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”UNDERGROUND EMPIRE 4”-Datasheet

Contents:  POLTERGEIST (CH)-Interview

Date:  09.02.1991 (created), 28.02.2010 (revisited), 10.09.2016 (updated)

Origin:  UNDERGROUND EMPIRE 4

Status:  published

Task:  from paper to screen

Availability:  original printed issue still available, order here!

Comment:

Auch dieses Interview zeigt, da├č Markus sich bei der Auswahl seiner Interviewthemen mehr den "normalen" Bands zugewandt hatte, will hei├čen Bands, die schon einen Deal hatten. F├╝r POLTERGEIST bedeutete ┬╗Behind My Mask┬ź allerdings das Ende des Vertrages mit CENTURY MEDIA. Witzigerweise sollte die Band ihr bestes Album zwei bis drei Jahre sp├Ąter abliefern, als offensichtlich kein Plattenfirmenhahn nach der Schweizer Truppe kr├Ąhte, so da├č sie ┬╗Nothing Lasts Forever┬ź auf dem bandeigenen Label HAUNTED HOUSE ver├Âffentlichen mu├čten.

Supervisor:  i.V. Stefan Glas

 
 

POLTERGEIST (CH)-Logo

POLTERGEIST (CH)-Bandphoto 1

Nachdem es den Mannen um Bandleader V.O. Pulver(geist) schon mit ihrem Debut gelungen war, sich quasi auf Anhieb einen Platz in der ersten Division der europ├Ąischen Speed Metal-Liga zu sichern, war uns die Ver├Âffentlichung des Nachfolgewerkes ┬╗Behind My Mask┬ź Grund genug, den guten Jungen einmal mit ein paar Fragen zu nerven. Doch lest selbst:

Auf jeden Fall kann man sagen, da├č unsere neuen St├╝cke wesentlich melodi├Âser sind, obwohl sie gleichzeitig auch h├Ąrter und schneller sind. Das h├Ârt sich vielleicht im ersten Moment bescheuert an, stimmt aber. Wir haben versucht, die Songs geradliniger zu halten und ├╝berfl├╝ssige Riffs einfach wegzulassen. Die Songs sollen fl├╝ssiger wirken und nicht durch tausend Breaks und verschiedene Riffs verlorengehen. Der erste Song ÔÇ║We Are The PeopleÔÇ╣ entstand schon vor l├Ąngerer Zeit, noch mit unserem alten Line-up. Ich habe den Song damals geschrieben, als all die Aufst├Ąnde in der ehemaligen DDR stattfanden. Eigentlich wollten wir den Text ├Ąndern, da damals doch ziemlich viel Schei├če am Laufen war, mit dem Empfang der Ostler im Westen und so. Als es dann an die Aufnahmen ging, habe ich mich entschieden, den Text doch so zu lassen wie er ist, da die Grundstimmung, die ihm innewohnt allgemeing├╝ltig ist. Niemand hat das Recht, irgendein Volk zu unterdr├╝cken. Der Titeltrack ÔÇ║Behind My MaskÔÇ╣ handelt von einer Begebenheit, die eigentlich jeder schon einmal erlebt hat. Wenn man ziemlich betrunken ist, oder sich irgendwelche Genu├čmittel eingefahren hat, und dann mit seinen Kumpels am Tisch sitzt, denken die, der ist zwar platt, aber es geht noch irgendwie, da du quasi eine Maske aufgesetzt hast. Hinter dieser Maske gehen deine Gedanken aber total ab, du hast das Gef├╝hl, als ob du in eine Spirale fallen w├╝rdest. Weiter geht's mit ÔÇ║Act Of ViolenceÔÇ╣, das die Problematik von Stra├čengangs in Gro├čst├Ądten behandelt. In Basel gab es in letzter Zeit auch einige Probleme mit solchen Gangs. Es folgt, dann eine Ballade mit dem Titel ÔÇ║GreyÔÇ╣, deren Text ziemlich ernst und d├╝ster ist. Der Text entstand, als mich meine Freundin einmal fragte, ob ich denn irgendwann Kinder haben wolle. Ich habe dann versucht, ihr klarzumachen, da├č man das nicht verantworten k├Ânne, in diese Welt Kinder zu setzen. In dem Text fragt ein kleines Kind seinen Vater, warum es nicht mehr zum spielen nach drau├čen gehen darf. Der Vater antwortet dann, da├č das Kind krank werden w├╝rde, da├č die Seen nicht mehr sauber sind und da├č der Himmel nicht mehr blau, sondern grau ist. Der letzte Song auf der ersten Seite hei├čt ÔÇ║DelusionÔÇ╣. Hier geht es um die komischen Wahlerfolge rechtsradikaler Parteien, wie den Republikanern in Deutschland, oder der NA in der Schweiz. Ich habe mir mal Gedanken dar├╝ber gemacht, wie weit es kommen k├Ânnte, wenn diese Leute wirklich wieder an die Macht kommen sollten. ÔÇ║Drilled To KillÔÇ╣ handelt von Kindern, die von ihren eigenen Eltern an Guerilla-Organisationen verkauft werden, da sie nicht genug Geld haben, um diese zu ern├Ąhren. ÔÇ║Make Your ChoiceÔÇ╣ ist die Fortsetzung zu ÔÇ║DepressionÔÇ╣ vom Debut. Es handelt wieder davon, da├č man auf der Suche nach dem Sinn des Lebens immer wieder feststellt, da├č eigentlich ├╝berhaupt nichts einen Sinn hat; und man dadurch immer schlechter draufkommt. Mir helfen solche Texte, ├╝ber meine eigenen Probleme hinwegzukommen. ÔÇ║Still AliveÔÇ╣ ist unsere Antwort an alle Leute, die uns bis jetzt ├╝ber den Tisch gezogen haben. Der letzte Song auf der Platte k├Ânnte durchaus aus den siebziger Jahren stammen. Er besteht nur aus zwei Riffs, ist aber vom Arrangement her so aufgebaut, da├č er nie langweilig wird. Der Text handelt davon, wie sich die Seele vom K├Ârper l├Âst und hinwegschwebt. Das St├╝ck hei├čt ÔÇ║Drifting AwayÔÇ╣. CD-Bonustracks wird es diesmal keine geben, da wir der Meinung sind, da├č so etwas nur Geldmacherei ist.

