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"Headbangers Night VI"

Nanzdietschweiler, Kurpfalzhalle

03.04.2009

Alle Jahre wieder veranstalten die "Metalheads Remigiusland" ihre "Headbangers Night", bei deren sechster Auflage die, äh..., rumänischen, äh..., Lokalmatadoren POWERWOLF als Headliner fungieren durften, die hier erstmals ihr neues Stageset sowie neue Songs ausprobierten. Als passionierter WOLFsfreak konnte sich meinereiner diese Gelegenheit natürlich nicht entgehen lassen!
Da die "Metalheads Remigiusland" ihre Veranstaltungen immer sehr professionell organisieren und zudem auf fanfreundliche Preise sowohl beim Eintritt als auch bei den Fragen rund um das leibliche Wohl achten, ist der Besuch der "Headbangers Night" ohnehin immer ein Vergnügen. Im Endergebnis sollten etwa 350 Metalfans dem Ruf des WOLFs und der vier weiteren Bands folgen.

MALOIK-Liveshot

Als erste Band gehen MALOIK aus dem Saarland auf die Bühne, die mit normalem Metal loslegen. Die Songs und das Auftreten der Musiker sind prinzipiell okay, aber beides kommt doch sehr hüftsteif rüber. Dennoch ein akzeptabler Auftakt für den Abend, und wenn MALOIK erst mal mehr Erfahrung gesammelt haben, wird sich sicherlich auch die Schlagkraft des Songmaterials und der Bühnenpräsenz steigern. Ein wenig Thema verfehlt ist indes die Anmaßung, daß die Band als Opener, der fast keine Publikumsreaktionen geerntet hat, zu einer Zugabe auf die Bühne zurückkehrt, weil grob geschätzt fünf Stimmen (drei Kumpels und zwei Musikerfreundinnen..?) zaghaft nach einer solchen verlangt haben. Auch eine Methode, sich lächerlich zu machen und/oder Sympathien zu verspielen...

PALACE [D]-Liveshot

Auf der Professionalitätsleiter soll es dann einige Sprossen nach oben gehen, denn die Speyerer Truppe PALACE steht an, bei der in Harald "HP" Piller (v, g) und Harry Reiter (d) schließlich zwei alte Hasen aktiv sind, die früher schon bei SAINTS ANGER gespielt hatten. Leider jedoch ist auch nach fünf Studioalben im PALACE-Liveset zwischen etlichen sehr gelungenen Songs immer noch Füllmaterial anzutreffen, doch die Truppe schafft es, das Publikum mitzureißen. Optisch ist die Truppe indes manchmal grenzwertig, so daß mancheiner den Gang zu Styleberater nahelegen würde: So fällt Jason Mathias, der ebenso wie sein Kollege eine Dimebag-Klampfe von DEAN spielt, durch sein ausgeprägtes Grimassieren auf, während der Anblick von Harald Piller - sehr schick auch die im Takt mitwippende Kette am Bein - einen etwas gehässigeren Zeitgenossen zu der Aussage animiert: "Ja, David Hasselhoff spielt bei PALACE..."

CHINCHILLA [D]-Liveshot

Wo bei den Bands zuvor noch Lücken auszumachen waren, paßt nun alles, denn CHINCHILLA legen eine Performance vom Feinsten hin. Mit ihrem neuen Gitarristen Tobias Frank, der erst kurz zuvor hinzugekommen ist und früher mit Bernd Heining, der heuer zusammen mit Basser Roberto Palacios die Rhythmusgruppe abgibt, bei der Pop-Rock-Band DR. FLASHBEAT gespielt hatte (wer sich übrigens für eine Erklärung zur derzeitigen Besetzungslage von CHINCHILLA interessiert, möge zum Ende des Textes springen), und von Tommy Laasch souverän angeführt, spielen die Schwaben ein knackiges Set, in dem auch zwei Songs der momentan in Arbeit befindlichen CD »The Prophecy« vertreten sind: ›Thunderstorm‹ und ›Bloody Sacrifice‹. Keine Frage: ob live oder auf CD - CHINCHILLA machen einfach immer Spaß!

