt, was die Sache noch verwegener macht.

Ich wollte einfach zu diesem Gitarrenpart eine andere Klangfarbe hinzuf├╝gen. Da wir alle sehr unterschiedliche Musik h├Âren, probieren wir, solche Einfl├╝sse auch bei MELDRUM zu nutzen.

Bezieht sich diese Faszination nur auf das Instrument Sitar oder auf die ganze fern├Âstliche Kultur?

Die Entscheidung fiel in diesem Fall nur, weil das Instrument die gew├╝nschte Stimmung in den Song bringen kann. Dennoch zieht mich die fern├Âstliche Kultur sehr an. Ich mache beispielsweise seit vielen Jahren Yoga.

Es scheint, als h├Ąttest Du nicht alle Br├╝cken zu den PHANTOM BLUE-M├Ądels abgebrochen: Einen der Songs auf ┬╗Loaded Mental Cannon┬ź hast Du zusammen mit Karen Kreutzer geschrieben. Karen war nach ┬╗Built To Perform┬ź zu PHANTOM BLUE gesto├čen, hatte allerdings auf der Platte schon zwei Soli gefiedelt.

Das war der letzte Song, den ich bei PHANTOM BLUE geschrieben hatte, und Karen hatte ein Riff beigesteuert. Ich bin immer noch mit Karen befreundet. Sie ist neulich mit ihren Eltern wieder nach Maryland gezogen. Derzeit hat sie zwar keine Band, aber sie spielt immer noch und schreibt neue Songs.

Wie sieht es eigentlich bei den anderen PHANTOM BLUE-M├Ądels aus? Was wei├čt Du ├╝ber sie?

Ich habe Linda letzte Woche zum ersten Mal nach einer sehr, sehr langen Zeit getroffen. Sie spielt jetzt in einer IRON MAIDEN-Tribute-Band. Au├čerdem habe ich sporadisch Kontakt mit Nicole: Sie lebt in New York mit ihrem Freund und ihrem Kind. In Sachen Musik ist es genauso wie bei Karen: Sie hat ihr Instrument noch nicht an den Nagel geh├Ąngt und komponiert weiterhin flei├čig, aber sie hat im Moment keine Band.

Au├čer Karen hat Dich auch Ex-BLUE MURDER-S├Ąnger Kelly Keeling beim Songwriting unterst├╝tzt, der auch auf einem von Johns Soloscheiben gesungen hat.

Ich hatte nach meinem Abgang bei PHANTOM BLUE zusammen mit Kelly einige Songs komponiert, die mir so gut gefielen, da├č ich sie auf jeden Fall f├╝r das MELDRUM-Debut benutzen wollte.

Ihr wart f├╝r die Tour mit DEMON angek├╝ndigt, was sich leider zerschlagen hat. Werden wir MELDRUM trotzdem live begutachten k├Ânnen?

Wir wollen auf jeden Fall eine Headlinertour spielen. Wir haben uns entschlossen, lieber durch kleine Clubs zu touren und nur wenig Eintritt zu verlangen, so da├č niemand wegen eines hohen Eintrittspreises abgeschreckt werden kann.

Eigentlich m├╝├čte Eure Musik in Amerika hervorragend funktionieren. Allerdings habt Ihr derzeit nur in Europa einen Deal.

Deswegen bin ich mit John nach Amerika geflogen: John tourt gerade mit DOKKEN, und ich nutze die Zeit, um f├╝r MELDRUM mit Plattenfirmen Kontakt aufzunehmen. Wir haben schon einige Showcases in Amerika gespielt.

Du bist derzeit also wieder in Deiner Heimat. Wie f├╝hlt man sich eigentlich als sonnenverw├Âhnte Kalifornierin, wenn man in Stockholm leben mu├č?