Auf Eurer ersten LP gab es ÔÇ║StrutterÔÇ╣ von KISS als CD-Bonus...

Ja, damals war diese Sache auch noch nicht so verp├Ânt. Eigentlich haben wir das St├╝ck nur zum Aufw├Ąrmen gespielt. Der Engineer hat einfach die Bandmaschine mitlaufen lassen. Wenn zwischendurch etwas Zeit war, haben wir immer etwas an dem St├╝ck gearbeitet. Da ÔÇ║StrutterÔÇ╣ nicht so zu unserem restlichen Material pa├čte, haben wir uns halt entschlossen, es als CD-Bonus zu nehmen.

Ihr scheint irgendwie ein Faible f├╝r die Musik der Siebziger Jahre zu haben...

Stimmt... Alte BLACK SABBATH und RUSH, darauf fahre ich total ab. Es war aber nicht unbedingt bewu├čt, da├č wir einen Song wie ÔÇ║Drifting AwayÔÇ╣ aufgenommen haben. Als wir einmal ziemlich bek... (Zensur findet statt - Jawoll! - Red.) waren, waren wir genau in der Stimmung, so einen Song zu machen. Wir wollten ihn unbedingt auf die Platte nehmen, da es schon genug Intoleranz in dieser Szene gibt. Alle h├Âren sich immer nur die Musik an, die gerade in ist und die ihre Kumpels akzeptieren. Ich finde, da├č die ganze Szene ruhig etwas mehr Toleranz vertragen k├Ânnte. Ich habe keine Probleme damit, eine MORGOTH-Platte zu h├Âren und gleich im Anschlu├č daran RUSH aufzulegen oder zwischenrein mal Klassik und SLAYER. Wir versuchen, die ganze Musik, die wir m├Âgen, so zu verarbeiten, da├č es interessant ist, jedes St├╝ck f├╝r sich, aber auch gleichzeitig die ganze LP, zu h├Âren, ohne da├č man denkt, "Dieses Riff habe ich ja schon zwei Lieder zuvor geh├Ârt."