POWERWOLF-Liveshot 1

Schon während die neue POWERWOLF-Bühnendeko, vier Kirchenfenster, die dank ihrer Anordnung der Bühne mehr Tiefe verleihen, aufgebaut wird, riecht man den durchdringenden Duft von Weihrauch, denn backstage wird das Rauchfaß, das Oberwolf Attila später als Teil der Bühnenshow einsetzen wird, angeheizt. Überhaupt spielen die Wölfe anno 2009 deutlicher denn je mit Insignien: die Gitarrengurte im Stile der Stola eines Priesters gestaltet, während Attila gelegentlich mit Rauchmantel auftritt oder einen Kelch benutzt, in den er sein Wasser gießt, um es anschließend daraus zu trinken.
Die Stimmung, die POWERWOLF an diesem Abend entfachen, ist nicht zu schlagen, denn schon vor Beginn des Sets singt sich das Publikum mit ein paar POWERWOLF-Songs warm, und es gibt Sprechchöre, die nach der Band verlangen, was bis zum Ende des Sets nicht abflacht. Da meinereiner die Band bislang hauptsächlich auf Festivals gesehen hat, ist die Tatsache, daß die Band im Dunklen weitaus mystischer wirkt, sehr auffällig. Ergo: POWERWOLF müssen möglichst bald Headlinerstatus haben, um auch bei Open Airs im Dunklen spielen zu können. Den Entertainmentfaktor und - viel wichtiger - das notwendige Klasse dafür bringt die Band auf alle Fälle mit.

POWERWOLF-Liveshot 2

Der einzige Wermutstropfen an einer sonst durchweg gelungenen "Headbangers Night" ist die Tatsache, daß man eine Killerband wie CONTRADICTION als "After-Show-Band" verheizt, so daß bis zum Anfang des Sets der Wuppertaler nur noch eine Handvoll Fans anwesend sind. Diese rütteln zwar die Absperrung, daß sie fast umzustürzen droht, oder tanzen Pogo quer durch die Halle, doch ansonsten ist es eine unwürdige Kulisse für eine der stärksten Thrashbands Deutschlands - wohlgemerkt reine Band, die diesem Stil schon seit 20 Jahren treu ist und nicht etwa durch die neue Thrashwelle angesteckt wurde. Doch CONTRADICTION lassen sich nichts anmerken und reißen ein messerscharf gespieltes Set runter, an dem sich so manche andere Thrashkapelle - ganz gleich aus welcher Ära - ein Scheibchen abschneiden könnte! Zu einer etwas gastlicheren Uhrzeit - als CONTRADICTION von der Bühne gehen, stellen sich die Funkuhren gerade kollektiv auf Sommerzeit um - hätte die Band sicherlich noch mehr auftrumpfen können.

CONTRADICTION-Liveshot

Im März 2010 geht es mit der "Headbangers Night VII" und einem hoffentlich etwas geschickter gestalteten Ablaufplan weiter. Infos dazu und zu anderen Veranstaltungen, bei denen die "Metalheads Remigiusland" involviert sind, gibt es immer rechtzeitig auf der Homepage des Vereins:

http://www.metalheads-remigiusland.de/


Stefan Glas

Photos: Stefan Glas

P.S.: Wir nutzten übrigens die Möglichkeit, CHINCHILLA-Scheffe Udo Gerstenmayer direkt wegen der etwas verworrenen Besetzungssituation auf den Zahn zu fühlen. Hier seine Antwort:

