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  UE-Home → History → Online Empire 42 → Interview-Übersicht → AUDREY HORNE-Interview last update: 29.06.2017, 07:29:00  

AUDREY HORNE-Logo

Kaum eine Band hat es in letzter Zeit geschafft, bei Fans aller möglichen Genres eine dermaßen einheitliche Resonanz hervorzurufen, wie diese Norweger. Mit ihrem dritten, schlicht »Audrey Horne« betitelten Album zeigen sich die vier Herren - genauer gesagt Schlagzeuger Kjetil Greve, die Gitarristen Thomas Tofthagen und Ice Dale, sowie Sänger Toschie - weiter gereift und bereit, den ganz großen Durchbruch zu schaffen.

AUDREY HORNE-Bandphoto 1

Die Erfolgsgeschichte dieser Truppe kommt aber keineswegs überraschend, sondern darf als geradezu logisch betrachtet werden: Schon mit ihrem letztem Album »Le Fol« (2007) deutete sich der Durchmarsch an, auch wenn der Traditionalist/Hard Rocker zu jenem Zeitpunkt noch nicht ganz so überzeugt von der Darbietung der Nordweger gewesen sein mag. Zumindest in Ansätzen merkte man die allumfassende Wirkung dieser Band bereits, deren Geschichte der Band im Jahr 2002 begann, als sich Kjetil, Thomas, Ice Dale (eigentlich Arve Isdal) und Torkjell Rod (Toschie) mit dem Bassisten Tom Canto Visnes (als "King Ov Hell" in der Szene bekannt) und Keyboarder Herbrand Larsen (der mit Arve auch bei ENSLAVED mit von der Partie ist) zusammentaten, um eine Band zu gründen. Den Namen für das Unternehmen entliehen sie der Fernseh-Serie "Twin Peaks", in der die Figur der Audrey Horne eine der Hauptcharaktere gewesen ist. Im Jahr 2005 debütierten die Norweger mit der EP »Confessions & Alcohol« zwar noch recht unspektakulär und auch kaum wirklich international beachtet, doch schon das noch im selben Jahr nachgereichte erste Langeisen »No Hay Banda« ebnete die Erfolgslaufbahn der Formation. Nach der bereits erwähnten zweiten Scheibe wurden AUDREY HORNE für den "Spellemann Prisen" (norwegischer "Grammy") in der Kategorie "Metal" nominiert und konnten sich danach auch auf internationalem Parkett (unter anderem auch bei namhaften Open Air-Festivals) in Szene setzen.
Speziell der Umstand, daß man es hier mit einer sogenannten "Konsens-Band" zu tun hat, schraubte die Erwartungshaltung seitens Presse und Fans für den aktuellen Silberteller in geradezu gigantische Höhen, die AUDREY HORNE mit Sicherheit erfüllen werden können. Um das zu behaupten braucht man sich nicht als Nostradamus zu versuchen, denn die Band, in der Zwischenzeit um Keyboarder Herbrand und den "King Ov Hell" reduziert, erweist sich nämlich kompositorisch stärker denn je und hat sich noch ein wenig mehr in Richtung "Stadion Rock/Classic Rock" orientiert. AUDREY HORNE liefern auf ihrem aktuellen Dreher eine ganze Wagenladung an wunderbaren Melodien ab, die nirgendwo auf diesem Erdball ihre Wirkung verfehlen werden. Meine Wenigkeit traut den Jungs gar einen ähnlichen Durchmarsch nach ganz oben zu, wie es in letzter Zeit nur den Dänen VOLBEAT gelungen ist.
Daß die Band, die als Stellvertreter Sänger Toschie auserkoren hat, um die Fragen der Presse zu beantworten, nicht minder zufrieden mit dem momentanen Status der Band ist, kann man sich wohl vorstellen. Was genau der ansonsten in kein anderes Projekt involvierte Frontmann der Norweger zu sagen hatte, erfahrt in den folgenden Zeilen.

AUDREY HORNE-Headline

Die Essenz von AUDREY HORNE definiert jeder Zuhörer ein klein wenig anders, ganz im Gegenteil dazu sind sich alle einig, daß ihr momentan mit zu den abgesagtesten Bands im gesamten Business zu zählen seid. Wie erklärst Du das Erfolgsgeheimnis der Band?

Ehrlich gesagt sehe ich keine "Geheimnisse" bei uns. Wir sind zwar sehr glücklich, momentan erfolgreich zu sein, doch ohne intensive Arbeit wäre all das unmöglich gewesen. Im Unterschied zu früher kann man jedoch durchaus festhalten, daß die Herangehensweise ein etwas andere war. Wir arbeiteten dieses Mal noch zielorientierter und hatten immer den Gedanken verfolgt, möglichst effiziente Songs - völlig unabhängig von der stilistischen Ausrichtung - abzuliefern. Genau das scheint es zu sein, was Musikfans heutzutage brauchen.