Irgendwie scheint das Feeling, das viele Bands in den Siebziger Jahren hatten, verlorengegangen zu sein...

Stimmt! Das wird wahrscheinlich auch an der Produktionstechnik liegen. Heutzutage werden Platten so aufgenommen, da├č zuerst das Schlagzeug, dann der Ba├č, dann die Gitarren, dann der Gesang und schlie├člich die Overdubs eingespielt werden. Da geht viel an Feeling verloren. Wenn deine Platte heute keine ├╝berdurchschnittliche Produktion hat, wirst du von vorneherein ├╝berall niedergemacht. Dann schaut man halt schon im Studio, da├č alles m├Âglichst perfekt klingt. Fr├╝her hat eben weniger die Perfektion, als das richtige Feeling gez├Ąhlt. Diesmal hatten wir allein schon aufgrund des Studios gar nicht die M├Âglichkeit, die Platte live einzuspielen. Auf einer der n├Ąchsten LPs werden wir das aber mit Sicherheit versuchen. Es wird aber auch noch eine Weile dauern, bis unser neues Line-up so eingespielt ist, da├č wir das ohne Fehler machen k├Ânnen. Die alten Zeiten kann man sich nur zur├╝ckw├╝nschen, aber ob sie wirklich wieder kommen, steht zu bezweifeln. Fr├╝her war jede Band individuell. Man konnte sie sofort an ihrem Sound und den Songs erkennen. Es war nicht so wie heute, da├č es 1.000 METALLICA-Kopien gab.

Fr├╝her hatten die Bands auch mehr Mut, wenn es darum ging, sehr unterschiedliche Sachen auf ein Album zu packen...

Stimmt, wenn du dir die alten SABBATH-Scheiben anh├Ârst, dann ist es manchmal Wahnsinn, was da alles drauf ist: Vom Samba-St├╝ck ├╝ber klassische Ch├Âre ist alles zu h├Âren. Das finde ich total geil.

Wie erw├Ąhnt gab es einige Line-up-Wechsel...

Von der Besetzung der ersten Platte sind nur unser S├Ąnger Andre und ich ├╝briggeblieben. Unser Drumer Jazzi hat uns nach den Gigs mit CORONER und WATCHTOWER verlassen, da er ziemliche finanzielle Probleme hatte. Er mu├čte dann anfangen zu arbeiten, um seine Schulden abtragen zu k├Ânnen. Graf, unser Ex-Bassist hat uns dann auch zwei Wochen sp├Ąter verlassen, da er nicht mehr an den Erfolg glauben konnte. Er hat dann einen sehr guten Job bei einer Versicherung angenommen. Das ist das klassische Schweizer Musiker-Syndrom. Wir haben es immer mit irgendwelchen Idioten zu tun, denen ihr geregeltes Einkommen oder ihre Freundin wichtiger ist als die Musik. Das ist echt zum Kotzen! Danach stieg dann unser neuer Bassist Marek ein. Er ist im ├╝brigen erst 17 Jahre alt. Wir hatten dann einen Schlagzeuger, namens... ach ist doch egal, ich will gar nicht mehr wissen, wie sein Name war. Er hat dann mit uns das neue Album eingespielt, nur um anschlie├čend den ganzen Krempel gleich wieder hinzuschmei├čen. Er meinte, da├č Speed Metal wohl doch nicht seine Musik w├Ąre, und lauter so fadenscheinige Gr├╝nde. Seit ein paar Wochen haben wir nun hoffentlich den richtigen Mann gefunden. Er hei├čt Alex, ist 22 und kommt wie wir aus Basel. So eine geile Stimmung innerhalb der Band hatten wir schon lange nicht mehr.

Auf dem Cover der ersten LP war so ein komisches M├Ąnnchen zu sehen...