Unser Drummer Chris Schwinn arbeitet in einer leitenden Position eines namhaften schwäbischen Textilunternehmens, deshalb ist Chris in seiner freien Zeit leider so beschnitten, daß da fast nichts mehr geht. Zudem hat er ja auch Familie. So waren wir schon vor acht Jahren gezwungen, einen Backup-Drummer ständig parat zu haben, um Termine wahrnehmen zu können, ohne auf den Terminplan von Chris' Firma Rücksicht nehmen zu müssen, da er - wie Du Dir denken kannst - durch seinen Job zeitlich eingeschränkt war und ist. Ich habe mir dann damals gedacht, daß es bei einer Fußballmannschaft doch auch nicht anders ist, da es Ersatzspieler gibt; warum soll das nicht auf eine Rockband übertragbar sein? Also fing ich an, Backup-Drummer zu suchen, und so kamen dann Klaus Sperling und Bernd Heining wie die Mutter zum Kind. Da ich mit Klaus eh bei der MOTÖRHEAD-Coverband BASTARDS spielte und ich dort Bernd als Backup für Klaus "installiert" hatte, war es logisch, daß dies meine ersten Adressen sein würden. Zur Info, Bernd kenne ich seit 25 Jahren und würde ihn als Freund bezeichnen; er spielt damals Schlagzeug bei meiner ersten Band BELDA BEAST. Mit Bernd habe ich die ganzen Schlagzeugpart für die kommende Platte »The Prophecy« ausgearbeitet und für die Vorproduktion programmiert. Dann kam Klaus und meinte, er will die neue Scheibe einspielen. Du siehst, hier geht alles Hand in Hand, so konnten Klaus und Bernd ihre persönlichen Spuren auf der neuen CD hinterlassen. Bernd half beim Arrangieren und Editieren der Songs und war in den Entstehungsprozeß von »The Prophecy« involviert.
Du siehst: Alles kein Problem, und das funktioniert schon über Jahre. Klaus spielte übrigens 2004 auf der SAXON-Europatour bei zehn Shows die Drums und in der darauffolgenden Zeit diverse Einzelshows.
Zum Thema Basser kann ich folgendes sagen: Da ich seit Monaten mit der neuen CD Produktion »The Prophecy« beschäftigt bin, habe ich auch nur sporadisch nach einem neuen Basser gesucht, aber leider haben sich da nicht die Richtigen gemeldet. Zuviele Söldner und Rockstars, die einfach eine schnelle Mark machen wollen und einen weiteren - sagen wir mal - bekannten Namen, an ihren Hemdkragen heften wollen. Unser bisheriger Bassist Roberto Palacios hat nach seinem Ausstieg, der aufgrund von beruflichen Gründen und ebenfalls aufgrund von Zeitproblemen erfolgte, auch gleich gesagt, daß er - sofern es ihm zeitlich möglich ist - der Band jederzeit als Backup zur Verfügung steht, bis der richtige Nachfolger gefunden ist.
CHINCHILLA ist ein Musikgebilde aus Freunden, und deshalb steht der Spaßfaktor auch an erster Stelle. Ob Crew oder Band - wir sind alle Freunde, und das ist für mich sehr wichtig. Alle sollen sich wohlfühlen und Spaß an der Sache haben. Übrigens: Roberto hat auch den Baß auf der neuen CD »The Prophecy« eingespielt und wird den Baß für unseren Beitrag auf dem RUNNING WILD-Tribute-Sampler »ReUnation - A Tribute To RUNNING WILD« bei dem Song ›Conquistadores‹ spielen, und dreimal darfst Du raten, wer die Drums spielt... Bernd!
Wie gesagt, wir sind alle Freunde, und so verbindet mich mit Roberto eine Freundschaft von über 15 Jahren, mit unserem Ex-Keyboarder Artur Diessner verbindet mich eine Freundschaft von über 34 Jahren, ich möchte eigentlich sagen, er ist mein bester Freund, ja fast Bruder. So etwas setzt man nicht für eine Rockband aufs Spiel. Die Zeit heilt alle Wunden, und die Freundschaft steht am Ende doch über allem. So wird uns Artur, nach dem Erscheinen von »The Prophecy« im Herbst, dann im nächsten Jahr bei den Open Airs am Keyboard begleiten.
Ich hoffe, ich konnte etwas Licht ins Dunkel bringen.

Hast Du, Udo! Herzlichen Dank!


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