Für welche Zielgruppe machen AUDREY HORNE denn überhaupt Musik? Oder anders gefragt, gibt es "den" Fan von Euch?

Das ist fast unmöglich zu beantworten, denn offenbar lassen sich heutzutage auch Musik-Konsumenten und Fans auf uns ein, die vor einiger Zeit noch nicht so weit über ihren Tellerrand hinausgeblickt hatten. Auf der anderen Seite scheint unsere bisherige Vorgangsweise die richtige gewesen zu sein, denn offenbar sprechen wir mittlerweile traditionell orientierte "Classic Rock"-Fans gesetzteren Alters genau so an, wie auch junge Rockmusikliebhaber, die sich eher an sogenannten "Alternative"-Sounds erfreuen. Einen "typischen" AUDREY HORNE-Fan kann ich daher nicht beschreiben. Ich bin zwar selbstbewußt genug, um zu behaupten, daß wir als Band Fangruppen vereinen können, weiß aber sehr wohl auch zu schätzen, daß offenbar in der Szene ein höheres Maß an Toleranz vorhanden ist als noch vor einigen Jahren.

AUDREY HORNE-Bandphoto 2

Für solch' einen vielerorts akzeptierten Sound werden wohl auch die Inspirationen dementsprechend breitgefächert sein, oder?

Damit liegst Du vollkommen richtig. Es gibt doch nichts Langweiligeres, als den ganzen Tag dieselbe Art von Musik zu hören. So etwas will sich wohl nicht einmal jemand geben, der so wie meine Kollegen, aus der Black Metal-Ecke stammt. Von daher sind Inspirationen und Vorlieben bei uns ebenso breitgefächert wie unsere Musik selbst. Dunkler, düsterer Metal zählt zwar genauso dazu, doch dem gegenüber stehen zunächst einmal die ganz großen Namen der 70er Jahre, sowie spätere Ikonen der Rockmusik. Weiters müssen aber natürlich auch jede Menge an zeitgemäßen Formationen wie ISIS oder TOOL, aber auch einige Bands aus der Grunge-Phase erwähnt werden. Mit anderen Worten: Uns inspiriert alles, was man auf den gemeinsamen Nenner "gute Musik" bringen kann.

Spezielle deine Bandkumpanen aus der Schwarzwurzel-Abteilung scheinen aufgrund ihrer unzähligen Beteiligungen an Bands/Projekten teilweise gefährdet zu sein, den Überblick behalten zu können, was denn an der Tagesordnung stehen würde. Gibt es denn keinerlei Überschneidungen, Abstimmungsprobleme oder Terminkollisionen bei Euch?

Nein, bis jetzt noch nicht. Alle Mitglieder arbeiten sehr konzentriert und wissen ihre Betätigungsfelder zu koordinieren. Ich selbst bin zwar das einzige Bandmitglied, das ausschließlich bei AUDREY HORNE aktiv ist, habe aber kein Problem mit "Nebenbaustellen". Vor allem Ice Dale ist diesbezüglich ein echtes Phänomen. Der Kerl ist nahezu rund um die Uhr aktiv und hat gleich mehrere Eisen im Feuer. Allen voran steht er neben uns momentan mit OV HELL und ENSLAVED voll im Saft, schafft es aber dennoch problemlos, sich nicht selbst im Weg zu sein. [lacht]

AUDREY HORNE-Bandphoto 3

Perfektes Time-Management also, das der Herr an den Tag legt. Mit Superlativen wie "perfekt" wirft auch die Presse um sich, um »Audrey Horne« gebührend zu lobpreisen. Mit welcher Erwartungshaltung seid Ihr selbst denn an die Scheibe herangegangen?

Für uns selbst war von Anfang an lediglich wichtig, uns selbst damit vollends zufriedenstellen zu können. Das mag überheblich klingen, ist es aber nicht. Wir wollten nichts anderes fabrizieren als Songs, die wir selbst auch hören möchten und zwar nicht bloß ein paar Mal. An die 40 Songs hatten wir im Endeffekt zur Auswahl, mußten jedoch ordentlich reduzieren, um nicht über dieses Ziel hinauszuschießen. Schlußendlich haben wir uns für elf Tracks entschieden, die auf das Album gekommen sind. Dabei war es uns völlig egal, ob wir selbst der Meinung waren, daß es sich dabei um die "besten" Songs handeln würde. Viel wichtiger war es, den "Fluß" beizubehalten, damit wir unseren Fans ein Stück ehrliche und verdammt gute Musik abliefern können.

Operation gelungen. Was aber soll denn mit den "Überresten" geschehen?

Eine nicht gerade kleine Anzahl an vollendenden Songs, die ebenso das Zeug dazu haben, Ohrwürmer zu werden, werden zum Teil als "B-Seiten", für Compilations, aber auch als Bonustracks Verwendung finden. Ansonsten haben wir die Tracks archiviert, jedoch noch keine Idee, was damit geschehen wird.