Ich bin in Detroit aufgewachsen und erst mit 11 Jahren nach Kalifornien gekommen. W├Ąre Detroit nicht gewesen, h├Ątte ich mich vermutlich niemals in Schweden einleben k├Ânnen. Schweden hat all das, was Kalifornien fehlt und umgekehrt. Schweden ist ruhig, es gibt frische Luft, die Menschen sind bodenst├Ąndiger. Ich hatte schon immer eine sehr europ├Ąische Komponente in meinem Naturell, so da├č ich mit Schweden sehr gut klarkomme. Au├čerdem m├╝ssen John und ich sehr oft zwischen beiden Gegenden hin- und hertingeln, so da├č es vor allem angenehm ist, wenn man den strengsten schwedischen Wintermonaten entfliehen kann.

John hat mir im Interview erz├Ąhlt, da├č Du in Stockholm eine Musikschule besuchst. Also machst Du gerade Deine eigenen Semesterferien?

Nein, ich habe alle Kurse abgeschlossen. Ich habe dort viel ├╝ber Aufnahme- und Studiotechnik gelernt, so da├č wir zuk├╝nftig f├╝r Aufnahmen bei MELDRUM nicht mehr auf irgendjemanden angewiesen sind.

Das hei├čt, Ihr habt jetzt endlich wieder Zeit, um Sex miteinander zu haben...

[lacht] Das haben wir schon immer ganz gut auf die Reihe gekriegt. Wir sind beide Musiker und wissen daher, da├č unser Leben etwas anders verl├Ąuft als das von anderen Menschen. Au├čerdem sind wir jetzt schon seit zw├Âlf Jahren zusammen und haben gelernt, uns zu arrangieren.

Dann kann es ja nicht mehr lange dauern, bis es bei der Familie Norum/Meldrum Nachwuchs gibt, oder?

Wir m├Âchten auf jeden Fall Kinder haben, aber wir sind beide noch jung und m├╝ssen uns nicht beeilen. Wir warten einfach auf den richtigen Zeitpunkt.

Wie habt Ihr Euch eigentlich kennengelernt? Wir w├╝rden jetzt gerne eine schmierige Story von einem Groupie h├Âren, das sich bei einem EUROPE-Konzert backstage geschmuggelt hat...

[lacht] Wir haben uns im Studio getroffen.

Nicht gerade ein romantischer Ort f├╝r den Beginn einer Beziehung, oder?

Och, ich mag Studios eigentlich sehr. John war damals gerade mit Don Dokken im "Total Access"-Studio in Redondo Beach, um ┬╗Back From The Ashes┬ź aufzunehmen.

Wie w├╝rdest Du zum Abschlu├č die Situation einer Musikerin in der Metalszeme beurteilen, wenn Du die Umst├Ąnde von fr├╝her mit denen von heute vergleichst.

Ich glaube, es ist sehr viel besser geworden. Heute gibt es mehr M├Ądels, die harte Musik spielen, und dementsprechend sind sie viel mehr akzeptiert. Fr├╝her wurde man h├Ąufig auf sein Aussehen reduziert.

http://www.meldrum.nu/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Stefan Glas

MELDRUM im ├ťberblick:
MELDRUM – Loaded Mental Cannon (Rundling)
MELDRUM – ONLINE EMPIRE 11-Interview
MELDRUM – ONLINE EMPIRE 12-Special
MELDRUM – News vom 15.09.2007
MELDRUM – News vom 30.04.2008
MELDRUM – News vom 03.08.2008
MELDRUM – News vom 05.05.2009
andere Projekte des beteiligten Musikers Fredrik Haake:
PLANET STORM – News vom 24.02.2007
andere Projekte des beteiligten Musikers Moa Holmgren:
Moa Holmgren – News vom 16.08.2007
andere Projekte des beteiligten Musikers Michelle Meldrum:
PHANTOM BLUE – UNDERGROUND EMPIRE 2-Interview
siehe auch: Michelle Meldrum verstirbt am 21. Mai 2008
andere Projekte des beteiligten Musikers Frida St├ąhl:
LAPUMA – News vom 17.06.2009
LA PUMA – News vom 30.04.2008
┬ę 1989-2020 Underground Empire


Ein geniales, superwitziges Buch, das jeder Metaller kennen mu├č!
Button: hier