Der Quamba... (? - Red.) Wir wollten das Ding eigentlich weiterhin verwenden, nur kamen uns dann TANKARD mit ihrem Alien in die Quere, der ja ziemlich ├Ąhnlich aussieht. Wir hatten das M├Ąnnchen schon auf unserem Demo gehabt. Als wir dann an der Arbeit zur ersten Platte waren, haben wir uns bei TANKARD-Manager Buffo erkundigt, ob die Band das Monster weiterhin verwenden will. Er hat dann, "Ne, ne, wir werden uns jetzt auf den Professor konzentrieren", gesagt. Wir haben dann das Ding aufs Plattencover genommen, und ich habe es mir auf den Arm t├Ątowieren lassen. Pl├Âtzlich kamen dann noch mehr TANKARD-Plattencover mit dem gr├╝nen Monster raus. Wir haben uns dann ├╝berlegt, ob wir das Ding weiter durchziehen wollen, und ewig mit TANKARD verglichen werden, oder ob wir es sein lassen. Wir haben uns schlie├člich f├╝r die zweite M├Âglichkeit entschieden. Irgendwie hat dieses Fun-Konzept auch nie zu uns gepa├čt, da unsere Texte sehr d├╝ster und depressiv sind. Ich bin halt ein bi├čchen ein d├╝sterer Geselle. [lacht]

Im Zusammenhang mit POLTERGEIST taucht auch immer wieder der Name Schmier auf. Er hat Euere Demos produziert und begleitet Euch teilweise auf Tour. Wird es in Zukunft eine weitere Zusammenarbeit geben?

Es liegt daran, da├č wir uns drei-, viermal die Woche sehen und Party machen, da wir so ziemlich die einzigen Leute bei uns in der Gegend sind, die eigentlich jeden Tag feiern m├Âchten. Wir kennen Schmier und DESTRUCTION schon sehr lange, und verstehen uns mit beiden Seiten immer noch sehr gut, auch wenn sie Streit haben. Es w├Ąre wirklich toll, wenn wir mal mit HEADHUNTER oder DESTRUCTION auf Tour gehen k├Ânnten. Andre hat ja die Vocals auf der DESTRUCTION-Platte eingesungen, und trotzdem sind er, Schmier und ich noch die dicksten Freunde.

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Markus M├╝ller

POLTERGEIST (CH) im ├ťberblick:
POLTERGEIST (CH) – Back To Haunt (Rundling)
POLTERGEIST (CH) – Nothing Lasts Forever (Rundling)
POLTERGEIST (CH) – UNDERGROUND EMPIRE 4-Interview
POLTERGEIST (CH) – UNDERGROUND EMPIRE 6-"Known'n'new"-Artikel
POLTERGEIST (CH) – News vom 27.04.1992
POLTERGEIST (CH) – News vom 23.09.1992
POLTERGEIST (CH) – News vom 25.09.2013
POLTERGEIST (CH) – News vom 31.10.2013
POLTERGEIST (CH) – News vom 19.04.2016
Soundcheck: POLTERGEIST (CH)-Album »Behind My Mask« im "Soundcheck Metal Hammer 02/91" auf Platz 16
unter dem ehemaligen Bandnamen CARRION (CH):
CARRION (CH) – News vom 19.03.2007
andere Projekte des beteiligten Musikers Andr├ę Grieder:
Soundcheck: DESTRUCTION-Album »Cracked Brain« im "Soundcheck Metal Hammer 11-12/90" auf Platz 16
andere Projekte des beteiligten Musikers V.O. Pulver:
GURD – 10 Years Of Addiction (Rundling)
GURD – Bang! (Rundling)
GURD – Bedlam (Rundling)
GURD – ONLINE EMPIRE 28-"Living Underground"-Artikel
GURD – News vom 24.03.2004
GURD – News vom 29.11.2004
GURD – News vom 08.07.2009
GURD – News vom 08.07.2009
GURD – News vom 28.08.2009
P├äNZER – The Fatal Command (Rundling)
P├äNZER – News vom 06.12.2016
P├äNZER – News vom 18.06.2018
PULVER (CH) – ONLINE EMPIRE 37-"Known'n'new"-Artikel
PULVER (CH) – News vom 08.07.2009
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PULVER (CH) – News vom 03.07.2011
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