Weshalb habt Ihr Euch dafür entschieden, diesmal nicht in der Heimat, sondern im fernen Amerika unter der Ägide von Joe Barresi aufzunehmen?

Zum einen haben wir bereits zu Zeiten des Debutalbums mit ihm positive Erfahrung gemacht, zum anderen hat der Kerl in den letzten Jahren ausschließlich imposante Produktionen abgeliefert. Wir lieben einfach seine Herangehensweise! Joe macht sich nicht ins Hemd, wenn eine Band eventuell kleinere Spielfehler begeht, sondern läßt Musiker arbeiten, solange die Dynamik und Energie des jeweiligen Songs erhalten bleibt. Exakt das brauchen wir, und von daher sind wir mit dem Ergebnis auch hochzufrieden.

Zu klären wäre für mich noch der Umstand, daß Herbrand zwar kein Bandmitglied mehr ist, Keyboards jedoch einen nicht gerade unerheblichen Anteil des Gesamtklangbildes ausmachen.

Dazu muß man wissen, daß er uns im Guten verlassen hat und nur deshalb kein festes Mitglied bei AUDREY HORNE mehr ist, weil es sein Zeitplan nicht mehr zugelassen hat. An unserer Freundschaft hat sich jedoch nichts verändert, weshalb er auch selbstredend für das aktuelle Album zur Verfügung gestanden ist und darauf, die meiner Meinung nach beste Leistung seiner gesamten Karriere geboten hat. Er wird auf »Audrey Horne« genauso als Gastmusiker angeführt, wie Espen Lien, der uns am Baß unterstützt hat. Espen stammt ebenso wie wir alle, aus der großen Metal-Familie hier in Bergen, ist zusammen mit Ice Dale und anderen ENSLAVED-Musikern auch noch bei TRINACRIA am Start und wird uns wohl auch bei anstehenden Tournee-Aktivitäten begleiten.

Gutes Stichwort, wann und wo wird man denn AUDREY HORNE zu sehen bekommen?

An sich soll es ab April mit einer durchgehenden Tournee losgehen, doch leider kann ich zu diesem Thema noch nicht allzu viel verraten, da außer einigen Gigs hier in Norwegen noch nicht wirklich viel festgelegt ist. Aber wir werden natürlich live spielen und mit Sicherheit auch bei Euch erneut aufgeigen, keine Frage!

http://www.audreyhornemusic.com/

Vorbereitung, Interview & Bearbeitung:
Walter Scheurer

Photos: Bent Rene Synnevåg [Photo 1 & 2], Boris Draschoff [Photo 3]

AUDREY HORNE-Design

 

AUDREY HORNE im Überblick:
AUDREY HORNE – Pure Heavy (Rundling)
AUDREY HORNE – ONLINE EMPIRE 40-"Living Underground"-Artikel
AUDREY HORNE – ONLINE EMPIRE 42-Interview
AUDREY HORNE – News vom 28.01.2006
andere Projekte des beteiligten Musikers Kjetil Greve:
DERIDE – The Void (Rundling)
DERIDE – News vom 11.10.2002
DERIDE – News vom 10.03.2008
andere Projekte des beteiligten Musikers Arve "Ice Dale" Isdal:
BOURBON FLAME – News vom 05.04.2006
Demonaz – News vom 30.11.2007
ENSLAVED (N) – ONLINE EMPIRE 36-"Living Underground"-Artikel
ENSLAVED (N) – ONLINE EMPIRE 48-"Living Underground"-Artikel
ENSLAVED (N) – News vom 11.01.2003
ENSLAVED (N) – News vom 12.01.2003
ENSLAVED (N) – News vom 23.10.2007
ENSLAVED (N) – News vom 27.10.2011
ENSLAVED (N) – News vom 16.12.2016
GOD SEED – News vom 23.03.2009
GOD SEED – News vom 30.03.2009
GOD SEED – News vom 30.03.2009
GOD SEED – News vom 17.08.2009
GORGOROTH [II] – News vom 03.06.2008
GORGOROTH [II] – News vom 23.03.2009
I – Between Two Worlds (Rundling)
I – News vom 17.10.2005
MALIGNANT ETERNAL – News vom 12.01.2001
MALIGNANT ETERNAL – News vom 19.03.2007
M-ETERNAL – News vom 12.01.2001
OV HELL – News vom 22.10.2009
PERFECT VISIONS – News vom 18.04.2007
TRINACRIA – News vom 17.03.2007
TRINACRIA – News vom 09.04.2008
andere Projekte des beteiligten Musikers Espen Lien:
TRINACRIA – News vom 17.03.2007
TRINACRIA – News vom 09.04.2008
andere Projekte des beteiligten Musikers Thomas Tofthagen:
SAHG – News vom 11.03.2006
SAHG – News vom 16.03.2009
SAHG – News vom 30.09.2015
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